CF Montréal – Columbus Crew – 0:2
CF Montréal – Columbus Crew – 0:2
„WILDES GESTAMPFE OHNE SINN UND VERSTAND“
19.09.2026
Major League Soccer Eastern Conference
Stade Saputo
Zuschauer: 14.696
MONTREAL — Am 08.03.2026 buchte ich die Tickets für das oben genannte Spiel. Zu diesem Zeitpunkt war die Bundesliga-Terminierung für den April noch nicht bekannt, aber sämtliche Tickets für die MLS konnten bereits gekauft werden. Wenn in der MLS ein Spiel einmal terminiert ist, wird es nur im absoluten Notfall verschoben.
6 ½ Monate später war es dann endlich soweit: Unsere Reise nach Kanada konnte starten. In der Zwischenzeit passierte auch relativ wenig, denn die Planungen für diese Reise waren bereits im März zum Großteil abgeschlossen. Wir flogen von Schwechheim nach Frankfurt, um von dort weiter nach Montreal zu kommen. Vor Ort mussten wir allerdings etwas länger warten, da sich das Verladen des Caterings verzögerte. Allgemein ist Lufthansa auf der Strecke nach Kanada nicht wirklich zuverlässig. Unsere Strecke hat eigentlich jeden Tag Verspätung, und auch der Flug eines Lesers der ersten Stunde aus Braunschweig verlief ähnlich. Das ist eigentlich völlig unverständlich, da die Maschinen teilweise mehr als fünf Stunden am Gate stehen.
Irgendwann ging es dann los und nach drei Kontrollen am Airport waren wir 16 Stunden nach Verlassen der Bude endlich im Hotel. Dort war unser erstes Zimmer zwar bereits belegt, aber auch das brachte uns nicht aus der Ruhe. Ein bisschen Nervenkitzel hatten wir allerdings doch, da der Länderpunkt im Percival Molson Memorial Stadium noch am selben Abend fallen sollte.
Da am Wochenende hier die Fahrrad-Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren durchgeführt wurde, waren zahlreiche Straßen gesperrt und der Busfahrer musste auf der Route kreativ werden. Am Ende kamen wir drei Minuten vor Anpfiff an – und alles war gut.
Am nächsten Tag schauten wir uns die Stadt an, soweit es eben möglich war. Die Absperrungen nervten nicht nur uns, sondern auch die Bewohner, da hier gefühlt alle 1,9 Millionen Menschen eingeschränkt waren. Deshalb entschieden wir uns auch, ausschließlich die Metro zum Stadion zu nutzen. Das klappte einwandfrei und etwa 45 Minuten vor Anpfiff waren wir am Stadion.
Dass die Konsumenten der Major League Soccer nicht die typischen Stadionbesucher sind, kannte ich bereits aus New York. Aber das, was hier geboten wurde, schoss wirklich den Vogel ab. Am Eingang musste die Frau vor uns drei Flaschen Wasser, fünf Tüten Chips und noch andere Snacks abgeben. Wollte sie ins Kino oder wirklich zum Fußball?
Wir holten uns danach eine Cola, denn die Dose Bier für 15 CAD war mir dann doch zu teuer. Gespannt setzten wir uns auf unsere Plätze und mussten anschließend noch etwas länger warten als gedacht. Die Anstoßzeit ist hier offenbar nur ein Richtwert. Nach den Hymnen ging es dann mit rund zehn Minuten Verspätung los.
Die beiden Teams taten sich in der Anfangsphase sehr schwer. Das wunderte mich allerdings auch nicht, denn hier spielte der Letzte gegen den 13. Die glorreichen Zeiten von Montreal sind längst vorbei. Auch mit Alexis Sánchez im Kader funktioniert fast gar nichts.
In der zweiten Hälfte konnte wenigstens Columbus etwas Zählbares auf die Anzeigetafel bringen. Montreal konnte durch den Deutschen Prince Owusu, der hier der absolute Star ist, zwar den vermeintlichen Anschlusstreffer erzielen, aber der VAR hatte etwas dagegen. Spätestens nach dem 0:2 leerte sich das Stadion. Am Ende waren wir zwar nicht allein im Stadion, aber wirklich viele Zuschauer sahen den Abpfiff nicht mehr.
Typisch Eventfans, könnte man behaupten. Aber ich bin ehrlich: Selbst der Begriff „Eventfans“ ist dafür noch zu gut. Das, was man hier auf den Rängen zu sehen bekam, war an Fremdscham kaum zu überbieten. Drei von vier Seiten bestehen aus Stahlrohrtribünen und hier wurde zu jeder Zeit sinnlos gestampft. Ohne jeglichen Takt und auch völlig unabhängig vom Spielgeschehen. Dazu machte hier gefühlt jeder seinen eigenen Lärm – egal, ob der Ball gerade bei Columbus war oder zum Eckball bereitlag.
Positiv erwähnen kann man die „Bell“ im Heimblock, die bei potenziellen Toren geläutet wird. Drum herum stehen ein paar „Ultras“, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere sind. Rauchtöpfe haben sie hier immerhin schon. Hoffen wir für alle Zuschauer, dass die französischsprachigen Kanadier – genau wie die Asiaten – etwas YouTube schauen, um ihre Darbietungen noch zu optimieren.
Direkt nach Abpfiff ging es dann mit der Metro zurück zum Hotel. Wer Drogenabhängige sehen möchte, dem sei eine Reise nach Montreal empfohlen. Leider sieht man hier an vielen Ecken Menschen, die aufgrund ihrer Sucht auf der Straße liegen. Die Opioidkrise ist leider weiterhin real. (mb)








