FC Slovan Galanta – FC Petržalka – 0:3

FC Slovan Galanta – FC Petržalka – 0:3

„DAUMEN RUNTER FÜR DIE SLOWAKEI“

08.08.2026
II. Liga
Futbalový Štadión Galanta
Zuschauer: 650

GALANTA – Der Tag fing schon bescheiden an. In meiner Paar-Quadratmeter-Bude in Linz verpennte ich den Wecker um volle 2 Stunden. Der Alarm war natürlich nicht gestellt um Frühsport in Österreich zu betreiben. Um 8 Uhr sollte es mit dem Bus in die Slowakei gehen. Doch als ich um kurz nach 8 mit der Mimik eines Höhlenmenschen auf das Handy schaute, war schnell klar: Heute noch zum Flix, das wird wohl nix. Eine Alternative musste her und am besten und billigsten schien die Geschichte mit „Blablacar“ auszugehen. Ein „Beförderungsmittel“, das noch unattraktiver und unzuverlässiger als der Flixbus ist.

Doch zumindest bis nach Wien würde ich schon kommen und eine Stunde später sammelten mich dann auch zwei „Bro’s“ am Stadtrand von Linz ein. In musikalischer Begleitung von „50Cent“ und weiteren Gangsta-Rap-Klassikern aus dieser Dekade, ging es zum Wiener Flughafen und von dort auf der Schiene weiter nach Bratislava. Die Mehrkosten von 20€ und ein paar Zerquetschten waren erträglich. Ach ja, und ich war ausgeschlafen. Der späte Anpfiff um 20:30 Uhr bei Blau-Weiß Linz und die Nacht zuvor im Zug, stifteten mich wohl zu einem epischen Tiefschlaf an. Egal, das Spiel in Galanta sollte eh erst um 16 Uhr angestoßen werden.

Der Zug fährt etwa 30 Minuten von Bratislava nach Galanta. Die Kleinstadt im Osten der Hauptstadt ist völlig unspektakulär. Nur der Fußballverein hat in letzter Zeit von sich Reden gemacht. Denn erstmals in der 115-jährigen Vereinsgeschichte gelang der Sprung in den bezahlten Fußball. Slovan tritt seit dieser Saison in der zweiten Liga an. Just an diesem dritten Spieltag gab sich ein ehemaliges Schwergewicht des slowakischen Fußballs die Ehre im „Futbalový Štadión“. Beim FC Petržalka mögen einige Leser jetzt mit den Achseln zucken. Doch unter dem Namen FC Artmedia Bratislava fuhr der Verein 2005 und 2008 die slowakische Meisterschaft ein. 2005 qualifizierte sich Artmedia sogar für die Gruppenphase der Champions League und besiegte den FC Porto in Hin- und Rückspiel.

Bereits 2010 stieg der nun wieder Petržalka genannte Verein – unter anderem nach Verlust des Hauptsponsors – in die II. Liga ab und versucht sich seitdem am Wiederaufstieg. Geblieben ist die Fangruppierung „Division Engerau“, die dem Team treu und unmissverständlich die Stange hält. Engerau hieß Petržalka – damals noch ein Vorort von Pressburg/Bratislava – zu Zeiten des Dritten Reichs. Mit dieser Epoche „kokettieren“ mitunter die textilen Motive der „Division Engerau“. Nun ja, die etwa 25 Mann hingen Zaunfahnen auf und unterhielten die Tribüne 90 Minuten mit Schlachtgesängen. Trotz neu errichtetem Gästeblock durfte die „Divison“ auf der Haupttribüne Platz nehmen, Fantrennung gab es nicht.

Das Spiel dominierte der Meister von 2008 deutlich und kam nach Kontern drei Mal erfolgreich zum Abschluss. Galanta hätte man den Ehrentreffer vor dieser akzeptablen Kulisse gegönnt, mehrmals scheiterten die Lokalmatadoren knapp, die vollbesetzte Tribüne geriet immer wieder in Wallung. Am Ende musste der Zweitliga-Neuling spürbar Lehrgeld bezahlen und blieb auch im vierten Spiel sieglos. Neben „Pivo“ und „Malinovka“ aus dem Hahn bleibt auch die Klobasa im Gedächtnis. Die barocke Räucherwurst wurde stilecht auf dem runden Pappteller serviert und war ziemlich trocken – ganz anders als das tschechische Pendant. Geschmacklich konnte der Stadion-Snack mit einer pikanten Note aber vollauf überzeugen.

Damit hätte der Tag sein Happy End finden können. Die Sonne verschwand langsam im slowakischen Hinterland und die Züge fuhren pünktlich Richtung Hauptstadt. Doch in Trnava fand abends noch ein Liga-Spiel zwischen Spartak und Banská Bystrica statt. Knackpunkt: Der Zug Richtung Trnava fuhr deutlich zu spät ab, ein Viertel der Partie hätte man unter diesen Umständen sicher verpasst. Das war natürlich keine Option – im Gegensatz zum kostenneutralen „Daumen raushalten“ auf der Hauptstraße, die 20km schnurstracks nach Trnava führt. Doch nach einer halben Stunde verjagte mich die Polizei von der Schnellstraße und an der Gabelung Richtung Norden war nichts zu machen in Sachen Mitfahrt. Anderthalb Stunden lächelte ich die Autofahrer an – kein einziger Wagen stoppte. Das Spiel fand ohne mich statt.

Glück im Unglück: Der letzte Zug von Trnava zurück nach Bratislava kurz vor Mitternacht fiel ohnehin aus. Ich wäre gar nicht mehr nach Hause gekommen, es sei denn ich hätte den Daumen… naja, lassen wird das. Auch wenn das in Galanta eine coole Szenerie war, nach der Erfahrung an der Landstraße und gerade im Vergleich mit dem verbrüderten Tschechien, muss man einfach konstatieren: Daumen runter für die Slowakei. (mm)

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