Dalian Yingbo – Shanghai Shenhua – 1:4

Dalian Yingbo – Shanghai Shenhua – 1:4

„GÄSTEBLOCK AUF CHINESISCH“

28.06.2026
Chinese Super League
Zhongsheng Suoyuwan Football Stadium
Zuschauer: 62.373

DALIAN – Alle Jahre wieder führt mich meine Arbeit in der Textilindustrie nach Fernost. Meistens Ende Juni reise ich für eine Woche nach China und baue nach Möglichkeit ein bis zwei Spiele ein.

Im Jahr des Pferdes war Dalian Yingbo in der nördlichen Provinz Liaoning die einzig machbare Option, aber mit dem höchsten Zuschauerschnitt der Liga (58.000) und einem Pferd im Vereinswappen gab es gute Vorzeichen.

In den älteren Berichten habe ich bereits über die Krise des chinesischen Fußballs berichtet. Alternativligen in den Provinzen existieren nach wie vor und auch die Nationalmannschaft präsentiert sich weiterhin miserabel, dafür kommen aber wieder mehr Zuschauer in die Stadien der Super League.

Ich kam am Sonntagmittag in der Hafenstadt an. Aus Zeitgründen per Flugzeug, aber das Inlandsflugnetz ist inzwischen wie die Bahnstrecken sehr gut ausgebaut und natürlich pünktlich auf die Minute.

Schnell den Rucksack ins Hotelzimmer geworfen und dann ging es auch schon per Taxi-App „DiDi“ Richtung Hafen. Bereits weit vor dem Stadion genossen die Menschen die Abendsonne an der Promenade. Die riesige meeresblaue Arena ist nicht zu übersehen und war mit über 62.000 Zuschauern offiziell ausverkauft.

Zu den 6.000 mitgereisten Fans aus Shanghai gehörte auch ich notgedrungen. Denn der Ansturm beim Ticketverkauf war so groß, dass mein chinesischer Kollege nur noch eine Auswärtskarte in den Warenkorb bekam. Da sich der Gästebereich allerdings bis zur Mittellinie erstreckte, hatte ich dennoch eine top Sicht auf das Geschehen.

Die Architektur dieses Riesenkastens war schon beeindruckend. Mit zwei Stimmungsblöcken jeweils hinter den Toren brachten die „North Union“ und die „Curva Sud“ Leben in die Hütte. Nicht nur bei den Namen haben die Chinesen sich einiges aus Europa kopiert.

Darüber kann man sich lustig machen, aber aus meiner Sicht waren die Fanauftritte schon ordentlich. Natürlich wurde es beim 1:0 durch den Kapitän Nicolae Stanciu am lautesten.

Allerdings währte die Freude nur kurz. In nur sieben Minuten drehte Shanghai das Spiel und sorgte für Ekstase. Mein Nebenmann umarmte mich bei jedem Tor doller und konnte es gar nicht fassen, dass Shenhua auf die Siegerstraße zusteuerte. Kein Wunder, gewann man doch seit Ende April kein Spiel mehr.

Im zweiten Durchgang legte der Brasilianer Rafael Ratao nach und entschied mit seinem zweiten Tor in der Nachspielzeit endgültig die Partie. Bei Dalian flogen im Gegenzug massenhaft die Sitzkissen in den Innenraum und die Fans verließen scharenweise vorzeitig das Stadion.

Nach dem Schlusspfiff mussten wir noch einige Minuten warten und durften dann über einen verschachtelten Weg das Gelände verlassen. Am Ende warteten schon die Händler mit ihren Souvenirtickets auf den Mob. Eine klasse Idee, die ich schon letztes Jahr bei Shanghai Port beobachtete und für umgerechnet 2,50 Euro schlug ich gerne zu.

Da die Rückreise für die Gäste eh erst am Montag möglich war, saßen noch zahlreiche Shenhua-Anhänger draußen vor den Restaurants und auch ich ließ den Abend bei Fleischspießen und Bier ausklingen. 明年见 (hr)

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