1.FC Bocholt – Sportfreunde Siegen – 1:3

1.FC Bocholt – Sportfreunde Siegen – 1:3

„ABRISS DER NOSTALGIE“

05.08.2026
Regionalliga West
Stadion am Hünting
Zuschauer: 2.407

BOCHOLT – die Woche kam nem Scheißhaufen gleich. Nichts als Ärger, dazu kränklich obendrauf. Hingeschleppt und durchgebissen. Augen zu und drauf geschissen.

Die Zeilen des Liedes, die am Freitagabend vermutlich noch beim Abschlach!-Konzert gesungen wurden, hätten kaum besser zur vergangenen Woche passen können. Doch endlich war wieder Wochenende. Und so ging es mit der Bahn – ausnahmsweise einmal pünktlich – bis nach Münster und von dort mit dem Bus weiter nach Bocholt.

Die Stadt liegt unmittelbar an der niederländischen Grenze und ist mit rund 71.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die drittgrößte Stadt im Münsterland. Bekannt ist Bocholt vor allem als Fahrradstadt. Dass diese Bezeichnung nicht ganz unberechtigt ist, wird bereits am Stadion deutlich. „Schiri, wir wissen, wo dein Fahrrad steht“ ist dort unübersehbar zu lesen.

Am Schiedsrichter sollte es an diesem Nachmittag allerdings nicht liegen, dass die drei Punkte nach Siegen gingen. Über weite Strecken plätscherte die Partie vor sich hin, ehe die Sportfreunde kurz vor der Pause innerhalb weniger Minuten gleich doppelt zuschlugen.

Nach dem Seitenwechsel kam noch einmal Spannung auf. Fahro verkürzte auf 1:2 und ließ die Hoffnung auf eine Aufholjagd am Hünting kurzzeitig aufflammen. Doch diese wurde spätestens in der 84. Minute begraben: Gerhardt traf zum 1:3 und machte damit den zweiten Saisonsieg der Sportfreunde Siegen perfekt.
Der 1. FC Bocholt kassierte dagegen erst seine zweite Niederlage.

Aus persönlicher Sicht bleibt vor allem ein Gedanke hängen: Eigentlich schade, dass ich nicht schon früher einmal am Hünting gewesen bin. Denn vom Stadion scheint bereits einiges von dem verloren gegangen zu sein, was einen alten Fußballplatz ausmacht. Vieles wirkt so, als würde sich der Verein – wie inzwischen zahlreiche andere – immer stärker an die Anforderungen und Regularien des modernen Fußballs anpassen.

Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass das Stadion früher deutlich mehr Charme versprüht hat. Und der Blick auf die Entwicklung lässt vermuten, dass dieser Trend noch weitergehen dürfte: weg vom ursprünglichen Charakter, hin zum standardisierten Stadion von heute. Nachdem die Nordtribüne bereits von den Heimfans genuzt wird, soll die Süd wohl Anfang 2027 fertig sein.

Besonders störend empfand ich außerdem die allgegenwärtige Vermarktung. Vom Anstoß bis in die Nachspielzeit schien nahezu jeder Moment irgendeinem Sponsor oder einer Werbebotschaft zu gehören.

Der moderne Fußball ist in Bocholt längst angekommen. Und vom einstigen Charme scheint dabei einiges auf der Strecke geblieben zu sein. (fj)

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