SG Sonnenhof Großaspach – DSC Arminia Bielefeld 2:2 (5:2 n. E.)
SG Sonnenhof Großaspach – DSC Arminia Bielefeld 2:2 (5:2 n. E.)
„JA, ICH WILL“
22.08.2026
DFB-Pokal
WIRmachenDRUCK Arena
Zuschauer: 5.719
GROSSASPACH – Klein gegen groß! Die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ist für viele Amateur- und unterklassige Vereine eines der Highlights der Saison. Schließlich bietet sich die einmalige Gelegenheit, gegen die großen Namen des deutschen Fußballs anzutreten und diese im besten Fall sogar zu ärgern.
Auch ich konnte in der Vergangenheit bereits einige solcher Pokalüberraschungen miterleben. 2009 war ich beispielsweise beim Spiel des VfB Lübeck dabei, als die Norddeutschen den 1. FSV Mainz 05 aus dem Wettbewerb kegelten. Auch im Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena durfte ich erleben, wie ein Viertligist dem großen HSV Paroli bot.
Entsprechend gespannt wurde die Auslosung der ersten Hauptrunde verfolgt. Für besonders große Freude sorgte sie beispielsweise beim Hamburg Eimsbütteler Ballspiel-Club, dem mit Borussia Dortmund ein echter Hochkaräter zugelost wurde.
Auch für mich war die Auslosung interessant, denn ich wollte mal wieder live bei einer klassischen Konstellation „David gegen Goliath“ dabei sein. Besonders interessant erschien mir die Partie zwischen der SG Sonnenhof Großaspach und Zweitligist Arminia Bielefeld.
Zwar lässt sich der Ground auch im Ligaalltag gegen andere Traditionsvereine besuchen. Großaspach war für mich jedoch die letzte noch fehlende Station zur Komplettierung der 3. Liga. Außerdem versprach die ursprünglich geplante Anstoßzeit am Samstag um 18:00 Uhr die Möglichkeit, den Pokalbesuch mit einem weiteren Spiel zu verbinden.
Daraus wurde allerdings nichts. Die Terminierungen waren äußerst ungünstig. So sollte beispielsweise die TSG Backnang nicht am Samstag, sondern bereits am Freitag spielen. Ohne Auto wäre dadurch zumindest ein Revisit bei den Stuttgarter Kickers möglich gewesen. Da mir eine Partie der Freiburger Zweitvertretung allerdings nicht interessant genug erschien und ich bei der Komplettierung kein Risiko eingehen wollte, fiel die Entscheidung schließlich auf Großaspach.
Schon die Anreise begann jedoch alles andere als optimal. Der ICE aus Hamburg verließ den Hauptbahnhof mit mehr als 140 Minuten Verspätung. Mein Kollege, der ursprünglich ebenfalls mitkommen wollte, hatte bereits nach knapp einer Stunde genug und suchte sich ein würdiges Alternativprogramm.
Für mich gab es hingegen keine Alternative. Das Hotel war gebucht und die Liga musste vollgemacht werden.
Gegen 13:30 Uhr wurde zunächst Backnang besucht, um in einer Kneipe die frühen Pokalspiele zu verfolgen. Anschließend führte mich der Bus weiter nach Großaspach.
Am Ortsschild wurde man bereits mit einem Werbeplakat auf das Pokalspiel aufmerksam gemacht. Es folgte ein kleiner Spaziergang vorbei am alten Rathaus bis zur WIRmachenDRUCK Arena, die Platz für rund 10.000 Zuschauer bietet.
Dort ging es zunächst in das im Stadion integrierte Kanadische Blockhaus. Hier besteht die Möglichkeit, sich vor dem Spiel mit Essen und Getränken zu versorgen. Ich entschied mich für einen Aperol Spritz und war voller Vorfreude auf den bevorstehenden Pokalabend.
Auch außerhalb des Stadions war die Vorfreude deutlich zu spüren. Eine besondere Verbindung zum Verein gibt es durch Andrea Berg. Die in Aspach lebende Schlagersängerin ist eine bekannte Anhängerin des Dorfklubs und drückte auch an diesem Abend von der Tribüne aus die Daumen. Ihre Stimme war zudem über die Stadionlautsprecher zu hören, denn ihr Lied „Ja, ich will“ wurde zur Dorfklub-Version umgetextet.
Die Verbindung zwischen Andrea Berg, ihrem Ehemann Uli Ferber und der SG Sonnenhof Großaspach ist eng. Uli Ferber gehört zu den prägenden Personen der Vereinsgeschichte und war Mitgründer sowie erster Vorsitzender des 1994 entstandenen Vereins. Die heutige SG Sonnenhof Großaspach ging am 25. August 1994 aus der Fusion der SpVgg Großaspach und des FC Sonnenhof Kleinaspach hervor. Der Name Sonnenhof verweist dabei auf das von der Familie Ferber betriebene Hotel Sonnenhof in Kleinaspach.
Im Stadion war der Wunsch der Heimfans anschließend deutlich zu erkennen: „Ja, ich will in Runde zwei“ stand im schwarz-roten Fanblock geschrieben.
Auf der anderen Seite sorgten die mitgereisten Anhänger aus Bielefeld für einen stimmungsvollen Gästeauftritt. Mehr als 2.000 Arminen sollen den Weg nach Großaspach angetreten haben.
Gute Laune herrschte nach zwölf Minuten allerdings zunächst ausschließlich auf der Heimseite. Jan Elias Rahn brachte den Dorfklub mit 1:0 in Führung.
Die Antwort der Arminia ließ nicht lange auf sich warten. Kurz vor der Pause drehte Bielefeld die Partie innerhalb von nur zwei Minuten. Stefano Russo traf in der 40. Minute zum Ausgleich, ehe Joel Grodowski kurz darauf die Gäste mit 2:1 in Führung brachte.
Nach dem Seitenwechsel schlug Großaspach zurück. In der 55. Minute zeigte Schiedsrichter Felix Bickel auf den Elfmeterpunkt. Fabian Eisele verwandelte den Handelfmeter sicher zum 2:2.
Dabei sollte es nicht bleiben.
Erst sah der Bielefelder: Felix die rote Karte, dann gab es auch noch Verlängerung und Elfmeterschießen.
Und dort wurde Maximilian Reule endgültig zum Helden des Abends. Der Großaspacher Torhüter parierte zwei Bielefelder Strafstöße. Maximilian Bauer und Tim Handwerker scheiterten an Reule, während Roberts Uldrikis seinen Versuch über das Tor setzte.
Auf der anderen Seite bewiesen die Großaspacher Schützen Nervenstärke. Arbnor Nuraj, Luca Molinari und Franz Xaver Bleicher verwandelten ihre Versuche allesamt. Damit stand ein deutliches 3:0 im Elfmeterschießen und insgesamt ein 5:2 für den Außenseiter auf der Anzeigetafel.
Der „Dorfclub“ steht damit erstmals in seiner Vereinsgeschichte in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Für den frischgebackenen Drittliga-Aufsteiger ist es ein weiterer Höhepunkt eines ohnehin außergewöhnlichen Jahres. Nach dem Durchmarsch von der Oberliga über die Regionalliga bis in die 3. Liga folgte nun der Pokalcoup gegen den Zweitligisten aus Bielefeld.
Und wer weiß: Vielleicht heißt es bei der nächsten Auslosung tatsächlich wieder: „Ja, ich will“. (fj)












