SC Herford – FC Gütersloh – 1:3
SC Herford – FC Gütersloh – 1:3
„EIN HERZ FÜR BÄUME“
30.09.2026
Westfalenpokal
Ludwig-Jahn-Stadion
Zuschauer: 1.300
HERFORD – Nach mehreren Absagen für diesen angedachten Ausflug am Mittwoch, stand ich am Tag des Spiels vor der Aufgabe, wie ich ohne Mitfahrer günstig nach Herford reise. Da der staatlich begünstigte Tankrabatt erst nächsten Tag einsetzen sollte, pfuschte ich mir auf den letzten Drücker eine Zugreise in den Westen des Landes zusammen. Mit frühem Feierabend, Deutschland-Ticket, Toffifee-Gutscheinen für die Bahn und der BC25 konnten die Kosten auf 20€ gedrosselt werden. Erstaunlich, wenn man bedenkt dass spontane Bahnkunden immer wieder richtig zur Kasse gebeten werden. Die ganze Welt spricht über Kraftstoffpreise, aber die dynamische Preisgestaltung der DB ist mindestens genauso unverschämt. Zugpreisdeckel jetzt!
Da im Schienenverkehr jede Verbindung wacklig ist, wurde ein möglicher Bahn-Crash natürlich eingeplant und entsprechend früh stand ich am Bahngleis. Ich nehme es vorweg, es gab die üblichen Verspätungen, aber jeder Umstieg und jede Ankunft klappte nach Plan. Eine Wohltat. Vor allem weil man das ordentliche Zeitpolster bei der Ankunft gut verbrauchen konnte. Es entfaltete sich an diesem letzten Nachmittag im September so etwas wie der letzte Sommertag. 25 Grad und ein azurblauer Himmel begleiteten mich beim Bummel durch die Altstadt Richtung Ludwig-Jahn-Stadion.
Bei dem Spielort der Herforder ist vermutlich schon fast jeder Hopper mal gescheitert. Ich auch. Bei mir war die Tribüne von einem auf den anderen Tag mit einem Baugerüst eingekleidet und es wurde auf dem Nebenplatz gekickt. Das konnte an diesem Mittwoch nicht geschehen, denn in Herford hatte der Verein Großes vor. Obwohl ein Abendspiel im Spielplan stand, wurde in einem Stadion ohne Flutlicht gekickt. Wie geht das? Der SCF mietete sich für diesen Pokalkracher mobiles Flutlicht an. Gerade im Westfalenpokal kommt einem da unweigerlich ein Spiel in Erkenschwick in den Sinn, in dem der Außenseiter damals unter ähnlichen Bedingungen triumphieren konnte. Optimale Beleuchtung sieht nach wie vor anders aus, aber sagen wir es mal so: Das mobile Flutlicht hat sich weiterentwickelt.
Vielleicht ist der Ostwestfale an sich auch eine gewissenhafte Person und prüft die Technik vor dem Spiel auf Herz und Nieren. Vor Ort hatte jedenfalls alles seine Ordnung und trotz lahmarschiger Organisation an den Verpflegungsständen und einem stattlichen Bullenaufgebot, herrschte nicht die Spur von Aggressivität im Stadion. Ordner und Sicherheitspersonal drückten offenbar ein Auge zu, ganze Herrschaften von Groundhoppern umrundeten das Stadion mit dem Anpfiff, obwohl überall Flatterband gespannt war.
Bei dem Ground aber auch kein Wunder. Das Ludwig-Jahn-Stadion ist wirklich ein wunderbarer, gepflegter und großzügiger Old-School-Ground. Hier wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren 2. Bundesliga gespielt. Aktuell schickt sich der SC Herford als Aufsteiger an, in der Westfalenliga die Klasse zu halten. Fast gar nichts wurde in all den Jahren in Herford modernisiert, gerade im Stehbereich. Und überhaupt muss man mal sagen: Wo ist beim Sportplatzbau heutzutage der grüne Daumen geblieben? In Herford hat man ein Herz für Bäume. Einfach idyllisch wie die Laubbäume die Kurven einrahmen. Eine Wohltat, aber genauso aus der Mode gekommen wie pünktliche Züge. Die Kunstrasen-Epidemien und Fertigbau-Krankheiten haben die Bäume in den Grounds gekillt.
Naja, wir lassen die Bäume stehen und widmen uns am Ende dieses Textes kurz dem Spiel, in dem sich der SC Herford mit zuletzt einigen Niederlagen im Gepäck auf eine defensive Grundordnung beschränkte. Der Außenseiter machte seine Sache gut, doch wenn das klassenhöhere Team permanent den Ball hat, rutscht irgendwann mal ein Schuss rein und das passierte Mitte der ersten Halbzeit. Gütersloh kam im zweiten Abschnitt nach zwei Steckpässen zur Vorentscheidung. Doch zu dem netten Abend passte, dass den emsigen Herfordern in der Nachspielzeit mit Hilfe der Gäste der Ehrentreffer gelang. Die 1300 Zuschsuer teilten sich in ziemlich genau in drei Lager auf: Heim, Gütersloh, Groundhopper. Alle gingen am Ende des Tages zufrieden nach Hause. (mm)















