HSK Posušje – FK Borac Banja Luka – 0:3

HSK Posušje – FK Borac Banja Luka – 0:3

„BESUCH VOM SPITZENREITER“

04.04.2026
Premijer Liga
Stadion Mokri Dolac
Zuschauer: 1.200

POSUŠJE – Nachdem wir am Vorabend das Stadtderby in Mostar hinter uns gelassen haben und glücklich ins Bett gefallen sind, warteten am nächsten Morgen schon meine Eltern auf uns. Eben genannte waren bisher „erst“ in Slowenien & Kroatien, sodass es sich anbot, die Grußkarte zum runden 60. Geburtstag mit einem Zeitgeschenk zu füllen. Die Zeit war in diesem Fall Bosnien & Herzegowina und das Geschenk zwei Flugtickets nach Tuzla, Return versteht sich.

Auf dem Programm stand Mostar, das Derwischkloster in Blagaj, die olympische Bobbahn sowie die Altstadt in Sarajevo und das Kriegstunnelmuseum. Letzteres fiel leider ins Wasser, da kurz vor uns zwei Busladungen ankamen und wir mindestens 1 1/2 Stunden hätten warten müssen. Schade, ist das doch der einzige der oben genannten Orte, den ich zuvor noch nicht besichtigt hatte. Ein Glück bin ich in wenigen Wochen schon wieder irgendwo zwischen Bihać & Tuzla unterwegs!

Das Spiel in Posušje passte perfekt ins Programm. Zum einen wurde es am Samstagabend um 18:30 angesetzt und zum anderen liegt Posušje im westlichen Teil der Herzegowina, dessen Fläche fast ausschließlich von ethnischen Kroaten bevölkert ist. Bedeutete für uns, dass wir zum einen bis abends genügend Zeit für Kulinarik & Sightseeing hatten sowie zum anderen den Besuch der eben benannten westlichen Herzegowina. Ich hatte meiner Familie versprochen, dass wir auf jeden Fall einmal in die Republika Srpska als auch in die Herzegowina fahren, um die kulturellen Unterschiede zumindest bedingt zu sehen und zu verstehen. Ansetzungen passten also!

„Republika Srpska, Busladungen, Spitzenreiter“? Ja, die Worte habt ihr eben alle schon gelesen und sie fügen sich nun zu einer Art Puzzle zusammen, denn gleich fünf Busse als auch ein paar Kleintransporter rollten eine Stunde vor Spielbeginn in Posušje am Stadion an. Hvala ti an meine Balkankontakte, die Info passte mal wieder! In Bosnien & Herzegowina gilt seit Jahren, dass Gästefans in der Regel nur zwischen der 10. & 80. Minute das Spiel innerhalb des Stadionmauerwerks erleben. Heute wurde mal ein Auge zugedrückt und die Gäste verweilten bis Spielende im Block. Die Einlassprozedur startete auch bereits 30 Minuten vor Anpfiff, der letzte war dennoch erst zur 12. Minute im Block.

In der Zwischenzeit bewaffneten wir uns mit Pivo und Snacks, ehe wir auf der Tribuna Sjever Kollege (fj) und seinen Weggefährten Jan antrafen. Die beiden waren auf meine Empfehlung um 14:30 Uhr noch beim Spiel in Čitluk, welches in einem richtig tollen Stadion in der Nähe der Kravica-Wasserfälle stattfand. Die beiden Hamburger haben beides mitgenommen und sofort für gut befunden, oder wie der Liverpool-Kumpel von (fj) sagen würde: „Einwandfrei“.

Zurück ins Mokri-Dolac-Stadion: Die Lešinari (Geier) supporteten in der ersten Halbzeit lautstark hinter ihrem Banner mit der Aufschrift „Vultures – Banja Luka“. Zum Ende der ersten Halbzeit wurde es plötzlich auf der Heimseite laut und unübersichtlich, da der Linienrichter (Goran Ilinčić, aus Prijedor, Republika Srpska) den Fans angeblich den Mittelfinger zeigte. Auf Videoaufnahmen konnte dies später eindeutig identifiziert werden. Sonst war allerdings nicht viel los, die aktive Fangruppe Poskoci ist aktuell nicht im Stadion und unterstützt hingegen lediglich den Basketballverein der Stadt. Nach der Halbzeitpause wurde es langsam dunkel und die Geier aus Banja Luka zündeten zwei Fackeln. Zuerst eine einzelne gelbe und später dann eine rote, welche von einem Meer aus rot-blauen Fahnen umgeben wurde. Letztgenannte Aktion wurde von einem kyrillischen Banner untermalt, welches ungefähr „Du bringst die Fahne zum Wehen“ bedeuten müsste. Sehr schick, sehr gelungen! Den Rest der zweiten Halbzeit verquatschte ich mit einem Kroaten, der lange in Frankfurt gelebt hat und heute wieder in seiner Heimat ist. Grüße gehen raus! Das Spiel endete übrigens 0:3 vor 1.200 zahlenden Zuschauern!

Nach dem Spiel galt es für uns noch schnell, etwas zu futtern, da wir alle ziemlichen Hunger hatten. Ich erinnerte mich, dass es unten an der Hauptstraße, von wo aus es über Široki Brijeg zurück nach Mostar geht, für eine verdammt schmale Mark verdammt gute Fleischröllchen geben soll. Die Velika Ćevapčići kamen frisch gegrillt für 10 Mark, mit Ajvar, Zwiebeln und mindestens einem halben Anteil aus Schweinefleisch, versteht sich – wir sind hier ja schließlich wieder in der kroatischen Küche. Wem hingegen 5 Röllchen im Fladen langen, mala Ćevapčići also, kommt mit 6 Mark gut weg. Das sind grob 3 Euro. Am Ende waren wir mit Getränken und vier satten Erwachsenen bei rund 20 Euro. Der Rückweg gestaltete sich unproblematisch und wir fielen nach einem kleinen Absacker zufrieden in unsere Betten, ehe es am Sonntag weiter nach Sarajevo gehen sollte. Wer Fragen zu Bosnien & Herzegowina oder zum Balkan allgemein hat, kann uns gerne über den Messenger kontaktieren. (hd)

FK Velež Mostar – HŠK Zrinjski Mostar – 0:1

FK Velež Mostar – HŠK Zrinjski Mostar – 0:1

„ČESTITAM, RED ARMY“

03.04.2026
Premijer Liga
Stadion Rođeni
Zuschauer: 4.500

MOSTAR – Am vergangenen Freitag stand in der Herzegowina das 73. Mostar-Derby an. Wie gewohnt ging das Spiel ohne Gästefans über die Bühne, und so lag es an der Red Army, den zahlreichen Groundhoppern eine gute Show zu bieten. Grund zur Vorfreude gab es zur Genüge, feierte die RED ARMY nur wenige Tage zuvor, am 01.04.2026, ihr 45-jähriges Bestehen. Karten gab es am Spieltag direkt am Stadion für umgerechnet 5 Euro. Neben meinen Eltern und meiner Partnerin waren noch rund 10 Groundhopper in den Wizzair-Bomber gestiegen, unter anderem (fj). Kein Wunder, denn die Premijer Liga gab für dieses Wochenende sehr hopperfreundliche Anstoßzeiten bekannt.

Das Mostar-Derby sollte also wie eben beschrieben am Freitagabend über die Bühne gehen und das Kräftemessen der Hauptstadtvereine am Samstagabend. Ich entschied mich gegen das Sarajevo-Derby und für Posušje gegen Banja Luka. Erstens wird das Grbavica-Stadion gerade umgebaut, und zweitens fehlte mir das Mokri-Dolac-Stadion in Posušje noch zur Komplettierung der obersten Liga im Binnenstaat. Zu dem Spiel und zu Bosnien & Herzegowina allgemein könnt ihr aber im Laufe der Woche noch mehr lesen.

Nachdem wir die vierstündige Berg- und Talfahrt souverän meisterten, checkten wir gegen 16:30 Uhr im Apartment ein. Direkt an der historischen Altstadt gelegen, wusste das Quartier direkt bei älteren sowie jüngeren Familienmitgliedern zu gefallen. Es verfügt über einen Parkplatz und einen kleinen Frühstücksraum. Auf der kroatisch geprägten Seite, westlich der Neretva, kehrten wir noch auf eine ordentliche Portion Ćevapčići in eine Konoba ein. Innerhalb von zwei Minuten gelangt man zu Fuß über die Stari Most und taucht so in das bosnisch-muslimisch geprägte Leben ein. Hier gibt es Rind statt Schwein, Kaymak statt Ajvar und Čaj statt Pivo. Auf dieser Seite der Stadt liegt auch, fünf Kilometer außerhalb vom Zentrum, das Rođeni-Stadion, genauer gesagt im Vorort „Vrapčići“.

Eine halbe Stunde vor Anpfiff holten wir uns im vereinseigenen Café unsere Eintrittskarten ab und staunten nicht schlecht, da die RED ARMY bereits kräftig am Zünden und Böllern war. Ein paar Kanonenschläge haben das Zwerchfell der Zuschauer ordentlich in Bewegung gebracht. Zum Einlaufen der Mannschaften wurden ordentlich Konfettirollen aufs Spielfeld befördert, und direkt danach gab es eine kleine Blockfahne, welche einen Balkenschal in den Vereinsfarben dargestellt hat. Um die Blockfahne herum hielten alle Navijači’s ihre eigenen Fanschals hoch, was zu einem super Gesamtbild führte. Abgerundet wurde die Aktion durch ein großes Transparent, auf dem ein Satz zu sehen war, der so etwas wie „Identität des Vereins und der Stadt, der wir ewig Liebe geben“ bedeutet. Alle Angaben ohne Gewähr, ich lerne noch und bin blutiger Anfänger der kroatischen Sprache.

Zwischen Konfetti und Schalparade wurde noch ordentlich Rauch, ebenfalls in rot-weiß(-gelben) Vereinsfarben, abgebrannt. 1A! Im Anschluss wurden ein paar Bengalen zielsicher auf den großen Haufen der Konfettireste geworfen, sodass dieser lichterloh zu brennen begann. Der Feuerwehrmann, der samt Löscher den halben Platz umrundete, wurde von der Masse lautstark abgefeiert.

Unter dem Motto „prestati nećemo nikada“ (Wir werden niemals aufhören) wurde direkt die nächste große Pyroshow eingeleitet. Weiße Bengalos, Blinker und kleine Fontänen sorgten visuell für feierliche Stimmung, und so hatte die aktive Gruppe die Möglichkeit genutzt, ihr fünfundvierzigjähriges Bestehen ordentlich zu zelebrieren. ČESTITAM, Red Army! (Alles Gute, Red Army)

In der zweiten Halbzeit brannten exakt 45 rote Fackeln zeitgleich ab, was dem Geburtstag noch das i-Tüpfelchen verleihen sollte. Auf dem Rasen waren die Kroaten klar besser, und Zrinjski siegte im 73. Aufeinandertreffen mit 1:0. Insgesamt sahen 4.500 Zuschauer das Spiel, und eins steht fest: Auch mein fünfter Besuch in Bosnien & Herzegowina wird nicht mein letzter gewesen sein! (hd)

FK Sarajevo – FK Sloboda Tuzla – 1:0

Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (90). Alle guten Dinge sind drei und somit gibt es heute schon wieder ein richtiges Schmuckstück aus Sarajevo. In der Hauptstadt trägt der FK seine Heimspiele im ‚Olimpijski Stadion Asim Ferhatović Hase‘ aus. Das Stadion wurde im Jahr 1950 eingeweiht und im Jahr 1984 zur Eröffnung der olympischen Winterspiele genutzt. Heute kann man die Aktivitäten der Ultragruppe Horde Zla bestaunen und das Bergpanorama von Sarajevo genießen.

Bis sehr bald, geliebter Balkan.

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22.05.2022

Olimpijski Stadion Asim Ferhatović Hase, Sarajevo
FK Sarajevo – FK Sloboda Tuzla – 1:0

FK Sloga Doboj – FK Sarajevo – 2:1

FK Sloga Doboj – FK Sarajevo – 2:1

„ALLES EASY & ENTSPANNT IN DER REPUBLIK SRPSKA“

09.08.2025
Premijer Liga Bosne i Hercegowine
Stadion Luke
Zuschauer: 1.500

DOBOJ – Wochenlang fieberten wir auf die genauen Terminierungen der bosnischen „Premijer Liga“ hin, mit dem Ziel Banja Luka. Wenige Tage vor dem ausgeguckten Wochenende war es dann so weit: Am Dienstag wurden die Anstoßzeiten bekannt gegeben und der bosnische Fußballverband verlegte den Kick von Borac gegen Zrinjski in den Oktober. Na, super! Als Trospflaster blieb noch der Auftritt vom FK Sarajevo bei Sloga Doboj.

Immerhin konnte man das Spiel in Doboj mit dem Abendspiel in Osijek doppeln und laut Buschfunk stellte sich schnell heraus, dass die „Horde Zla“ aus Sarajevo ihre Mannschaft in die Republik Srpska begleiten würde. Für die eine Hälfte der Redaktion stand der Länderpunkt Bosnien & Herzegowina ins Haus. Doch der LP fühlte sich eher nach Serbien an. Überall wehen in dem Landesteil die Flaggen des Nachbarstaats an den Masten, hängen sogar aus vielen Autofenstern heraus.

Trotzdem: In Doboj war alles easy und entspannt. Zwei Stunden vor dem Kick-off wanderten zwei Eintrittskarten aus einer Metallkassette für 5€ über den Tresen. Das funktionierte so problemlos, dass es anschließend noch einen kleinen Abstecher in die Stadt gab, wo die Festung bestiegen und ein paar Erinnerungsfotos geknipst wurden. Die Restzeit vertrödelten die zwei Landboten schließlich in einem Čevapi-Grill, der seinen Gästen für unschlagbare 5,50€ sieben leckere Hackfleischröllchen mit Getränk offerierte. Bezahlt wurde übrigens immer unkompliziert mit Euros.

Als wir kurz darauf am kleinen Stadion von Doboj ankamen, füllte sich der Spielort beträchtlich. Wie in Bosnien üblich, nahmen die Gäste erst kurz nach dem Anpfiff ihren Platz ein. Die „Horde Zla“ besetzte die kleine Tribüne hinter dem Tor nahezu komplett und supporte fast 90 Minuten durch. Dank Auflagen müssen die Gästefans den Spielort kurz vor dem Abpfiff wieder verlassen, doch der Anhang reizte die Spielzeit fast bis zum Schluss aus. Das mag am Spiel gelegen haben, das bis zur letzten Minuten Spannung versprach.

Sloga ging nach einen schönen Spielzug schon nach wenigen Minuten in Führung, Sarajevo drückte auf den Ausgleich, ohne viele Chancen herauszuspielen. In der 1-minütigen Nachspielzeit war es dann so weit und wir wurden Zeuge davon, dass es auch in dieser Liga, in diesem Provinzstadion, zu einem Videobeweis kommen kann, welcher sich eine Ewigkeit hinauszögerte. Die Antwort lautete: Strafstoß für Doboj und mit einem Zwei-Tore-Vorsprung ging es in die Kabine. Nach der Pause generierte der aktuelle bosnische Pokalsieger eine Menge Ballbesitz. Doch das Spiel zeigte, weshalb der bosnische Fußballverband Platzierungen im hinteren Drittel der UEFA-Fünfjahresewertung einnimmt.

Irgendwann traf Sarajevo zum Anschlusstreffer per Kopf. Der Ausgleich lag zwar nicht unbedingt in der Luft, zu ungefährlich waren die Gäste, doch bei Doboj war der Faden komplett gerissen. Kein Konter wurde über mehr als zwei Stationen vorgetragen. Fehlpässe und Stockfehler wie in der Kreisliga. Die Spieler hatten der „Demse“ von knapp 40 Grad Celsius ordentlich Tribut gezollt.

Dass der Vorsprung am Ende für Doboj reichen sollte, sagt viel aus über den aktuellen Zustand des zweimaligen, gesamtjugoslawischen Meisters aus Sarajevo. Auch wenn rundherum eigentlich nicht so viel passierte, war an Unterhaltung doch einiges geboten. Denn neben der supportfreudigen „Horde Zla“ platzierte sich auf der Gegengerade auch ein kleiner Haufen an Heimfans, die den überraschenden Sieg am Ende sogar mit ein paar Fackeln zu feiern wussten. (mm)