„LÄNDERPUNKT UND MILANESA FÜR DIE GESCHICHTSBÜCHER“
28.05.2026
Nothern National League
Shepherds Park
Zuschauer: 375
AUCKLAND – Nach dem Pokalfinale in Malaysia (der Schwechheimer berichtete) sollte endlich mal wieder ein Länderpunkt fallen. Beim Blick auf die Spielpläne fiel sofort Neuseeland ins Auge, das sehr vorteilhaft für alle Fußballreisenden einen Spieltag unter der Woche ansetzte. So wurde kurzerhand die Flugsuchmaschine angeschmissen, es folgte jedoch die erste Ernüchterung: 1.700 € return mit der neuseeländischen Staatsairline von Kuala Lumpur nach Auckland. Kreativität war also gefragt.
Ein Flug über Bali nach Melbourne entpuppte sich als absoluter Schnapper und so entschied ich mich, in der australischen Großstadt einen zweitägigen Stopover einzulegen. Auch hier meinten es die Terminierungen gut mit mir. Die „Kurzstrecke“ nach Auckland war ebenfalls sehr erschwinglich, die Verbindung wird täglich vom Billigflieger Jetstar geflogen. Für den Rückflug bot sich ein Trip-Angebot mit Umstieg in Sydney an. In Summe wurde die Reisekasse so mit über 1.000 € weniger belastet und man sammelte noch ein paar Flughafenpunkte.
Am Flughafen von Auckland angekommen, weigerte ich mich, den örtlichen Sammeltaxis unnötige Dollars in den Rachen zu werfen. Lediglich einen Kilometer entfernt befindet sich eine Bushaltestelle, die im 20-Minuten-Takt angefahren wird. Generell ist das ÖPNV-System super ausgebaut und man zahlt jede Fahrt bequem mit der Kreditkarte durch Ein- und Auschecken im Bus. Zumindest in den Städten ist somit ein Auto nicht notwendig.
Trotz der frühen Morgenstunde konnte ich bereits um 8 Uhr im Hotel einchecken und mich noch einmal zwei Stunden hinhauen. Die kostenlose Werbung hat sich das Kiwi International Hotel auf jeden Fall verdient, nicht zuletzt, da auch die Lage durchaus empfehlenswert ist. Man ist schnell zu Fuß in der City und die Partymeile Karangahape Road liegt direkt um die Ecke.
Nach einem kurzen Nap stand die Erkundung der Stadt auf dem Programm. Sky Tower, Marina und Auckland Domain wurden gut abgelatscht, am Tagesende zeigte der Schrittzähler den neuen Rekord von 50.000 Schritten. Ein Segen für den von Bier und Bratwurst geplagten Hopperkörper.
Ein Kontakt verriet mir, dass U19-Spiele häufig unter der Woche ausgetragen werden. Trotz intensiver Recherche waren hierzu jedoch keinerlei Informationen zu finden. Also fuhr ich auf Verdacht zum Vereinsgelände eines Erstligisten und wurde mit dem vorzeitigen Länderpunkt belohnt. Ein Testkick zwischen der Zweitvertretung des Erstligisten Western Springs und der Tonga-U19-Nationalmannschaft war mein Hauptgewinn, allein die Paarung ging runter wie Öl. Ausgetragen wurde das Ganze auf dem Nebenplatz, aber wie sagt ein Redaktionskollege immer so schön: „Ist genauso ein Kreuz wie das Camp Nou!“
Das eigentliche Highlight wartete am Folgetag. Nach der Besteigung des Maungawhau-Vulkans am Vormittag (hin da!!!) sah meine Planung vor, mit der Fähre zum Erstliga-Kick nach Birkenhead zu fahren. Leider verriet man mir vorab nicht, dass der Beach Haven Wharf aufgrund von Bauarbeiten aktuell nicht angesteuert wird, sodass es für mich letztendlich nur ein Bootstrip wurde und ich zurück in den Hafen von Auckland schipperte. Trotzdem lohnte sich die Fahrt, denn die Stadt ließ sich vom Wasser aus noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Da ich meine Kreditkarte im gleichen Hafen ein- und auscheckte, blieb der kurze Ausflug sogar kostenneutral.
Also blieb nur die Busfahrt auf die andere Seite der Stadt, umso dankbarer war ich mir selbst, genügend Zeitpuffer eingeplant zu haben.
Mit dem Shepherds Park stand anschließend die Heimat des Tabellenführers der Northern National League, Birkenhead United, auf dem Programm. Der Club gehört seit Jahren zu den stärkeren Vereinen in Neuseeland und gewann bereits mehrfach den Pokal.
Das System der ersten neuseeländischen Liga ist etwas ungewöhnlich. Fußball fristet weiterhin sein Dasein als Randsportart und so sind neben den beiden in der australischen A-League startenden Franchises Wellington Phoenix und Auckland FC überwiegend Amateurclubs vertreten. Aufgrund der begrenzten Budgets und weiten Reisewege ist die Liga daher in der Hinrunde in drei Staffeln geteilt: die Northern, Central und Southern League. Die besten Teams jeder Region qualifizieren sich danach für die nationale Championship-Phase und spielen den Meister aus.
Fußballerisch ist die Geschichte schnell erzählt. Die Gäste gingen früh in Führung und versuchten, den Bus vor dem Tor zu parken. Birkenhead glich vor der Pause aus und schraubte in Halbzeit zwei den Spielstand auf 3:1. Etwa 400 Zuschauer wollten den Kick sehen und insbesondere im urigen Vereinsheim mit perfektem Blick auf den Platz ging es sehr familiär zu.
Kulinarisch wurde ebenso einiges geboten, an der Speisekarte konnte man zudem klar ablesen, woher die Wirtin kam. Empanadas, Sandwich Milanesa und auch Choripán verrieten ihren argentinischen Ursprung. Ich entschied mich für das Milanesa und es war überragend deliciosa. Abrunden konnte man das Ganze mit zwei vereinseigenen gezapften Bieren, Birkenhead Lager und Ale, die von der deutschen Auswanderin Ramona ausgeschenkt wurden. Eine absolut runde Sache.
Abseits des Platzes lief man zudem noch einem lokalen Top-Lad-Hopper in die Arme. Spannend, dass dieses wundervolle Hobby selbst in Neuseeland betrieben wird. Der Abend endete standesgemäß im Pub und nicht erst nach dem letzten Pint wurde beschlossen: Neuseeland sieht mich wieder! (CvS)

















































































































































































































































































































































