VfL Bochum – Hertha BSC – 0:1

VfL Bochum – Hertha BSC – 0:1

„MALOCHERSTADT, ELITÄRE PREISE“

07.08.2026

2. Bundesliga
Ruhrstadion
Zuschauer: 26.000

    BOCHUM — Ende 2019 habe ich zum allerersten Mal meine „Deutsche Profistadien-To-do-Liste“ mit der Komplettierung der Ligen 1–3 abgearbeitet. Seitdem folgt immer mal wieder eine Rekomplettierung, wenn ein neues Stadion eröffnet wird oder sich ein Exot in die dritte Liga verirrt. Meine Frau hat in dieser Zeit mit ihrem Lieblingsverein ebenfalls das ein oder andere Stadion gesammelt und ist mittlerweile in Liga 1 & 2 kurz vor der Komplettierung. Einzig nach Bochum hat es sie noch nicht verschlagen. Dementsprechend passte das Eröffnungsspiel perfekt in den Plan, da wir an diesem Wochenende sowieso an Bochum vorbeifahren würden.

    Nach ein paar netten Nachrichten bekamen wir zwei Tickets – danke nochmal an die Helfer! Einzig der Preis hat mich schockiert. Der VfL hat für das Eröffnungsspiel eine neue Preiskategorie eingeführt und die ist bundesligareif. Bei meinem letzten Besuch auf der Gegengerade habe ich in der zweiten Liga noch 25 Euro auf den Tisch gelegt, jetzt wollten sie fast das Doppelte haben. Aber was macht man nicht alles für seine Frau?

    Am Freitag ging es nach dem Mittagessen von Schwechheim über die Autobahnen Deutschlands bis nach Bochum. Eigentlich benötigt man für diese Route knapp drei Stunden, wir haben allerdings viereinhalb Stunden gebraucht und mussten am Ende sogar noch um einen Parkplatz bangen. Das Parkhaus am Stadion hat auf seiner Website einen Counter, der anzeigt, wie viele Parkplätze noch frei sind. 25 Minuten vor unserer Ankunft waren es noch 850. Zehn Minuten später dann nur noch 332. Die Zahl tickte minütlich herunter und es wurde immer enger. Als wir in die Straße einbogen, zeigte die Anzeige 201 an und etwa 60 Autos später rollten wir rein. Puh!

    Darauf erstmal ein Fiege zur Beruhigung! Während wir auf den Anstoß warteten, sah man im Heimbereich die Vorbereitungen für eine Choreografie. Die Gäste aus Berlin klatschten sich ein und waren heiß auf ihr viertes Jahr in Liga 2. „Zweite Liga tut so weh, scheißegal Hertha BSC“ war die Devise.

    Mit dem Ertönen von Herbert Grönemeyers „Bochum“ wurde die schöne Choreografie der Bochumer hochgezogen. Auf der Gästeseite wurde gleichzeitig ein Banner mit einem Hinweis auf die teuren Preise ausgerollt.

    Dieses Banner stand in den nächsten Minuten auch im Mittelpunkt des Geschehens, denn es überdeckte eines der Fluchttore. Aus den letzten Jahren weiß man, dass die Fluchttore in Bochum eine hohe Relevanz für den Stadionbesuch haben. Wenn diese im Gästeblock nicht frei sind, wird das Spiel unterbrochen. Somit auch dieses Mal. Nachdem die Spiele gegen Stuttgart und Frankfurt bereits unterbrochen wurden, machte Hertha den „Dreier“ der Unterbrechung perfekt.

    Drei Punkte sackten sich die Gäste auch auf dem Rasen ein. Dafür reichten zehn starke Minuten in der ersten Hälfte. In der zweiten Hälfte spielte zwar nur Bochum, aber ein Tor hätten sie auch bei einer Verlängerung von zwei Stunden nicht erzielt. Da sonst nicht viel passierte, pfiff der Schiedsrichter das Spiel nach 92 Minuten ab. So eine kurze Nachspielzeit habe ich im Profifußball schon länger nicht mehr erlebt.

    Direkt nach Abpfiff ging es für uns ins Auto und weiter ins Hotel – für faire 40 Euro für zwei Personen. Eigentlich ist ein „Check-in“ nicht sonderlich spannend, aber hinten heraus wurde es nochmal dramatischer als in den 90 Minuten zuvor.

    Zuerst kamen wir am falschen Hotel an, da Booking.com einen falschen Standort angegeben hatte. Wir waren aber wahrscheinlich nicht die Ersten mit dieser Problematik, denn der Wirt wirkte sehr gelassen und verwies uns auf das richtige Hotel 100 Meter weiter.
    Dort checkten wir wenig später am Automaten ein und gingen ins Zimmer. Die Tür fiel zu und der Schlüssel hing noch draußen. Die Tür ließ sich natürlich nicht mehr öffnen. Großes Kino!
    Die einzige Option war, durchs Fenster hinauszuklettern und über den Eingang wieder an den Schlüssel zu gelangen. Also kletterte ich durch das Fenster, buxierte mich durch das Gebüsch und kam mit einigen Blättern auf dem Kopf zurück ins Hotel.
    Dort schnappte ich mir den Schlüssel und war erleichtert.

    Was für ein Finish – besser hätte es Alfred Hitchcock auch nicht schreiben können.(mb)

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