FC Modena – Hellas Verona FC – 3:2

FC Modena – Hellas Verona FC – 3:2

„BUSINESS AS USUAL IN BELLA ITALIA!“

11.10.2026
Serie B
Stadion Alberto Braglia
Zuschauer: 13.559

MODENA – Von Krakau ging es bereits am Abend per Flieger nach Rimini – direkt nach dem 14:45-Uhr-Spiel bei Cracovia. Der Flughafen in der italienischen Küstenstadt liegt unmittelbar hinter dem Strandabschnitt „Miramare“. Zu Fuß läuft man vielleicht eine Viertelstunde vom Gate zur Adria. In der Nebensaison werden die Übernachtungen in den Betonbunkern dort fast verschenkt. Trotzdem entschied ich mich natürlich für ein preiswertes Hotel und es kann gut sein, dass ich in der klapprigen Unterkunft ganz alleine nächtigte, obwohl vor Ort noch Badewetter herrschte.

Rimini scheint seine Halbwertszeit als trendige Urlaubs-Destination etwas überschritten haben. Dennoch bot die große Promenade am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein eine schöne Abwechslung auf dem Weg zum Bahnhof. Von Rimini führte die Route zunächst über Bologna nach Castelmaggiore. Dort gastierte in der Serie D der Siena FC beim hiesigen Lokalmatador SCD Progresso. Vor 15 Jahren stiegen die Gäste unter Trainer Antonio Conte in die Serie A auf. Wie bei so vielen Serie-A-Überraschungsteams ging es danach abwärts. Bei bestem Wetter wurde dort den Klängen der Ultras gelauscht. Leider hat der Redaktionsplan in dieser Woche keine Lücke für dieses Spiel gelassen, hier wird es am Montag nochmal eine Review auf diesen Nachmittag geben.

Nach dem Match bei Progresso ging es flugs zur Hauptstraße, in der Hoffnung, dass der nächste Bus pünktlich kommt und ich etwa 60 Minuten vor dem Anpfiff in Modena aufdribbeln kann. Der Bus hatte 15 Minuten Verspätung und in Bologna war ich gezwungen einen späteren Zug zu nehmen. Kein Beinbruch, nun aber 20 Minuten vor dem Anpfiff bei so einem Spiel aufzuschlagen, versprach nicht viel Komfort. Immerhin war der Zug Richtung Mailand pünktlich, wenn auch rappelvoll. Zu erwähnen ist in Italien zumindest die Verlässlichkeit der Regionalbahnen, während die Hochgeschwindigkeitszüge „Frecciarossa“ gerne mal Verspätungen auftürmen. Am besten sind aber die fixen und fairen Preise im Bahnverkehr, die auch spontane Ideen ohne unnötigen Kostenaufschlag erlauben. Benvenuto Trenitalia! Merda di Deutsche Bahn, fällt mir da einfach nur ein!

Es kam wie es kommen musste: In einem Gewirr aus Polizeisperren, verwinkelten Straßen und unübersichtlichen Menschenknäueln, fand ich meinen Eingang nicht. Es ging hin und her, immer wieder musste über Piss-Rinnsale gehüpft werden. Die Italiener pinkeln einfach immer noch in Massen gegen die Wände. Die Zeit verstrich und als ich sah, dass eine Tür am Funktionsgebäude offenstand und unbewacht war, schlich ich mich in das Haus. Dort geisterte ich in den Katakomben herum und öffnete Türen zu irgendwelchen Schlafzimmern, wo vermutlich gerade Jugendspieler nächtigten. Scusi, aber der Anpfiff war in Gefahr! Das Gebäude hinter der „Curva Montagnadi“ ist allerdings so konzipiert, dass man von dort nicht ins Stadion gelangt. Ich war ziemlich schnell mit meinem Latein am Ende und verließ das Gebäude wieder. Es konnte nur noch einen Weg zur Haupttribüne geben und zum Glück trudelte ich ein paar Minuten vor dem Anpfiff an dem passenden Gate ein. Hier konnte man übrigens einfach das Stadion betreten, ohne irgendwelche Kontrollen und Scans.

Mit dem Einlauf der Teams kochte das schicke „Stadio Alberto Braglia“ bereits. Modena hatte Bock und Hellas Verona war mit knapp 2500 Tifosi angereist. Über 13.000 Zuschauer versprachen eine gute Kulisse. Beide Teams spielen in der oberen Tabellenhälfte mit und schnell wurde sichtbar, dass sowohl Modena als auch Verona keine große Taktikschlacht aufzogen. Die Heimelf versuchte es mit schnellen Angriffen über die Außen und Hellas verlegte sich auf’s Kontern. Modena ging früh durch eine Einzelleistung in Führung. Die Gäste schlugen nach zwei Torwartfehlern eiskalt zurück und führten zur Halbzeit mit 1:2.

In der Heimkurve gab es neben leidenschaftlichen Gesängen immer wieder vereinzelt Pyro. Die Curva brodelte im wahrsten Sinne des Wortes. Auch die „Scaligeri“ waren gut aufgelegt, animierten die eigene Masse und zündeten – zum Leidwesen meiner Sitznachbarin – immer wieder Kanonenschläge. Ein Wunder, die Mobilisierung der Veronesen. Seitdem im Januar ein amerikansiches „Private-Equity“-Unternehmen den Laden übernommen hat, ging es von der Serie A in die Serie B. Der Investor berief unter anderem Thomas Hitzlsperger (!) und Donata Hopfen (gescheiterte Ex-DFL-Chefin) in den Aufsichtsrat, während die Fanszene der „Gialloblù“ massiv protestierte. Hört sich wieder mal nach einer weltfremden Investoren-Geschichte an, das hat nicht mal der Verein mit den beiden Hundeköpfen im Logo verdient.

In Modena kann man darüber nur milde lächeln. „I Canarini“ war zuletzt 2004 in der Seria A vertreten. 2018 ging der Klub komplett in die Binsen und gründete sich als Blaupause neu. Business as usual in Bella Italia. Zurück zum Sportlichen: Modena scheint in diesem Jahr wieder auf dem aufsteigenden Ast zu sein. In der zweiten Halbzeit ließ man nicht locker, warf alles in die Waagschale um den Ausgleich zu erzielen. Flutlicht, Fans und fantastische Stimmung: Nachdem der Ausgleich per VAR zunächst aberkannt wurde, klingelte es fünf Minuten vor Schluss endlich im Kasten der Gäste. Damit nicht genug: Kurz davor musste mit Andrias Edmundsson ein Spieler von Hellas Verona per gelb-roter Karte den Platz verlassen – übrigens der erste Akteur überhaupt mit einem Pass der Färöer Inseln im italienischen Profi-Fußball.

Jedem im Stadion war klar: Das Spiel muss Modena jetzt kippen! Eine Angriffswelle nach der nächsten rollte auf das Tor von Verona zu. Ausgerechnet in der allerletzten Aktion des Spiels verschätzte sich der Gästekeeper und kam einen Mini-Moment zu spät aus seinem Tor. Hinter ihm stand Ex-Nationalspieler Andrea Belotti und schob zum Heimsieg ein. Der Rest sind Gefühle „wo man nicht beschreiben kann“. Ich muss ehrlich gestehen: Wenn ich mir ein beliebiges Spiel in Italien aussuchen könnte, würde es in etwa so aussehen. Bei allem Unverständnis über die Vereinsstrukturen im Stiefelland, auch solche Spiele sind business as usual in Bella Italia. (mm)

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