SG BSG Kali Werra Tiefenort – SG Empor Kloster – 5:0

SG BSG Kali Werra Tiefenort – SG Empor Kloster – 5:0

„GESAMTKUNSTWERK KAFFEETÄLCHEN“

29.03.2026
Kreisliga Westthüringen/Staffel II
Waldstadion Kaffeetälchen
Zuschauer: 240

BAD SALZUNGEN – Statt 7:9-Derby-Spektakel im Steigerwald hieß es für 75% der „Reisegruppe Thüringen“ am Sonntag: Waldstadion Kaffeetälchen! Die Spielstätte in der Kreisliga Westthüringen/Staffel II wurde für dieses Wochenende zum Zielspiel auserkoren. Etwas irre, wenn man nur auf das sportliche Niveau schaut, aber absolut erklärbar, sobald das Kaffeetälchen seinen Vorhang öffnet!

„Groundhoppers Dream“ in dem Ortsteil der Stadt Bad Salzungen, denn das kultige, kleine Stadion der Tiefenorter fliegt seit gut einem Jahrzehnt durch den medialen Fußball-Kosmos und ist bei Fußball-Touristen auf dem ganzen Kontinent in aller Munde. Vollkommen zu Recht, der Spielort im Wald strahlt nicht nur Fußball-Romantik vom Feinsten aus, sondern bekommt auch noch den Stempel „unique“ verpasst. Gerade die Stufen in der Kurve lassen das Herz höherschlagen. Erst wenn man oben am höchsten Punkt steht, entfaltet das Panorama seine volle Wirkung.

Der erste Blick am Eingang kann das Feeling noch nicht ganz transportieren. Die Aufmerksamkeit für das Waldstadion ist Fluch und Segen zugleich. Denn plötzlich ist in der zentralen Stadt des Wartburg-Kreises Geld für Neuerungen bei der BSG vorhanden. Der Kelch „Kunstrasen“ ist an der Spielstätte nochmal vorübergangen. Für alle weiteren Maßnahmen, die da folgen mögen, wurde bereits eine „Baustraße“ an der Gegentribüne fertiggestellt, die zeigt, wie moderne „Spundwände“ aus Fertigbeton den nostalgischen Eindruck sprengen könnten.

Zum Glück reden wir hier noch im Konjunktiv. Denn bis auf die Zuwegung zum Stadion, hat sich bis heute der Zahn der Zeit im Kaffeetälchen durchgesetzt. In der Kurve oben angekommen, schleicht sich eher die Befürchtung ein, dass irgendein Landrat oder eine Bezirksregierung diese steilen, schiefen Ränge vielleicht bald mal sperren könnte. Nehmen wir diese Gedankenspiele lieber schnell wieder mit nach Schwechheim und widmen uns dem Spieltagsgeschehen. Rund 250 Zuschauer waren an diesem Sonntag-Nachmittag ins Kaffeetälchen geströmt, davon sicher 10% Groundhopper aus allen Teilen Deutschlands. Die 3€ Eintritt werden mit einer sehr schönen Eintrittskarte belohnt und auch sonst gibt es ein paar nette Souvenirs an den Verkaufsständen zu erwerben. Der „Roster“ vom Grill kann auf ganzer Linie überzeugen und macht dem Bundesland alle Ehre.

Auch ein paar Dutzend Gästefans und vier Zaunfahnen hatten sich auf der Gegengerade eingefunden. Die SG Empor Kloster stammt ebenfalls aus einem Ortsteil der Kreisstadt Bad Salzungen. Im Kaffeetälchen stand also ein waschechtes Derby auf dem Programm. Der ehemalige DDR-Ligist traf auf den Tabellenletzten aus Kloster. Das Spiel lief von Beginn an nur in eine Richtung. Die spielerischen Darbietungen von Kali Werra waren von „hoch droben“ aus der Kurve wirklich schön anzusehen. Der Jubel auf den Rängen und der euphorische Stadionsprecher trugen ihren Teil zu einem mehr als gelungenen Nachmittag bei. Spätestens nach einem Platzverweis für den Kloster-Keeper war der Drops gelutscht und immer wieder konterte sich Tiefenort mit schnellen Stafetten vor das Tor, so dass das Endergebnis am Ende kein Zufall war.

Kein Zufall ist letztlich auch das „Gesamtkunstwerk Kaffeetälchen“, das auf ganzer Linie überzeugt. Nicht zuletzt die Groundhopper-Community mit ihren ständigen Besuchen und der medialen Aufmerksamkeit hat dafür gesorgt, dass das Stadion mittlerweile wie ein Denkmal gepflegt und erhalten wird. Besonderen Dank gebührt in diesem Zusammenhang natürlich Jonas Schulte, der diesen Sehnsuchtsort einst „wachküsste“, wie es Christoph Biermann in der Zeitschrift „11 Freunde“ beschrieb.

Dieser Zustand hält nachwievor an. Das Märchen vom Froschkönig passt ganz gut in das verwunschene Kaffeetälchen. (mm)

FC Kilia Kiel – TuS Rotenhof – 4:1

FC Kilia Kiel – TuS Rotenhof – 4:1

„VON DER GOLDMARK BIS ZUM EURO“

18.03.2026
Oberliga Schleswig-Holstein
Kilia-Platz
Zuschauer: 230

KIEL – Den horrenden Ölpreisen zum Dank, entschied ich mich letzte Woche am Mittwoch für einen Revisit mit der Bahn. Mit der RE83 sollte es von Schwechheim nach Kiel gehen. Die Fahrt quer durch die „Holsteinische Schweiz“ hätte im linearen Fernsehen der 90er-Jahre in der Sendung „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ sicher ihren Platz gefunden. Noch dazu liefert die DB meistens pünktlich ab, weil keine chronisch unzuverlässigen Fernzüge diese Nebenstrecke blockieren.

Aber weg vom Trainspotting, zurück zum Groundhopping. Beim letzten Besuch am Hasseldieksdammer Weg kickte Kilia noch in der Landesliga. Die ersten Begegnungen als Groundhopper mit dem Traditionsverein vom Südfriedhof fanden gar in der Kreisliga statt. Seitdem hat sich eine Menge getan am Kilia-Platz. Vor drei Jahren schafften die Kilianer den Sprung in die Regionalliga. Den ehrwürdigen Ground mit der Tribüne von 1919 hat man um 180 Grad umgekrempelt. Kunstrasen statt Naturgras. Alle Stufen hinter dem Tor weg. Einstufige Sitzreihen und – Überraschung: Die mobile Sitzplatztribüne ist verschwunden.

Da sich Kilia den Platz mit den Footballern der „Kiel Baltic Hurricanes“ teilt, ist hier leider besonders viel Dynamik am Spielort vorhanden. Dort, wo einst die mobile Tribüne stand, sind allerdings frisch gegossene Betonfundamente zu sehen, offenbar ist hier neuer Ausbau im Anmarsch, wie mir auf Nachfrage bestätigt wurde. Die alte Tribüne steht auf der Gegenseite wie eh und je und hätte auch mal wieder einen neuen Anstrich verdient. Das Goldstück wurde vor 107 Jahren für 25.000 Goldmark errichtet und noch immer wird am Ground gewerkelt – auch wenn das Zahlungsmittel mittlerweile auf kontinentale Einheitswährung umgestellt wurde.

Mit einem „KöPi“ für 3,50€ in der Hand ging es kurz vor dem Anpfiff schließlich auf die alte Tribüne. Kiel ist auch so eine richtige Pilstrinkerstadt. Kann man sich irgendwie nicht vorstellen, dass die Bewohner der Stadt zwischen den Klinkerbauten in Düsternbrook und Ellerbek an Bistrotischen hocken und Aperol Spritz schlürfen. Dann lieber Holsten Edel, ist schon recht. Kilia war aber schon immer eine KöPi-Destination, wie die persönlichen Aufzeichnungen belegen. 2020 kostete der Humpen allerdings noch glatte 2€. So viel zur kontinentalen Einheitswährung.

Mit dem Anpfiff übernahm die Heimelf als Favorit das Kommando, ging schnell in Führung und ließ gegen den Abstiegskandidaten aus dem Rendsburger Ortsteil wirklich gar nichts anbrennen. In dieser Form kommt Kilia grundsätzlich sicher auch wieder für einen Regionalliga-Aufstieg in Frage. Allerdings ist der SV Todesfelde mit einer Fabelsaison schon weit enteilt und der Vorsprung an der Tabellenspitze wäre noch größer, hätte der Verband den Anfahrtsstau letztes Jahr auf der A7 nach Satrup zum Auswärtsspiel nicht als „Nicht-Antritt“ gewertet. Aber das ist eine andere Sache. Kilia erledigte an diesem Abend seine Hausaufgaben, ging 3:0 in Führung und selbst als es eine Rote Karte für Kiel und einen Handelfmeter für die Gäste gab, konnte dies nicht mehr an dem verdienten Heimsieg rütteln.

Mal gucken wo die Reise in der nächsten Saison hingeht und wie der Ground dann ausschaut. (mm)

NK Omladinac Gornja Vrba – NK Slavija Pleternica – 0:2

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (91). Schon wieder Balkan, schon wieder Kroatien, schon wieder Adria-Vibes. Nicht ganz, denn diese Tribüne findet ihr im kroatischen Hinterland, genauer gesagt im Dorf Gornja Vrba nahe Slavonski Brod. Hier läuft der halbe Liter Ožujsko für faire zwei Euro frisch gezapft aus dem Hahn. In den Sommermonaten gibt es zudem ab und an Ćevapi vom Grill. Ob ‚velika ili mala‘, Ajvar und Fladenbrot dazu und das Leben genießen!

–-

28.08.2022

Igralište ŠRC Goran Jurić, Gornja Vrba
NK Omladinac Gornja Vrba – NK Slavija Pleternica – 0:2

Rot-Weiß Oberhausen – SC Wiedenbrück – 2:1

Rot-Weiß Oberhausen – SC Wiedenbrück – 2:1

„MANTAPLATTE, BIER UND RWO – DER SCHÖNE REGIONALLIGA SAMSTAG“

21.03.2026
Regionalliga West
Stadion Niederrhein
Zuschauer: 4.026

OBERHAUSEN — Ich habe in meinem Leben schon den einen oder anderen Ground besucht und war auch schon des Öfteren in Nordrhein Westfalen unterwegs, aber nach Oberhausen hat es mich bislang noch nie verschlagen. Weder war ich bisher in der sogenannten Einkaufsstadt, noch im Stadion Niederrhein. Dank der Bundesliga Terminierung sollte sich dieser Makel im virtuellen Informer nun endlich in Luft auflösen.

Aufgrund der gestiegenen Spritpreise ging es bereits um neun Uhr von Schwechheim aus in Richtung Oberhausen. Vor Ort tankten wir das Auto für unfaire 2,14 Euro und stellten es anschließend am Schloss ab. Dort kann man drei Stunden für drei Euro parken und erreicht nach einem etwa zehnminütigen Spaziergang entlang des Kanals das Stadion. An der Tageskasse hatte eine Dame vor uns einen Gutschein für den Sitzplatzbereich, wollte jedoch lieber in die Emscherkurve zu ihren Freunden. Diesem Wunsch kamen wir natürlich nach, kauften ihr das Stehplatzticket ab und nutzten im Gegenzug den Gutschein selbst. Am Ende haben alle gespart und waren zufrieden. Oberhausen, was will man mehr? Eine Mantaplatte! Die Kombination aus Currywurst und Pommes ist in Nordrhein Westfalen schließlich Pflicht. Wenn man schon keine Lokalität für den legendären Taxiteller besucht, dann gehört die Mantaplatte einfach dazu. Dazu gab es noch ein Pils in die andere Hand und schon ging es ins Stadion.

Dort trafen wir auf bekannte Gesichter, die offenbar die gleiche Idee hatten wie wir. Groundhopper ticken eben oft ähnlich. Bei herrlichem Wetter betraten die Spieler um 14 Uhr den Platz und wurden von ihren Fans begrüßt. Die folgenden 90 Minuten waren allerdings eher überschaubar. Ein typisches Regionalliga Spiel: Der Favorit erzielte zwei Treffer und verwaltete die Partie bis in die Nachspielzeit. In der 93. Minute gelang Wiedenbrück noch der Anschlusstreffer, doch mehr war nicht mehr drin. Unterm Strich ein verdienter Sieg für die Hausherren im Stadion Niederrhein. Am Ende wird Wiedenbrück wohl den Gang in die nächste Liga antreten müssen, während Oberhausen erneut als Zweiter abschließen dürfte. Eine Rückkehr in den eingleisigen Profifußball hätte der Standort definitiv verdient. Selbst bei einem solchen Regionalliga Spiel fanden dank der School Days Aktion über 4000 Zuschauer den Weg ins Stadion.

Der Standort am Kanal und diese nostalgische Spielstätte gehören einfach in die dritte Liga. Wir vom Schwechheimer Landboten wünschen RWO viel Erfolg und kommen sicher wieder. Denn Currywurst, ehrlicher Fußball und ein gutes Bier, das mögen wir! (mb)

Stuttgarter Kickers – KSV Hessen Kassel – 0:1

Stuttgarter Kickers – KSV Hessen Kassel – 0:1

„WILLKOMMEN IM ÄLTESTEN FUẞBALLSTADION DEUTSCHLANDS“

21.03.2026
Regionalliga Südwest
Stadion auf der Waldau
Zuschauer: 4.240

STUTTGART – Manchmal schreibt der Spielplan seine eigenen Geschichten. Eigentlich sollte an diesem Wochenende die Komplettierung der 3. Liga erfolgen, doch die Ansetzungen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Also musste kurzfristig ein Plan B her.

Mit dem Traditionsduell zwischen den Stuttgarter Kickers und dem KSV Hessen Kassel war schnell ein passender Ersatz gefunden – zumal das Stadion auf der Waldau schon lange auf meiner persönlichen Liste stand.

Die Waldau gilt als das älteste Fußballstadion Deutschlands, in dem noch regelmäßig gespielt wird. Kein anderer Verein trägt seine Heimspiele seit so langer Zeit am selben Standort aus. Bereits seit 1905 rollen hier für die Kickers die Bälle. Hinzu kommt die besondere Lage: Rund 500 Meter über dem Meeresspiegel gehört das Stadion zu den höchstgelegenen Spielstätten des Landes.

Das rund 11.000 Zuschauer fassende Stadion versprüht mit seinen weitläufigen Stehplatzbereichen einen ganz eigenen Charme. Von der Westtribüne hinter dem Tor eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm, der nur etwa 200 Meter entfernt in den Himmel ragt.

Da sich die aktive Fanszene im B-Block auf der Gegengeraden befindet und auch die Gäste auf dieser Tribüne untergebracht sind, ergibt sich von dort ein guter Überblick über beide Fanlager.

Bereits beim Betreten des Stadions bot sich ein ansprechendes Kurvenbild auf Seiten. Hinter der B-Block-Fahne sowie den Zaunfahnen von „Blaue Bomber“ und „Blue Boys“ sorgten zahlreiche Schwenkfahnen und Doppelhalter für Bewegung und Farbe.

Auch die Anhänger aus Kassel waren sichtbar präsent. Sie positionierten sich unter anderem hinter einer „Verbandsstrafen abschaffen“-Fahne sowie ihrer „Hessen Kassel“-Fahne. Zudem hatte es eine kleine Kiel-Fahne in den Gästeblock geschafft – ein Hinweis auf die bestehende Fanfreundschaft, die im Spielverlauf durch gemeinsame Gesänge unterstrichen wurde.

Dass selbst in der vierten Liga bei beiden Vereinen Fanszenen existieren, die mit solcher Intensität und Leidenschaft supporten, verdeutlicht einmal mehr die besondere Qualität der deutschen Fankultur.

Auf dem Rasen entwickelte sich eine eher chancenarme Partie, die dennoch ihren Moment fand: In der 41. Minute traf Jan Dahlke nach einer Flanke überraschend per Kopf zur Führung für die Gäste. Dieser Treffer sollte letztlich den Unterschied machen, so dass der KSV Hessen Kassel mit einem 1:0-Auswärtssieg die Heimreise antreten konnte.

Unter dem Strich bleibt ein mehr als gelungener Ausflug nach Süddeutschland. Die Waldau überzeugte mit Tradition, Atmosphäre und authentischem Fußballflair. (fj)

DJK Falke Gelsenkirchen – SSV/FCA Rotthausen II – 0:1

DJK Falke Gelsenkirchen – SSV/FCA Rotthausen II – 0:1

“GELSENKIRCHEN – DIE STADT FÜR GROUNDHOPPER”

22.03.2026
Kreisliga C Gelsenkirchen 2
Sportanlage Tossehof
Zuschauer: 48

GELSENKIRCHEN – Da sind wir wieder, das erste Wochenende in diesem noch jungen Jahr im für mich besten Bundesland Deutschlands. Die Faktoren stimmen einfach. Im Rahmen des Familienbesuchs und eines Auswärtsspiel im Westfalenstadion war endlich Zeit für den nächsten Ascheplatz im Gelsenkirchener Stadtgebiet. Am besten Tag der Woche für den heiligen Amateurfußball wurde der Sportplatz an der Plutostraße auserkoren. Zuvor setzte ich im zweiten Anlauf endlich das Kreuz für das Stadion in Sodingen.

Spitzenspiel in der Kreisliga, der aktuelle Tabellenzweite empfing den Tabellenführer: Die Voraussetzungen könnte man als ideal bewerten. Zudem brachten frühlingshafte Temperaturen die Lippen zum Grinsen. Im Vereinsheim des Klubs gab es alles, was das Herz begehrt. Besonders das “tut gut” meiner Lieblingsbrauerei aus dem Essener Norden gefiel mir. Mit klaren Worten und viel Herzlichkeit kann hier jeder Fußballbegeisterte seinen Nachmittag verbringen.

Das Spiel wurde leider durch eine tragische Verletzung lange unterbrochen. Wir wünschen dem betroffenen Spieler eine schnelle und erfolgreiche Genesung. Nach circa 50 Minuten Unterbrechung kullerte das runde Leder wieder über den staubigen Grand. Ein Genuss für die Augen.

Für mich gab es zudem ein kleines Jubiläum, als Außenstehender und nicht Ortsansässiger Besucher die erste dreistellige Anzahl an gekreuzten Sportplätze/Stadien in dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. Zudem ein weiterer Spielort, der zeigt, wieso das Besuchen von Ascheplätzen einen enorm hohen Wert hat. Mittlerweile gilt der Belag als Seltenheit, zumindest in heimischen Gefilden oder als Delikatesse des deutschen Amateurfußballs. Hoffen wir mal, dass der Ball ewig weiter kullert. Der nächste Besuch in NRW folgt sicher bald! (tp)

Hannover 96 – Eintracht Braunschweig – 1:0

Hannover 96 – Eintracht Braunschweig – 1:0

„PYRO-EKSTASE BEIM NIEDERSACHSENDERBY SORGT FÜR STANDING OVATIONS“

20.03.2026
Bundesliga
Niedersachsenstadion
Zuschauer: 42.000

Hannover – Am vergangenen Freitag planten zwei Mitglieder der Redaktion einen Ausflug zum Spiel zwischen Schöningen und dem VfB Lübeck, zwei weitere Redakteure wollten das Niedersachsen-Derby besuchen. Wir scherzten noch herum, ob es sich nicht anbieten würde, eine Fahrgemeinschaft zu bilden, doch am Ende kam alles anders: Gästeverbot in Schöningen, also doch alle zum Niedersachsen-Derby.

Am Ende waren also gleich vier Redaktionsmitglieder vor Ort, angereist in drei verschiedenen Autos und einer mit der Deutschen Bahn. Ich persönlich zögerte erst noch, sagte dann aber doch zu. Ich hatte tatsächlich Zweifel, ob es auf den Tribünen wirklich gut wird, stand das Spiel ja unter strikter Beobachtung der Politik.

Gegen 16:30 Uhr kam meine Autobesatzung am Niedersachsenstadion an. Wir haben uns noch mit ein paar alten Bekannten aus Hannover auf ein Bier getroffen und sind dann relativ pünktlich, eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff, ins Stadion gegangen.

Das sollte sich auszahlen, denn die aktive Heimszene rief dazu auf, dass sich alle Fans um 17:45 Uhr, also eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff, im Block einfinden sollen. Zum Einlaufen der Mannschaften wurden dann direkt mal 20 Fackeln angerissen und eine erste Chorprobe folgte zugleich. Anmerkung der Redaktion: Bestanden! Auch die Gästefans machten lautstark auf sich aufmerksam. Im Anschluss war bis kurz vor Anpfiff der Partie beidseitig eher eine angespannte Stimmung zu vernehmen.

Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten beide Seiten ein jeweils wirklich gelungenes Intro. 96 punktete mit einer Choreo über die gesamte Nordtribüne. Glitzerfähnchen, Glitzerpappen und ein zentrales Hochziehelement wurden verwendet, um den Spieler Peter Radojewski bei seinem Torjubel aus der Derbysaison 1989/1990 zu visualisieren. Der Spruch „Heb die Fäuste, haut euch rein, wir werden für ewig überlegen sein“ rundete die ganze Aktion perfekt ab.

Die Cattiva Brunsviga hielt es mit den Worten „Auf ins Felde zum Sieg – für unser Land und seine Stadt“. Der Spruch wurde im oberen Bereich des Gästeblocks mittels Stofftransparent mehr oder weniger in Stein gemeißelt. Dazu wurden hunderte blaue sowie gelbe Fähnchen verteilt. Zentral im Block wurden die Augen eines Totenkopfs durch den Einsatz von Bengalos zum Leuchten gebracht. Im unteren Bereich wurde der Choreo durch ein weiteres Transparent mit dem Wort „Braunschweig“ der letzte Feinschliff verliehen.

Nicht nur ich, sondern auch die anderen neutralen Zuschauer um mich herum waren begeistert. Man mag es ja kaum aussprechen, aber selbst der ein oder andere eingefleischte Hannover-Fan wird es zugeben müssen: Nicht nur die Fanaktion auf der Nordtribüne, sondern auch der optisch wunderbar gestaltete Gästeblock wussten zu gefallen und so mancher eben angesprochener 96er zückte auch rasch seine Kamera für ein paar Schnappschüsse, von beiden Choreos versteht sich.

Zwischen den ganzen aufblitzenden Handys bekam der ein oder die andere kaum mit, dass Schiedsrichter Dr. Florian Exner das 184. Niedersachsen-Derby gegen 18:30 Uhr offiziell angepfiffen hat. Nun sollte das Spiel also beginnen, die eigentliche Show war tatsächlich schon gelaufen, da waren sich alle erlebnisorientierten Zuschauer sicher einig.

Von Anfang an war die Stimmung auf den Rängen bombastisch, wobei man fairerweise anmerken muss, dass die 96-Fans an diesem Tag schon deutlich lauter als die Gästefans zu vernehmen waren. Besonders in der 30. Minute, als der 25-Jährige Nawrocki den Hausherren das 1:0 bescherte, kochte das ganze Stadion noch einmal mehr auf. „Allez, 96, allez, ja wir ficken für Geld, auf der ganzen Welt, zieh ihn raus, steck ihn rein für den Verein“, dröhnte es jetzt durchs weite Niedersachsenstadion. Die Stimmung ebbte bis zur Halbzeitpause auch nicht mehr ab, zumindest auf der nördlichen Seite der Geschehnisse. Im Gästeblock wurde es zum Ende der ersten Halbzeit immer ruhiger.

Da ich mich schlussendlich erst gegen 14 Uhr mittags entschied, tatsächlich zum Niedersachsen-Derby zu fahren, habe ich in der ganzen Aufregung total vergessen, etwas zu Mittag zu essen. Also tat ich etwas, was ich normalerweise nie tue: den Wursttest im Inneren eines Profistadions wagen. Was soll ich groß dazu schreiben: Es handelt sich, wie fast überall, um eine 0815-Industriewurst, lauwarm in ein Discounter-Brötchen gequetscht.

Als Beilage gibt es Ketchup oder Senf und das Ganze für 4,60 €, na dann mal Mahlzeit! Geschmacklich noch gerade so im Mittelfeld, aber doll war’s halt auch nicht: 6/10 Punkte. Die kulinarische Erprobung sollte der guten Stimmung natürlich keinesfalls im Wege stehen, freuten sich doch alle auf den Anpfiff der zweiten Halbzeit.

Und der hatte es in sich. An beiden Seiten hatte ich hohe Erwartungen, denn es war mittlerweile stockduster. Freunde der Pyrotechnik kamen nun voll auf ihre Kosten. Die Anhänger der Eintracht zündeten mindestens 100 gelbe Fackeln zeitgleich. Eigentlich gar nichts Außergewöhnliches, das Besondere war die Menge der Fackeln sowie die perfekte Anordnung der maskierten Pyromanen. Eben Genannte standen so koordiniert im Block, dass die ganze Aktion wirklich ein super Kurvenbild ergab.

Auf der anderen Seite wurde dann wiederum nochmals eine ordentliche Schippe oben drauf gelegt. Oder um es mit den Worten von (hr) zu sagen: „Ekstase pur!“ Hinter dem durchsichtigen Transparent „Bringt die Hauptstadt zum Beben“, welches über die ganze Nordtribüne ragte, wurden ordentlich roter Rauch und ein paar Fackeln gezündet. Ergänzend dazu brannten einige Breslauer, die immer wieder hell aufblitzten – als würden hinter der Zaunfahne Hunderte Groundhopper ihre neuen Kameras bei Nacht testen.

Weil das alles natürlich noch nicht derbywürdig genug war, hat die Fanszene von 96 tatsächlich noch in Form von 15 bis 20 Feuerwerksbatterien das gewisse Etwas zur totalen Eskalation abgefeuert. Was für eine Wahnsinns-Show, die nicht nur beim jüngeren Publikum, sondern auch bei den Mitfünfzigern und sogar ein paar Rentnern für Standing Ovations sorgte. Sowohl auf der West- als auch auf der Osttribüne standen plötzlich alle Leute und beklatschten die Fanszene von Hannover 96. Vor fünf bis zehn Jahren waren solche Reaktionen noch undenkbar, doch Pyro gehört einfach zum Stadionerlebnis und das haben sogar die älteren Zuschauer begriffen und akzeptiert.

Ich hatte das Thema, glaube ich, schon mal in einem anderen Artikel aufgegriffen, dass sich auch das Medienverhalten dazu verändert hat. Aus „PYROCHAOTEN GEFÄHRDEN TAUSENDE ZUSCHAUER“ wurden in den Überschriften der großen Medien im Laufe der Zeit eher Schlagzeilen wie „MEGA FEUERWERK BEIM NIEDERSACHSENDERBY“.

Die zweite Halbzeit war dann spielerisch sowie stimmungstechnisch deutlich schwächer und die Hausherren können mit dem Sieg insgesamt sehr zufrieden sein. Zum einen spielten sich große Teile der zweiten Halbzeit nur noch vorm Tor von 96 ab, zum anderen hat der Schiedsrichter einen klaren Handelfmeter für den BTSV nicht geahndet. Einige umstrittene Aktionen wurden allerdings auch zugunsten der Eintracht bewertet.

Alles in allem ein großartiges Derby, das für viele Fans noch bis spät in die Nacht in Hannovers Altstadt weiterging. Bleibt nur zu hoffen, dass Daniela Behrens ihre Hände diesmal aus dem Spiel lässt! (hd)

Austria Lustenau – Kapfenberger SV – 2:1

Austria Lustenau – Kapfenberger SV – 2:1

„ORDENTLICH HOLZ IN DER HÜTTE“

20.02.2026
2. Liga
Reichshofstadion
Zuschauer: 2.043

LUSTENAU – Fast fünf Jahre ist es her, dass Reporter CvS Österreich einen Besuch abgestattet hat. So war das Auswärtsspiel des Herzensvereins am Sonntag im Süden Deutschlands ein guter Anlass, um endlich mal wieder in der Alpenrepublik aufzukreuzen. Schon am Donnerstagabend ging es los und die Tour startete mit einem Testspiel von Germania Grasdorf in Anderten. Kein Geringerer als Ex-Nationalspieler Marcel Halstenberg spielt dort mittlerweile nach seinem Karriereende. Irgendwie immer eine coole Geschichte, wenn ehemalige Profis noch ein paar Jahre mit den alten Kumpels kicken wollen.

Der Freitag wurde dann überwiegend im Auto verbracht. Auch ein Grund für die seltenen Besuche ist die enorme Distanz zwischen Schwechheim und dem Land des Schnitzels und Tafelspitz. Ziel der Reise war heute Lustenau – oder auch „Luschtenau“, wie der Einheimische zu sagen pflegt. Leider erfolglos blieb die Suche nach einem Schnitzel: Am späten Freitagnachmittag wollte uns noch kein Lokal bewirten. So ging es hungrig zum Ground, was man im Nachhinein aber nicht bereute, denn die Leberkäs-Semmel für 3,50 € entpuppte sich als guter Ersatz.

Das nach einem Sponsor benannte Reichshofstadion wurde frisch umgebaut, wobei auf drei von vier Tribünen hauptsächlich mit Holz gearbeitet wurde. Man darf gespannt sein, welche Gästeszene das Ding zuerst abfackelt. Kurios erscheinen die Flutlichtmasten – hier wurde wiederum auf Holz verzichtet und massiv auf Beton gesetzt. Hat man so auch noch nicht gesehen. Alles in allem ein ansehnlicher, direkt am Rhein gelegener Zweitligaground. Für die wenigen kulturinteressierten Fußballreisenden empfiehlt sich eine Fahrt mit dem Rhein-Bähnle. Dieser Museumszug fährt direkt am Stadion den Deich entlang, entfacht zwar kein Cierny-Balog-Feeling, sorgt aber immerhin für ein cooles Panorama.

Die Ultras von Lustenau finden sich auf der Nordtribüne ein und wurden von ihren Freunden aus Augsburg unterstützt. An sich ein guter Auftritt, nur die alles übertönende Mikrofonanlage empfand der Schreiberling als äußerst nervig. Das gilt aber nicht nur für Lustenau, sondern für sämtliche Kurven. Hoch lebe das gute alte Megafon. Die Geschichte des Spiels ist zumindest bis zur 90. Minute schnell erzählt. In einem chancenarmen Spiel erzielen beide Teams ein Tor. In der Nachspielzeit überschlagen sich jedoch die Ereignisse: Luschtenau erzielt mit einem Traumtor das 2:1. Im Gegenzug fällt das 2:2, wird wegen fragwürdiger Abseitsstellung jedoch nicht gegeben. Die tobenden Proteste brachten den Gästen noch drei rote Karten ein, was Zählbares nahm man aber nicht mehr mit.

Da es in Lustenau kaum bezahlbare Unterkünfte gab, ging es nach dem Spiel noch 20 km weiter nach Höchst, wo der gelungene Tag noch mit 2–3 Mohrenbräu gefeiert wurde. (CvS)

FK Sarajevo – FK Sloboda Tuzla – 1:0

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (90). Alle guten Dinge sind drei und somit gibt es heute schon wieder ein richtiges Schmuckstück aus Sarajevo. In der Hauptstadt trägt der FK seine Heimspiele im ‚Olimpijski Stadion Asim Ferhatović Hase‘ aus. Das Stadion wurde im Jahr 1950 eingeweiht und im Jahr 1984 zur Eröffnung der olympischen Winterspiele genutzt. Heute kann man die Aktivitäten der Ultragruppe Horde Zla bestaunen und das Bergpanorama von Sarajevo genießen.

Bis sehr bald, geliebter Balkan.

–-

22.05.2022

Olimpijski Stadion Asim Ferhatović Hase, Sarajevo
FK Sarajevo – FK Sloboda Tuzla – 1:0

SSV Vorsfelde – FC Germania Bleckenstedt – 1:1

SSV Vorsfelde – FC Germania Bleckenstedt – 1:1

“ACHT TAGE ZU SPÄT IN WOLFSBURG”

15.03.2026
Landesliga Braunschweig
Drömlingstadion
Zuschauer: Circa 330

WOLFSBURG – wer als HSV-Fan im März nach Wolfsburg gefahren war, dürfte mit guter Laune zurück nach Hamburg gereist sein. Denn vor exakt acht Tagen konnten die „Rothosen“ den Abstiegskracher für sich entscheiden.

Ich erreichte Wolfsburg quasi acht Tage zu spät. Beim Auswärtserfolg der Rauten war ich auf Gran Canaria unterwegs. Und da am vergangenen Sonntag noch nichts im Kalender stand, suchte ich mir einen Doppler in der genannten Autostadt heraus.

Mit dem Deutschland-Ticket wählte ich eine kostengünstige Anreise und erreichte Wolfsburg pünktlich. Zunächst spazierte ich zum Porschestadion, wo zum Auftakt des Tages ein U19-Kick der Wölfe gegen den FC Heidenheim stattfand.

Da der Ground nichts Besonderes bot, war ich froh, zufällig einen anderen Hopper aus Meppen getroffen zu haben, den ich letztes Jahr in Portadown kennengelernt hatte. Dementsprechend schnell verging das Spiel, welches am Ende 2:0 für den VfL endete.

Nach dem Spiel brachte mich der Linienbus Richtung Vorsfelde. Der Ortsteil von Wolfsburg ist ein ehemaliges Dorf und liegt etwa vier Kilometer vom Wolfsburger Stadtzentrum entfernt. So erreichte ich das „Drömlingstadion“, welches direkt an der Aller liegt, just in time – ein paar Minuten vor Anpfiff.

Beim Thema Catering staunte ich nicht schlecht. Aus einem Foodtruck wurde zu fairen Preisen Pizza verkauft. Es gab Bratwürste, Waffeln, Kuchen, diverse Biersorten und für mich eine ganz neue Erfahrung: Poffertjes. Das pfannkuchenähnliche Gebäck in Münzgröße wollte ich schon immer einmal probieren und ließ mir diese Gelegenheit nicht entgehen.

Statt Nutella entschied ich mich für Puderzucker und verzehrte die sechs Teile mit Genuss.

Das Spiel verfolgte ich aus allen möglichen Perspektiven und entdeckte dementsprechend ganz unterschiedliche Leute. Einer von ihnen trug eine Vorsfelde-Kutte, der nächste einen Fanschal. Ein paar Kinder bepöbelten Spieler, andere traten auf dem Bolzplatz nebenan selbst gegen den Ball.

Auf der Tribüne wurde reichlich Bier getrunken und ich gönnte mir eine leckere Salami-Pizza.

Das Spiel war intensiv. Nach einer vorausgegangenen Führung der Gäste konnte „die Wildsau“ durch einen gerechtfertigten Foulelfmeter ausgleichen.

In der Crunchtime ging es hin und her. Beide Mannschaften wollten den Sieg und erarbeiteten sich Torchancen. Am Ende sollte es jedoch eine 1:1-Punkteteilung geben.

Nach dem Spiel spazierte ich an der Aller entlang, vorbei an dem Stadion, in dem der HSV vor acht Tagen noch einen Auswärtssieg feiern konnte. Zwar war im AOK-Stadion bereits das Flutlicht an, da um 18:30 Uhr noch die Frauen des VfL spielten. Da der Ground allerdings bereits besucht wurde und es mit der Heimreise zu riskant gewesen wäre, wurde das Spiel geskippt.

Somit ging es mit zwei neuen Grounds in der Tasche zurück nach Hamburg. (fj)

VfB Lübeck – Hamburger SV II – 0:2

VfB Lübeck – Hamburger SV II – 0:2

“ZURÜCK AN DER LOHMÜHLE”

13.03.2026
Regionalliga Nord
Stadion an der Lohmühle
Zuschauer: 3.381

LÜBECK – Freitagabend und Fußball an der Lohmühle. So könnte jedes Wochenende starten, dieses Stadion zählt definitiv zu den Favoriten im näheren Umkreis von Schwechheim. Auch wenn die Zeiten bei diesem Verein auch oft schwer waren: Von Insolvenzen, dem Drittligajahr im Corona-Lockdown oder mäßigen Leistungen der Akteure auf dem grünen Rasen. Die Tristesse der Regionalliga Nord übersteht in Lübeck viele Stürme. Die treuen Anhänger stehen weiterhin zu ihrem Verein. So muss es sein!

Dank der aktuell viel zu hohen Spritpreisen an deutschen Tankstellen, entschied ich mich mit meinem Kollegen (fj) für den Sozialschlauch vom Hamburger Hauptbahnhof aus. Die einzige brauchbare Strecke, auf der es in meinen Augen oft klappt ist eben die Verbindung in die Stadt an der Trave. Im Vergleich zu den Angeboten in Richtung Hannover, Kiel oder Bremen punktet der RE8 eindeutig. Dank des Rückfalls in die nassen und kalten Temperaturen nahmen wir den Linienbus an die Lohmühle.

Blicken wir kurz zurück in den November 2006: Der Redakteur (tp) im jungen Alter. Das erste Mal an der Lohmühle, zu Gast war der heutige Bundesligist 1. FC Union Berlin. Fast 20 Jahre und eine zweistellige Anzahl von Besuchen später, stand man wieder hier. Die Zeit ist verflogen, von der damaligen Regionalliga Nord fehlt jede Spur. Die Vereine unter anderem in dieser Liga lauteten: Holstein Kiel, Dynamo Dresden, FC St. Pauli, Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiss Erfurt, Kickers Emden, Wuppertaler SV oder SV Wilhelmshaven. Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen. Der Stadtteilverein aus Hamburg ist einer von zwei Klubs heutiger Bundesligisten, die damals in dieser Liga kickten. Der Rest agiert teilweise in der Oberliga, der heutigen Regionalliga oder zweite bis dritte Liga.

Zurück in das Hier und Jetzt. 20 Jahre? Passend zu meiner kleinen persönlichen Anekdote, feierten am kalten Freitagabend die „Vitalienbrüder“ ihr 20-Jähriges Bestehen. Eine Choreo zu Ehren der Gruppe gab es in der Pappelkurve zu sehen. Später, untermalt durch endlos viele Rauchtöpfe, ein sehr gelungenes Bild und ein idealer Start in den Fußballabend.

Auf dem heutigen Acker der Lohmühle bot sich für die Zuschauer eine abgezockte Leistung der Rothosen an. Die Grün-Weißen konnten nicht mit dem spielerisch attraktiven Fußball der Zweitvertretung mithalten. Im aktuellen Ligaverlauf und bei dem Stand der Tabelle wahrscheinlich nebensächlich. Nach unten oder oben ist viel Abstand. Der aktuell führende SV Meppen streitet sich mit dem Dorfverein aus Drochtersen um den direkten Aufstiegsplatz.

Für mich steht es fest: An die Lohmühle komm ich immer gerne. Im Wunschdenken gerne nochmal zu höherklassigem Fußball. Ein erneutes Jahr in der dritten Liga kann man den Anhängern nur wünschen! Dieses Mal dann bitte ohne Lockdown, Zuschauerausschluss oder sonstigem. (tp)

West Ham United F.C. – Brentford F.C. – 7:5 n.E.

West Ham United F.C. – Brentford F.C. – 7:5 n.E.

„ELFMETER-KRIMI IN LONDON“

09.03.26
FA Cup (5. Runde)
London Stadium
Zuschauer: 48.570

LONDON – Was man alles so erlebt wenn man für 20 Stunden nach England reist, ist so unfassbar, dass man eigentlich darüber ein Buch schreiben könnte. Aber der Reihe nach, beginnen wir von Anfang an.

Sehr spontan entschied ich mich nach London zu fliegen, da es von Schwechheim allerdings sehr teuer war, ging der Flug von der nächstgelegenen Hansestadt auf die Insel. Was einem dort schon geboten wurde, war oscarreif. Das i-Tüpfelchen: als 2 Passagiere kurz vor dem Schließen des Boardings erst noch zur Passkontrolle liefen (sie schafften es an Bord).

In Stansted angekommen, ging es mit dem Express-Zug nach London, da ich schon mittags ankam, gönnte ich mir natürlich das übliche Touri-Programm inklusive Hotspots, ehe man sich am späten Nachmittag mit dem Redaktions-Chef an der Tower Bridge traf, der für den Kick bei West Ham frisch aus Sevilla eingeflogen war. Gemeinsam schlenderten wir zur U-Bahn und fuhren in der völlig überfüllten Bahn Richtung Stratford, um dort nach Möglichkeiten zu suchen die Rucksäcke abzugeben. In der Bahn hatte unser Chef einem kleinen Hund die Hand hingehalten, dass er schnuppern konnte, was allerdings dem Besitzer nicht so gefiel: Der Mann schob seine Hand sofort dazwischen und schaute mit sehr strengem und ernstem Blick in unsere Gesichter, dass wir beide uns nur anschauten und das Lachen verkneifen mussten. Der kleine Yorkshire-Terrier blieb ungeknuddelt.

In einem Hotel konnten wir unsere Rucksäcke gegen „Donation“ abgeben und gingen dann noch was futtern, als wir fertig waren bestellte sich ein Typ neben uns eine Knoblauch-Pizza, die einem sofort Tränen in die Augen trieb und sämtliche Nasenhaare wegbrannte, weshalb wir sofort bezahlten und uns auf den Weg zum Olympiastadion begaben. Dort angekommen gönnte man sich noch ein Kaltgetränk bevor es rein ging.

Für ein Montagabend-Spiel war das Stadion gut gefüllt und das galt auch für den Gästeblock. Der Gegner aus dem Westen der Stadt hatte allerdings auch keine mühsame Anreise. Da der Pokal seine eigenen Gesetze hat, spielte hier die Tabellensituation keine Rolle. Die Hausherren gingen früh in Führung, mussten aber kurz danach den Ausgleich hinnehmen, um kurz vor der Halbzeit wieder in Führung zu gehen. Doch nach 90 Minuten stand es plötzlich 2:2. Brentford bekam zehn Minuten vor dem Ende einen Elfmeter zugesprochen. Es rief die Verlängerung, wo allerdings nix passierte und so hieß es: Elfmeterschießen. West Ham entschied das Spielchen mit einer hundertprozentigen Trefferquote für sich. Da ist man für die 10£ Eintritt doch mal voll auf seine Kosten gekommen!

Nach dem Spiel holten wir unsere Rucksäcke ab und fuhren mit dem Bus zurück nach Stansted, als wir feststellten, dass es bereits nach Mitternacht war, entschieden wir uns direkt am Airport zu bleiben und verzichteten auf die zwei Stunden im Hotelbett, da der Flieger uns bereits um 6 Uhr morgens wieder zurück ins gelobte Schwechheimer Land brachte.

Für den schreibenden Redakteur war es ein gelungener Länderpunkt. (sm)

FC Stăuceni – FC Politehnica Chișinău 1:1

FC Stăuceni – FC Politehnica Chișinău 1:1

„EIN RUNDER LÄNDERPUNKT”

07.03.26
Liga 1 (Faza 2, Grupa 1)
Stadionul CS Olimp
Zuschauer: 100

STĂUCENI – Vor über vier Jahren machte ich technisch gesehen den Länderpunkt Moldawien. Allerdings sah ich Sheriff Tiraspol gegen Real Madrid in Transnistrien. Für sich genommen war das natürlich ein Highlight. Aber mit nur einem Spiel und kaum 24 Stunden Aufenthalt stand ein erneuter Besuch lange auf der Liste, um das Land einmal “richtig” zu machen.

Tatsächlich veröffentlichte die pinke Airline des Vertrauens eine neue Verbindung ab März von Schwechheim nach Chișinău zu sehr fairen Preisen. Nach kurzer Beratung schlug die dreiköpfige Reisegruppe zu und wir landeten pünktlich zum ersten Spieltag der Rückrunde mit vier Partien vor der Brust in der Hauptstadt.

Nach dem ersten Spiel am Freitag und einem sehr ausgedehnten Biertasting im “Taproom by Litra” wollten wir am Samstagvormittag den Mietwagen am Flughafen abholen. Gewisse Komplikationen hatte ich eingepreist und machte mir im Vorfeld wenig Gedanken. Tatsächlich zog sich die Abholung über 45 Minuten, denn der Anbieter hatte anders als im Voucher angegeben gar keinen Schalter im Terminal.

Es dauerte mehrere Telefonate, bis schließlich die Karre im Parkhaus gegenüber bereit gestellt wurde. Der Dacia hatte definitiv seine besten Tage hinter sich, aber Hauptsache die rumänische Möhre lief. Auf dem Weg nach Stăuceni sammelten wir noch den Kollegen (jj) ein, Grüße gehen raus! Leider machte sich etwas später ein Geräusch breit. Am Stadion angekommen sahen wir das Unheil: eine fette Schraube hatte sich in den rechten Vorderreifen gebohrt und er hätte jederzeit platzen können.

So hatte ich mir “den Länderpunkt rund machen” nicht vorgestellt. Immerhin waren es noch 50 Minuten bis zum Anpfiff. Glücklicherweise befand sich ganz in der Nähe eine Autowerkstatt, die eigentlich schon im Feierabend war. Die Kollegen halfen sofort und montierten den Ersatzreifen im Rekordtempo wie bei der Formel 1. Wir wollten uns mit einem Trinkgeld erkenntlich zeigen, aber die Jungs winkten entschieden ab und wünschten noch eine gute Fahrt. “Mulțumesc mult”!

Mit repariertem Gefährt ging es pünktlich zurück zum “Stadionul CS Olimp”, wo der Fotbal Club Stăuceni in der Aufstiegsrunde auf Politehnica aus der Hauptstadt traf. Der Ground wurde vor ein paar Jahren einer Frischzellenkur unterzogen und mit einer teilweise überdachten Tribüne versehen. Wie vielerorts sind die Sitzschalen in den Nationalfarben gehalten.

Das spielerische Niveau auf dem Rasen hielt sich erwartbar in Grenzen. Dafür sorgte die Torhymne für Lacher, denn aus den Boxen erklang “Ole jetzt kommt der BVB” bei beiden Treffern. Skurril sind teilweise auch die Spielerkader mit Kickern aus aller Herren Länder. Leider werden diese häufig mit falschen Versprechungen nach Moldau gelotst.

Dennoch zufrieden mit dem gekreuzten Ground sahen wir am Abend noch den aktuellen Meister Milsami Orhei gegen Zimbru. In der zweiten Halbzeit waren wir plötzlich mitten in einer Rennerei auf der Tribüne zwischen Kindern der Heimseite und den Gästefans. Erst ein Offizieller von Zimbru schaffte es, die Gemüter zu beruhigen.

Am Sonntag nutzten wir die Zeit bis zum Anpfiff in Bălți für eine ausgedehnte Sightseeing Tour ins Orheiul Vechi und zum opulenten Kloster in Curchi. Beides sehr zu empfehlen! Auch der Mietwagen lieferte ab und machte bis zur Rückgabe keine Zicken mehr. Damit ist für mich der Länderpunkt Moldawien nun wirklich rund! (hr)

Makedonikos Neapolis FC – GS Ilioupoli FC – 2:1

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (89).

Es ist wieder Freitag und wir präsentieren euch heute das Gipedo Neas Efkarpias Makedonikou Stadion. Dieses mal nicht aus dem Staat Nordmazedonien, sondern aus dem nordgriechischen Gebiet Makedonien. Direkt in Thessaloniki findet man dieses Schmuckstück. Eine echte Perle im südlichen Gefilde der Balkanhalbinsel.

–-

28.05.2022
Gipedo Neas Efkarpias Makedonikou, Thessaloniki
Makedonikos Neapolis FC – GS Ilioupoli FC – 2:1

FC Sevilla – Rayo Vallecano de Madrid – 1:1

FC Sevilla – Rayo Vallecano de Madrid – 1:1

„PAÑOLADA & MARADONA“

08.03.2026
La Liga
Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán
Zuschauer: 37.178

SEVILLA – Irrer Plan an diesem verlängerten Wochenende, das Zielspiel in Sevilla mit 4 Flügen über den UK zu erreichen. Aber sind wir mal ehrlich: Für insgesamt 130€ wäre ich bei den aktuellen Spritpreisen höchstens in die Tschechei gekommen. Für den Plan mit den Flugzeugen gab es einen Kick in der Uckermark und zwei Spiele in England als Zugabe. Am Samstag ging es vom BER nach Manchester und über das Spiel und den Tag in Blackpool berichteten wir gestern.

Mit einem 6-Uhr-Flug wurde am Sonntag also die iberische Halbinsel angesteuert. In Manchester am Airport kann man immer noch gut pennen, wenn es drauf ankommt. Aber nach einer harten Woche und einem Kapselhotel in Berlin, dauerte es doch etwas länger, bis ich auftaute. Trotz 5-6h Tiefschlaf am Airport und im Ryanair-Bomber. In Sevilla sah ich auf dem Weg in die Stadt zunächst viele Regenschirme und biss mir in den Finger. Mit dem ganz pünktlichen Flieger ging sich das Vorspiel in der höchsten andalusischen Spielklasse auf dem fünften Level gerade so aus. Es sollte in den Vorort Tomares gehen. Doch angekommen an der Plaza de Armas, rauschte der passende Bus mit einem Affenzahn an der Haltestelle vorbei. Busse sind echt die letzte Option in der Nahverkehrskette und der „M-161“ verkehrt am Sonntag in Sevilla nur stündlich.

Da „Bolt“ ständig belegt war und viel zu hohe Preise forderte, stieg ich in das nächstbeste Taxi. Neulich hatte ich mir den Luxus schon in Gelsenkirchen gegönnt, nun in Andalusien. Die 12€ waren wieder sehr gut investiert und pünktlich bei Ankunft strahlte die Sonne auf den Ort herab. Das Gekicke in den unteren spanischen Ligen ist wirklich hochwertig und die Versorgung in aller Regel bestmöglich. Frühstück gab es für 4€. Montadito ab 2,50€. Cerveza für 1,50€. Da tat es umso mehr weh, dass die sympathischen Lokalmatadoren von der U.D. Tomares das Spiel in der Nachspielzeit durch einen Doppelschlag verloren. Viel Glück weiterhin im Abstiegskampf!

Nach ein bisschen Erholung in der Zeit zwischen Spiel eins und zwei wurde schließlich der Bus zum „Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán“ bestiegen. Frühzeitig, denn um ein Ticket kümmerte ich mich im Vorfeld nicht. Karten dürfte es bei dem aktuellen Zuschauerschnitt genug geben und da die Spanier nicht in der Lage sind Print@home in Hardtickets umzutauschen, entschied ich mich vor Ort für den Gang zum Schalter. Auch wenn die Knie etwas schlackerten: Alles kein Thema und mit dem „echten“ Ticket in der Hand konnte schließlich das Stadion in Ruhe einmal umrundet werden. Mit diesem Riesenpott in Sevilla haben sie sich von außen eine Menge Mühe gegeben. Sowohl tagsüber als auch nachts, mit der rotbeleuchteten Fassade, steht man mit offenem Mund vor der Arena, die viel größer wirkt, als die Kapazität von gut 40.000 Zuschauern verrät.

Auch drinnen füllte sich das Stadion besser als gedacht. Zuletzt fanden grade mal rund 30.000 Zuschauer den Weg zum siebenmaligen (!) Europa-League-Sieger. Die fetten Zeiten bei Sevilla sind vorbei. In La Liga dümpelt der ehemalige Verein von Diego Maradona im tiefsten Mittelfeld herum. Für den Europacup haben sich die Sevillista schon länger nicht mehr qualifiziert. Und mit Spielbeginn starteten die Zuschauer eine sogenannte „Pañolada“. Eine Protestaktion mit weißen Taschentüchern. Vermutlich aufgrund der aktuell perspektivlosen Lage. Hinzu kommt, dass Real Betis dem FC in den letzten Jahren in der Stadt den Rang abgelaufen hat. Frustrierend. Doch bei dem Groundhopper sorgte die „Pañolada“ für große Augen. Es war nämlich richtig Musik in dem Laden.

Die Heimelf ging schließlich recht früh per Kopf in Führung und die Stimmung hätte schlechter sein können. Auch Rayo brachte etwa 200 Leute mit zum Auswärtsspiel und supportete was das Zeug hielt. In so einer großen Arena geht das natürlich gerne unter. Die Gäste konnten mit dem Wiederanpfiff ausgleichen und fortan lief bei Sevilla fast gar nichts mehr zusammen. Bei einem Blick auf den Kader erlaube ich mir die Erkenntnis, dass die Elf auf den Schlüsselpositionen schlichtweg zu alt besetzt ist. Die Premier-League-Legenden César Azpilicueta und Alexis Sánchez in allen Ehren – beide gehen auf die 40 zu. Der Chilene hätte übrigens beinahe noch per Kopf zum Sieg getroffen. Ansonsten wirkt das Konterspiel vom großen FC Sevilla etwa so behäbig wie das Aufbauspiel vom HSV. Und das kann nicht sein.

Entsprechend enttäuscht reagierte der Heimanhang nach dem Abpfiff. Krass, wie nah in Spanien manchmal grenzenloser Support und bodenlose Enttäuschung zusammenhängen. Wenn sich der Spieß in der Stadt jetzt umdreht, war das noch nicht alles. Denn wir erinnern uns: Der Konkurrent Betis spielte nach einer legendären Phase in den 90er-Jahren einige Jahre zweite Liga. Davon ist der FC zumindest noch weit entfernt. Das Stadion war nach fünf Minuten trotzdem wortlos geräumt.

Wie dem auch sei, mir hat der 24h-Trip nach Sevilla einmal mehr sehr gefallen. Damit habe ich jetzt innerhalb von exakt 367 Tagen die drei großen Arenen in Sevilla besucht und von allen Spielen hier übrigens Bericht erstattet. Die persönliche Sevilla-Trilogie ist damit abgeschlossen. Links zu den anderen Spielberichten packe ich in die Kommentare. Das „Estadio Benito Villamarín“ von Betis wird aktuell umgebaut. Danach ist die Hütte vom FC Sevilla dran. Die WM 2030 ist nicht mehr so weit entfernt. Als Ausweichstadion nutzen beide Teams in den Sanierungsphasen jeweils das Olympiastadion „Cartuja“. (mm)

Blackpool F.C. – Wigan Athletic F.C. – 1:1

Blackpool F.C. – Wigan Athletic F.C. – 1:1

„DAS STADION ZUR HUNGRIGEN MÖWE“

07.03.2026
League One
Bloomfield Road Stadium
Zuschauer: 11.140

BLACKPOOL – Das Ziel an diesem letzten Winter-Überbrückungswochenende lautete eigentlich: Spanien. Aber von Schwechheim kam man einfach nicht gut in den Zielort nach Andalusien. Darum wurde sich für England als „Drehscheibe“ entschieden. Für’n Zwanni hob der Rainer aus Berlin nach Manchester ab und nächsten Tag ging es für eine ähnliche Summe nach Sevilla.

Dazwischen mussten 20h an einem Samstag in Nordengland bespielt werden. Das ist natürlich im Ballungsraum Manchester am traditionellen Spieltag kein Problem. Doch das Gesamtpaket musste stimmen und so blieb Blackpool als Favorit übrig. In der League One stand ein Lokalderby gegen Wigan Athletic auf dem Plan. Es war gar nicht einfach ein Ticket für das Match zu bekommen. Dafür war eine mehrfache „Booking History“ erforderlich. Zum Glück fand sich ein England-Liebhaber im Schwechheimer Kosmos, der die Voraussetzungen erfüllte. Für den stolzen Preis von 29£ ging es mit dem Ticket in der Innentasche, per Direktverbindung auf der Schiene, vom Airport MAN in die Stadt am Wasser.

Vor Ort angekommen, wurde man direkt von Eindrücken erschlagen. In Blackpool herrscht 365 Tage im Jahr 24/7 Remmidemmi. Über allem thront der berühmte „Tower“, den man von fast überall in der Stadt sieht. Blackpool ist eine einzige Ballermeile. Hier dreht sich alles um Glücksspiel, Junggesellenabschiede und Fish & Chips. Die Promenade zieht sich über mehrere Kilometer und bei Ebbe konnte ich ganz gemütlich einen Spaziergang bis zum Ende des Strands machen, der passenderweise mit einer Achterbahn abschließt. Wahnsinn, wie trashig das alles teilweise wirkt, wenn zum Beispiel „Spongebob Schwammkopf“ die Gäste der Stadt von einer Straßenlaterne grüßt. Eine Mischung aus Reeperbahn und Las Vegas, gespickt mit hungrigen Möwen. Welcome to Blackpool! Aber ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde: Mir hat’s gefallen.

Nur ein paar hundert Meter von der Ballermeile entfernt liegt die „Bloomfield Road“. Wie vieles in Blackpool, hat auch der Fußballverein schon bessere Zeiten gesehen. Vor allem in der Nachkriegszeit heimste der BFC mit der Mittelfeld-Legende Sir Stanley Matthews Titel ein und stellte viele Spieler für die „Three Lions“ ab. Übrigens: Eine Statue für Sir Stanley Matthews sucht man vor Ort vergebens. Jeweils ein Denkmal hat der Verein James Armfield und Stanley Mortensen gewidmet. Das sagt wohl einiges über die Spielerqualität der damaligen Generation aus. Eine Gedenktafel hängt zudem für Kevin Olsson am Stadion. Der 17-Jährige war vor 52 Jahren das erste Todesopfer der Hooligan-Bewegung.

Eine Menge Geschichte also rund um die Bloomfield Road. Dass es nicht einfach werden würde, dass das Drittligaspiel zweier Abstiegskandidaten da mithält, war klar. Doch die „Seasiders“ gingen per Kopf sehr früh in diesem Duell in Führung und so kam selten Langeweile auf. Beide Teams taktierten wenig rum. Wigan mag mehr Talent besitzen, Blackpool hatte mehr Spielanteile. Den Gästen gelang kurz vor der Pause mit einem beherzten Schuss aus einer Überzahl-Situation der Ausgleich. Im zweiten Abschnitt gab der BFC den Ton an, doch eine Großchance von den „Latics“ landete am Innenpfosten. Das größte Spektaktel in der zweiten Halbzeit waren die ausgehungerten Möwen, die sich zu Dutzenden zusammenrafften, um nach dem Abzug der Zuschauer gezielt fette Beute zu machen.

Mit dem Punkt können beide Vereine sicher erstmal leben. In der Tabelle bewegen sich die Teams gerade so über dem Strich. Bis in die 1950er-Jahre muss man übrigens gar nicht zurückgehen, um bessere Zeiten in der Historie der Vereine zu finden. Wigan konnte 2013 den FA Cup gewinnen. Im Finale besiegte der damalige Erstligist Manchester City mit 1:0. Die letzte Saison von Blackpool in der Premier League liegt auch „erst“ 15 Jahre zurück. Umso erstaunlicher, dass es sowohl für die „Seasiders“ als auch für Wigan nun um den beinharten Klassenkampf in der League One geht. Aus diesem Blickwinkel ist auch die Kulisse von über 11.000 Zuschauern und der zahlenmäßig ziemlich gute Auswärtssupport positiv einzuschätzen.

Das Stadion ist ein „typischer Engländer“ und etwas langweilig. Immerhin hat man die Gästetribüne modernisiert, die anlässlich der letzten Premier-League-Saison in aller Eile errichtet wurde. Falls Blackpool den Gang in die League Two antreten sollte, dürfte endgültig auch die halbe Kapazität des Stadions ausreichen. Wie man der Überschrift entnehmen kann, plädieren wir für eine Umbenennung des Spielorts, um mal ein bisschen „Pep“ in die Sache reinzubringen. (mm)

UD Las Palmas – AD Ceuta – 4:0

UD Las Palmas – AD Ceuta – 4:0

“VIER MAL SEVEN NATION ARMY IM WM-STADION VON MORGEN”

08.03.2026

La Liga 2
Estadio de Gran Canaria
Zuschauer: 17.649

LAS PALMAS – Ein Bild vom Estadio Gran Canaria war Grund genug, das Wochenende mit einer Tour nach Gran Canaria zu füllen.

Nach der Ankunft am Kölner Hbf musste mich der Schienenersatzverkehr von Rainer zum Köln/Bonn Airport befördern, um mit dem nächsten Rainer in die Sonne zu fliegen.

Die Sonne verschwand allerdings kurz vor der Landung, und somit war es bewölkt, als ich das Flugzeug verlassen hatte.

Den restlichen Samstag verbrachte ich in zwei schönen Amateurstadien. Auch sechste oder siebte Liga lohnt sich hier. Besonders das zweite Stadion war eine echte Groundperle und dürfte schon bald als Bilderbuchbude der Woche präsentiert werden.

Nach den zwei Spielen wurde der Abend im „100 Montaditos“ verbracht, den Redaktionskollege (mb) empfohlen hatte. Tapas und Cider zu fairen Preisen und direkt am Meer – was will man mehr?

Die Überzeugung von dem Laden hielt bis zum nächsten Morgen, und so wurde ein Frühstück für 4,50 € inklusive frisch gepresstem O-Saft, Kaffee und Schinkenbaguette verzehrt.

Schließlich wurde es Zeit für den runden Ball. Nachdem bei der zweiten Mannschaft auf dem Nebenplatz vorbeigeschaut wurde, folgte das Highlight des Wochenendes: das Estadio Gran Canaria. In vier Jahren wird am selben Ort ein WM-Spiel angepfiffen. Bis dahin dürfte das Stadion allerdings kaum wiederzuerkennen sein, da umfangreiche Umbaumaßnahmen anstehen.

Gefallen hat mir der Ground aber dennoch. Ein robustes Stadion, das bis zu 32.400 Plätze bietet. Eine Tribüne ist überdacht, und ein besonderer Hingucker sind die drei schönen Flutlichtmasten.

Für gute Laune sorgten außerdem die Ultras von Las Palmas, die mehrere Fahnen dabei hatten und das ganze Spiel über supporteten. Auch wenn ich noch nicht allzu oft in Spanien war: Das war einer der besseren Auftritte. Es gab aber auch allen Grund zu feiern, denn ganze viermal ertönte die Tormusik: „Seven Nation Army“.

Nach dem torreichen Spiel und einem gelungenen Wochenende auf der Insel ging es mit der Boeing 737 MAX 8 zurück Richtung Schwechheim. (fj)

SK Slavia Praha – AC Sparta Praha – 3:1

SK Slavia Praha – AC Sparta Praha – 3:1

“DERBY DER GOLDENEN STADT”

08.03.2026
1.Česká fotbalová liga
Fortuna Arena
Zuschauer: 19.314

PRAHA – Derbyzeit zwischen den beiden größten Vereinen des gelobten Landes. Slavia trat im 316. Derby gegen den verhassten Erzrivalen an. Die Stadt an der Moldau ist immer wieder ein beliebtes Ziel dieser Redaktion und vieler Groundhopper. Selbst mit den aktuellen herrschenden Preisen, die in manchen Belangen locker mit deutschen Städten verglichen werden können. So richtig billig wird es in diesem Land nur noch außerhalb der tschechischen Großstädte.

Die Anreise erfolgte dank der Ansetzung der Rothosen in Wolfsburg am Samstagabend. Aus Wolfsburg, über Berlin, kam ich gegen Nacht in der goldenen Stadt an. Das Kapselhotel für 16 Euro gab mir immerhin noch ein paar Stunden Schlaf. Am Sonntagmorgen gab es den Drittliga-Kick auf einem der zahlreichen UMT’s dieses Landes. Harte Kost am Sonntagmorgen, der Klobasa-Preis schockte mich mit 115 CZK. Den Lückenfüller gab es in Uvaly, einer kleinen Stadt östlich von Prag. Nach der Ankunft wurde sich im Restaurant erst einmal Rinderbraten, Knedlik und Sahnesauce gegönnt. Mit einer gezapften Kofola gab es das Festmahl für knappe 11€. Danach ging es zum Kick, vor Ort verquasselte ich das Spiel mit einem anderen Hopper aus der Heimatstadt. Der tschechische Amateurfußball ist meiner Meinung nach das Beste in Europa. Es ist immer herzlich, billige Preise und überall gibt es Verpflegung. Dieses Land bringt einfach Spaß!

Mit dem Zug ging es zurück zum Highlight des Tages. Mein zweites Derby stand an und mein insgesamt dritter Besuch bei Slavia. Über die App „Pid Litacka” können sich Reisende alles organisieren. Von einzelnen Fahrten bis hin zu 72-Stunden Tickets. So einfach wünsche ich es mir doch überall. Die Stadt weiß immerhin, wie man mit den Millionen Touristen im Jahr umzugehen hat.

Angekommen im Stadion zeigte der Verein erst einmal eine moderne Lasershow. Fünf Minuten vor Anpfiff startete dann das spektakuläre Intro. Die Kurve startete mit einem schönen Pyroshow, oberhalb des Stadions wurde zusätzlich ordentlich Feuerwerk eingesetzt. Spektakuläres Bild und eben im Einklang zueinander. Dass Slavia aktuell definitiv zu den besten Kurven in Europa gehört, ist kein Geheimnis. Im Gästeblock zeigte Sparta hingegen ebenso eine Choreographie, begleitet von bengalischen Fackeln. Zum Anpfiff wurde der heimische Zaun mit gegnerischen Fanutensilien geschmückt und diese dem Feuertod übergeben. Die Rivalität war in jeder Ecke der Spielstätte zum Greifen nah. Ein zuerst gegebener Platzverweis erhitzte die Gemüter, durch den VAR wurde die Rote Karte auf eine Gelbe zurückgestuft. Kurz vor der Halbzeit gab es die nächste Aktion, eine Choreo zur Darstellung der Macht von Slavia. Erneut untermalt von Pyrotechnik. Auf den Rängen stimmte eben einfach alles.

Den kalten Schock gab es in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Dem Außenseiter gelang das 0:1. Nach dem Seitenwechsel bestätigten die Hausherren die starke Form. Durch einen Handelfmeter schoss Slavia den Ausgleich. In der 79. und 82. Minute fielen die nächsten beiden Tore. Zum Glück, denn viel Zeit nach dem Abpfiff hatte ich nicht. Das Derby ging erneut klar an Slavia, auf den Rängen und auf dem Platz.

Nach dem Abpfiff ging es zügig zum ZOB, das grüne Hotel brachte mich zurück in die Heimat. Ich musste nur 45 Minuten an der deutschen Grenze ausharren und war somit fast pünktlich am nächsten Morgen in heimischen Gefilden. So muss ein Wochenende sein, das Maximum wurde rausgeholt. Die goldene Stadt ist jeden Kick wert! (tp)

DJK TuS Hordel – SC Obersprockhövel – 2:0

DJK TuS Hordel – SC Obersprockhövel – 2:0

„DER DISTINGUIERTE HERR“

22.02.2026
Westfalenliga Staffel II
Stadion „Hordeler Heide“
Zuschauer: 200

BOCHUM – Eng gestrickter Plan an diesem Sonntag, der im Notfall auch zu Fuß umzusetzen gewesen wäre. Wie es der Zufall aber so wollte, hatte ich just an diesem Wochenende mit einem verknacksten Knöchel zu kämpfen. Doch Glück im Unglück: Der Schiri pfiff das Vorspiel bei der SG Eintracht Gelsenkirchen auf dem Ascheplatz ganz pünktlich ab und so erreichte ich die einzige Busverbindung in die Hordeler Heide noch rechtzeitig.

Die Gegend rund um die „Zeche Hannover“ vermutet man wohl eher nicht in Bochum: Viel Grünfläche, Fachwerkhäuser, Historie und alte Bausubstanz. Schade, dass das Wetter so trüb war. Aber schließlich sollte es ja zum Fußball und nicht zum Picknick gehen. Der Spielort der DJK wurde dann auch wenige Minuten vor dem Anpfiff und etwas humpelnd erreicht. Alles herausgeputzt und gut in Schuss im Westen der Stadt. Die Bochumer reiten aktuell auf einer Erfolgswelle. Zum letztjährigen Aufstiegsspiel gegen den FC Roj kamen rund 3000 (!) Zuschauer in die Hordeler Heide. Das dürfte es in der 7. Liga noch nicht oft gegeben haben. Der Aufstieg in die Westfalenliga gelang und dort heimste der Verein nun gleich die Herbst- und Wintermeisterschaft ein. Respekt!

Nachdem der Ball rollte und einmal kräftig durchgepustet wurde, gab es auf der Tribüne ein Zufallsgespräch mit einem distinguierten Herren. Ich wunderte mich über seine diplomatischen Aussagen. Jeder Frage zum Aufstiegsgeschehen wich er aus, gleichwohl konnte er sein Insiderwissen nicht verbergen. In der Halbzeitpause stellte sich heraus, dass es sich um den Präsidenten des Vereins handelte, woraufhin ich meine Unwissenheit in der zweiten Halbzeit preisgab und noch ein paar nette Infos von dem Herrn bekam. Props gehen raus an Hermann Päuser!

Bei der DJK TuS Hordel läuft es jedenfalls gerade ziemlich gut! Das einzige, was mir missfiel, waren die „Verzehrkarten“ fürs leibliche Wohl. Currywurst mit Pommes kosten 5,50€. Verzehrkarten gibt es für 5 oder 10€. Wer denkt sich sowas Menschenfeindliches aus? Wie es der Verlauf so wollte, war der Hunger nach dem Abpfiff dann doch zu groß. Also eine 10er-Karte gekauft und bei der Bratwurstbude, die sich „Freche Fritte“ nennt, zu hören bekommen, dass „CWP“ ausverkauft ist. Ganz große klasse. Immerhin konnte der Dame noch eine leckere „Thiers“-Bratwurst im Brötchen aus den Rippen geleiert werden, das aber auch nur mit dem hungrigsten Blick, da die Reste auf dem Grill eigentlich der Mannschaft vorbehalten waren. Zwei Minuten später ging es wieder zurück zur Kasse, um mein Restgeld von der Verzehrkarte wiederzubekommen. Weltklasse-Idee. Wenn das andere Vereine im Land mitbekommen, revolutioniert das womöglich den ganzen Fußball in Deutschland…

Aber genug gemeckert, denn sportlich konnte der Tabellenführer dort ansetzen, wo er vor Weihnachten aufgehört hatte: Die Gäste vom SC Obersprockhövel wurden in einem spannenden Spiel mit 2:0 nach Hause geschickt. Beide Teams legten eine wirklich hohe Pace an den Tag und kein Akteur mied den Zweikampf. Die beiden besten DJK-Chancen im ersten Abschnitt zappelten im Netz. Nach der Pause kassierte der Gästekeeper einen Platzverweis. Der SCO versuchte dennoch alles, um den Anschluss zu erzielen und Hordel vergab beste Kontermöglichkeiten. Der Ground überzeugt trotz Kunstrasen. Alles Gute für Bochums Nummer 3 an dieser Stelle! (mm)

TuS Esens – SFN Vechta 2:2

TuS Esens – SFN Vechta 2:2

„ZU BESUCH IN DER ALTEN HEIMAT”

01.03.26
Landesliga Weser-Ems
Stadion an der Peldemühle
Zuschauer: 150

ESENS – Wenn die eigene Mutter Geburtstag hat und gleichzeitig noch in Rente geht sind das gute Gründe, sich mal wieder in der alten Heimat blicken zu lassen. Nach reichlich Ostfriesentee und Kuchen sollte aber am Sonntag noch gehoppt werden, wobei sich die Spielauswahl in Grenzen hielt. Wie auch andernorts in Norddeutschland fielen nach dem langen Winter reihenweise Partien mangels ordentlicher Vorbereitung aus.

Letztendlich entschied ich mich für Wilhelmshaven und verließ damit sogar Ostfriesland. An der Freiligrathstraße war die Zwote von Frisia auf dem Kunstrasen und im Anschluss das Pokalspiel der 1. Herren auf dem Hauptplatz mit Tribüne angesetzt. Eigentlich wunderbar, doch mit Vorsicht zu genießen. Denn normalerweise teilt sich Frisia das Jadestadion mit dem SV Wilhelmshaven und Spiele auf Rasen im Friesen-Stadion sind selten.

Leider kam es genauso. Keine gekreideten Linien und auf Nachfrage wurde “heute zweimal Kunstrasen, na klar” bestätigt. Schade Schlicktown. So fuhr ich nach dem ersten Kick zurück “über die Grenze” von Friesland nach Esens zum Turn- und Sportverein. Das Stadion an der schönen Peldemühle wurde in den Coronajahren grundlegend saniert und eine Plastikwiese verlegt, sodass dem Spiel gegen die “Sportfreunde Niedersachsen” aus Vechta definitiv nichts im Wege stand. Der ein oder andere dürfte das Stadion im Rahmen des Hopperspiels in Halbemond gekreuzt haben.

Aktuell kicken die Bärenstädter in der Landesliga Weser-Ems und kämpfen im 100. Vereinsjahr gegen den Abstieg in die Bezirksliga Weser-Ems 1. Übrigens ist die wiederum nur zu empfehlen, denn fast alle Grounds verfügen über eine Tribüne oder zumindest einen Unterstand. Angesichts der vielen kargen Kunstrasen-Käfige in Schwechheim eine echte Wohltat.

Neben Plattdeutsch am Stankett und dem üblichen Flaschen(industrie)bier gab es auch heute die Wurst stilecht mit Toastdreieck serviert. Was will man mehr? Ach ja, Fußball! Esens legte durch Wübbenhorst vor und erhöhte trotz Unterzahl ab der 35. Minute sogar auf 2:0 im zweiten Durchgang. Erst danach wachten die Gäste aus dem Oldenburger Münsterland auf und markierten zunächst in der 89. Minute den Anschlusstreffer.

Es kam dann, wie es kommen musste. Nach einem Freistoß drückte Vechta aus dem Gewühl heraus mit der letzten Aktion den Ball über die Linie. Ausgleich, Abpfiff. Riesenjubel, aber mit neun Punkten aus 15 Spielen für die Gäste auch kein richtiger Schritt vorwärts. Vor meiner Abfahrt Richtung Schwechheim genoss ich noch ein paar Tassen Tee und rundete damit das Wochenende in “Ostfreesland” ab, was sich immer wie ein Kurzurlaub anfühlt. “Bit anner Mol!” (hr)

FK Vardar Negotino – FK Prevalec – 5:0

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (88).

Es ist wieder Freitag und wir präsentieren euch heute das Stadion Gradski.

Im Jahr 2022 machten sich ein paar Jungs mit dem Auto auf eine drei wöchige Balkantour. Auch in Negotino wurde Drittligafussball geschaut und bei ein wenig Nieselregen gingen die 90 Minuten um wie im Fluge! Nordmazedonien, wir lieben dich!

–-

29.05.2022

Gradski Stadion, Negotino

FK Vardar Negotino – FK Prevalec – 5:0

FC Modena – Calcio Padova – 1:2

FC Modena – Calcio Padova – 1:2

“ZWISCHEN GRAPPA UND GESÄNGEN“

28.02.2026
Serie B
Stadio Alberto Braglia
Zuschauer: 7.089

MODENA – Italien gilt als eines der schönsten Länder überhaupt. Schöne Städte, gutes Wetter und das beste Essen, das man sich vorstellen kann.

Auch dieses Mal sollte das Gesamtpaket passen. Der Bummel durch Modena fand bei angenehmen 15 Grad statt und die Stadt gefiel auf Anhieb. Besonders die Piazza Grande und die Ghirlandina wussten optisch zu überzeugen. Wie so üblich wurde sich in einer Pizzeria gestärkt: Die L’Antica Pizzeria da Michele Modena bot uns jeweils eine leckere Pizza zu für Innenstadtverhältnisse angemessenen Preisen.

Der Weg zum Stadio Alberto Braglia war zügig zurückgelegt, da sich das Stadion in unmittelbarer Nähe des Zentrums befindet.

Im Stadion angekommen, fielen einem sofort die schönen Tifos der Gästefans ins Auge. Als England-Fanatiker wussten die rot-weißen England-Fahnen besonders zu gefallen.

Auch die Heimseite bot ein ansprechendes Kurvenbild. Besonders schön empfand ich die Fahne „Quei Bravi Ragazzi“ mit dem alten Fußballmotiv. Einen besonderen Hingucker stellte zudem die Fahne „Gruppo Grappa“ dar, die sich auf den Tresterbrand bezog. Dieses bis zu 75 % Alkohol bietende Getränk wurde zu einem späteren Zeitpunkt noch getestet. Fazit: Es sollte eher zum Händedesinfizieren genutzt werden, da der Geschmack stark ausbaufähig ist und sich die Frage stellt, ob außer Alkohol überhaupt noch etwas anderes enthalten ist.

In Italien bleibe ich daher beim Aperol Spritz.

Die Gesänge waren auf beiden Seiten schön melodisch und erreichten phasenweise auch eine gute Lautstärke. Besonders euphorisch wurde es im Block der Gäste, als man nach 15 Minuten bereits mit 0:2 führte und dieses Ergebnis mit in die Kabine nehmen konnte. Nach dem Seitenwechsel sorgte Zanimacchia in der 56. Minute für neue Hoffnung. Mehr als der Anschlusstreffer war allerdings nicht mehr zu sehen. Für die Gäste waren es wichtige Punkte, um die Chancen auf die Aufstiegs-Play-offs zu wahren.

Nach dem Abpfiff ging es dann mit dem Mietwagen zum legendären San Siro. Glückwunsch an dieser Stelle zum Länderpunkt Italien und zum besten Stadion der Welt an meinen Reisekollegen!

(fj)

Hellas Verona – SSC Napoli – 1:2

Hellas Verona – SSC Napoli – 1:2

„DUNKLE ZEITEN FÜR HELLAS“

28.02.2026
Serie A
Stadio Marcantonio Bentegodi
Zuschauer: 21.027

VERONA — Am 28.02. haben meine Frau und ich unseren Jahrestag, und dieses Jahr hatten wir keine Lust, diesen in Deutschland zu zelebrieren. Da kam es uns sehr gelegen, dass easyJet mit Dumpingpreisen für einen Flug nach Mailand Malpensa Terminal 2 um die Ecke kam. Somit ging es pünktlich um 08.50 Uhr vom Schwechheimer International Airport nach Mailand. Dort holten wir den Mietwagen bei Budget ab, und zum ersten Mal wurde ich nicht nach einer zusätzlichen Versicherung oder Ähnlichem gefragt. Einzig allein „Der Wagen steht auf Nummer 93, Sie wissen ja, wo das ist“ kam vom Mietwagenmitarbeiter. Das kann daran liegen, dass ich fünf Wochen zuvor am gleichen Schalter stand und bei Budget schon ein bekanntes Gesicht bin.

Um halb zwölf ging es auf die Autostrada Richtung Verona. Wo kann man einen Jahrestag passender zelebrieren als in der klassischen Stadt der Liebe? In Verona erwartete uns nicht nur der bekannteste Balkon der Welt, sondern auch ein doppeltes Rückspiel. Vor vier Jahren waren wir zur sehr späten Stunde schon einmal an Ort und Stelle. Damals kassierte ich innerhalb von vier Minuten zwei Strafzettel über 75 Euro, weil ich in die falsche Straße gefahren war. Diesmal stellten wir das Auto auf dem Parkplatz des Hotels ab und fuhren mit dem Bus ins Zentrum.

Nach der Sightseeingrunde ging es ganz entspannt zum zweiten Rückspiel, und zwar zum Duell zwischen Hellas Verona und der SSC aus Neapel. Über die gleiche Partie aus Neapel habe ich vor knapp 13 Monaten schon berichtet. Damals ging das Spiel 2:0 aus, und auch diesmal war der heutige Gast der klare Favorit. Für Hellas hieß es heute ebenfalls Do or Die. Bei neun Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz musste unbedingt ein Dreier her.

An den Tifosi liegt es definitiv nicht, denn sie strömen zahlreich ins Stadion und präsentierten uns über 90 Minuten ein starkes Kurvenbild. Jubeln konnten nach 100 Sekunden jedoch nur die mitgereisten Gästefans, die nicht in Neapel leben. Napoli ging mit der ersten Aktion in Führung. Der absolute Worst Case für diese Ausgangssituation. Das Team von Conte ließ in den restlichen 43 Minuten der ersten Hälfte nichts mehr anbrennen.

In der zweiten Hälfte wurde es ruppiger, und Hellas kam dadurch besser ins Spiel. Durch eine Standardsituation erzielten sie in der 65. Minute das 1:1. Auf den Rängen brachen alle Dämme, und neben uns landete sogar ein Stuhl aus den oberen Reihen. Wie dieser am Kopf einer Person in unserer Reihe einschlagen konnte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall gab es zahlreiche Diskussionen, und die Ordner regelten das Sitzschalenverbot. Ich selbst überreichte dem Ordner freundlich die Sitzschale.

Auf dem Rasen kam der beweglichste Schrank Belgiens aufs Feld, Romelu Lukaku. Beide Teams spielten auf Sieg, und ich sagte kurz vor der Nachspielzeit zu meiner Begleitung: „Pass auf, Lukaku macht in der letzten Minute das 1:2.“ Was in der letzten Aktion passierte, kann sich nun jeder denken. Ekstase auf Seiten der Neapolitaner, Fassungslosigkeit bei den Heimfans.

Damit steht Hellas mal wieder ohne Zählbares da, und so langsam geht in Verona das Licht aus. Mittlerweile erwartet kaum noch jemand den Klassenerhalt. Das Licht wird wohl bald erloschen sein. Man kann nur hoffen, dass es in der Serie B wieder hell leuchtet, denn das Stadion, die Stadt und die Fans gehören in die erste Liga. Ob das Stadio Marcantonio Bentegodi auch ein Austragungsort der EM 2032 sein wird, wage ich zu bezweifeln, da besonders im Unterrang vieles stark heruntergekommen ist. Für den Groundhopper ein Genuss auf höchster Ebene, für den Beauftragten der UEFA ein Grauen. Ich kann nur hoffen, dass sich hier in den nächsten Jahren nichts verändert, denn die Schüssel ist einfach genial. Italien at its best.

Nachdem wir die Schüssel verlassen hatten, gingen wir standesgemäß in das Hellas Pizzahaus am Stadion und gönnten uns dort jeweils eine leckere und preiswerte Pizza, inklusive Aperol für die Dame und Bier für den Herrn. Ein schöner Abschluss eines wunderschönen Jahrestags in Bella Italia. (mb)

Kickers Offenbach – SV Stuttgarter Kickers – 0:0

Kickers Offenbach – SV Stuttgarter Kickers – 0:0

„TRISTESSE SCHLÄGT TRADITION“

28.02.2026
Regionalliga Südwest
Stadion am Bieberer Berg
Zuschauer: 7.414

OFFENBACH AM MAIN – Ende letzten Jahres tauchten Gerüchte rund um die Kickers Offenbach auf. In der Viertklassigkeit ist es einfach bescheiden um den DFB-Pokalsieger von 1970 bestellt und eine Stadionanfrage für den Schönbusch in Aschaffenburg machte die Runde. Dass solche Anfragen in Sachen Alternativ-Spielort durchaus legitim sind, interessiert den Boulevard nicht. Auf die Traditionsvereine wird zu gerne raufgekloppt, wenn es mal nicht so läuft. Die Kickers jedenfalls werden auch in der nächsten Saison am Bieberer Berg spielen. Hoffentlich in der Regionalliga, wenn man denn unbedingt ein Schreckensszenario malen will.

Nichts desto weniger war es mal Zeit dem ehemaligen Bundesligisten einen Besuch abzustatten. Der Neubau am Bieberer Berg feiert bald seinen 15. Geburtstag. Das erste Heimspiel des Jahres gegen die Stuttgarter Kickers war ein würdiger Anlass dafür und weil das alles so schön ist und das Wetter nun endlich in die richtige Richtung geht, wurde gleich die halbe Familie eingepackt. Per Fernzug ging es zusammen mit Schwechheims jüngsten Groundhoppern nach Südhessen.

Mit massig Zeit im Gepäck wurde vor dem Spiel noch der „Aussichtsturm“ hinter dem Stadion angesteuert, der allerdings erst ab April seine Pforten öffnet. Oft stand der OFC in den letzten 20 Jahren nicht im Fokus überregionaler Medien. 2012 schaute jedoch „ganz Deutschland“ nach Offenbach, als im Zuge eines Heimspiels rund um den Aussichtsturm der OFC-Fan Mark Herbert zusammengeschlagen wurde und nach dem Täter im ZDF-Format „Aktenzeichen XY“ gefahndet wurde. 2016 wurde Sven R. für diese Tat zu 11 Jahren Haft verurteilt. Wenn er nicht schon auf freiem Fuß ist, kommt er nächstes Jahr wieder aus dem Knast. Mark Herbert ist nach wie vor halsabwärts gelähmt.

Warum schreibe ich das alles? Tja. Tristesse schlägt Tradition in Offenbach. Die beiden Teams mit dem höchsten Zuschauerschnitt trafen an diesem Sonnabend aufeinander. Die Kickers feierten vor der Partie den 106. Geburtstag ihres geliebten Ex-Präsidenten Waldemar Klein und auch die Schwaben füllten mindestens den halben Gästeblock. Viel mehr gibt es von diesem Regionalliga-Spiel nicht zu berichten. Im ersten Abschnitt war es noch ein recht seriöser Kick mit aufmüpfigen Gästen. Offenbach hätte nach 10 Minuten sogar zwingend in Führung gehen müssen. Doch Jelle Goselink vergab frei vor dem Gästekeeper. Recht zuversichtlich ging es in die Pause. Spätestens nach einer Roten Karte in der 55. Minute gegen Daniel Dejanovic war der Ofen aber aus.

Offenbach mauerte nun mit 10 Mann den Strafraum zu. Stuttgart als ausgewiesene Pressing- und Kontermannschaft kam bis zur 90. Minute zu keiner Chance mehr, die Heimelf formierte sich ganzheitlich in der eigenen Hälfte. In Sachen Unterhaltung der absolute Zonk. Die Gäste vergaben in einer letzten Druckphase Sekunden vor Schluss dann doch den Sieg. Das Publikum der Hessen zeigte sich mit dem torlosen Unentschieden nach dem Aussetzer von Dejanovic durchaus zufrieden und der OFC kauert nun ein Pünktchen vor dem ersten theoretischen Abstiegsplatz über dem Strich. Tristesse schlägt Tradition.

Irgendwie müssen die Offenbacher von der Sackgasse auf die Überholspur kommen. Wie der Turnaround mit diesen bescheidenen fußballerischen Mitteln gelingen soll, ist ungewiss. Mit dem besten Zuschauerschnitt in der Regionalliga Südwest ist Potential definitiv vorhanden, auch wenn die Perspektive auf Rang 13 aktuell dahinplätschert. Wenn die wenigen Dummköpfe fernbleiben, die den Gästespieler Melkamu Frauendorf nach dem Spielende rassistisch beleidigten, tut das der Kulisse allerdings auch nicht weh. Das ist wirklich bitter, zumal, wenn man mit Kindern im Stadion ist. Vielleicht sollte man bei „Aktenzeichen XY“ nach diesen Leuten suchen. (mm)

Arka Gdynia – Lechia Gdańsk – 2:2

Arka Gdynia – Lechia Gdańsk – 2:2

“TRAUMTORE IM DERBY”

27.02.2026
Ekstraklasa
Stadion Miejski w Gdynia
Zuschauer: 14.401

GDYNIA – Die Sehnsucht nach dem östlichen Nachbarland ist nicht messbar. Viel zu selten verschlägt es mich hierhin. Es gibt niedrige Preise, leckere Küche und oft attraktive Fußballspiele. Die Bedingungen könnten schlechter sein. Wochen vor dem Spiel sickerte durch, dass die Gäste aus Danzig das Spiel heute nicht besuchen durften. Der Ticketverkauf lief an und es gab die Möglichkeit, in Verbindung mit einem Ticketkauf für das Spiel zwei Wochen zuvor ein Vorkaufsrecht für das Derby zu erwerben. Somit ging es dank arbeitgeberfreundlicher Abflugzeit nachmittags mit der einzigen brauchbaren Flugverbindung aus Schwechheim ins Land der Zlotys. Den Untersatz mit den vier Reifen sackte man noch ein. Der Preis hingegen wirkte fast schon unschlagbar, gebucht wie immer im Terminal und bezahlt für zwei Tage Mietdauer: 13€. Teuer wird es mittlerweile leider auch an polnischen Tankstellen. Unter 1,55€/Liter Benzin habe ich nichts mehr gefunden. Der ständige Kampf zwischen Tschechien und Polen im Preisunterbieten geht somit aktuell ganz klar an das Honza-Land! In der Warteschlange erzählte ich, dass man nicht so viel Zeit hatte, weil man schnell zum Derby musste, das katapultierte mich auf Platz eins der Warteschlange. Geduld ist nicht immer gegeben, der Puffer war eng bei der späten Abflugzeit.

Die Haupttribüne betraten wir somit 15 Minuten vor Anpfiff. Auf der Gegengerade lag die Choreo bereit, es startete mit einem Intro aus Papier. Der Capo heizte über das Stadionmikrofon das gesamte Stadion nochmal mächtig ein. Das Spiel startete fulminant: Durch ein Traumtor in der sechsten Minute der ersten Halbzeit ging Arka in Führung. Wow, schaut euch das Geschoss gerne mal im Internet an. Mit links abgezogen, perfekt ins Eck – ideal, um in ein Derby zu starten! Die Ohren wurden betäubt durch die Stimmung der Heimseite, das dreifache Organ der polnischen Kibice brachte die Trommelfelle zum Beben. Die Choreo zu Ehren des Bündnisses zwischen Arka, Cracovia und Lech startete, diese wurde in passenden Farben untermalt. Vor dem Stadion brachten Batterien die zusätzliche Lautstärke und der Rauch der Pyrotechnik nebelte das Stadion ordentlich ein. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie.

Nach Wiederanpfiff gab es die nächste Pyroshow, diesmal die passenden Farben mit mehreren Bengalen verteilt im Block. So bringt Polen Spaß, auch ohne Gäste. Mit zehn Minuten Nachspielzeit ging es zum Pausentee. Es waren noch gar nicht alle Zuschauer wieder auf ihren Plätzen, da klingelte es zum zweiten Mal im Kasten von Lechia. Wieder ein Distanzschuss, dieses Mal nicht so spektakulär, aber mindestens genauso wertvoll. Erneut der perfekte Start in die Halbzeit. Auf schwierigem Geläuf entwickelte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt eine richtige Schlacht. Von nun an drehte sich das Spiel: Lechia glich innerhalb von drei Minuten aus – der Nachteil muss erwähnt werden. Was wäre in diesem Moment im Gästeblock los gewesen? Sofern man das Spiel nicht aktiv verfolgt, fallen einem die Tore wahrscheinlich nicht einmal auf, ohne Jubelszenen der Anhängerschaft.

Auf der Heimseite wurden in der Folge zahlreiche Chancen vergeben, die Heimkurve erhängte vor der Tribüne eine Puppe mit Materialien des Feindes, gleichzeitig besang man seine zahlreichen Freunde aus dem großen Land. Chancen wurden keine mehr genutzt und so verstrichen die letzten Minuten des Spiels. Nach dem Abpfiff ging es 90 Minuten südlich von Gdynia zur Augenpflege. Polnische Hotels sind einfach eine Faszination, fast immer ein riesiges Zimmer, gemütliches Bett und selten über 20 Euro. Dieses Land kann man nur lieben.

Am Sonnabend stand dann der Showdown des schlesischen Klassikers zwischen GKS Katowice und dem Klub von Lukas Podolski an. Eine Choreo über die Gegengerade und Fankurve präsentierten hier die Heimfans, ansonsten gab es kein großes Spektakel. Nach dem ereignisreichen Derby am Vortag, schien der Reisegruppe langsam das “Polen-Glück” auszugehen. Zuvor besuchten wir allerdings GKS Bełchatów, ein Verein mit großer Vergangenheit. In der Saison 2006/07 wurde der Klub polnischer Vizemeister. In den darauffolgenden Jahren sank das sportliche Niveau und im Jahr 2022 folgte die Insolvenz. Mittlerweile gilt der Verein als Bestandteil der III Liga, Grupa I. Die heimischen Kibice sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre, in so einer Liga fanden sich immerhin 1.157 Zuschauer ein. Für mich ein unerwartetes Highlight zwischen den Spielen in der polnischen Ekstraklasa.

Da der unterklassige Amateurfußball noch in der Winterpause schlummerte, gab es am Sonntag keinen Kick in Polen für uns. Es wäre auch durchaus schwierig, denn kurz nach der deutschen Kaffee- und Kuchenzeit brachte Wizz Air die Reisegruppe zurück ins wunderschöne Schwechheim. Am Abend empfingen die Rothosen den Dosenclub aus Leipzig. Die Ansetzung um 19:30 Uhr spielte uns natürlich in die Karten, von wegen diese Zeiten-Einführung gilt für Vereine, die am Donnerstagabend europäisch spielen. Es ist immerhin schon das zweite Duell, welches die Rauten am Sonntagabend zu dieser Zeit austragen mussten. Polen, wir sehen uns wieder zur Roulade, Łomża-Honigbier, Kielbasa oder Hot-Dogs an der Orlen Tankstelle! Und an Wizz Air: Bietet doch mal bitte die Verbindung Schwechheim-Katowice oder Krakau an. Träumen darf man ja auch mal.. (tp)

SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 II – SuS Beckhausen 05 III – 8:2

SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 II – SuS Beckhausen 05 III – 8:2

„DER BALL KULLERT IMMER NOCH IN GELSENKIRCHEN“

21.02.2026
Kreisliga C2/Gelsenkirchen
Südstadion am Haidekamp (Nebenplatz)
Zuschauer: 12

GELSENKIRCHEN – Vor etwa 4 Monaten berichteten wir schon mal aus dem Südstadion am Haidekamp. Auch damals vom Nebenplatz. Die Anlage ist uns wichtig genug, an dieser Stelle ein Update zu posten: Der Ball kullert immer noch in Gelsenkirchen! Die Szenerie gleicht nach wie vor einer Dystopie, aber: Bisher ist nichts passiert bei der Eintracht. Der Plan – scheinbar für den Sommer – ist laut Aussage folgender: Game over für alle Stehstufen und Kunstrasenplatz auf den „Grand“, wie wir im Schwechheimer Land so schön sagen.

Das Spiel in der 11. und letzten Liga an diesem Sonntag-Mittag war wichtig genug, ein kleines Sümmchen in die Anreise per Taxi zu investieren. Die Bahn versagte nach insgesamt 2,5h Anreise mal wieder wie so oft. Viel zu spät angekommen in Gelsenkirchen, hieß es: Erste Halbzeit verpassen oder ins Taxi steigen? Was hättet ihr an diesem grauen, verregneten Tag in dieser Stadt gemacht? Werten wir die 19€ für den gelben Mercedes einfach als Eintritt – und der war es wert!

„Groundhopping Noir“ mitten Ückendorf, wo in dieser historischen Anlage mittlerweile fast alles in die Binsen gegangen ist. Alles ist schief, krumm, einsturzgefährdet und abgesperrt. Die Anlage wirkt wie eine Abraumhalde aus einem schlechten Film. Einzigartig. Zumindest in Deutschland. Der Nebenplatz ist wirklich kernig, zumal unter solchen Bedingungen wie am Sonntag. Ein Spaziergang durch das Stadion nebenan sei aber auch jedem ans Herz gelegt. So viele verwelkte Stufen gibt es in Deutschland wohl höchstens noch im Motodrom Halbemond. Die Tribüne ist auch ein richtiger Klopper und soll – Gott sei Dank – erhalten bleiben.

Zur Feier des Tages gab es bei strömendem Regen 10 Tore auf dem roten Teppich. Einfach nur Liebe dafür, dass die netten Herren in dem Verpflegungscontainer keine Position auf der Speisekarte in ihrem Angebot ausließen und die maximal 12 Zuschauer gewissenhaft verköstigten. Die Currywurst mit scharfer Soße für 3€ ist mit das Beste, was man in diesem Segment bekommt. Der Ball kullert hoffentlich noch lange in Gelsenkirchen, im Südstadion am Haidekamp und auf dem Nebenplatz. (mm)

TuRU Düsseldorf – SSV Bergisch Born 1:2

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (87).
Es ist wieder Freitag und wir präsentieren euch heute das Stadion an der Feuerbachstraße die Heimspielstätte von TuRU Düsseldorf.
Das Stadion wurde nach dem 2 Weltkrieg eröffnet und bot platz für 16 000 Zuschauer, nach dem Umbau in den 80er Jahren wurde die Kapazität halbiert und bietet in der heutigen Zeit nur noch Platz für 8000 Zuschauer.
In der Saison 03/04 lag der Zuschauerrekord bei 3600 im Aufstiegsspiel zur Oberliga gegen die Amateure von Rot-Weiß Oberhausen.
Heute hingegen kommen zu den Heimspielen in der Landesliga Niederrhein im Schnitt 100 Leute.


22.02.2026
Stadion an der Feuerbachstraße.
TuRU Düsseldorf – SSV Bergisch Born 1:2

AS La Jeunesse d’Esch/Alzette – Racing FC Union Lëtzebuerg – 3:2

AS La Jeunesse d’Esch/Alzette – Racing FC Union Lëtzebuerg – 3:2

„5 JAHRE KEINE METTWURST“

21.02.2026
BGL Ligue
Stade de la Frontière
Zuschauer: 419

ESCH — Mein letzter Besuch im kleinsten Nachbarland ist tatsächlich schon fünf Jahre her. Meistens führten die Wege Richtung Westen in die Niederlande oder nach Belgien. Der kulinarische Fokus lag dabei immer wieder auf Friet und Frikandel und nicht auf der klassischen Wurst.

Im Rahmen des HSV-Gastspiels in Mainz und der Planung für die Rückfahrt nach Schwechheim, lächelte uns diese Ansetzung an. Samstag, 18:30 Uhr, in Esch. Ein perfekter Doppler in Kombination mit dem Besuch im Wildparkstadion zuvor um 13:00 Uhr. Es war endlich wieder Zeit für das Gibraltar des Nordens.

Ohne große Zeitverluste fuhren wir in Karlsruhe los, durchquerten das komplette Saarland und parkten das Schwechheimer Mobil 35 Minuten vor Anstoß am „Stade de la Frontière“. Sofort lachte uns der Verkaufsstand mit seiner Auswahl an verschiedenen Würsten an. Die Kassiererin sprach perfekt Deutsch, drückte uns ein „Bofferding“-Bierchen und einen Gutschein für eine Mettwurst in die Hand. Der Grillmeister, ein stämmiger Luxemburger mit langem Bart, servierte uns die Mettwurst im Baguette und zeigte uns seine Vielzahl an Saucen. Mit Ketchup und Andalouse Sauce im Baguette begann der Gaumenschmaus. Eine absolute Geschmacksexplosion auf höchstem Niveau. Ich habe selten so eine gute Wurst gegessen wie in Esch. Der erneute Besuch an der Verkaufsbude folgte kurze Zeit später und die Keiswurst überzeugte uns noch mehr. Wahnsinn, wie gut gewürzt und lecker eine Wurst schmecken kann.

Sichtlich zufrieden mit der Ausgangssituation saßen wir auf den Rängen und ließen den Schiedsrichter das Spektakel anpfeifen. In der ersten Hälfte wurde kein Zweikampf gemieden und eine kleine Keilerei gab es zwischendurch auch. Normalerweise hätte hier jemand duschen gehen müssen, aber der neutrale Mann vergab in aller Ruhe drei Gelbe Karten und brachte die 22 Akteure auf dem Rasen zum Schweigen. Einer blieb jedoch nicht leise,

  • der Trainer von Racing. Trotz einer 1:0-Führung konnte er nicht ruhig bleiben und flog nach 44 Minuten mit Gelb-Rot von der Trainerbank.

Die zweite Hälfte wurde dann dramatisch. Esch erzielte zweimal den Ausgleich, Racing ließ aber nicht locker und brachte das 2:2 fast über die Zeit, aber eben nur fast. In der letzten Minute konnte Liam Nurenberg sensationell den Siegtreffer erzielen. Ekstase in Esch. Kurz nach Abpfiff liefen die Spieler zu den Ultras von Jeunesse Esch und ließen sich im freudigen Pyro-Nebel feiern.

Was für starke 90 Minuten im Stade de la Frontière, in dem die überdachte Gegengerade vor einigen Jahren modernisiert wurde. Hier wurde bestimmt in der Verlängerung das ein oder andere „Bofferding“ getrunken und manch einer schwelgte in Erinnerungen an die großen Spiele gegen den FC Bayern München und Spartak Moskau im Europapokal.

Wir nehmen viele Erinnerungen mit zurück nach Schwechheim und bedanken uns für den coolen Abend in Luxemburg. Bis zum nächsten Mal wird es sicher nicht wieder fünf Jahre dauern. (mb)

Wrexham AFC – Ipswich Town – 5:3

Wrexham AFC – Ipswich Town – 5:3

“HOLLYWOODREIFE VORSTELLUNG IN WALES”

21.02.2026
Championsship
Racecourse Ground
Zuschauer:10.610

WREXHAM – Ground 69/92
Mein langfristiges Ziel ist und bleibt die Komplettierung der 92. Dazu gehört seit einigen Jahren selbstverständlich auch Wrexham AFC. Seit der Übernahme durch die Hollywoodstars Ryan Reynolds und Rob McElhenney hat sich der Verein rasant entwickelt. Die beiden Filmstars übernahmen den Klub seinerzeit in der National League – was danach folgte, gleicht einer Fußballromanze.

Unter dem Motto Back to Back to Back ging es Jahr für Jahr eine Liga nach oben. Aktuell ist Wrexham in der Championship angekommen und spielt dort direkt um den Aufstieg in die Premier League mit.
Entstanden ist dieses außergewöhnliche Projekt während der Corona-Pandemie, als Reynolds und McElhenney ihre Begeisterung für die Netflix-Dokumentation Sunderland ’Til I Die entdeckten. Inspiriert davon entstand später mit Welcome to Wrexham eine eigene Serie, die bei Disney+ zu sehen ist und den Verein weltweit bekannt machte.

Bei Fans anderer Klubs stößt dieses Projekt naturgemäß nicht überall auf Zustimmung. Nicht wenige bezeichnen das Stadion in Wales spöttisch als „Disney Stadium“. Reynolds selbst begegnet dieser Kritik gelassen und ist der Meinung, viele seien schlicht neidisch, dass ausgerechnet Wrexham – und nicht ein anderer Verein – ausgewählt wurde.

Unabhängig davon ist unbestreitbar, was die neuen Besitzer erreicht haben: Sie führten einen der ältesten Vereine Großbritanniens zurück in den Profifußball, machten die Stadt Wrexham wieder attraktiver und kurbelten die lokale Wirtschaft spürbar an. Zahlreiche neue Geschäfte, Hotels und Betriebe entstanden, ebenso neue Arbeitsplätze.

Wie auch immer man zu diesem Projekt stehen mag – für die 92 muss auch Wrexham gemacht werden. Doch genau hier wartete die erste Hürde: Wie kommt man an eine Eintrittskarte?
Ich entschied mich für eine Junior-Mitgliedschaft. Doch Mitgliedschaft bedeutet noch lange kein Ticket. Also bewarb ich mich für das Heimspiel gegen Ipswich Town. Wenige Tage später konnte ich mein Glück kaum fassen: Ich wurde tatsächlich gelost. Die Flüge waren schnell gebucht – alles war angerichtet für Ground 69/92.

Am Spieltag kam ich früh im walisischen Wrexham an und hatte genügend Zeit für einen Snack bei Spoons sowie einen Cider im legendären The Turf Pub, der in der Dokumentation eine zentrale Rolle spielt. Kein Wunder, denn hier wurde 1864 der Wrexham AFC gegründet. The Turf gilt als der älteste Pub der Welt, der sich direkt in einem Sportstadion befindet.
Überall in diesem Gebäude atmet man den Verein. Generationen über Generationen haben hier vor und nach den Spielen ihre Zeit verbracht – Geschichte, Emotionen und Fußballkultur in Reinform.

Auch der heutige Abend versprach lang zu werden. Nachdem Wrexham eine Woche zuvor die „Tractor Boys“ im FA Cup mit 1:0 aus dem Wettbewerb geworfen hatte, fielen beim Wiedersehen in der Liga deutlich mehr Tore. Insgesamt bekamen die Zuschauer acht Treffer zu sehen. Am Ende stand ein spektakuläres 5:3 für Wrexham.
Entschieden wurde die Partie in der Schlussviertelstunde, als die Hausherren noch zwei Tore nachlegen konnten.

Unterm Strich ein rundum gelungener Ausflug nach Wales. Wer weiß schließlich, wie schwierig es künftig wird, diesen Ground zu kreuzen, sollte Wrexham tatsächlich in der Premier League spielen. Zumimdest entsteht demnächst eine neue Hintertortribüne, die die Kapazität von den aktuellen 13.500 erhöht.
Laut meinem Sitznachbar soll sie zum Ende der nächsten Saison fertig sein. (FJ)

Fatih Karagümrük SK – Samsunspor – 0:0

Fatih Karagümrük SK – Samsunspor – 0:0

“ISTANBUL – OHNE STRESS”

22.02.2026
Süper Lig
Atatürk Olimpiyat Stadi
Zuschauer: 450

ISTANBUL – Nach den Ansetzungen vor Weihnachten der DFL brachte Skyscanner die Flüge von Köln/Bonn bis Istanbul und zurück nach Hamburg für schlappe 60€ hervor. Somit ging es am Freitag über Mainz zum Gastspiel der Rothosen und anschließend im grünen Hotel zum Airport. Mit Heimspielen von Fenerbahçe und Fatih Karagümrük kann man eigentlich nichts verkehrt machen. Der Preis gewinnt nun mal und ein Wochenende in der Metropole lohnt sich immer. Am Donnerstag vor meinem gebuchten Wochenende spielten die heutigen Gäste im Olimpiyat und Fener europäisch. Leider bekam dann Fenerbahçe das Montagsspiel ab. Das hätte dann aber auch wieder Stress mit der Passolig bedeutet, somit wird der Besuch im Stadion erst mal vertagt.

Bei meinem letzten Wochenende vor ein paar Jahren suchte ich noch über eine Website für Amateurfußball passende Ansetzungen heraus. Mittlerweile gibt es ein Profil auf Instagram, das besonders “Highlights-Spiele” postet und ebenso dafür sorgt, dass diese leichter zu finden sind. Falls Interesse besteht, folgt: “istanbul_amator_ligi”.

Der Spielort bietet eine Kapazität von rund 75.000 Plätzen und hat natürlich schon das ein oder andere Highlight erlebt. In einem legendären Spiel krönten sich zum Beispiel die “Reds” zum damaligen Champions-League-Titel. Heutzutage wirkt die Umgebung des Stadions nicht wirklich einladend. Ein Restaurant zum Verweilen sucht man vergebens. Um die Metrostation herum spielt sich immerhin ein wenig Leben ab, wenn man hier überhaupt davon sprechen kann. Die Bilder des Beitrags sprechen für sich. Hier sind einfach viel zu wenig Zuschauer bei diesem Verein. Seit dem Jahr 2020 trägt der heutige Gastgeber seine Spiele in diesem Stadion aus. Es lohnt sich quasi nicht, außer bei größeren Events das Gebiet hier mit Lokalitäten zu befüllen.

Über einen Bekannten, der vor ein paar Wochen ebenfalls dieses Stadion besuchte, wusste ich, dass der Verein Tickets über ein anderes System als über die allseits bekannte und bei einigen Groundhoppern unbeliebte Passolig verkauft. Biletix, ein neues Portal, das Verkäufe für Vereine anbietet. Ein großer Vorteil in meinen Augen: Die Anmeldung und die Fan Card kosten kein Geld und läuft zumindest nach Informationen des Fachpersonals am Stadion nicht ab. Meine Registrierung der Fancard aus Deutschland wurde allerdings zwei Mal abgelehnt. Somit fuhr ich frühzeitig zum Stadion und checkte die Lage. Schnell wurde mir geholfen, probierte erneut die Registrierung und der Anruf folgte prompt des Mitarbeiters. Somit klappte die Registrierung diesmal, woran es lag, konnte mir keiner so wirklich sagen. Für umgerechnet 15 Euro konnte ich mein Ticket kaufen. Das Stadion ist es definitiv mal wert.

Das Gästeteam sorgte für einen Schmunzler meinerseits, an der Seitenlinien steht seit wenigen Tagen Thorsten Fink. Ein alter Bekannter in der Stadt an der Elbe. Bei dem Trainerverschleiß, den mein Verein zum Glück eher hatte als aktuell hat, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich enorm hoch, auf alte Wegbegleiter zu treffen. Für seine neuen Akteure lief das Spiel schleppend, das torlose Remis eine Bestätigung des fast schon einschlafenden Kick. Die Gesichter der Anwesenden zeigten Müdigkeit und Langeweile. Die zahlreichen Ordner und Polizisten tranken ihren Çay bei den kalten Temperaturen. (tp)