KS Karkonosze Jelenia Góra – ZKS Stilon Gorzów Wielkopolski – 4:2
KS Karkonosze Jelenia Góra – ZKS Stilon Gorzów Wielkopolski – 4:2
„SPRINGERSTIEFEL-NOSTALGIE IM RIESENGEBIRGE“
13.09.2026
III. Liga | Gruppe III
Stadion Miejski ul. Złotnicza
Zuschauer: ca. 750
JELENIA GÓRA – Polen war früher besser, aber das heißt nicht, dass es nicht immer noch Ausnahmen gibt. Eine solche vermeintliche Ausnahme kündigte sich für den vergangenen Sonntag an. Auf der vierten Liga-Ebene trommelte Stilon Gorzów Wielkopolski eine stabile Truppe zusammen und rief zur Auswärtsfahrt nach Jelenia Góra auf. Exakt 236 Gäste machten sich auf ins sagenumwobene Riesengebirge nach Niederschlesien, darunter auch 50 Mann aus dem befreundeten Głogów. Der polnische Ausdruck für dieses Mittelgebirge lautet übrigens – na, klar: Karkonosze. Zu finden als Teil des Namens der Heimelf.
Das kleine Stadion in Jelenia Góra verfügt nur noch über eine stattliche Haupttribüne und den Gästeblock. Jeglichen früheren Ausbau hat die Stadt mittlerweile entfernen lassen. Wir kennen die Leier. Immerhin scheint der Verein kein Problem damit zu haben, wenn sich Zuschauer auf die Freifläche hinter dem Tor stellen. Dort hat man beide Szenen im Blick – Heim und Gäste. Während die Fanblöcke einen soliden Support aufzogen, spielte die Musik zunächst auf dem Rasen. Stilon ging in Führung, Karkonosze traf zum Ausgleich und zur Halbzeitführung.
In der Pause gab es dann die ersten Auffälligkeiten. Eine Hundertschaft Cops stürmte vor beide Blöcke und bezog Stellung. Stilon hatte mit der Halbzeit versucht die Gitter des Gästeblocks aufzutreten, was auch teilweise gelang. Doch die „Policja“ war auf derartige Aktionen vorbereitet und konnte den Kurven-Überfall verhindern, während „Karki“ eilig die erste Zaunfahne in Sicherheit brachte. Nach dem Wiederanpfiff untermalten die Gästefans ihre Motivation mit blau-weißen Nebeltöpfen, die ihre Wirkung nicht verfehlten.
Das wäre „früher“ vermutlich anders ausgegangen. Trotzdem war das Spektakel nett anzuschauen. Langweilig wurde es jedenfalls nie. Sei es auf dem Rasen, wo Karkonosze 3:1 in Führung ging, Stilon kurz vor Schluss nochmal am Punktgewinn kratzte, ehe die Hausherren mit dem vierten Tor den Deckel draufmachten. Auch im Publikum gab es immer was zu gucken. Von der üblichen T-Shirt-Parade bis zur „Springerstiefel-Nostalgie“ in der Heimszene. Ein Sitznachbar brachte sogar seinen eigenen Aschenbecher mit zu dieser Veranstaltung.
Und überall präsent: Der Hirsch. Die freie Übersetzung des Stadtnamens und die offizielle Bezeichnung von Jelenia Góra vor dem Zweiten Weltkrieg lautete: Hirschberg. Die Altstadt ist auch unabhängig vom Fußball einen Ausflug wert. Früher mögen viele Altstädte etwas schöner gewesen sein. Jelenia Góra ist aber auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme. (mm)
















