FC Eintracht Northeim – 1. SC Göttingen 05 – 0:3

„AUF DEN TAG GENAU VOR 15 JAHREN…“

08.05.2026
Landesliga Niedersachsen
Gustav-Wegner-Stadion
Zuschauer: 480

NORTHEIM – Meine erste und einzige Begegnung mit dem FC Eintracht Northeim lag auf den Tag genau 15 Jahre zurück. Am legendären „Wilschenbruch“ in Lüneburg wurde als Junior-Hopper eine Partie mit Beteiligung der Süd-Niedersachsen geschaut. Acht Jahre später stand genau diese Begegnung dann wieder im Fokus: Northeim traf in der Regionalliga-Relegation als Oberliga-Zweiter auf den LSK. Lüneburg entschied das Play-Off mit einem Sieg in Hin- und Rückspiel für sich.

Seit diesem verlorenen Play-Off lief es nicht mehr gut für Northeim. 2022 stieg die Eintracht aus der Oberliga ab. Aktuell schlittert der Verein Richtung Bezirksliga. Bedingt durch die Situation in der Oberliga, könnte es am Ende bis zu sechs Absteiger in der Landesliga-Staffel geben. Seit geraumer Zeit war auch das Gustav-Wegner-Stadion von meinem Radar verschwunden. Der Termin gegen Göttingen um 18:30 Uhr passte nun gut in den Kram. Mit dem Deutschland-Ticket in der Tasche, wollte ich am Freitag Richtung Nürnberg aufbrechen und ein Spiel- und Übernachtungsstop in der Mitte Deutschlands bot sich an.

Bereits in Schwechheim gab es Probleme mit dem einstigen Staatsunternehmen auf der Schiene. Aktuell gibt es wegen Baustellen keine direkten Regionalzüge nach Hannover. Erst ab Buchholz/Nordheide rollt die Bimmelbahn in die Welfen-Metropole. Der Zug nach Buchholz fiel einfach mal aus. Mit dem Auto die 40km in die Nordheide? Klar, aber dafür brauchst du anderthalb Stunden am Freitag-Mittag. Wahnsinn, das Sommerhalbjahr ist angebrochen und irgendwie hat sich die Bevölkerungszahl auf den Straßen und der Schiene über Nacht verdoppelt.

Es half nichts, der zweite Bahnplan musste sitzen. Tat er auch, doch der Zug von Hannover Richtung Göttingen baute unterwegs natürlich die nächste Verspätung auf. Kurz vor Northeim war klar: Pünktlich zum Anpfiff geht’s nur mit Taxi oder flotten Beinen. Dann aber aus dem Nichts folgende Anekdote: Ein Mitt-Fünfziger zieht sein Handy aus der Tasche und bestellt ein Taxi zum Gustav-Wegner-Stadion! Unterwegs stieg noch ein Kamerad in den Wagen ein und auch ein Lindener aus dem Zug schloss sich uns an. Wo ich herkomme, wollte der Taxi-Rufer wissen. Klar, Schwechheim kenne er, weil er dort mal in die „Entzugsklinik“ eingewiesen werden sollte und macht dabei eine Trinkergeste. Was er für die Taxifahrt wolle? „Gib mir ein Bier aus…“.

Und plötzlich war der Bahnstress vergessen. Vor dem Eingang bildete sich schon eine nette Schlange und als wir den sehr charmanten Ground betraten, reichte die Zeit sogar noch für eine Runde Bier. Anschließend wurde die erste Halbzeit ohne jede weitere Aktivität auf der Gegengerade verfolgt, die auch von einer schönen Schicht Patina überzogen ist. Ich liebe diese Grounds, die über Jahrzehnte einfach immer nur „besenrein“ erhalten blieben. In Northeim steht so eine Anlage. Alles ist in Würde gealtert und in einem perfekt-nostalgischen Zustand, ohne dabei unbenutzbar zu wirken. Die Holztribüne mit den runden Balken ist wirklich sehr heimelig.

Göttingen ging mit einem schönen Schuss früh in Führung und ließ den Gegner danach kommen. Bei Northeim viele „Leichtmatrosen“ in der Offensive. Es war klar, dass es schwer werden würde ein Tor gegen die ambitionierten Göttinger zu erzielen. In der zweiten Halbzeit wurde sich dann auf eben jener Holztribüne platziert, das Spiel mit dem Taxi-Mann verquatscht und die etwa 40 bis 50 Göttinger Auswärtsfans aus nächster Nähe betrachtet. Der ehemalige Zweitligist traf noch zwei Mal sehenswert ins Netz. Northeim war weit entfernt vom Anschlusstreffer, dafür rückt die Bezirksliga immer näher. (mm)

SSV Vorsfelde – FC Germania Bleckenstedt – 1:1

SSV Vorsfelde – FC Germania Bleckenstedt – 1:1

“ACHT TAGE ZU SPÄT IN WOLFSBURG”

15.03.2026
Landesliga Braunschweig
Drömlingstadion
Zuschauer: Circa 330

WOLFSBURG – wer als HSV-Fan im März nach Wolfsburg gefahren war, dürfte mit guter Laune zurück nach Hamburg gereist sein. Denn vor exakt acht Tagen konnten die „Rothosen“ den Abstiegskracher für sich entscheiden.

Ich erreichte Wolfsburg quasi acht Tage zu spät. Beim Auswärtserfolg der Rauten war ich auf Gran Canaria unterwegs. Und da am vergangenen Sonntag noch nichts im Kalender stand, suchte ich mir einen Doppler in der genannten Autostadt heraus.

Mit dem Deutschland-Ticket wählte ich eine kostengünstige Anreise und erreichte Wolfsburg pünktlich. Zunächst spazierte ich zum Porschestadion, wo zum Auftakt des Tages ein U19-Kick der Wölfe gegen den FC Heidenheim stattfand.

Da der Ground nichts Besonderes bot, war ich froh, zufällig einen anderen Hopper aus Meppen getroffen zu haben, den ich letztes Jahr in Portadown kennengelernt hatte. Dementsprechend schnell verging das Spiel, welches am Ende 2:0 für den VfL endete.

Nach dem Spiel brachte mich der Linienbus Richtung Vorsfelde. Der Ortsteil von Wolfsburg ist ein ehemaliges Dorf und liegt etwa vier Kilometer vom Wolfsburger Stadtzentrum entfernt. So erreichte ich das „Drömlingstadion“, welches direkt an der Aller liegt, just in time – ein paar Minuten vor Anpfiff.

Beim Thema Catering staunte ich nicht schlecht. Aus einem Foodtruck wurde zu fairen Preisen Pizza verkauft. Es gab Bratwürste, Waffeln, Kuchen, diverse Biersorten und für mich eine ganz neue Erfahrung: Poffertjes. Das pfannkuchenähnliche Gebäck in Münzgröße wollte ich schon immer einmal probieren und ließ mir diese Gelegenheit nicht entgehen.

Statt Nutella entschied ich mich für Puderzucker und verzehrte die sechs Teile mit Genuss.

Das Spiel verfolgte ich aus allen möglichen Perspektiven und entdeckte dementsprechend ganz unterschiedliche Leute. Einer von ihnen trug eine Vorsfelde-Kutte, der nächste einen Fanschal. Ein paar Kinder bepöbelten Spieler, andere traten auf dem Bolzplatz nebenan selbst gegen den Ball.

Auf der Tribüne wurde reichlich Bier getrunken und ich gönnte mir eine leckere Salami-Pizza.

Das Spiel war intensiv. Nach einer vorausgegangenen Führung der Gäste konnte „die Wildsau“ durch einen gerechtfertigten Foulelfmeter ausgleichen.

In der Crunchtime ging es hin und her. Beide Mannschaften wollten den Sieg und erarbeiteten sich Torchancen. Am Ende sollte es jedoch eine 1:1-Punkteteilung geben.

Nach dem Spiel spazierte ich an der Aller entlang, vorbei an dem Stadion, in dem der HSV vor acht Tagen noch einen Auswärtssieg feiern konnte. Zwar war im AOK-Stadion bereits das Flutlicht an, da um 18:30 Uhr noch die Frauen des VfL spielten. Da der Ground allerdings bereits besucht wurde und es mit der Heimreise zu riskant gewesen wäre, wurde das Spiel geskippt.

Somit ging es mit zwei neuen Grounds in der Tasche zurück nach Hamburg. (fj)

SVG Göttingen 07 – 1. SC Göttingen 05 – 1:1

SVG Göttingen 07 – 1. SC Göttingen 05 – 1:1

„KRUDE MIXTUR IM ANTI-AGGRESSIVEN DERBY“

31.10.2025
Landesliga Braunschweig
Stadion am Sandweg
Zuschauer: 2.185

GÖTTINGEN – Während die Arbeitnehmer in Süddeutschland an diesem Freitag fleißig an einer gerechten Verteilung des Länderfinanzausgleichs werkelten, wurde der Feiertag im Norden genutzt um endlich mal eine Bestandsaufnahme in Göttingen zu machen! Die Regionalzüge fahren die rund vierstündige Strecke von Schwechheim bis an die südliche Grenze Norddeutschlands mit kleinen Stops in Uelzen und Hannover durch. Es musste nur mal der richtige Tag und die richtige Paarung kommen. Spitzenspiel in der Landesliga, 07 traf auf 05 und das alles um 14 Uhr an einem Freitag – na, wenn das mal nicht die Voraussetzungen waren, nach denen man jahrelang die Augen offen gehalten hatte!

Mit einer kleinen Verspätung trudelte die zweiköpfige Reisegruppe in Göttingen ein und ein beherzter Sprint zum Busbahnhof sorgte dafür, dass die Linie 61 zum Jahnstadion gerade noch so erreicht wurde. Jahnstadion? Genau! Neben dem größten Spielort der Stadt befindet sich das „Stadion am Sandweg“. Auch ein besonderer Ground, mit Tribüne, Fachwerkhaus und Radrennbahn. Seit gut 100 Jahren Herberge der Spielvereinigung 07, die nach dem Niedergang des großen Konkurrenten vor über 20 Jahren die Führungsposition in der Studentenstadt in Sachen Fußball einnahm und seitdem etliche Jahre in der Oberliga Niedersachsen verbrachte.

Die 05er wurden 2003 nach missglücktem Insolvenzverfahren offiziell aus dem Vereinsregister gelöscht und gründeten mit den verbliebenen Jugendmannschaften einen neuen Verein (1.FC Göttingen 05), der wiederum mit dem RSV Geismar fusionierte (RSV Göttingen 05). Aus diesem neuen Verein wurde die I. Herren 2012 ausgegliedert und läuft seitdem wieder unter altem Namen und Logo auf. Sportlich war bisher in der Landesliga Schluss. Dieses Jahr sieht es aber für beide Teams gut aus, bis zum Ende oben mitzumischen. Platz 4 empfing Platz 3 in der Tabelle. Mit drei Punkten würde sich die siegreiche Mannschaft oben festsetzen.

Gott sei Dank klappte die Sache mit dem Bus. Eine dreiviertel Stunde vor dem Anpfiff bildeten sich schon lange Schlangen an der Kasse. Noch weit vor 14 Uhr wurde beschlossen den Anpfiff um 15 Minuten nach hinten zu verlegen. Nach dem Ticketkauf im Stadion selbst aber keine Spur von Chaos. Ein sehr gut aufgestellter Gastgeber begrüßte an diesem Fußball-Feiertag über 2000 Zuschauer in der Landesliga, kein Wunder wenn das bei diesen Zahlen anfangs etwas länger dauert. Bei der Verpflegung jedenfalls waren die Hausherren gut aufgestellt, es kam kaum zu längeren Wartezeiten und die Fleischprodukte vom Schwenkgrill mundeten vorzüglich. So bringt Amateurfußball Spaß und das galt für die ganze Veranstaltung! Zwar war ein Zug Bullen präsent, doch Ordner und Sicherheitspersonal konnte man an einer Hand abzählen, jeder Bereich im Stadion war zugänglich und es herrschte eine wahrlich anti-aggressive Atmosphäre, in der keinerlei Zwischenfälle registriert wurden. Geht doch!

Die Gästefans breiteten sich links neben der Tribüne aus und nichts war hier abgesperrt. Die 05er wurden aus Bremen und Linden unterstützt und der harte Kern besteht vielleicht aus gut hundert Personen, wobei natürlich viel mehr Leute im Rund dem ehemaligen Bundesliga-Aufstiegsrunden-Teilnehmer die Daumen drückten. Die 07er verfügen über keine Fanszene. Wenn man von den 2200 Zuschauern 200 Groundhopper abzieht, dürfte sich das Zuschauerverhältnis zwischen beiden Teams aber ziemlich gerecht aufteilen.

Die Gäste starteten mit einem Element auf dem das Gründungsjahr „1905“ zu sehen war und untermalten die Choreo mittels Feuerwerk. Kurz darauf wurde gelber Rauch gezündet und Pyro-Aktionen zogen sich durch das ganze Spiel. Außerdem unterstützten die Anhänger ihre Elf mit durchgehendem Support, wobei einige sehr melodiöse Lieder im Ohr hängenblieben. Hausbesetzer-Szene trifft bei 05ern Kutten-Kultur. Der Support verdient sich trotz dieser kruden Mixtur eine Spitzennote. Zumal, wenn man bedenkt, dass es keinen Widerpart in der Stadt gibt und das Verhältnis mit der sogenannten „Führungsriege“ zuletzt über Kreuz lag, was an diesem Tag aber keine Rolle spielte.

Die friedliche Atmosphäre übertrug sich zunächst auf das Spielfeld, wo keine Mannschaft Oberwasser errang, aber beide Teams immer mal wieder vor dem Tor auftauchten. Die Gäste trafen schließlich in der 43. Minute nach einem Standard per Kopf und jubelten eindrucksvoll vor der Kurve. Im Laufe der zweiten Halbzeit fiel der verdiente Treffer zum Ausgleich, ehe es in den Schlussminuten nochmal ordentlich zur Sache ging: Sowohl 07 als auch 05 vergaben hundertprozentige Siegchancen und schrammten knapp am Derbysieg vorbei. Nach dem Schlusspfiff waren wohl alle Beteiligten mit der Punkteteilung auf dem tiefen Rasen zufrieden, auch wenn sich kein Team in der Tabelle oben absetzen konnte.

Doch selbst wenn es nächstes Jahr keinen Oberligisten aus Göttingen gibt – unter diesen Voraussetzungen hat der Fußball in der Stadt eine Zukunft. (mm)