Brüsewitzer SV – FC Selmsdorf – 3:2

„HERRENTAG IN OSTDEUTSCHLAND“

14.05.2026
Kreispokal Schwerin-Nordwestmecklenburg
Stadion im Schlosspark
Zuschauer: 1.099

ROGGENDORF – Der Frühling in Norddeutschland will einfach noch nicht auf Touren kommen. Dieses Jahr gab es mal wieder den Klassiker: Christi Hinmelfahrt fiel ins Wasser. Über weite Teile Norddeutschlands nistete sich ein Tiefdruckgebiet ein: Hagel, Regen, Wind. Doch ein kleines Dorf direkt hinter der alten Grenze trotzte dem Wetter und wurde vom Schlimmsten verschont: Roggendorf. Die weit über 1000 Besucher des Kreispokalfinals zogen sich zwar auch die Jacke bis unter’s Kinn, abgesehen von einer steifen Brise hielt das Wetter jedoch stand.

Das war auch gut so, denn dieses Finale durfte auf keinen Fall ins Wasser fallen. Der Kreisfußballverband Schwerin-Nordwestmecklenburg gibt sich seit Jahren sehr viel Mühe mit der Ausrichtung dieses Wettbewerbs, an dem nur Teams bis zur neunten Ligastufe teilnehmen. Die Mannschaften ab der Landesklasse sind im Landespokal gesetzt. Über das strukturschwache Bundesland und die Monopolstellung Hansa Rostocks wird in anderen Landesteilen gerne mal gelächelt, in diesem Falle muss man aber sagen: Seht ihr Deutschland, so wird das gemacht!

Neben einem Programmheft mit Hardticket gibt es an den Verpflegungsständen alles was das Herz begehrt. Mein Favorit an diesem Donnerstag: Die belegten Pizzabrötchen mit Remoulade. Davon ab sorgt der Verband mit einer Vielzahl an Aktionen für einen würdigen Rahmen. Die siegende Mannschaft wird auf einem Podest geehrt wie ein Europapokalgewinner. Für die Kleinen gibt es – na, klar – eine Hüpfburg. Und das Allerwichtigste: Die Veranstaltung wird von der Bevölkerung angenommen und dürfte für alle Beteiligten das Highlight der Saison darstellen.

So wurden vor Ort auch gleich zwei „Fanblöcke“ sichtbar. Selmsdorf zündete zum Einlauf der Teams etwas Pyro, Brüsewitz fiel vor allem mit einem steigenden Alkoholpegel auf. Der Herrentag im Osten wurde mit dem Schlachtruf: „Micha, du Zigeuner!“ zelebriert. Wer auch immer dieser Micha war, die Blicke fielen schnell wieder auf den gepflegten Rasen: Selmsdorf ging nach 10 Minuten mit einem Traumtor aus der Distanz in Führung. Jubelszenen wie im WM-Finale. Es dauerte, bis Brüsewitz auf Betriebstemperatur kam. Doch der Ausgleich gelang noch vor der Pause und mit dem Seitenwechsel war das Spiel nach einem Kopfballtreffer gedreht.

Selmsdorf blieben gut 40 Minuten Zeit für den Ausgleich und das 2:2 fiel tatsächlich schon in der 66. Minute. Anschließend mussten die Akteure dem Umstand Tribut zollen, dass sie im Alltag nur in der Kreisoberliga zocke@n und das Tempo teilweise hochhielten wie in einem, naja, WM-Finale. Wie das in der Verlängerung gut gehen sollte, fragten sich die vielen Zuschauer im schönen Schlossparkstadion fingernagelkauend.

Die vorletzte Aktion in der regulären Spielzeit förderte einen Freistoß rund 25m vor dem Tor zu Tage. Wie das gut gehen sollte, fragte sich wohl auch der Freistoßschütze Claas Erwin Kullak und nagelte den ruhenden Ball direkt unter den Knick. Wahnsinn! Eine letzte Großchance von Selmsdorf wurde vor dem gegnerischen Tor verstolpert und fertig war das Spiel, das für alle Beteiligten als Highlight des Jahres in Erinnerung bleiben wird. Auch für mich. (mm)