SV Bergisch Gladbach 09 – SpVg Porz 1919 – 10:0

„DIE ROSINE IM BERGISCHEN LAND“

07.06.2026
Mittelrheinliga
Stadion an der Paffrather Straße
Zuschauer: 900

BERGISCH GLADBACH – Kollektiver letzter Spieltag in NRW und frei nach dem Motto: „Das Beste kommt zum Schluss“ wurde sich für den Sonntag-Nachmittag eine Rosine im Bergischen Land herausgepickt. Mit dem „Stadion an der Paffrather Straße“ wartete nicht nur ein Zehntausender darauf besucht zu werden, die Heimelf von Bergisch Gladbach 09 schickte sich an mit einem Sieg den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Ein neues RL-Kreuz kann man immer gebrauchen und so ging es am Sonntag tief in den Westen.

Fünf Spiele standen für mich an diesem Wochenende an. In vier Spielen waren Aufstiegsentscheidungen möglich. Für den Sonntag-Vormittag war noch ein Slot frei und zur Abwechslung ging es um 11 Uhr in Essen nicht nur auf einen Ascheplatz, sondern mit der DJK Eintracht Borbeck zum Letzten der letzten Liga. Satte 318 (!) Gegentore in 25 Spielen hatte sich die DJK („Deutsche Jugendkraft“) gefangen. Rund 13 Gegentore pro Spiel. Vor Ort wurde ein wunderbar-heruntergekommener Hartplatz eingeheimst. Außerdem bekamen die Anwesenden schnell mit, dass Borbeck am Vortag zum Mannschaftsabend geladen hatte. Nach nicht mal 10 Minuten stand das Spiel schon auf der Kippe. 0:1 und im Borbecker Team krachte es. Rote Karte nach Handgreiflichkeiten innerhalb der eigenen Mannschaft. Ein Mitspieler zog zudem sein Trikot aus, warf es auf den Boden und verließ das Spielfeld wutschnaubend. Die Gemüter beruhigten sich wieder und vielleicht war es ganz gut, dass die DJK „nur“ mit 0:7 verlor. Die Krönung im Spiel: Der vergebene Elfmeter für die Heimelf in der Schlussminute.

Nach dem Kick in Borbeck ging es flugs weiter ins Bergische Land. Irgendwie würde 09 das Spiel schon gewinnen, mit einem Spektakel rechnete ich nicht. Das gab’s bereits in Essen. Ein Sieg würde bei 2 Punkten Vorsprung auf den Siegburger SV definitiv für den Aufstieg reichen. Eventuell ginge auch bei einem Remis was, da der SSV zeitgleich in Merten unterwegs war. Zunächst war ich aber froh, dass ich ein Fahrrad im Kofferraum hatte. Parkplätze am Stadion waren rar, so dass ich einfach ins Stadtzentrum durchfuhr und den Weg zurück mit dem „Klappi“ antrat. Die Stadt macht ihrem Namen durchaus alle Ehre: Es geht hoch und runter. Eine Schlange am Kassenhäuschen gab es nicht. Eintritt frei. Dafür wurde offensiv um eine Registrierung in der „DKMS“ geworben – der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Deal! Fahrrad angekettet und 9€ gespart.

Hinein ging es ins Rund, das gut gefüllt war. Keine Ahnung wie der Verein vor Ort die Zuschauer gezählt hat, denn es gab keine Tickets mit Laufnummer oder sonstige Registrierungen. Ich hätte die Zahl locker auf über 1000 Zuschauer geschätzt. Wie dem auch sei, die Kulisse stimmte. Vielleicht haben sich ja 900 Personen bei der DKMS angemeldet. Das wäre ein Erfolg. Auf der Haupttribüne ein kleiner Stimmungsblock, der natürlich ziemlich weit davon entfernt ist als „Szene“ bezeichnet zu werden. Aber immerhin. Los ging das Spiel, eine „knisternde Stimmung“ lag nicht über dem Feld. Die 09er gaben den Takt vor, konnten den Gegner aber (noch) nicht an die Wand spielen. Dennoch fiel das 1:0 im Nachsetzen und auch das 2:0 um Minute 40 herum ließ den Gegner aus Köln nicht völlig demoralisiert zurück. Mit dem 3:0 zur Halbzeit war die Messe dann wohl gelesen.

Nach dem Wiederanpfiff war der Gegner augenscheinlich nicht darauf aus, das Schlimmste zu verhindern. Porz wollte den Ehrentreffer erzwingen und die Defensive war so offen wie das berühmte Scheunentor. Bereits 5 Minuten nach dem Seitenwechsel prangte ein 5:0 auf der Anzeigetafel. Am Ende gelang das zweistellige Ergebnis, auf das man am Vormittag noch am Don-Bosco-Gymnasium in Essen-Borbeck gehofft hatte. Regionalliga-Aufstieg mit einem Kreisklasse-C-Resultat. Unglaublich.

Anschließend waren alle Zuschauer auf der Rasenfläche „welcome“ und es wurde zusammen mit den Beteiligten der Titel in der Mittelrheinliga auf dem Feld gefeiert. Eine erstaunliche Veranstaltung, die ohne viel Organisation auskam. Dass kein Eintritt erhoben wurde, okay, aber nicht mal ein einziger Ordner konnte im Stadion erspäht werden. Selbst bei der DJK Eintracht Borbeck hatte sich ein biertrinkender Mann eine Ordnerweste um die Schultern geworfen. Vielleicht sind sie in Bergisch Gladbach ja naiv, doch bis dahin kann sich die Regionalliga West auf einen entspannten Verein und einen schönen Ground freuen. (mm)

VfB Zittau – VfB Weißwasser (0:1)

Die 102. Ausgabe unserer BILDERBUCHBUDE DER WOCHE führt uns heute an den Rand der Republik. Vorhang auf für das Weinauparkstadion in Zittau! Zwei Dinge sind hier besonders erwähnenswert: Keine 100m hinter der Kurve fließt die Lausitzer Neiße entlang und am anderen Ufer beginnt Polen. Und dann müssen wir über die Holztribüne sprechen: Auch wir kennen die Floskeln von den „ältesten Tribünen“. Doch was hier in Zittau steht, schlägt die Konstruktionen in Kiel, Northeim & co um Längen. Für das Weinauparkstadion ist der Bau der Tribüne für das Jahr 1894 (!) belegt. Seit über 130 Jahren steht der Fachwerkbau an der Lausitzer Neiße – die Grenze zu Polen lag im 19. Jahrhundert noch viele hundert Kilometer weiter östlich.

Wie historische Fotos zeigen, hat sich der Bau in den vielen Jahrzehnten nicht sehr groß verändert. Die Tribüne hat das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Faschismus, zwei Weltkriege und die DDR überlebt. Erstliga-Fußball bot der Standort nur vor dem Zweiten Weltkrieg. In den 1970er- und 80er-Jahren konnten mit Hilfe der Trägerschaft des LKW-Herstellers „Robur“ einige Erfolge in der DDR-Liga gefeiert werden.

Um das Jahr 2000 war der VfB fester Bestandteil der NOFV-Oberliga. Doch seit etwa 20 Jahren findet sich der Verein in den Niederungen des Lausitzer Amateurfußballs wieder. Einen Nackenschlag gab es im Jahr 2010, als der Weinaupark von einem Hochwasser geflutet wurde. Daraufhin musste ein Großteil der Sportfläche saniert werden. Neben der Tribüne ist auch ein Sprecherturm und die kultige Anzeigetafel geblieben. Die Stufen, die sich rund um das Spielfeld ziehen, schrauben die Kapazität auf eine fünfstellige Zahl. Zusammen mit dem Gästeblock dürfte das Stadion höheren Ansprüchen genügen.

Vergangene Woche feierte der VfB „Vereinsfestwoche“. Das Kreisoberliga-Spiel war daher bereits für den Vormittag terminiert. Neben üppiger Verpflegung und Bespaßung für die Kleinen, wartete am Nachmittag die Traditionsmannschaft der SG Dynamo Dresden auf die Zittauer Altherren. Der Andrang war groß, jedoch nicht am Vormittag. Zu den gewöhnlichen Ligaspielen verirren sich keine 100 Zuschauer in den Weinaupark, nicht mal wenn Feierlichkeiten anstehen. Wir hoffen, dass wir ab heute ein paar weitere Zuschauer für den VfB Zittau begeistern konnten.


30.05.2026
Weinauparkstadion, Zittau
VfB Zittau – VfB Weißwasser (0:1)

NK Čelik Zenica – FK Igman Konjic 4:0

„YOU CAN EXPECT CRAZY ATMOSPHERE”

31.05.26
Prva liga Federacije Bosne i Hercegovine
Stadion Bilino Polje
Zuschauer: 9.500

ZENICA – Wie schon im Priboj-Bericht angesprochen, wirbelte die Verschiebung der ersten Liga die Pläne kräftig durcheinander. Ansetzungen und Termine sind in Ex-Jugoslawien quasi so fragil wie die politischen Zustände. Doch ein anderes Highlight zeichnete sich schon bei der Buchung ab: zur Hinserie hatte der Traditionsverein Čelik Zenica einen komfortablen Vorsprung in der 2. Liga und stand vor der Rückkehr ins Oberhaus. Bereits damals sagte ich meinen Mitfahrern, dass wir deren Heimspiel gegen Konjic im Auge behalten sollten.

Eigenlob stinkt, aber ich sollte Recht behalten. Die Schwarz-Roten machten bereits vor zwei Wochen auswärts bei Tuzla City den Aufstieg klar. Über sechs Jahre nach der Insolvenz und dem schmerzvollen Gang in die 4. Liga kündigte der Verein eine Riesenparty im Anschluss an das letzte Heimspiel gegen Igman Konjic an.

Wir trafen gegen Nachmittag in der Stahlstadt ein und gönnten uns die letzte Fleischplatte des Wochenendes. Gefühlt war halb Zenica auf den Beinen. Die Kneipen und Cafés voller gut gelaunter Fans und im Park ließ man die ersten Böller detonieren. Die Eintrittskarten kauften wir durch den Zaun hinter der Tribüne, eben typisch Balkan.

Im Vorfeld hatten die Ultras von “Robijaši” eine Choreo angekündigt. Was dann folgte, ließ uns alle sprachlos zurück: auf der Haupttribüne stieg unter dem Motto “Čelik ist Zenica” das Vereinswappen aus einem Stahlkessel empor. Dazu gab es drei Blockfahnen, Luftballons, kleine Fahnen und ein riesiges Spruchband auf der Gegengerade. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hingucken sollte.

Dazu knallte und brannte es an allen Ecken. Egal ob Blinker, Rauchtöpfe, Bengalos oder Böller: alles wurde an diesem Nachmittag aufgeboten. Wie selbstverständlich verteilten die Ultras die Fackeln auf der Tribüne. Auch Kinder und der Stadionsprecher rissen die Teile an, ein Wahnsinn! Den Schiedsrichter ließ das alles unbeeindruckt und er pfiff trotz großer Rauchschwaden an. Eben typisch Balkan.

Als wäre das nicht genug, zündelten einige Anhänger auch auf dem Hochhaus hinter dem Tor. Es war wie im Rausch und nahm kein Ende. Auf dem Platz zeigte “Stahl” einmal mehr, wie verdient der Aufstieg ist und schickte die Gäste mit 4:0 nach Hause.

In der zweiten Halbzeit bekamen wir von einem Verantwortlichen noch jede Menge Infos zur Vereinshistorie und der gute Mann lud uns ein, nächste Saison noch einmal vorbei zu schauen. Darauf kommen wir gerne zurück, denn wie auf einem Spruchband angekündigt dürften die “Robijaši” auch in der 1. Liga für eine “crazy atmosphere” sorgen. (hr)

Mosbacher SV – SG EFC Ruhla 08 – 5:0

„BRASILIEN-VIBES IM THÜRINGER WALD“

29.05.2026
Kreisoberliga Westthüringen
Sportplatz Mosbach
Zuschauer: 351

MOSBACH – Vor gut zwei Jahren sollte im „Schwechheimer Landboten“ ein Bericht über den FC Eisenach erscheinen. Im frühsommerlichen Mai wartete der perfekte Eisenach-Tag in Westthüringen. Morgens wurde dem FSV Eintracht Eisenach im „Stadion der Freundschaft“ ein Besuch abgestattet. Ein besserer Sportplatz, aber direkt neben dem Wartburg-Stadion gelegen. Bei bestem Sonnenschein ging es anschließend rauf auf die Wartburg und wieder runter zum FC Eisenach. Der Gegner damals: Mosbacher SV. Vor zwei Jahren bereits Spitzenteam der Liga und die Konstellation im Wartburg-Stadion lautete: Letzter gegen Zweiter. Oder irgendwie so. Der perfekte Eisenach-Tag erhielt mit einem elendigen 0:0 vor einer Handvoll Zuschauer einen ordentlichen Dämpfer. Das Wartburg-Stadion ist bei jedem Grottenkick noch fotogen, aber zu schreiben gab es nix.

Die Recherche ergab wenig später nicht nur die Tatsache, beim ersten torlosen Unentschieden im Wartburg-Stadion seit 11 Jahren (!) vor Ort gewesen zu sein, sondern auch den Umstand, dass die hochfavorisierten Mosbacher nur zwei Tage zuvor im Derby gegen den EFC Ruhla auf dem Platz standen. Vor rund 500 Zuschauern feierte der MSV einen Derbysieg und die Bilder vom Feuerwerk vor der legendären Holzhütte im Langetal machten nach dem Spiel die Runde und elektrisierten auch mich. Seit diesem verhängnisvollen Tag hatte ich das Derby im Wartburgkreis auf dem Zettel, der ja auch ohne Fußballspiel immer eine Reise wert ist.

Nun war es so weit und der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können. Das Quecksilber kratzte an der 30-Grad-Marke und Mosbach auf dem Platz an der Sonne, hatte die Möglichkeit mit Schützenhilfe aufzusteigen. Den ersten 200 Zuschauern wurden „Derbykekse“ gereicht und der Sportplatz im Langetal rechnete mit einem Zuschaueransturm. Vor Ort sind kaum Parkplätze vorhanden, bereits eine knappe Stunde vor dem Anpfiff musste der Rückwärtsgang eingelegt werden. Nachdem eine Eintrittskarte für 4€ über den Tisch wanderte, genoss ich die Aussicht über den Thüringer Wald. Beim Blick in den Spielort wurde aber schnell klar, dass die kühnen Träume von Rekordkulisse und Tifo nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Die „Mosbacher Jungs“ scheinen gar nicht mehr aktiv zu sein. Der Parkplatz zwar zum Bersten gefüllt, aber bei 351 Zuschauern und dem möglichen Aufstiegsticket wäre sicher noch Luft nach oben gewesen. Ich nehme es vorweg: Das war alles gar nicht wichtig. Wichtig war auf dem Platz.

Die Kulisse sorgte dennoch für gute Laune und vor allem der Mosbacher SV tat alles dafür, dass seine Gäste zufrieden waren. 5:0 stand es nach 20 Minuten gegen den Nachbarort, der ebenfalls zu Wutha-Farnroda gehört. Ein herausgespieltes Tor war schöner als das andere und vor allem der Torjubel nach dem 3:0, mit einem Ordner, der auf das Spielfeld tanzte, bescherte uns unvergessliche Bilder. Seit der WM 2014 und dem deutschen 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien, habe ich nicht mehr so einen surrealen Spielverlauf gesehen. Zwischendurch war Mosbach in die Landesklasse aufgestiegen, doch der Konkurrent aus Vacha konnte sein Spiel am Ende mit 4:0 gewinnen. In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, diesmal wurden die guten Chancen versiebt und die Zuschauer konnten sich auf das frischgezapfte „Stupps“-Bier, die Thüringer Bratwurst und das tolle Panorama rund um den Sportplatz konzentrieren. Für den Groundhopper wurde nach dem Abpfiff immerhin noch eine Feuerwerksrakete in den dämmernden Abendhimmel geschossen.

Wie vor zwei Jahren, gab es bereits zwei Tage nach dem Derby wieder ein Spiel für Mosbach in der Kreisoberliga. In Hötzelsroda konnten die Wuthaer mit 4:0 triumphieren und den Aufstieg nun auch formell eintüten. Diesmal war die Motivation eine andere – Glückwünsche nach Mosbach! Eine persönliche Fußnote machte das Derby für uns noch unvergesslich: Nach dem Spiel fertigte ich ein Foto mit dem Kapitän der Mosbacher und meinem Sohn an und ließ die Nummer 7 in einem Tagebuch unterschreiben. Mein Sohn – Schüler der 1. Klasse – hatte morgens in der Schule „Pinguin Piet“ zugelost bekommen und musste sein Wochenende in Schrift und Bild per Reisetagebuch dokumentieren. Ausgerechnet dieser Tage stand eine Tschechien-Tour via Thüringen im Terminkalender. Mal gucken, ob seine Klassenlehrerin den Beitrag liken wird. (mm)

FSV Tostedt – SG Estetal II – 1:2

“EINE PERLE DER NATUR”

16.04.2026
1.Kreisklasse Harburg
Sportanlage Düvelshöpen
Zuschauer: 63

TOSTEDT – Es ist soweit, die unteren Ligen kicken auch wieder unter der Woche an Wochentagen. Die milderen Temperaturen erreichen den Norden der Republik. Zeit für Amateurfußball! Der Spielort liegt ziemlich mittig zwischen den beiden Hansestädten Hamburg und Bremen. Ideal, um unter der Woche nach der Arbeit dort aufzuschlagen. Passend die Lage unweit des Bahnhofs, bietet sich der Metronom dafür natürlich an.

Ehrlicherweise hatte ich diese Spielstätte nicht unbedingt auf meinem Zettel. Immerhin verfügt dieser über eine nette Tribüne hinter dem Tor. Die Umgebung wird durch das angrenzende Waldstück ergänzt. Ein schöner Anblick. Auf dem Rasen kratzt der Ball an der Grasnarbe, das Krombacher wird im herzlichen Vereinshaus verkauft. Was in meinen Augen leider als typisches “Sportplatzbier” in Norddeutschland gilt.

Das Zuschaueraufkommen ist für einen Donnerstagabend vollkommen in Ordnung. In der ersten Halbzeit sah man für die zwei Euro Eintritt ein zähes Fußballspiel. Den Führungstreffer für die Gäste hätte in der Show von “Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs” eventuell einen Platz in der Kategorie ”Kacktor” erhalten.

In der zweiten Halbzeit erhielt das Spiel neuen Schwung, die Gastgeber glichen aus und die Zuschauer erwachten. Einige Situationen zeigten den Ehrgeiz der Akteure. Das 1:2 und somit der Endstand im Spiel, die Gemüter erhitzen kurz. Erinnerungen an den Kopfstoß von Zinedine Zidane wurden wach, nach dem Pfiff des Schiedsrichters war alles aber halb so wild. Nur der Zuschauer an der Seitenlinie konnte sich nicht so wirklich beruhigen, “TÄTLICHKEIT” und: “SCHON WIEDER DIE 27”.. Den Schiedsrichter beeindruckte es natürlich wenig. Schön ist es hier in Tostedt…

Ein herrlicher Frühlingstag geht zu Ende, der Metronom liefert und das Deutschlandticket ist Gold für Groundhopper. Donnerstag, Amateurfußball und der Geruch nach dem grünen Rasen. Herrlich, falls jemand diesen Sportplatz noch nicht auf dem Radar hatte, fahrt alle nach Tostedt. (tp)

FK FAP Priboj – RFK Graficar – 3:1

“BALKAN AUF DIE 1”

29.05.2026
Prva Liga Srbije
Gradski Stadion Priboj
Zuschauer: 197

PRIBOJ – In den weiten Teilen Europas sind die Saison und die Pokalspiele bereits abgeschlossen. Die Sommerpause nähert sich langsam und auch der geneigte Groundhopper wird in seiner Routenwahl eingeschränkter. Die neu eingeführte Route aus der bekannten Kreisstadt Schwechheim nach Tuzla weckt Begierde. Grund für die Buchung war bis April ebenso die “Terminierung” des Derbys in Sarajevo und des Derbys in Mostar. Zeitgleich an einem Wochenende, das viele Fußball-Touristen aus ihren Nestern bringt. Durch die Teilnahme Bosniens an der WM setzte man lieber nochmal ein Testspiel in Sarajevo an, zu Gast die Nationalelf aus Mazedonien. Der Spieltag der ersten Liga wurde somit vorgezogen. Balkan eben, damit darf gerechnet werden. Den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für mich nicht infrage, dafür mag ich diese Region viel zu sehr. Zeitgleich wird das Bewusstsein gestärkt, was für gesicherte Verhältnisse wir in unserem oft so kritisierten Deutschland haben. DFL & CO leisten hinsichtlich Terminvergabe gute und verlässliche Arbeit. Als Beispiel: Der angesetzte Verlegungs-Spieltag wurde am Sonntag, 24.05.2026 über die Verbandsseite angesetzt und einen Tag später rollte der Ball im Sarajevo Derby und bei Široki Brijeg.

Somit hieß es 2-3 Tage vor unserem geplanten Abflug zu entscheiden, was möglich ist. Der serbische Verband setzte unsere Alternative perfekt Freitag, um 17:00 Uhr an. 11:00 Uhr war die geplante Landung, dank freundlichen Leuten wurde ich am Mietwagen-Schalter vorgelassen und hatte somit schnell die Schlüssel in der Hand. Was unser Vorhaben spannend gestaltet, war natürlich die Ungewissheit an der bosnisch-serbischen Grenze. Der Grenzübergang in Karakaj lief innerhalb von 35 Minuten für Ein- und Ausreise fast schon zu schnell. Perfekt, die restlichen 3 ½ Stunden Fahrt entlang durch wunderbare serbische Landschaften bereitete dem Fahrer eine Menge Spaß. Auf der Rückbank sprach der Mitfahrer von dem Gefühl einer Achterbahnfahrt. Ich werte dies als Lob an die Redaktion.

In dem kleinen Ort an der Lim bietet das Gradski Stadion Priboj laut Europlan eine Kapazität für 10.000 Zuschauern. Ein riesiger Klotz für diese Stadt. Mittlerweile wurden die Haupttribüne und die Gegengerade bestuhlt und erneuert. Ein Dach gab es für die Haupttribüne. Das Geld fließt in dieser kleinen Stadt. Das Panorama bleibt 1A mit Sternchen. Hinter der Anzeigetafel fließt der Fluss, die modernen Toilettenhäuschen gleichen Skandinavien und zählen für mich wohl zu den besten Stadiontoiletten ich Osteuropas. Die Zuschauerzahl ist fast schon überdurchschnittlich gut für einen Kick in Serbien. Bei den Temperaturen um 25 Grad durfte natürlich keiner Wasser mit ins Stadion bringen. Einen Verkaufsstand bot der Verein selbstverständlich auch nicht an. Liebe für den Balkan!

Die einheimischen Spieler verabschiedeten sich würdevoll von ihrem Heimpublikum. Auf dem schwierigen Geläuf war es ein ansehnlicher Kick. Der Sieg brachte dennoch nicht die Wende und der Abstieg aus der zweiten Liga Serbiens war eine beschlossene Sache. FAP stimmte unsere Gemüter dennoch zufrieden und die Anreise über die bosnisch/serbischen Landstraßen war es wert. Nach Abpfiff ging es noch in Ћевабџиница Реле in Priboj. Besonders das “Komplet Lepinja” blieb in Erinnerung. Brot gefüllt mit Ei und dazu wird eine leckere Bratensauce serviert, spektakulär und richtig lecker.

Zurück nach Bosnien ging es erneut über die Landesgrenze, unseren knapp 7-stündigen Aufenthalt fanden die Grenzbeamten so spannend, dass diese unser Gepäck und Auto einmal komplett kontrollieren wollten. Vier gutaussehende junge Männer, kurze Einreise und schnelle Ausreise. Die perfekten Bedingungen, um uns mal eben kurz zu nerven. Verschenkte Arbeitszeit für die Kontrolleure am Ende. Unsere Route durfte fortgeführt werden. Auch das ist eben der Balkan und lief ja relativ entspannt ab. Zur Hauptreisezeit im Sommer habe ich das schon anders erlebt. Den Balkan auf die EINS! (sl)

SSV Jeddeloh II – SV Drochtersen/Assel – 3:0

„BLICKPUNKT BARSINGHAUSEN – EIN DORF FÜR POKALSIEGER“

24.05.2026
Niedersachsenpokal 3. Liga und Regionalliga
August-Wenzel-Stadion
Zuschauer: 1.556

BARSINGHAUSEN — Am Finaltag der Amateure wurden 21 Spiele in Deutschland ausgetragen und von der Sportschau in der Konferenz übertragen. Es gab Überraschungen, aber auch klare Sieger. Am Ende des Tages standen 62 von 64 Teilnehmern fest, die an der ersten Runde des DFB-Pokals teilnehmen. Einzig der Meister der Oberliga Westfalen und ein zweiter Kandidat aus Niedersachsen waren noch offen.

In Niedersachsen dachte man sich vor mehreren Jahren, dass es cooler sei, zwei Pokale auszuspielen statt nur eines. Somit wurden die Teams der 3. Liga und der Regionalliga aus dem Niedersachsenpokal genommen und in einen zweiten Niedersachsenpokal gesteckt. Doppelt hält besser – so lautete die Devise. Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen des NFV. Wenn man die große Bühne schon mühselig aufbaut, kann man diese schließlich auch an zwei Tagen nutzen. Somit hieß es am Samstag Lüneburg gegen Bersenbrück und am Sonntag Jeddeloh gegen Drochtersen/Assel.

Da die Auswahl am Pfingstsonntag doch sehr begrenzt war, entschieden wir uns für das zweite Pokalfinale und nicht für das erste am Samstag.

Dementsprechend ging es am Pfingstsonntag ganz entspannt nach Barsinghausen – ein Ort ohne wirklich viele Parkplätze. Wir stellten das Auto in einer Nebenstraße ab und gingen zum Stadion. Vor Ort hatten wir keine „neutralen Tickets“, sondern Karten für den Jeddeloh-Bereich, da der Schreiber dieser Zeilen einfach ohne hinzugucken auf „Stehplatz“ geklickt hatte. Wäre mir nicht passiert, wenn es eine Tageskasse gegeben hätte. Am Eingang war es dann aber völlig egal, für welchen Block wir Karten hatten. Stehplatz ist schließlich Stehplatz. Da sich alle Zuschauer ohnehin nur auf einer Seite verteilen konnten, war es letztlich egal, wo man stand. Die Fans stellten sich jeweils an die Seiten der Tribüne: links die Anhänger von Jeddeloh, rechts die von Drochtersen.

Beide Teams wurden mit ein paar Fahnen empfangen und drei Minuten zu früh rollte dann das Leder. Der leichte Favorit aus Kehdingen kam überhaupt nicht ins Spiel und kassierte bereits nach fünf Minuten das 0:1. Die weiteren 40 Minuten der ersten Hälfte waren sehr zerfahren und wirklich nicht schön anzusehen. Nach dem Pausentee machte Drochtersen Druck, konnte den Ball aber nicht über die Linie bringen. In der 79. Minute machte Jeddeloh dann mit der zweiten guten Chance den Deckel drauf. In der Nachspielzeit fiel noch das 3:0 und der Jubel bei den mitgereisten Fans kannte keine Grenzen.

Jeddeloh feierte somit den allerersten Pokalsieg auf Landesebene und steht damit zum zweiten Mal im DFB-Pokal. Glückwunsch von der Redaktion! Wir sind gespannt, welches Profiteam wahrscheinlich am Marschweg in Oldenburg gastieren darf.

Mein Fazit fällt gemischt aus. Auf der einen Seite fand ich es clever, beide Spiele auf einer Anlage austragen zu lassen, auf der anderen Seite finde ich das Stadion als Finalort eher bescheiden. Alle Zuschauer müssen sich auf einer Seite aufhalten und auf den anderen drei Seiten ist einfach nichts. Das wirkt eher wie ein Kreispokalfinale als wie ein Landespokalfinale. Es hätte sicherlich größere Stadien in Niedersachsen gegeben. Dafür konnten viele Groundhopper einen neuen Ground abhaken, denn hier spielt im Ligabetrieb normalerweise niemand. (mb)

SC Hanau 1960 – KSV Baunatal (4:2)

Hallo und hereinspaziert in unsere neueste BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! Da die Ausgabe (101) immer noch in unsere Jubiläumswoche fällt, gibt es heute auch ein richtig schönes Gewinner-Stadion auf die Augen: Das Herbert-Dröse-Stadion in Hanau!

Neben American Football wird in dem 16.000 Zuschauer fassenden Old-School-Stadion auch in der Hessenliga gekickt. Der kurdischstämmige SC Hanau 1960 absolviert einen Großteil seiner Pflichtspiele in dem Ground, der nach dem langjährigen Bürgermeister der Stadt benannt ist. Erbaut wurde die Spielstätte Anfang der 1950er-Jahre und der Zeitgeist aus der Nachkriegszeit ist in nahezu jedem Winkel des Stadions erhalten geblieben.

Doch Obacht: Da der Verein nicht mit Groundhoppern kommuniziert, kann es im Herbst, Winter und Frühling zu Überraschungen bei der Platzwahl vor Ort kommen. Und da ist noch was: Hanau profitiert von der „Sportmilliarde“ des Bundes und ab nächstem Jahr wird eine siebenstellige Summe in den Ground fließen. Erste-Hand-Infos an dieser Stelle: Die Aschebahn wird abgetragen und gummiert, Flutlichter installiert und eine neue Anzeigetafel errichtet.

Ausgeschlossen ist dabei auch nicht die „Ertüchtigung der Zuschauertraversen“. Wie dem auch sei: Der Zeitgeist von damals dürfte allmählich entfleuchen. Das ist schade, denn das einzige Stadion aus der Nachkriegszeit in Deutschland, das mit dem Herbert-Dröse-Stadion mithalten kann, steht in Neunkirchen. Wie es dort mit der Borussia weitergeht, steht ja leider auch in den Sternen.


10.05.2026
Herbert-Dröse-Stadion, Hanau
SC Hanau 1960 – KSV Baunatal (4:2)

Crystal Palace F.C. – Rayo Vallecano de Madrid – 1:0

„LANGE NACHT FÜR DAS KLEINE FINALE“

27.05.2026
UEFA Conference League
Zentralstadion
Zuschauer: 39.176

LEIPZIG – Statt Kreisliga in Kiel, stand an diesem Mittwoch-Abend das Conference-League-Finale auf dem Tagesplan. Durch den Umstand, dass das Endspiel in Leipzig ausgetragen wurde, wollte die Hälfte der Redaktion die Gelegenheit nutzen und in diesem immer noch neuen UEFA-Wettbewerb ein Finale vor Ort abstauben. Das war keine schlechte Idee, denn das Auto füllte sich rasch, Tickets für die Partie waren auf solidem Preisniveau verfügbar und der Turnierbaum ab dem Viertelfinale ließ ein Endspiel mit interessanter Beteiligung vermuten. Als das erste Ticketfenster der UEFA öffnete, waren drei Redakteure nach drei Minuten versorgt und es war schnell klar: Es wird eine lange Nacht für das kleine Europapokal-Finale.

Das Spiel wies fast dieselbe Struktur auf wie die Autobesatzung aus der Redaktion. Für zwei von uns (mm & hr) war es die zweite Finalteilnahme auf europäischem Parkett. Für mich nach 16 Jahren Abstinenz das zweite Endspiel und unser Fahrer (mb) feierte seine Final-Premiere. Palace nahm auch das erste Mal überhaupt am Europopokal teil, während Rayo bei dem einzigen Auftritt im Europapokal vor 25 Jahren im UEFA-Cup-Viertelfinale gegen Deportivo Alavés stand, die es am Ende ja bekanntlich in ein spannendes Finale schafften. Der Endspielort lag damals auch in Deutschland: In Dortmund verloren die Spanier gegen den FC Liverpool mit 5:4. Einen ähnlichen Spielverlauf erhofften wir uns auch für unser Spiel, wenn wir gefragt worden wären.

Dass es vermutlich kein Spiel mit Achterbahn-Charakter wird, ließ sich schon ein bisschen ablesen. Beide Teams wurden von mir während der Saison jeweils einmal live unter die Lupe genommen. Palace gar in der Gruppenphase dieses Wettbewerbs. Gegen Kuopio PS gab es mit der B-Elf mit Ach und Krach ein Remis, während Rayo Anfang März bei einem 1:1 im „Éstadio Ramón Sánchez Pizjuán“ beobachtet werden konnte. Die Spielbesuche sind hier übrigens nachzulesen. Wunderdinge waren nicht zu erwarten, aber für englische und spanische Verhältnisse rechneten wir mit einer manierlichen Crowd im Stadion.

Vor der Abfahrt musste zunächst jedoch das Handy von Redakteur (fj) eingesackt werden. Da das Ticket für mich über seinen Account bestellt wurde, war eine elektronische Übertragbarkeit ausgeschlossen. Nur „überschüssige“ Karten sind zur Weiterleitung freigegeben. Die App konnte auch nicht mit den entsprechenden Zugangsdaten auf einem fremden Handy geöffnet werden, da der Account mit dem Gerät, auf dem die App installiert wurde, verknüpft ist. Es half nichts, das Telefon musste mit nach Leipzig. Zum Glück sind wir ein verschworener Haufen und (fj) war jüngst von einem wochenlangen Südafrika-Trip zurückgekehrt. Das wär’s noch gewesen, wenn mein Finalticket unerreichbar in Afrika auf Reisen gewesen wäre. Die abschließende Bewertung dieser Ticket-Richtlinien erspare ich mir an dieser Stelle gerne. Am Ende hat alles geklappt.

Sowohl die Engländer als auch die Spanier füllten ihre Kurven vollständig und entrollten zum Einlauf der Teams eine Blockfahne. Dazu wurde Pyro kredenzt und bei Rayo mittels farbiger Papiertafeln auch noch ein „tierisches Bild“ in der Kurve erzeugt. Das war auf beiden Seiten für englische und spanischen Verhältnisse sicherlich oberstes Bord. Wenn die jeweiligen Szenen hinter dem Tor gesanglich am Quirl drehten, schepperten viele Dezibel durch das Rund. Das hat schon Bock gemacht und ließ bei dem milden Frühsommerwetter richtige Turnierstimmung aufkommen. Bei der Stimmung konnte das Spiel – wie erwartet – zunächst nicht mithalten. Im ersten Abschnitt agierten die Teams noch sehr zaghaft. Palace mit mehr Ballbesitz, aber ohne Druck im gegnerischen Strafraum.

Das änderte sich mit dem Wiederanpfiff. Sofort setzten die Engländer die etwas nervösen Spanier unter Druck, erzielten per Abstauber durch Jean-Philippe Mateta den goldenen Treffer des Abends und hätten direkt nachlegen können. Für Rayo war gegen die Physis der Premier-League-gestählten CPFC-Akteure irgendwie kein Kraut gewachsen. Zweite Bälle bei den Spaniern blieben Mangelware und die wenigen Schüsse auf den Kasten von Dean Henderson waren einfach zu unplatziert. Noch einmal flogen – wie beim 1:0 – die Bierbecher nach dem Schlusspfiff durch die Palace-Kurve und der Favoritensieg bedeutete für die Redaktion immerhin keine weiteren Überstunden. Als letztes Mitglied der Autobesatzung erreichte ich Schwechheim um kurz vor 5. Während der Fahrt überlegten wir, wer wohl im nächsten Jahr ins Finale kommt. (mm)

Johor Darul Takzim FC – Kuching City FC – 2:0

„MALAYSIAS FUSSBALL AM SCHEIDEWEG“

23.05.2026
Piala Malaysia Finale
Stadium Nasional Bukit Jalil
Zuschauer: 50.032

KUALA LUMPUR – Es gab durchaus gute Gründe für den Beschluss auf dem Schwechheimer Redaktionstreffen Ende März, schon vor den Ergebnissen der Halbfinals den Südostasienexperten CvS zum malaysischen Pokalfinale zu entsenden. Zum einen lockte Etihad mit Knallerpreisen, vermutlich um die durch den Irankrieg etwas verschmähte arabische Halbinsel wieder zu beleben. Zum anderen zeichnete sich das Finale Selangor gegen Johor ab, oder auch UltraSel gegen Boys of Straits auf den Rängen, die wohl beiden besten Gruppierungen des Landes.

Leider sollte es anders kommen und Selangor verpasste nach einem 1:1 im Hinspiel durch eine knappe Niederlage mit strittigen Schiedsrichterentscheidungen den Finaleinzug. So hieß die Finalpaarung stattdessen Johor gegen Kuching City, wobei das Team von der Insel Borneo getrost als Farmteam bezeichnet werden kann. Diverse Leihspieler und Ex-Spieler von JDT tummeln sich im Kader.

Da Malaysia nichtsdestotrotz immer eine Reise wert ist, machte man sich natürlich trotzdem auf den Weg. Allein das Nationalstadion Bukit Jalil ist ein absoluter Hingucker. JDT ging als klarer Favorit in dieses Endspiel, diverse europäische und südamerikanische Legionäre zieren den Kader und lassen normalerweise die Gegner machtlos zurück.

Kuching machte jedoch ein großartiges Spiel, verteidigte mit viel Herzblut und hatte die deutlich besseren Chancen. Doch weder ein leeres Tor noch einen Elfmeter konnte man nutzen, um verdient in Führung zu gehen. Und so kam es, wie es kommen musste: Johor nutzte eine seiner Chancen und ging in der 80. Minute mit 1:0 in Führung, in der Nachspielzeit folgte das 2:0. So hieß der Sieger einmal mehr Johor Darul Ta’zim FC.

Doch das ist in Malaysia längst kein wirklicher Überraschungssatz mehr. Johor Darul Ta’zim hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Dauersieger sämtlicher Wettbewerbe im malaysischen Fußball entwickelt, sportlich wie strukturell. Meisterschaften werden regelmäßig frühzeitig entschieden, während der Rest der Liga die Saison eher im Modus der Schadensbegrenzung bestreitet. Selbst zweistellige Ergebnisse gehören dabei nicht mehr in die Kategorie Sensation, sondern eher in die Wochenübersicht. Ein 14:0 gegen PDRM vor wenigen Wochen war entsprechend weniger Ausrutscher als Fußnote einer längst bekannten Hierarchie.
Die letzte nationale Niederlage des Klubs liegt mittlerweile Jahre zurück, und auch abseits der Resultate ist die Sonderstellung offensichtlich.

Hinter JDT steht mit „TMJ“, Tunku Ismail Idris, der Kronprinz von Johor, ein Eigentümer mit direktem Zugang zu den finanziellen und politischen Strukturen des Bundesstaates. Der Klub profitiert entsprechend von Ressourcen, die im nationalen Vergleich nicht einmal ansatzweise erreichbar sind, inklusive modernster Infrastruktur, eigenem Stadion und Trainingszentrum auf internationalem Niveau.
Je nach Betrachtungsweise ist das entweder konsequente Spitzensportförderung oder eine sehr großzügige Interpretation von Sponsoring, und das größtenteils aus dem Staatshaushalt. Innerhalb Malaysias findet man beide Lesarten, wobei die sportliche Realität auf dem Platz meist nur eine zulässt.

Für den Rest der Liga bleibt der Blick nach oben entsprechend frustrierend. Traditionsteams kämpfen mit finanziellen Problemen, teils ausstehenden Gehältern und sportlichem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Namen wie Kedah oder Perak, früher feste Größen mit großen Fanbasen, sind inzwischen entweder zweitklassig oder kaum noch konkurrenzfähig.
Die Folge ist ein Wettbewerb, der seinen Namen nur noch eingeschränkt trägt. Der Meister steht früh fest, sportliche Spannung ist selten, und die Zuschauerzahlen haben sich über die Jahre entsprechend entwickelt. Wo einst fast fünfstellige Schnittwerte möglich waren, dominieren heute vielerorts leere Ränge. Spiele mit dreistelligen Zuschauerzahlen sind keine Ausnahme mehr, sondern Teil des Normalbetriebs.

Auch die Infrastruktur trägt ihren Teil dazu bei: viele Stadien sind für den Stadionromantiker reizvoll, aber funktional längst nicht auf der Höhe der Zeit. Wenig Komfort, kaum Schutz vor der tropischen Sonne, dazu infrastrukturelle Mängel, die den Stadionbesuch selten attraktiver machen als die Fernsehübertragung.

Hinzu kommt eine Phase harter Einschnitte für aktive Fanszenen zwischen 2015 und 2020, in der Stadionverbote und Restriktionen viele Gruppen nachhaltig geschwächt haben. Heute existiert nur noch eine kleine Zahl wirklich aktiver Kurven, darunter Selangor (UltraSel), Negeri Sembilan (UN9), Terengganu (Ultras Tranung), Johor (Boys of Straits) sowie in Liga zwei Perak (Supporters Perak), wobei die erstgenannte im landesweiten Vergleich die klare Referenz darstellen.

Parallel dazu steht auch der Verband selbst regelmäßig in der Kritik. Die Themen reichen von Korruptions- und Matchfixingvorwürfen über organisatorisches Chaos bis hin zum jüngsten „Heritage“-Skandal, bei dem eingebürgerte Nationalspieler wegen gefälschter Abstammungsdokumente gesperrt wurden, ein Vorgang, der sogar FIFA-Ermittlungen nach sich zog und dem malaysischen Fußball international erheblich geschadet hat.
Der Skandal traf nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch das Vertrauen in die Strukturen insgesamt. Selbst die Ultras Malaya haben daraufhin Teile ihres Supports eingestellt und umfassende Reformen gefordert. Wer heute ein Länderspiel in Malaysia besucht, sollte auf den Rängen entsprechend keine große Erwartungshaltung mitbringen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Landes in dem das Potenzial des Fußballs, wie die Vergangenheit durchaus gezeigt hat, deutlich größer wirkt als sein aktueller Zustand. Der in den Stadien häufig zu lesende Satz „Kembalikan bolasepak kepada rakyat“ – „Gebt den Fußball dem Volk zurück“ wirkt dabei weniger wie ein Slogan sondern vielmehr wie ein stiller Hilferuf.
(CvS)

Ferencvárosi TC – Zalaegerszegi TE – 1:0 n.V

“REKORDPOKALSIEGER FRADI”

09.05.2026
Magyar Kupa Finale
Puskás Aréna
Zuschauer: 49.858

BUDAPEST – Oder auch gesagt: Das “Paris des Ostens”. Moderne, schicke Altbauten und neue Häuser. Das Land wirkt weiterentwickelt als Teile unseres eigenen Landes und ein Fortschritt in Digitalisierung, der bis ins Amateurfinale des Pokals geht. Unser Vorspiel war das angemerkte Finalspiel im “Illovszky Rudolf Stadion”. Einen Ticketverkauf gab es nur online. Digitalisierung schön und gut, lasst aber gerne Amateurfußball in Frieden. Ebenso die vielen Neubauten im ungarischen Fußball, der moderne Weg wird stark nach vorne getrieben. Im Vergleich zu anderen Ländern in Osteuropa für mich definitiv ein Graus. Fradi ist im Thema Digitalisierung ein großer Vorreiter, für einen Besuch im heimischen Stadion benötigt jeder eine Fancard mit Fingerabdruck und Gesichtsscan. Zustände gleichen diese in Brasilien.

Das heiß begehrte Objekt war das Stadion, im November letzten Jahres ist es mir und Kollegen (hr) “durch die Lappen gegangen”. Benannt nach Ferenc Puskás, diese ungarische Legende spielte er unter anderem für die Königlichen. Die Zahlen sprechen für sich, für seinen Heimatverein Budapest Honved FC gelangen ihm in 349 Spielen satte 358 Tore. Mit einer vorhandenen Kapazität von 67.155 Plätzen ist es das größte Stadion in Ungarn. Dieses Jahr ist Budapest Austragungsort des Champions League Finale. Leider ohne deutsche Beteiligung, dafür darf das “große” Paris ins kleine reisen.

Pluspunkte für Budapest gab es auch für mich, parken in einer Großstadt relativ einfach und an einem Sonnabend zudem auch noch umsonst. Das ist nicht überall so, die 100 Forint schmiss ich in den Automaten, um herauszufinden, dass die Uhr erst ab Montag, 08:00 Uhr weiter läuft. Vielleicht kann sich der nächste durch diesen Bericht die Kohle sparen.

Somit ging es bei bestem Wetter per pedes zur großen Arena. Am Hauptbahnhof vorbei und somit erlebte man die Ankunft der Gäste. Vor zwei Jahren besuchte ich das Stadion der heutigen Gäste, damals anwesend, vielleicht insgesamt 250-300 Zuschauer. Erfolg zahlt sich aus, erstaunt war ich über die Anzahl an Gästefans am heutigen Tag. Eventuell motivierte die bestehende Freundschaft zwischen beiden Fanszenen den ein oder anderen heute nach Budapest zu fahren.

Jedem sportlichen Groundhopper empfehle ich natürlich den Kauf eines Tickets im Oberrang. Wahnsinnig geil, so viele Stufen in einem Stadion. Ausdauer-Training ist der Besuch ganz oben definitiv. Teilweise gibt es einen kostenlosen Ausblick über die Dächer der Stadt. Vor dem Anpfiff gab es eine gemeinsame Choreographie in den Vereinsfarben.

Ab jetzt der Spielbericht, mit 0:0 ging es in die Verlängerung. So schnell ist es möglich, 90 Minuten Fußball zu beschreiben. Ein unterirdischer müder Kick. Im Pokal gibt es dann logischerweise noch 30 Extra Minuten und viele Zuschauer stellen sich auf ein Elfmeterschießen ein. In der 111. Minute die Erlösung, Fradi ging in Führung und brachte dieses Ergebnis ins Ziel. Der Rekordpokalsieger holte seinen 25. Titel. Für mich reicht der diesjährige Ungarn-Besuch, “einmal im Jahr reicht”. (tp)

Brüsewitzer SV – FC Selmsdorf – 3:2

„HERRENTAG IN OSTDEUTSCHLAND“

14.05.2026
Kreispokal Schwerin-Nordwestmecklenburg
Stadion im Schlosspark
Zuschauer: 1.099

ROGGENDORF – Der Frühling in Norddeutschland will einfach noch nicht auf Touren kommen. Dieses Jahr gab es mal wieder den Klassiker: Christi Hinmelfahrt fiel ins Wasser. Über weite Teile Norddeutschlands nistete sich ein Tiefdruckgebiet ein: Hagel, Regen, Wind. Doch ein kleines Dorf direkt hinter der alten Grenze trotzte dem Wetter und wurde vom Schlimmsten verschont: Roggendorf. Die weit über 1000 Besucher des Kreispokalfinals zogen sich zwar auch die Jacke bis unter’s Kinn, abgesehen von einer steifen Brise hielt das Wetter jedoch stand.

Das war auch gut so, denn dieses Finale durfte auf keinen Fall ins Wasser fallen. Der Kreisfußballverband Schwerin-Nordwestmecklenburg gibt sich seit Jahren sehr viel Mühe mit der Ausrichtung dieses Wettbewerbs, an dem nur Teams bis zur neunten Ligastufe teilnehmen. Die Mannschaften ab der Landesklasse sind im Landespokal gesetzt. Über das strukturschwache Bundesland und die Monopolstellung Hansa Rostocks wird in anderen Landesteilen gerne mal gelächelt, in diesem Falle muss man aber sagen: Seht ihr Deutschland, so wird das gemacht!

Neben einem Programmheft mit Hardticket gibt es an den Verpflegungsständen alles was das Herz begehrt. Mein Favorit an diesem Donnerstag: Die belegten Pizzabrötchen mit Remoulade. Davon ab sorgt der Verband mit einer Vielzahl an Aktionen für einen würdigen Rahmen. Die siegende Mannschaft wird auf einem Podest geehrt wie ein Europapokalgewinner. Für die Kleinen gibt es – na, klar – eine Hüpfburg. Und das Allerwichtigste: Die Veranstaltung wird von der Bevölkerung angenommen und dürfte für alle Beteiligten das Highlight der Saison darstellen.

So wurden vor Ort auch gleich zwei „Fanblöcke“ sichtbar. Selmsdorf zündete zum Einlauf der Teams etwas Pyro, Brüsewitz fiel vor allem mit einem steigenden Alkoholpegel auf. Der Herrentag im Osten wurde mit dem Schlachtruf: „Micha, du Zigeuner!“ zelebriert. Wer auch immer dieser Micha war, die Blicke fielen schnell wieder auf den gepflegten Rasen: Selmsdorf ging nach 10 Minuten mit einem Traumtor aus der Distanz in Führung. Jubelszenen wie im WM-Finale. Es dauerte, bis Brüsewitz auf Betriebstemperatur kam. Doch der Ausgleich gelang noch vor der Pause und mit dem Seitenwechsel war das Spiel nach einem Kopfballtreffer gedreht.

Selmsdorf blieben gut 40 Minuten Zeit für den Ausgleich und das 2:2 fiel tatsächlich schon in der 66. Minute. Anschließend mussten die Akteure dem Umstand Tribut zollen, dass sie im Alltag nur in der Kreisoberliga zocke@n und das Tempo teilweise hochhielten wie in einem, naja, WM-Finale. Wie das in der Verlängerung gut gehen sollte, fragten sich die vielen Zuschauer im schönen Schlossparkstadion fingernagelkauend.

Die vorletzte Aktion in der regulären Spielzeit förderte einen Freistoß rund 25m vor dem Tor zu Tage. Wie das gut gehen sollte, fragte sich wohl auch der Freistoßschütze Claas Erwin Kullak und nagelte den ruhenden Ball direkt unter den Knick. Wahnsinn! Eine letzte Großchance von Selmsdorf wurde vor dem gegnerischen Tor verstolpert und fertig war das Spiel, das für alle Beteiligten als Highlight des Jahres in Erinnerung bleiben wird. Auch für mich. (mm)

SV Müssen – SG Breitenfelde/Mölln III – 9:2

„PLAN B – MÜSSEN AUF DIE 1“

15.05.2026
Kreisklasse C Schleswig-Holstein Süd
Sportplatz Müssen B
Zuschauer: 115

MÜSSEN — Die Stadt Lauenburg liegt am südlichsten Zipfel von Schleswig-Holstein im sogenannten „Drei Bundesländer Eck“. Auf der anderen Seite der Elbe liegt Niedersachsen und kurz hinter dem Ortsschild beginnt Mecklenburg-Vorpommern. Da ist es natürlich offensichtlich, dass sich die Fußballabteilung gedacht hat: Komm, lass uns im Hamburger Fußball Verband mitspielen, damit die Wege kürzer sind. Man fährt in der Kreisliga also lieber 32 Kilometer nach Allermöhe als 17 nach Büchen. Soweit so gut. Wenn man gerne alle zwei Wochen Sprit verballern möchte, dann viel Spaß.

Ich möchte jetzt nicht respektlos sein, aber das Internet haben sie beim Lauenburger SV offensichtlich auch nicht erfunden und die Spielortangabe im DFBnet ist ebenfalls Neuland. Der LSV setzt seine Spiele nämlich komplett auf dem Rasenplatz an, egal zu welcher Tages oder Jahreszeit.

Daher ist es relativ kompliziert, den Rasenplatz ohne Flutlicht zu kreuzen. Dementsprechend ging der Versuch, ein Spiel auf dem Rasenplatz zu sehen, schon öfter daneben. Um dieses Risiko heute zu vermeiden, kontaktierte ich sogar die beteiligten Vereine und bekam die Zusage: „Es wird auf Rasen gespielt.“

25 Minuten vor Anpfiff fuhr ich in den Glüsinger Weg und siehe da: Die Mannschaften machten sich auf dem Kunstrasenplatz warm. Warum war mir das schon im Vorfeld klar? Wer sich jetzt äußern möchte, dass ein Spiel am Freitag Flutlicht benötigt, den verweise ich auf den Sonnenuntergang und die Anstoßzeit.

Da ich natürlich keine Motivation hatte, einen Revisit beim künstlichen Rasenschach zu machen, holte ich Plan B aus der Tasche. 14 Minuten entfernt und rund zehn Kilometer dichter an Hamburg hatte der SV Müssen in der allerletzten Liga sein Heimspiel. Fünf Minuten vor Anpfiff stellte ich mein Auto ab und sah die ersten Zuschauer in SV Müssen Trikots zum Platz wandern. Vor Ort war der Rasenplatz gut gefüllt, eine Fahne wurde geschwenkt und das Banner „Wir MÜSSEN auf die 1“ hing auf Höhe der Mittellinie. Fußball.de teilte mir die Lösung mit:

Letztes Spiel der Saison und Müssen steigt bei einem Sieg heute auf.

Die Spieler mussten nur noch den Sieg einfahren, wirkten am Anfang aber etwas nervös. Sie erzielten zwar den Führungstreffer, kassierten kurz danach jedoch den Ausgleich. Nach rund 15 Minuten legte sich die Nervosität und Müssen kam besser ins Spiel. Die Spielgemeinschaft aus Breitenfelde und Mölln wurde nun zunehmend auseinandergenommen. Es fiel ein Tor nach dem anderen und zur Pause war bereits klar: Heute muss man etwas länger am Sportplatz bleiben, denn hier wird nach Abpfiff gefeiert.

Für die deutlich unterlegenen Gäste kam es noch knüppeldick. Sie wurden regelrecht abgeschossen und zusätzlich verletzte sich der Torhüter in der zweiten Hälfte. Ein Feldspieler musste ins Tor und hatte dort tatsächlich seinen großen Moment. Als die Zuschauer den Spieler mit der Nummer 16 zum Elfmeter riefen, schlug die große Stunde der „Nummer 2“. Er hielt sensationell einen Elfmeter und wurde anschließend von seinen Mitspielern gefeiert.

Um 20:49 Uhr pfiff der Schiedsrichter ab. Sowie auf und neben dem Platz wurden Fackeln und Rauchtöpfe gezündet. Der Aufstieg ist geschafft und die Mannschaft ließ sich im Pyronebel von Müssen feiern. Nächste Saison geht es dann per Fahrrad ins fünf Kilometer entfernte Büchen, während Lauenburg weiterhin 30 Kilometer nach Hamburg fährt.

Müssen musste für Lauenburg einspringen und war am Ende mehr als nur ein Plan B. Der Schwechheimer Landbote gratuliert herzlich zum Aufstieg und wünscht euch viel Erfolg in der nächsten Saison. Vielleicht wird dann auch der „A Platz“ bespielt und nicht die ganze Saison der B Platz. Vorsichtshalber einen Plan B dabeizuhaben, ist das A und O des Groundhoppings.

In diesem Sinne danke für den besonderen Freitag. (mb)

1.FC Lok Stendal – DSC Arminia Bielefeld (0:5)

Herzlich willkommen zu unserer 100. Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! Für die Jubiläumsausgabe haben wir uns was ganz Besonderes ausgedacht. Jedes Stadion ist irgendwo einzigartig (außer in Paderborn und Gliwice) und das „Stadion am Hölzchen“ in Stendal ist eine schöne Bude, wenn auch nicht unbedingt an erster Stelle genannt, sobald es um die Top-Grounds in Deutschland geht.

Doch der Oberliga-Ground in der Kreisstadt ist die Weihestätte des Schwechheimer Landboten! Irgendwann im letzten Jahrzehnt fand in Stendal mal ein wichtiges DFB-Pokal-Spiel statt, Online-Tickets in Sachsen-Anhalt gab es noch nicht und von einer telefonisch reservierten Karte wussten die Damen im Kassenhäuschen nichts. So konnte es nicht weitergehen. Der Schwechheimer Landbote war geboren! Von der Altmark in die ganze Welt! Die ganze Story dazu gibt es demnächst mal in Printform. Irgendwann, dieses Jahr.

Darum: Besucht das Stadion am Hölzchen! Vielleicht kommt ihr ja bei Lok auch auf gute Ideen! Just am nächsten Samstag steigt in Stendal das Saisonfinale und für die Heimelf zählt nach einer großen Aufholjagd in der Rückrunde nur ein Sieg! Mit dem VfB Krieschow wartet zwar nicht so ein illustrer Gegner wie einst Arminia Bielefeld, doch die Ost-Brandenburger haben sich wie damals Stendal ebenfalls für den DFB-Pokal in diesem Jahr qualifiziert. Das ist doch ein guter Nährboden für alles, was da noch folgt.


19.08.2018
Stadion am Hölzchen, Stendal
1.FC Lok Stendal – DSC Arminia Bielefeld (0:5)

FV Bad Vilbel – SV Gronau – 3:0

„REIFE(N)PRÜFUNG FÜR BAD VILBEL“

17.04.2026
Kreisoberliga Friedberg
Nidda-Sportfeld
Zuschauer: 197

BAD VILBEL – Es war alles angerichtet. Schon am Mittwoch und Donnerstag wurden Überstunden geschoben, um die frühe Abfahrt um 12 Uhr aus Schwechheim am Freitag zu ermöglichen. Das Stadion am Schönbusch in Aschaffenburg war das auserkorene Ziel, welches schon viel zu lange auf der To-do-Liste schlummerte.

Die rund 5 1/2-stündige Fahrt traten dann auch zwei Redakteure gemeinsam an. Die Vorfreude stieg mit jedem gefahrenen Kilometer, die Kasseler Berge sollten dann aber leider unser Endgegner werden.
Auf Höhe Hannoversch Münden meldete sich der Reifensensor. Hielt man das am Anfang noch für eine normale Routinekontrolle, kämpfte der Fahrer nach fünf Minuten bereits hart mit dem Lenkrad, und man rollte auf dem letzten Bar auf den nächsten Autohof.
Der Boxenstopp kostete uns dann ca. 2 Stunden Zeit, womit Aschaffenburg sein Comeback auf der To-do-Liste feierte. Ein Dank geht hier an Heiko’s Reifen- und Autoservice, der das Curtismobil wieder fit machte. (unbezahlte Werbung)

In der Wartezeit glühten die Handys, es wurde nach Alternativen gesucht, und ziemlich schnell fiel uns ein Kick ins Auge: Derby in Bad Vilbel.
Ein würdiger Ersatz – so konnte der FV Bad Vilbel in seiner Historie schon einige Erfolge feiern und spielte bis 2007 in der viertklassigen Oberliga Hessen. Nach einigen Auf- und Abstiegen findet man sich heute nur noch auf Level 8 im Ligabaum wieder, in der Kreisoberliga Friedberg. Aktuell belegt das Team aus der Quellenstadt den zweiten Platz, was Aufstiegsrelegation bedeuten würde.

Nachdem man sich mit Cevapi, Bratwurst und Binding gestärkt hatte, ging es für faire 3 Euro auf die sehenswerte Anlage. Das Nidda-Sportfeld liegt direkt am namensgebenden Fluss. Der Ground bietet einseitigen Ausbau, und sollte es regnen, gibt es auch ein Dach. Das angesprochene Catering übernimmt hier das balkanlastige Restaurant neben dem Vereinsheim.

Der SV Gronau war mit einigen pöbelwütigen Schlachtenbummlern angereist, machte hier von Anfang an ein gutes Spiel, verteidigte alles weg und konnte auch Akzente nach vorne setzen. Bad Vilbel biss sich regelrecht die Zähne aus und schaffte es kaum, gefährlich vor das Tor zu kommen. Nach einer dummen Tätlichkeit wurde es zu zehnt dann ab der 70. Minute noch schwerer.
Doch spätestens als der Gronauer Anhang in der Schlussphase hämisch wurde, bewies die Mannschaft Reife und Moral. Mit drei Toren in den letzten fünf Minuten schickte man die Gäste zurück in den Vorort.

Die gebuchte Unterkunft wurde dann in Aschaffenburg noch angesteuert. Über alles, was dann später im Biersepp noch passierte, hüllen wir den Mantel des Schweigens. (CvS)

VfL Bückeburg – TV Neuenkirchen Gut Heil – 6:0

“DENKMAL DER HERZLICHKEIT”

17.05.2026
Bezirksliga Hannover
Jahnstadion Bückeburg
Zuschauer: 134

BÜCKEBURG – Die Endstation des verlängerten Wochenendes. Der Sonntag stand für mich wieder einmal ganz im Fokus der Amateure. Die erste Station des Tages war die A-Jugend-Bundesliga in Osnabrück. Das Sportstadion Illoshöhe, was ein fantastischer und beeindruckender Ground. Nette Gesprächspartner sorgten für einen munteren Start in den Sonntag.

Die nächste Station lautete eigentlich anders. Der SC Herford, für mich eine elendige lange Geschichte. Es war nicht mein erster geplanter Besuch, wieder einmal wurde das Spiel auf den Kunstrasen nebenan verlegt. Positiv, der Verein ändert dies selbständig in einer bekannten App. Gilt ja leider nicht als selbstverständlich. Die Alternative in unmittelbarer Umgebung ist die Paarung des heutigen Berichtes.

Vor der Ankunft besuchte ich für die Kostenteiler im Auto nochmal das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Nach vier Jahren ist es immer noch mindestens genauso beeindruckend. Parken kostet bis zu einer Stunde lediglich 2 Euro und Eintritt wird nichts fällig. Da fallen mir mindestens 5 “Attraktionen” ein, die weniger spektakulär sind und Geld kosten. Sollte man mehr Zeit haben, fahren aus dem Ort auch kostenfreie Shuttlebusse nach oben. In meinen Augen einfach ein unterschätztes und faszinierendes Ausflugsziel.

Ab nach Bückeburg. Erstaunt waren wir nach dem Betreten des Ortes. Freundliche und vor allem interessierte Menschen. Was, ihr kommt aus Schwechheim? Wahnsinn, “vor kurzem hatten wir einen Besucher aus Gelsenkirchen.” Er sammelte ganz viele Trikots unterschiedlicher Vereine. Fußball begeistert eben. Direkt an den Gleisen des Fernverkehrs gelegen, bin ich wahrscheinlich schon 679-mal an diesem Ort vorbei gefahren. Für den Besuch hat es bis dahin nicht gereicht.

Das Stadion verfügt über zwei Tribünen, Stehstufen und Sitzschalen. Für die Liga definitiv ein Schmuckkästchen. Die Verpflegung lässt keine Wünsche offen, die Currywurst mit Pommes wechselt für faire sieben Euro die Seite. Das “ländliche” Niedersachsen hat eben die oder andere “Amateur-Perle” zu bieten.

Sportlich ging es in dem Kick leider um nichts mehr. Man spürte das Knistern in der Luft, da die “dicken Fische” der Region selbst gleichzeitig spielten, gesellten sich an diesem Sonntag wahrscheinlich generell weniger Zuschauer am Stankett. Überall hörte man den Ergebnisdienst.

Bückeburg bezwang die Gäste mit einem lockeren 6:0 Sieg. Wir drücken definitiv die Daumen, eventuell kommt es mal wieder zum Aufeinandertreffen mit dem OSV Hannover in der Landesliga. Den Aufstieg wünschen wir dem Verein im nächsten Jahr.

Das Ende haben wir noch nicht erreicht. Zur perfekten Anstoßzeit um 17:30 Uhr spielte Union Minden im bekannten Weserstadion in Minden. Für viele Leser sicherlich ein bekannter Name, eventuell lässt sich euer Besuch ja ähnlich mit dem VfL Bückeburg kombinieren. (tp)

Botswana Defense Force XI – Mochudli Centre Chiefs – 1:2

„SPONTAN ZUM LÄNDERPUNKT“

12.05.2026
Botswana Premier League
VTM Arena
Zuschauer: circa 150

METSIMOTLHABA – Ursprünglich war der Länderpunkt Botsuana für das letzte Tourwochenende vorgesehen. Da dort nun jedoch das FA-Cup-Halbfinale angesetzt wurde, verlegte man sämtliche geplanten Ligaspiele. Die Halbfinalpartien sollten in Francistown stattfinden, was für mich keine wirkliche Option darstellte.

Daher entschied ich mich zunächst dazu, das letzte Wochenende der Tour lieber in Kapstadt zu verbringen, wo schließlich am Montag auch der Rückflug nach Schwechheim anstand.

Am Montag entdeckte ich dann allerdings auf der Facebook-Seite des botsuanischen Fußballverbands, dass eine englische Woche angesetzt worden war. Sogar zwei Spiele fanden im Umkreis der Hauptstadt statt – eines um 15:30 Uhr, das andere um 19:00 Uhr. Theoretisch also perfekt doppelbar.

Also wurden kurzerhand Flüge, Busverbindungen und weitere Optionen geprüft. Doch daraus wurde zunächst nichts: Der Flug für den nächsten Tag war plötzlich ausgebucht. Die Alternative lautete daher, spontan noch am selben Abend abzureisen. Da ich ohnehin gerade aus Maseru am O.R. Tambo Airport gelandet war, blieb ich einfach direkt vor Ort.

Gegen 19:30 Uhr hob schließlich die Propellermaschine ab, und rund eine Stunde später befand ich mich bereits in Botsuana.

Der nächste Tag begann früh. Zunächst führte mich der Weg ins Zentrum von Gaborone. Nachdem sich jedoch schnell herausgestellt hatte, dass die Stadt touristisch nur wenig zu bieten hat, recherchierte ich spontan nach möglichen Aktivitäten in der Umgebung.

Dabei stieß ich auf das Mokolodi Nature Reserve und bestellte mir für wenig Geld ein InDrive dorthin.

Da sowohl das Nature Reserve als auch der erste Ground weit außerhalb des Stadtzentrums lagen, wurde die Fahrerin kurzerhand direkt auch für die weiteren Strecken engagiert.

Am Mokolodi Reserve angekommen, wurde mir allerdings mitgeteilt, dass ein Besuch ausschließlich ab zwei Personen möglich sei. Alleine wäre es aufgrund bestimmter Tiere zu gefährlich. Die Fahrerin hatte ursprünglich geplant, am Eingang auf mich zu warten. Nachdem ich ihr die Situation geschildert hatte, entschloss sie sich jedoch spontan, mich zu begleiten. Ich übernahm ihren Eintritt, und so ging es für die nächsten zwei Stunden gemeinsam auf Tiersuche.

Wirklich erfolgreich verlief dieses Vorhaben allerdings nicht. Das Höchste der Gefühle war am Ende ein Büffel sowie eine der gefährlichsten Schlangen Afrikas, die uns glücklicherweise in Ruhe ließ.

Immerhin ließ sich so die Zeit bis zum Spiel sinnvoll überbrücken. Anschließend ging es direkt vom Nationalpark weiter zum Ground.
Dort angekommen hielt ich endlich wieder eine echte Eintrittskarte in den Händen. Dem Länderpunkt stand somit nichts mehr im Wege.

Der Ground bestand zwar lediglich aus einem Kunstrasenplatz mit einigen mobilen Tribünen, doch die Centre Chiefs gelten als die Nummer drei des Landes und hatten dementsprechend auch einige Fans mitgebracht. Diese durften am Ende einen verdienten 1:2-Auswärtssieg feiern.

Kurz vor Spielende fragte ich die Fahrerin erneut, ob sie es pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit schaffen würde. Als sie antwortete, dass sie sich vermutlich um etwa eine halbe Stunde verspäten werde, machte ich mich umgehend auf die Suche nach einer Alternative. Das zweite Spiel musste schließlich noch rechtzeitig vor dem Anpfiff erreicht werden. Gesagt, getan.
Zufälligerweise war das Hotel Travelodge der Caterer der Centre Chiefs. Dem Fahrer kurz die Situation erklärt – und schon erklärte er sich bereit, mich für denselben Preis wie das bereits stornierte Taxi bis vor die Tore des GU Stadiums zu bringen.

Eine halbe Stunde vor Anpfiff erreichte ich schließlich das Stadion und konnte den Abend genau so ausklingen lassen, wie ich es mir vorgestellt hatte. (fj)

Viktoria Resse – SV Preußen Sutum – 1:2

“KAMPF UM DEN AUFSTIEG”

15.05.2026
Kreisliga A Gelsenkirchen
Bezirkssportanlage Im Emscherbruch
Zuschauer: ca. 99

GELSENKIRCHEN – Der Brückentag zwischen Himmelfahrt und Wochenende bietet sich durchaus an, um zwischen dem Ausflug nach Brüssel und dem Auswärtsspiel in Leverkusen einen Tag frei zu machen. Das Wetter spielte nicht ganz so mit, die Woche im Mai glich eher einer Woche Anfang März. Temperaturen um die 10 Grad und oft Dauerregen.

Dank Redaktions-Kollegen (cvs), der mir einen Tag vorher diese Ansetzung schickte, machte ich mich auf den Weg in die geliebte Stadt an der Emscher. Als ich zuvor selbst für Freitagabend geschaut hatte, übersah ich entweder die Ansetzung oder diese gab es eben noch nicht. Danke dir! Den obligatorischen Taxi-Teller gab es zuvor im Herner “Olymp Grill“. Freitags für nur 8,50€, ein Top Preis!

Den heutigen Gastgeber sah ich in dieser Saison schon einmal. Auf dem Nebenplatz der SG Eintracht Gelsenkirchen (Bericht im November 2025). Für vier Euro Eintritt erlebt man einen weiteren schicken Ground in der Stadt. Im Kiosk werden Frikadellen, Grillwurst und Warsteiner aus Flaschen verkauft. Schade: Ein lokales Biersortiment würde mir und vielen anderen anwesenden Zuschauern besser gefallen. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, der Spielort holt einiges wieder raus.

Die Gastmannschaft spielt aktuell um den Aufstieg. Als dichter Verfolger von Eintracht Erle behielt man den Abstand von zwei Punkten. In der ersten Halbzeit zeigte der Gast attraktive Spielzüge und es gelangen zwei Tore. Nach der Pause entwickelte sich die Partie zu einem spektakulären und ansehnlichen Spiel. Die Akteure von Viktoria kamen noch einmal heran und verkürzten. Nach kleineren Tumulten verwies der Schiedsrichter noch einen Vereinsangehörigen des Sportplatzes aus. Der Schiedsrichter pfiff die Partie kurz danach ab.

Somit kommt es am Montag (25.05) zum Showdown zwischen dem Tabellenersten und Zweiten. Ein kleiner Tipp von uns, falls jemand diesem wunderschönen Bundesland einen Besuch abstatten möchte. Sollte Sutum gewinnen, gäbe es nochmals einen Wechsel an der Tabellenspitze. Ein spannendes Aufstiegsrennen im ehrlichen Fußball. So soll es sein. (tp)

SK Rapid Wien – FK Austria Wien – 0:2

“VERLIERER-VEREIN UND DOCH LEBENSSINN”

10.05.2026
Bundesliga
Weststadion
Zuschauer: 25.550

WIEN – Ein Spiel voller Emotionen, Geschichte und Tradition. Das 350. Wiener Derby stand im Rahmen der Meisterrunde an. Die Grün-Weißen empfangen die Veilchen aus dem 10. Bezirk Wiens. Mein letzter Besuch liegt mittlerweile auch schon zwei Jahre zurück. Damals war es das 342. Derby. Rapid gewann mit 3:0. Guido Burgstaller brachte den Rapidlern die Freude zurück. Der mediale Aufschrei nach der Partie war groß: “Schwuler FAK” sorgte für Empörung in den Medien und beim Verband. Vier Akteure wurden für drei bis sechs (teilweise auf Bewährung) Spiele gesperrt. Zudem gab es einen Punktabzug.

Heute, 8 Derbys später ist in der Zwischenzeit einiges passiert. Ausschreitungen beim Derby im September 2024 sorgten unter anderem für Gästefan-Verbote bei den nächsten vier Derbys (344-347). Die Rückkehr der Rapid Fans in die Generali Arena erfolgte somit im 348. Derby. Wieder verloren die Hütteldorfer. Erneut gab es Ausschreitungen. Dieses Mal lautete die Konsequenz: eine Teilsperrung für drei Spiele des Block West im eigenen Stadion und keine Gästekarten in Favoriten.

Andersherum ist es bei der Austria: Diese darf den Block füllen. Die Bilanz fällt aktuell positiv für Rapid aus, 140 Siege für den deutschen Meister von 1941 und 126 Erfolge für den FK. Ein Duell voller Geschichte.

Für mich galt das Wien-Derby als Alternativplan. Der eigentlich gebuchte Rückflug wurde von der besten Airline Europas auf Montag verschoben. Somit kam der Kick ins Gespräch. Der Plan brachte einen Besuch beim FK Rača in der Slowakei ein – Top Ground. Morgens, 10:30 Uhr, gezapftes Bier, Kofola und Sonne. So kann jeder Sonntag starten!

Auf dem Weg von Bratislava nach Wien noch ein Abstecher zum “Ostbahn-Platz”. Amateurfußball in Österreich ist oft viel zu hochpreisig. Obendrein griff ich jedoch in die Tonne, weil der einzige Ausbau in Form von Bänken auf dem Rasenplatz entfernt wurde. Naja, Beifang kann man mitnehmen. Das Hähnchenschnitzel im Brötchen gab es immerhin für 4,50€, das ist für Wiener Verhältnisse fast schon billig.

Zurück zum Grund dieses Berichts, den fahrenden Untersatz stellten wir in 20 Minuten Fußmarsch-Nähe zum Weststadion ab. Merken: “Auhofstraße”. Ideal und eine Stunde vor dem Anpfiff noch viele Plätze frei, sicherlich hilfreich für den ein oder anderen Ortsfremden.

In der Stadt, in der es laut Aussage eines Rapidlers „immer windig ist” gefällt es mir sowieso immer gut. Die Spannung steigerte sich bei mir. Der Weg führte durch die Wohngegend in Hütteldorf, zahlreiche Graffiti aus dem Herzen des Vereins. Ob UR, Lords oder Tornados, was für schöne Wandmalereien.

Den Anfang machte der Anhang der Gäste, die Choreo ihrer Seite brachte mir ein Déjà-vu. Unter dem Motto “Keine Gnade” präsentierte sich der Gästeblock. Beim letzten Derby gab es eine ähnliche Durchführung nur mit logischerweise anderem Motiv. Dennoch war es eine souveräne Umsetzung, umrandet wurde dies mit Bengalos.

“Der Stolz der Stadt und unser Lebenssinn” beschrieb das Präsent des Block West an ihren Verein. TOP Motto, dieses Logo wird seit 1998 genutzt. Anschließend formten die ausgeteilten Fahnen ergänzend den Schriftzug „Wien“. 1A Umsetzung, diese Kurve gehört eben nicht umsonst zu den besten Europas.

In den ersten Spielminuten war die Stimmung definitiv auf höchstem Niveau, wahnsinnig leidenschaftlich und diese Farbenpracht des Fanblocks. Phänomenal, wir alle kennen diese Spiele, an denen “neutrale” Zuschauer anfangen mitzufiebern. Geile Momente, die wahrscheinlich nur der Fußball schreibt.

Aus neutraler Sicht kam der Führungstreffer für die Veilchen viel zu früh. In der 8. Minute klingelte es im Hütteldorfer Kasten. Die Spannung wurde erst mal auf Eis gelegt. Der Gästeblock erreichte nach dem Tor ebenfalls eine gute Lautstärke.

Die Grün-Weißen stellten sich nicht gerade famos an, ein insgesamt viel zu schwacher Auftritt im so wichtigen Derby. Andersherum erzielten die Gäste nach dem Pausenpfiff das 0:2, die Rapid-Viertelstunde brachte ebenfalls keine Spannung mehr ins Spiel. Schade. Die wichtigen Spiele gewinnt oft der Feind, diese Parallele haben Rapid und mein Herzensverein definitiv gemeinsam. Ich habe sowieso ein Herz für “Verlierer-Vereine”.

Die Gespräche nach dem Spiel klangen wie am S-Bahnhof Stellingen. “Einfach zu ängstlich“, „blutleerer Auftritt”, „Versager“ oder “Derbys konnten wir noch nie spielen in den letzten Jahren”. Ich liebe es und am Ende fahren doch alle wieder zum nächsten Heimspiel, weil die Liebe am Ende gewinnt!

Den Schlusspunkt brachte der Gästeblock, der Gassenhauer der EM 2024 kam bekanntlich aus Österreich: “Die Deutsche Bahn is so im Oasch.” Umgetextet und daher definitiv derby würdig. “Der SK Rapid is so am Oasch.” (tp)

FC Mistelbach – ASK Bad Vöslau (2:0)

Servus, die BILDERBUCH DER WOCHE (99). Kurz vor der Jubiläums Ausgabe 100 blicken wir in die Tiefen des Amateurfußballs. Ein herrlicher Sonnenuntergang, Käsleberkäs, Almdudler und eine nette Tribüne. So wie hier:

08.05.2026
Sportzentrum Mistelbach
FC Mistelbach – ASK Bad Vöslau (2:0)

Liphakoe FC – Majantja FC – 1:1 /Bantu FC – LCS FC – 5:1 /Lijabatho FC – Lioli FC – 4:0 /Maroala FC – Matlama FC – 0:2

„MORGENS BIS ABENDS FUẞBALL“

06.05.2026
Lesotho Premier Division
Setsoto Stadium
Zuschauer: n/a

MASERU – Wenn man bereits in Südafrika ist, muss man natürlich auch die Länderpunkte Eswatini und Lesotho mitnehmen.
Nachdem Eswatini bereits abgehakt war, ging es nun weiter nach Lesotho.
In Maseru gelandet, brachte mich ein Shuttle direkt zum Hotel, das quasi unmittelbar neben dem Stadion lag. Vom Balkon aus hatte ich einen perfekten Blick auf den schönen Ground und seine Flutlichtmasten.

Am nächsten Tag war es dann endlich so weit: Insgesamt vier Spiele standen im Setsoto Stadium auf dem Programm – Fußball von morgens bis abends.

Die Tickets konnten über eine Person von Sima Tickets organisiert werden. Vor dem Stadion war allerdings auch ein kleines Tickethäuschen aufgebaut, an dem mir schließlich meine Eintrittskarte überreicht wurde.

Es war mein frühester Länderpunkt, denn der Anstoß erfolgte bereits um 10:00 Uhr. Liphakoe FC traf auf Majantja FC, das Spiel endete 1:1.

Zwischen den Partien führte mich mein Weg immer wieder zu den zahlreichen Grillständen rund um das Stadion. Ich probierte sowohl Schweinefleisch als auch Chicken – Geschmackstest definitiv bestanden.

Außerdem kippte ich mir insgesamt fünf Hunter’s Cider rein. Genau so viele Tore erzielte Bantu FC gegen LCS FC. Endstand: 5:1.

Das dritte Spiel sollte schließlich zum absoluten Highlight werden. Die Fans des Lijabatho FC reisten mit einem voll besetzten Bus an und stimmten sich bereits während der vorherigen Spiele lautstark auf ihre eigene Partie ein. Der Grund: Lijabatho benötigte nur noch einen Sieg, um erstmals Meister zu werden. Der Favorit ließ nichts anbrennen und machte durch einen souveränen 4:0-Erfolg tatsächlich die Meisterschaft perfekt.

Beim vierten und letzten Kick des Tages brannte bereits das Flutlicht. Inzwischen war es dunkel geworden. Nun war Rekordmeister Matlama FC an der Reihe. Auch sie hatten einen starken Mob mitgebracht. Am Ende konnte Matlama das Spiel dank zweier verwandelter Elfmeter für sich entscheiden.

Damit endete der lange Fußballtag in Maseru. Am nächsten Tag konnte mit der Bambatha Tsita Sports Arena schließlich sogar noch ein zweiter Ground in Lesotho gekreuzt werden. (fj)

TSV Lohberg – TSV Dörverden – 1:2

„KREISPOKAL ÜBERALL”

02.05.26
Finale Kreispokal Verden
Sportanlage Bettenbruch
Zuschauer: 350

DAUELSEN – Ostern und die Feiertage in den Wochen darauf sind immer wieder super Gelegenheiten, die ein oder andere Groundperle in Deutschland zu kreuzen. Bei bestem Maiwetter steuerte ich am Tag der Arbeit mit den Kollegen (ms) und (nw) zunächst Halle an, wo im Stadion am Zoo um 11.00 der Ball im Finale der Reserven rollte. Entspannt ging es von dort nach Thüringen, wo die SG Traktor Teichel in einem dramatischen Finale den FSV Gräfinau-Angstedt im Weimarer Kreispokal bezwang. Locker 500 Zuschauer sorgten für einen schönen Rahmen und auch das ist ein Grund, diese Endspiele zu besuchen. Übrigens werden die Nebenplätze des Wimaria-Stadions aktuell auf Kunstrasen umgebaut und das dürfte die Zahl der Ansetzungen im Stadion vermutlich verringern.

Am Samstag standen erneut zwei Spiele auf dem Programm. Erst ging es hoch an die Förde zum eigenen Verein, der gegen die Eintracht aus Braunschweig antrat. Die meisten Fans hielten sich an das Spieltagsmotto “Alle in Weiß” und auch die Mannschaft lieferte ab. Mit dem 2:0 wurde der Durchmarsch nach unten in die 3. Liga vermieden. Danke Jungs!

Doch viel Zeit zum Feiern blieb für mich nicht. Schließlich hatte ich meinem Kumpel versprochen, zum Kreispokalfinale (da ist es wieder!) in Verden am Start zu sein. Dank einer pünktlichen Bahn nach Schwechheim und freier Fahrt auf der Autobahn erreichte ich pünktlich den Verdener Norden. Zu Gast war auch (ba), ein treuer Leser des Landboten. Grüße gehen raus!

Das Endspiel zwischen dem TSV Lohberg und TSV Dörverden wurde auf der Anlage vom TSV Dauelsen ausgetragen. Die ist im Prinzip eine Wiese mit drei Plätzen, aber zum Kick des Tages standen etwa 350 Zuschauer um das Flatterband herum und es war einiges los. An dieser Stelle ein großes Lob für die gute Organisation mit Parkplatzeinweisern und einer reibungslosen Versorgung an den Buden. Amateurfußball, wie wir ihn lieben!

Im Vorspiel gewann die Zweite von Lohberg den Kreis-Cup, was ein gutes Omen sein sollte. Angefeuert vom Seitenrand gingen die Jungs aus Luttum in der ersten Halbzeit gegen die favorisierten Dörverdener tatsächlich in Führung. Nach dem letzten Pokalsieg 2022 und der Niederlage im vergangenen Jahr schien der Pott wieder zum Greifen nah. Doch der Tabellenführer der Kreisliga Verden glich nach einer Stunde aus und drehte zehn Minuten später per Elfmeter sogar die Partie. Lange Gesichter bei meinem Kumpel und den Fans von Lohberg. Es war klar, dass es nun schwer werden würde.

In der 75. Minute verwehrte der Schiedsrichter den Schwarz-Gelben einen Strafstoß. Schade, vielleicht wäre es dann ins Elfmeterschießen gegangen. So brachte Dörverden den Sieg über die Zeit und wir philosophierten bei dem ein oder anderen Bier noch über die Vorzüge des Dorffußballs. Und wer an Himmelfahrt und Pfingsten noch nichts vor hat: haltet nach den Endspielen im Kreispokal Ausschau. Es lohnt sich! (hr)

1.FC Nürnberg – FC Schalke 04 – 3:0

„TAXITELLER OHNE GYROS“

09.05.2026

2. Bundesliga
Max-Morlock-Stadion
Zuschauer: 47.000

    NÜRNBERG – Die Freundschaft rief am Samstag in Nürnberg und an die 50.000 Besucher strömten bei bestem Wetter ins einstige Frankenstadion. Nach der Pflicht in 32 Zweitliga-Spielen und dem bereits feststehenden Meistertitel, rief bei Schalke unter der Woche jedoch erstmal die Kür: Ibiza! „Mit einer bisschen Alkohol in den Beinen“ trat der Champion laut Alt-Star Edin Džeko die Reise ins Frankenland an. Der „Club“ mit Miroslav Klose an der Seitenlinie hat eine unspektakulär Saison hinter sich und platziert sich in der Tabelle jenseits von Gut und Böse.

    Die Anhänger der „Knappen“ folgten dem Team scharenweise, wenn auch eher aus Buer oder Bismark und nicht aus Spanien startend. Fast die Hälfte der Arena färbte sich blau und es war gar nicht so einfach im Vorfeld ein Ticket für die Partie zu ergattern. Die Fan-Freundschaft existiert bereits seit den frühen 1980er-Jahren. Oft liest man im Internet, dass Schalke der Bundesliga-Klassenerhalt am letzten Spieltag im Frankenstadion gelang und Fans beider Lager gemeinsam feierten. Aus der Redaktion war zu diesem Zeitpunkt zwar noch niemand geboren, aber so ein Spiel am letzten Spieltag um das Jahr 1980 herum hat es nie gegeben.

    Wie dem auch sei – die Verbundenheit zwischen Nürnberg und Schalke ist nicht zu übersehen. Das Spiel startete mit einer „Halb-Stadion-Choreo“. Glücklicherweise besaß ich ein Ticket für die Haupttribüne und konnte die Choreo in der ganzen Pracht sehen. Mittels Ponchos und Farbtafeln erschufen die Zuschauer neben den Vereinsnamen sogar die Stadtwappen von Nürnberg und Gelsenkirchen. Das sah gut aus! Die Choreo war allerdings schon das große Highlight des Spiels.

    Während aus dem Schalke-Block keine einzige (!) Aktion zum Aufstieg gezeigt wurde und auch niemand in den 90 Minuten eine Fackel anriss oder sonst wie Schwarzpulver zum Leuchten brachte, waren die Nürnberger ein bisschen mehr auf Zack. Zu Beginn feierte der „Club“ die Regionalliga-Meisterschaft der zweiten Mannschaft. Im Laufe der 90 Minute brannte es immer mal wieder in der Kurve und Botschaften wie „Bundesliga ohne Schalke ist wie Taxiteller ohne Gyros“ wurden entrollt. Trotzdem konnte man am Ende über den Hinweis: „Bitte den Platz nach dem Abpfiff nicht zu stürmen“ nur müde lächeln.

    Auf dem Feld kassierten 11 lahme Schalker 5 Dinger von Nürnberg, wobei zwei Tore von Mohamed Zoma zurückgepfiffen wurden. Der Neuzugang aus Italien erzielte dann das reguläre 3:0 und die Freude war ihm sichtlich anzumerken. Sehr viel passierte danach nicht mehr, die restliche Spielzeit wurde damit verbracht ein paar Legenden beider Vereine auf den VIP-Plätzen nebenan zu beobachten. Zum Beispiel: Frank Baumann oder Youri Mulder. Am letzten Spieltag reist mit Braunschweig ein Team mit „ganz anderen Sorgen“ nach Gelsenkirchen in die Arena. Bis dahin sollte Schalke wieder Taxiteller mit Gyros im Angebot haben – sonst macht man sich keine neuen Freunde. (mm)

    FC Eintracht Northeim – 1. SC Göttingen 05 – 0:3

    „AUF DEN TAG GENAU VOR 15 JAHREN…“

    08.05.2026
    Landesliga Niedersachsen
    Gustav-Wegner-Stadion
    Zuschauer: 480

    NORTHEIM – Meine erste und einzige Begegnung mit dem FC Eintracht Northeim lag auf den Tag genau 15 Jahre zurück. Am legendären „Wilschenbruch“ in Lüneburg wurde als Junior-Hopper eine Partie mit Beteiligung der Süd-Niedersachsen geschaut. Acht Jahre später stand genau diese Begegnung dann wieder im Fokus: Northeim traf in der Regionalliga-Relegation als Oberliga-Zweiter auf den LSK. Lüneburg entschied das Play-Off mit einem Sieg in Hin- und Rückspiel für sich.

    Seit diesem verlorenen Play-Off lief es nicht mehr gut für Northeim. 2022 stieg die Eintracht aus der Oberliga ab. Aktuell schlittert der Verein Richtung Bezirksliga. Bedingt durch die Situation in der Oberliga, könnte es am Ende bis zu sechs Absteiger in der Landesliga-Staffel geben. Seit geraumer Zeit war auch das Gustav-Wegner-Stadion von meinem Radar verschwunden. Der Termin gegen Göttingen um 18:30 Uhr passte nun gut in den Kram. Mit dem Deutschland-Ticket in der Tasche, wollte ich am Freitag Richtung Nürnberg aufbrechen und ein Spiel- und Übernachtungsstop in der Mitte Deutschlands bot sich an.

    Bereits in Schwechheim gab es Probleme mit dem einstigen Staatsunternehmen auf der Schiene. Aktuell gibt es wegen Baustellen keine direkten Regionalzüge nach Hannover. Erst ab Buchholz/Nordheide rollt die Bimmelbahn in die Welfen-Metropole. Der Zug nach Buchholz fiel einfach mal aus. Mit dem Auto die 40km in die Nordheide? Klar, aber dafür brauchst du anderthalb Stunden am Freitag-Mittag. Wahnsinn, das Sommerhalbjahr ist angebrochen und irgendwie hat sich die Bevölkerungszahl auf den Straßen und der Schiene über Nacht verdoppelt.

    Es half nichts, der zweite Bahnplan musste sitzen. Tat er auch, doch der Zug von Hannover Richtung Göttingen baute unterwegs natürlich die nächste Verspätung auf. Kurz vor Northeim war klar: Pünktlich zum Anpfiff geht’s nur mit Taxi oder flotten Beinen. Dann aber aus dem Nichts folgende Anekdote: Ein Mitt-Fünfziger zieht sein Handy aus der Tasche und bestellt ein Taxi zum Gustav-Wegner-Stadion! Unterwegs stieg noch ein Kamerad in den Wagen ein und auch ein Lindener aus dem Zug schloss sich uns an. Wo ich herkomme, wollte der Taxi-Rufer wissen. Klar, Schwechheim kenne er, weil er dort mal in die „Entzugsklinik“ eingewiesen werden sollte und macht dabei eine Trinkergeste. Was er für die Taxifahrt wolle? „Gib mir ein Bier aus…“.

    Und plötzlich war der Bahnstress vergessen. Vor dem Eingang bildete sich schon eine nette Schlange und als wir den sehr charmanten Ground betraten, reichte die Zeit sogar noch für eine Runde Bier. Anschließend wurde die erste Halbzeit ohne jede weitere Aktivität auf der Gegengerade verfolgt, die auch von einer schönen Schicht Patina überzogen ist. Ich liebe diese Grounds, die über Jahrzehnte einfach immer nur „besenrein“ erhalten blieben. In Northeim steht so eine Anlage. Alles ist in Würde gealtert und in einem perfekt-nostalgischen Zustand, ohne dabei unbenutzbar zu wirken. Die Holztribüne mit den runden Balken ist wirklich sehr heimelig.

    Göttingen ging mit einem schönen Schuss früh in Führung und ließ den Gegner danach kommen. Bei Northeim viele „Leichtmatrosen“ in der Offensive. Es war klar, dass es schwer werden würde ein Tor gegen die ambitionierten Göttinger zu erzielen. In der zweiten Halbzeit wurde sich dann auf eben jener Holztribüne platziert, das Spiel mit dem Taxi-Mann verquatscht und die etwa 40 bis 50 Göttinger Auswärtsfans aus nächster Nähe betrachtet. Der ehemalige Zweitligist traf noch zwei Mal sehenswert ins Netz. Northeim war weit entfernt vom Anschlusstreffer, dafür rückt die Bezirksliga immer näher. (mm)

    Marmelodi Sundowns – Kaizer Chiefs – 1:1

    „GUTE LAUNE EINFACH ÜBERALL“

    06.05.2026
    Southafrican Premier Division
    Loftos Versfield Stadium
    Zuschauer: 51.000

    PRETORIA – Der Flughafen von Johannesburg dürfte nach dieser Reise einer der am häufigsten genutzten Flughäfen für mich sein. Somit landete ich mal wieder am O.R. Tambo Airport und ließ mich mit einem Uber in die Hauptstadt Pretoria fahren.

    Zunächst stärkte ich mich bei „Eastwoods“ mit einem Burger und einem Cider. Anschließend spazierte ich den kurzen Weg weiter Richtung Stadion.

    Unterwegs entdeckte ich noch eine Kaizer-Chiefs-Cap, die unbedingt als Souvenir mit musste. Mit dem neuen Modeaccessoire ging es schließlich ins WM-Stadion von 2010.
    In dem 51.000 Zuschauer fassenden Stadion traten die Chiefs auswärts bei den „Brazilians“, den Mamelodi Sundowns, an.

    Zwar gab es – wie in Südafrika üblich – keine strikte Fantrennung. Die Mehrheit in meiner Umgebung drückte allerdings eindeutig den Gästen die Daumen.

    Je näher der Anpfiff rückte, desto mehr Menschen strömten ins Rund. Offiziell war das Stadion ausverkauft, viele Sitze hinter den Toren blieben jedoch frei.

    Wie bereits beim Soweto-Derby wurden wieder Chiefs- beziehungsweise Vodacom-Fahnen geschwenkt. Ob darauf unbedingt ein Sponsor zu sehen sein muss, ist eine andere Frage. So etwas würde es in Deutschland im Fanblock bei einem Pflichtspiel vermutlich ebenso wenig geben wie die teilweise verkleideten Fans – Karnevalsvereine mal ausgenommen.

    Es war erneut beeindruckend zu sehen, wie sich die Fans in Schale geworfen hatten. Einer sah verrückter aus als der nächste.

    Neben den Fahnen wurden natürlich auch wieder die Vuvuzelas gespielt. Alle tanzten und feierten zu der Musik, die vom Stadion-DJ aufgelegt wurde. Gute Laune war überall zu spüren.

    Nach dem Anpfiff flaute die Stimmung allerdings merklich ab. Wirklich laut wurde es nur bei den Toren. Ektase nach der Gästeführung – mit wehenden Fahnen und etwas Rauch. Dasselbe Bild dann auch beim Ausgleich der Sundowns auf der anderen Seite. Endstand: 1:1.

    Für die Sundowns war das ein kleiner Rückschlag, denn das Ziel ist klar definiert: sich gegen die Pirates durchsetzen und Meister werden.
    Außerdem gibt es noch die African Champions League zu gewinnen. Im Finale treffen die „Brazilians“ in Hin- und Rückspiel auf Rabat. Mal sehen, wie viele Titel am Ende eingesammelt werden können.

    Nach dem Spiel ging es zurück zum Restaurant, um auf das vorreservierte Uber zu warten. (fj)

    FC Fredericia – FC København – 3:3

    „URLAUB IN DÄNEMARK“

    03.05.2026
    Superliga DK
    Monjasa Park
    Zuschauer: 4.479

    FREDERICIA – Urlaub in Dänemark heißt es seit ein paar Jahren. Nachdem mit dem Kopenhagen-Derby bei Brøndby einst die Superliga komplettiert wurde, werden nur noch die fehlenden Grounds der Aufsteiger oder Neubauten mit den passenden Spielen angesteuert. Bitte bevorzugt in der warmen Jahreszeit und stets ein Doppler mit einer großen Szene aus Sjælland soll es sein – und los geht’s! Mit dieser Rezeptur fühlt sich Groundhopping in Dänemark dann tatsächlich wie Urlaub an und nicht mehr wie „Zeitvertreib aus Mangel an Alternativen“.

    Diesmal gibt es eine Fußnote. Denn genau das Auswärtsspiel vom FCK bei Fredericia sollte im Spätsommer schon mal angesteuert werden. Doch eine Woche vor dem Spiel musste festgestellt werden, dass der „Monjasa Park“ eine Baustelle ist und da die Saison noch lang war, wurde der eintägige Dänemark-Ausflug erstmal zu den Akten gelegt. So plätscherte die Spielzeit dahin. Ab und an wurde mal eine Zusammenfassung von Fredericia auf einem bekannten Video-Portal angeklickt und registriert, dass die Hintertorseiten schon im Herbst fertig waren. Problem danach: Keine Zeit oder nur Scheißspiele in Dänemark.

    Doch am Ende kam alles anders: Kopenhagen rutschte tatsächlich in die „Abstiegsrunde“ der Superliga und so trafen die ungleichen Kontrahenten jetzt im Frühjahr wieder in Hin- und Rückspiel aufeinander. Fredericia ist ein Zusammenschluss aus zwei eigenständigen Sportvereinen, die 1991 ihre Fußballabteilungen gemeinsam auf Profi-Niveau hieven wollten. 34 Jahre benötigte der neue Verein um nach Jahrzehnten der Zugehörigkeit in Liga 2 in die Superliga aufzusteigen. In der Eliteklasse schlägt sich der FCF ganz gut, spielte eine gute Runde bis zu den Play-Outs und glänzte mit Offensiv-Fußball. In der Abstiegsrunde geht dem Neuling langsam die Puste aus und die Konkurrenz punktet eifrig, so dass die Jütländer aktuell auf dem ersten Abstiegpslatz stehen.

    Ich war noch nie ein großer Dänemark-Fan. Doch – wie gesagt – mit einem guten Plan in der Tasche lässt es sich bei unseren nördlichen Nachbarn ganz gut aushalten. Ein Lob geht aber an dieser Stelle raus an die unkomplizierte Durchführung in der höchsten dänischen Liga. Egal wer hier aufsteigt, meistens werden schnelle bauliche Maßnahmen getroffen und in dem betreffenden Stadion rollt ein paar Wochen später der Ball gegen die großen Teams des Landes. So ähnlich lief die Geschichte auch in Fredericia ab, vor ein paar Jahren gab es dort gerade mal eine Haupttribüne und sonst nur Graswälle.

    Das erste Spiel des Tages fand im umgebauten Stadion von Kolding eine Klasse tiefer statt. Die Modernisierungen mit neuer Tribüne und ikonischen Flutlichtern kann man über den grünen Klee loben. Das 1:1 gegen Hvidovre war ganz okay, für Kolding der erste Punkt in einer enttäuschenden Aufstiegsrunde. Hvidovre büßt mit dem Ergebnis den Aufstiegsplatz in die Superliga ein. Aber halten wir uns an dieser Stelle nicht in der zweiten Liga auf, der zweite Aufsteiger neben Lyngby wird nächstes Jahr definitiv auf die Speisekarte rutschen, da Platz 2 bis 5 in den Play-Offs bisher nicht gekreuzt werden konnten.

    Kommen wir lieber 25km weiter östlich zur Sache – und zwar zügig: Nach einer netten Choreo im vollen Gästeblock rappelte es nämlich schon nach ein paar Sekunden im FCK-Kasten! Der Außenseiter traf zur Führung! Fredericia hatte im Laufe der ersten Halbzeit noch einige Chancen, doch als neutraler Zuschauer war es unübersehbar, dass Kopenhagen stets in der Lage war einen Gang höher zu schalten, wenn es drauf ankam. Dennoch ging der Abstiegskandidat mit mutigem Fußball sensationell zwei weitere Male in Führung. Das 3:2 kurz vor Schluss hätte der Sieg sein können, doch ein „dummes Foul“ der Gastgeber verhinderte den zweiten Dreier in Folge gegen die Hauptstädter. Dem FCK gelang der Ausgleich vom Punkt.

    Damit ging ein absolut gelungener, eintägiger Urlaub in Dänemark mit zwei zufriedenstellenden Spielen zu Ende. Untermalt einmal mehr mit einem Top-Auftritt des CL-Teilnehmers aus Kopenhagen. Hier wurde nicht nur immer wieder gezündelt, die Betonstufen im Block wackelten 90 Minuten lang und am Ende waren alle Zuschauer zufrieden mit der Punkteteilung. Auch der kleine Heimblock konnte ein paar Mal auf sich aufmerksam machen. Für Fredericia steht am Sonntag ein Auswärtsspiel beim Tabellenletzten aus Vejle an. Gewinnt der FCF die Partie, kann man am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Silkeborg die Klasse halten. Das hätte sich der Verein nach zuletzt 4 Punkten in den Play-Outs gegen den großen FCK verdient. (mm)

    SK Horní Měcholupy – TJ Sokol Běchovice (2:1)

    Dobré ráno: Die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (98) wartet auf euch. Wie im Bericht am vergangenen Dienstag angekündigt, handelt es sich heute um einen Ground im schönen Praha. In diesem Stadion rollte lange Zeit kein Ball, passend für meinen Besuch am 1.5 stand der Termin. Mit einigen deutschen Hoppern ging es bei bestem Wetter zur Sache. Diese Perle darf gerne eure To-Do Liste erweitern. Fahrt in die goldene Stadt und genießt Pivo, Sonne und eine fettige Klobasa. Euer Körper wird es euch danken!

    01.05.2026
    Sportovní centrum Univerzita Karlova
    SK Horní Měcholupy – TJ Sokol Běchovice (2:1)

    Racing Club – River Plate – 0:2

    „EL CILINDRO – HEXENKESSEL ODER KOLBENFRESSER?“

    12.04.2026
    Liga Profesional de Argentina
    Estadio Presidente Juan Domingo Perón
    Zuschauer: 50.000

    AVELLANEDA – Auf Chile folgte der Sehnsuchtsort aller Fußballfans: Buenos Aires. Wobei, nicht direkt. Denn zuvor besuchte ich in der Copa Sudamericana noch das Estadio Centenario in Montevideo, wo Uruguay sich 1930 zum ersten Weltmeister krönte und Geschichte schrieb. Über den Zweitligakick in Paysandú fand ich per Nachtbus den Weg in die argentinische Hauptstadt.

    Ich hatte große Erwartungen im Gepäck und zum Auftakt gab es ein Wiedersehen mit Boca in der Bombonera. Die Hütte ist einfach legendär, lest dazu gerne den Artikel von (tp) und (fj) aus dem letzten Jahr. Übrigens starten im Sommer definitiv die Umbauarbeiten und damit die Erweiterung auf ca. 80.000 Plätze.

    Am Sonntag stand dann ein vermeintliches Highlight der Tour auf dem Plan: der „Cilindro“ von Racing bzw. mit vollem Namen das „Estadio Presidente Juan Domingo Perón“ in Avellaneda südöstlich von Buenos Aires.

    Im Spitzenspiel empfing „El Primer Grande“ die „Millonarios“ von River Plate. Vor dem Kick gönnte ich mir neben einer Choripán noch ein Trikot in den hellblau-weißen Streifen. Normalerweise mache ich das nie, aber für schlappe 15 Euro sagte ich „Sí“ beim Straßenhändler und passte mich den Farben der Tribünen an.

    Das Stadion wirkt schon von außen gewaltig und die runde Form ist unverwechselbar. Definitiv Potenzial für einen Hexenkessel. Die Straße zum „Cancha“ ist nach Diego Milito benannt, dem Bayernschreck und mittlerweile Vereinspräsident bei Racing. Quasi nebenan befindet sich die Spielstätte von Erzrivale Independiente, welche später auf dem Tourkalender stand.

    Bei Bekannten hatte Racing einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen und mitunter war von der „besten Stimmung Argentiniens“ die Rede. Entsprechend war ich gespannt auf den Fanauftritt.

    Zum Einlaufen der Mannschaften zogen die Hinchadas mehrere Blockfahnen hoch und das Publikum kam in Wallung. Leider blieben diese aber wieder nur kurze Zeit in Position, aber das scheint hier einfach so zu sein. Die ersten zehn Minuten waren wirklich stark. Sehr hohe Mitmachquote und eine hammer Lautstärke, Gänsehaut.

    Allerdings flachte die Atmosphäre mit zunehmender Dauer ab und das 0:1 durch Colidio nach einer halben Stunde war ein herber Dämpfer. Auch dieser Eindruck zog sich durch die Spielbesuche in Argentinien: die Stimmung hängt bei vielen Vereinen schon vom Spielverlauf ab.

    Im zweiten Durchgang lief es nicht besser. Obendrein dezimierten sich die Gastgeber selbst. Vizeweltmeister Rojo wurde in der 80. Minute zum Duschen geschickt und war so etwas wie der Kolbenfresser im Zylinder. Danach ging auf den Rängen nichts mehr und in der Nachspielzeit machte Driussi den Deckel für River endgültig drauf.

    Auf keinen Fall möchte ich aber das Gesamtpaket „Cilindro“ schlecht reden. Wer eine Reise nach Buenos Aires plant, sollte Racing unbedingt mit einplanen. Gerade bei Spielen in der Copa Libertadores haben die Fans schon legendäre Auftritte hingelegt. (hr)

    Club Colonial Martinique – Espoir Sainte-Luce – 0:1

    „VIEL EU-FEELING, WENIG KARIBIK-VIBES“

    29.04.2026
    Trophée Gérard JANVION – Regionale 1
    Stade Louis Achille
    Zuschauer: 300

    FORT-DE-FRANCE – Unser vorerst letzter Karibik Bericht kommt aus Martinique. Wurde auf Guadeloupe noch ordentlich gekifft und gesoffen ging es hier viel geordneter zu. Auch die Straßen sind mindestens EU-Würdig. Die Leute wirken reservierter und vor allem nicht mehr so aufgeschlossen, locker und lustig, wie man es sonst aus der Karibik kennt.

    Auch Guadeloupe gehört zu Frankreich und somit zur EU aber dort ticken die Uhren definitiv anders, eigentlich eher so garnicht. Dieses „In den Tag rein leben“, morgens schon benebelt oder besoffen sein fehlte auf Martinique in voller Gänze. Klar, wir haben auch 5 Nächte im besonders behüteten Süden übernachtet, aber auch im wilden, hügeligen Norden war es nicht wirklich anders.

    Einzig am 01.05 wurde auf der ganzen Insel am Tag der Arbeit die Sau rausgelassen. Überall glühten bereits Morgens etliche Grillbuden vor, genau wie die Einheimischen, die diesen Feiertag scheinbar ganz besonders zelebrieren.

    Am besagten Freitag sollte für mich auch eigentlich bei einem Drittligaspiel im Nationalstadion der Länderpunkt fallen. Das Spiel wurde einen Tag vorher kurzfristig verschoben und ich war heilfroh, dass diese Pflichtaufgabe bereits am Mittwoch Abend als erledigt abgehakt werden konnte.

    Witzigerweise hatte ich eigentlich nur zwei Drittliga-Ansetzungen und ein U19 Spiel für Sonntag morgen auf dem Zettel. Am Ende kam alles anders und wir konnten uns ein Erstligaspiel im schönen Louis Achille Stadion anschauen.

    Am 29.04 ging es also gegen 17:00 Uhr mit dem Mietwagen in die größte Stadt Martiniques, Fort-de-France. Kaum in der Hauptstadt angekommen, wurde zuerst ein „Carefour“ aufgesucht und sich mit Biervorräten, Thunfisch, Pasta und Tomatensauce für die restlichen drei Tage eingedeckt. Wir hatten eine wirklich coole Unterkunft mit Outdoor Küche welche wir gerne und oft genutzt haben.

    Nachdem Supermarktabstecher ging es noch zu einem in Stadionnähe gelegenen Burgerladen. Für etwas mehr als dreizig Euro gab es ein großes gezapftes Lorainne Blonde, eine große Orangina, zwei Portion Pommes sowie ein Ham- und Chickenburger. Die Burger alleine hätten eigentlich alle mal gelangt um unseren Hunger zu stillen.

    Am Stadion gab es die obligatorischen fliegenden Händler, welche aus ihren Autos Rum, Bier, Softdrinks und Süßigkeiten verkauften. Endlich läuft mal etwas ähnlich wie auf der symphatischeren Insel Guadeloupe! Noch schnell zwei halbe Lorainne für die erste Halbzeit gesichert, ging es auch schon kostenneutral auf die Gegentribüne.

    Diese war ohne Ticket erreichbar und ein paar Jugendliche und ältere Einheimische gesellten sich zu uns. Super ranzige aber geile Bude in der mit den obligatorischen 7 Minuten Verspätung angepfiffen wurde.

    Insgesamt sahen wir ein recht spannendes Spiel, wobei die Gäste aus dem Süden die Nase meist vorne hatten. Bis zur Halbzeit passierte nichts erwähnenswertes. In der Pause holte ich erneut zwei große Büchsen Bier bei der Händlerin des Vertrauens. In der 60. Minute trafen die Gäste letztendlich auch per Fernschuss zum 0-1 und ließen danach nichts mehr anbrennen. Mindestens 80 Gäste sind aus Sainte-Luce ihrer Mannschaft gefolgt und feierten den Schützen mit einem brachialen Torjubel ab! Diesen könnt ihr bei Bedarf auf unserem TikTok Kanal abrufen. Cheapau, Holligan28!

    Nach Abpfiff gingen wir noch auf die überdachte, schicke Haupttribüne um auf den gelb-blauen Betonstufen nach einem Mitbringsel für zu Hause zu suchen. Und siehe da, nur wenige Minuten nach Beginn der Aktion hielt die Superspürnase (hd) ein schlichtes aber schickes Ticket in seinen Händen. Ein genauer Betrag stand nicht drauf aber ich vermute, dass der Eintritt pro Person bei 10 EURO liegen müsste.

    Insgesamt war das Nievau auf Martinique deutlich höher als auf Guadeloupe, allerdings sah ich dort auch nur Spiele der zweithöchsten Liga. Das größte Zuschauerinteresse kann auf dieser Reise knapp vor Martinique Barbados zugerechnet werden.

    Sechs Karibik Destination habe ich nun besucht. Martinique belegt damit einen guten (!) letzten Platz. Versteht mich nicht falsch, ich würde Martinique grundsätzlich weiter empfehlen, allerdings haben mir die anderen fünf Inseln einfach besser gefallen, teils deutlich. Dennoch nutzte ich hier auch wieder die Gelegenheit mit euch meine Sightseeing Highlights zu teilen. An der Plage de Anse d’Arlet hat man eine sehr hohe wahrscheinlichkeit in einem natürlichem Raum mit Schildkröten zu schnorcheln, ohne dass diese mit Fischresten für Massen an Touristen angefüttert werden müssen. Im kleinen Ort Sainte-Marie erreicht ihr über den Tombolo (eine Sandbank) die gleichnamige Insel Sainte-Marie. Aber aufgepasst, bevor dass Hochwasser kommt müsst ihr den Rückweg antreten, da die Sandbank sich dann zum Meeresgrund verwandelt. Zu guter letzt möchte ich noch eine klare Empfehlung für „La Savane des Esclaves“ aussprechen. Eine Art Outdoor-Museum über die schlimme Zeit der Sklaverei. Das geht unter die Haut aber gerade deshalb lohnt es sich. (hd)

    Sokol Hostouň – SK Kladno – 0:0

    “DAS GRÜNE HOTEL INS GLÜCK”

    01.05.2026

    3. Česká fotbalová liga
    Stadion Vojtěcha Zeithamla
    Zuschauer: 569

      HOSTOUŇ – Ein wunderbarer Feiertag, manche Leute verbringen diesen Tag auf der Straße und andere fahren eben nach Tschechien. Durch die bundesligafreie Zeit an diesem Tag sollte es auf dem Weg nach Frankfurt zum Spiel der Rothosen eben einen kleinen Umweg geben. Grund hierfür auch die eher dürftigen Ansetzungen im eigenen Land. Somit brachte mich das grüne Hotel für einen Spottpreis von 25€ aus der Hansestadt in die goldene Stadt. Da zögerte ich nicht lange und saß am späten Donnerstagabend im Bus und gönnte mir eine Mütze Schlaf.

      Am nächsten Morgen am ZOB im Bezirk 8 angekommen. Die Sonne strahlte, der Tag nahm somit seinen Lauf. Zunächst enterte man das nächstgelegene Hostel für die feuchte Erfrischung der Haut. Zwei Stunden nach Ankunft stand der erste Termin. Im “Sportovní centrum Univerzita Karlova” rollte der Ball. Ein sehr ansehnlicher Ground, die wenigen vorhandenen Kreuze bei Europlan (35) nach dem Spiel sprechen für sich. Hier rollte lange kein Ball mehr, in einer Stadt, wo wahrscheinlich fast jedes Wochenende hunderte Groundhopper sind. Der ideale Start in den Tag! Dabei reiht sich das Vergnügen in eines der wenigen Kicks ohne vorhandene Verpflegung für mich in Tschechien ein. Dafür brutzelte die Haut und ein paar Kiddies sorgten für schmunzelnde Gesichter mit einem Bengalo im Fanblock.

      Anschließend besuchte ich “endlich” das Stadion von FK Admira Praha, was ein Prachtstück. Meine persönliche To-Do Liste in diesem Land ist endlos lang. Das Gesamtpaket stimmt einfach und wurde zwar schon oft erwähnt, sollte jedes Mal wieder erwähnt werden, wie schön dieses Land doch ist. Nur in meinen Augen “nervige” Deutsche, die lautstark das Spiel mit Ballermann-Gesängen oder sonstigen Parolen störten. Junggesellenabschiede, Mannschaftsausflüge oder Ähnliches sind leider auch ein Sinnbild von nervigen Reisenden. Diese sorgen bei mir immerhin für Fremdscham, ich bin eher der Freund davon, sich an jedem Ort an gewisse Regeln zu halten und Respekt für Einheimische zu haben. Genug Moralapostel!

      Das Drittligaspiel am Abend im Bezirk Kladno war der letzte Kick des kleinen Ausflugs ins Nachbarland. Per Uber erreichte man das schicke Stadion, dort angekommen, staunte ich nicht schlecht. Am milden Sommerabend fand sich das ganze Dorf ein. Naja, nicht ganz. Wenn ich mich nicht verzählt habe, fehlten noch rund 1.000 Einwohner. Die “Ultras Kladno” reisten zahlreich an, der aktuelle Tabellenführer ist auf einem guten Weg in die zweite Liga. Der ehemalige Erstligist hat aktuell 8 Punkte Vorsprung auf seinen direkten Verfolger.

      Die gewohnt gute „Becher-Quote“ auf tschechischem Boden machte einen starken Eindruck. Oft bricht bei so warmen Wetter und nur einem Getränkestand auf der Anlage vieles zusammen, hier lieferte der Zapfhahn Pivo und Malinovka in Massen. Das Drittliga-Spiel brachte Schnelligkeit und öffnete einem von selbst erneut die teilweise schwer werdenden Augen. Teilweise ansehnlicher Fußball ist man in diesem Land kaum gewohnt, was allerdings bis zum Schlusspfiff fehlte, war der Torerfolg.

      Nach dem Spiel ging es per Linienbus zum Bahnhof in Pavlov. Geil! Ein komplett leerstehender Ort, keine Spuren von Zügen, Menschen oder Fahrkartenautomaten. Ich liebe es, wenn die Schaffnerin im Zug rumgeht und Geld kassiert. Für 30 Kronen gibt es das Ergänzungsticket dank der Tageskarte in Prag. Besser als Schwarzfahren!

      Die Augen des Redakteurs mussten sich noch weiter gedulden, erst um 23:00 sollte es erneut ins grüne Hotel nach Frankfurt gehen. Genug Zeit, um noch mal durch die schöne Stadt zu watscheln. Über den Marktplatz zur Moldau und irgendwann zurück zum ZOB. Am Abend geht sowas, zur Mittagszeit ist es für mich unausstehlich. Viel zu viele Touristen aus aller Welt kommen DEFINITIV zurecht in die goldene Stadt. Nach der siebenstündigen Fahrt mit dem Flixbus wurde ich erneut pünktlich auf die Minute ausgespuckt. Dieses Mal Frankfurt, in direkter Nähe zum Bahnhofsviertel. Diese Stadt kann man ebenfalls nur mögen. Der Ausgang der Partie sollte vielen Lesern bekannt sein, die Hamburger sicherten sich den Klassenerhalt in der ersten Bundesliga. Freude im Gästeblock und für mich lohnte sich jeder gefahrene Kilometer. Genau dafür macht man solche Touren. Ein rundum gelungenes und effektives Wochenende. (tp)