FC Kiffen 08 – Helsingfors IFK – 1:1
FC Kiffen 08 – Helsingfors IFK – 1:1
„I LOVE KIFFEN, PYRO UND REGEN“
25.07.2026
Kakkonen – Lohko A
Töölön Pallokenttä nurmi 2
Zuschauer: 648
HELSINKI — Nach sechs Jahren buchte ich vor ein paar Wochen einen Flug von Schwechheim nach Helsinki, um ein paar neue Grounds in der Veikkausliiga zu kreuzen. Auf dem Papier klang der Plan perfekt und auch die Zugverbindungen in die jeweiligen Städte waren erfreulich günstig. Letzten Freitag erreichte mich allerdings eine Hiobsbotschaft: Die Partie von Ilves Tampere wurde kurzfristig von Samstagabend auf Sonntagnachmittag verlegt, da Ilves an den internationalen Qualifikationswettbewerben teilnimmt. Das fiel den Verantwortlichen ja früh ein. Die bereits gekauften Fahrkarten konnte ich in die Tonne treten und ein neuer Plan musste her.
Ich entdeckte, dass der allseits bekannte FC Kiffen am Samstagabend ein Heimspiel gegen keinen Geringeren als HIFK austrägt. Zuvor spielte um 16 Uhr bereits der FC Honka. Auf den ersten Blick klingt das nicht besonders spektakulär, doch alle drei Vereine waren früher Erstligisten. Außerdem war die Partie zwischen Honka und HIFK im Jahr 2019 mein allererstes Fußballspiel in Finnland. Beide Vereine sind inzwischen pleitegegangen und spielen nun in der vierten Liga um den Aufstieg.
Nachdem ich am Vormittag zum dritten Mal auf der Insel Suomenlinna ein paar Fotos geschossen hatte, fuhr ich nach Espoo und sah einen glanzlosen Sieg von Honka. Damit bleibt der Klub weiterhin Tabellenführer der Staffel B. Anschließend ging es mit dem Bus nach Töölö. Überpünktlich erreichte ich den Ground und marschierte direkt zum Merchandise-Stand. Ein Bremer Groundhopper kaufte sich vor mir das Kiffen-Retrotrikot, während ich mir für 20 Euro das „I Love Kiffen“-Shirt gönnte. Die Herrschaften dort wussten natürlich ganz genau, was „Kiffen“ auf Deutsch bedeutet. Ohne dass wir groß miteinander gesprochen hatten, erkannten sie sofort, dass ich aus Deutschland komme, und begrüßten mich herzlich mit den Worten: „Herzlich willkommen bei Kiffen.“
Zufrieden und mit einem Double Hotdog in der Hand stellte ich mich ganz nach oben auf die Tribüne. Dort spenden einige Bäume etwas Schutz und ich hatte bei dem suboptimalen Wetter keinen Regenschirm dabei. Während die ersten Tropfen vom Himmel fielen, formierten sich die Ultras von HIFK und begrüßten ihre Mannschaft mit Fahnen und einigen Fackeln. Eine Ordnerin wollte sofort eingreifen, um die vermeintlichen „Verbrecher“ aufzuhalten, wurde jedoch von einem Verantwortlichen des FC Kiffen zurückgehalten. Zwischen den beiden gab es ein kurzes Gespräch, das vermutlich ungefähr so ablief: „Lass die Jungs machen, es passiert schon nichts.“ Bei Kiffen scheint man die Dinge etwas entspannter zu sehen als anderswo.
Auch während der 90 Minuten vermummten sich die Gästefans immer wieder und sorgten mit mehreren Fackeln für eine starke Atmosphäre, die viele Groundhopper begeisterte. Die zunächst übereifrige Ordnerin beobachtete das Geschehen anschließend nur noch mit grimmigem Blick neben einem Balljungen und griff nicht mehr ein. Wenn man bedenkt, was in den vergangenen Jahren bei der Fußballabteilung von HIFK alles schiefgelaufen ist, muss man den Fans großen Respekt zollen. Der Support im Platzderby war wirklich stark.
Auf der Seite von Kiffen wurde dagegen größtenteils Bier getrunken und einige leicht angetrunkene Zuschauer imitierten die Gästefans. Für ein Derby war das eher enttäuschend. Allerdings kenne ich die Fankultur des FC Kiffen zu wenig, um beurteilen zu können, ob das bei anderen Spielen ähnlich aussieht.
Auf dem Rasen war das Topspiel zwischen dem Ersten und Zweiten dagegen nur bedingt sehenswert. Man merkt deutlich, dass die beiden ehemaligen Meister inzwischen nur noch in der vierten Liga unterwegs sind – und das ist wahrlich keine Liga für Feinschmecker. Hier zählt einzig und allein der Aufstieg. Durch das Unentschieden bleibt Kiffen Tabellenführer, während HIFK weiterhin den Verfolgerplatz einnimmt.
Unterm Strich war das Platzderby dennoch absolut sehenswert. Insgeheim hatte ich allerdings gehofft, dass sich eine vierstellige Zuschauerzahl einfinden würde. Wahrscheinlich hatten bei diesem Scheißwetter aber viele schlicht keine Lust, vor die Tür zu gehen. (mb)










