Mjällby AIF – AIK Fotboll – 1:2
Mjällby AIF – AIK Fotboll – 1:2
„ERST BEACHEN, DANN KREUZEN – TEIL II“
11.07.2026
Allsvenskan
Strandvallen
Zuschauer: 5.875
SÖLVESBORG – Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Mjällby-Reihe im Schwechheimer Landboten! Vor nahezu exakt einem Jahr waren wir schon mal zu Gast im Stadion „Strandvallen“ in Hällevik – einem Ortsteil von Sölvesborg im Landkreis Blekinge, genauso wie die namensgebende Gemeinde Mjällby. Wer sich ein bisschen in schwedischer Geografie auskennt, weiß dass es sich jeweils um wunderbare Küstenorte handelt. Hier kann man seine Sommerferien perfekt vertrödeln und noch dazu Fußball-Pflichtspiele besuchen, was gerade Anfang Juli ja wirklich nicht ganz so einfach in Europa ist.
Dem Wunsch der schulpflichtigen Familie nach ein bisschen Urlaub in Skandinavien wurde also bereitwillig entsprochen, mit der einzigen Bedingung unbedingt schon am Freitag mit der Fähre rüberzusetzen, um am nächsten Tag beim aktuellen Meister aus Mjällby durchzustarten. Alle anderen, unterklassigen Ligen in Schweden pausieren auch Anfang Juli, aber ein Fußballspiel muss schon drin sein, wenn man eine Woche Urlaub macht. Übrigens: Skandinavien ist natürlich nicht das billigste Reiseziel, doch abgesehen davon, dass dort jeder campieren darf, wo er möchte, kommt man mit den Fähren von Schwechheim-Travemünde meist sogar kurzfristig und spontan für ganz wenig Geld über die Ostsee auf’s schwedische Festland. Finnlines und TT-Lines liefern hier immer wieder für den schmalen Taler und auf der etwa achtstündigen Fährfahrt nach Malmö kann man mal ein bisschen abschalten.
Für das Stadion „Strandvallen“ in Mjällby sollte man sich Zeit nehmen. Denn bei gutem Wetter lädt der schöne Strand dahinter einfach zum Chillen ein. Wie schon letztes Jahr die Kollegen aus der Redaktion, verbrachten auch wir zwei Stunden vor dem Anpfiff in Hällevik am Meer – einen Steinwurf vom Stadion entfernt. Eigentlich wollten die Kinder mit zum Fußball, aber die Nachwuchshopper waren nicht aus dem Wasser zu kriegen. Am Stadion ging 45 Minuten vor dem Anpfiff dann alles schnell über die Bühne. Der Vorplatz ist aktuell eine große Baustelle. Mjällby trägt die internationalen Spiele in dieser Saison im Strandvallen aus. Dafür wird ein neues Funktionsgebäude errichtet. Das Stadion bleibt (noch) unberührt. Das Strandvallen ist ein Schmuckkästchen und zeigt auf allen Seiten Ausbau. Eigentlich kann man die Bude so lassen, aber wir kennen den Fußball.
Im Gegensatz zu letztem Jahr gegen Malmö, überwogen im Publikum die Heimfans. AIK konnte den Gästesektor füllen und im ganzen Stadion wurden versprenkelt Zuschauer aus Solna gesichtet. Doch Mjällby stellt gerade im Fanbereich auf der Gegengerade eine ganz nette Crowd. Die sensationelle Meisterschaft vergangenes Jahr scheint Spuren hinterlassen zu haben. Wie selbstverständlich meldete der Verein weit vor dem Termin erneut „Slutsåld“ – ausverkauft. Während MAIF im Mittelfeld der Tabelle noch etwas Tuchfühlung zu den Europapokal-Plätzen hielt, dümpelte AIK vor dem Spieltag im letzten Drittel der Allsvenskan herum. Beiden Teams hätte ein Sieg an diesem 12. Spieltag gut zu Gesicht gestanden.
Fußball in der Allsvenskan ist ein netter Zeitvertreib, wenn man es mit den sportlichen Leistungen nicht ganz so genau nimmt. Das Spiel vom aktuellen Meister gegen einen der größten Vereine des Landes, war lange Zeit ein Kick auf Regionalliga-Niveau. Rang 19 in der aktuellen UEFA Fünfjahreswertung ist dank der vergangenen Saison mit über 10.000 Punkten fast schon schmeichelhaft.
Kurzum: Mjällby mühte sich um Feldüberlegenheit, ohne große Chancen herauszuspielen – abgesehen von einem Lattentreffer auf’s leere Tor nach wenigen Minuten. Da konnte man schon ahnen, dass das Spiel eine zähe Geschichte wird. Immerhin hielt der Meister den Gegner aus Solna mit der aktiven Spielweise in Schach. AIK brachte spätestens in der zweiten Halbzeit fast gar keine PS mehr auf den Rasen. In der größten Druckphase der Gastgeber gelang dem schwedischen Meister von 2018 dann ein Konter ins Glück. Dasselbe wiederholte sich in der 90. Minute. 0:2. Entsetzen auf der Haupttribüne, Jubel im Gästeblock, der uns leider auch nach den Toren nicht mit Effekten beglückte. In der Nachspielzeit dann endlich der ersehnte Heimtreffer, aber deutlich zu spät – die geschenkten drei Auswärtspunkte ließ sich AIK nicht mehr nehmen.
Es war das typische Spiel einer Überfliegermannschaft aus dem Vorjahr. Den nominellen Favoritenstatus dürfte Mjällby angenommen haben. Aber die Erwartungshaltung des „Gewinnen-Müssens“ knabbert an der Leichtigkeit des Spiels. Ab nächster Woche tritt der schwedische Meister dann in der Champions-League-Qualifikation an, hier erwartet wohl wirklich niemand was von dem Team. Vielleicht kehrt die Leichtigkeit in diesem Wettbewerb ja zurück. (mm)












