Anorthosis Famagusta – Omonia Aradippou – 2:0

Anorthosis Famagusta – Omonia Aradippou – 2:0

„FREIBIER STATT ALKOHOLVERBOT“

24.10.2026
First Division (Zypern)
Stadio Antonis Papadopoulos
Zuschauer: 4.200

ZYPERN – Oktober, 28 Grad und Sonne!
Es war mal wieder Zeit für Zypern! Vor drei Jahren war ich schon einmal auf der Insel, allerdings mit einer etwas, sagen wir, komplexeren Anreise. Damals ging es von Hamburg über Sofia nach Larnaca und zurück von Paphos über Malta nach Berlin. Der damalige Aufenthalt hat mir so gut gefallen, dass es mal wieder Zeit für den geteilten Fleck Erde in Südosteuropa wurde. Sowohl der griechische, südliche Teil der Insel als auch der nördliche Teil, standen erneut auf dem Programm.

Die Tickets waren schnell gebucht und nach einer gefühlten Ewigkeit ging es tatsächlich mal wieder per Pauschalreise in den Urlaub. Wir buchten uns über CHECK24 ein Hotel mit Frühstück und Flügen inklusive. Das Ganze, man möge es kaum glauben, deutlich günstiger, als hätten wir die Flüge und das Hotel separat voneinander gebucht. Kommt ja selten vor, aber ab und zu lohnt sich der Blick dann doch mal! Angekommen auf Zypern ging es erst einmal in einen nagelneuen Discount-Supermarkt, um eine schöne Palette der gelben Dosen zu kaufen: Keo, das lokale Bier Zyperns!

Ansonsten ist hier alles sehr englisch angehaucht. Klar, Kolonialzeit sei Dank. An jeder Ecke gibt es Pubs, im Supermarkt gibt es Cider und zum Frühstück wird ausschließlich English Breakfast serviert. Wir hatten allerdings ein so internationales Hotel, dass man sogar auf andere Speisen hätte zurückgreifen können. Frühstücksbuffet 10 von 10! Aber ich habe durchgezogen: 12 von 12 Tage English Breakfast!

Allgemein haben wir die Tage sehr gut rumbringen können: Ausgrabungsstätten,
historische Städte, Wasserfälle, Gebirgswanderungen, jeden Tag am Strand, ab und zu mal durch Ayia Napa schlendern und den Tommys beim Saufen zugucken.
So kriegt man die Zeit schon ganz gut rum. Außerdem waren wir in Nikosia, der einzigen geteilten Hauptstadt weltweit. Ein weiteres Highlight war der Ausflug mit dem Mietwagen entlang der südöstlichen Küste, also am Kap Greco und an den Traumstränden von Paralimni vorbei. Hier haben wir auch geschnorchelt und zu Mittag gegessen.

Fußballtechnisch ging ebenfalls ein bisschen was. Ich hatte mir zunächst vorgenommen, sieben weitere Grounds auf Zypern zu kreuzen, um die erste Liga zu komplettieren. Irgendwie war mir in diesem Urlaub aber nicht ganz so nach Fußball und ich besuchte schlussendlich nur fünf Spiele. Die hatten es dafür aber in sich: einmal dritte Liga, zweimal zweite Liga und zweimal erste Liga. Unter anderem waren wir in Paralimni, Ormideia, Nikosia, Larnaka und Famagusta. Das Spiel in Famagusta blieb dabei besonders gut in Erinnerung und so gibt es einen kleinen, aber feinen Bericht von mir.

Nachdem man bei den meisten Spielen völlig willkommen war und kein Eintrittsgeld vonnöten war, wollte ich mir bei Famagusta doch gerne eine Eintrittskarte kaufen. Als Andenken quasi. Ich sammle ja dann doch immer noch mal Eintrittskarten und man muss heutzutage froh sein, wenn man die schönen Hardtickets überhaupt noch bekommt.

Also: Zwei Tickets bitte! 20 € pro Ticket sollten es sein. Ganz schön happig, dachten wir uns. Naja, die Fan-Cards hatten wir uns im Vorwege schon besorgt, aber das war noch nicht genug. Nun forderte der Verein auch noch eine Mitgliedschaft für 40 €! Nach einer kurzen und freundlichen Erklärung auf Englisch, dass wir doch nur einmal hier ein Spiel sehen wollten, war die nette Kassiererin sofort kulant, organisierte uns irgendeine Mitgliedsnummer und druckte diese auf die Tickets auf. Neben unseren Fan-Nummern beziehungsweise Fan-Card-IDs stand somit auch noch eine Mitgliedschaftsnummer auf den Tickets. Am Ende gab es zwei Tore zu beataunden.

Die Fans sind wirklich gut aufgedreht im Laufe der Partie und es hat wirklich Spaß gemacht! In Nikosia fand ich es etwas mau und Omonia konnte überhaupt nicht überzeugen, aber die Ultras von Famagusta waren echt stark. Reporter (MB) war vor einem halben Jahr ebenfalls auf Zypern und schaute sich fünf Erstligaspiele an. Damals überzeugten ihn die Ultras von Famagusta auch am meisten. Kann ich nur so zurückgeben! Deutlich geiler als das, was ich bisher in Limassol, Omonia oder auch Paralimni gesehen habe.

Das Stadion ist auch wirklich geil gelegen, in einem schönen Stadtteil, wo es drumherum nur so von Imbissbuden wimmelt. Vier kleine, einzelne Tribünen, die Haupttribüne sogar mit einem kleinen Dach. Mega cool, mega ranzig – das hatte was!

Zur Halbzeit holte ich mir einen Eistee bei einem sehr freundlichen Grtränkeverkäufer. Dieser fragte prompt, wo wir herkommen und wie wir zum Fußball gekommen sind. Ich erklärte ihm kurz unser Hobby und sagte, dass es hier wirklich cool sei und ich den Verein sehr sympathisch finde.

Zum Ende der zweiten Halbzeit, beim Spielstand von 1:0, konnte Famagusta dann tatsächlich noch das 2:0 erzielen. Ich habe mich sehr für den Verein und seine Fans gefreut und applaudierte freudestrahlend. Das sah der Bierverkäufer, holte mich zu sich an die Getränkebude und sprach uns erneut an. In Zypern herrscht in den Ligen 1, 2 und 3 ein generelles Alkoholverbot. Es gibt maximal alkoholfreies Bier. Der Kollege fragte uns , ob wir ein Bier haben wollen. Ich sagte auf jeden Fall! Ich merkte schon, dass er uns sympathisch fand und nicht abkassieren würde. Und exakt so war es auch! Er sagte auf Griechisch irgendetwas zu seiner Mitarbeiterin, die daraufhin an einen anderen Kühlschrank ging. Durch den Spiegel konnte ich deutlich sehen, wie sie Carlsberg mit Alkohol aus dem Kühlschrank holte. Der Kollege überreichte uns die beiden Becher mit einem freundlichen Grinsen, klopfte mir auf die Schulter und meinte: „Ihr seid hier sehr willkommen, mein Freund. Das Bier geht auf mich!“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht stießen meine Freundin und ich an und genossen unser Bier im Stadion. Geiler Typ!

Am selben Abend fuhr meine Freundin freundlicherweise mit dem Mietwagen zurück nach Ayia Napa, sodass ich auch noch auf der Autofahrt ein Dosenbier trinken konnte. Den Abend ließen wir dann in Tommy’s Pub mit Karaoke und reichlich Tommys ausklingen. Das eigentliche Highlight folgte allerdings erst danach in einer nahegelegenen Taverne. Manche Restaurants in Ayia Napa bieten abends laute Livemusik mit Tanz, Speiß und Trank an. Mir kam die Musik allerdings doch sehr bekannt vor und ich erkannte sofort: Serbokroatisch statt Griechisch! Einmal kurz das Impressum des Ladenbesitzers gecheckt und ich kann sagen: Ihr werdet alle verarscht, Man! Das sind gar keine griechischen Lieder! Durch die Boxen liefen Klassiker einer bosnischen Sängerin namens Lepa Brena. Das erkannte ich sofort!
Also kurzerhand den Bordstein vor dem Restaurant zur Tanzfläche erklärt und erst einmal zu geilen Balkanbeats abgegangen. Natürlich mit Dosenbier, versteht sich! Ich liebe Südosteuropa einfach. Was für eine Reise! Das hat wirklich Spaß gemacht. Der Fußball auf Zypern ist nice, die Menschen sind cool, das Wetter ist immer gut und es gibt eine Menge zu sehen. Zypern, wir kommen auch ein drittes Mal wieder! (hd)

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