SV Preussen 27 Schönhausen – Osterburger FC – 3:0
SV Preussen 27 Schönhausen – Osterburger FC – 3:0
„BISMARCK HÄTTE SICH IM GRABE UMGEDREHT“
20.06.2026
Landesliga Nord
Sportzentrum Schönhausen
Zuschauer: 222
SCHÖNHAUSEN/ELBE – Letzter Tanz für mich in dieser Saison und zugleich feierliche Wiedereröffnung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin! Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor ging es das letzte Mal mit dem Fahrrad in den Zug Richtung Berlin und von Neustadt/Dosse am Fluss entlang nach Kyritz. Der gleiche Plan sollte wieder verfolgt werden, nur in einem anderen Bundesland: Sachsen-Anhalt.
Ohne Verspätung rollte der Zug via Schwechheim bis nach Stendal. Die frühe Verbindung brachte ein Polster von drei Stunden. So oft ist man ja nicht mit dem Fahrrad in Fußball-Deutschland unterwegs. Oft spielt das Wetter nicht mit und wenn der Sommer kommt, pausiert der Fußball. Daher durfte es an diesem Samstag eine Extraportion Zeit sein. Der Puffer wurde zunächst am Waldsee Wischer, kurz hinter Stendal, vertrödelt. Tatsächlich tröpfelte es auf dem Weg zur Badestelle. Dort angekommen, bekam ich zunächst vom Campingplatz-Sheriff mit Eintracht-Frankfurt-Tattoo auf der Wade einen Anpfiff: „Fahrräder haben am Strand nichts zu suchen!“. Ostdeutschland bleibt stabil! Nach dem Wassersport servierten mir die Damen im dortigen Imbiss eine „Boulette mit hausgemachtem Nudelsalat“ für 6,50€. Das Tiefdruckgebiet verschob sich immer mehr Richtung Süden. Es würde ein guter Tag werden.
Weiter zum eigentlichen Ziel ging es an Tangermünde vorbei über die Elbe bis nach Schönhausen. In dem kleinen Ort am großen Fluss kommt man nicht darum herum, über das Deutsche Reich zu sprechen. Der Gründer des deutschen Nationalstaats erblickte 1815 in Schönhausen das Licht der Welt. Sein Name: Otto von Bismarck. In den Resten seines Geburtshaus, das zu DDR-Zeiten fast vollständig gesprengt wurde, hat das Land Sachsen-Anhalt ein Museum eingerichtet. Groundhopping-Lifehack: Das Museum ist kostenlos. Die Geschichte um Bismarck spielt in dem Dorfleben durchaus eine Rolle, aber eher in der zweiten Reihe und ansonsten ist in so einem 2000-Seelen-Ort in Sachsen-Anhalt halt auch gut der Hund begraben, muss man sagen.
Wenig los in Schönhausen, das galt allerdings nicht für das „Sportzentrum“ am Rande des Orts. Hier schepperte die musikalische Spieltags-Untermalung schon weit vor dem Anpfiff durch die Straßen und es bildete sich eine kleine Schlange am Eingang. Für die Preussen – wie soll sich die Heimelf hier auch sonst nennen? – war an diesem Nachmittag alles drin: Direkt-Abstieg, Relegation, Rettung. Ein Punkt würde zumindest den Play-Down-Platz garantieren. Für die beiden anderen Szenarien war Schützenhilfe nötig.
Vermutlich rund 300 Zuschauer versammelten sich auf dem ausgebauten Hang. Das Publikum teilweise sehr jung und weiblich, peitschte die Preussen nach vorne und das Zusammenspiel trug Früchte: Nach einem Viertel der Spielzeit standen bereits ein halbes Dutzend Großchancen zu Buche. Doch auf der Anzeigetafel prangte zur Halbzeit ein 0:0. In der Pause wanderte ein zimmerwarmes Hasseröder in meine Hände. Vor allem aber war ich auf der Suche nach meinem Schlüssel. Den Bund hatte ein „aufmerksamer Zuschauer“ in der Halbzeit auf meinem herrenlosen Sitz entdeckt und am Sprecherturm abgegeben, wo der Fund über das Mikrofon durchgesagt wurde. So kam ich nicht nur wieder in den Besitz des Schlüssels, sondern durfte auf den Turm klettern und das Spiel von oben verfolgen. Der Stadionsprecher machte darüber hinaus übrigens einen super Job!
So wie die erste Hälfte endete, ging es in der zweiten Hälfte weiter: Großchancen und keine Tore. Der alte Bismarck hätte sich im Grabe umgedreht, wenn er das gesehen hätte. Nachdem der wirklich hervorragend aufgelegte Gästetorwart wieder ein direktes Duell mit einem Schönhäuser Stürmer entschärft hatte, drückte der 10er vom SVP den Ball nach 64 Minuten per Abstauber über die Linie. Endlich! Es folgten von Osterburger Seite diverse Mecker-Einlagen, die der Schiedsrichter mit zwei Platzverweisen quittierte, darunter der Trainer der Gäste. Nicht zuletzt dieser Umstand bescherte dem Publikum noch zwei weitere Tore, die mit viel Überschwang bejubelt wurden. Gasfanfaren und Riesen-Ratschen auf der Heimseite verrichteten Schwerstarbeit.
Zwar wurde der Nicht-Abstiegsplatz verpasst, weil Arminia Magdeburg zeitgleich ein 5:1 gegen Staßfurt verbuchte, trotzdem gab es nach dem Abpfiff Freibier. Schönhausen muss nun in der Relegation ab Mittwoch – heute – gegen den SC Naumburg um den letzten Platz in der Landesliga spielen. Bereits einen Tag nach dem Spiel ging es für die Preussen nach „Malle“. Die Relegation war nicht eingeplant. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Die Redaktion drückt dem Verein die Daumen, dass am Samstag die nächste Feier dazukommt, wenn der Klassenerhalt feststeht. (mm)
















