Cobh Ramblers FC – Cork City FC – 0:1

Cobh Ramblers FC – Cork City FC – 0:1

„CORK DERBY – DIE JUNGE NEUE FANKULTUR“

03.07.2026
League of Ireland First Division
St. Colman’s Park
Zuschauer: 1.605

COBH — Im Rahmen der U19-Europameisterschaft flog ich mit meinen zwei Mitstreitern nach Manchester, um die neue Generation in Wales zu beobachten. Dazu gibt es am morgigen Mittwoch mehr. Da am Freitag nicht gespielt wurde, schauten wir kurzerhand nach Irland und entdeckten das Cork-Derby in der zweiten Liga. Schnell die Ryanair-App gecheckt, günstige Flüge von Manchester nach Cork gebucht und schon ging es um sieben Uhr morgens rüber auf die grüne Insel. Der Besuch in Irland passte mir ohnehin gut, da ich bislang erst zweimal hier war und insgesamt auch nur zwei Spiele gesehen habe.

Bei Sonnenschein kamen wir an, fuhren für faire 2,20 Euro in die Stadt und genossen ein irisches Frühstück. Worin sich dieses nun genau vom „British Breakfast“ unterscheidet, müssen andere Institutionen klären. Gesättigt liefen wir durch die Stadt, schauten uns die wenigen Kirchen an und genossen später das ein oder andere Kaltgetränk im Irish Pub. Feuchtfröhlich fanden wir eine Busverbindung vom Hotel direkt zum Ground und erwarteten, dass diese ähnlich günstig wie der Flughafentransfer sein würde. Für rund 30 Minuten Fahrzeit wurden allerdings satte sechs Euro pro Person fällig. Mit der Bahn wären wir wahrscheinlich günstiger weggekommen.

Rund 55 Minuten vor Anpfiff erreichten wir den St. Colman’s Park und begutachteten zunächst die Verkaufsbude. Hier gab es heute sowohl Eis als auch jedes bekannte Schmieressen von der Nachbarinsel. Im Vereinsheim wurde Bier ausgeschenkt und die Ordner wirkten nicht sonderlich motiviert zu kontrollieren, ob auch jeder mit seinem Bier im Vereinsheim blieb. Neben uns platzierten sich nach und nach einige Personen, die eigentlich noch gar kein Bier trinken durften.

Vor dem Anpfiff dachten wir noch, dass sich hier vielleicht zehn Kinder zusammentun und ein bisschen herumkreischen würden – damit lagen wir allerdings komplett daneben. Rund 100 Kinder stellten sich zusammen, fingen an zu singen und Fahnen zu schwenken. Zum Einlaufen der Mannschaften wurden dann auch noch mehrere Rauchtöpfe gezündet. Was ist denn hier los?

Noch verrückter wurde es, als ein paar Jungs obszöne Gesten in Richtung Gästefans und Polizei machten. Daraufhin wurde ein Junge, der höchstens 14 Jahre alt gewesen sein dürfte, von der Polizei wegen des Zündens von Pyrotechnik und eben dieser Gesten aus dem Stadion begleitet. So etwas habe ich auch noch nie erlebt. Auf Nachfrage bestätigten uns Einheimische, dass diese Jungs bei jedem Heimspiel dabei seien und ordentlich Gas geben. Also kein einmaliges Eventauftreten anlässlich des Derbys.

Auch auf der Gästeseite formierte sich hinter dem Tor eine junge Generation und lieferte über die kompletten 90 Minuten organisierten Support – inklusive Trommel und Pyrotechnik. Das wirkte sogar noch etwas strukturierter. Vermummt hat sich hier allerdings niemand. Fackel hoch und los ist die Devise.

Angestachelt von den Gästefans spielte der Tabellenführer in der ersten Halbzeit auch einen guten Fußball und ging verdient in Führung. Über 45 Minuten war klar zu erkennen, warum Cork City satte 18 Punkte Vorsprung auf den zweiten Tabellenplatz hatte. In der zweiten Hälfte passierte dann allerdings nicht mehr viel. Cork verwaltete das Spiel souverän, während Cobh seine wenigen Chancen kläglich vergab. Unterm Strich sicherte sich Cork City damit den ersten Derbysieg der Saison. Die beiden vorherigen Aufeinandertreffen konnten sie nicht für sich entscheiden.

Der St. Colman’s Park bietet mit seinen beiden überdachten Tribünen – eine für die Heimfans, eine für die Gäste – sowie den Stufen ringsherum genau das passende Ambiente für die zweite Liga. Wer das Cork-Derby noch erleben möchte, sollte am 11. September nach Cork fliegen. Möglicherweise ist es für unbestimmte Zeit das letzte Derby, da Cork City vor dem Aufstieg steht. Es lohnt sich auf jeden Fall, die jungen Fanszenen zu besuchen und mitzuerleben, welche neue Fankultur hier gerade heranwächst.

Für den Bus zurück nach Cork mussten wir dann noch freche drei Euro Nachtzuschlag zahlen. Das klassische „Thank you“ beim Aussteigen blieb deshalb aus. Am Abend gab es noch eine leckere Schmierpizza, bevor wir schließlich unsere Unterkunft erreichten. Diese glänzte bei Google mit 3,0 Sternen und einer ganzen Reihe schlechter Bewertungen. Auch bei Booking.com sah es nicht besser aus. Wahrscheinlich war das der Grund, weshalb der Preis im Vergleich zum Rest der Stadt so günstig war. Also bewertet das Copley Court ruhig weiter schlecht – dann bleibt der Preis wenigstens stabil! (mb)

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