Stuttgarter Kickers – KSV Hessen Kassel – 0:1

Stuttgarter Kickers – KSV Hessen Kassel – 0:1

„WILLKOMMEN IM ÄLTESTEN FUẞBALLSTADION DEUTSCHLANDS“

21.03.2026
Regionalliga Südwest
Stadion auf der Waldau
Zuschauer: 4.240

STUTTGART – Manchmal schreibt der Spielplan seine eigenen Geschichten. Eigentlich sollte an diesem Wochenende die Komplettierung der 3. Liga erfolgen, doch die Ansetzungen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Also musste kurzfristig ein Plan B her.

Mit dem Traditionsduell zwischen den Stuttgarter Kickers und dem KSV Hessen Kassel war schnell ein passender Ersatz gefunden – zumal das Stadion auf der Waldau schon lange auf meiner persönlichen Liste stand.

Die Waldau gilt als das älteste Fußballstadion Deutschlands, in dem noch regelmäßig gespielt wird. Kein anderer Verein trägt seine Heimspiele seit so langer Zeit am selben Standort aus. Bereits seit 1905 rollen hier für die Kickers die Bälle. Hinzu kommt die besondere Lage: Rund 500 Meter über dem Meeresspiegel gehört das Stadion zu den höchstgelegenen Spielstätten des Landes.

Das rund 11.000 Zuschauer fassende Stadion versprüht mit seinen weitläufigen Stehplatzbereichen einen ganz eigenen Charme. Von der Westtribüne hinter dem Tor eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm, der nur etwa 200 Meter entfernt in den Himmel ragt.

Da sich die aktive Fanszene im B-Block auf der Gegengeraden befindet und auch die Gäste auf dieser Tribüne untergebracht sind, ergibt sich von dort ein guter Überblick über beide Fanlager.

Bereits beim Betreten des Stadions bot sich ein ansprechendes Kurvenbild auf Seiten. Hinter der B-Block-Fahne sowie den Zaunfahnen von „Blaue Bomber“ und „Blue Boys“ sorgten zahlreiche Schwenkfahnen und Doppelhalter für Bewegung und Farbe.

Auch die Anhänger aus Kassel waren sichtbar präsent. Sie positionierten sich unter anderem hinter einer „Verbandsstrafen abschaffen“-Fahne sowie ihrer „Hessen Kassel“-Fahne. Zudem hatte es eine kleine Kiel-Fahne in den Gästeblock geschafft – ein Hinweis auf die bestehende Fanfreundschaft, die im Spielverlauf durch gemeinsame Gesänge unterstrichen wurde.

Dass selbst in der vierten Liga bei beiden Vereinen Fanszenen existieren, die mit solcher Intensität und Leidenschaft supporten, verdeutlicht einmal mehr die besondere Qualität der deutschen Fankultur.

Auf dem Rasen entwickelte sich eine eher chancenarme Partie, die dennoch ihren Moment fand: In der 41. Minute traf Jan Dahlke nach einer Flanke überraschend per Kopf zur Führung für die Gäste. Dieser Treffer sollte letztlich den Unterschied machen, so dass der KSV Hessen Kassel mit einem 1:0-Auswärtssieg die Heimreise antreten konnte.

Unter dem Strich bleibt ein mehr als gelungener Ausflug nach Süddeutschland. Die Waldau überzeugte mit Tradition, Atmosphäre und authentischem Fußballflair. (fj)

DJK Falke Gelsenkirchen – SSV/FCA Rotthausen II – 0:1

DJK Falke Gelsenkirchen – SSV/FCA Rotthausen II – 0:1

“GELSENKIRCHEN – DIE STADT FÜR GROUNDHOPPER”

22.03.2026
Kreisliga C Gelsenkirchen 2
Sportanlage Tossehof
Zuschauer: 48

GELSENKIRCHEN – Da sind wir wieder, das erste Wochenende in diesem noch jungen Jahr im für mich besten Bundesland Deutschlands. Die Faktoren stimmen einfach. Im Rahmen des Familienbesuchs und eines Auswärtsspiel im Westfalenstadion war endlich Zeit für den nächsten Ascheplatz im Gelsenkirchener Stadtgebiet. Am besten Tag der Woche für den heiligen Amateurfußball wurde der Sportplatz an der Plutostraße auserkoren. Zuvor setzte ich im zweiten Anlauf endlich das Kreuz für das Stadion in Sodingen.

Spitzenspiel in der Kreisliga, der aktuelle Tabellenzweite empfing den Tabellenführer: Die Voraussetzungen könnte man als ideal bewerten. Zudem brachten frühlingshafte Temperaturen die Lippen zum Grinsen. Im Vereinsheim des Klubs gab es alles, was das Herz begehrt. Besonders das “tut gut” meiner Lieblingsbrauerei aus dem Essener Norden gefiel mir. Mit klaren Worten und viel Herzlichkeit kann hier jeder Fußballbegeisterte seinen Nachmittag verbringen.

Das Spiel wurde leider durch eine tragische Verletzung lange unterbrochen. Wir wünschen dem betroffenen Spieler eine schnelle und erfolgreiche Genesung. Nach circa 50 Minuten Unterbrechung kullerte das runde Leder wieder über den staubigen Grand. Ein Genuss für die Augen.

Für mich gab es zudem ein kleines Jubiläum, als Außenstehender und nicht Ortsansässiger Besucher die erste dreistellige Anzahl an gekreuzten Sportplätze/Stadien in dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. Zudem ein weiterer Spielort, der zeigt, wieso das Besuchen von Ascheplätzen einen enorm hohen Wert hat. Mittlerweile gilt der Belag als Seltenheit, zumindest in heimischen Gefilden oder als Delikatesse des deutschen Amateurfußballs. Hoffen wir mal, dass der Ball ewig weiter kullert. Der nächste Besuch in NRW folgt sicher bald! (tp)

Hannover 96 – Eintracht Braunschweig – 1:0

Hannover 96 – Eintracht Braunschweig – 1:0

„PYRO-EKSTASE BEIM NIEDERSACHSENDERBY SORGT FÜR STANDING OVATIONS“

20.03.2026
Bundesliga
Niedersachsenstadion
Zuschauer: 42.000

Hannover – Am vergangenen Freitag planten zwei Mitglieder der Redaktion einen Ausflug zum Spiel zwischen Schöningen und dem VfB Lübeck, zwei weitere Redakteure wollten das Niedersachsen-Derby besuchen. Wir scherzten noch herum, ob es sich nicht anbieten würde, eine Fahrgemeinschaft zu bilden, doch am Ende kam alles anders: Gästeverbot in Schöningen, also doch alle zum Niedersachsen-Derby.

Am Ende waren also gleich vier Redaktionsmitglieder vor Ort, angereist in drei verschiedenen Autos und einer mit der Deutschen Bahn. Ich persönlich zögerte erst noch, sagte dann aber doch zu. Ich hatte tatsächlich Zweifel, ob es auf den Tribünen wirklich gut wird, stand das Spiel ja unter strikter Beobachtung der Politik.

Gegen 16:30 Uhr kam meine Autobesatzung am Niedersachsenstadion an. Wir haben uns noch mit ein paar alten Bekannten aus Hannover auf ein Bier getroffen und sind dann relativ pünktlich, eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff, ins Stadion gegangen.

Das sollte sich auszahlen, denn die aktive Heimszene rief dazu auf, dass sich alle Fans um 17:45 Uhr, also eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff, im Block einfinden sollen. Zum Einlaufen der Mannschaften wurden dann direkt mal 20 Fackeln angerissen und eine erste Chorprobe folgte zugleich. Anmerkung der Redaktion: Bestanden! Auch die Gästefans machten lautstark auf sich aufmerksam. Im Anschluss war bis kurz vor Anpfiff der Partie beidseitig eher eine angespannte Stimmung zu vernehmen.

Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten beide Seiten ein jeweils wirklich gelungenes Intro. 96 punktete mit einer Choreo über die gesamte Nordtribüne. Glitzerfähnchen, Glitzerpappen und ein zentrales Hochziehelement wurden verwendet, um den Spieler Peter Radojewski bei seinem Torjubel aus der Derbysaison 1989/1990 zu visualisieren. Der Spruch „Heb die Fäuste, haut euch rein, wir werden für ewig überlegen sein“ rundete die ganze Aktion perfekt ab.

Die Cattiva Brunsviga hielt es mit den Worten „Auf ins Felde zum Sieg – für unser Land und seine Stadt“. Der Spruch wurde im oberen Bereich des Gästeblocks mittels Stofftransparent mehr oder weniger in Stein gemeißelt. Dazu wurden hunderte blaue sowie gelbe Fähnchen verteilt. Zentral im Block wurden die Augen eines Totenkopfs durch den Einsatz von Bengalos zum Leuchten gebracht. Im unteren Bereich wurde der Choreo durch ein weiteres Transparent mit dem Wort „Braunschweig“ der letzte Feinschliff verliehen.

Nicht nur ich, sondern auch die anderen neutralen Zuschauer um mich herum waren begeistert. Man mag es ja kaum aussprechen, aber selbst der ein oder andere eingefleischte Hannover-Fan wird es zugeben müssen: Nicht nur die Fanaktion auf der Nordtribüne, sondern auch der optisch wunderbar gestaltete Gästeblock wussten zu gefallen und so mancher eben angesprochener 96er zückte auch rasch seine Kamera für ein paar Schnappschüsse, von beiden Choreos versteht sich.

Zwischen den ganzen aufblitzenden Handys bekam der ein oder die andere kaum mit, dass Schiedsrichter Dr. Florian Exner das 184. Niedersachsen-Derby gegen 18:30 Uhr offiziell angepfiffen hat. Nun sollte das Spiel also beginnen, die eigentliche Show war tatsächlich schon gelaufen, da waren sich alle erlebnisorientierten Zuschauer sicher einig.

Von Anfang an war die Stimmung auf den Rängen bombastisch, wobei man fairerweise anmerken muss, dass die 96-Fans an diesem Tag schon deutlich lauter als die Gästefans zu vernehmen waren. Besonders in der 30. Minute, als der 25-Jährige Nawrocki den Hausherren das 1:0 bescherte, kochte das ganze Stadion noch einmal mehr auf. „Allez, 96, allez, ja wir ficken für Geld, auf der ganzen Welt, zieh ihn raus, steck ihn rein für den Verein“, dröhnte es jetzt durchs weite Niedersachsenstadion. Die Stimmung ebbte bis zur Halbzeitpause auch nicht mehr ab, zumindest auf der nördlichen Seite der Geschehnisse. Im Gästeblock wurde es zum Ende der ersten Halbzeit immer ruhiger.

Da ich mich schlussendlich erst gegen 14 Uhr mittags entschied, tatsächlich zum Niedersachsen-Derby zu fahren, habe ich in der ganzen Aufregung total vergessen, etwas zu Mittag zu essen. Also tat ich etwas, was ich normalerweise nie tue: den Wursttest im Inneren eines Profistadions wagen. Was soll ich groß dazu schreiben: Es handelt sich, wie fast überall, um eine 0815-Industriewurst, lauwarm in ein Discounter-Brötchen gequetscht.

Als Beilage gibt es Ketchup oder Senf und das Ganze für 4,60 €, na dann mal Mahlzeit! Geschmacklich noch gerade so im Mittelfeld, aber doll war’s halt auch nicht: 6/10 Punkte. Die kulinarische Erprobung sollte der guten Stimmung natürlich keinesfalls im Wege stehen, freuten sich doch alle auf den Anpfiff der zweiten Halbzeit.

Und der hatte es in sich. An beiden Seiten hatte ich hohe Erwartungen, denn es war mittlerweile stockduster. Freunde der Pyrotechnik kamen nun voll auf ihre Kosten. Die Anhänger der Eintracht zündeten mindestens 100 gelbe Fackeln zeitgleich. Eigentlich gar nichts Außergewöhnliches, das Besondere war die Menge der Fackeln sowie die perfekte Anordnung der maskierten Pyromanen. Eben Genannte standen so koordiniert im Block, dass die ganze Aktion wirklich ein super Kurvenbild ergab.

Auf der anderen Seite wurde dann wiederum nochmals eine ordentliche Schippe oben drauf gelegt. Oder um es mit den Worten von (hr) zu sagen: „Ekstase pur!“ Hinter dem durchsichtigen Transparent „Bringt die Hauptstadt zum Beben“, welches über die ganze Nordtribüne ragte, wurden ordentlich roter Rauch und ein paar Fackeln gezündet. Ergänzend dazu brannten einige Breslauer, die immer wieder hell aufblitzten – als würden hinter der Zaunfahne Hunderte Groundhopper ihre neuen Kameras bei Nacht testen.

Weil das alles natürlich noch nicht derbywürdig genug war, hat die Fanszene von 96 tatsächlich noch in Form von 15 bis 20 Feuerwerksbatterien das gewisse Etwas zur totalen Eskalation abgefeuert. Was für eine Wahnsinns-Show, die nicht nur beim jüngeren Publikum, sondern auch bei den Mitfünfzigern und sogar ein paar Rentnern für Standing Ovations sorgte. Sowohl auf der West- als auch auf der Osttribüne standen plötzlich alle Leute und beklatschten die Fanszene von Hannover 96. Vor fünf bis zehn Jahren waren solche Reaktionen noch undenkbar, doch Pyro gehört einfach zum Stadionerlebnis und das haben sogar die älteren Zuschauer begriffen und akzeptiert.

Ich hatte das Thema, glaube ich, schon mal in einem anderen Artikel aufgegriffen, dass sich auch das Medienverhalten dazu verändert hat. Aus „PYROCHAOTEN GEFÄHRDEN TAUSENDE ZUSCHAUER“ wurden in den Überschriften der großen Medien im Laufe der Zeit eher Schlagzeilen wie „MEGA FEUERWERK BEIM NIEDERSACHSENDERBY“.

Die zweite Halbzeit war dann spielerisch sowie stimmungstechnisch deutlich schwächer und die Hausherren können mit dem Sieg insgesamt sehr zufrieden sein. Zum einen spielten sich große Teile der zweiten Halbzeit nur noch vorm Tor von 96 ab, zum anderen hat der Schiedsrichter einen klaren Handelfmeter für den BTSV nicht geahndet. Einige umstrittene Aktionen wurden allerdings auch zugunsten der Eintracht bewertet.

Alles in allem ein großartiges Derby, das für viele Fans noch bis spät in die Nacht in Hannovers Altstadt weiterging. Bleibt nur zu hoffen, dass Daniela Behrens ihre Hände diesmal aus dem Spiel lässt! (hd)

SSV Vorsfelde – FC Germania Bleckenstedt – 1:1

SSV Vorsfelde – FC Germania Bleckenstedt – 1:1

“ACHT TAGE ZU SPÄT IN WOLFSBURG”

15.03.2026
Landesliga Braunschweig
Drömlingstadion
Zuschauer: Circa 330

WOLFSBURG – wer als HSV-Fan im März nach Wolfsburg gefahren war, dürfte mit guter Laune zurück nach Hamburg gereist sein. Denn vor exakt acht Tagen konnten die „Rothosen“ den Abstiegskracher für sich entscheiden.

Ich erreichte Wolfsburg quasi acht Tage zu spät. Beim Auswärtserfolg der Rauten war ich auf Gran Canaria unterwegs. Und da am vergangenen Sonntag noch nichts im Kalender stand, suchte ich mir einen Doppler in der genannten Autostadt heraus.

Mit dem Deutschland-Ticket wählte ich eine kostengünstige Anreise und erreichte Wolfsburg pünktlich. Zunächst spazierte ich zum Porschestadion, wo zum Auftakt des Tages ein U19-Kick der Wölfe gegen den FC Heidenheim stattfand.

Da der Ground nichts Besonderes bot, war ich froh, zufällig einen anderen Hopper aus Meppen getroffen zu haben, den ich letztes Jahr in Portadown kennengelernt hatte. Dementsprechend schnell verging das Spiel, welches am Ende 2:0 für den VfL endete.

Nach dem Spiel brachte mich der Linienbus Richtung Vorsfelde. Der Ortsteil von Wolfsburg ist ein ehemaliges Dorf und liegt etwa vier Kilometer vom Wolfsburger Stadtzentrum entfernt. So erreichte ich das „Drömlingstadion“, welches direkt an der Aller liegt, just in time – ein paar Minuten vor Anpfiff.

Beim Thema Catering staunte ich nicht schlecht. Aus einem Foodtruck wurde zu fairen Preisen Pizza verkauft. Es gab Bratwürste, Waffeln, Kuchen, diverse Biersorten und für mich eine ganz neue Erfahrung: Poffertjes. Das pfannkuchenähnliche Gebäck in Münzgröße wollte ich schon immer einmal probieren und ließ mir diese Gelegenheit nicht entgehen.

Statt Nutella entschied ich mich für Puderzucker und verzehrte die sechs Teile mit Genuss.

Das Spiel verfolgte ich aus allen möglichen Perspektiven und entdeckte dementsprechend ganz unterschiedliche Leute. Einer von ihnen trug eine Vorsfelde-Kutte, der nächste einen Fanschal. Ein paar Kinder bepöbelten Spieler, andere traten auf dem Bolzplatz nebenan selbst gegen den Ball.

Auf der Tribüne wurde reichlich Bier getrunken und ich gönnte mir eine leckere Salami-Pizza.

Das Spiel war intensiv. Nach einer vorausgegangenen Führung der Gäste konnte „die Wildsau“ durch einen gerechtfertigten Foulelfmeter ausgleichen.

In der Crunchtime ging es hin und her. Beide Mannschaften wollten den Sieg und erarbeiteten sich Torchancen. Am Ende sollte es jedoch eine 1:1-Punkteteilung geben.

Nach dem Spiel spazierte ich an der Aller entlang, vorbei an dem Stadion, in dem der HSV vor acht Tagen noch einen Auswärtssieg feiern konnte. Zwar war im AOK-Stadion bereits das Flutlicht an, da um 18:30 Uhr noch die Frauen des VfL spielten. Da der Ground allerdings bereits besucht wurde und es mit der Heimreise zu riskant gewesen wäre, wurde das Spiel geskippt.

Somit ging es mit zwei neuen Grounds in der Tasche zurück nach Hamburg. (fj)

VfB Lübeck – Hamburger SV II – 0:2

VfB Lübeck – Hamburger SV II – 0:2

“ZURÜCK AN DER LOHMÜHLE”

13.03.2026
Regionalliga Nord
Stadion an der Lohmühle
Zuschauer: 3.381

LÜBECK – Freitagabend und Fußball an der Lohmühle. So könnte jedes Wochenende starten, dieses Stadion zählt definitiv zu den Favoriten im näheren Umkreis von Schwechheim. Auch wenn die Zeiten bei diesem Verein auch oft schwer waren: Von Insolvenzen, dem Drittligajahr im Corona-Lockdown oder mäßigen Leistungen der Akteure auf dem grünen Rasen. Die Tristesse der Regionalliga Nord übersteht in Lübeck viele Stürme. Die treuen Anhänger stehen weiterhin zu ihrem Verein. So muss es sein!

Dank der aktuell viel zu hohen Spritpreisen an deutschen Tankstellen, entschied ich mich mit meinem Kollegen (fj) für den Sozialschlauch vom Hamburger Hauptbahnhof aus. Die einzige brauchbare Strecke, auf der es in meinen Augen oft klappt ist eben die Verbindung in die Stadt an der Trave. Im Vergleich zu den Angeboten in Richtung Hannover, Kiel oder Bremen punktet der RE8 eindeutig. Dank des Rückfalls in die nassen und kalten Temperaturen nahmen wir den Linienbus an die Lohmühle.

Blicken wir kurz zurück in den November 2006: Der Redakteur (tp) im jungen Alter. Das erste Mal an der Lohmühle, zu Gast war der heutige Bundesligist 1. FC Union Berlin. Fast 20 Jahre und eine zweistellige Anzahl von Besuchen später, stand man wieder hier. Die Zeit ist verflogen, von der damaligen Regionalliga Nord fehlt jede Spur. Die Vereine unter anderem in dieser Liga lauteten: Holstein Kiel, Dynamo Dresden, FC St. Pauli, Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiss Erfurt, Kickers Emden, Wuppertaler SV oder SV Wilhelmshaven. Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen. Der Stadtteilverein aus Hamburg ist einer von zwei Klubs heutiger Bundesligisten, die damals in dieser Liga kickten. Der Rest agiert teilweise in der Oberliga, der heutigen Regionalliga oder zweite bis dritte Liga.

Zurück in das Hier und Jetzt. 20 Jahre? Passend zu meiner kleinen persönlichen Anekdote, feierten am kalten Freitagabend die „Vitalienbrüder“ ihr 20-Jähriges Bestehen. Eine Choreo zu Ehren der Gruppe gab es in der Pappelkurve zu sehen. Später, untermalt durch endlos viele Rauchtöpfe, ein sehr gelungenes Bild und ein idealer Start in den Fußballabend.

Auf dem heutigen Acker der Lohmühle bot sich für die Zuschauer eine abgezockte Leistung der Rothosen an. Die Grün-Weißen konnten nicht mit dem spielerisch attraktiven Fußball der Zweitvertretung mithalten. Im aktuellen Ligaverlauf und bei dem Stand der Tabelle wahrscheinlich nebensächlich. Nach unten oder oben ist viel Abstand. Der aktuell führende SV Meppen streitet sich mit dem Dorfverein aus Drochtersen um den direkten Aufstiegsplatz.

Für mich steht es fest: An die Lohmühle komm ich immer gerne. Im Wunschdenken gerne nochmal zu höherklassigem Fußball. Ein erneutes Jahr in der dritten Liga kann man den Anhängern nur wünschen! Dieses Mal dann bitte ohne Lockdown, Zuschauerausschluss oder sonstigem. (tp)

DJK TuS Hordel – SC Obersprockhövel – 2:0

DJK TuS Hordel – SC Obersprockhövel – 2:0

„DER DISTINGUIERTE HERR“

22.02.2026
Westfalenliga Staffel II
Stadion „Hordeler Heide“
Zuschauer: 200

BOCHUM – Eng gestrickter Plan an diesem Sonntag, der im Notfall auch zu Fuß umzusetzen gewesen wäre. Wie es der Zufall aber so wollte, hatte ich just an diesem Wochenende mit einem verknacksten Knöchel zu kämpfen. Doch Glück im Unglück: Der Schiri pfiff das Vorspiel bei der SG Eintracht Gelsenkirchen auf dem Ascheplatz ganz pünktlich ab und so erreichte ich die einzige Busverbindung in die Hordeler Heide noch rechtzeitig.

Die Gegend rund um die „Zeche Hannover“ vermutet man wohl eher nicht in Bochum: Viel Grünfläche, Fachwerkhäuser, Historie und alte Bausubstanz. Schade, dass das Wetter so trüb war. Aber schließlich sollte es ja zum Fußball und nicht zum Picknick gehen. Der Spielort der DJK wurde dann auch wenige Minuten vor dem Anpfiff und etwas humpelnd erreicht. Alles herausgeputzt und gut in Schuss im Westen der Stadt. Die Bochumer reiten aktuell auf einer Erfolgswelle. Zum letztjährigen Aufstiegsspiel gegen den FC Roj kamen rund 3000 (!) Zuschauer in die Hordeler Heide. Das dürfte es in der 7. Liga noch nicht oft gegeben haben. Der Aufstieg in die Westfalenliga gelang und dort heimste der Verein nun gleich die Herbst- und Wintermeisterschaft ein. Respekt!

Nachdem der Ball rollte und einmal kräftig durchgepustet wurde, gab es auf der Tribüne ein Zufallsgespräch mit einem distinguierten Herren. Ich wunderte mich über seine diplomatischen Aussagen. Jeder Frage zum Aufstiegsgeschehen wich er aus, gleichwohl konnte er sein Insiderwissen nicht verbergen. In der Halbzeitpause stellte sich heraus, dass es sich um den Präsidenten des Vereins handelte, woraufhin ich meine Unwissenheit in der zweiten Halbzeit preisgab und noch ein paar nette Infos von dem Herrn bekam. Props gehen raus an Hermann Päuser!

Bei der DJK TuS Hordel läuft es jedenfalls gerade ziemlich gut! Das einzige, was mir missfiel, waren die „Verzehrkarten“ fürs leibliche Wohl. Currywurst mit Pommes kosten 5,50€. Verzehrkarten gibt es für 5 oder 10€. Wer denkt sich sowas Menschenfeindliches aus? Wie es der Verlauf so wollte, war der Hunger nach dem Abpfiff dann doch zu groß. Also eine 10er-Karte gekauft und bei der Bratwurstbude, die sich „Freche Fritte“ nennt, zu hören bekommen, dass „CWP“ ausverkauft ist. Ganz große klasse. Immerhin konnte der Dame noch eine leckere „Thiers“-Bratwurst im Brötchen aus den Rippen geleiert werden, das aber auch nur mit dem hungrigsten Blick, da die Reste auf dem Grill eigentlich der Mannschaft vorbehalten waren. Zwei Minuten später ging es wieder zurück zur Kasse, um mein Restgeld von der Verzehrkarte wiederzubekommen. Weltklasse-Idee. Wenn das andere Vereine im Land mitbekommen, revolutioniert das womöglich den ganzen Fußball in Deutschland…

Aber genug gemeckert, denn sportlich konnte der Tabellenführer dort ansetzen, wo er vor Weihnachten aufgehört hatte: Die Gäste vom SC Obersprockhövel wurden in einem spannenden Spiel mit 2:0 nach Hause geschickt. Beide Teams legten eine wirklich hohe Pace an den Tag und kein Akteur mied den Zweikampf. Die beiden besten DJK-Chancen im ersten Abschnitt zappelten im Netz. Nach der Pause kassierte der Gästekeeper einen Platzverweis. Der SCO versuchte dennoch alles, um den Anschluss zu erzielen und Hordel vergab beste Kontermöglichkeiten. Der Ground überzeugt trotz Kunstrasen. Alles Gute für Bochums Nummer 3 an dieser Stelle! (mm)

TuS Esens – SFN Vechta 2:2

TuS Esens – SFN Vechta 2:2

„ZU BESUCH IN DER ALTEN HEIMAT”

01.03.26
Landesliga Weser-Ems
Stadion an der Peldemühle
Zuschauer: 150

ESENS – Wenn die eigene Mutter Geburtstag hat und gleichzeitig noch in Rente geht sind das gute Gründe, sich mal wieder in der alten Heimat blicken zu lassen. Nach reichlich Ostfriesentee und Kuchen sollte aber am Sonntag noch gehoppt werden, wobei sich die Spielauswahl in Grenzen hielt. Wie auch andernorts in Norddeutschland fielen nach dem langen Winter reihenweise Partien mangels ordentlicher Vorbereitung aus.

Letztendlich entschied ich mich für Wilhelmshaven und verließ damit sogar Ostfriesland. An der Freiligrathstraße war die Zwote von Frisia auf dem Kunstrasen und im Anschluss das Pokalspiel der 1. Herren auf dem Hauptplatz mit Tribüne angesetzt. Eigentlich wunderbar, doch mit Vorsicht zu genießen. Denn normalerweise teilt sich Frisia das Jadestadion mit dem SV Wilhelmshaven und Spiele auf Rasen im Friesen-Stadion sind selten.

Leider kam es genauso. Keine gekreideten Linien und auf Nachfrage wurde “heute zweimal Kunstrasen, na klar” bestätigt. Schade Schlicktown. So fuhr ich nach dem ersten Kick zurück “über die Grenze” von Friesland nach Esens zum Turn- und Sportverein. Das Stadion an der schönen Peldemühle wurde in den Coronajahren grundlegend saniert und eine Plastikwiese verlegt, sodass dem Spiel gegen die “Sportfreunde Niedersachsen” aus Vechta definitiv nichts im Wege stand. Der ein oder andere dürfte das Stadion im Rahmen des Hopperspiels in Halbemond gekreuzt haben.

Aktuell kicken die Bärenstädter in der Landesliga Weser-Ems und kämpfen im 100. Vereinsjahr gegen den Abstieg in die Bezirksliga Weser-Ems 1. Übrigens ist die wiederum nur zu empfehlen, denn fast alle Grounds verfügen über eine Tribüne oder zumindest einen Unterstand. Angesichts der vielen kargen Kunstrasen-Käfige in Schwechheim eine echte Wohltat.

Neben Plattdeutsch am Stankett und dem üblichen Flaschen(industrie)bier gab es auch heute die Wurst stilecht mit Toastdreieck serviert. Was will man mehr? Ach ja, Fußball! Esens legte durch Wübbenhorst vor und erhöhte trotz Unterzahl ab der 35. Minute sogar auf 2:0 im zweiten Durchgang. Erst danach wachten die Gäste aus dem Oldenburger Münsterland auf und markierten zunächst in der 89. Minute den Anschlusstreffer.

Es kam dann, wie es kommen musste. Nach einem Freistoß drückte Vechta aus dem Gewühl heraus mit der letzten Aktion den Ball über die Linie. Ausgleich, Abpfiff. Riesenjubel, aber mit neun Punkten aus 15 Spielen für die Gäste auch kein richtiger Schritt vorwärts. Vor meiner Abfahrt Richtung Schwechheim genoss ich noch ein paar Tassen Tee und rundete damit das Wochenende in “Ostfreesland” ab, was sich immer wie ein Kurzurlaub anfühlt. “Bit anner Mol!” (hr)

Kickers Offenbach – SV Stuttgarter Kickers – 0:0

Kickers Offenbach – SV Stuttgarter Kickers – 0:0

„TRISTESSE SCHLÄGT TRADITION“

28.02.2026
Regionalliga Südwest
Stadion am Bieberer Berg
Zuschauer: 7.414

OFFENBACH AM MAIN – Ende letzten Jahres tauchten Gerüchte rund um die Kickers Offenbach auf. In der Viertklassigkeit ist es einfach bescheiden um den DFB-Pokalsieger von 1970 bestellt und eine Stadionanfrage für den Schönbusch in Aschaffenburg machte die Runde. Dass solche Anfragen in Sachen Alternativ-Spielort durchaus legitim sind, interessiert den Boulevard nicht. Auf die Traditionsvereine wird zu gerne raufgekloppt, wenn es mal nicht so läuft. Die Kickers jedenfalls werden auch in der nächsten Saison am Bieberer Berg spielen. Hoffentlich in der Regionalliga, wenn man denn unbedingt ein Schreckensszenario malen will.

Nichts desto weniger war es mal Zeit dem ehemaligen Bundesligisten einen Besuch abzustatten. Der Neubau am Bieberer Berg feiert bald seinen 15. Geburtstag. Das erste Heimspiel des Jahres gegen die Stuttgarter Kickers war ein würdiger Anlass dafür und weil das alles so schön ist und das Wetter nun endlich in die richtige Richtung geht, wurde gleich die halbe Familie eingepackt. Per Fernzug ging es zusammen mit Schwechheims jüngsten Groundhoppern nach Südhessen.

Mit massig Zeit im Gepäck wurde vor dem Spiel noch der „Aussichtsturm“ hinter dem Stadion angesteuert, der allerdings erst ab April seine Pforten öffnet. Oft stand der OFC in den letzten 20 Jahren nicht im Fokus überregionaler Medien. 2012 schaute jedoch „ganz Deutschland“ nach Offenbach, als im Zuge eines Heimspiels rund um den Aussichtsturm der OFC-Fan Mark Herbert zusammengeschlagen wurde und nach dem Täter im ZDF-Format „Aktenzeichen XY“ gefahndet wurde. 2016 wurde Sven R. für diese Tat zu 11 Jahren Haft verurteilt. Wenn er nicht schon auf freiem Fuß ist, kommt er nächstes Jahr wieder aus dem Knast. Mark Herbert ist nach wie vor halsabwärts gelähmt.

Warum schreibe ich das alles? Tja. Tristesse schlägt Tradition in Offenbach. Die beiden Teams mit dem höchsten Zuschauerschnitt trafen an diesem Sonnabend aufeinander. Die Kickers feierten vor der Partie den 106. Geburtstag ihres geliebten Ex-Präsidenten Waldemar Klein und auch die Schwaben füllten mindestens den halben Gästeblock. Viel mehr gibt es von diesem Regionalliga-Spiel nicht zu berichten. Im ersten Abschnitt war es noch ein recht seriöser Kick mit aufmüpfigen Gästen. Offenbach hätte nach 10 Minuten sogar zwingend in Führung gehen müssen. Doch Jelle Goselink vergab frei vor dem Gästekeeper. Recht zuversichtlich ging es in die Pause. Spätestens nach einer Roten Karte in der 55. Minute gegen Daniel Dejanovic war der Ofen aber aus.

Offenbach mauerte nun mit 10 Mann den Strafraum zu. Stuttgart als ausgewiesene Pressing- und Kontermannschaft kam bis zur 90. Minute zu keiner Chance mehr, die Heimelf formierte sich ganzheitlich in der eigenen Hälfte. In Sachen Unterhaltung der absolute Zonk. Die Gäste vergaben in einer letzten Druckphase Sekunden vor Schluss dann doch den Sieg. Das Publikum der Hessen zeigte sich mit dem torlosen Unentschieden nach dem Aussetzer von Dejanovic durchaus zufrieden und der OFC kauert nun ein Pünktchen vor dem ersten theoretischen Abstiegsplatz über dem Strich. Tristesse schlägt Tradition.

Irgendwie müssen die Offenbacher von der Sackgasse auf die Überholspur kommen. Wie der Turnaround mit diesen bescheidenen fußballerischen Mitteln gelingen soll, ist ungewiss. Mit dem besten Zuschauerschnitt in der Regionalliga Südwest ist Potential definitiv vorhanden, auch wenn die Perspektive auf Rang 13 aktuell dahinplätschert. Wenn die wenigen Dummköpfe fernbleiben, die den Gästespieler Melkamu Frauendorf nach dem Spielende rassistisch beleidigten, tut das der Kulisse allerdings auch nicht weh. Das ist wirklich bitter, zumal, wenn man mit Kindern im Stadion ist. Vielleicht sollte man bei „Aktenzeichen XY“ nach diesen Leuten suchen. (mm)

SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 II – SuS Beckhausen 05 III – 8:2

SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 II – SuS Beckhausen 05 III – 8:2

„DER BALL KULLERT IMMER NOCH IN GELSENKIRCHEN“

21.02.2026
Kreisliga C2/Gelsenkirchen
Südstadion am Haidekamp (Nebenplatz)
Zuschauer: 12

GELSENKIRCHEN – Vor etwa 4 Monaten berichteten wir schon mal aus dem Südstadion am Haidekamp. Auch damals vom Nebenplatz. Die Anlage ist uns wichtig genug, an dieser Stelle ein Update zu posten: Der Ball kullert immer noch in Gelsenkirchen! Die Szenerie gleicht nach wie vor einer Dystopie, aber: Bisher ist nichts passiert bei der Eintracht. Der Plan – scheinbar für den Sommer – ist laut Aussage folgender: Game over für alle Stehstufen und Kunstrasenplatz auf den „Grand“, wie wir im Schwechheimer Land so schön sagen.

Das Spiel in der 11. und letzten Liga an diesem Sonntag-Mittag war wichtig genug, ein kleines Sümmchen in die Anreise per Taxi zu investieren. Die Bahn versagte nach insgesamt 2,5h Anreise mal wieder wie so oft. Viel zu spät angekommen in Gelsenkirchen, hieß es: Erste Halbzeit verpassen oder ins Taxi steigen? Was hättet ihr an diesem grauen, verregneten Tag in dieser Stadt gemacht? Werten wir die 19€ für den gelben Mercedes einfach als Eintritt – und der war es wert!

„Groundhopping Noir“ mitten Ückendorf, wo in dieser historischen Anlage mittlerweile fast alles in die Binsen gegangen ist. Alles ist schief, krumm, einsturzgefährdet und abgesperrt. Die Anlage wirkt wie eine Abraumhalde aus einem schlechten Film. Einzigartig. Zumindest in Deutschland. Der Nebenplatz ist wirklich kernig, zumal unter solchen Bedingungen wie am Sonntag. Ein Spaziergang durch das Stadion nebenan sei aber auch jedem ans Herz gelegt. So viele verwelkte Stufen gibt es in Deutschland wohl höchstens noch im Motodrom Halbemond. Die Tribüne ist auch ein richtiger Klopper und soll – Gott sei Dank – erhalten bleiben.

Zur Feier des Tages gab es bei strömendem Regen 10 Tore auf dem roten Teppich. Einfach nur Liebe dafür, dass die netten Herren in dem Verpflegungscontainer keine Position auf der Speisekarte in ihrem Angebot ausließen und die maximal 12 Zuschauer gewissenhaft verköstigten. Die Currywurst mit scharfer Soße für 3€ ist mit das Beste, was man in diesem Segment bekommt. Der Ball kullert hoffentlich noch lange in Gelsenkirchen, im Südstadion am Haidekamp und auf dem Nebenplatz. (mm)

TuRU Düsseldorf – SSV Bergisch Born 1:2

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (87).
Es ist wieder Freitag und wir präsentieren euch heute das Stadion an der Feuerbachstraße die Heimspielstätte von TuRU Düsseldorf.
Das Stadion wurde nach dem 2 Weltkrieg eröffnet und bot platz für 16 000 Zuschauer, nach dem Umbau in den 80er Jahren wurde die Kapazität halbiert und bietet in der heutigen Zeit nur noch Platz für 8000 Zuschauer.
In der Saison 03/04 lag der Zuschauerrekord bei 3600 im Aufstiegsspiel zur Oberliga gegen die Amateure von Rot-Weiß Oberhausen.
Heute hingegen kommen zu den Heimspielen in der Landesliga Niederrhein im Schnitt 100 Leute.


22.02.2026
Stadion an der Feuerbachstraße.
TuRU Düsseldorf – SSV Bergisch Born 1:2

1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV – 1:1

1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV – 1:1

        „HARDCORE-FREITAG IN MAINZ“

        20.02.2026
        Bundesliga
        Stadion am Europakreisel
        Zuschauer: 33.305

        MAINZ – Der glorreiche HSV gastierte erstmals nach 8,5 Jahren mal wieder in Mainz. Grund genug für eine kleine Reise nach Rheinhessen. Mitfahrgelegenheiten ab Schwechheim sollte es genug geben und so quetschte man sich am Freitag-Nachmittag in ein HSV-Taxi Richtung Süddeutschland.

        Ohne größere Zwischenfälle rollte der Kleinwagen vom Kollegen (mb) am frühen Abend in der Landeshauptstadt ein. Das galt aber längst nicht für alle Gäste aus dem Norden – denn die Partie fand dank einer Stau-Problematik seitens der HSV-Belegeschaft mit zehnminütiger Verspätung statt. Zuvor war die Reisegruppe über Feld- und Wiesenwege bis zum Europakreisel vorgedrungen. Das gleichnamige Stadion liegt im Nirgendwo, wird aber immerhin von der Straßenbahn bedient. Vor Ort kommt mit vielen Schwarzmarkt- und Bierdosenhändlern allerdings durchaus Bundesliga-Feeling auf. Das Stadion selbst ist eigentlich auch ganz in Ordnung und wirklich nah ans Spielfeld getackert. Die rote Bestrahlung erleuchtet den Mainzer Abendhimmel, was noch bis weit hinter die Stadtgrenze zu sehen ist. Das hat man schon liebloser in dieser Liga gesehen.

        Lieblos wie gehabt aber die Polizei. Um weiterhin negative Schlagzeilen mit Bezug zu Fußballfans zu produzieren, fahren die sogenannten Ordnungshüter eine neue „Hardcore-Linie“. Die aktuellen Zahlen der „Zentralen Informationstelle Sporteinsätze“ (ZIS) und das Debakel rund um die „Innenministerkonferenz“, schmecken den Beamten scheinbar gar nicht. Bad News müssen her. Diesmal erwischte es die HSV-Choreo, die laut Augenzeugenberichten von der Nordtribüne im Matsch vor dem Stadion ausgebreitet werden sollte, was an mehreren Faktoren scheiterte. Also gab es nur eine Huldigung per Spruchband für „Kult-Masseur“ Hermann Rieger, der unter der Woche seinen 12. Todestag verzeichnete. Davon ab konnte der HSV trotzdem 90 Minuten gut am Quirl drehen und nahm insgesamt nicht nur die ganze Hintertorseite, sondern fast ein Drittel des Stadions ein.

        An den Fans lag es also nicht, dass Hamburg in Rückstand geriet. Eher an Nadiem Amiri, dem Unterschiedsspieler beim Karnevalsverein. Auch die Fanszene der 05er ließ sich in der Fassnachtswoche nicht lumpen und zündete permanent Pyro. Los ging es mit einem Intro aus gelben und roten Fackeln, später brannten immer wieder einzelne Bengalos. Das Publikum in Mainz mag eher „gutbürgerlich“ rüberkommen, die Kurve aber konnte an diesem Abend vortrefflich abliefern.

        Abliefern konnte schließlich auch der HSV. Spielerisch ist da zwar nach wie vor viel Luft nach oben, physisch und mental ist die Truppe aber mehr als präsent und dazu jetzt 6 Spiele hintereinander ungeschlagen. Da kann auch mal ein abgefälschter Freistoß über die Linie trudeln. Nicht mal Dominik Kohr kann diese Mannschaft aktuell aufhalten. Der „Hardkohr“-Vorstopper bekam seine 105. Verwarnung im Oberhaus verpasst und löst damit Stefan Effenberg als Spitzenreiter der ewigen Sünderkartei in der Bundesliga ab. Ohne seine sofortige Auswechslung nach einem neuerlichen Foul, wäre für Hamburg eventuell sogar mehr drin gewesen. (mm)

        FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

        FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

        „REVISIT FOR NOTHING – DANKE, DEUTSCHE BAHN!“

        13.02.2026
        Hessenpokal
        Stadion am Bornheimer Hang
        Zuschauer: 6.414

        FRANKFURT – Am Donnerstag-Abend entschied sich für mich das Freitagsprogramm. Die dt. Rennrodler räumten in Milano/Cortina im Teamwettbewerb die Goldmedaille ab und mit der „BahnCard 25 Probe Gold“, die man im Vorfeld für läppische 19€ erworben hatte, gab es am Folgetag beliebig viele freie Fernfahrten mit der DB! Danke Deutsche Bahn, danke Team Deutschland!

        Ein Flug von Berlin um 10 Uhr am Samstag in den UK, war schon lange gebucht. Normalerweise wäre man gemütlich am Vortag mit der Regionalbahn von Schwechheim nach Berlin gefahren: Amateurkick und günstiges Hotelzimmerchen, nächsten Tag ausgeschlafen nach Manchester. Aber was ist schon normal in diesem Winter? In Berlin wurde bereits in der Vorwoche eine Generalabsage ausgesprochen. Dank der Goldmedaille gab es aber sehr gute Alternativen for nothing.

        Bedingung war natürlich auch eine nächtliche ICE-Rückfahrt nach Berlin. Möglichst vor Mitternacht, damit man den Zug nicht bezahlen musste. Ab Köln und Frankfurt fuhr jeweils ein ICE um 23:30 Uhr mit passender Ankunftszeit Richtung Hauptstadt. In NRW hätte man in Velbert einen neuen Ground besuchen können. Aber die kalten Temperaturen und der Neubau irgendwo im Nirgendwo schreckten ab. Es wurde der Bornheimer Hang, der in „glorreichen Corona-Zeiten“ vor 5 Jahren mal als Geisterspiel gegen den Bahlinger SC besucht wurde. Da man damals auch sehr edel vom FSV behandelt wurde und dem Verein die letzten Bierreserven aus dem Kühlschrank abluchste, stand ein weiterer Höflichkeits-Besuch bei dem Regionalligisten noch aus.

        Trotz Schneefall gingen alle Fahrten pünktlich über die Bühne und in Bornheim angekommen, wurde dieser interessante Stadtteil bei rund 10 Grad Außentemperatur einmal mehr unter die Lupe genommen. Zu Fuß ging es dann pünktlich zum FSV. Aus der Löwengasse kommend, genießt man einen hervorragenden Blick von oben auf die Bude. Das Stadion wurde ja vor etwa 15 Jahren rundum modernisiert, gefällt aber trotzdem mit seinen unüberdachten Kurven. Offenbach war zahlreich angereist, konnte den Block aber nicht komplett füllen. Von der FSV-Szene nahm ich ehrlicherweise das erste Mal richtig Notiz. Ein ganz kleiner Haufen, der aber permanent Lärm erzeugte und in Bewegung war.

        Das Spiel konnte mit beiden Kurven nicht wirklich mithalten – bezeichnend. Schon früh war absehbar: Das wird hier heute kein Spektakel. Zwei Teams außer Form und auf dem Rasen stand mit dem Halbfinaleinzug eine Menge auf dem Spiel. Aufregung gab es vor allem an der Seitenlinie, wo es zu Rudelbildungen kam. Der FSV mag das talentiertere Team zusammenhaben, was sich aktuell in der Tabelle widerspiegelt. Offenbach stellte die guten Ansätze aus dem ersten Abschnitt nach der Pause ein und übte sich in planlosem Offensivspiel mit katastrophalen Abschlüssen. Die Frankfurter waren näher am Duselsieg, die Gäste mussten einen Ball auf der Linie retten. In der Nachspielzeit kam der OFC jedoch zwei Mal gefährlich nah vor das Tor.

        Wie dem auch sei: Entscheidung im Elfmeterschießen nach 90 torlosen Minuten. Die Gastgeber vergeigten gleich den ersten Versuch, Offenbach traf mit jedem Schuss. Besonderheiten gab es sonst keine. Immerhin klappte die Nachtfahrt zum BER reibungslos. Der Zug kam sogar 14 Minuten zu früh in der Hauptstadt an. Das ist fast mehr wert als ein gutes Fußballspiel. (mm)

        VfL Bochum ‐ SC Paderborn 07 – 0:0

        VfL Bochum ‐ SC Paderborn 07 – 0:0

        „FRUST UND FROST IM REVIER“

        15.02.2026

        2. Bundesliga
        Ruhrstadion
        Zuschauer: 25.646

          BOCHUM – Über Düsseldorf ging es von einer kurzen Dienstreise heute wieder ganz allmählich Richtung Schwechheim. Winterfeeling mittlerweile auch in NRW. Amateurspiele waren rar gesät und wurden meist auf Kunstrasen ausgetragen – seit dem Wochenende regiert im Westen der Frost. Also gab es mal wieder einen Revisit in Bochum. Mein 8. Besuch im wunderbaren Ruhrstadion. Bei den sechs VfL-Spielen zuvor konnte bisher kein Heimsieg verbucht werden. 2011 stand zudem das Kracherspiel der Frauen-WM im Ruhrstadion auf dem Programm: Äquatorial-Guinea gegen Australien.

          Bei strahlend blauem Himmel sahen die Vorzeichen gar nicht schlecht aus. Der VfL bis zu diesem Zeitpunkt seit 8 Spielen in Serie in Liga 2 ohne Niederlage, brauchte einen Sieg, um sich aus dem Verfolgerfeld zu lösen und wieder im Aufstiegskampf anzuklopfen. In jenen Regionen spielt der SCP schon die ganze Saison mit. Dementsprechend konnte mit einem flotten Spiel gerechnet werden. Und so kam es auch.

          Nur leider ist ein flottes Spiel auch nicht immer ein Garant für volle Notizbücher. Bereits in der Straßenbahn konnte ein Gespräch belauscht werden, in dem ein „Jungsche“ die Heimfahrt der Ultras verriet. Aktueller Stand aus dem Buschfunk der Straßenbahn: Die Pader-Szene wurde aus der S-Bahn herausgefischt, weil sie vermummt zum Spiel fuhr. Und wieder ein paar Negativzahlen in der Statistik mehr. Offenbar war sogar eine Choreo in Bochum geplant. All Christians Are Brothers, aber niemals Freund und niemals Helfer. Ich sag euch das!

          Paderborn konnte den Block dennoch gut füllen und supportete bisweilen auch. Ich weiß zwar immer noch nicht, was ich mit dem Verein anfangen soll, aber meine Solidarität sei euch gewiss. Die nächste, hässliche Fratze des Fußballs: VAR. Nach einer halben Stunde wurde ein klarer Handelfmeter für den VfL gepfiffen. Schütze und Torwart standen sich schon Auge in Auge gegenüber. Da mischte sich der VAR ein. Anschließend war Referee Tom Bauer über das Funkmikrofon zu hören und verkündete ein vorheriges Foulspiel über die Stadionlautsprecher. Elfmeter annulliert. Einfach nur total spooky. Zumal der Schiri sich die Situation nicht nochmal vor dem Monitor zu Gemüte führte und diese Entscheidung ihren Ursprung wohl ganz alleine im Keller hatte.

          Endstand dieser Partie? Genau: 0:0. Das lag einerseits an dem starken SCP-Schlussmann Dennis Seimen, der einige Bälle aus dem Winkel kratzte. Und andererseits an dem Präsenzstürmer von Bochum: Philipp Hofmann. Der hatte zwar auch gute Szenen, ist in der Rolle als zentraler Spieler einer Mannschaft in jedem Bewegungsablauf aber einfach viel zu langsam. Seit der U21 und wahrscheinlich auch schon davor. Uwe Rösler: Vielleicht mal die kurze Hose wechseln und ’ne Brille aufsetzen – dann klappt’s beim nächsten Mal auch mit dem Sieg.

          Ansonsten hätte der VfL die 3 Punkte in allen Belangen verdient gehabt. Der Gegner wurde mehr und mehr überrollt, Paderborn wackelte am Schluss ganz gewaltig. Es war ein gutes 0:0. Soll ja auch mal vorkommen. Was bleibt sonst von diesem Nachmittag? Neben Frost und Frust nach wie vor eine richtig gute Dosis Ruhrpottfußball an der Castroper Straße. Wenn Herbert Grönemeyer seine Stadthymne vor dem Spiel zum Besten gibt, fühlt man sich den 80er-Jahren einfach ganz nah. 4630 Bochum, du Blume im Revier! Wir hoffen, dass unsere Bildergalerie euch dieses besondere Feeling im besten Falle bis nach Hause transportiert. Schönen Sonntag noch und bis zum nächsten Mal – dann auch wieder mit Gästefans, Toren und ohne VAR. (mm)

          SpVgg Sterkrade 06/07 – DJK Arminia Klosterhardt – 2:2

          SpVgg Sterkrade 06/07 – DJK Arminia Klosterhardt – 2:2

          „ACH, DU DICKER STEIN!“

          08.02.2026
          Bezirksliga Niederrhein 6
          Stadion „Am Dicken Stein“
          Zuschauer: 530

          OBERHAUSEN – Um 7 Uhr landete der Flieger aus Rumänien am Flughafen Dortmund. Was für eine unchristliche Zeit! Auf der anderen Seite war der Tag gerade erst 7h alt und wollte befüllt werden. Später warteten noch 3 Spiele in Oberhausen und Mülheim auf mich. Der Puffer zwischen der Landung und dem ersten Spiel wurde mit einem ausgiebigen Frühstück und einem Schwimmbadbesuch in Oberhausen bespielt. Praktischerweise lag der „AQUApark“ nur ein paar Minuten von dem ersten Ground des Tages entfernt. Fast neben dem Schwimmbad erfreut der „Zauberlehrling“ das Auge – ein tanzender Strommast, der als Skulptur von der Künstlergruppe „inges idee“ entworfen wurde.

          Damit war der Kulturteil abgehakt und frisch gefönt ging es zu den ersten beiden Begegnungen des Tages. 8 Wochen ohne Amateurspiel sollten zu Ende gehen. Doch die ersten beiden Partien in der letzten Liga bei SuS 21 Oberhausen III und Fatihspor Mülheim II waren harte Kost. Das wusste man vorher und so gab es trotzdem ein paar nette Dinge zu notieren: Bei SuS an der „Schleuse“ stimmte die Verpflegung. Da sowohl die II. als auch die I. Herren am Nachmittag antrat, wurde bereits bei der III. Mannschaft der Kiosk geöffnet und die Fritteuse leistete ganze Arbeit. In Mülheim konnte der Ground vom Dümptener TV durchaus überzeugen – viel wichtiger aber, dass sich nach einer halben Stunde die Sonne aus ihrem Wolkennest schälte und für leichte Frühlingsgefühle sorgte.

          Vom dritten Spiel des Tages versprach ich mir etwas mehr. Mit über einer halben Stunde Vorlaufzeit ging es nach Oberhausen-Sterkrade. Den Wagen etwas rechtswidrig auf einer Grünfläche abgestellt, wurde zügig der Eingang angesteuert. Dort angekommen, lautete der erste Gedanke: „Ach, du dicker Stein!“. Was war denn hier los? Lange Schlangen an der Kasse. Dass Platz 2 auf Platz 1 traf und der Sieger der Partie die Tabellenführung übernehmen würde, konnte zuvor dem DFB-Net entnommen werden. Auch wenn beide Vereine Oberhausener Ursprungs sind, hielt man das Spiel für eine wahllose Bezirksliga-Partie. Dass die jeweiligen Sportplätze keine anderthalb Kilometer auseinander liegen, wurde vorher jedoch nicht gecheckt. Lokalderby in der Bezirksliga!

          Eigentlich wollte vor der Partie noch der Magen befüllt werden. Doch dank des Andrangs reichte es gerade noch für eine entleerte Blase, da marschierten die Akteure schon ein. Auch in Sterkrade rundete ein azurblauer Himmel die Szenerie ab. Nicht zuletzt dank einer Kulisse von rund 600 Zuschauern strahlte der Groundhopper an diesem Sonntag-Nachmittag mit der Sonne um die Wette. Außerdem ließ das „Stadion Am Dicken Stein“ das Herz höherschlagen. Ein großer Wall mit alten Baumbeständen, die unüberdachte Tribüne mit den blauen Sitzen und viele kleine Details sorgen für einen Bezirksliga-Ground aus dem Bilderbuch. Die Verpflegung wurde natürlich sukzessive nachgeholt. Und Sterkrade tischte richtig auf: Neben einer sehr guten Bratwurst im Brötchen, gab es Currywurst mit lecker Soße und nach dem Spiel noch ein Stück Käsekuchen, sowie eine Frikadelle als Reiseproviant für die Rückfahrt. Auf die Erbsensuppe verzichtete ich, bekam aber auf meine Nachfrage in Sachen Tickets gleich drei verschiedene Sammler-Exemplare in die Hand gedrückt. Sensationell!

          Genau so muss Amateurfußball sein! Das galt nicht nur für die Beköstigung, sondern auch für den sportlichen Teil. In einer intensiven Bezirksliga-Partie ging es von der ersten Sekunde an voll zur Sache. Klosterhardt hatte die besseren Ansätze, Sterkrade kämpfte sich in die Partie zurück und erzielte nach einer halben Stunde den ersten Treffer des Tages. Im Ruhrgebiet gehören die Meckerrentner einfach dazu. Natürlich auch in Oberhausen. Wäre es nach ihnen gegangen, so wäre spätestens jetzt Schluss gewesen, „…weil hier heute eh nichts passiert“. Doch das Gegenteil war der Fall, die Partie wurde immer besser.

          Der Halbzeitführung für Sterkrade folgte der verdiente Ausgleich für die Arminia. Dann wurde es bunt. Ein Gästespieler sah die Rote Karte und fortan beherrschten die Emotionen dieses Spiel. Denn Klosterhardt war nicht zufrieden mit dem Platzverweis und die SpVgg legte schnell das 2:1 nach. Die nächste strittige Situation ließ nicht lange auf sich warten: Elfmeter für die Gäste. Das war die Rettung für Klosterhardt, aber den Elfer konnte man geben – 2:2! In einer wilden Schlussphase stand die Abwehr auf beiden Seiten schließlich offen wie ein Scheunentor, aber es blieb bei dem gerechten Remis. Oder wie die Meckerrentner sagen würden: „Hier wollte heute ja eh kein Team gewinnen“. (mm)

          Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

          Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

          „DIE LEDERHOSEN HÄNGEN AUF HALBMAST“

          31.01.2026
          Bundesliga
          Volksparkstadion
          Zuschauer: 57.000

          HAMBURG — Die Bundesliga hat sieben Jahre auf den Nord-Süd-Klassiker gewartet und im September war es in München wieder soweit. Vor dem Abstieg des Hamburger Sportvereins gab es in der Allianz Arena regelmäßig sehr eindeutige Ergebnisse, so auch im September. Mit dem 5:0 waren die Gäste noch sehr gut bedient. Wenn man sich die Statistik genauer anguckt, waren die Ergebnisse in Hamburg deutlich enger als in München. Dies war eigentlich auch die einzige Hoffnung der Hamburger, gegen die Übermacht aus München standzuhalten.

          Bei eisigen Minusgraden ging es ins ausverkaufte Volksparkstadion. Die Mannschaften wurden zum Warmmachen von ihren Lagern gefeiert und die Schickeria baute währenddessen ihre Choreographie auf. Auf Hamburger Seite gab es „nur“ ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Verantwortung bleibt“. Ein Hinweis auf die Gedenkaktion für die Opfer des Nationalsozialismus. Als neutraler Beobachter ist dies für das erste Samstag 18:30 Uhr Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga ein bisschen dürftig. Aber beschweren will ich mich hier ausdrücklich nicht, denn die Ultras der Heimseite hatten letzte Woche ihr Derby auf St. Pauli und zauberten gleich zwei Choreographien hervor. Dazu muss man auch noch sagen, die Jungs machen dies in ihrer Freizeit und opfern viele Stunden, damit der Rest ein Foto knipsen kann.

          Somit sahen die Zuschauer ein großes FC Bayern Logo und dazu ein paar farblich passende Zettel. Leider verpassten ein paar Leute ihren Einsatz, wodurch die Choreographie ein bisschen unsauber aussah.

          Gepeitscht vom lautstarken Publikum kämpfte sich der Gastgeber in die Partie. Die Devise war, den Gegner mit vielen kleinen Nicklichkeiten zur Weißglut zu bringen und die Bayern nicht ins Spiel kommen zu lassen. Während auf der Nordtribüne quasi durchgehend ein paar Fackeln angezündet wurden, spielten die Hamburger stark auf. Nach 34 Minuten explodierte das Volksparkstadion das erste Mal. Remberg fädelte bei Kimmich sehr geschickt ein und Fabio Vieira traf vom Punkt. Die Freude hielt aber nicht lange, denn Harry Kane konnte acht Minuten später den Ausgleich erzielen.

          Die Fans im Gästeblock sahen das 1:2 direkt nach der Pause nicht, da die Schickeria eine gut organisierte Pyroshow aufs Parkett legte. Es gibt viele Hater gegenüber dieser Gruppierung, aber trotz der Probleme mit der Vereinsführung lieferten sie diese Saison optisch ab.

          Wer sich einige Spiele der Bayern anguckt, weiß, dass dieser Spielverlauf immer gleich abläuft. Bayern dreht das Spiel und gewinnt am Ende klar und deutlich. Nicht aber heute, denn der HSV hat ein Juwel in der Innenverteidigung. Luka Vuskovic räumt nicht nur hinten alles ab, sondern erzielt auch regelmäßig Tore. In Minute 53 köpfte er das Leder in typischer Stürmermanier in die Maschen. Extase im Volksparkstadion. Als „Kind der Bundesliga“ muss man eigentlich traurig sein, dass so ein guter junger Spieler nächste Saison zu 99,9 Prozent in der Premier League spielt.

          Mit der Euphorie des Tores erspielten sich die Hamburger noch ein bis zwei riesige Torchancen, aber Davies verhinderte das sichere 3:2 für die Gastgeber. In den letzten 20 Minuten spielten nur noch die Bayern, aber die HSVer warfen sich in jeden Ball und verteidigten das Remis mit Mann und Maus. Ein bisschen Glück war auch dabei, denn wenn der Schiedsrichter einen anderen Blickwinkel auf zwei Aktionen gehabt hätte, dann wäre für die Bayern auch ein Elfmeter in der Schlussphase drin gewesen.

          Unterm Strich ging das Remis aber in Ordnung. Der Sieger waren die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen, denn sie haben einen packenden Klassiker gesehen. So macht die Bundesliga Spaß.

          Nach dem Spiel gab es in den Katakomben noch ein paar völlig unnötige Aufreger von den Bayern Spezis aufgrund der „schlechten“ Schiedsrichterleistung. Die Kimmichs und Kanes sollten vielleicht mal lernen, mit einem Dämpfer umzugehen. Immer wenn sie nicht ihren Willen durchkriegen, wird geweint. Das verbessert den Eindruck auf die Bayern auch nicht. Seht es sportlich, die Lederhosen wurden nicht ausgezogen, sondern hängen nur auf Halbmast. (mb)

          VfL 08 Resse – DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen (3:5)

          Moin und „Tach auch“ – wieder mal eine Winter-Woche fast geschafft. Am Sonntag ist der Januar Geschichte und auch wenn man das im Moment kaum glauben mag: Der Frühling kommt jeden Tag etwas näher! Aktuell ist an Amateurfußball kaum zu denken. Aber wenn es wieder so weit ist: Macht euch auf nach NRW!

          Am besten nach Gelsenkirchen. Aus der „Stadt der 1000 Feuer“ hatten wir schon einige Perlen im Portrait. Heute folgt eine weitere: Die „Bezirkssportanlage im Emscherbruch“ ist unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (84)!

          Der Ground befindet sich im Nordosten der Stadt und wird gleich von zwei Teams genutzt: Viktoria Resse 75 und VfL 08 Resse tragen im Emscherbruch ihre Heimspiele aus. Die BZA wird also jedes Wochenende bespielt. Lange dauert es nicht mehr und die Sonntage im Ruhrgebiet ergeben endlich wieder einen Sinn!


          08.08.2024
          BZA im Emscherbruch
          VfL 08 Resse – DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen (3:5)

          Union Brescia – AC Renate – 1:2

          Union Brescia – AC Renate – 1:2

          „FOOTBALL VIDEO SUPPORT – DIE HÄSSLICHE FRATZE ITALIENS“

          24.01.2026
          Serie C – Girone A
          Stadio Mario Rigamonti
          Zuschauer: 8.269

          BRESCIA — Am Freitag fror sich der Redakteur dieser Zeilen den Arsch im Millerntorstadion ab. Zehn Stunden später stieg ich als einer der letzten Passagiere in den easyJet Flieger, da es an der Sicherheitskontrolle etwas länger als erwartet dauerte. Pünktlich brachte uns das orangene Lieblingsobjekt nach Malpensa. Dort stand bereits der sehr kostengünstige Opel Crossland bereit, um die Reisegruppe nach Brescia zu bringen. Direkt am Stadion steuerten wir den Parkplatz am VIP Bereich an und fragten, ob wir unser Auto hier abstellen können.
          „Haben Sie einen Parkausweis für dieses Spiel?“
          Natürlich waren wir nicht im Besitz eines solchen. Nach einer kurzen Fragerunde sagte die nette Dame zu uns: „Heute könnt ihr ausnahmsweise hier parken, beim nächsten Mal benötigen wir aber ein Ticket.“
          Natürlich machen wir das, danke. Sie wird nie erfahren, dass wir wahrscheinlich nie wieder das Stadio Mario Rigamonti besuchen werden.

          Vor dem Stadion gönnten wir uns ein Panini mit Fleisch, gebratenen Paprika und Zwiebeln. Ein absoluter Hochgenuss. Gesättigt betraten wir das Stadion und begaben uns auf unsere Plätze. Positiv gestimmt freuten wir uns über den guten Support der Curva Nord. Dies ist nicht selbstverständlich, denn Union Brescia wurde erst am 17.07.2025 gegründet. Der ursprüngliche Klub Brescia Calcio konnte zum Saisonende die Gehälter nicht bezahlen, wodurch ihm vier Punkte abgezogen wurden, was gleichbedeutend mit dem Abstieg war. Aufgrund ausstehender Verbindlichkeiten und der anstehenden finanziellen Herausforderungen in der Serie C meldete Brescia Calcio Insolvenz an. Dies führte zur Auflösung des Vereins.

          Neugeboren als Union Brescia läuft es in der jetzigen Situation gut. Auch heute fingen die Boys in Blue stark an, bis Renate in der 25. Minute die Zuschauer mit dem 0:1 schockierte.

          Der wahre Schocker der Partie kam für uns in Minute 34. Der Trainer übergab dem vierten Offiziellen einen Brief und das Spiel wurde unterbrochen. Der Schiedsrichter kam vier Minuten später zurück, zeigte Gelb und gab Einwurf. Wir waren maximal verwirrt und auch die Zuschauer um uns herum schüttelten den Kopf. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: In der italienischen Serie C wird seit der Saison 2025/26 der sogenannte Football Video Support getestet. Dieses Challenge System erlaubt den Trainern der jeweiligen Teams, zweimal pro Halbzeit eine strittige Situation anzufechten. Tore, Elfmeter, direkte Rote Karten und Spielerverwechslungen dürfen überprüft werden. Hat der Trainer Recht, behält er seinen Brief. Dies führt zu absurd langen Nachspielzeiten und zu Hass bei Fußballromantikern wie mir. Für mich ist dieses System ein absolutes No Go. Sind wir hier beim Tennis oder beim American Football? Dieser Schrott verbessert den Fußball nicht, er macht ihn unattraktiv und nervig. Fußball sollte Fußball bleiben und keine Telenovela vor einem 24 Zoll Fernseher werden. Wer gebannt auf einen Bildschirm starren will, soll sich die Highlights vom Dschungelcamp auf RTL reinziehen und nicht ein Spiel pfeifen und mit einem Brief zum Fernseher laufen, um eine Challenge zu überprüfen.

          Die Challenge, das Spiel zu drehen, klappte trotz Brief und Roter Karte gegen Renate nicht. Am Ende müssen sich die Gastgeber mit einer unglücklichen 2:1 Niederlage zufriedengeben.

          Trotzdem waren wir zufrieden, den Traum aus Stahlrohr besucht zu haben. Wenn man genau hinsieht, erkennt man das Rund hinter den Stahlträgern in der Ecke. Warum die Italiener so auf Stahlrohrtribünen stehen, weiß wahrscheinlich noch nicht einmal der Challenger. Aus Fansicht kann man nur hoffen, dass Brescia wieder zu alten Höhen zurückfindet und die Curva Nord ihre Jungs zukünftig wieder gegen Monza, Cesena oder Palermo anfeuern kann, denn die Serie C ist ein Haifischbecken für gestrandete Existenzen. (mb)

          1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden – 1:2

          1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden – 1:2

            „DYNAMO GEWINNT ELB-CLÁSICO“

            24.01.2026

            2. Bundesliga
            Heinz-Krügel-Stadion
            Zuschauer: 27.875

              MAGDEBURG – Das Derby zwischen den ehemaligen DDR-Größen 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden stand unter besonderen Vorzeichen. Beide Teams befanden sich mitten im Abstiegskampf. Zwischen dem Tabellen­vorletzten SG Dynamo Dresden und dem vierzehnten aus Magdeburg lagen vor dem Spiel lediglich vier Punkte. Zudem handelte es sich um das Samstagabend-Topspiel der 2. Bundesliga.

              Bevor es jedoch zum Klassiker an die Elbe ging, wurde sich der Abstiegs­konkurrent Fortuna Düsseldorf bei seinem Gastspiel an der Leine angeschaut. Nach einem versuchten Blocksturm der Gästefans kam es zu Stauungen am Eingangstor der Südkurve. Das Stadion konnte jedoch gerade noch rechtzeitig vor Anpfiff betreten werden. Die Fans vom Rhein fielen – wie schon oft in dieser Saison – mit einem ansprechenden Szenebild auf und zündelten nahezu durchgehend rote Fackeln und Rauch.
              Auf dem Rasen zitterte sich Hannover am Ende zu einem 2:1-Sieg.

              Nach dem Spiel wurde ich netterweise von einem Austria-Salzburg-Fan mitgenommen, der zum Hoppen in Deutschland unterwegs war. Nach einer Stärkung in einem italienischen Restaurant in Braunschweig kamen wir schließlich rund eine Stunde vor Anpfiff am Stadion des 1. FC Magdeburg an.

              Vor einigen Jahren hatte ich hier bereits meinen HSV im Gästeblock gesehen. Nun sollte der Ground allerdings noch einmal mit neutraler Brille gekreuzt werden. Und genau wie damals zeigte der Block U auch dieses Mal wieder eine sehenswerte Choreografie.

              Die Bereiche der Tribüne wurden aufgeteilt und bildeten durch eingesetzte Regenponchos ein blau-weißes Schachmuster. Der Spruch „FCM – unser Leben, so haben wir es gewollt“ rundete die Choreo ab. Wenig später leuchtete die gesamte Tribüne quasi auf Knopfdruck rot auf.

              Auch im Gästeblock gab es etwas fürs Auge. Unter dem Motto „Sachsen regiert“ zeigten die Dynamo-Fans eine riesige Blockfahne. Zu sehen war ein Dynamo-Krieger, der einen am Boden liegenden Magdeburg-Fan mit einem langen Schwert bedrohte. Die Mitmachquote war auf beiden Seiten überragend. Besonders deutlich wurde dies beim Einsatz der Schals sowie bei der zwischenzeitlich unfassbaren Lautstärke.

              Zwischendurch kam es zu diversen Provokationen: Leuchtraketen wurden in Richtung der benachbarten Magdeburger geschossen, außerdem wurden Gesänge wie „Wollt ihr mit uns spielen?“ oder „Schwuler FCM“ angestimmt.

              Einig war man sich allerdings in der Meinung zur Polizei. „ACAB“ („All Cops Are Bastards“) wurde im Wechselgesang skandiert. Grund dafür war offenbar ein als fragwürdig empfundener Polizeieinsatz.

              Salz in die Wunde streute schließlich das 1:2 durch Keller in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, wodurch es mit einer knappen Gästeführung in die Kabinen ging.

              Kurz nach dem Seitenwechsel zündete auch Dynamo „auf Knopfdruck“ ordentlich Pyrotechnik in Form von Rauch und Stroboskopen, sodass das Spiel aufgrund der Nebelbildung kurzzeitig unterbrochen werden musste. Nach Wiederaufnahme der Partie gab es zwar noch weitere Torchancen auf beiden Seiten, ein weiteres Tor fiel jedoch nicht mehr. Somit konnte sich Dynamo für die 1:2-Heimniederlage im August des vergangenen Jahres revanchieren.

              Für mich war es nach den Spielen Chemie – Lok und Jena – Erfurt bereits das dritte Ost-Derby, und auch dieses Mal hatte es sich wieder gelohnt.
              Mal sehen, welches Derby als Nächstes besucht wird. (fj)

              FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

              FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

              „AUẞER SPESEN NICHTS GEWESEN“

              23.01.2026
              Bundesliga
              Stadion Millerntor
              Zuschauer: 29.083

              HAMBURG – Keine Punktlasten auf dem Dach und das Schneelastenbegrenzungskonzept spielte zum Glück keine Rolle mehr, obwohl sich auf dem Heiligengeistfeld noch große Schneetürme befanden: Das 113. Stadtderby zwischen St. Pauli und dem HSV konnte ausgetragen werden, trotz eisiger Minustemperaturen. 14 Tage zuvor waren beide Heimspiele der Hamburger Vereine dem Winter zum Opfer gefallen. Im Nachhinein wäre eine Absage vielleicht sogar die Rettung für das Derby gewesen, denn irgendwie hatten die kräftigen Minustemperaturen schon Einfluss auf das Spiel. Eine Austragung im März und die ganze Geschichte hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen.

              Dabei war alles angerichtet für einen schönen Fußball-Abend. Dank einiger „subunternehmerischer Tätigkeiten“ bei einem großen Hamburger Fußballmedium, das sich vor allem mit Marktwert-Analysen beschäftigt, durfte ich diesmal den „Ballsaal“ auf der Südtribüne betreten. Dort konnte man sich getrost die Jacke ausziehen und der Weg zum gepolsterten Sitzplatz war mit Delikatessen wie Pulled-Pork-Burgern und Königsberger Klopsen gepflastert. Die beiden Redaktionskollegen auf der Haupttribüne und im Gästeblock lieferten diesmal die besseren Fotos ab, froren sich aber den Arsch ab.

              10 Minuten vor dem Anpiff auf den teuren Plätzen angekommen, war ich plötzlich Teil der Pauli-Choreo. Daher ging es schnell an den Rand, auch wenn die Heim-Choreo verborgen blieb, war der Blick ins Stadion wieder hergestellt. Der HSV erzeugte ein Kurvenbild mit blau-weißen Elementen. Bei Pauli gab’s ein übergroßes Wappen und ein bisschen Feuer. Solide, aber für ein Derby eher Magerkost. Dasselbe galt für das Spiel. Verletzungspausen und behäbiges Aufbauspiel prägten den ersten Abschnitt. Plötzlich war eine halbe Stunde rum – und die Rivalen hatten die „Abtastphase“ noch immer nicht beendet. Beide Teams befinden sich in einer Formkrise und keine Mannschaft war willens, diese Krise zu beenden. Böse Zungen behaupten: Der Winterschlaf im Hamburger Fußball sei noch immer nicht beendet.

              In der zweiten Halbzeit wurde es aber tatsächlich besser. Die Choreos auf den beiden Hintertorseiten konnten überzeugen. Das schönere Bild gaben die Gäste ab, dafür krachte es bei St. Pauli im Block ein bisschen mehr. Auch auf dem Rasen schalteten die Akteure einen Gang höher. Es deutete sich ein Übergewicht vom HSV an, aber in der kurzen Druckphase erspielte sich die Polzin-Elf zu wenig zwingende Chancen. Daher ist es im Nachhinein wirklich kein Ruhmesblatt, dass die Rothosen mit ihrer ungefährlichen Dominanz die noch schwächere Kiezelf quasi aufbauten. Am Ende lag das Chancenplus bei St. Pauli. Aber alles nicht nennenswert. Das einzig gerechte Ergebnis lautete: 0:0. Die bittere Wahrheit, die vor dem Spiel schon herumgeisterte. Außer Spesen nichts gewesen. Nie traf dieser Spruch besser zu als an diesem Abend.

              Mit dem Abpfiff blieb das Stadion mucksmäuschenstill. Nach diesem Gekicke waren beide Fanblöcke sprachlos und vermutlich komplett durchgefroren. Irgendwie haben die Vereine zur Zeit mit sich selbst zu kämpfen. Bei dem fantasielosen Fußball und der Tabellensituation kein Wunder. Sollte am Ende zumindest ein Hamburger Erstligist den Gang in die Zweite Liga antreten, dürfte es beim Wettanbieter des Vertrauens keinen allzu großen Erlös für diesen Tipp geben. Das ist auch ok. Jetzt heißt es erstmal wieder: Kraft tanken und dann trifft man sich irgendwann zum Derby wieder. Wenn die Formkurve nach oben zeigt. Und es wieder wärmer ist. (mm)

              Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)

              Herzlichen willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! In der 82. Ausgabe unserer beliebten Kategorie melden wir uns aus Deutschland zurück! Bevor der hiesige Amateurfußball unter der aktuellen Schneedecke völlig in Vergessenheit gerät, gibt es einen Schwenk in die Landesliga Westfalen. Hereinspaziert in die ehrwürdigen „Kampfbahn Schwansbell“, wo der Lüner SV seine Heimspiele austrägt.

              Der Spielort wurde im Jahre 1952 errichtet und erlebte in den 1960er- und 70er-Jahren legendäre Spiele. In der zweitklassigen Regionalliga West empfing der LSV unter anderem Borussia Dortmund zum Punktspiel. Viel verändert hat sich in der Kampfbahn seitdem nicht. Vor etwa 15 Jahren gab es eine kleine Frischzellenkur für das Stadion, aber die schiefen Stufen und die Tribüne aus jener Zeit sind geblieben.

              Ein echter Geheimtipp im dichtbesiedelten NRW, der viel zu selten genannt wird, wenn es um die Groundperlen im Ruhrgebiet geht.


              06.10.2024
              Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)
              Kampfbahn Schwansbell

              Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

              Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

              “ADVENT ADVENT – DAS STADION BRENNT”

              20.12.2025
              2.Bundesliga
              Holstein Stadion
              Zuschauer: 15.034

              KIEL – Das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres stand an, und kurz vor Weihnachten bescherte uns die DFL einen wunderbaren Doppler. Um 15:30 Uhr sollte der eigene Verein, der HSV, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen, und um 20:30 Uhr folgte das Topspiel des Tages: Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden. Zwei der besten Fankurven zu Gast im hohen Norden – und das an einem Tag. Was will man mehr?

              Der Spieltag begann im Hamburger Volkspark, wo die Hamburger Gruppe Sektion Schleswig-Holstein ihr 15-jähriges Jubiläum feierte und dabei eine Choreografie zeigte.

              Die Gäste vom Main zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik, während auch der Förderkreis Nordtribüne sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Spiel endete vor dem ausverkauften Haus mit 1:1.

              Nach dem Abpfiff ging es zum Auto, das in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen abgestellt war. Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten wir die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und parkten in der Nähe eines Edeka-Marktes. Schnell noch im genannten Supermarkt mit einem nicht allzu leckeren Frikadellenbrötchen gestärkt, stand man kurze Zeit später im alten Gästeblock des Holstein-Stadions: Block L. Die knapp 17 Euro Eintritt sollten sich definitiv lohnen. Bereits vor dem Anpfiff zeigten die Cheerleader, was sie draufhaben. Eine einstudierte Aufführung direkt vor dem Gästeblock wurde zunächst mit Applaus begleitet. Als am Ende jedoch die Holstein-Fahne zum Vorschein kam, wurden die Damen und der Herr mit „Fotzen“-Sprechchören verabschiedet. Mindestens genauso sehenswert wie der Auftritt der cheerleader war das, was in den Fanblöcken abging. Dynamo zeigte zum Intro ein Schachbrettmuster in den Vereinsfarben. In der Mitte des Blocks war eine Blockfahne angebracht, auf der das Wappen der SG Dynamo zu sehen war.

              Auf der anderen Seite wünschte die Kieler Ultra-Gruppe New Connection allen Kasselern und Kielern frohe Weihnachten, da die Gruppe eine Fanfreundschaft mit Kassel pflegt. Bei ihrer Choreografie wurden drei Weihnachtselemente gezeigt: ein Weihnachtsbaum, ein Kaminofen mit KSV-Socken sowie ein weiterer Weihnachtsbaum in der Mitte des Blocks. Aus dem Kaminofen brannten mehrere Fackeln, und auch neben den genannten Basteleien funkelte, blinkte und qualmte es lichterloh.

              Das Spielgeschehen war von Beginn an zweitrangig, da das Drumherum deutlich interessanter war. Dynamo sang mehrere Gassenhauer, wie zum Beispiel: “Von Dresden bis zum Kosovo, immer wieder Dynamo“. Beeindruckend, wie es die Fans aus Dresden immer wieder schaffen, ein geschlossenes Bild abzugeben. Nahezu jeder – inklusive der Spieler beim Aufwärmen – trug einen Schlauchschal, der für einen Zehner als Mottoartikel verkauft wurde. Zudem folgte fast jeder dem Aufruf: „Alle in Bomberjacke“. Die Mitmachquote beim Support dürfte im hohen Neunzigerbereich gelegen haben. Besonders laut wurde es, als Vermeij die Gäste in Führung brachte. Auch wenn es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, waren alle Dresdner im Block bereit für die zweiten 45 Minuten. Knapp fünf Minuten nach Wiederanpfiff brannten bereits vereinzelte Lichter im Gästeblock. Schließlich sauste eine Rakete in die Luft – doch noch bevor diese explodierte, explodierte das Stadion. Kiel traf zum 2:1, und Millisekunden später brannte der Dynamo-Block. Neben Raketen wurden auch gelbe Farbfontänen in die Luft geschossen. Es rauchte gelb und blinkte hell – ein absolut eindrucksvolles Bild.
              Auch als der gesamte Block der SG Dynamo „Walzer tanzte“, zeigte sich die geballte Qualität der Dynamo-Anhänger: Champions League! Lichtjahre davon entfernt ist allerdings die Mannschaft der Gäste. Dresden überwintert nach drei Niederlagen in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Wie von einem Aufsteiger erwartet, wird es sehr schwer, die Liga zu halten. Der Absteiger aus Kiel hingegen verschaffte sich etwas Luft von den unteren Rängen und konnte entspannter in die Festtage gehen.

              Einen großen Weihnachtswunsch äußerte noch der Holstein-Fan (hr): Er hoffe, dass Kollege (tp) sich eine Rückrunden-Dauerkarte holt, da er aus 13 KSV-Spielen nur eine Niederlage der Kieler miterlebte. Ich persönlich hoffe, dass (tp) in Zukunft mehr dem HSV Glück bringt und man in der kommenden Saison nicht auf Holstein Kiel treffen wird.

              Der Schwechheimer Landbote wünscht allen frohe Weihnachten! (fj)

              FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

              FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

              „62.278 FREUNDE AUF DEM BERGER FELD”

              14.12.25

              2. Bundesliga
              Veltins Arena
              Zuschauer: 62.278

              GELSENKIRCHEN – Erst neulich berichtete Kollege tp begeistert vom Nebenplatz des Südstadions Haidekamp. Wenn man schon bei Nebenplätzen ins Schwärmen gerät, kann es sich fast nur um Gelsenkirchen handeln. Die “Stadt der 1000 Feuer” ist ein Paradies für alle Groundhopper, die auf der Suche nach morbidem Charme alter Sportanlagen sind. Auch mich zog es am vergangenen Sonntag in den Pott, allerdings war der Tag (mal wieder) anders geplant.

              Eigentlich standen Sparta Rotterdam und AZ in den Niederlanden auf der Agenda, aber das Spiel von Alkmaar wurde verlegt. Ein vernünftiger Doppler ließ sich nicht mehr finden und so steuerte ich das Ruhrgebiet an. Kurzfristig organisierte mir Hopperkollege fw eine Karte für das “Freundschaftsspiel” zwischen Schalke und Nürnberg, danke nochmal! Vorher trafen wir uns an der Plutostraße, wo bei Kaffee die Partie verquatscht wurde. Selbstredend ist die dortige Sportanlage Tossehof mit Ascheplatz und Stufenausbau empfehlenswert.

              Mit Abpfiff musste ich mich sputen, konnte aber mein Auto rechtzeitig im Stadtteil Beckhausen abstellen und lief den Rest durch das Naturschutzgebiet zur Arena auf dem Berger Feld. Nach dem Spiel kommt man von dort auch deutlich besser weg als von der östlichen Seite. Wie erwartet meldete Schalke ausverkauft und mit einem Sieg gegen die Clubberer winkte die Herbstmeisterschaft.

              Auf den Rängen erwartete ich nicht unbedingt eine Riesenvorstellung, denn die Nordkurve hatte erst im Heimspiel zuvor eine fette Choreo zum 150. Stadtgeburtstag abgeliefert. Doch die Schalker belehrten mich eines Besseren: gekleidet in blauen und weißen Ponchos formte die Tribüne das Vereinswappen. Zum Einlaufen der Mannschaften hielten die Fans schwarze und rote Folien hoch und zeigten das Wappen der Nürnberger Freunde. Das Ganze lief dann ein paar Mal im Wechsel. Absolut synchron und eine starke Präsentation, Hut ab!

              Die Ponchos blieben die ganze erste Halbzeit an und insbesondere bei den Hüpfeinlagen ergab das ein top Bild, wenngleich akustisch schon mehr hätte gehen können. Im Gästeblock spulten die Glubb-Fans ein solides Programm ab. Das Geschehen auf dem Rasen war dürftig, aber wen der 62.728 Freunde juckt das an so einem Tag?

              Schalke gewann letztlich 1:0 und ich gönnte mir im Anschluss noch den obligatorischen Taxiteller. Mit etwas Wehmut fuhr ich zurück nach Schwechheim, denn in der “Active City” erwarten mich die zumeist trostlosen Plastikwiesen ohne Seele. Doch Gelsenkirchen sieht mich im neuen Jahr bestimmt wieder, denn die To-Do-Liste an urigen Sportplätzen ist noch lang. (hr)

              SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

              SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

              „VIELE FRAGEZEICHEN STATT VIER ZIFFERN“

              12.12.2025
              Landespokal Hamburg
              Stadion Hoheluft
              Zuschauer: 1.512

              HAMBURG – Was wurde nicht schon alles über diese Begegnung und diese Vereine geschrieben. Das älteste Derby Deutschlands soll es sein, seit 1898. Erwin Seeler lief im Trikot der Victoria als Verräter der Arbeiterklasse auf. Altona als erster Austragungsort um die Deutsche Meisterschaft, sorgte schon 1903 für Furore. Sogar ein Spiel auf Helgoland zwischen den beiden Vereinen wurde einst ausgetragen. Aus Promo-Zwecken fand vor 101 Jahren eine Begegnung der Traditonsklubs auf der Hochseeinsel statt. Spiele auf Helgoland, die viel Aufsehen erregen, sind im Groundhopper-Kosmos ja noch gut bekannt.

              Der Hamburger Klassiker – also ein Duell, das die neutralen Fußball-Fans und Atmo-Hopper anlockt wie die Motten das Licht. So war es die letzten Jahre und auch diesmal durfte „Vicky“ sich über rund 2000 Zuschauer freuen. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nämlich vom Stadionsprecher mit dem Zusatz garniert: „…und bestimmt 1000 Kindern und Jugendlichen, die freien Eintritt erhielten“. Wie dem auch sei, am Ende einigte man sich auf 1512 Personen vor Ort. Aber das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Die Holztribüne und der Gästeblock waren jedenfalls rappelvoll und das ist ja die Voraussetzung für ein stimmungsvolles Derby.

              Ein stimmungsvolles Derby – so sah es vor dem Anpfiff auch aus. Beim Betreten des ehrwürdigen Grounds wurde schon eine große Zaunfahne vor dem Gästeblock mit der Aufschrift: „Die Macht von der Griegstraße“ gesichtet. Daneben versammelte sich eine Handvoll Heimfans hinter einer neuen Gruppenfahne mit der erwartungsfrohen Kunde: „Tresensport Victoria“. Während im Auswärtsblock lediglich eine Konfettikanone gezündet wurde, gab es bei „Vicky“ Rauch in den Vereinsfarben und Blinker zu sehen. 1:0 für Victoria und das nicht nur auf den Rängen, denn der Oberligist ging gegen den Regionalligisten früh in Führung und keiner konnte ahnen, dass es mit der Durchsage des Torschützen schon vorbei war mit den Highlights an diesem Abend. „Sönke Otto Karl-Heinz Meyer“ traf per Direktabnahme zum 1:0, wie der Stadionsprecher brühwarm und voller Stolz verkündete, was die Tribüne sehr erheiterte.

              Victoria blieb nach der Führung gefährlicher und erstickte die lahmen Versuche der Gäste den Ausgleich zu erzielen im Keim. Da die Heimelf komfortabel in Führung lag, passierte nicht mehr viel. Die Darbietungen der Schwarz-Weiß-Roten fanden zu Beginn der zweiten Hälfte ihr Echo im Gästeblock, wo eine Choreo gestartet wurde, die auf vier Doppelhaltern das Gründungsjahr „1893“ zeigen sollte und vollkommen verhunzt wurde. Viele Fragezeichen statt vier Ziffern: Alles durcheinander, schief und krumm, dass man sich ernsthaft die Frage stellte, ob der AFC dieses „Choreo-Ding“ mit der Aktion persiflieren wollte. Auch sonst stinkte der gut besetzte Gästeblock mit mindestens 500 Fans gegen die Suff-Elite vom Lokstedter Steindamm ab, die mit einem Dutzend Leuten hinter dem Wellenbrecher mehr Eindruck hinterließ als die erprobte AFC-Szene.

              Es läuft einfach aktuell nicht gut bei Altona. Dazu passt die erste Derby-Niederlage seit über 7 Jahren und das Aus im Pokal-Achtelfinale, das man nicht mehr abwenden konnte, obwohl in der Schlussphase die Zügel auf dem Kunstrasen angezogen wurden. Auch das letzte Stadtderby im April auf der AJK mit dem goldenen Tor in der Nachspielzeit war nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht sollten es die beiden Vereine mal wieder auf Helgoland versuchen… (mm)

              Borussia Dortmund II – SV Elversberg

              Es ist wieder soweit:
              Der Freitag ist da und somit auch eine neue Ausgabe von der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (77).
              Heute stellen wir die Kampfbahn Rote Erde vor, besser bekannt als Stadion Rote Erde, das sich direkt hinter der Osttribüne des Westfalenstadions befindet.
              Der Begriff Rote Erde ist eine historische Bezeichnung für das Westliche Westfalen zwischen Niederrhein und Weser.
              Das Stadion wurde von 1924 bis 1926 von Arbeitslosen im Rahmen von Notstandsarbeiten erbaut, und ist für mehrere Veranstaltungen erbaut wurden (Fussbal, Boxen, Leichtathletik).
              1929 fand hier das Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft 1928/29 statt, zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC, das die Alte Dame mit 4:1 für sich entschied.
              Die Rekordkulisse stammt vom 19.01.1948 und beträgt 46.000 Zuschauer im Oberligaspiel zwischen dem BVB und dem S04.
              Die heutige Kapazität beträgt nur noch 25.000.


              29.04.2023
              Stadion Rote Erde
              Borussia Dortmund II – SV Elversberg

              Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

              Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

              „CHANCENLOS IN DER HEIMISCHEN GOSEBURG“

              06.12.2025
              Oberliga Niedersachsen
              Nachwuchs-Trainings-Zentrum Goseburg
              Zuschauer: 280

              LÜNEBURG – Am vergangenen Samstag fand um 14 Uhr auf dem Sportplatz in der Goseburg das Oberliga-Spiel zwischen dem Lüneburger SK und dem MTV Wolfenbüttel statt. Und das im Dezember bei 12 Grad und leichtem Regen – unfassbar, dass man bei diesen Temperaturen doch noch die Chance hat, in Norddeutschland ein Fußballspiel zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern bei den „Meckis“ – da hat man noch Eier, schrieb mal ein Redaktionskollege. Aber in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sollte man sich schon glücklich schätzen, wenn man bei diesen Außentemperaturen auf einem Rasenplatz ein Fußballspiel sehen kann. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden sich 280 Zuschauer auf der Anlage ein, davon rund 30 aus Wolfenbüttel. Auch die frisch gegründete Lüneburger Fangruppe „Salzstadt Legion“ war mit fünf Leuten vor Ort. Zu ihnen gesellten sich noch weitere 25 Fans, sodass in der „LSK-Fanecke“ ungefähr 30 Personen lauerten und sich am akustischen Support beteiligten. Schlachtrufe im englischen Stil kamen gut an, da wurde es unter der Beteiligung einiger Fans richtig laut. Bei melodischen Liedern hörte man einzig und allein den Vorsänger. Das war aber nicht nur dem Aspekt geschuldet, dass die Mitmachquote der anderen Fans bei nahezu 0% lag, sondern vielmehr an dem Aspekt, dass eben genannter Einpeitscher ein Megafon im Anschlag hatte. Ich persönlich feiere es sehr, wenn sich ein paar Jugendliche zusammentun und den örtlichen Verein supporten. Mir erschließt es aber bis heute nicht, warum man für einen Fanblock, der aus keinen zwanzig Leuten besteht, ein Megafon nutzt. Letzten Endes hört man dann nur den Menschen am Megafon – wie sollen da auch 4-5 andere Supporter dagegen anschreien? Kleine Randnotiz: Nur 400 km Luftlinie östlich von uns hat fast jeder Amateurverein eine kleine Fanszene von 20-80 Leuten. Und selbst bei 80 Leuten nutzt da keiner ein Megafon. In Polen kann man sich also noch was abgucken, ähnlich wie sich Ende der 90er die großen deutschen Ultragruppen ihre Inspirationen in Italien oder (Ex-)Jugoslawien abholten.
              Sei es drum, die Jungs und Mädels geben alles, und sie sind ja auch gerade erst am Anfang ihrer hoffentlich noch langen Fankarriere.

              Ein paar schwarz-weiße Fahnen haben sie auch schon am Start, und so ergab sich ein schönes Bild zum Einlaufen der Mannschaften. Die Fans waren ab diesem Moment hellwach und heiß wie Frittenfett. Ganz im Gegensatz zu der Defensivabteilung der Hausherren. Nach nur drei gespielten Minuten lag der LSK bereits zurück. „Die Abwehr pennt doch noch, da geh ich mir lieber ein Bier holen“, hörte ich von Weitem. Das muss Günther gewesen sein, LSK-Fan seit eh und je. Bereits in der 9. Minute klingelte es erneut! Günther, bewaffnet mit Bier und Wurst, hat davon wahrscheinlich nichts gesehen, gefreut hat er sich aber wie ein kleines Kind an Weihnachten. So soll’s sein, beim Amateurfußball. Davon lebt dieser geile Sport. Den Rest des Spiels umschreiben die Worte „Der eine kann nicht, der andere will nicht“ wohl am besten. Da wäre für beide Seiten mehr drin gewesen.
              Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich, ins Tor wollte das runde Leder dennoch nicht.

              Apropos Tor: Zur 85. Minute entfernten sich die Salzstadtlegionäre aus der Fanecke und platzierten sich hinterm Heimkeeper. Ein Spruchband mit Weihnachtsgrüßen an Fans und Mannschaft wurde ausgerollt und so wurde sich auch von den aktiven Fans gebührend in die Winterpause verabschiedet. Auf den Einsatz von Pyro wurde heute leider verzichtet, auch wenn die Gerüchteküche diesbezüglich vorm Spiel ordentlich am Brodeln war. Aber nächstes Jahr wird es sicherlich wieder heiß hergehen, ist die Salzstadt doch immer für eine Überraschung bekannt. Hier an der Ilmenau, im wunderschönen Lüneburg. (hd)

              1.FC Lokomotive Leipzig – FSV Zwickau – 0:2

              1.FC Lokomotive Leipzig – FSV Zwickau – 0:2

              „DER ZUG HAT EINE BREMSE!“

              05.12.2025

              Regionalliga Nordost

              Bruno-Plache-Stadion

              Zuschauer: 6.112

              LEIPZIG – Am Wochenende wartete die Schweiz. Doch über den Anreiseweg und die Freitagabend-Beschäftigung wurde lange Zeit gegrübelt. Schließlich stach ein 6-Uhr-Flug von EasyJet ab Berlin ins Auge, der am Samstag nach Basel abheben sollte. Preislich lagen wir hier bei 3-4 Schachteln Zigaretten, hinzu kam ein Ersparnis in Sachen Übernachtungskosten: Die paar Stunden bis zum Boarding nickerte man am BER ab. Um so richtig müde am Flughafen anzukommen, sollte es kein neuer Ground in der Hauptstadt werden, stattdessen wurde ein Revisit im Bruno-Plache-Stadion vorgezogen. Beim „Bruno“ lag nach einem torlosen Erstbesuch noch eine offene Rechnung vor.

              Die Fahrt mit der einzig dafür in Frage kommenden Bahnverbindung klappte hervorragend und in Leipzig angekommen, fuhr die Straßenbahn ebenso zügig Richtung Probtsheida. Erstes Erschrecken an der Kasse. Die „Loksche“ nimmt aktuell Kurs auf die 3. Liga und die Tageskarten-Preise wurden schon mal angepasst: 20€ für den Stehplatz auf dem „Dammsitz“. In der Bundesliga gäbe es Proteste gegen so eine Preisgestaltung. Für 4€ oben drauf ging es auf die „Zusatztribüne“ zwischen Heimkurve und Haupttribüne, die vor 5 Jahren noch nicht im Rund stand.

              Die Zusatztribüne passt nicht gut ins „Bruno“. Aber als Groundhopper hat man dort alles im Blick und wird höchstens von ein paar Rentnern flankiert. Alles im Blick zu haben, sollte sich durchaus lohnen. Denn in den ersten 12 Minuten wurde nicht mehr geschwiegen, stattdessen startete Zwickau mit einem Intro, in dem gegen Polizeiwillkür protestiert wurde. Der Block war dabei oben und unten mit einer Stoffbahn eingerahmt. Blinker ergänzten das Kurvenbild optisch ansprechend. Gute Aktion und auch in der Folge präsentierten sich die etwa 800 Auswärtsfahrer aus Westsachsen von ihrer besten Seite. Der FSV hatte in der zweiten Halbzeit dann sogar ein „Double Feature“ am Start: „25 Jahre Ultras Dynamo“ feierte Zwickau mit der Dresdner Zaunfahne vor’m Block, dazu eine Pyroshow und durchgehender Support. „Red Kaos“ wird selten genannt, wenn es um die Top-Acts im Osten geht. Im „Bruno“ lieferten die Gäste aber einmal mehr ab, während die Heimkurve übersichtlich blieb.

              Wie dem auch sei, der Kommentar von den Leipzigern ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten: „Zwickau f*ickt Dynaaamoooo in den A*rsch!“ schallte es aus der düsteren Kurve. Die Szenerie in Probstheida so kernig wie eh und je – nach dem Eindruck von vor 5 Jahren hatte man zwar mit einer größeren Freakshow gerechnet, aber das mag an der Dunkelheit gelegen haben. Über 6000 Zuschauer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zeugen jedenfalls von überdurchschnittlichem Interesse an dem Traditionsverein, der übrigens nie eine DDR-Meisterschaft einheimsen konnte. Bis zu diesem Spieltag thronte die „Loksche“ an der Spitze der Liga und verlor kein einziges Heimspiel. Doch der Zug hat eine Bremse und die heißt Zwickau! Spielerisch kam Lok von Beginn an gut in die Partie, kassierte nach einer torlosen Vorstellung in der ersten Halbzeit jedoch einen Platzverweis – im Gegenzug traf Zwickau per Ecke zur Führung.

              Leipzig mühte sich wieder Zug in die Partie zu bringen. Doch nun sah man dem FSV das Formhoch an – seit Oktober ist die Elf von Rico Schmitt ungeschlagen. Und eben jener Trainerfuchs sorgte mit einer perfekt eingestellten Mannschaft dafür, dass sich sein Team in keiner Situation die Butter vom Brot nehmen ließ. Im Gegenteil: Defensiv mussten die Gäste keine brenzlige Situation mehr überstehen und vorne trafen die Zwickauer ein weiteres Mal. Aus einer Chance machte der FSV zwei Tore, denn der Endstand entsprang einem Handelfmeter. Kurz vor Schluss gab es dennoch Aufregung auf der Gästebank, als der Busfahrer der Zwickauer von einem Becher getroffen wurde und sich eine Platzwunde zuzog. Mit dem Sieg schleichen sich die Gäste in die Spitzengruppe, doch Lok bleibt aktuell noch Tabellenerster. Ob das herrlich abgerockte Bruno-Plache-Stadion auch so bleibt, sollten die Leipziger den Aufstieg in die 3. Liga packen, steht in den Sternen. Bereits in der Sommerpause wurde eine Rasenheizung installiert und zuvor schon um Spenden für das Stadion gebeten.

              Zwar gab es beim zweiten Besuch erneut kein Heimtor zu bestaunen, aber die Nullnummer von einst ist damit getilgt. Die Zeitenwende in Leipzig kann kommen. Viel Glück in der Rückrunde! (mm)

              Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

              Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

              „FOTOREIHE NORDDERBY“

              07.12.2025
              Bundesliga
              Volksparkstadion
              Zuschauer: 56.100 (Ausverkauft)

              HAMBURG – Anmerkung der Redaktion:
              Aufgrund fehlender Neutralität seitens der Berichterstatter kommt von uns zum Nordderby kein vollständiger Bericht, dafür aber überpünktlich eine Fotoreihe (hd)

              SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

              SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

              „BAU DIR DEINEN TAG IN DESSAU!“

              29.11.2025
              Verbandsliga Sachsen-Anhalt
              Stadion am Schillerpark
              Zuschauer: 80

              DESSAU – Ein schöner Tach in… der Mitte Deutschlands sollte es am Samstag werden und der Ausgangspunkt nach dem Thüringen-Derby lautete: Weimar. Immer gab es irgendwo einen Haken. Für einen Kick in Bernau bei Berlin oder in Lauchhammer hätte man vor 6 Uhr aufstehen müssen, überall lauerte die Nebenplatzfalle und es waren kaum zwei Spiele an einem Tag aufzutreiben. Außerdem sollte der Ort ein bisschen was bieten, um in der Zeit vor und nach dem Fußball durch ’ne Altstadt zu bummeln.

              Kaum hatte man sich für Dessau entschieden, verspätete sich der Zug. Informationen wurden von der DB nur tröpfchenweise herausgegeben und für den Fall der Fälle sollte es Fortuna Leipzig werden, sah Plan B vor. Doch die Bahn kam und holte sogar noch ein paar Minuten heraus. Also tingelte man über den weihnachtlichen Leipziger Hauptbahnhof und fuhr weiter nach Dessau. Irgendwie eine graue Maus, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Irgendwie mit zwei UNESCO-Weltkulturstätten aber auch interessant und eine gute Größe zum Bummeln.

              Zwei Fußballspiele warteten ebenfalls in der Stadt. Das erste Spiel der Reserveteams von Dessau 97 und Empor Waldersee führte einmal quer durch das Bauhausviertel zum Sportplatz „Kienfichten“. Bau dir deinen Tag in Dessau: Damit waren schon mal zwei „Module“ eingesackt! Die Bauhaus-Geschichte ist ganz interessant und hier wimmelt es auch von gutbürgerlichen Touristen. Der fast schon kubische Gropius-Bau in der Stadt, gilt als erstes Bauwerk dieser Epoche und wurde in dieser Machart sicher zigtausende Male kopiert. Der Sportplatz von Dessau 97 hat mit Bauhaus nicht viel zu tun. Das Vereinsheim ist ein Mix aus DDR-Chic und 90er-Jahre-Interieur, konnte in Sachen Gemütlichkeit und Kaffeetafel dafür aber überzeugen. Das Spiel fand auf dem Nebenplatz statt und als wirklich nennenswerten Fakt möchte man anführen, dass die Sonne den Ground 90 Minuten in voller Montur beleuchtete.

              Schön war’s an den Kienfichten. Der Schiri pfiff die Partie sogar 7 Minuten zu früh an, so dass für den knappen Fußmarsch in den Schillerpark etwas mehr Zeit blieb. Als wären die 7 Minuten ein Fingerzeig gewesen, wurde der Verbandsliga-Ground um exakt 13:53 Uhr betreten. Wie viele Minuten noch zum Anpfiff blieben, dafür ist kein abgeschlossenes Mathematik-Studium nötig. Der Fußweg betrug gute 3,5 Kilometer. Vor Ort war nicht besonders viel los und am Verkaufswagen fielen die durchaus hohen Preise auf. Bier und Bratwurst für je 4€ wurden dankend abgelehnt, doch ein Glühwein für 2€ war ein willkommener Trunk in dieser Jahreszeit.

              Auf ganzer Linie überzeugen konnte aber letztlich der Ground, der mit einer pfiffigen Tribüne punktet und rundherum Stufenausbau präsentiert. Hier und da fallen Aufkleber und Schriftzüge ins Auge, die von einer Dessauer Fanszene künden und auch eine Zaunfahne hing hinter dem Tor. Von Support aber keine Spur. Ohne den gut aufgelegten Stadionsprecher („…und hier eine Durchsage für die Vertreter der Medien, Rundfunkanstalten und Zeitungen“) hätte es vor den Augen der 80 Zuschauer eine trostlose Veranstaltung werden können. Doch da war einerseits auch die Heimelf, die dem Aufsteiger aus Emseloh körperlich und technisch überlegen war, schöne Tore erzielte und höher hätte gewinnen können. Und anderseits war da „Ecki“. Ein 05-Edelfan, der nach dem Spielende auf die Tribüne gebeten und von der ganzen Mannschaft mit einem Trikot geehrt wurde, weil er im September bei einer MDR-Reportage über den SV Dessau 05 die Hauptrolle spielte. Der Clip ist in der Mediathek verfügbar und dauert nur 3 Minuten, strotzt aber vor Liebensgewürzigkeit. Eine kleine Sequenz für den Kameramann, eine große Bühne für Ecki.

              Eine größere Bühne könnte es bei dem lockeren Heimsieg ja vielleicht irgendwann auch wieder für Dessau geben. Das hätte der Verein als erster FDGB-Pokalsieger und Gründungsmitglied der DDR-Oberliga sicher verdient. Zurück ging es schließlich wieder zu Fuß in das Zentrum, wo ein angenehmer Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Hier wurde sich am russischen Stand mit einer heißen Portion Borschtsch wieder Leben in den kalten Körper eingehaucht und so bestieg man am frühen Abend die Bahn nach Schwechheim.

              Ein schönes Wochenende, das man sich da in Mitteldeutschland zusammengebaut hatte ging langsam zu Ende. Dessau lieferte ab und die Bahn ausnahmsweise mal auch. (mm)

              Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

              Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

              “BERLIN HAT BOCK AUF DIE HERTHA”

              02.12.2025
              DFB Pokal
              Olympiastadion Berlin
              Zuschauer: 51.193

              BERLIN – DFB-Pokal in Deutschland. Grund genug, auch unter der Woche mal den Weg in die Hauptstadt auf sich zu nehmen. Den Arbeitstag hinter sich gebracht und rechtzeitig die Segel gestrichen. Ein Auto mit voller Besatzung aus Schwechheim nahm den kurzen Weg auf sich. Es fühlt sich schon fast wie Zuhause an, zählt es mittlerweile auch als mein zweitmeist besuchtes Stadion im deutschen-Profifußball. Das Auto wurde souverän in einer Nebenstraße abgestellt. Routiniert und zielorientiert den Weg in die blau-weiße Welt gestartet. Zuerst ging es zu den Traditions-Tickets der Herthaner. Was eine geile Aktion, für fünfzig Cent gibt es das Papierticket als Alternative für dieses trostlose print@home-Ticket des Vereins. Macht bitte weiter damit und danke für das kurze aber nette Gespräch!

              Die roten Teufel aus der Pfalz mal wieder in der geschichtsträchtigen Spielstätte. Da werden wahrscheinlich nicht nur meine Erinnerungen wach, im Jahr 2024 spielten die Lautrer im Finale des Pokals gegen das Bayerkreuz. Mein erstes besuchtes Finalspiel in Deutschland, ein phänomenaler Auftritt der Jungs und Mädels vom Betzenberg. Für viele ein Highlight ihrer aktiven Fan-Karriere. Und heute? Circa 5.000 Fans nahmen den Weg unter der Woche auf sich, die ersten zwölf Minuten wurden auf beiden Seiten wie im Ligaalltag geschwiegen.

              Während des Boykotts klingelte es das erste Mal im Kasten, die Alte Dame traf zum 1:0. Bitterer hätte die Partie für die Gäste kaum starten können. Nach dem wirklichen Anpfiff zum Spiel zeigte die Ostkurve die heutige Choreo: “Sehet die Fahne der alten Dame, fliehet ihr feindlichen Dämonen“. Der Startschuss war gesetzt. Ein solides Bild und ein brachialer Support der Herthaner. Wie so oft, kam es darauf an, lieferten die Fans ab. Oftmals gab es an diesem Ort Fan-Invasionen anderer großer Vereine. Die Ostkurve ist bei jedem dieser besuchten Spiele meinerseits mindestens mal konkurrenzfähig oder sogar besser. Die aktuelle Leistung stimmt, ein Lauf in der Liga und heute auf dem Platz sah es richtig gut aus. Die Angriffe und Abläufe stimmten, die Abwehr der Gäste wurde fast schon überrollt. Die Zuschauer wirkten fasziniert vom Auftritt ihrer Dame. Kurz vor dem Pausentee stand es 3:0, Marlon Ritter gelang noch der Anschluss. Ein kurzes Gefühl von erneuter Spannung bis zur 60. Minute. Hertha drehte wieder auf, die nächsten drei Tore und die Stimmung im Stadion erreichte erneut Höhepunkte. “Einer geht noch, einer geht noch rein” schallte es durch das weite und kalte Rund.

              Der Mythos des Pokals lebt weiterhin, schafft es Hertha dieses Jahr bis ins Finale? Ein Traum vieler Herthaner, der sich vielleicht mal ergeben sollte. Der heutige Gast hat es vorgemacht, auch ein aktueller Zweitligist und schlafender Riese kann es verwirklichen. Mit Spannung warten wir auf die Auslosung. Für uns ging es mehr als zufrieden zurück ins Bett. 2 1/2 Stunden später erreichten wir die Heimat, hätte man ein Bezirksliga-Spiel in Lüneburg mit Anpfiff um 20:00 Uhr vor der Haustür gesehen, wären wir allesamt später zu Hause gewesen. DFB-Pokal um 18:00 Uhr, in meinen Augen eine top Anstoßzeit! (tp)

              FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

              FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

              „JA, IST DENN HEUTE SCHON WEIHNACHTEN?“

              28.11.2025
              Regionalliga Nordost
              Steigerwaldstadion
              Zuschauer: 15.040

              ERFURT – Es ist schon sinnvoll, sich so manches Stadion für ein besonderes Spiel aufzuheben. Nach Erfurt verschlug es mich schon einige Male, aber bisher wurde nur in der Stadt flaniert und genächtigt. Das Thüringen-Derby an einem Freitag um 20:20 Uhr und vor Ort noch über den berühmten Weihnachtsmarkt spazieren? Diesmal war das Eis gebrochen! Doch keiner wollte mitreisen. Alle waren schon mal da gewesen. Ganz klarer Plan also: Rein in den Zug und mit dem Deutschland-Ticket einmal quer durch das Land! Genächtigt wurde witzigerweise nicht in der Stadt. Während in Erfurt zur Vor-Weihnachtszeit keine Bude für unter 200€ zu kriegen war, reichten in Weimar 15 Münzen aus um ein warmes Bett zu bekommen.

              Dank der gesperrten Strecke nach Berlin, beträgt die Reisezeit per Bahn von Schwechheim nach Erfurt aktuell schlanke 7 Stunden. Doch die Städte, in denen man Station macht und Umstiegszeiten von immer etwas mehr als 20 Minuten, machen die Reise erträglich. Da die Bahn sich diesmal an ihre Ankunftszeiten hielt, blieb vor dem Spiel noch genug Zeit für den Weihnachtsmarktbesuch. Erfurt wird hier seinem Ruf mehr als gerecht: Eine tolle Stadt zur Adventszeit! In der ausgedehnten Innenstadt ist genug Platz für alle, überall duftet und weihnachtet es und vor dem Dom baut sich schließlich ein Markt auf, der mit einer historischen Kulisse punktet und keine Wünsche offenlässt.

              Positiv auch die Straßenbahnverbindung, die den Glühwein- und Lebkuchenkonsument in nur etwa 15 Minuten zum Stadion kutschiert. Obwohl das Steigerwaldstadion in dieser Saison eine Rekordkulisse erwartete, konnten 25 Minuten vor dem Anpfiff keine Einlassschlangen ausgemacht werden. Hinein ging es mit der „sichtbehinderten“ Karte, mit der man in der ersten Reihe wirklich gegen eine Betonwand und einen engmaschigen Zaun starrt. Irgendwo ist immer ein Plätzchen frei und so war es auch diesmal, so dass von weiter oben perfekte Sicht auf das Geschehen genossen wurde.

              Die ersten 12 Minuten hätte man auch gegen die Betonwand starren können. Die Fußballer taten sich schwer und die Fans schwiegen im Steigerwaldstadion, dank der nahenden „Innenministerkonferenz“. (Bei dem Begriff sträuben sich die Nackenhaare). Nach 12 Minuten und 12 Sekunden ging das Derby langsam los. Zuerst startete Erfurt – und zwar auf den Rängen. Hinter dem Banner mit der Aufforderung an den thüringischen Innenminister, den Populismus in der Fußball-Frage zu stoppen, lugte schon sowas wie eine Choreo hervor. Und die Choreo kam. Was für eine! „Ausnahmezustand“ stand auf einer Stoffbahn. Nachdem rote Rauchtöpfe den Ausnahmezustand farblich untermalten, wurde kurze Zeit später das Silvesterfest um 33 Tage vorverlegt und es knallte minutenlang über dem dunklen Steigerwald. Ein ganz starkes Kurvenbild!

              Und es sah so aus, als wenn der Auftritt die Mannschaft beflügelte. Nachdem Jena zu immer mehr Spielanteilen kam, konterte sich Erfurt nach einer halben Stunde zum 1:0. Oder besser gesagt: Der Spieler mit der Nummer 11 besorgte im Alleingang das 1:0. Drei Mann ließ Stanislav Fehler aussteigen und schob am Ende lässig zur Führung ein. Ganz klar: Diesen Abend in Erfurt zu verbringen, war gewiss kein Fehler! Nur Minuten später folgte das 2:0, ebenfalls nach einer schnellen Umschaltaktion. Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Das Derby war endlich durchgestartet und wenig später ging es auch schon wieder in die Kabine. Die Erfurter Szene feierte Silvester und Weihnachten an einem Tag – und das am 46. Geburtstag von Coach Fabian Gerber.

              In der Halbzeit wurde ordentlich Bewegung im Gästeblock registriert. Mit Flatterband markierte Jena verschiedene Sektoren und ließ eine Blockfahne von oben herab. Mit dem Wiederanpfiff raschelte es minutenlang im Block, bis das Bildnis zur Seite gezogen wurde und sich die Szene in blau-gelb-weißen Ponchos präsentierte. Auch hier wieder ein starkes Motiv, unterstrichen von dem Spruch: „Diese Schlacht gewinnen wir“. Der Zeitpunkt der Choreo war allerdings denkbar ungünstig gewählt. Denn mit der Vollendung des Auftritts fiel das 3:0. Romarjo Hajrulla, der nach dem Schlusspfiff einen Platzverweis kassierte, weil er den Torwart-Trainer von Jena umnietete, drosch einen weiteren Vorstoß trocken zur vermeintlichen Vorentscheidung in die Maschen. Schweigen im Gästeblock.

              Spätestens zu dem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass „der RWE“ das Derby zieht und zwar in allen Belangen. 10 Minuten später klingelte es im Erfurter Kasten nach einem sehenswerten Freistoß. Immerhin konnte man nochmal Jubel aus dem Auswärtsblock vernehmen. Erfurt spielte den Vorsprung danach ziemlich souverän runter und beschenkte sich selbst damit, dass der große Rivale im Aufstiegskampf nicht davonzog. Bei all dem Derby-Ausnahmezustand durfte man nämlich nicht vergessen, dass der Tabellendritte den Zweiten empfing und Erfurt den Vorsprung Jenas auf nun 4 Punkte verkürzen konnte. Ein echtes 6-Punktespiel also, aber ein Sieg im Thüringen-Derby lässt die Tabelle für einen Moment vergessen. (mm)