„ABENTEUER ALTMARK“
06.04.2026
Landesliga Nord/Sachsen-Anhalt
Werner-Seelenbinder-Stadion
Zuschauer: 87
BISMARK – Um die gemütlichen Osterfeiertage in Ostdeutschland etwas aufzupeppen, heckte ich mir einen ganz kruden Plan aus: Wenn schon mal ein Zweirad im Kofferraum des Familien-Bombers liegt, warum nicht eine kombinierte Auto-Fahrrad-Tour über die Elbe nach Sachsen-Anhalt unternehmen? Hinter dem Fluss fängt die Altmark an, eine Region die in Westdeutschland sicher immer noch für große Fragezeichen sorgt. Mit Stendal und Gardelegen wurden 2018 und 2025 zwei der größten Orte in der Altmark fußballerisch besucht – ansonsten viele weiße Flecken auf der Landkarte.
Neben Sonnenschein kündigte sich für die Osterfeiertage auch ganz pünktlich ein orkanartiger Wind an. Wer auch immer das Wetter in Norddeutschland organisiert: Setzen, Sechs! Da ich ja mit dem Auto unterwegs war, hätte ich einfach nach Bismark durchfahren können. Aber, nein, es wurde eisern an der Fahrrad-Nummer festgehalten und die rund 30km von Osterburg nach Bismark auf dem Sattel absolviert. Der Wind war dabei ziemlich nervig, aber nicht mal das größte Problem. An dieser Stelle ein Lifehack: Wenn ihr mit Fahrrad und Google Maps unterwegs seid, checkt die Route ganz genau. Google sucht euch den kürzesten Weg heraus, aber beachtet dabei kein Kopfsteinpflaster, keine Wald- und Wiesenwege, keinen Treibsand und sonstige fahrradfeindliche Untergründe. Selbst Steigungen werden nur unzureichend gewürdigt.
Ich wollte ein Altmark-Abenteuer, ich bekam eins. Fernab jeglicher Zivilisation ging es durch Windradparks und menschenleere Wirtschaftswege Richtung Bismark. Die 17 Minuten Puffer büßte ich komplett ein. Als ich das Ortseingangsschild der Kleinstadt passierte, wurde mir immer noch 14:01 Uhr als Ankunftszeit angezeigt. Tatsächlich erreichte ich das urige Waldstadion „Werner Seelenbinder“ um 13:59 Uhr – 1 Minute vor dem Anpfiff. In der Stadt ging es bergab und den Rest erledigten die durchtrainierten Schwechheimer Wadln.
Wieder mal pünktlich zum Fußball geschafft, der Preis dafür war ein paar Tage später eine Erkältung. Aber jetzt war ich erstmal angekommen am Ziel – und das lohnt sich. Wer hat das Waldstadion in Bismark auf dem Zettel? Vor Ort gab es keine Futbology-Check-ins zu verzeichnen, aber viele urige Details zu entdecken: Ein „Olympisches Feuer“, der kultige Eingang und natürlich die ausgebaute Seite entschädigten für den Langstreckensprint bei Gegenwind. Stilecht für Sachsen-Anhalt wird im Vereinsheim Bockwurst serviert. Die schmeckte so gut, dass es eine zweite gab. Ein Novum. Zwei Bockwürste als Gütesiegel für die Sportplatzverpflegung, das dürfte an dieser Stelle keine offenen Fragen hinterlassen.
Zu Gast in Bismark: Kein Geringerer als der SV Stahl Thale. In den 1950er-Jahren DDR-Oberligist und an diesem Montag mit genau 9 Leuten aus dem Südharz angereist. Die Realität heißt mittlerweile: Abstiegskampf in der 7. Liga und dafür müssen die Anhänger über zwei Stunden pro Strecke ins Auto steigen. Es blieb bei einer Zaunfahne und Kommentaren in Zimmerlautstärke. Vielleicht hatten sie das Unglück ja auch schon geahnt. Beim Heimteam lief der Ball besser und in der Box kam Thale kaum mal zur Geltung. Am Ende fuhren die ebenfalls abstiegsbedrohten Bismarker einen verdienten 3:0-Sieg ein. Bei den Schwarz-Weißen war auf der Waldseite übrigens eine Junior-Ultragruppe unterwegs, die ihren ersten Auftritt auf die Bretter legte, wie der Instagram-Page der Jungs zu entnehmen ist. Viel Glück möchte man den Beteiligten auf beiden Seiten wünschen!
Zurück nach Osterburg ging es dann über die gut ausgebaute Landstraße auf der Autoroute, welche nur Vorteile mit sich brachte und deutlich weniger Zeit in Anspruch nahm. Endlich radelte ich entspannt durch diverse Altmark-Dörfer mit ihren Natursteinkirchen, Storchennestern, Lost Grounds und den letzten architektonischen Überbleibseln der DDR. Zuvor wurde auch Bismark mit dem Wahrzeichen „Goldene Laus“ nochmal abgeklappert. Die ganze Stadt ist eine Zeitkapsel und trotzdem hat alles vor Ort seine Ordnung. Es hat sich mal wieder ein weiteres Fragezeichen über Deutschland in Luft aufgelöst. Auf der Rückfahrt hatte sich der Wind auch merklich zurückgezogen und ich fuhr die komplette Strecke offline und nur nach Schildern. Warum nicht immer so? (mm)



















