Johor Darul Takzim FC – Kuching City FC – 2:0

„MALAYSIAS FUSSBALL AM SCHEIDEWEG“

23.05.2026
Piala Malaysia Finale
Stadium Nasional Bukit Jalil
Zuschauer: 50.032

KUALA LUMPUR – Es gab durchaus gute Gründe für den Beschluss auf dem Schwechheimer Redaktionstreffen Ende März, schon vor den Ergebnissen der Halbfinals den Südostasienexperten CvS zum malaysischen Pokalfinale zu entsenden. Zum einen lockte Etihad mit Knallerpreisen, vermutlich um die durch den Irankrieg etwas verschmähte arabische Halbinsel wieder zu beleben. Zum anderen zeichnete sich das Finale Selangor gegen Johor ab, oder auch UltraSel gegen Boys of Straits auf den Rängen, die wohl beiden besten Gruppierungen des Landes.

Leider sollte es anders kommen und Selangor verpasste nach einem 1:1 im Hinspiel durch eine knappe Niederlage mit strittigen Schiedsrichterentscheidungen den Finaleinzug. So hieß die Finalpaarung stattdessen Johor gegen Kuching City, wobei das Team von der Insel Borneo getrost als Farmteam bezeichnet werden kann. Diverse Leihspieler und Ex-Spieler von JDT tummeln sich im Kader.

Da Malaysia nichtsdestotrotz immer eine Reise wert ist, machte man sich natürlich trotzdem auf den Weg. Allein das Nationalstadion Bukit Jalil ist ein absoluter Hingucker. JDT ging als klarer Favorit in dieses Endspiel, diverse europäische und südamerikanische Legionäre zieren den Kader und lassen normalerweise die Gegner machtlos zurück.

Kuching machte jedoch ein großartiges Spiel, verteidigte mit viel Herzblut und hatte die deutlich besseren Chancen. Doch weder ein leeres Tor noch einen Elfmeter konnte man nutzen, um verdient in Führung zu gehen. Und so kam es, wie es kommen musste: Johor nutzte eine seiner Chancen und ging in der 80. Minute mit 1:0 in Führung, in der Nachspielzeit folgte das 2:0. So hieß der Sieger einmal mehr Johor Darul Ta’zim FC.

Doch das ist in Malaysia längst kein wirklicher Überraschungssatz mehr. Johor Darul Ta’zim hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Dauersieger sämtlicher Wettbewerbe im malaysischen Fußball entwickelt, sportlich wie strukturell. Meisterschaften werden regelmäßig frühzeitig entschieden, während der Rest der Liga die Saison eher im Modus der Schadensbegrenzung bestreitet. Selbst zweistellige Ergebnisse gehören dabei nicht mehr in die Kategorie Sensation, sondern eher in die Wochenübersicht. Ein 14:0 gegen PDRM vor wenigen Wochen war entsprechend weniger Ausrutscher als Fußnote einer längst bekannten Hierarchie.
Die letzte nationale Niederlage des Klubs liegt mittlerweile Jahre zurück, und auch abseits der Resultate ist die Sonderstellung offensichtlich.

Hinter JDT steht mit „TMJ“, Tunku Ismail Idris, der Kronprinz von Johor, ein Eigentümer mit direktem Zugang zu den finanziellen und politischen Strukturen des Bundesstaates. Der Klub profitiert entsprechend von Ressourcen, die im nationalen Vergleich nicht einmal ansatzweise erreichbar sind, inklusive modernster Infrastruktur, eigenem Stadion und Trainingszentrum auf internationalem Niveau.
Je nach Betrachtungsweise ist das entweder konsequente Spitzensportförderung oder eine sehr großzügige Interpretation von Sponsoring, und das größtenteils aus dem Staatshaushalt. Innerhalb Malaysias findet man beide Lesarten, wobei die sportliche Realität auf dem Platz meist nur eine zulässt.

Für den Rest der Liga bleibt der Blick nach oben entsprechend frustrierend. Traditionsteams kämpfen mit finanziellen Problemen, teils ausstehenden Gehältern und sportlichem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Namen wie Kedah oder Perak, früher feste Größen mit großen Fanbasen, sind inzwischen entweder zweitklassig oder kaum noch konkurrenzfähig.
Die Folge ist ein Wettbewerb, der seinen Namen nur noch eingeschränkt trägt. Der Meister steht früh fest, sportliche Spannung ist selten, und die Zuschauerzahlen haben sich über die Jahre entsprechend entwickelt. Wo einst fast fünfstellige Schnittwerte möglich waren, dominieren heute vielerorts leere Ränge. Spiele mit dreistelligen Zuschauerzahlen sind keine Ausnahme mehr, sondern Teil des Normalbetriebs.

Auch die Infrastruktur trägt ihren Teil dazu bei: viele Stadien sind für den Stadionromantiker reizvoll, aber funktional längst nicht auf der Höhe der Zeit. Wenig Komfort, kaum Schutz vor der tropischen Sonne, dazu infrastrukturelle Mängel, die den Stadionbesuch selten attraktiver machen als die Fernsehübertragung.

Hinzu kommt eine Phase harter Einschnitte für aktive Fanszenen zwischen 2015 und 2020, in der Stadionverbote und Restriktionen viele Gruppen nachhaltig geschwächt haben. Heute existiert nur noch eine kleine Zahl wirklich aktiver Kurven, darunter Selangor (UltraSel), Negeri Sembilan (UN9), Terengganu (Ultras Tranung), Johor (Boys of Straits) sowie in Liga zwei Perak (Supporters Perak), wobei die erstgenannte im landesweiten Vergleich die klare Referenz darstellen.

Parallel dazu steht auch der Verband selbst regelmäßig in der Kritik. Die Themen reichen von Korruptions- und Matchfixingvorwürfen über organisatorisches Chaos bis hin zum jüngsten „Heritage“-Skandal, bei dem eingebürgerte Nationalspieler wegen gefälschter Abstammungsdokumente gesperrt wurden, ein Vorgang, der sogar FIFA-Ermittlungen nach sich zog und dem malaysischen Fußball international erheblich geschadet hat.
Der Skandal traf nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch das Vertrauen in die Strukturen insgesamt. Selbst die Ultras Malaya haben daraufhin Teile ihres Supports eingestellt und umfassende Reformen gefordert. Wer heute ein Länderspiel in Malaysia besucht, sollte auf den Rängen entsprechend keine große Erwartungshaltung mitbringen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Landes in dem das Potenzial des Fußballs, wie die Vergangenheit durchaus gezeigt hat, deutlich größer wirkt als sein aktueller Zustand. Der in den Stadien häufig zu lesende Satz „Kembalikan bolasepak kepada rakyat“ – „Gebt den Fußball dem Volk zurück“ wirkt dabei weniger wie ein Slogan sondern vielmehr wie ein stiller Hilferuf.
(CvS)

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