Liverpool F.C. – Brighton & Hove Albion F.C. – 3:0
„ZIELE HAT MAN VIELE…“
14.02.2026
FA Cup
Anfield Road
Zuschauer: 60.227
LIVERPOOL – Für die 3. FA-Cup-Runde wurde blindlings ein Flug nach Manchester gebucht. Ziel war das Pokalspiel abends an der Anfield Road. Aber Ziele hat man viele, eventuell würde es nicht klappen mit einer Karte für Liverpool. Für den Fall blieb immerhin noch ein Liga-Spiel am Nachmittag in und um Manchester. Das League-Two-Spiel bei den Tranmere Rovers auf der anderen Merseyside wurde dann auch finalisiert – und war ein schöner Zeitvertreib bis zum Abend.
Für ein Spiel in Anfield musste man irgendwie in den erlauchten Kreis der Mitglieder hineinstoßen und auf die Güte der Liverpudlians hoffen. Nachdem auch hier schnell klar war, dass alle Karten für das Spiel schon in der „Premium-Membership-Phase“ über den Tisch gingen, gab es die realexistierende Möglichkeit, dass das Vorhaben scheitern würde. Alternativ hätte man 300£ für ein Hospitality-Package auf den Tisch legen können. Aber das ist natürlich witzlos und selbst diese VIP-Tickets gehen nur an Mitglieder raus. Jetzt müsste schon einer aus der Riege der Ticketkäufer unpässlich werden und mein Kontakt an mich denken. Und Jimmy dachte an mich! Etwa 10 Tage vor dem Spiel hieß es: Anfield Road and me at Valentine’s Day – it’s a match!
Für 40£ erhielt ich die Garantie mit einem Barcode auf einem fremden Handy den legendären Ground zu betreten. Vorher musste noch ein Rückflug gebucht werden. Das war schwieriger als gedacht. Irgendwann erfuhr man auch den Grund für die teilweise horrenden Flugpreise: Bank holiday. Winterferienbeginn in England. Den Rückflug nach Berlin, zur Hinflug-Destination, konnte man knicken. Der wäre noch teurer als das VIP-Ticket für Liverpool gewesen. Schlussendlich fiel die Wahl auf einen Flug von Heathrow nach Düsseldorf, für einen gerade noch sozialverträglichen Preis. Das bedeutete allerdings: 2 Nächte ohne Bett. Einmal im Zug, einmal im Bus. Kann man mal machen, für diesen legendären Ground. Um nicht ganz so zerzaust und verfilzt in Liverpool aufzuschlagen, wurde am BER für schmale 10€ mal die Option einer Duschkabine ausprobiert. Das waren gut angelegte Euros, frisch frisiert und gut duftend konnte anschließend durch Liverpool flaniert werden.
An der Bill-Shankly-Statue hinter dem historischen Eingang, wollte mein Kontakt mich dann gut anderthalb Stunden vor dem Anpfiff treffen. Und von weitem sah ich ihn schon. Coole Nummer und die obligatorische Runde Cider in der Bar unter „The Kop“ ging natürlich auf meinen Nacken. Seine erste Dauerkarte besaß Jim 1969 und jene kostete 40£. Diese loyalen, treuen, unerschütterlichen Anhänger machen den englischen Fußball einfach aus und mir war es eine echte Ehre an diesem Abend, für einige Stunden in diesen Kreisen zu verkehren. Vielen Dank, Jimmy!
Nach ganz emsigen Einlasskontrollen mit Metalldetektoren ging es schließlich hinein in die gute Stube. Handy an den Scanner und ab auf die Haupttribüne. Die Ansprüche an diesem Abend waren nicht besonders hoch. Irgendwie erwartet man bei diesem Weltverein eher nicht so authentisches Publikum. Oder anders gesagt: Touristen. Doch das muss ich widerlegen. Vielleicht ist das auch der Vorteil von diesen harschen Ticket-Auflagen und der immensen Anzahl an Mitgliedern. Die Hürden sind hoch und nur Touristen, die viele hundert Pfund auf den Tisch legen, kommen in den abgeschotteten Hospitality-Bereich. Auch in Liverpool lieben sie ihren Verein und auf der Haupttribüne war eine Menge Pathos unterwegs.
Über den Ground muss man natürlich nicht viele Worte verlieren. Das Stadion hat eine ganz eigene Magie, obwohl es gar nicht so viele Ecken und Kanten hat. Es dauerte an diesem Abend, bis sich ein kleiner Zauber über die Anfield Road legte. Liverpool spielt bisher keine Fabelsaison, kämpft um die Teilnahme an der Champions League. Die rund 150 Millionen Euro Ablöse für Florian Wirtz haben noch nicht die gewünschten Erträge geliefert. Der Motor stottert hin und wieder mal. So ähnlich lief es auch gegen Brighton ab. Ex-Pauli-Trainer Fabian Hürzeler hatte seine Truppe gut aufgestellt und nur über die zweiten Bälle errang das Team von Arne Slot langsam etwas Sicherheit.
Nach einem aberkannten Tor war es schließlich Curtis Jones, der eine Flanke in der 42. Minute unter die Latte ins Tor drückte und ganz Anfield zum Beben brachte. Kurz nach dem Wiederanpfiff läutete eine Kombination von Mohammed Salah und Dominik Szoboszlai die endgültige Trendwende an diesem Abend ein: Eine traumhafte Stafette hämmerte der Ungar ins lange Eck. Anfield stand Kopf und von nun an war klar: Diese Bastion würden die „Reds“ heute gegen Brighton verteidigen! Komme, was wolle.
Szoboszlai war am vergangenen Sonntag noch der Pechvogel gewesen, nachdem er in einem „ganz komischen Zweikampf“ den Siegtreffer für ManCity zuließ und trotzdem die Rote Karte kassierte. Nur sechs Tage später war der Frust verflogen und ganz Anfield trug den 25-Jährigen auf Schultern durch das Stadion. Das sind die Geschichten, die man erleben will. Auch Salah krönte seine starke Leistung anschließend mit einem – zugegeben – etwas schmeichelhaften Elfmeter zum 3:0. Brighton fiel im zweiten Abschnitt nur noch durch Anwesenheit auf und hatte der Durchschlagskraft der „Scousers“ nichts mehr entgegenzusetzen. Das zufriedene Publikum bei so einem erfolgsverwöhnten Verein ist Zeugnis genug für einen gelungenen Abend.
Nach dem Spiel kam der unschöne Teil der Reise: Dank völlig überfordertem Nahverkehr wurden die rund 4km in die Stadt zu Fuß bewältigt – mittlerweile hatte es in Liverpool angefangen zu schneien. In der Stadt wurde sich noch kurz versorgt und den unglaublich kurzen Röcken der Damenwelt bei diesem „Schietwetter“ hinterhergeschaut. Dann ging es in einem miefigen, unbeheizten Bus durch die Nacht nach Heathrow zum Flughafen. Immerhin alles ohne großen Zeitverzug und mit ein paar Stunden Schlaf im Gepäck. Kann man mal machen, für diesen legendären Ground in Liverpool. (mm)
















































































































































































































































































































































