FC Blau-Weiß Linz – FC Wacker Innsbruck – 3:0

FC Blau-Weiß Linz – FC Wacker Innsbruck – 3:0

„SITZFUßBALL MIT VIEL FOLKLORE“

07.08.2026

2. Liga
Donauparkstadion
Zuschauer: 5.595

    LINZ – Weiter ging meine Europa-Tournee am letzten Wochenende in der Donau-Region. Während ich am Montag und Dienstag in Litauen noch Erstliga-Fußball schauen durfte und in Trakai ins Wasser sprang, wurde Mittwoch und Donnerstag das Bruttosozialprodukt angekurbelt und nach dem Feierabend ging es um 22.40 Uhr in den Nachtzug nach München. Freilich baute die letzte ICE-Verbindung nach Süddeutschland eine ordentliche Verspätung auf, fuhr auch nicht vom Schwechheimer Hauptbahnhof los, sondern erst ab dem zweiten Halt.

    Nach anderthalb Stunden rollte die Bahn endlich Richtung Süden. Doch der Zug kam wieder in Bad Bevensen zum Stehen. Genau eine Woche zuvor hingen der Kollege (hr) und meine Wenigkeit in der kleinen Kurstadt fest. Die Folgen der gerissenen Oberleitung bekam der Fahrgast auch 7 Tage später zu spüren. Die Strecke war noch immer nur eingleisig befahrbar. Nochmal +1,5h. Bei 3h Verspätung insgesamt stornierte ich den Flixbus von München nach Linz und bettete mein Haupt im Kleinkindabteil auf die freie Dreisitzreihe, die zu dieser späten Stunde natürlich verwaist war.

    Überraschung als ich in Würzburg wieder aufwachte: Die Bahn hatte zwischen Göttingen und Bayern nahezu zwei Stunden aufgeholt! Fast bereute ich die stornierte Busfahrt. Doch der Zug riss die Marke am Ende um 4 Minuten. Nun ja, ich musste erst am Abend in Linz sein. Per Deutschland-Ticket und SEV bahnte ich mir den Weg nach Passau, vertrat mir in der schönen Altstadt am Dreiflüsse-Eck zwei weitere Stunden die Beine und fuhr mit der ÖBB anschließend nach Linz. Alles prima und der Tag sollte sogar eine unerwartete Wende nehmen.

    In der letzten Bahn checkte ich nochmal die Spielansetzungen. Bei 20:30 Uhr Anpfiff im Donauparkstadion ging ja vielleicht vorher noch was. Und siehe da: Um 18 Uhr sollte der Ball beim SK St. Magdalena auf der anderen Seite der Donau rollen! Selbst zu Fuß hätte man den Doppler noch gerade so geschafft. Beim SKM gab es als Warm-up gemütlichen Landesliga-Fußball mit einer denkbar unglücklichen Heimniederlage auf die Augen. Die knapp 2km Wegstrecke zum Donauparkstadion wurden mit dem E-Scooter absolviert. 25 Minuten vor dem Anpfiff trudelte ich beim SKV ein. Sicher ist sicher.

    SKV? Ja, da musste auch ich kurz recherchieren. Das Ergebnis: 1997 fusionierte der LASK mit dem FC Linz. Die beiden Big Player in der Stadt. Der FC Linz wurde dabei faktisch aufgelöst und zeitgleich der heutige FC Blau-Weiß Linz gegründet. Die größten Erfolge fuhr der FC Linz in den 1970er-Jahren ein. Unter dem Namen SK VÖEST errangen die Linzer Burschen 1974 die österreichische Meisterschaft. Dabei agierte die Elf als Werksverein des großen Stahlkonzerns der Stadt: VÖEST (Vereinigte Österreiche Eisen- und Stahlwerke). Kurz: SKV. Anfang der 90er zerbrach die Ehe zwischen Stahl und Fußball. Herauskam der FC Linz, der dann im heutigen LASK aufging.

    Dem FC Wacker Innsbruck haftet übrigens eine ähnliche Geschichte an. Vor 24 Jahren gründete sich der Traditionsverein neu. Mittlerweile stehen die Tiroler unter der Fuchtel einer Multi-Club-Ownership. Aber machen wir es kurz: Linz musste im Frühjahr aus der Bundesliga absteigen. Wacker sicherte sich vergangene Saison den Aufstieg in die 2. Liga. Am 2. Spieltag der Saison trafen beide Teams nun aufeinander. Die Rollen dürften recht klar verteilt gewesen sein und das Spiel galt mit 5595 Zuschauern offiziell als ausverkauft.

    Das Stadion ist ein Neubau, wurde vor ein paar Jahren eröffnet. So weit nichts Besonderes, aber die Lage an der Donau ist natürlich was fürs Auge und der kompakte Schinken macht gut Stimmung, wenn die Ränge ausverkauft sind. Auf beiden Seiten gab es Choreos. Bei Linz „das erste Mal eine Zettelchoreo“. Das war in Ordnung. Bei Wacker ein Motiv mit Steinschleuder, dazu jede Menge Pyro. Der Gästeblock konnte gut am Rad drehen. Oberkörperfrei ging es bei den Jungs ordentlich zur Sache. Auch der Heimblock supportete durchweg solide und die Welle schwappte das ein oder andere Mal auf die Gerade über.

    Spielerisch war es bis zur Schlussphase der ersten Hälfte eine durchaus ausgeglichene Partie, mit guten Momenten auf beiden Seiten. In der 37. Minute fiel das 1:0 für Blau-Weiß, dem sofort und sehenswert das 2:0 folgte – die Vorentscheidung. Wacker hatte dem Spielstand nichts mehr entgegenzusetzen. In der zweiten Halbzeit war es dann ein Stelldichein mit viel Folklore und ein entschiedenes Spiel in der zweiten österreichischen Liga, in dem kurz vor Schluss per Sitzfußball ein kurioses Tor zum Endstand den Schlusspunkt zufriedenstellender 90 Minuten bildete. (mm)

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