KS Wieczysta Krakow – KKS Lech Poznan – 1:2
KS Wieczysta Krakow – KKS Lech Poznan – 1:2
„ALTER HUTNIK ODER PLASTEKLUB?“
01.08.2026
Ekstraklasa
Stadion Miejski im. Henryka Reymana
Zuschauer: 6.792
KRAKOW – Der frühe Ligastart der Ekstraklasa lud zwei Redakteure des Schwechheimers geradezu ein, endlich mal wieder ein langes Wochenende in Polen zu verbringen. Kaum terminiert, bastelte man sich eine schöne, 2.500 km lange Tour, die uns am Samstagabend auch nach Kielce führen sollte.
Vollkommen zufrieden mit der Planung, machte uns dann Górnik, der Gast, eine Woche vor Start einen Strich durch die Rechnung. Eine polnische Sonderregel macht es möglich, dass europäisch spielende Vereine zwei Spielverlegungen verlangen können, ohne dass der Gegner zustimmen muss. Zabrze nutzte diese Regel… und schied aus. Es musste entsprechend umgeplant werden und schnell fanden wir gute Alternativen in Krakau.
Manchmal ist es jedoch absolut kein Segen, die Qual der Wahl zu haben. Die Highlights spielten zeitgleich, Hutnik oder der Ekstraklasa-Aufsteiger. Ich entschied mich für Letzteren, nicht zuletzt, da mit Lech auch ein guter Gästemob zu erwarten war. Mein geschätzter Redaktionskollege (mb) wählte die Tradition. Ich werde ewig neidisch sein, dass er zukünftig alter Hutnik vermelden kann.
Wenn man in Krakau über Fußball spricht, fallen normalerweise die Namen Wisła und Cracovia. Seit ein paar Jahren gibt es aber noch einen dritten Verein, über den in Polen jeder spricht: Wieczysta Kraków.
Noch 2020 spielte der Klub weit unten im polnischen Ligasystem. Außerhalb von Krakau kannte den Verein damals kaum jemand. Dann stieg Unternehmer Wojciech Kwiecień ein und investierte viel Geld. Die überschüssige Kohle verdiente der Investor mit einer Apothekenkette, was ihm in Polen auch den Spitznamen „Apothekenkönig“ eingebracht hat. Plötzlich kamen Spieler zu Wieczysta, die vorher in der Ekstraklasa oder sogar für die polnische Nationalmannschaft gespielt hatten.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Fast jedes Jahr ein neuer Aufstieg. Aus einem kleinen Stadtteilverein wurde innerhalb kürzester Zeit ein Profiklub, allerdings ohne die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur. Mit dem Aufstieg spielt der Klub nun schon das dritte Jahr in Folge im Exil. Nach zwei Jahren in Sosnowiec ging es zur neuen Saison immerhin zurück nach Krakau.
Genau dieser Weg sorgt bis heute für Diskussionen. Die einen sehen ein spannendes Fußballprojekt, andere sehen vor allem einen Verein, der sich den Weg nach oben erkauft hat. Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe. Für mich gehört zum Fußball mehr als nur Geld und schnelle Erfolge. Vereine leben von Geschichte, Fans und einer Entwicklung, die über Jahre oder Jahrzehnte entsteht.
Wieczysta ist sicherlich eine interessante Geschichte. Aber wenn immer mehr Klubs versuchen, mit einem reichen Besitzer den schnellen Weg nach oben zu nehmen, geht für mich ein Stück von dem verloren, was Fußball ausmacht. Es bleibt abzuwarten, wie lange das polnische Hoffenheim erfolgreich bleibt und der Investor Spaß an seinem Spielzeug hat.
Solange das Projekt weiterläuft, gehört Krakau zu den wenigen Städten Europas, die gleichzeitig drei Erstligisten stellen.
Das Ekstraklasa-Heimdebüt verlief wenig erfolgreich. Poznań machte in der ersten Halbzeit aus wenigen Chancen zwei Tore. In der zweiten Hälfte kam Krakau nochmal ran, insgesamt war der Sieg jedoch nie gefährdet. Wieczysta startet somit mit zwei Niederlagen in die Saison. Der Schwechheimer sagt: Weiter so! (CvS)










