SV Bergisch Gladbach 09 – SpVg Porz 1919 – 10:0

„DIE ROSINE IM BERGISCHEN LAND“

07.06.2026
Mittelrheinliga
Stadion an der Paffrather Straße
Zuschauer: 900

BERGISCH GLADBACH – Kollektiver letzter Spieltag in NRW und frei nach dem Motto: „Das Beste kommt zum Schluss“ wurde sich für den Sonntag-Nachmittag eine Rosine im Bergischen Land herausgepickt. Mit dem „Stadion an der Paffrather Straße“ wartete nicht nur ein Zehntausender darauf besucht zu werden, die Heimelf von Bergisch Gladbach 09 schickte sich an mit einem Sieg den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Ein neues RL-Kreuz kann man immer gebrauchen und so ging es am Sonntag tief in den Westen.

Fünf Spiele standen für mich an diesem Wochenende an. In vier Spielen waren Aufstiegsentscheidungen möglich. Für den Sonntag-Vormittag war noch ein Slot frei und zur Abwechslung ging es um 11 Uhr in Essen nicht nur auf einen Ascheplatz, sondern mit der DJK Eintracht Borbeck zum Letzten der letzten Liga. Satte 318 (!) Gegentore in 25 Spielen hatte sich die DJK („Deutsche Jugendkraft“) gefangen. Rund 13 Gegentore pro Spiel. Vor Ort wurde ein wunderbar-heruntergekommener Hartplatz eingeheimst. Außerdem bekamen die Anwesenden schnell mit, dass Borbeck am Vortag zum Mannschaftsabend geladen hatte. Nach nicht mal 10 Minuten stand das Spiel schon auf der Kippe. 0:1 und im Borbecker Team krachte es. Rote Karte nach Handgreiflichkeiten innerhalb der eigenen Mannschaft. Ein Mitspieler zog zudem sein Trikot aus, warf es auf den Boden und verließ das Spielfeld wutschnaubend. Die Gemüter beruhigten sich wieder und vielleicht war es ganz gut, dass die DJK „nur“ mit 0:7 verlor. Die Krönung im Spiel: Der vergebene Elfmeter für die Heimelf in der Schlussminute.

Nach dem Kick in Borbeck ging es flugs weiter ins Bergische Land. Irgendwie würde 09 das Spiel schon gewinnen, mit einem Spektakel rechnete ich nicht. Das gab’s bereits in Essen. Ein Sieg würde bei 2 Punkten Vorsprung auf den Siegburger SV definitiv für den Aufstieg reichen. Eventuell ginge auch bei einem Remis was, da der SSV zeitgleich in Merten unterwegs war. Zunächst war ich aber froh, dass ich ein Fahrrad im Kofferraum hatte. Parkplätze am Stadion waren rar, so dass ich einfach ins Stadtzentrum durchfuhr und den Weg zurück mit dem „Klappi“ antrat. Die Stadt macht ihrem Namen durchaus alle Ehre: Es geht hoch und runter. Eine Schlange am Kassenhäuschen gab es nicht. Eintritt frei. Dafür wurde offensiv um eine Registrierung in der „DKMS“ geworben – der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Deal! Fahrrad angekettet und 9€ gespart.

Hinein ging es ins Rund, das gut gefüllt war. Keine Ahnung wie der Verein vor Ort die Zuschauer gezählt hat, denn es gab keine Tickets mit Laufnummer oder sonstige Registrierungen. Ich hätte die Zahl locker auf über 1000 Zuschauer geschätzt. Wie dem auch sei, die Kulisse stimmte. Vielleicht haben sich ja 900 Personen bei der DKMS angemeldet. Das wäre ein Erfolg. Auf der Haupttribüne ein kleiner Stimmungsblock, der natürlich ziemlich weit davon entfernt ist als „Szene“ bezeichnet zu werden. Aber immerhin. Los ging das Spiel, eine „knisternde Stimmung“ lag nicht über dem Feld. Die 09er gaben den Takt vor, konnten den Gegner aber (noch) nicht an die Wand spielen. Dennoch fiel das 1:0 im Nachsetzen und auch das 2:0 um Minute 40 herum ließ den Gegner aus Köln nicht völlig demoralisiert zurück. Mit dem 3:0 zur Halbzeit war die Messe dann wohl gelesen.

Nach dem Wiederanpfiff war der Gegner augenscheinlich nicht darauf aus, das Schlimmste zu verhindern. Porz wollte den Ehrentreffer erzwingen und die Defensive war so offen wie das berühmte Scheunentor. Bereits 5 Minuten nach dem Seitenwechsel prangte ein 5:0 auf der Anzeigetafel. Am Ende gelang das zweistellige Ergebnis, auf das man am Vormittag noch am Don-Bosco-Gymnasium in Essen-Borbeck gehofft hatte. Regionalliga-Aufstieg mit einem Kreisklasse-C-Resultat. Unglaublich.

Anschließend waren alle Zuschauer auf der Rasenfläche „welcome“ und es wurde zusammen mit den Beteiligten der Titel in der Mittelrheinliga auf dem Feld gefeiert. Eine erstaunliche Veranstaltung, die ohne viel Organisation auskam. Dass kein Eintritt erhoben wurde, okay, aber nicht mal ein einziger Ordner konnte im Stadion erspäht werden. Selbst bei der DJK Eintracht Borbeck hatte sich ein biertrinkender Mann eine Ordnerweste um die Schultern geworfen. Vielleicht sind sie in Bergisch Gladbach ja naiv, doch bis dahin kann sich die Regionalliga West auf einen entspannten Verein und einen schönen Ground freuen. (mm)

VfB Zittau – VfB Weißwasser (0:1)

Die 102. Ausgabe unserer BILDERBUCHBUDE DER WOCHE führt uns heute an den Rand der Republik. Vorhang auf für das Weinauparkstadion in Zittau! Zwei Dinge sind hier besonders erwähnenswert: Keine 100m hinter der Kurve fließt die Lausitzer Neiße entlang und am anderen Ufer beginnt Polen. Und dann müssen wir über die Holztribüne sprechen: Auch wir kennen die Floskeln von den „ältesten Tribünen“. Doch was hier in Zittau steht, schlägt die Konstruktionen in Kiel, Northeim & co um Längen. Für das Weinauparkstadion ist der Bau der Tribüne für das Jahr 1894 (!) belegt. Seit über 130 Jahren steht der Fachwerkbau an der Lausitzer Neiße – die Grenze zu Polen lag im 19. Jahrhundert noch viele hundert Kilometer weiter östlich.

Wie historische Fotos zeigen, hat sich der Bau in den vielen Jahrzehnten nicht sehr groß verändert. Die Tribüne hat das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Faschismus, zwei Weltkriege und die DDR überlebt. Erstliga-Fußball bot der Standort nur vor dem Zweiten Weltkrieg. In den 1970er- und 80er-Jahren konnten mit Hilfe der Trägerschaft des LKW-Herstellers „Robur“ einige Erfolge in der DDR-Liga gefeiert werden.

Um das Jahr 2000 war der VfB fester Bestandteil der NOFV-Oberliga. Doch seit etwa 20 Jahren findet sich der Verein in den Niederungen des Lausitzer Amateurfußballs wieder. Einen Nackenschlag gab es im Jahr 2010, als der Weinaupark von einem Hochwasser geflutet wurde. Daraufhin musste ein Großteil der Sportfläche saniert werden. Neben der Tribüne ist auch ein Sprecherturm und die kultige Anzeigetafel geblieben. Die Stufen, die sich rund um das Spielfeld ziehen, schrauben die Kapazität auf eine fünfstellige Zahl. Zusammen mit dem Gästeblock dürfte das Stadion höheren Ansprüchen genügen.

Vergangene Woche feierte der VfB „Vereinsfestwoche“. Das Kreisoberliga-Spiel war daher bereits für den Vormittag terminiert. Neben üppiger Verpflegung und Bespaßung für die Kleinen, wartete am Nachmittag die Traditionsmannschaft der SG Dynamo Dresden auf die Zittauer Altherren. Der Andrang war groß, jedoch nicht am Vormittag. Zu den gewöhnlichen Ligaspielen verirren sich keine 100 Zuschauer in den Weinaupark, nicht mal wenn Feierlichkeiten anstehen. Wir hoffen, dass wir ab heute ein paar weitere Zuschauer für den VfB Zittau begeistern konnten.


30.05.2026
Weinauparkstadion, Zittau
VfB Zittau – VfB Weißwasser (0:1)

Mosbacher SV – SG EFC Ruhla 08 – 5:0

„BRASILIEN-VIBES IM THÜRINGER WALD“

29.05.2026
Kreisoberliga Westthüringen
Sportplatz Mosbach
Zuschauer: 351

MOSBACH – Vor gut zwei Jahren sollte im „Schwechheimer Landboten“ ein Bericht über den FC Eisenach erscheinen. Im frühsommerlichen Mai wartete der perfekte Eisenach-Tag in Westthüringen. Morgens wurde dem FSV Eintracht Eisenach im „Stadion der Freundschaft“ ein Besuch abgestattet. Ein besserer Sportplatz, aber direkt neben dem Wartburg-Stadion gelegen. Bei bestem Sonnenschein ging es anschließend rauf auf die Wartburg und wieder runter zum FC Eisenach. Der Gegner damals: Mosbacher SV. Vor zwei Jahren bereits Spitzenteam der Liga und die Konstellation im Wartburg-Stadion lautete: Letzter gegen Zweiter. Oder irgendwie so. Der perfekte Eisenach-Tag erhielt mit einem elendigen 0:0 vor einer Handvoll Zuschauer einen ordentlichen Dämpfer. Das Wartburg-Stadion ist bei jedem Grottenkick noch fotogen, aber zu schreiben gab es nix.

Die Recherche ergab wenig später nicht nur die Tatsache, beim ersten torlosen Unentschieden im Wartburg-Stadion seit 11 Jahren (!) vor Ort gewesen zu sein, sondern auch den Umstand, dass die hochfavorisierten Mosbacher nur zwei Tage zuvor im Derby gegen den EFC Ruhla auf dem Platz standen. Vor rund 500 Zuschauern feierte der MSV einen Derbysieg und die Bilder vom Feuerwerk vor der legendären Holzhütte im Langetal machten nach dem Spiel die Runde und elektrisierten auch mich. Seit diesem verhängnisvollen Tag hatte ich das Derby im Wartburgkreis auf dem Zettel, der ja auch ohne Fußballspiel immer eine Reise wert ist.

Nun war es so weit und der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können. Das Quecksilber kratzte an der 30-Grad-Marke und Mosbach auf dem Platz an der Sonne, hatte die Möglichkeit mit Schützenhilfe aufzusteigen. Den ersten 200 Zuschauern wurden „Derbykekse“ gereicht und der Sportplatz im Langetal rechnete mit einem Zuschaueransturm. Vor Ort sind kaum Parkplätze vorhanden, bereits eine knappe Stunde vor dem Anpfiff musste der Rückwärtsgang eingelegt werden. Nachdem eine Eintrittskarte für 4€ über den Tisch wanderte, genoss ich die Aussicht über den Thüringer Wald. Beim Blick in den Spielort wurde aber schnell klar, dass die kühnen Träume von Rekordkulisse und Tifo nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Die „Mosbacher Jungs“ scheinen gar nicht mehr aktiv zu sein. Der Parkplatz zwar zum Bersten gefüllt, aber bei 351 Zuschauern und dem möglichen Aufstiegsticket wäre sicher noch Luft nach oben gewesen. Ich nehme es vorweg: Das war alles gar nicht wichtig. Wichtig war auf dem Platz.

Die Kulisse sorgte dennoch für gute Laune und vor allem der Mosbacher SV tat alles dafür, dass seine Gäste zufrieden waren. 5:0 stand es nach 20 Minuten gegen den Nachbarort, der ebenfalls zu Wutha-Farnroda gehört. Ein herausgespieltes Tor war schöner als das andere und vor allem der Torjubel nach dem 3:0, mit einem Ordner, der auf das Spielfeld tanzte, bescherte uns unvergessliche Bilder. Seit der WM 2014 und dem deutschen 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien, habe ich nicht mehr so einen surrealen Spielverlauf gesehen. Zwischendurch war Mosbach in die Landesklasse aufgestiegen, doch der Konkurrent aus Vacha konnte sein Spiel am Ende mit 4:0 gewinnen. In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, diesmal wurden die guten Chancen versiebt und die Zuschauer konnten sich auf das frischgezapfte „Stupps“-Bier, die Thüringer Bratwurst und das tolle Panorama rund um den Sportplatz konzentrieren. Für den Groundhopper wurde nach dem Abpfiff immerhin noch eine Feuerwerksrakete in den dämmernden Abendhimmel geschossen.

Wie vor zwei Jahren, gab es bereits zwei Tage nach dem Derby wieder ein Spiel für Mosbach in der Kreisoberliga. In Hötzelsroda konnten die Wuthaer mit 4:0 triumphieren und den Aufstieg nun auch formell eintüten. Diesmal war die Motivation eine andere – Glückwünsche nach Mosbach! Eine persönliche Fußnote machte das Derby für uns noch unvergesslich: Nach dem Spiel fertigte ich ein Foto mit dem Kapitän der Mosbacher und meinem Sohn an und ließ die Nummer 7 in einem Tagebuch unterschreiben. Mein Sohn – Schüler der 1. Klasse – hatte morgens in der Schule „Pinguin Piet“ zugelost bekommen und musste sein Wochenende in Schrift und Bild per Reisetagebuch dokumentieren. Ausgerechnet dieser Tage stand eine Tschechien-Tour via Thüringen im Terminkalender. Mal gucken, ob seine Klassenlehrerin den Beitrag liken wird. (mm)

FSV Tostedt – SG Estetal II – 1:2

“EINE PERLE DER NATUR”

16.04.2026
1.Kreisklasse Harburg
Sportanlage Düvelshöpen
Zuschauer: 63

TOSTEDT – Es ist soweit, die unteren Ligen kicken auch wieder unter der Woche an Wochentagen. Die milderen Temperaturen erreichen den Norden der Republik. Zeit für Amateurfußball! Der Spielort liegt ziemlich mittig zwischen den beiden Hansestädten Hamburg und Bremen. Ideal, um unter der Woche nach der Arbeit dort aufzuschlagen. Passend die Lage unweit des Bahnhofs, bietet sich der Metronom dafür natürlich an.

Ehrlicherweise hatte ich diese Spielstätte nicht unbedingt auf meinem Zettel. Immerhin verfügt dieser über eine nette Tribüne hinter dem Tor. Die Umgebung wird durch das angrenzende Waldstück ergänzt. Ein schöner Anblick. Auf dem Rasen kratzt der Ball an der Grasnarbe, das Krombacher wird im herzlichen Vereinshaus verkauft. Was in meinen Augen leider als typisches “Sportplatzbier” in Norddeutschland gilt.

Das Zuschaueraufkommen ist für einen Donnerstagabend vollkommen in Ordnung. In der ersten Halbzeit sah man für die zwei Euro Eintritt ein zähes Fußballspiel. Den Führungstreffer für die Gäste hätte in der Show von “Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs” eventuell einen Platz in der Kategorie ”Kacktor” erhalten.

In der zweiten Halbzeit erhielt das Spiel neuen Schwung, die Gastgeber glichen aus und die Zuschauer erwachten. Einige Situationen zeigten den Ehrgeiz der Akteure. Das 1:2 und somit der Endstand im Spiel, die Gemüter erhitzen kurz. Erinnerungen an den Kopfstoß von Zinedine Zidane wurden wach, nach dem Pfiff des Schiedsrichters war alles aber halb so wild. Nur der Zuschauer an der Seitenlinie konnte sich nicht so wirklich beruhigen, “TÄTLICHKEIT” und: “SCHON WIEDER DIE 27”.. Den Schiedsrichter beeindruckte es natürlich wenig. Schön ist es hier in Tostedt…

Ein herrlicher Frühlingstag geht zu Ende, der Metronom liefert und das Deutschlandticket ist Gold für Groundhopper. Donnerstag, Amateurfußball und der Geruch nach dem grünen Rasen. Herrlich, falls jemand diesen Sportplatz noch nicht auf dem Radar hatte, fahrt alle nach Tostedt. (tp)

SSV Jeddeloh II – SV Drochtersen/Assel – 3:0

„BLICKPUNKT BARSINGHAUSEN – EIN DORF FÜR POKALSIEGER“

24.05.2026
Niedersachsenpokal 3. Liga und Regionalliga
August-Wenzel-Stadion
Zuschauer: 1.556

BARSINGHAUSEN — Am Finaltag der Amateure wurden 21 Spiele in Deutschland ausgetragen und von der Sportschau in der Konferenz übertragen. Es gab Überraschungen, aber auch klare Sieger. Am Ende des Tages standen 62 von 64 Teilnehmern fest, die an der ersten Runde des DFB-Pokals teilnehmen. Einzig der Meister der Oberliga Westfalen und ein zweiter Kandidat aus Niedersachsen waren noch offen.

In Niedersachsen dachte man sich vor mehreren Jahren, dass es cooler sei, zwei Pokale auszuspielen statt nur eines. Somit wurden die Teams der 3. Liga und der Regionalliga aus dem Niedersachsenpokal genommen und in einen zweiten Niedersachsenpokal gesteckt. Doppelt hält besser – so lautete die Devise. Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen des NFV. Wenn man die große Bühne schon mühselig aufbaut, kann man diese schließlich auch an zwei Tagen nutzen. Somit hieß es am Samstag Lüneburg gegen Bersenbrück und am Sonntag Jeddeloh gegen Drochtersen/Assel.

Da die Auswahl am Pfingstsonntag doch sehr begrenzt war, entschieden wir uns für das zweite Pokalfinale und nicht für das erste am Samstag.

Dementsprechend ging es am Pfingstsonntag ganz entspannt nach Barsinghausen – ein Ort ohne wirklich viele Parkplätze. Wir stellten das Auto in einer Nebenstraße ab und gingen zum Stadion. Vor Ort hatten wir keine „neutralen Tickets“, sondern Karten für den Jeddeloh-Bereich, da der Schreiber dieser Zeilen einfach ohne hinzugucken auf „Stehplatz“ geklickt hatte. Wäre mir nicht passiert, wenn es eine Tageskasse gegeben hätte. Am Eingang war es dann aber völlig egal, für welchen Block wir Karten hatten. Stehplatz ist schließlich Stehplatz. Da sich alle Zuschauer ohnehin nur auf einer Seite verteilen konnten, war es letztlich egal, wo man stand. Die Fans stellten sich jeweils an die Seiten der Tribüne: links die Anhänger von Jeddeloh, rechts die von Drochtersen.

Beide Teams wurden mit ein paar Fahnen empfangen und drei Minuten zu früh rollte dann das Leder. Der leichte Favorit aus Kehdingen kam überhaupt nicht ins Spiel und kassierte bereits nach fünf Minuten das 0:1. Die weiteren 40 Minuten der ersten Hälfte waren sehr zerfahren und wirklich nicht schön anzusehen. Nach dem Pausentee machte Drochtersen Druck, konnte den Ball aber nicht über die Linie bringen. In der 79. Minute machte Jeddeloh dann mit der zweiten guten Chance den Deckel drauf. In der Nachspielzeit fiel noch das 3:0 und der Jubel bei den mitgereisten Fans kannte keine Grenzen.

Jeddeloh feierte somit den allerersten Pokalsieg auf Landesebene und steht damit zum zweiten Mal im DFB-Pokal. Glückwunsch von der Redaktion! Wir sind gespannt, welches Profiteam wahrscheinlich am Marschweg in Oldenburg gastieren darf.

Mein Fazit fällt gemischt aus. Auf der einen Seite fand ich es clever, beide Spiele auf einer Anlage austragen zu lassen, auf der anderen Seite finde ich das Stadion als Finalort eher bescheiden. Alle Zuschauer müssen sich auf einer Seite aufhalten und auf den anderen drei Seiten ist einfach nichts. Das wirkt eher wie ein Kreispokalfinale als wie ein Landespokalfinale. Es hätte sicherlich größere Stadien in Niedersachsen gegeben. Dafür konnten viele Groundhopper einen neuen Ground abhaken, denn hier spielt im Ligabetrieb normalerweise niemand. (mb)

SC Hanau 1960 – KSV Baunatal (4:2)

Hallo und hereinspaziert in unsere neueste BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! Da die Ausgabe (101) immer noch in unsere Jubiläumswoche fällt, gibt es heute auch ein richtig schönes Gewinner-Stadion auf die Augen: Das Herbert-Dröse-Stadion in Hanau!

Neben American Football wird in dem 16.000 Zuschauer fassenden Old-School-Stadion auch in der Hessenliga gekickt. Der kurdischstämmige SC Hanau 1960 absolviert einen Großteil seiner Pflichtspiele in dem Ground, der nach dem langjährigen Bürgermeister der Stadt benannt ist. Erbaut wurde die Spielstätte Anfang der 1950er-Jahre und der Zeitgeist aus der Nachkriegszeit ist in nahezu jedem Winkel des Stadions erhalten geblieben.

Doch Obacht: Da der Verein nicht mit Groundhoppern kommuniziert, kann es im Herbst, Winter und Frühling zu Überraschungen bei der Platzwahl vor Ort kommen. Und da ist noch was: Hanau profitiert von der „Sportmilliarde“ des Bundes und ab nächstem Jahr wird eine siebenstellige Summe in den Ground fließen. Erste-Hand-Infos an dieser Stelle: Die Aschebahn wird abgetragen und gummiert, Flutlichter installiert und eine neue Anzeigetafel errichtet.

Ausgeschlossen ist dabei auch nicht die „Ertüchtigung der Zuschauertraversen“. Wie dem auch sei: Der Zeitgeist von damals dürfte allmählich entfleuchen. Das ist schade, denn das einzige Stadion aus der Nachkriegszeit in Deutschland, das mit dem Herbert-Dröse-Stadion mithalten kann, steht in Neunkirchen. Wie es dort mit der Borussia weitergeht, steht ja leider auch in den Sternen.


10.05.2026
Herbert-Dröse-Stadion, Hanau
SC Hanau 1960 – KSV Baunatal (4:2)

Crystal Palace F.C. – Rayo Vallecano de Madrid – 1:0

„LANGE NACHT FÜR DAS KLEINE FINALE“

27.05.2026
UEFA Conference League
Zentralstadion
Zuschauer: 39.176

LEIPZIG – Statt Kreisliga in Kiel, stand an diesem Mittwoch-Abend das Conference-League-Finale auf dem Tagesplan. Durch den Umstand, dass das Endspiel in Leipzig ausgetragen wurde, wollte die Hälfte der Redaktion die Gelegenheit nutzen und in diesem immer noch neuen UEFA-Wettbewerb ein Finale vor Ort abstauben. Das war keine schlechte Idee, denn das Auto füllte sich rasch, Tickets für die Partie waren auf solidem Preisniveau verfügbar und der Turnierbaum ab dem Viertelfinale ließ ein Endspiel mit interessanter Beteiligung vermuten. Als das erste Ticketfenster der UEFA öffnete, waren drei Redakteure nach drei Minuten versorgt und es war schnell klar: Es wird eine lange Nacht für das kleine Europapokal-Finale.

Das Spiel wies fast dieselbe Struktur auf wie die Autobesatzung aus der Redaktion. Für zwei von uns (mm & hr) war es die zweite Finalteilnahme auf europäischem Parkett. Für mich nach 16 Jahren Abstinenz das zweite Endspiel und unser Fahrer (mb) feierte seine Final-Premiere. Palace nahm auch das erste Mal überhaupt am Europopokal teil, während Rayo bei dem einzigen Auftritt im Europapokal vor 25 Jahren im UEFA-Cup-Viertelfinale gegen Deportivo Alavés stand, die es am Ende ja bekanntlich in ein spannendes Finale schafften. Der Endspielort lag damals auch in Deutschland: In Dortmund verloren die Spanier gegen den FC Liverpool mit 5:4. Einen ähnlichen Spielverlauf erhofften wir uns auch für unser Spiel, wenn wir gefragt worden wären.

Dass es vermutlich kein Spiel mit Achterbahn-Charakter wird, ließ sich schon ein bisschen ablesen. Beide Teams wurden von mir während der Saison jeweils einmal live unter die Lupe genommen. Palace gar in der Gruppenphase dieses Wettbewerbs. Gegen Kuopio PS gab es mit der B-Elf mit Ach und Krach ein Remis, während Rayo Anfang März bei einem 1:1 im „Éstadio Ramón Sánchez Pizjuán“ beobachtet werden konnte. Die Spielbesuche sind hier übrigens nachzulesen. Wunderdinge waren nicht zu erwarten, aber für englische und spanische Verhältnisse rechneten wir mit einer manierlichen Crowd im Stadion.

Vor der Abfahrt musste zunächst jedoch das Handy von Redakteur (fj) eingesackt werden. Da das Ticket für mich über seinen Account bestellt wurde, war eine elektronische Übertragbarkeit ausgeschlossen. Nur „überschüssige“ Karten sind zur Weiterleitung freigegeben. Die App konnte auch nicht mit den entsprechenden Zugangsdaten auf einem fremden Handy geöffnet werden, da der Account mit dem Gerät, auf dem die App installiert wurde, verknüpft ist. Es half nichts, das Telefon musste mit nach Leipzig. Zum Glück sind wir ein verschworener Haufen und (fj) war jüngst von einem wochenlangen Südafrika-Trip zurückgekehrt. Das wär’s noch gewesen, wenn mein Finalticket unerreichbar in Afrika auf Reisen gewesen wäre. Die abschließende Bewertung dieser Ticket-Richtlinien erspare ich mir an dieser Stelle gerne. Am Ende hat alles geklappt.

Sowohl die Engländer als auch die Spanier füllten ihre Kurven vollständig und entrollten zum Einlauf der Teams eine Blockfahne. Dazu wurde Pyro kredenzt und bei Rayo mittels farbiger Papiertafeln auch noch ein „tierisches Bild“ in der Kurve erzeugt. Das war auf beiden Seiten für englische und spanischen Verhältnisse sicherlich oberstes Bord. Wenn die jeweiligen Szenen hinter dem Tor gesanglich am Quirl drehten, schepperten viele Dezibel durch das Rund. Das hat schon Bock gemacht und ließ bei dem milden Frühsommerwetter richtige Turnierstimmung aufkommen. Bei der Stimmung konnte das Spiel – wie erwartet – zunächst nicht mithalten. Im ersten Abschnitt agierten die Teams noch sehr zaghaft. Palace mit mehr Ballbesitz, aber ohne Druck im gegnerischen Strafraum.

Das änderte sich mit dem Wiederanpfiff. Sofort setzten die Engländer die etwas nervösen Spanier unter Druck, erzielten per Abstauber durch Jean-Philippe Mateta den goldenen Treffer des Abends und hätten direkt nachlegen können. Für Rayo war gegen die Physis der Premier-League-gestählten CPFC-Akteure irgendwie kein Kraut gewachsen. Zweite Bälle bei den Spaniern blieben Mangelware und die wenigen Schüsse auf den Kasten von Dean Henderson waren einfach zu unplatziert. Noch einmal flogen – wie beim 1:0 – die Bierbecher nach dem Schlusspfiff durch die Palace-Kurve und der Favoritensieg bedeutete für die Redaktion immerhin keine weiteren Überstunden. Als letztes Mitglied der Autobesatzung erreichte ich Schwechheim um kurz vor 5. Während der Fahrt überlegten wir, wer wohl im nächsten Jahr ins Finale kommt. (mm)

Brüsewitzer SV – FC Selmsdorf – 3:2

„HERRENTAG IN OSTDEUTSCHLAND“

14.05.2026
Kreispokal Schwerin-Nordwestmecklenburg
Stadion im Schlosspark
Zuschauer: 1.099

ROGGENDORF – Der Frühling in Norddeutschland will einfach noch nicht auf Touren kommen. Dieses Jahr gab es mal wieder den Klassiker: Christi Hinmelfahrt fiel ins Wasser. Über weite Teile Norddeutschlands nistete sich ein Tiefdruckgebiet ein: Hagel, Regen, Wind. Doch ein kleines Dorf direkt hinter der alten Grenze trotzte dem Wetter und wurde vom Schlimmsten verschont: Roggendorf. Die weit über 1000 Besucher des Kreispokalfinals zogen sich zwar auch die Jacke bis unter’s Kinn, abgesehen von einer steifen Brise hielt das Wetter jedoch stand.

Das war auch gut so, denn dieses Finale durfte auf keinen Fall ins Wasser fallen. Der Kreisfußballverband Schwerin-Nordwestmecklenburg gibt sich seit Jahren sehr viel Mühe mit der Ausrichtung dieses Wettbewerbs, an dem nur Teams bis zur neunten Ligastufe teilnehmen. Die Mannschaften ab der Landesklasse sind im Landespokal gesetzt. Über das strukturschwache Bundesland und die Monopolstellung Hansa Rostocks wird in anderen Landesteilen gerne mal gelächelt, in diesem Falle muss man aber sagen: Seht ihr Deutschland, so wird das gemacht!

Neben einem Programmheft mit Hardticket gibt es an den Verpflegungsständen alles was das Herz begehrt. Mein Favorit an diesem Donnerstag: Die belegten Pizzabrötchen mit Remoulade. Davon ab sorgt der Verband mit einer Vielzahl an Aktionen für einen würdigen Rahmen. Die siegende Mannschaft wird auf einem Podest geehrt wie ein Europapokalgewinner. Für die Kleinen gibt es – na, klar – eine Hüpfburg. Und das Allerwichtigste: Die Veranstaltung wird von der Bevölkerung angenommen und dürfte für alle Beteiligten das Highlight der Saison darstellen.

So wurden vor Ort auch gleich zwei „Fanblöcke“ sichtbar. Selmsdorf zündete zum Einlauf der Teams etwas Pyro, Brüsewitz fiel vor allem mit einem steigenden Alkoholpegel auf. Der Herrentag im Osten wurde mit dem Schlachtruf: „Micha, du Zigeuner!“ zelebriert. Wer auch immer dieser Micha war, die Blicke fielen schnell wieder auf den gepflegten Rasen: Selmsdorf ging nach 10 Minuten mit einem Traumtor aus der Distanz in Führung. Jubelszenen wie im WM-Finale. Es dauerte, bis Brüsewitz auf Betriebstemperatur kam. Doch der Ausgleich gelang noch vor der Pause und mit dem Seitenwechsel war das Spiel nach einem Kopfballtreffer gedreht.

Selmsdorf blieben gut 40 Minuten Zeit für den Ausgleich und das 2:2 fiel tatsächlich schon in der 66. Minute. Anschließend mussten die Akteure dem Umstand Tribut zollen, dass sie im Alltag nur in der Kreisoberliga zocke@n und das Tempo teilweise hochhielten wie in einem, naja, WM-Finale. Wie das in der Verlängerung gut gehen sollte, fragten sich die vielen Zuschauer im schönen Schlossparkstadion fingernagelkauend.

Die vorletzte Aktion in der regulären Spielzeit förderte einen Freistoß rund 25m vor dem Tor zu Tage. Wie das gut gehen sollte, fragte sich wohl auch der Freistoßschütze Claas Erwin Kullak und nagelte den ruhenden Ball direkt unter den Knick. Wahnsinn! Eine letzte Großchance von Selmsdorf wurde vor dem gegnerischen Tor verstolpert und fertig war das Spiel, das für alle Beteiligten als Highlight des Jahres in Erinnerung bleiben wird. Auch für mich. (mm)

SV Müssen – SG Breitenfelde/Mölln III – 9:2

„PLAN B – MÜSSEN AUF DIE 1“

15.05.2026
Kreisklasse C Schleswig-Holstein Süd
Sportplatz Müssen B
Zuschauer: 115

MÜSSEN — Die Stadt Lauenburg liegt am südlichsten Zipfel von Schleswig-Holstein im sogenannten „Drei Bundesländer Eck“. Auf der anderen Seite der Elbe liegt Niedersachsen und kurz hinter dem Ortsschild beginnt Mecklenburg-Vorpommern. Da ist es natürlich offensichtlich, dass sich die Fußballabteilung gedacht hat: Komm, lass uns im Hamburger Fußball Verband mitspielen, damit die Wege kürzer sind. Man fährt in der Kreisliga also lieber 32 Kilometer nach Allermöhe als 17 nach Büchen. Soweit so gut. Wenn man gerne alle zwei Wochen Sprit verballern möchte, dann viel Spaß.

Ich möchte jetzt nicht respektlos sein, aber das Internet haben sie beim Lauenburger SV offensichtlich auch nicht erfunden und die Spielortangabe im DFBnet ist ebenfalls Neuland. Der LSV setzt seine Spiele nämlich komplett auf dem Rasenplatz an, egal zu welcher Tages oder Jahreszeit.

Daher ist es relativ kompliziert, den Rasenplatz ohne Flutlicht zu kreuzen. Dementsprechend ging der Versuch, ein Spiel auf dem Rasenplatz zu sehen, schon öfter daneben. Um dieses Risiko heute zu vermeiden, kontaktierte ich sogar die beteiligten Vereine und bekam die Zusage: „Es wird auf Rasen gespielt.“

25 Minuten vor Anpfiff fuhr ich in den Glüsinger Weg und siehe da: Die Mannschaften machten sich auf dem Kunstrasenplatz warm. Warum war mir das schon im Vorfeld klar? Wer sich jetzt äußern möchte, dass ein Spiel am Freitag Flutlicht benötigt, den verweise ich auf den Sonnenuntergang und die Anstoßzeit.

Da ich natürlich keine Motivation hatte, einen Revisit beim künstlichen Rasenschach zu machen, holte ich Plan B aus der Tasche. 14 Minuten entfernt und rund zehn Kilometer dichter an Hamburg hatte der SV Müssen in der allerletzten Liga sein Heimspiel. Fünf Minuten vor Anpfiff stellte ich mein Auto ab und sah die ersten Zuschauer in SV Müssen Trikots zum Platz wandern. Vor Ort war der Rasenplatz gut gefüllt, eine Fahne wurde geschwenkt und das Banner „Wir MÜSSEN auf die 1“ hing auf Höhe der Mittellinie. Fußball.de teilte mir die Lösung mit:

Letztes Spiel der Saison und Müssen steigt bei einem Sieg heute auf.

Die Spieler mussten nur noch den Sieg einfahren, wirkten am Anfang aber etwas nervös. Sie erzielten zwar den Führungstreffer, kassierten kurz danach jedoch den Ausgleich. Nach rund 15 Minuten legte sich die Nervosität und Müssen kam besser ins Spiel. Die Spielgemeinschaft aus Breitenfelde und Mölln wurde nun zunehmend auseinandergenommen. Es fiel ein Tor nach dem anderen und zur Pause war bereits klar: Heute muss man etwas länger am Sportplatz bleiben, denn hier wird nach Abpfiff gefeiert.

Für die deutlich unterlegenen Gäste kam es noch knüppeldick. Sie wurden regelrecht abgeschossen und zusätzlich verletzte sich der Torhüter in der zweiten Hälfte. Ein Feldspieler musste ins Tor und hatte dort tatsächlich seinen großen Moment. Als die Zuschauer den Spieler mit der Nummer 16 zum Elfmeter riefen, schlug die große Stunde der „Nummer 2“. Er hielt sensationell einen Elfmeter und wurde anschließend von seinen Mitspielern gefeiert.

Um 20:49 Uhr pfiff der Schiedsrichter ab. Sowie auf und neben dem Platz wurden Fackeln und Rauchtöpfe gezündet. Der Aufstieg ist geschafft und die Mannschaft ließ sich im Pyronebel von Müssen feiern. Nächste Saison geht es dann per Fahrrad ins fünf Kilometer entfernte Büchen, während Lauenburg weiterhin 30 Kilometer nach Hamburg fährt.

Müssen musste für Lauenburg einspringen und war am Ende mehr als nur ein Plan B. Der Schwechheimer Landbote gratuliert herzlich zum Aufstieg und wünscht euch viel Erfolg in der nächsten Saison. Vielleicht wird dann auch der „A Platz“ bespielt und nicht die ganze Saison der B Platz. Vorsichtshalber einen Plan B dabeizuhaben, ist das A und O des Groundhoppings.

In diesem Sinne danke für den besonderen Freitag. (mb)

1.FC Lok Stendal – DSC Arminia Bielefeld (0:5)

Herzlich willkommen zu unserer 100. Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! Für die Jubiläumsausgabe haben wir uns was ganz Besonderes ausgedacht. Jedes Stadion ist irgendwo einzigartig (außer in Paderborn und Gliwice) und das „Stadion am Hölzchen“ in Stendal ist eine schöne Bude, wenn auch nicht unbedingt an erster Stelle genannt, sobald es um die Top-Grounds in Deutschland geht.

Doch der Oberliga-Ground in der Kreisstadt ist die Weihestätte des Schwechheimer Landboten! Irgendwann im letzten Jahrzehnt fand in Stendal mal ein wichtiges DFB-Pokal-Spiel statt, Online-Tickets in Sachsen-Anhalt gab es noch nicht und von einer telefonisch reservierten Karte wussten die Damen im Kassenhäuschen nichts. So konnte es nicht weitergehen. Der Schwechheimer Landbote war geboren! Von der Altmark in die ganze Welt! Die ganze Story dazu gibt es demnächst mal in Printform. Irgendwann, dieses Jahr.

Darum: Besucht das Stadion am Hölzchen! Vielleicht kommt ihr ja bei Lok auch auf gute Ideen! Just am nächsten Samstag steigt in Stendal das Saisonfinale und für die Heimelf zählt nach einer großen Aufholjagd in der Rückrunde nur ein Sieg! Mit dem VfB Krieschow wartet zwar nicht so ein illustrer Gegner wie einst Arminia Bielefeld, doch die Ost-Brandenburger haben sich wie damals Stendal ebenfalls für den DFB-Pokal in diesem Jahr qualifiziert. Das ist doch ein guter Nährboden für alles, was da noch folgt.


19.08.2018
Stadion am Hölzchen, Stendal
1.FC Lok Stendal – DSC Arminia Bielefeld (0:5)

FV Bad Vilbel – SV Gronau – 3:0

„REIFE(N)PRÜFUNG FÜR BAD VILBEL“

17.04.2026
Kreisoberliga Friedberg
Nidda-Sportfeld
Zuschauer: 197

BAD VILBEL – Es war alles angerichtet. Schon am Mittwoch und Donnerstag wurden Überstunden geschoben, um die frühe Abfahrt um 12 Uhr aus Schwechheim am Freitag zu ermöglichen. Das Stadion am Schönbusch in Aschaffenburg war das auserkorene Ziel, welches schon viel zu lange auf der To-do-Liste schlummerte.

Die rund 5 1/2-stündige Fahrt traten dann auch zwei Redakteure gemeinsam an. Die Vorfreude stieg mit jedem gefahrenen Kilometer, die Kasseler Berge sollten dann aber leider unser Endgegner werden.
Auf Höhe Hannoversch Münden meldete sich der Reifensensor. Hielt man das am Anfang noch für eine normale Routinekontrolle, kämpfte der Fahrer nach fünf Minuten bereits hart mit dem Lenkrad, und man rollte auf dem letzten Bar auf den nächsten Autohof.
Der Boxenstopp kostete uns dann ca. 2 Stunden Zeit, womit Aschaffenburg sein Comeback auf der To-do-Liste feierte. Ein Dank geht hier an Heiko’s Reifen- und Autoservice, der das Curtismobil wieder fit machte. (unbezahlte Werbung)

In der Wartezeit glühten die Handys, es wurde nach Alternativen gesucht, und ziemlich schnell fiel uns ein Kick ins Auge: Derby in Bad Vilbel.
Ein würdiger Ersatz – so konnte der FV Bad Vilbel in seiner Historie schon einige Erfolge feiern und spielte bis 2007 in der viertklassigen Oberliga Hessen. Nach einigen Auf- und Abstiegen findet man sich heute nur noch auf Level 8 im Ligabaum wieder, in der Kreisoberliga Friedberg. Aktuell belegt das Team aus der Quellenstadt den zweiten Platz, was Aufstiegsrelegation bedeuten würde.

Nachdem man sich mit Cevapi, Bratwurst und Binding gestärkt hatte, ging es für faire 3 Euro auf die sehenswerte Anlage. Das Nidda-Sportfeld liegt direkt am namensgebenden Fluss. Der Ground bietet einseitigen Ausbau, und sollte es regnen, gibt es auch ein Dach. Das angesprochene Catering übernimmt hier das balkanlastige Restaurant neben dem Vereinsheim.

Der SV Gronau war mit einigen pöbelwütigen Schlachtenbummlern angereist, machte hier von Anfang an ein gutes Spiel, verteidigte alles weg und konnte auch Akzente nach vorne setzen. Bad Vilbel biss sich regelrecht die Zähne aus und schaffte es kaum, gefährlich vor das Tor zu kommen. Nach einer dummen Tätlichkeit wurde es zu zehnt dann ab der 70. Minute noch schwerer.
Doch spätestens als der Gronauer Anhang in der Schlussphase hämisch wurde, bewies die Mannschaft Reife und Moral. Mit drei Toren in den letzten fünf Minuten schickte man die Gäste zurück in den Vorort.

Die gebuchte Unterkunft wurde dann in Aschaffenburg noch angesteuert. Über alles, was dann später im Biersepp noch passierte, hüllen wir den Mantel des Schweigens. (CvS)

VfL Bückeburg – TV Neuenkirchen Gut Heil – 6:0

“DENKMAL DER HERZLICHKEIT”

17.05.2026
Bezirksliga Hannover
Jahnstadion Bückeburg
Zuschauer: 134

BÜCKEBURG – Die Endstation des verlängerten Wochenendes. Der Sonntag stand für mich wieder einmal ganz im Fokus der Amateure. Die erste Station des Tages war die A-Jugend-Bundesliga in Osnabrück. Das Sportstadion Illoshöhe, was ein fantastischer und beeindruckender Ground. Nette Gesprächspartner sorgten für einen munteren Start in den Sonntag.

Die nächste Station lautete eigentlich anders. Der SC Herford, für mich eine elendige lange Geschichte. Es war nicht mein erster geplanter Besuch, wieder einmal wurde das Spiel auf den Kunstrasen nebenan verlegt. Positiv, der Verein ändert dies selbständig in einer bekannten App. Gilt ja leider nicht als selbstverständlich. Die Alternative in unmittelbarer Umgebung ist die Paarung des heutigen Berichtes.

Vor der Ankunft besuchte ich für die Kostenteiler im Auto nochmal das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Nach vier Jahren ist es immer noch mindestens genauso beeindruckend. Parken kostet bis zu einer Stunde lediglich 2 Euro und Eintritt wird nichts fällig. Da fallen mir mindestens 5 “Attraktionen” ein, die weniger spektakulär sind und Geld kosten. Sollte man mehr Zeit haben, fahren aus dem Ort auch kostenfreie Shuttlebusse nach oben. In meinen Augen einfach ein unterschätztes und faszinierendes Ausflugsziel.

Ab nach Bückeburg. Erstaunt waren wir nach dem Betreten des Ortes. Freundliche und vor allem interessierte Menschen. Was, ihr kommt aus Schwechheim? Wahnsinn, “vor kurzem hatten wir einen Besucher aus Gelsenkirchen.” Er sammelte ganz viele Trikots unterschiedlicher Vereine. Fußball begeistert eben. Direkt an den Gleisen des Fernverkehrs gelegen, bin ich wahrscheinlich schon 679-mal an diesem Ort vorbei gefahren. Für den Besuch hat es bis dahin nicht gereicht.

Das Stadion verfügt über zwei Tribünen, Stehstufen und Sitzschalen. Für die Liga definitiv ein Schmuckkästchen. Die Verpflegung lässt keine Wünsche offen, die Currywurst mit Pommes wechselt für faire sieben Euro die Seite. Das “ländliche” Niedersachsen hat eben die oder andere “Amateur-Perle” zu bieten.

Sportlich ging es in dem Kick leider um nichts mehr. Man spürte das Knistern in der Luft, da die “dicken Fische” der Region selbst gleichzeitig spielten, gesellten sich an diesem Sonntag wahrscheinlich generell weniger Zuschauer am Stankett. Überall hörte man den Ergebnisdienst.

Bückeburg bezwang die Gäste mit einem lockeren 6:0 Sieg. Wir drücken definitiv die Daumen, eventuell kommt es mal wieder zum Aufeinandertreffen mit dem OSV Hannover in der Landesliga. Den Aufstieg wünschen wir dem Verein im nächsten Jahr.

Das Ende haben wir noch nicht erreicht. Zur perfekten Anstoßzeit um 17:30 Uhr spielte Union Minden im bekannten Weserstadion in Minden. Für viele Leser sicherlich ein bekannter Name, eventuell lässt sich euer Besuch ja ähnlich mit dem VfL Bückeburg kombinieren. (tp)

Viktoria Resse – SV Preußen Sutum – 1:2

“KAMPF UM DEN AUFSTIEG”

15.05.2026
Kreisliga A Gelsenkirchen
Bezirkssportanlage Im Emscherbruch
Zuschauer: ca. 99

GELSENKIRCHEN – Der Brückentag zwischen Himmelfahrt und Wochenende bietet sich durchaus an, um zwischen dem Ausflug nach Brüssel und dem Auswärtsspiel in Leverkusen einen Tag frei zu machen. Das Wetter spielte nicht ganz so mit, die Woche im Mai glich eher einer Woche Anfang März. Temperaturen um die 10 Grad und oft Dauerregen.

Dank Redaktions-Kollegen (cvs), der mir einen Tag vorher diese Ansetzung schickte, machte ich mich auf den Weg in die geliebte Stadt an der Emscher. Als ich zuvor selbst für Freitagabend geschaut hatte, übersah ich entweder die Ansetzung oder diese gab es eben noch nicht. Danke dir! Den obligatorischen Taxi-Teller gab es zuvor im Herner “Olymp Grill“. Freitags für nur 8,50€, ein Top Preis!

Den heutigen Gastgeber sah ich in dieser Saison schon einmal. Auf dem Nebenplatz der SG Eintracht Gelsenkirchen (Bericht im November 2025). Für vier Euro Eintritt erlebt man einen weiteren schicken Ground in der Stadt. Im Kiosk werden Frikadellen, Grillwurst und Warsteiner aus Flaschen verkauft. Schade: Ein lokales Biersortiment würde mir und vielen anderen anwesenden Zuschauern besser gefallen. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, der Spielort holt einiges wieder raus.

Die Gastmannschaft spielt aktuell um den Aufstieg. Als dichter Verfolger von Eintracht Erle behielt man den Abstand von zwei Punkten. In der ersten Halbzeit zeigte der Gast attraktive Spielzüge und es gelangen zwei Tore. Nach der Pause entwickelte sich die Partie zu einem spektakulären und ansehnlichen Spiel. Die Akteure von Viktoria kamen noch einmal heran und verkürzten. Nach kleineren Tumulten verwies der Schiedsrichter noch einen Vereinsangehörigen des Sportplatzes aus. Der Schiedsrichter pfiff die Partie kurz danach ab.

Somit kommt es am Montag (25.05) zum Showdown zwischen dem Tabellenersten und Zweiten. Ein kleiner Tipp von uns, falls jemand diesem wunderschönen Bundesland einen Besuch abstatten möchte. Sollte Sutum gewinnen, gäbe es nochmals einen Wechsel an der Tabellenspitze. Ein spannendes Aufstiegsrennen im ehrlichen Fußball. So soll es sein. (tp)

TSV Lohberg – TSV Dörverden – 1:2

„KREISPOKAL ÜBERALL”

02.05.26
Finale Kreispokal Verden
Sportanlage Bettenbruch
Zuschauer: 350

DAUELSEN – Ostern und die Feiertage in den Wochen darauf sind immer wieder super Gelegenheiten, die ein oder andere Groundperle in Deutschland zu kreuzen. Bei bestem Maiwetter steuerte ich am Tag der Arbeit mit den Kollegen (ms) und (nw) zunächst Halle an, wo im Stadion am Zoo um 11.00 der Ball im Finale der Reserven rollte. Entspannt ging es von dort nach Thüringen, wo die SG Traktor Teichel in einem dramatischen Finale den FSV Gräfinau-Angstedt im Weimarer Kreispokal bezwang. Locker 500 Zuschauer sorgten für einen schönen Rahmen und auch das ist ein Grund, diese Endspiele zu besuchen. Übrigens werden die Nebenplätze des Wimaria-Stadions aktuell auf Kunstrasen umgebaut und das dürfte die Zahl der Ansetzungen im Stadion vermutlich verringern.

Am Samstag standen erneut zwei Spiele auf dem Programm. Erst ging es hoch an die Förde zum eigenen Verein, der gegen die Eintracht aus Braunschweig antrat. Die meisten Fans hielten sich an das Spieltagsmotto “Alle in Weiß” und auch die Mannschaft lieferte ab. Mit dem 2:0 wurde der Durchmarsch nach unten in die 3. Liga vermieden. Danke Jungs!

Doch viel Zeit zum Feiern blieb für mich nicht. Schließlich hatte ich meinem Kumpel versprochen, zum Kreispokalfinale (da ist es wieder!) in Verden am Start zu sein. Dank einer pünktlichen Bahn nach Schwechheim und freier Fahrt auf der Autobahn erreichte ich pünktlich den Verdener Norden. Zu Gast war auch (ba), ein treuer Leser des Landboten. Grüße gehen raus!

Das Endspiel zwischen dem TSV Lohberg und TSV Dörverden wurde auf der Anlage vom TSV Dauelsen ausgetragen. Die ist im Prinzip eine Wiese mit drei Plätzen, aber zum Kick des Tages standen etwa 350 Zuschauer um das Flatterband herum und es war einiges los. An dieser Stelle ein großes Lob für die gute Organisation mit Parkplatzeinweisern und einer reibungslosen Versorgung an den Buden. Amateurfußball, wie wir ihn lieben!

Im Vorspiel gewann die Zweite von Lohberg den Kreis-Cup, was ein gutes Omen sein sollte. Angefeuert vom Seitenrand gingen die Jungs aus Luttum in der ersten Halbzeit gegen die favorisierten Dörverdener tatsächlich in Führung. Nach dem letzten Pokalsieg 2022 und der Niederlage im vergangenen Jahr schien der Pott wieder zum Greifen nah. Doch der Tabellenführer der Kreisliga Verden glich nach einer Stunde aus und drehte zehn Minuten später per Elfmeter sogar die Partie. Lange Gesichter bei meinem Kumpel und den Fans von Lohberg. Es war klar, dass es nun schwer werden würde.

In der 75. Minute verwehrte der Schiedsrichter den Schwarz-Gelben einen Strafstoß. Schade, vielleicht wäre es dann ins Elfmeterschießen gegangen. So brachte Dörverden den Sieg über die Zeit und wir philosophierten bei dem ein oder anderen Bier noch über die Vorzüge des Dorffußballs. Und wer an Himmelfahrt und Pfingsten noch nichts vor hat: haltet nach den Endspielen im Kreispokal Ausschau. Es lohnt sich! (hr)

1.FC Nürnberg – FC Schalke 04 – 3:0

„TAXITELLER OHNE GYROS“

09.05.2026

2. Bundesliga
Max-Morlock-Stadion
Zuschauer: 47.000

    NÜRNBERG – Die Freundschaft rief am Samstag in Nürnberg und an die 50.000 Besucher strömten bei bestem Wetter ins einstige Frankenstadion. Nach der Pflicht in 32 Zweitliga-Spielen und dem bereits feststehenden Meistertitel, rief bei Schalke unter der Woche jedoch erstmal die Kür: Ibiza! „Mit einer bisschen Alkohol in den Beinen“ trat der Champion laut Alt-Star Edin Džeko die Reise ins Frankenland an. Der „Club“ mit Miroslav Klose an der Seitenlinie hat eine unspektakulär Saison hinter sich und platziert sich in der Tabelle jenseits von Gut und Böse.

    Die Anhänger der „Knappen“ folgten dem Team scharenweise, wenn auch eher aus Buer oder Bismark und nicht aus Spanien startend. Fast die Hälfte der Arena färbte sich blau und es war gar nicht so einfach im Vorfeld ein Ticket für die Partie zu ergattern. Die Fan-Freundschaft existiert bereits seit den frühen 1980er-Jahren. Oft liest man im Internet, dass Schalke der Bundesliga-Klassenerhalt am letzten Spieltag im Frankenstadion gelang und Fans beider Lager gemeinsam feierten. Aus der Redaktion war zu diesem Zeitpunkt zwar noch niemand geboren, aber so ein Spiel am letzten Spieltag um das Jahr 1980 herum hat es nie gegeben.

    Wie dem auch sei – die Verbundenheit zwischen Nürnberg und Schalke ist nicht zu übersehen. Das Spiel startete mit einer „Halb-Stadion-Choreo“. Glücklicherweise besaß ich ein Ticket für die Haupttribüne und konnte die Choreo in der ganzen Pracht sehen. Mittels Ponchos und Farbtafeln erschufen die Zuschauer neben den Vereinsnamen sogar die Stadtwappen von Nürnberg und Gelsenkirchen. Das sah gut aus! Die Choreo war allerdings schon das große Highlight des Spiels.

    Während aus dem Schalke-Block keine einzige (!) Aktion zum Aufstieg gezeigt wurde und auch niemand in den 90 Minuten eine Fackel anriss oder sonst wie Schwarzpulver zum Leuchten brachte, waren die Nürnberger ein bisschen mehr auf Zack. Zu Beginn feierte der „Club“ die Regionalliga-Meisterschaft der zweiten Mannschaft. Im Laufe der 90 Minute brannte es immer mal wieder in der Kurve und Botschaften wie „Bundesliga ohne Schalke ist wie Taxiteller ohne Gyros“ wurden entrollt. Trotzdem konnte man am Ende über den Hinweis: „Bitte den Platz nach dem Abpfiff nicht zu stürmen“ nur müde lächeln.

    Auf dem Feld kassierten 11 lahme Schalker 5 Dinger von Nürnberg, wobei zwei Tore von Mohamed Zoma zurückgepfiffen wurden. Der Neuzugang aus Italien erzielte dann das reguläre 3:0 und die Freude war ihm sichtlich anzumerken. Sehr viel passierte danach nicht mehr, die restliche Spielzeit wurde damit verbracht ein paar Legenden beider Vereine auf den VIP-Plätzen nebenan zu beobachten. Zum Beispiel: Frank Baumann oder Youri Mulder. Am letzten Spieltag reist mit Braunschweig ein Team mit „ganz anderen Sorgen“ nach Gelsenkirchen in die Arena. Bis dahin sollte Schalke wieder Taxiteller mit Gyros im Angebot haben – sonst macht man sich keine neuen Freunde. (mm)

    FC Eintracht Northeim – 1. SC Göttingen 05 – 0:3

    „AUF DEN TAG GENAU VOR 15 JAHREN…“

    08.05.2026
    Landesliga Niedersachsen
    Gustav-Wegner-Stadion
    Zuschauer: 480

    NORTHEIM – Meine erste und einzige Begegnung mit dem FC Eintracht Northeim lag auf den Tag genau 15 Jahre zurück. Am legendären „Wilschenbruch“ in Lüneburg wurde als Junior-Hopper eine Partie mit Beteiligung der Süd-Niedersachsen geschaut. Acht Jahre später stand genau diese Begegnung dann wieder im Fokus: Northeim traf in der Regionalliga-Relegation als Oberliga-Zweiter auf den LSK. Lüneburg entschied das Play-Off mit einem Sieg in Hin- und Rückspiel für sich.

    Seit diesem verlorenen Play-Off lief es nicht mehr gut für Northeim. 2022 stieg die Eintracht aus der Oberliga ab. Aktuell schlittert der Verein Richtung Bezirksliga. Bedingt durch die Situation in der Oberliga, könnte es am Ende bis zu sechs Absteiger in der Landesliga-Staffel geben. Seit geraumer Zeit war auch das Gustav-Wegner-Stadion von meinem Radar verschwunden. Der Termin gegen Göttingen um 18:30 Uhr passte nun gut in den Kram. Mit dem Deutschland-Ticket in der Tasche, wollte ich am Freitag Richtung Nürnberg aufbrechen und ein Spiel- und Übernachtungsstop in der Mitte Deutschlands bot sich an.

    Bereits in Schwechheim gab es Probleme mit dem einstigen Staatsunternehmen auf der Schiene. Aktuell gibt es wegen Baustellen keine direkten Regionalzüge nach Hannover. Erst ab Buchholz/Nordheide rollt die Bimmelbahn in die Welfen-Metropole. Der Zug nach Buchholz fiel einfach mal aus. Mit dem Auto die 40km in die Nordheide? Klar, aber dafür brauchst du anderthalb Stunden am Freitag-Mittag. Wahnsinn, das Sommerhalbjahr ist angebrochen und irgendwie hat sich die Bevölkerungszahl auf den Straßen und der Schiene über Nacht verdoppelt.

    Es half nichts, der zweite Bahnplan musste sitzen. Tat er auch, doch der Zug von Hannover Richtung Göttingen baute unterwegs natürlich die nächste Verspätung auf. Kurz vor Northeim war klar: Pünktlich zum Anpfiff geht’s nur mit Taxi oder flotten Beinen. Dann aber aus dem Nichts folgende Anekdote: Ein Mitt-Fünfziger zieht sein Handy aus der Tasche und bestellt ein Taxi zum Gustav-Wegner-Stadion! Unterwegs stieg noch ein Kamerad in den Wagen ein und auch ein Lindener aus dem Zug schloss sich uns an. Wo ich herkomme, wollte der Taxi-Rufer wissen. Klar, Schwechheim kenne er, weil er dort mal in die „Entzugsklinik“ eingewiesen werden sollte und macht dabei eine Trinkergeste. Was er für die Taxifahrt wolle? „Gib mir ein Bier aus…“.

    Und plötzlich war der Bahnstress vergessen. Vor dem Eingang bildete sich schon eine nette Schlange und als wir den sehr charmanten Ground betraten, reichte die Zeit sogar noch für eine Runde Bier. Anschließend wurde die erste Halbzeit ohne jede weitere Aktivität auf der Gegengerade verfolgt, die auch von einer schönen Schicht Patina überzogen ist. Ich liebe diese Grounds, die über Jahrzehnte einfach immer nur „besenrein“ erhalten blieben. In Northeim steht so eine Anlage. Alles ist in Würde gealtert und in einem perfekt-nostalgischen Zustand, ohne dabei unbenutzbar zu wirken. Die Holztribüne mit den runden Balken ist wirklich sehr heimelig.

    Göttingen ging mit einem schönen Schuss früh in Führung und ließ den Gegner danach kommen. Bei Northeim viele „Leichtmatrosen“ in der Offensive. Es war klar, dass es schwer werden würde ein Tor gegen die ambitionierten Göttinger zu erzielen. In der zweiten Halbzeit wurde sich dann auf eben jener Holztribüne platziert, das Spiel mit dem Taxi-Mann verquatscht und die etwa 40 bis 50 Göttinger Auswärtsfans aus nächster Nähe betrachtet. Der ehemalige Zweitligist traf noch zwei Mal sehenswert ins Netz. Northeim war weit entfernt vom Anschlusstreffer, dafür rückt die Bezirksliga immer näher. (mm)

    TuS Schwarz-Weiß Bismark – SV Stahl Thale – 3:0

    „ABENTEUER ALTMARK“

    06.04.2026
    Landesliga Nord/Sachsen-Anhalt
    Werner-Seelenbinder-Stadion
    Zuschauer: 87

    BISMARK – Um die gemütlichen Osterfeiertage in Ostdeutschland etwas aufzupeppen, heckte ich mir einen ganz kruden Plan aus: Wenn schon mal ein Zweirad im Kofferraum des Familien-Bombers liegt, warum nicht eine kombinierte Auto-Fahrrad-Tour über die Elbe nach Sachsen-Anhalt unternehmen? Hinter dem Fluss fängt die Altmark an, eine Region die in Westdeutschland sicher immer noch für große Fragezeichen sorgt. Mit Stendal und Gardelegen wurden 2018 und 2025 zwei der größten Orte in der Altmark fußballerisch besucht – ansonsten viele weiße Flecken auf der Landkarte.

    Neben Sonnenschein kündigte sich für die Osterfeiertage auch ganz pünktlich ein orkanartiger Wind an. Wer auch immer das Wetter in Norddeutschland organisiert: Setzen, Sechs! Da ich ja mit dem Auto unterwegs war, hätte ich einfach nach Bismark durchfahren können. Aber, nein, es wurde eisern an der Fahrrad-Nummer festgehalten und die rund 30km von Osterburg nach Bismark auf dem Sattel absolviert. Der Wind war dabei ziemlich nervig, aber nicht mal das größte Problem. An dieser Stelle ein Lifehack: Wenn ihr mit Fahrrad und Google Maps unterwegs seid, checkt die Route ganz genau. Google sucht euch den kürzesten Weg heraus, aber beachtet dabei kein Kopfsteinpflaster, keine Wald- und Wiesenwege, keinen Treibsand und sonstige fahrradfeindliche Untergründe. Selbst Steigungen werden nur unzureichend gewürdigt.

    Ich wollte ein Altmark-Abenteuer, ich bekam eins. Fernab jeglicher Zivilisation ging es durch Windradparks und menschenleere Wirtschaftswege Richtung Bismark. Die 17 Minuten Puffer büßte ich komplett ein. Als ich das Ortseingangsschild der Kleinstadt passierte, wurde mir immer noch 14:01 Uhr als Ankunftszeit angezeigt. Tatsächlich erreichte ich das urige Waldstadion „Werner Seelenbinder“ um 13:59 Uhr – 1 Minute vor dem Anpfiff. In der Stadt ging es bergab und den Rest erledigten die durchtrainierten Schwechheimer Wadln.

    Wieder mal pünktlich zum Fußball geschafft, der Preis dafür war ein paar Tage später eine Erkältung. Aber jetzt war ich erstmal angekommen am Ziel – und das lohnt sich. Wer hat das Waldstadion in Bismark auf dem Zettel? Vor Ort gab es keine Futbology-Check-ins zu verzeichnen, aber viele urige Details zu entdecken: Ein „Olympisches Feuer“, der kultige Eingang und natürlich die ausgebaute Seite entschädigten für den Langstreckensprint bei Gegenwind. Stilecht für Sachsen-Anhalt wird im Vereinsheim Bockwurst serviert. Die schmeckte so gut, dass es eine zweite gab. Ein Novum. Zwei Bockwürste als Gütesiegel für die Sportplatzverpflegung, das dürfte an dieser Stelle keine offenen Fragen hinterlassen.

    Zu Gast in Bismark: Kein Geringerer als der SV Stahl Thale. In den 1950er-Jahren DDR-Oberligist und an diesem Montag mit genau 9 Leuten aus dem Südharz angereist. Die Realität heißt mittlerweile: Abstiegskampf in der 7. Liga und dafür müssen die Anhänger über zwei Stunden pro Strecke ins Auto steigen. Es blieb bei einer Zaunfahne und Kommentaren in Zimmerlautstärke. Vielleicht hatten sie das Unglück ja auch schon geahnt. Beim Heimteam lief der Ball besser und in der Box kam Thale kaum mal zur Geltung. Am Ende fuhren die ebenfalls abstiegsbedrohten Bismarker einen verdienten 3:0-Sieg ein. Bei den Schwarz-Weißen war auf der Waldseite übrigens eine Junior-Ultragruppe unterwegs, die ihren ersten Auftritt auf die Bretter legte, wie der Instagram-Page der Jungs zu entnehmen ist. Viel Glück möchte man den Beteiligten auf beiden Seiten wünschen!

    Zurück nach Osterburg ging es dann über die gut ausgebaute Landstraße auf der Autoroute, welche nur Vorteile mit sich brachte und deutlich weniger Zeit in Anspruch nahm. Endlich radelte ich entspannt durch diverse Altmark-Dörfer mit ihren Natursteinkirchen, Storchennestern, Lost Grounds und den letzten architektonischen Überbleibseln der DDR. Zuvor wurde auch Bismark mit dem Wahrzeichen „Goldene Laus“ nochmal abgeklappert. Die ganze Stadt ist eine Zeitkapsel und trotzdem hat alles vor Ort seine Ordnung. Es hat sich mal wieder ein weiteres Fragezeichen über Deutschland in Luft aufgelöst. Auf der Rückfahrt hatte sich der Wind auch merklich zurückgezogen und ich fuhr die komplette Strecke offline und nur nach Schildern. Warum nicht immer so? (mm)

    SCW Obermain – SpVgg Obersdorf (1:0)

    Hereingetanzt in den Mai und herzlich willkommen zu unserer BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (97)! Wir eröffnen die Mai-Feiertage mit dem Waldstadion in Weismain. Die letzte Party beim SCW liegt allerdings schon eine Weile zurück. Im April 1997, also vor über 29 Jahren, bat der damalige SC Weismain den 1.FC Nürnberg in einem Pflichtspiel der Regionalliga Süd zum Tanz und 17.000 Zuschauer pilgerten in bester Feierlaune in das Waldstadion. Von diesen Scharen an Fans sind heute nur ein paar Dutzend geblieben. Doch das Waldstadion thront immer noch nahezu unverändert und erhaben über der Stadt.

    Mittlerweile ruft die Kreisklasse in dem 5000-Einwohner-Örtchen und auch der Verein von damals schlitterte bereits vor 23 Jahren in die Insolvenz, wurde sogar aufgelöst und schließlich neugegründet. Was geblieben ist: Das wunderbare Waldstadion mit der vielleicht beeindruckendsten Naturtribüne Deutschlands und viele Spuren der Vergangenheit. Nehmt euch ein Herz und besucht ein Heimspiel auf dem neunten Level in der Kreisklasse 2 – ihr werdet es nicht bereuen! Der Ground vom SCW Obermain ist der beste Beweis dafür, dass Fußball mehr als das berühmte 1:0 ist.


    19.04.2026
    Waldstadion Weismain
    SCW Obermain – SpVgg Obersdorf (1:0)

    Hannover 96 – SC Paderborn 07 – 1:1

    “MARTIN KIND – DU TEIL EINER CHOREO”

    18.04.2026

    2. Bundesliga
    Niedersachsenstadion
    Zuschauer: 49.000

      HANNOVER- nach der frustrierenden Derbyniederlage gegen den HSV führte der Weg in die Region Hannover. Dort stand ein ganz besonderes Ereignis an: das Jubiläumsspiel zum 130-jährigen Bestehen von Hannover 96. Die Anstoßzeit um 20:30 Uhr erwies sich dabei einmal mehr als Glücksfall für jeden Groundhopper.

      Bereits gegen 20:10 Uhr erreichte man das Stadion. Das Flutlicht war eingeschaltet, die Atmosphäre elektrisierend – alles wartete gespannt auf die angekündigte große Choreografie.

      Wenig später war es dann soweit: Mit Ausnahme des Gästeblocks verwandelte sich das gesamte Stadion in ein beeindruckendes schwarz-weiß-grünes Fahnenmeer. Vor der West- und Nordtribüne prangten die Worte:

      „Mit all ihren Höhen und Tiefen, ihren Siegen und Niederlagen, ihrem Stolz und ihrem Schmerz“

      sowie

      „Eine Geschichte, die wir tragen, weiterleben und niemals vergessen.“

      Passend zu diesen Zeilen wurde die bewegte Geschichte des Vereins visuell dargestellt. Aufwendig gestaltete Blockfahnen zeigten die bedeutendsten Momente der Vereinschronik.

      Eine zentrale Fahne trug die Aufschrift:
      „130 Jahre Hannoverscher Sportverein.“

      Erinnert wurde unter anderem an die deutschen Meisterschaften von 1938 und 1954 sowie an das Jahr 1992, als Hannover 96 als Zweitligist sensationell den DFB-Pokal nach einem dramatischen Elfmeterschießen gewann.

      Da ich selbst erst 1996 – also genau 100 Jahre nach der Vereinsgründung – geboren wurde, waren mir vor allem die jüngeren Ereignisse besonders präsent. So etwa die Saison 2011/2012, in der Hannover 96 erstmals auf internationaler Bühne auftrat und mit Spielern wie Jan Schlaudraff, Lars Stindl und weiteren Akteuren unvergessliche Europapokalnächte erlebte.

      Doch auch die dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte wurden nicht ausgespart. Besonders bewegend waren die Erinnerungen an das Jahr 2009, als der an Depressionen erkrankte Torwart Robert Enke tragisch verstarb, sowie an den frühen Tod des 19-jährigen Talents Niklas Feierabend, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

      Auch die anhaltenden Machtkämpfe rund um Martin Kind, insbesondere im Zusammenhang mit seiner kritischen Haltung zur 50+1-Regel, fanden in der Choreografie ihren Platz.

      Auf der Osttribüne waren zudem verschiedene historische Vereinswappen zu sehen. Nachdem die Blockfahnen verschwunden waren, erschienen auf der Westkurve das ursprüngliche Gründungslogo von 1896 und auf der Nordtribüne das klassische runde „96“-Emblem – eindrucksvoll dargestellt durch farbige Ponchos über Ober- und Unterrang hinweg.

      Für mich zählt diese Choreografie zu den beeindruckendsten, die ich je in einem Stadion erleben durfte. Der immense Aufwand und die Detailverliebtheit sind kaum in Worte zu fassen. Über ein halbes Jahr Vorbereitung für eine Inszenierung, die nur wenige Minuten andauert – was dahinter steckt, können vermutlich nur die Beteiligten selbst wirklich ermessen.

      Es zeigt eindrucksvoll, welch großer Verein in Hannover beheimatet ist und wie viel er seinen treuen und leidenschaftlichen Fans bedeutet.

      Doch auch im Gästeblock wurde gefeiert: Die Gruppe „Black Blue Fighters“ beging ihr 20-jähriges Jubiläum mit einer eigenen Choreografie aus blauen und schwarzen Fahnen. Zusätzlich wurden sowohl beim Intro als auch im Spielverlauf mehrere Fackeln gezündet.

      Das Spiel selbst, das durchaus sportliche Bedeutung hatte, endete schließlich mit einem 1:1-Unentschieden. Der SC Paderborn bleibt damit auf dem zweiten Tabellenplatz, während Hannover 96 auf Rang vier abrutscht.

      Persönlich hoffe ich, dass am Ende mit Hannover 96 und Schalke 04 zwei Traditionsvereine gemeinsam den Aufstieg in die erste Bundesliga schaffen. Ob dies realistisch ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Die Fans werden ihrem Verein unabhängig von der Liga weiterhin treu zur Seite stehen.

      Auf die nächsten 130 Jahre Hannoverscher Sportverein. (fj)

      TSV Schwaben Augsburg – SV Wacker Burghausen – 1:0

      „DER SCHÖNSTE GROUND BAYERNS“

      18.04.2026
      Regionalliga Bayern
      Rosenaustadion
      Zuschauer: 367

      AUGSBURG – Das Wochenende begann mit einem großen Loch. Und zwar im rechten Vorderreifen des vierrädrigen Gefährts, das uns zu den schönsten Grounds Bayerns bringen sollte.

      Wochen zuvor wurde sich elegant in ein Hansa-PKW zum Rostocker Auswärtsspiel nach Schweinfurt eingebucht. Ob ich mir einen Revisit im Sachs-Stadion am Samstag gönnen wollte, ließ ich bis zum Schluss offen. Am Freitag der „Schönbusch“ in Aschaffenburg und am Sonntag das „Waldstadion Weismain“, das waren die Gründe für die Mitfahrt.

      Kurz vor Kassel machte es dann „zisch!“ und ich fasse mich kurz: Wir hatten noch Glück im Unglück. Der Reifen verlor seinen Luftdruck gerade als ein Autohof an einer Ausfahrt auftauchte. Im Kofferraum entdeckten wir Dichtmittel und eine mobile Reifenpumpe. Zu guter Letzt gehen Props raus an „Heiko’s Reifenservice“ in Hann. Münden, der die passenden Pneus kurz vor seinem Feierabend nach telefonischer Absprache schon aus dem Lager rollte und auf uns wartete. Selten hat sich eine Werkstatt die positive Google-Bewertung so verdient!

      Trotz anderhalb Stunden Puffer für die Partie in Aschaffenburg konnten wir das Regionalliga-Spiel gegen Aubstadt knicken. Ersatz war mit einem Kreisliga-Derby beim FV Bad Vilbel schnell beschafft. Das war zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber wie gesagt – es hätte uns auch schlimmer treffen können. Doch dank dieser Geschehnisse entschied ich mich am Abend beim Bier in Aschaffenburg für Plan C. Kein Revisit in Schweinfurt und auch das Helmut-Schön-Stadion in Wiesbaden war angesichts der Ereignisse auf der Autobahn am Freitag nicht „gut genug“. Mit dem Deutschland-Ticket ging es nächsten Morgen schließlich Richtung Rosenaustadion, während sich der Rest der Autobesatzung ein 0:0 in Schweinfurt abholte.

      Die Deutsche Bahn war an diesem Samstag-Vormittag verlässlicher als unser tschechisches Automobil am Vortag und konnte selbst eine Umsteigezeit von 6 Minuten in Treuchtlingen einhalten. Bei T-Shirt-Wetter flanierte ich anschließend noch eine Stunde durch das schöne Augsburg, bis schließlich der Regionalliga-Spielort angesteuert wurde. So eine Zeitreise in die 1950er-Jahre hätte ich beim besten Willen nicht erwartet. Das Rosenaustadion spielt in Sachen „Nostalgie“ ganz sicher in der höchsten Liga mit. Einfach cool, diese Holzsitzschalen auf der Haupttribüne und das typische Design dieser Zeit, mit der geschwungenen Linie als Roter Faden. In den Fensterscheiben der Tribüne ist noch die „Erstverglasung“ verbaut und aus den Betonritzen wächst Löwenzahn. Wie schön ein Stadion aussehen kann, wenn man damit kein Geld damit verdienen muss, beweist die Heimat der Augsburger Regionalligisten und steht damit völlig zu Recht seit 2014 unter Denkmalschutz.

      Unter Denkmalschutz würde wohl auch der TSV Schwaben Augsburg in der Regionalliga Bayern gerne stehen. Der Verein wurde 1847 gegründet und steckt mitten im Abstiegskampf. Die Gäste aus Burghausen hätten mit einem Sieg den Klassenverbleib offiziell einfahren können, sind aber praktisch sowieso gerettet. In einer ausgeglichenen Partie mit unkonzentrierten Abwehrreihen, nutzten die Augsburger Schwaben einen Abspielfehler des gegnerischen Teams nach einer halben Stunde zur Führung und schließlich zum Sieg.

      Burghausen hätte nach der Pause ausgleichen können, zielte aber in Person von Ex-HSV-Spieler Tom Sanne jeweils um Zentimeter neben das Tor. Interessant in diesem Zusammenhang auch die Trainerpersonalie bei den Schwaben, wo mit Matthias Ostrzolek ebenfalls ein alter Hamburger auf der Trainerbank sitzt. Übungsleiter in Burghausen übrigens: Lars Bender, Ex-Nationalspieler. Begleitet wurde der ehemalige Zweitligist von einem kleinen, sangesfreudigen Wacker-Mob, bestehend aus vielleicht 40 Mann. Auch auf Seiten der Schwaben gab es etwas Support.

      Wir drücken den Mietern des Rosenaustadions die Daumen. Denn sowohl die Schwaben als auch der FCA II stecken aktuell tief im Abstiegssumpf der Regionalliga fest. Der TSV springt durch den Sieg auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Das 1:0 war vielleicht nicht sehr graziös, aber lebensnotwendig. Fußball im Rosenaustadion ist nur in der Regionalliga Bayern vorgesehen, sollten beide Augsburger Vereine in die Bayernliga relegieren, droht dem Stadion der Status „Lost Ground“. Davon abgesehen, ist in der Sommerpause die Sanierung der Flutlichtmasten geplant und damit einhergehend vermutlich die Demontage der ikonischen Lichtspender.

      Das Derby zwischen der FCA-Reserve und den „Schwabenrittern“ am heutigen Dienstag findet in der Bundesliga-Arena statt. Besser wird’s nicht werden, im Rosenaustadion – für mich seit Samstag der schönste Ground Bayerns. (mm)

      Holstein Kiel – 1.FC Kaiserslautern – 3:0

      “DER FCK BRENNT – ABER KIEL BLEIBT EISKALT“

      17.04.2026
      2.Bundesliga
      Holstein Stadion
      Zuschauer:15.034

      KIEL – Mein zehntes Spiel mit Beteiligung von Holstein Kiel führte mich ins Holstein-Stadion, wo der Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern zu Gast war.

      Ein Freitagabendspiel, das mich sofort reizte – und so sicherte ich mir kurzerhand über den Holstein-Fan H. R. eine Eintrittskarte. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!

      Die Anreise mit der Bahn verlief reibungslos. Bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff befand ich mich im alten Gästeblock des Stadions – jenem Ort, an dem ich mir früher selbst die Stimme heiser geschrien hatte.

      Diesmal betrachtete ich das Spiel mit neutraler Perspektive. Insgeheim drückte ich jedoch den Gästen die Daumen. Fritz Walter, der „Betze brennt“ – mehr Argumente braucht es kaum.

      Gebrannt hat es an diesem Abend allerdings vor allem im Gästeblock: Zum Intro präsentierte sich ein beeindruckendes rot-weißes Fahnenmeer, und der gesamte Block erstrahlte in leuchtendem Rot. Gefühlt bei jedem Liedwechsel wurden neue Fackeln entzündet.

      Doch auch die Anhänger von Holstein Kiel zeigten große Leidenschaft. Beim Einlaufen der Mannschaften erhellte die Westkurve das Stadion mit einem eindrucksvollen Lichterbild. Auf einem Spruchband war zu lesen:
      „WIR FOLGEN DIR WOHIN ES GEHT – AUCH BIS ANS ENDE DIESER WELT.“
      Eine Aussage, die beinahe an ein Nena-Konzert erinnerte – doch die Bühne bildete an diesem Abend die 2. Bundesliga.

      Nach dem wichtigen Auswärtssieg in Düsseldorf trat die „Walter-Elf“ mit großem Selbstbewusstsein auf. Bereits in der 16. Minute erzielte Tohumcu mit einem sehenswerten Treffer die Führung. Die Gäste hingegen präsentierten sich über die gesamte Spielzeit hinweg schwach und fanden kaum ins Spiel. Innerhalb von nur vier Minuten erhöhten Harres (36.) und Zec (40.) und entschieden die Partie frühzeitig. Der 3:0-Halbzeitstand war hochverdient und wirkte am Ende sogar noch schmeichelhaft für die Gäste.

      Dennoch verdienen die Fans aus Kaiserslautern größten Respekt: An einem Freitagabend rund 1400 Kilometer in den Norden zu reisen – für ein Spiel, das sportlich kaum noch Bedeutung hatte –, eine deutliche Niederlage hinzunehmen und dennoch ununterbrochen zu unterstützen, zeugt von außergewöhnlicher Leidenschaft und Qualität.

      Auch inhaltlich setzten die Fans ein starkes Zeichen: Anhänger beider Vereine protestierten gemeinsam mit Spruchbannern gegen das Polizeigesetz in Schleswig-Holstein sowie gegen die Anstoßzeit am Freitagabend. Im Gästeblock wurden zudem kritische Botschaften zu Print@home-Tickets und zur Berliner Polizei präsentiert.

      Insgesamt bleibt dieser Spieltag als gelungener Ausflug in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein in Erinnerung. (fj)

      TSG 1899 Hoffenheim – VFL Osnabrück – 0:1

      “AMATEURTEAMS RAUS AUS LIGA 3!”

      22.02.2026
      3.Liga
      Dietmar- Hopp Stadion
      Zuschauer:1.666

      SINSHEIM – Es ist der 16.09.2007. Die TSG 1899 Hoffenheim empfängt am fünften Spieltag der Zweitliga-Saison 2007/2008 den VfL Osnabrück im Dietmar-Hopp-Stadion.

      Die damaligen Spieler Demba Ba, Carlos Eduardo und Copado zaubern auf dem Platz und schlagen die Osnabrücker mit 3:1. Am Ende der Saison gelingt der TSG tatsächlich der Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga.

      Einen sehr großen Anteil an diesem Erfolg hatte Investor Dietmar Hopp, der durch seine finanzielle Unterstützung die TSG innerhalb weniger Jahre von der Kreisliga auf die Bundesliga-Landkarte setzte. Eine Entwicklung, die bundesweit für viel Kritik sorgte. Der Vorwurf: Die TSG habe sich den Weg in die höchste Spielklasse „erkauft“, während es für Traditionsvereine mit deutlich größeren Anstrengungen verbunden ist aufzusteigen – und andere Klubs die große Bühne sogar ganz verlassen mussten. Als Beispiel wird häufig TuS Koblenz genannt. Damals nach dem letzten Spieltag noch Zehnter der zweiten Liga, spielt der Verein heute nur noch in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

      Auch der VfL Osnabrück spielt aktuell eine Liga tiefer als damals und musste erneut die Reise in das kleine Stadion antreten. Gegen die Hoffenheimer Amateure ging man im Drittligaspiel dennoch als Favorit ins Rennen. Nach zuletzt fünf Siegen in Folge grüßen die Lila-Weißen von der Tabellenspitze und gelten als heißer Anwärter auf den Zweitliga-Aufstieg.

      Was jedoch nie abgestiegen ist, sind die Fans des VfL. Sie lieferten einen wirklich starken Auftritt ab. Bereits vor dem Anpfiff wurde eine Fahne mit der Aufschrift „Amateurteams raus aus Liga 3“ aufgehängt.

      Zum Intro gab es anschließend große lila-weiße Schwenker. Mit mehreren Doppelhaltern präsentierte man den Vereinsnamen „VfL Osnabrück“, dazu zweimal zwei Fußballer-Motive sowie zweimal das Vereinswappen. Die Mob hatte sichtlich Bock, und die Gesänge – inklusive der „Scheiß-Hopp“-Rufe – dürften bis zum Wohnsitz des sechsfachen Milliardärs und SAP-Mitbegründers zu hören gewesen sein.

      Sportlich endete die Partie mit einem 0:1-Auswärtssieg für den lila-weißen Traditionsverein. Den entscheidenden Treffer erzielte Kopacz bereits nach zehn Minuten.

      Für den weiteren Saisonverlauf wünsche ich dem VfL alles Gute. (fj)

      SpVgg Landshut – TSV Kareth-Lappersdorf (1:1)

      Endlich befinden wir uns im Frühjahr und die Zeit nach Ostern ist in Deutschland vielleicht die beste Zeit zum Fußballgucken. Wenn das Wetter mitspielt und die entscheidenden Spieltage anstehen, gibt es Auswahl in Hülle und Fülle.

      Ihr seid irgendwo in Bayern und wisst nicht so recht ob es nach München oder ins Fränkische gehen soll? Dann checkt doch mal Landshut in Niederbayern ab. Dort steht mit dem „Hammerbachstadion“ unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (94). An dem Spielort wurde von 1975 bis 1984 fast zehn Jahre bis zur endgültigen Fertigstellung gebaut. Heute bietet diese Landesliga-Perle genau Platz für 8.150 Zuschauer. Abgesehen von der großen Tribüne, stechen vor allem die Flutlichtquader ins Auge.

      Neben einer kleinen, politisch angehauchten Fanszene, wird man bei der heimischen SpVgg Landshut demnächst wohl auch Bayernliga-Fußball bestaunen können. Denn die Fußballer aus der „Dreihelmenstadt“ sind aktuell unangefochtener Spitzenreiter der Landesliga Mitte und klar auf Aufstiegskurs.


      04.08.2024
      Hammerbachstadion
      SpVgg Landshut – TSV Kareth-Lappersdorf (1:1)

      SC Fortuna Köln – Bonner SC – 4:1

      SC Fortuna Köln – Bonner SC – 4:1

      „ROAD TO DFB-POKAL – DER KÖLNER WEG“

      01.04.2026
      Landespokal Mittelrhein
      Südstadion
      Zuschauer: 4.994

      KÖLN — Am Tag zuvor hatte ich einen schönen Tag in Luxemburg und fuhr am besagten 1.4. fast pünktlich mit dem Regionalzug von Trier nach Köln. Dies war kein Aprilscherz, sondern Realität. In Köln verbrachte ich den Nachmittag im Coworking Space und kurbelte die deutsche Wirtschaft an. Vor Ort konnte ich nach Dienstschluss auch meinen Rucksack abgeben und fuhr anschließend zum Südstadion. Auf dem Weg dorthin stieg ich zu früh aus, da laut Anzeige die Haltestelle gesperrt war. Das war jedoch nicht der Fall, und somit lief ich 20 Minuten zu Fuß zum Stadion und noch einmal 17 Minuten drum herum, da mich Maps zum Gästeblock schickte. Die Bahnstation ist eigentlich direkt vor dem Stadioneingang. Wie auch immer, das passiert den Besten und ich hatte noch genügend Zeit.

      Im Vorfeld besorgte ich mir eine Stehplatzkarte für die Längsseite und bemerkte beim Eingang, dass dies die absolut falsche Entscheidung war, da dort die Ultras stehen und die Sicht auf das komplette Geschehen eher mittelmäßig ist. Dank eines netten Ordners durfte ich jedoch in die abgesperrte Kurve und genoss das Treiben von dort aus.

      Und das hatte es in sich, denn die Gästefans begrüßten sich selbst mit einem Fackelintro, das bei der Helligkeit optisch allerdings noch nicht so wirkte wie 45 Minuten später. Auf dem Platz spielte in der ersten Hälfte nur eine Mannschaft, nämlich Fortuna. Folgerichtig ging man auch mit 1:0 in Führung. Die zweite Hälfte lief nicht lange, da musste das Spiel bereits unterbrochen werden, weil die Fortuna-Ultras ihrerseits einige Brennkörper entzündeten, wodurch eine starke Rauchwolke über das Spielfeld zog.
      Nach der Unterbrechung kam Bonn besser ins Spiel und erzielte in der 78. Minute den Ausgleich. Ich sah mich schon in der Verlängerung, doch die Fortuna erzielte vier Minuten später erneut die Führung. Kurz darauf musste ein Bonner nach einer Notbremse vom Platz, und der Gastgeber machte schließlich den Deckel drauf. Nach 101 Minuten war Schluss und im Finale kommt es nun zum Kölner Duell zwischen Viktoria und Fortuna im Sportpark Höhenberg.

      Für mich ging es schnell aus dem schönen Südstadion zurück zum Coworking Space und anschließend zum Kölner Airport. Dort holte mich das grüne Hotel um 23.35 Uhr ab und brachte mich mit einer Verspätung von rund 40 Minuten, aufgrund einer kurzfristigen Tankpause einen Kilometer vor dem Ziel, nach Hause. Für die Fortuna geht es in der Liga weiter um den Aufstieg, der sehr wahrscheinlich gelingen wird. Wir drücken für den weiteren Weg die Daumen und ich bedanke mich für das schöne Spiel zum Wochenteiler vor einer tollen Kulisse. (mb)

      FC Rot- Weiß Erfurt – FC Carl- Zeiss Jena – 7:9 n.E

      FC Rot- Weiß Erfurt – FC Carl- Zeiss Jena – 7:9 n.E

      “DERBY OHNE GNADE“

      29.03.2026
      Landespokal Thüringen
      Steigerwaldstadion
      Zuschauer: 15.040

      ERFURT – Fast sechs Jahre sind vergangen, seit ich zuletzt das Steigerwaldstadion in Erfurt betreten habe. Die Erinnerung daran ist wenig glanzvoll: ein Oberliga-Spiel gegen Inter Leipzig, ausgetragen unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie, vor spärlicher Kulisse und ohne echte Atmosphäre.

      Umso größer war nun die Vorfreude, dieses traditionsreiche Stadion endlich unter würdigen Bedingungen zu erleben. Pünktlich zum Verkaufsstart sicherte ich mir daher eine Karte für das Thüringen-Derby gegen Jena. Nur kurze Zeit später vermeldete der FC Rot-Weiß Erfurt: ausverkauft.

      Meine bisherigen Derby-Erfahrungen beschränkten sich auf das Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena, wo die Gastgeber 2024 im Landespokal mit 1:0 die Oberhand behielten. Dieses Mal sollte also die Perspektive wechseln.

      Nach einem Wochenende in Tschechien mit meinen Redaktionskollegen MM und HR trennten sich unsere Wege am Sonntagvormittag nach dem Spiel beim FC Erfurt Nord. Glücklicherweise traf ich vor Ort auf eine bekannte Hamburger Hopper-Legende, die mich kurzerhand bis direkt vor das Stadion mitnahm.

      Vor dem Einlass ging eine kleine Spende an die Jugendkasse – als nette Geste gab es zwei FC RWE-Bierdeckel zurück. Auf meinem Platz angekommen, bot sich bereits ein eindrucksvolles Bild: Der Gästeblock füllte sich zunehmend mit einheitlich in Blau gekleideten Anhängern von Carl Zeiss Jena.
      Erste Sprechchöre und Gesten des gegenseitigen Respekts ließen die besondere Brisanz dieses Duells erahnen.

      Zum Spielbeginn setzen die Erfurter Fans ein klares Zeichen: Unter dem Motto „OHNE GNADE“ wurde eine aufwändig inszenierte Choreografie präsentiert. Zentralfigur war ein vermummter Fan, der einen Clownkopf mit Horda-Azzuro-Mütze sowie einen Jena-Schal präsentierte. Roter Rauch untermalte die Szenerie eindrucksvoll. Wenig später folgte die Präsentation zahlreicher erbeuteter Fanartikel der Gäste.

      Die Jenaer Anhänger antworteten mit einer schlichten, aber wirkungsvollen „FORZA“-Choreografie.

      Der Anpfiff verzögerte sich zunächst um rund 15 Minuten, da mehrere Zugänge im Gästeblock blockiert waren.

      Dann aber konnte das Spiel endlich beginnen – und entwickelte sich sofort zu einem wahren Spektakel. Bereits in der ersten Halbzeit fielen fünf Tore, mit dem besseren Ende für die Gäste, die mit einer 3:2-Führung in die Pause gingen. Die Chancenverwertung auf beiden Seiten war bemerkenswert effizient.

      Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie intensiv. Der Gästeblock setzte mit einer eindrucksvollen Pyroshow, begleitet von dichtem blauem Rauch und einer großflächigen Blockfahne, ein weiteres optisches Highlight.

      Sportlich blieb es ebenso turbulent: In der 81. Minute gelang Erfurt erstmals die Führung, doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Nicolas Wähling traf kurz vor Schluss per Freistoß zum Ausgleich und rettete Jena in die Verlängerung.
      Dort setzte sich das verrückte Spiel fort. Zunächst profitierte Jena von einem Eigentor der Gastgeber, doch wenig später unterlief auch Wähling ein folgenschwerer Fehler – Eigentor, Ausgleich. Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen.

      Hier behielten die Gäste die Nerven: Während Erfurt nur zweimal traf, verwandelte Jena vier seiner Versuche sicher. Der verdiente Lohn: der Einzug ins Finale.

      Nach dem Abpfiff kannte der Jubel keine Grenzen. Spieler und Fans feierten gemeinsam einen emotionalen Derbysieg, der diesem intensiven Spiel einen würdigen Abschluss verlieh.

      Weniger erfreulich verlief hingegen die Heimreise: Aufgrund eines Personenunfalls auf der Strecke zwischen Erfurt und Göttingen kam es zu erheblichen Verzögerungen. Zwei Stunden Wartezeit im Zug, gefolgt von einem langsamen Schienenersatzverkehr, der nahezu jeden Ort ansteuerte, machten die Rückfahrt zur Geduldsprobe.

      Immerhin: Die aufgehobene Zugbindung ermöglichte flexible Alternativen. Dennoch bleibt einmal mehr die Erkenntnis, dass Bahnreisen in Deutschland selten reibungslos verlaufen.(fj)

      SG BSG Kali Werra Tiefenort – SG Empor Kloster – 5:0

      SG BSG Kali Werra Tiefenort – SG Empor Kloster – 5:0

      „GESAMTKUNSTWERK KAFFEETÄLCHEN“

      29.03.2026
      Kreisliga Westthüringen/Staffel II
      Waldstadion Kaffeetälchen
      Zuschauer: 240

      BAD SALZUNGEN – Statt 7:9-Derby-Spektakel im Steigerwald hieß es für 75% der „Reisegruppe Thüringen“ am Sonntag: Waldstadion Kaffeetälchen! Die Spielstätte in der Kreisliga Westthüringen/Staffel II wurde für dieses Wochenende zum Zielspiel auserkoren. Etwas irre, wenn man nur auf das sportliche Niveau schaut, aber absolut erklärbar, sobald das Kaffeetälchen seinen Vorhang öffnet!

      „Groundhoppers Dream“ in dem Ortsteil der Stadt Bad Salzungen, denn das kultige, kleine Stadion der Tiefenorter fliegt seit gut einem Jahrzehnt durch den medialen Fußball-Kosmos und ist bei Fußball-Touristen auf dem ganzen Kontinent in aller Munde. Vollkommen zu Recht, der Spielort im Wald strahlt nicht nur Fußball-Romantik vom Feinsten aus, sondern bekommt auch noch den Stempel „unique“ verpasst. Gerade die Stufen in der Kurve lassen das Herz höherschlagen. Erst wenn man oben am höchsten Punkt steht, entfaltet das Panorama seine volle Wirkung.

      Der erste Blick am Eingang kann das Feeling noch nicht ganz transportieren. Die Aufmerksamkeit für das Waldstadion ist Fluch und Segen zugleich. Denn plötzlich ist in der zentralen Stadt des Wartburg-Kreises Geld für Neuerungen bei der BSG vorhanden. Der Kelch „Kunstrasen“ ist an der Spielstätte nochmal vorübergangen. Für alle weiteren Maßnahmen, die da folgen mögen, wurde bereits eine „Baustraße“ an der Gegentribüne fertiggestellt, die zeigt, wie moderne „Spundwände“ aus Fertigbeton den nostalgischen Eindruck sprengen könnten.

      Zum Glück reden wir hier noch im Konjunktiv. Denn bis auf die Zuwegung zum Stadion, hat sich bis heute der Zahn der Zeit im Kaffeetälchen durchgesetzt. In der Kurve oben angekommen, schleicht sich eher die Befürchtung ein, dass irgendein Landrat oder eine Bezirksregierung diese steilen, schiefen Ränge vielleicht bald mal sperren könnte. Nehmen wir diese Gedankenspiele lieber schnell wieder mit nach Schwechheim und widmen uns dem Spieltagsgeschehen. Rund 250 Zuschauer waren an diesem Sonntag-Nachmittag ins Kaffeetälchen geströmt, davon sicher 10% Groundhopper aus allen Teilen Deutschlands. Die 3€ Eintritt werden mit einer sehr schönen Eintrittskarte belohnt und auch sonst gibt es ein paar nette Souvenirs an den Verkaufsständen zu erwerben. Der „Roster“ vom Grill kann auf ganzer Linie überzeugen und macht dem Bundesland alle Ehre.

      Auch ein paar Dutzend Gästefans und vier Zaunfahnen hatten sich auf der Gegengerade eingefunden. Die SG Empor Kloster stammt ebenfalls aus einem Ortsteil der Kreisstadt Bad Salzungen. Im Kaffeetälchen stand also ein waschechtes Derby auf dem Programm. Der ehemalige DDR-Ligist traf auf den Tabellenletzten aus Kloster. Das Spiel lief von Beginn an nur in eine Richtung. Die spielerischen Darbietungen von Kali Werra waren von „hoch droben“ aus der Kurve wirklich schön anzusehen. Der Jubel auf den Rängen und der euphorische Stadionsprecher trugen ihren Teil zu einem mehr als gelungenen Nachmittag bei. Spätestens nach einem Platzverweis für den Kloster-Keeper war der Drops gelutscht und immer wieder konterte sich Tiefenort mit schnellen Stafetten vor das Tor, so dass das Endergebnis am Ende kein Zufall war.

      Kein Zufall ist letztlich auch das „Gesamtkunstwerk Kaffeetälchen“, das auf ganzer Linie überzeugt. Nicht zuletzt die Groundhopper-Community mit ihren ständigen Besuchen und der medialen Aufmerksamkeit hat dafür gesorgt, dass das Stadion mittlerweile wie ein Denkmal gepflegt und erhalten wird. Besonderen Dank gebührt in diesem Zusammenhang natürlich Jonas Schulte, der diesen Sehnsuchtsort einst „wachküsste“, wie es Christoph Biermann in der Zeitschrift „11 Freunde“ beschrieb.

      Dieser Zustand hält nachwievor an. Das Märchen vom Froschkönig passt ganz gut in das verwunschene Kaffeetälchen. (mm)

      FC Kilia Kiel – TuS Rotenhof – 4:1

      FC Kilia Kiel – TuS Rotenhof – 4:1

      „VON DER GOLDMARK BIS ZUM EURO“

      18.03.2026
      Oberliga Schleswig-Holstein
      Kilia-Platz
      Zuschauer: 230

      KIEL – Den horrenden Ölpreisen zum Dank, entschied ich mich letzte Woche am Mittwoch für einen Revisit mit der Bahn. Mit der RE83 sollte es von Schwechheim nach Kiel gehen. Die Fahrt quer durch die „Holsteinische Schweiz“ hätte im linearen Fernsehen der 90er-Jahre in der Sendung „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ sicher ihren Platz gefunden. Noch dazu liefert die DB meistens pünktlich ab, weil keine chronisch unzuverlässigen Fernzüge diese Nebenstrecke blockieren.

      Aber weg vom Trainspotting, zurück zum Groundhopping. Beim letzten Besuch am Hasseldieksdammer Weg kickte Kilia noch in der Landesliga. Die ersten Begegnungen als Groundhopper mit dem Traditionsverein vom Südfriedhof fanden gar in der Kreisliga statt. Seitdem hat sich eine Menge getan am Kilia-Platz. Vor drei Jahren schafften die Kilianer den Sprung in die Regionalliga. Den ehrwürdigen Ground mit der Tribüne von 1919 hat man um 180 Grad umgekrempelt. Kunstrasen statt Naturgras. Alle Stufen hinter dem Tor weg. Einstufige Sitzreihen und – Überraschung: Die mobile Sitzplatztribüne ist verschwunden.

      Da sich Kilia den Platz mit den Footballern der „Kiel Baltic Hurricanes“ teilt, ist hier leider besonders viel Dynamik am Spielort vorhanden. Dort, wo einst die mobile Tribüne stand, sind allerdings frisch gegossene Betonfundamente zu sehen, offenbar ist hier neuer Ausbau im Anmarsch, wie mir auf Nachfrage bestätigt wurde. Die alte Tribüne steht auf der Gegenseite wie eh und je und hätte auch mal wieder einen neuen Anstrich verdient. Das Goldstück wurde vor 107 Jahren für 25.000 Goldmark errichtet und noch immer wird am Ground gewerkelt – auch wenn das Zahlungsmittel mittlerweile auf kontinentale Einheitswährung umgestellt wurde.

      Mit einem „KöPi“ für 3,50€ in der Hand ging es kurz vor dem Anpfiff schließlich auf die alte Tribüne. Kiel ist auch so eine richtige Pilstrinkerstadt. Kann man sich irgendwie nicht vorstellen, dass die Bewohner der Stadt zwischen den Klinkerbauten in Düsternbrook und Ellerbek an Bistrotischen hocken und Aperol Spritz schlürfen. Dann lieber Holsten Edel, ist schon recht. Kilia war aber schon immer eine KöPi-Destination, wie die persönlichen Aufzeichnungen belegen. 2020 kostete der Humpen allerdings noch glatte 2€. So viel zur kontinentalen Einheitswährung.

      Mit dem Anpfiff übernahm die Heimelf als Favorit das Kommando, ging schnell in Führung und ließ gegen den Abstiegskandidaten aus dem Rendsburger Ortsteil wirklich gar nichts anbrennen. In dieser Form kommt Kilia grundsätzlich sicher auch wieder für einen Regionalliga-Aufstieg in Frage. Allerdings ist der SV Todesfelde mit einer Fabelsaison schon weit enteilt und der Vorsprung an der Tabellenspitze wäre noch größer, hätte der Verband den Anfahrtsstau letztes Jahr auf der A7 nach Satrup zum Auswärtsspiel nicht als „Nicht-Antritt“ gewertet. Aber das ist eine andere Sache. Kilia erledigte an diesem Abend seine Hausaufgaben, ging 3:0 in Führung und selbst als es eine Rote Karte für Kiel und einen Handelfmeter für die Gäste gab, konnte dies nicht mehr an dem verdienten Heimsieg rütteln.

      Mal gucken wo die Reise in der nächsten Saison hingeht und wie der Ground dann ausschaut. (mm)

      NK Omladinac Gornja Vrba – NK Slavija Pleternica – 0:2

      Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (91). Schon wieder Balkan, schon wieder Kroatien, schon wieder Adria-Vibes. Nicht ganz, denn diese Tribüne findet ihr im kroatischen Hinterland, genauer gesagt im Dorf Gornja Vrba nahe Slavonski Brod. Hier läuft der halbe Liter Ožujsko für faire zwei Euro frisch gezapft aus dem Hahn. In den Sommermonaten gibt es zudem ab und an Ćevapi vom Grill. Ob ‚velika ili mala‘, Ajvar und Fladenbrot dazu und das Leben genießen!

      —-

      28.08.2022

      Igralište ŠRC Goran Jurić, Gornja Vrba
      NK Omladinac Gornja Vrba – NK Slavija Pleternica – 0:2

      Rot-Weiß Oberhausen – SC Wiedenbrück – 2:1

      Rot-Weiß Oberhausen – SC Wiedenbrück – 2:1

      „MANTAPLATTE, BIER UND RWO – DER SCHÖNE REGIONALLIGA SAMSTAG“

      21.03.2026
      Regionalliga West
      Stadion Niederrhein
      Zuschauer: 4.026

      OBERHAUSEN — Ich habe in meinem Leben schon den einen oder anderen Ground besucht und war auch schon des Öfteren in Nordrhein Westfalen unterwegs, aber nach Oberhausen hat es mich bislang noch nie verschlagen. Weder war ich bisher in der sogenannten Einkaufsstadt, noch im Stadion Niederrhein. Dank der Bundesliga Terminierung sollte sich dieser Makel im virtuellen Informer nun endlich in Luft auflösen.

      Aufgrund der gestiegenen Spritpreise ging es bereits um neun Uhr von Schwechheim aus in Richtung Oberhausen. Vor Ort tankten wir das Auto für unfaire 2,14 Euro und stellten es anschließend am Schloss ab. Dort kann man drei Stunden für drei Euro parken und erreicht nach einem etwa zehnminütigen Spaziergang entlang des Kanals das Stadion. An der Tageskasse hatte eine Dame vor uns einen Gutschein für den Sitzplatzbereich, wollte jedoch lieber in die Emscherkurve zu ihren Freunden. Diesem Wunsch kamen wir natürlich nach, kauften ihr das Stehplatzticket ab und nutzten im Gegenzug den Gutschein selbst. Am Ende haben alle gespart und waren zufrieden. Oberhausen, was will man mehr? Eine Mantaplatte! Die Kombination aus Currywurst und Pommes ist in Nordrhein Westfalen schließlich Pflicht. Wenn man schon keine Lokalität für den legendären Taxiteller besucht, dann gehört die Mantaplatte einfach dazu. Dazu gab es noch ein Pils in die andere Hand und schon ging es ins Stadion.

      Dort trafen wir auf bekannte Gesichter, die offenbar die gleiche Idee hatten wie wir. Groundhopper ticken eben oft ähnlich. Bei herrlichem Wetter betraten die Spieler um 14 Uhr den Platz und wurden von ihren Fans begrüßt. Die folgenden 90 Minuten waren allerdings eher überschaubar. Ein typisches Regionalliga Spiel: Der Favorit erzielte zwei Treffer und verwaltete die Partie bis in die Nachspielzeit. In der 93. Minute gelang Wiedenbrück noch der Anschlusstreffer, doch mehr war nicht mehr drin. Unterm Strich ein verdienter Sieg für die Hausherren im Stadion Niederrhein. Am Ende wird Wiedenbrück wohl den Gang in die nächste Liga antreten müssen, während Oberhausen erneut als Zweiter abschließen dürfte. Eine Rückkehr in den eingleisigen Profifußball hätte der Standort definitiv verdient. Selbst bei einem solchen Regionalliga Spiel fanden dank der School Days Aktion über 4000 Zuschauer den Weg ins Stadion.

      Der Standort am Kanal und diese nostalgische Spielstätte gehören einfach in die dritte Liga. Wir vom Schwechheimer Landboten wünschen RWO viel Erfolg und kommen sicher wieder. Denn Currywurst, ehrlicher Fußball und ein gutes Bier, das mögen wir! (mb)