SG 1948 Reppichau – Hallescher FC (0:6)

Hereinspaziert in unsere heutige BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (119)! Oder sollte man besser „hereingefahren“ sagen? Unsere Stadion-Empfehlung für diesen Freitag steht in Dessau und hört auf den Namen: Paul-Greifzu-Stadion.

Doch wer war eigentlich dieser Paul Greifzu? Ein Autorennfahrer aus Thüringen, geboren 1902 ausgerechnet in Suhl, dem Herkunftsort der Simson-Zweirad-Werke. Gestorben im 51. Lebensjahr in Dessau, unweit des heute nach ihm benannten Stadions.

Zum Zeitpunkt seines Todes befand sich Greifzu auf dem Höhepunkt seines Schaffens, als er am 10. Mai 1952 auf der „Dessauer Rennstrecke“ verunglückte, einem Rundkurs, der heute teilweise in der A9 aufgegangen ist. Vor dem Stadion steht eine Gedenktafel zu Ehren Greifzus, die allerdings viele Jahre – unzugänglich – an der A9 zu finden war und vor einiger Zeit auf den Stadionvorplatz umgebettet wurde.

Nur ein halbes Jahr nach dem tödlichen Unfall wurde das Stadion in Dessau eröffnet und nach dem Rennfahrer benannt. Die fußballerischen Aussichten in der Bauhaus-Stadt damals waren rosig: Die hiesige BSG Motor Dessau kickte in der DDR-Oberliga, zum Eröffnungsspiel gegen Lok Stendal strömten 30.000 Zuschauer in das Stadion. Nach fünf Jahre in der höchsten Liga musste das Team 1954 den Abstieg verkraften – und kam nie wieder in die Eliteklasse zurück.

Das große Stadion am Ortsrand wurde nur noch spärlich genutzt. Der renommierte SV Dessau 05 ist seit jeher im Schillerpark zu Hause, trug aber hin und wieder im Paul-Greifzu-Stadion Pflichtspiele aus, zum Beispiel in den beiden Oberliga-Jahren 2004/05 und 2006/07. Das Leichtathletik-Stadion wird und wurde jedoch rege für Veranstaltungen abseits des runden Leders genutzt.

Hin und wieder steht in der drittgrößten Stadt Sachsen-Anhalts aber ein Spiel von besonderer Bedeutung im Terminkalender. Eine solche Begegnung kündigte sich letzte Woche am Freitag an, als die SG Reppichau in der zweiten Landespokalrunde den Halleschen FC empfing. Für den Verbandsligisten versprach das Ausweichstadion optimale Bedingungen im Spiel gegen den Regionalligisten.

Der kleine Dorfverein aus dem Osternienburger Land zwischen Köthen und Dessau begrüßte vor einer Woche 2.824 Zuschauer im großen Rund, darunter knapp 1000 Gästefans vom HFC. Das sind etwa sechs Mal so viele Zuschauer, wie Reppichau Einwohner hat. Das Paul-Greifzu-Stadion befindet sich in einem wirklich guten Zustand und die 5.648 Augen sahen neben einem ungefährdeten Auswärtssieg jede Menge Pyro im Gästeblock.

An diesem Abend passte alles und wollen wir mal hoffen, dass es in naher Zukunft wieder ähnliche Veranstaltungen im großen Dessauer Stadion geben wird. Wer nicht lange warten will um mal ein Paul-Greifzu-Stadion zu kreuzen, der muss nach Stralsund fahren. Dort steht ein weiterer Spielort, der nach dem Rennfahrer benannt wurde und in dem die zweite Mannschaft des TSV 1860 Stralsund ihre Heimspiele austrägt.

Mit der Stadt an der Ostsee hatte Greifzu nichts weiter zu tun, aber auch dieses Stadion wurde kurz nach seinem Tod eröffnet, ursprünglich als Speedway-Stadion für Zweiräder. Mit dieser Fußnote wären wir wieder in der Geburtsstadt unseres heutigen Heldens angekommen und so schließt sich der Kreis.


02.10.2026
Paul-Greifzu-Stadion, Dessau
SG 1948 Reppichau – Hallescher FC (0:6)

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert