Shelbourne FC – AFC Ajax – 2:1

Shelbourne FC – AFC Ajax – 2:1

„MIT HERZ VERABSCHIEDET“

13.08.2026
Conference-League-Qualifikation
Tolka Park
Zuschauer: 4.344

DUBLIN – Nachdem vor vier Jahren beim Spiel der Shamrock Rovers der Länderpunkt Irland gefallen war, wurde die irische Hauptstadt nun bereits zum zweiten Mal besucht. Wie bereits gestern von (mb) berichtet, wurde die Gelegenheit genutzt, um den Croke Park zu kreuzen. Danach trennten sich unsere Wege jedoch: Während sich MB auf den Weg zu seinem nächsten Termin machte, blieb ich in Dublin. Denn auch am Donnerstag sollte der Ball in der irischen Hauptstadt rollen.

Noch immer ziemlich kränklich, verbrachte ich den Tag größtenteils damit, im Wetherspoon Tee zu trinken oder mich in der Unterkunft auszuruhen. Am Abend machte ich mich dann aber auf den Weg zum Stadion und wurde dort standesgemäß mit den Worten „Welcome to Tolka Park“ begrüßt.

Hier sollte an diesem Abend das Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde zwischen Shelbourne FC und dem AFC Ajax ausgetragen werden. Das Hinspiel in Amsterdam hatte Ajax mit 3:1 für sich entschieden. Das eine Auswärtstor sorgte bei den Shelbourne-Fans jedoch für einen kleinen Rest Hoffnung.

Und wo sollte ein Fußballwunder besser gelingen als im eigenen Stadion?

Was für eine schöne, alte Schachtel, die dort im Dubliner Stadtteil Drumcondra steht. Im laufenden Spielbetrieb finden im Tolka Park gerade einmal rund 4.400 Zuschauer Platz. Die Karten waren dementsprechend schnell vergriffen. Ajax bekam dabei lediglich 310 Gästetickets zugesprochen. Der alte Gästeblock entspricht längst nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards und wurde deshalb bereits vor einiger Zeit geschlossen.

Viele hätten sich sicherlich eine Verlegung in ein größeres Stadion gewünscht, um bei diesem besonderen Spiel live dabei sein zu können. Doch spätestens beim Anpfiff wurde mir klar, warum die Partie unbedingt in Shelbournes Heimspielstätte stattfinden musste.

Die Atmosphäre erinnerte ein wenig an die erste Runde im Pokal: David gegen Goliath. Zum Intro präsentierten die Shelbourne-Fans eine Choreografie. „SHELBOURNE ☆ DUBLIN“ war auf einem Banner zu lesen. Außerdem wurde Konfetti in die Luft geschossen, rote Choreoelemente wurden hochgehalten und auf dem Drumcondra Stand wehten rote und weiße Fahnen.

Ein Hexenkessel, der nur darauf wartete, endgültig entzündet zu werden.

Doch Ajax verhinderte genau das nach 20 Minuten. Julian Brandt lenkte den Ball in Richtung Tor, ehe seine Mitspieler die Kugel nur noch über die Linie kullern lassen mussten.

Von Schockstarre war allerdings keine Rede. Nur vier Minuten später explodierte das Stadion förmlich. Rodrigo Freitas erzielte den Ausgleich und plötzlich glaubte jeder im Tolka Park wieder an das Wunder.

Eine vergleichbare Stimmung hatte ich bislang lediglich einmal erlebt – beim Hamburger SV im Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart. Nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel schien dort bereits alles verloren. Doch als Sonny Kittel nach gerade einmal sechs Minuten das 1:0 erzielte, kehrte die Hoffnung zurück.

Doch genau wie beim HSV sollte es auch für Shelbourne am Ende nicht zum Erfolg reichen.

In der 39. Minute stellte Gaaei die Weichen wieder zugunsten von Ajax. Die Niederländer lagen erneut vorne und Shelbourne benötigte nun wieder drei Tore, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen.

Zwei Treffer sollten noch fallen. Einer davon wurde wegen Abseits aberkannt, der andere kam in der 85. Minute durch Moore schließlich zu spät.

Für Shelbourne sollte der Abend dennoch in positiver Erinnerung bleiben. Ein Unentschieden gegen den großen Traditionsverein Ajax Amsterdam und eine überragende Kulisse, die ihre Mannschaft trotz des Ausscheidens feierte, als wäre sie gerade in die nächste Runde eingezogen.

Shelbourne hat sich mit Herz und Würde aus dem europäischen Wettbewerb verabschiedet und einmal mehr bestätigt, warum wir alle diesen Fußball so lieben. (mb/fj)

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