Racing Club – River Plate – 0:2

„EL CILINDRO – HEXENKESSEL ODER KOLBENFRESSER?“

12.04.2026
Liga Profesional de Argentina
Estadio Presidente Juan Domingo Perón
Zuschauer: 50.000

AVELLANEDA – Auf Chile folgte der Sehnsuchtsort aller Fußballfans: Buenos Aires. Wobei, nicht direkt. Denn zuvor besuchte ich in der Copa Sudamericana noch das Estadio Centenario in Montevideo, wo Uruguay sich 1930 zum ersten Weltmeister krönte und Geschichte schrieb. Über den Zweitligakick in Paysandú fand ich per Nachtbus den Weg in die argentinische Hauptstadt.

Ich hatte große Erwartungen im Gepäck und zum Auftakt gab es ein Wiedersehen mit Boca in der Bombonera. Die Hütte ist einfach legendär, lest dazu gerne den Artikel von (tp) und (fj) aus dem letzten Jahr. Übrigens starten im Sommer definitiv die Umbauarbeiten und damit die Erweiterung auf ca. 80.000 Plätze.

Am Sonntag stand dann ein vermeintliches Highlight der Tour auf dem Plan: der „Cilindro“ von Racing bzw. mit vollem Namen das „Estadio Presidente Juan Domingo Perón“ in Avellaneda südöstlich von Buenos Aires.

Im Spitzenspiel empfing „El Primer Grande“ die „Millonarios“ von River Plate. Vor dem Kick gönnte ich mir neben einer Choripán noch ein Trikot in den hellblau-weißen Streifen. Normalerweise mache ich das nie, aber für schlappe 15 Euro sagte ich „Sí“ beim Straßenhändler und passte mich den Farben der Tribünen an.

Das Stadion wirkt schon von außen gewaltig und die runde Form ist unverwechselbar. Definitiv Potenzial für einen Hexenkessel. Die Straße zum „Cancha“ ist nach Diego Milito benannt, dem Bayernschreck und mittlerweile Vereinspräsident bei Racing. Quasi nebenan befindet sich die Spielstätte von Erzrivale Independiente, welche später auf dem Tourkalender stand.

Bei Bekannten hatte Racing einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen und mitunter war von der „besten Stimmung Argentiniens“ die Rede. Entsprechend war ich gespannt auf den Fanauftritt.

Zum Einlaufen der Mannschaften zogen die Hinchadas mehrere Blockfahnen hoch und das Publikum kam in Wallung. Leider blieben diese aber wieder nur kurze Zeit in Position, aber das scheint hier einfach so zu sein. Die ersten zehn Minuten waren wirklich stark. Sehr hohe Mitmachquote und eine hammer Lautstärke, Gänsehaut.

Allerdings flachte die Atmosphäre mit zunehmender Dauer ab und das 0:1 durch Colidio nach einer halben Stunde war ein herber Dämpfer. Auch dieser Eindruck zog sich durch die Spielbesuche in Argentinien: die Stimmung hängt bei vielen Vereinen schon vom Spielverlauf ab.

Im zweiten Durchgang lief es nicht besser. Obendrein dezimierten sich die Gastgeber selbst. Vizeweltmeister Rojo wurde in der 80. Minute zum Duschen geschickt und war so etwas wie der Kolbenfresser im Zylinder. Danach ging auf den Rängen nichts mehr und in der Nachspielzeit machte Driussi den Deckel für River endgültig drauf.

Auf keinen Fall möchte ich aber das Gesamtpaket „Cilindro“ schlecht reden. Wer eine Reise nach Buenos Aires plant, sollte Racing unbedingt mit einplanen. Gerade bei Spielen in der Copa Libertadores haben die Fans schon legendäre Auftritte hingelegt. (hr)

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