„PLAN B – MÜSSEN AUF DIE 1“
15.05.2026
Kreisklasse C Schleswig-Holstein Süd
Sportplatz Müssen B
Zuschauer: 115
MÜSSEN — Die Stadt Lauenburg liegt am südlichsten Zipfel von Schleswig-Holstein im sogenannten „Drei Bundesländer Eck“. Auf der anderen Seite der Elbe liegt Niedersachsen und kurz hinter dem Ortsschild beginnt Mecklenburg-Vorpommern. Da ist es natürlich offensichtlich, dass sich die Fußballabteilung gedacht hat: Komm, lass uns im Hamburger Fußball Verband mitspielen, damit die Wege kürzer sind. Man fährt in der Kreisliga also lieber 32 Kilometer nach Allermöhe als 17 nach Büchen. Soweit so gut. Wenn man gerne alle zwei Wochen Sprit verballern möchte, dann viel Spaß.
Ich möchte jetzt nicht respektlos sein, aber das Internet haben sie beim Lauenburger SV offensichtlich auch nicht erfunden und die Spielortangabe im DFBnet ist ebenfalls Neuland. Der LSV setzt seine Spiele nämlich komplett auf dem Rasenplatz an, egal zu welcher Tages oder Jahreszeit.
Daher ist es relativ kompliziert, den Rasenplatz ohne Flutlicht zu kreuzen. Dementsprechend ging der Versuch, ein Spiel auf dem Rasenplatz zu sehen, schon öfter daneben. Um dieses Risiko heute zu vermeiden, kontaktierte ich sogar die beteiligten Vereine und bekam die Zusage: „Es wird auf Rasen gespielt.“
25 Minuten vor Anpfiff fuhr ich in den Glüsinger Weg und siehe da: Die Mannschaften machten sich auf dem Kunstrasenplatz warm. Warum war mir das schon im Vorfeld klar? Wer sich jetzt äußern möchte, dass ein Spiel am Freitag Flutlicht benötigt, den verweise ich auf den Sonnenuntergang und die Anstoßzeit.
Da ich natürlich keine Motivation hatte, einen Revisit beim künstlichen Rasenschach zu machen, holte ich Plan B aus der Tasche. 14 Minuten entfernt und rund zehn Kilometer dichter an Hamburg hatte der SV Müssen in der allerletzten Liga sein Heimspiel. Fünf Minuten vor Anpfiff stellte ich mein Auto ab und sah die ersten Zuschauer in SV Müssen Trikots zum Platz wandern. Vor Ort war der Rasenplatz gut gefüllt, eine Fahne wurde geschwenkt und das Banner „Wir MÜSSEN auf die 1“ hing auf Höhe der Mittellinie. Fußball.de teilte mir die Lösung mit:
Letztes Spiel der Saison und Müssen steigt bei einem Sieg heute auf.
Die Spieler mussten nur noch den Sieg einfahren, wirkten am Anfang aber etwas nervös. Sie erzielten zwar den Führungstreffer, kassierten kurz danach jedoch den Ausgleich. Nach rund 15 Minuten legte sich die Nervosität und Müssen kam besser ins Spiel. Die Spielgemeinschaft aus Breitenfelde und Mölln wurde nun zunehmend auseinandergenommen. Es fiel ein Tor nach dem anderen und zur Pause war bereits klar: Heute muss man etwas länger am Sportplatz bleiben, denn hier wird nach Abpfiff gefeiert.
Für die deutlich unterlegenen Gäste kam es noch knüppeldick. Sie wurden regelrecht abgeschossen und zusätzlich verletzte sich der Torhüter in der zweiten Hälfte. Ein Feldspieler musste ins Tor und hatte dort tatsächlich seinen großen Moment. Als die Zuschauer den Spieler mit der Nummer 16 zum Elfmeter riefen, schlug die große Stunde der „Nummer 2“. Er hielt sensationell einen Elfmeter und wurde anschließend von seinen Mitspielern gefeiert.
Um 20:49 Uhr pfiff der Schiedsrichter ab. Sowie auf und neben dem Platz wurden Fackeln und Rauchtöpfe gezündet. Der Aufstieg ist geschafft und die Mannschaft ließ sich im Pyronebel von Müssen feiern. Nächste Saison geht es dann per Fahrrad ins fünf Kilometer entfernte Büchen, während Lauenburg weiterhin 30 Kilometer nach Hamburg fährt.
Müssen musste für Lauenburg einspringen und war am Ende mehr als nur ein Plan B. Der Schwechheimer Landbote gratuliert herzlich zum Aufstieg und wünscht euch viel Erfolg in der nächsten Saison. Vielleicht wird dann auch der „A Platz“ bespielt und nicht die ganze Saison der B Platz. Vorsichtshalber einen Plan B dabeizuhaben, ist das A und O des Groundhoppings.
In diesem Sinne danke für den besonderen Freitag. (mb)






