SSV Jeddeloh II – Hertha BSC – 0:2

SSV Jeddeloh II – Hertha BSC – 0:2

„OSTKURVE IN OLDENBURG“

28.10.2026
DFB-Pokal
Marschwegstadion
Zuschauer: 10.000

OLDENBURG – Spontane Partys sind oft die besten Partys. Erst am Vortag wurde beschlossen sich den Mittwoch freizuschaufeln und ein Blick in den Matchkalender offenbarte einige gute Optionen. Schnell entschied ich mich aber für Jeddeloh in der zweiten DFB-Pokalrunde. Wenn am Dienstag schon der HSV aus familiären Gründen gestrichen werden musste, dann halt Hertha im guten, alten „Mafia-Pokal“. Außerdem könnte es immer der Abschied vom Marschwegstadion sein, da Auswärtsspiele mit dem eigenen Verein in der Regionalliga Nord aktuell nicht möglich sind. Der Spatenstich für die neue Arena in Oldenburg fand gerade kürzlich im Oktober statt.

Zu meiner Überraschung war das Spiel allerdings schon seit Wochen ausverkauft. Anpfiff an diesem Mittwoch war bereits um 18 Uhr und das in einem Ausweichground. Zu Gast war ein Zweitligist… Eine kleine Recherche ergab, dass alle Karten bereits am ersten Vorverkaufstag über den Tisch gingen. Geile Zeiten, in denen die Pokalspiele so gut ankommen! Das mit dem Ticket würde schon irgendwie klappen. Nach kurzer Zeit hatte ich einige Angebote an der Angel – alles Steher im Gästeblock. Ich wartete. Es ergab sich nichts weiter und schließlich schlug ich zu. Über die Hälfte des Ticket-Kontingents ging nach Berlin. Da würde sich schon ein Plätzchen am Rande des Blocks finden.

Jeddeloh erwies sich als äußerst zuvorkommender Gastgeber. Nicht nur das große Kontingent muss erwähnt werden, überhaupt der ganze Aufbau in und ums Stadion. Keine großen Polizeisperren, keine Ordner-Wut. Die Berliner durften ein Fanshop-Mobil mitbringen. Vor dem Spiel ertönte die Hertha-Hymne von Frank Zander und nach dem Abpfiff konnte man in jeden Bereich des Stadions ausschwärmen. Schlussendlich klappte auch die Sache mit der Verpflegung reibungslos. Die Currywurst war überdies richtig lecker! Dass Jeddeloh von einer Wurstfabrik gesponsert wird, macht sich offenbar bezahlt.

So organisiert man ein großes Match! Aber eine kleine Träne im Knopfloch gab es zu Beginn der Partie dennoch: Die Hertha-Szene war kurz vor dem Anpfiff irgendwie nicht wirklich präsent. Fünf Minuten vor dem Beginn eilten dann dunkle Gestalten mit allerlei Material durch die Blöcke und es ging los. Der Gästeblock erhielt mit zig Zaunfahnen und Schwenkern endlich sein Gesicht und eine Choreo kündigte sich an, die in der zweiten Halbzeit präsentiert wurde. Die Ostkurve zauberte mit dem Wiederanpfiff zu dem Slogan der Vereinshymne eine fette Pyro-Show ins alt-ehrwürdige Marschwegstadion: „Denn die Jungens von der Hertha haben alle nur ein Ziel“, stand auf großen Lettern vor dem Block. Das war von Anfang bis Ende ein Top-Auftritt, mit jeder Menge Tifo und ein bisschen Fun-Faktor im Randbereich des Blocks. Es fühlte sich an, als hätte man die Ostkurve einfach nach Oldenburg transplantiert.

Auf dem tiefen Rasen fing das Spiel im Grunde genommen auch erst zur zweiten Halbzeit richtig an, was wiederum ein großes Lob für Jeddeloh ist. Der Regionalligist hielt seine Zone sauber, kam immer wieder zu Konterchancen, die aber viel zu ungenau vergeben wurden. Kurz vor der Halbzeit klärten die Gastgeber auf der Linie, Außenstürmer Farid Alfa-Ruprecht traf den Pfosten. Das war’s eigentlich. Der Hertha-Dauerballbesitz machte die Heimelf aber müde und es klingelte um Minute 60 zwei Mal im Kasten des Viertligisten. Ausgerechnet nachdem Jeddeloh die große Chance zur Führung liegengelassen hatte. Danach hätten noch weitere Tore auf beiden Seiten fallen können, auch von der Haupttribüne schallten nun Gesänge durch’s Rund. Gute Laune allenthalben – das End-Ergebnis wurde schließlich beiden Seiten gerecht. (mm)

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