Mosbacher SV – SG EFC Ruhla 08 – 5:0

„BRASILIEN-VIBES IM THÜRINGER WALD“

29.05.2026
Kreisoberliga Westthüringen
Sportplatz Mosbach
Zuschauer: 351

MOSBACH – Vor gut zwei Jahren sollte im „Schwechheimer Landboten“ ein Bericht über den FC Eisenach erscheinen. Im frühsommerlichen Mai wartete der perfekte Eisenach-Tag in Westthüringen. Morgens wurde dem FSV Eintracht Eisenach im „Stadion der Freundschaft“ ein Besuch abgestattet. Ein besserer Sportplatz, aber direkt neben dem Wartburg-Stadion gelegen. Bei bestem Sonnenschein ging es anschließend rauf auf die Wartburg und wieder runter zum FC Eisenach. Der Gegner damals: Mosbacher SV. Vor zwei Jahren bereits Spitzenteam der Liga und die Konstellation im Wartburg-Stadion lautete: Letzter gegen Zweiter. Oder irgendwie so. Der perfekte Eisenach-Tag erhielt mit einem elendigen 0:0 vor einer Handvoll Zuschauer einen ordentlichen Dämpfer. Das Wartburg-Stadion ist bei jedem Grottenkick noch fotogen, aber zu schreiben gab es nix.

Die Recherche ergab wenig später nicht nur die Tatsache, beim ersten torlosen Unentschieden im Wartburg-Stadion seit 11 Jahren (!) vor Ort gewesen zu sein, sondern auch den Umstand, dass die hochfavorisierten Mosbacher nur zwei Tage zuvor im Derby gegen den EFC Ruhla auf dem Platz standen. Vor rund 500 Zuschauern feierte der MSV einen Derbysieg und die Bilder vom Feuerwerk vor der legendären Holzhütte im Langetal machten nach dem Spiel die Runde und elektrisierten auch mich. Seit diesem verhängnisvollen Tag hatte ich das Derby im Wartburgkreis auf dem Zettel, der ja auch ohne Fußballspiel immer eine Reise wert ist.

Nun war es so weit und der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können. Das Quecksilber kratzte an der 30-Grad-Marke und Mosbach auf dem Platz an der Sonne, hatte die Möglichkeit mit Schützenhilfe aufzusteigen. Den ersten 200 Zuschauern wurden „Derbykekse“ gereicht und der Sportplatz im Langetal rechnete mit einem Zuschaueransturm. Vor Ort sind kaum Parkplätze vorhanden, bereits eine knappe Stunde vor dem Anpfiff musste der Rückwärtsgang eingelegt werden. Nachdem eine Eintrittskarte für 4€ über den Tisch wanderte, genoss ich die Aussicht über den Thüringer Wald. Beim Blick in den Spielort wurde aber schnell klar, dass die kühnen Träume von Rekordkulisse und Tifo nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Die „Mosbacher Jungs“ scheinen gar nicht mehr aktiv zu sein. Der Parkplatz zwar zum Bersten gefüllt, aber bei 351 Zuschauern und dem möglichen Aufstiegsticket wäre sicher noch Luft nach oben gewesen. Ich nehme es vorweg: Das war alles gar nicht wichtig. Wichtig war auf dem Platz.

Die Kulisse sorgte dennoch für gute Laune und vor allem der Mosbacher SV tat alles dafür, dass seine Gäste zufrieden waren. 5:0 stand es nach 20 Minuten gegen den Nachbarort, der ebenfalls zu Wutha-Farnroda gehört. Ein herausgespieltes Tor war schöner als das andere und vor allem der Torjubel nach dem 3:0, mit einem Ordner, der auf das Spielfeld tanzte, bescherte uns unvergessliche Bilder. Seit der WM 2014 und dem deutschen 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien, habe ich nicht mehr so einen surrealen Spielverlauf gesehen. Zwischendurch war Mosbach in die Landesklasse aufgestiegen, doch der Konkurrent aus Vacha konnte sein Spiel am Ende mit 4:0 gewinnen. In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, diesmal wurden die guten Chancen versiebt und die Zuschauer konnten sich auf das frischgezapfte „Stupps“-Bier, die Thüringer Bratwurst und das tolle Panorama rund um den Sportplatz konzentrieren. Für den Groundhopper wurde nach dem Abpfiff immerhin noch eine Feuerwerksrakete in den dämmernden Abendhimmel geschossen.

Wie vor zwei Jahren, gab es bereits zwei Tage nach dem Derby wieder ein Spiel für Mosbach in der Kreisoberliga. In Hötzelsroda konnten die Wuthaer mit 4:0 triumphieren und den Aufstieg nun auch formell eintüten. Diesmal war die Motivation eine andere – Glückwünsche nach Mosbach! Eine persönliche Fußnote machte das Derby für uns noch unvergesslich: Nach dem Spiel fertigte ich ein Foto mit dem Kapitän der Mosbacher und meinem Sohn an und ließ die Nummer 7 in einem Tagebuch unterschreiben. Mein Sohn – Schüler der 1. Klasse – hatte morgens in der Schule „Pinguin Piet“ zugelost bekommen und musste sein Wochenende in Schrift und Bild per Reisetagebuch dokumentieren. Ausgerechnet dieser Tage stand eine Tschechien-Tour via Thüringen im Terminkalender. Mal gucken, ob seine Klassenlehrerin den Beitrag liken wird. (mm)