Oxford United – Swansea City – 0:1

Oxford United – Swansea City – 0:1

„SWANSEA CITY AUF DEN SPUREN VON HARRY POTTER“

29.12.2025
Championship
Kassam Stadium
Zuschauer: 11.413

OXFORD – Als ich neulich beim gemütlichen Kaminabend mit einem Glas Bier in der Hand meine Jahresstatistik für Facebook erstellte, bemerkte ich, dass ich 2025 tatsächlich in England die meisten auswärtigen Spiele besucht habe. Mit 13 gesehenen Spielen im Vereinigten Königreich liege ich damit unweit hinter Deutschland – 33 Spiele waren es hier. Eins davon war am 29.12. in Oxford, der Stadt, die oftmals als Filmkulisse für Harry Potter diente.

Auch die Swansea-Fans waren da. Sie waren augenscheinlich auf den Spuren von Harry Potter, allerdings machten sie sich nicht in der Bibliothek der Innenstadt bemerkbar, sondern im Away End im Kassam Stadium. Ungefähr 1.000 Fans dürften mitgereist sein. Das Stadion von Oxford United, etwas außerhalb am Stadtrand gelegen, ist eigentlich relativ langweilig. Es verfügt über drei voneinander getrennte Tribünen, und man sitzt, wie so oft in England, nah am Spielfeldrand und ist somit direkt am Geschehen. Hinter den Tribünen gibt es Cider, Bier und Pie – alles wie immer auf der Insel.

Der Spielverlauf gestaltete sich anfangs direkt attraktiv, ein schnelles Spiel mit schnellen Toren. Schon in der 14. Minute traf Vipotnik für die Swans zum 0:1. Die Fans drehten durch und wurden ab hier eigentlich nicht mehr richtig leise. So soll es sein! Vipotnik kennt der eine oder andere sicherlich vom NK Maribor.
Von den Heimfans kam meist nicht allzu viel, ein paar Schlachtrufe wirkten ganz nett. Lediglich „Yellows!“-Wechselgesänge schwappten auf die Menge rüber und animierten einige Briten zum Mitmachen.
Die zweite Halbzeit war ebenfalls schnell und chancenreich, aber klingeln sollte es im Kasten nicht mehr. Nach Abpfiff gingen wir zügig zur Busstation, wo wir ewig auf einen Bus warteten – der aber einfach nicht eintreffen wollte.

Also haben wir uns kurzerhand mit einem anderen deutschen Fußballfan, der vor Ort war, ein Uber geteilt und sind zurück in die beschauliche Innenstadt von Oxford gefahren. Nachmittags waren wir noch im Wetherspoon „Swan & Castle“, um nun nahegelegen an der Gloucester Road, dem Busbahnhof von Oxford, dem zweiten Spoon der Stadt einen Besuch abzustatten. Das war für mich JD Pub Nr. 132. Es gibt noch einen dritten in Oxford, weit außerhalb vom Stadtzentrum gelegen und auch nicht in Stadionnähe, weshalb dieser noch auf einen weiteren Besuch warten muss.

Aber vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren, denn Oxford United plant schon wieder einen Neubau. Das Kassam Stadium, gerade mal geschätzt 15 Jahre alt, ist irgendwie nicht mehr so „in“. Nun möchte die Stadt zusammen mit Oxford United ein neues Stadion, auch wieder außerhalb der Stadt, bauen. Nördlich gelegen, in Kidlington, soll ein „voll elektrisches“ Stadion entstehen. Eine traurige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass doch gerade England für die Stadien mitten in der Stadt, zwischen Wohnblocks und Kneipen, bekannt ist.
Apropos Neubau: Während wir nachmittags im Spoon dinieren, hat mir ein Kontakt von uns doch tatsächlich noch eine Zugangsberechtigung für das anstehende Arsenal-Heimspiel besorgt. Was im „Emirates Stadium“ los war, lest ihr morgen beim Schwechheimer Landboten. (hd)

Ethiopia Nigd Bank – Ethiopian Medhin – 2:1

Ethiopia Nigd Bank – Ethiopian Medhin – 2:1

“DIE JAHRESUHR STEHT NIEMALS STILL”

31.12.2025
Ethiopian Premier League
Adama Science and Technology University Stadium
Zuschauer: 110

ADAMA – Bei diesem Reiseziel fallen bei einigen Leuten aus meinem privaten und beruflichen Umfeld die Hände über das Gesicht zusammen. Äthiopien! Aus Mailand sollte es über Jeddah in dieses noch unbesuchte Land gehen. Die Hauptstadt Addis Abeba, mit rund fünf Millionen Einwohnern, steht wahrscheinlich nicht bei jedem Reisebegeisterten auf Platz eins der Wünsche. Ein paar Hürden sind zu überwinden, der einheimische Kalender tickt ein wenig anders als auf vielen Teilen der Welt. Beispiel: Am 03.01.2026 schreibe ich diesen Bericht, laut dem äthiopischen Kalender haben wir den 25.04.2018. Die Geburt Christi ist nach ihrem Kalender später erfolgt und zudem hat das Kalenderjahr 13 Monate. Zusätzlich ticken die Uhren ebenfalls anders. Die einheimischen Uhren laufen nach dem Aufgang der Sonne. Geht die Sonne auf, startet der Tag für die Einheimischen. Warum ist das so wichtig?

Auf Facebook gibt es Profile, die Auskunft über die aktuellen Spiele der Liga geben. “Ethiopian Football Federation” ist meiner Meinung nach das Inhaltlich am sinnvollsten. Die Spiele der Ligen werden mit Zeit, Datum und Spielort veröffentlicht, doch Obacht! Auch hier gelten die Zeitangaben inklusive Datum nach dem einheimischen Kalender und Uhrzeit. Für unseren Aufenthalt mussten wir also die Zeitangabe mit +6 Stunden berechnen. Die Spiele der ersten Liga finden aktuell in Addis Abeba, Awassa oder in unserem Spielortes dieses Berichts (Adama) statt. Am ersten Aufenthaltstag gab es für uns somit die Gelegenheit das Stadion in Addis zu besuchen und am Tag darauf nach Adama zu fahren. Ideal, die Termine waren zuverlässig und sie wurden allesamt eingehalten.

Adama liegt circa 90 Minuten Autofahrt südöstlich von der Hauptstadt entfernt. Sofern man den Großstadtdschungel überstanden hat, geht es auf die Autobahn. Hervorragend ausgebaut, bessere Straßenverhältnisse als auf der A7 Richtung Süden nach Hannover. Auch der beschriebene Dschungel ist nicht so extrem, die Straßenverhältnisse in der Großstadt waren deutlich besser als erwartet. Mit der Taxi-App “Ride” bekommt man schnell einen Fahrer.

Wir haben uns für die Variante eines persönlichen Fahrers entschieden, wir wollten kein Risiko eingehen. Die Maut kostete umgerechnet 90 Cent. Der Fahrer stand den ganzen Tag für uns zur Verfügung, nach seinem eigenen Willen verbrachte er sogar das Spiel ebenfalls im Stadion. Die Länderpunkt-Runde Bier hat er leider förmlich ausgelassen. Doch, kein Problem: Der Bierpreis in einem Lokal liegt bei ungefähr 60 Cent! Und auch sonst: Dieses Land bringt Spaß, entgegen der Erwartung.

Beide Vereine verfügten über einen Edelfan. Der Anhänger und wahrscheinlich auch Mitarbeiter oder Kunde der Bank, trudelte das komplette Spiel entlang der Gegengerade. Verhalf seinem Team quasi lautstark als Co-Trainer. Sein Verein wurde gegründet von der “Commercial Bank of Ethiopia”. Der noble Fan des Gastes trug einen blau-weißen Sportanzug, wesentlich behutsamer verfolgte er das Gekicke auf dem Rasen.

Zum Ende des Spiels freute sich unser Fahrer auf den Schlusspfiff. Dank ihm kamen wir rechtzeitig in der Nähe des Airports an. In einem ausgesuchten Lokal genossen wir billiges Bier, einen Mega-Cheeseburger mit Pommes (2,64€) und den nebenbei laufenden Africa Cup. Geiles Land, nette Leute und Hammer Preise. Das freut die Redaktion. Die Reise ging ja noch weiter, wohin? Das erfahrt ihr morgen. (tp)

Leyton Orient F.C. – AFC Wimbledon – 1:3

Leyton Orient F.C. – AFC Wimbledon – 1:3

„AM ENDE KACKT DIE ENTE“

01.01.2026
League One
Brisbane Road
Zuschauer: 8.643

LONDON – Frohes neues Jahr! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Fast vier Wochen Fußballpause wären zu herb gewesen, also wurde für den 1. Januar eine Ticket-Anfrage „übernommen“, die ich für einen Kollegen in die Umlaufbahn der britischen Fußballwelt geschickt hatte. Für Brentford gegen Tottenham sollte ein Ticket her. Dann wurde das Spiel allerdings verlegt, dem Kollegen passte der Termin nicht mehr in den Kram und im Falle einer positiven Nachricht, wäre ich einfach als Ticket-Holder eingesprungen. Anlass für diesen Plan waren auch 20€-Flüge vom reaktivierten Flughafen Schwechheim, direkt vor der Tür. 20h-Trip nach London mit zwei Spielen. Das klang verlockend und unkompliziert.

Der Haken an der Sache: Beim FC Brentford gibt es mittlerweile so heftige Ticket-Auflagen, dass selbst mit den besten Kontakten eine Karte schwierig wird. Tickets gibt es nur in der vereinseigenen App und diese können nicht beliebig weitergeschickt werden. Nur Mitglieder-verifizierte Accounts sind in der Lage so ein Ticket sichtbar zu machen. Das heißt also, für eine Karte benötigt man die Zugangsdaten inklusive Passwort eines Mitglieds. Natürlich kann mit einer Membership auch nur 1 Ticket gekauft werden und vielleicht hätte es sogar geklappt mit einer Einlassberechtigung – aber ich sag es mal ohne Umwege: Die Bettelei war mir zu dumm. Viel Geld gespart für ein frustrierendes 0:0, das es am Ende geworden ist. Ein Mitglied der Redaktion wurde vorm Stadion beim Sichten des Schwarzmarkts von der Polizei sogar mit einem Platzverweis belegt.

Brentford: Wir sehen uns irgendwann in der Championship oder League One wieder. Am Ende kackt die Ente. Die Daumen sind gedrückt. Vielleicht folgt hier die Tage nochmal ein „Classic-Bericht“ aus dem „Griffin Park“, Brentfords alter Heimat. Um mal zu veranschaulichen, wie beschissen sich die Dinge im Westen der Stadt entwickelt haben.

Der Trip nach London wurde natürlich trotzdem angetreten. Schließlich war der Tisch für das 15-Uhr-Spiel vor Ort reichhaltig gedeckt. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Charlton Athletic und Leyton Orient entschied man sich am Ende für die Brisbane Road. Stadtderby gegen Wimbledon und zusammen mit einem Kollegen vom „Intourist Babelsberg“ konnten vor und nach dem Spiel noch ein paar Pints geleert werden. Nachdem zusammen vor dem Spiel im Zentrum noch ein Blick auf die „London Parade“ abfiel, ging es zurück in den Nordosten der Stadt. Klassische Straßenzüge mit Pubs und Ladenzeilen verrieten uns, dass wir hier richtig waren. Viel Stadtteil-Flair rund um die Brisbane Road ließ die Vorfreude auf den Kick steigen, für den es am Tag zuvor nur noch Resale-Karten gab. Wollen wir mal hoffen, dass Leyton bei dem anhaltenden Erfolg das Ticketing nicht auch bald auf eine App abwälzt.

Nach 6 Siegen in den letzten 6 Spielen in der Vor-Saison, erreichten die „O’s“ nämlich nach dem Wiederaufstieg 2023 sensationell die Play-Offs für die zweite Liga gegen – genau: Charlton Athletic! In einem engen Spiel vor rund 80.000 Zuschauern in Wembley musste der Außenseiter den „Addicts“ mit einem 1:0-Sieg den Vortritt lassen. 2019 war Orient erst aus der National League in die EFL zurückgekehrt. Der rasante Aufstieg hat übrigens Folgen, so wurden im Herbst letzten Jahres Neubaupläne für ein Stadion bekanntgegeben.

Ganz so weit ist man bei Orient am ersten Tag des Jahres 2026 dann aber doch noch nicht. Die Brisbane Road wurde auf der alten Tribüne mit Solarpanels ausgestattet, ansonsten ist im Leyton-Stadion alles wie immer und auch die Mannschaft hat sich wieder im unteren Mittelfeld der Liga eingruppiert. Mit Fußballfeinkost war nicht zu rechnen, zumal Wimbledon als Aufsteiger und Tabellennachbar in der League One das Rad vermutlich nicht neu erfunden hatte. Daher erfreuten wir uns zunächst nur an dem Ground, der irgendwie traditionell ist, aber teilweise auch neu und herausgeputzt. Integriert in den Stadtteil, mit Wohnblöcken an den Ecken und einer alten Tribüne. Die Proportionen und die Atmosphäre stimmen bei Leyton einfach, zudem ist man unglaublich nah dran am Spielgeschehen, wie es sich auf der Insel gehört.

Nach 5 Minuten klingelte es auch schon direkt vor der Nase. Orient ging in Führung. Das Jahr war 15 Stunden und ein paar Minuten alt, da konnte schon festgehalten werden: 2026 läuft gut an! In der Folge machte sich auch der volle Gästeblock das ein oder andere Mal bemerkbar. Das lag daran, dass die Anfangsoffensive der Heimelf langsam verpuffte. Wimbledon fand in alter Manier und mit kompromissloser Zweilampfstärke zunehmend in die Spur zurück. Per Eigentor gelang tatsächlich der verdiente Ausgleich und für die zweite Hälfte deutete sich an, dass die Gäste nicht locker lassen würden. Nach 5 sieglosen Spielen hintereinander hatte der AFC was gut zu machen und mit einem trockenen Schuss gelang nach über einer Stunde schließlich die Führung. Nun war der laute Gästeblock der Star dieser Veranstaltung.

Orient hatte der Spielweise von Wimbledon nichts mehr entgegenzusetzen. Das verdeutlichte die Tatsache, dass die Zuschauer trotz des knappen Rückstands die Spielstätte ab der 80. Minute verließen. Als dann kurz vor Schluss ein Freistoß über eine schlecht gestellte Mauer zum Endstand ins Tor segelte, saßen wir binnen Sekunden fast alleine im Stadion. Das ist in England auch nicht anders – darf man bei all den Lobliedern in diesem Text nicht unerwähnt lassen. Dafür explodierte erneut der gut aufgelegte Gästeblock und Wimbledon feierte den dringend benötigten Auswärtssieg. Fußball ist halt ein Geben und Nehmen – auf dem Platz und auch bei solchen vermeintlichen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel dem Ticketing. (mm)

US Cremonese – SSC Napoli – 0:2

US Cremonese – SSC Napoli – 0:2

“EIN TAG DER SCHANDE – DIE BESEITIGUNG”

28.12.2025
Serie A
Stadio Giovanni Zini
Zuschauer: 14.286

CREMONA – Einen Absatz lang gibt es eine Reise in die Vergangenheit. Wir blicken zurück auf den Oktober 2022. Redakteur (fj) und meine Wenigkeit waren an einem regnerischen Sonntag in Turin beim Spiel im “Stadio Olimpico Grande Torino”. Der Zeitplan war eng getaktet, wie so oft als Groundhopper. Geplant war, die Partie in der heutigen Spielpaarung am damaligen Sonntagabend zu verfolgen. Ihr könnt es euch denken, das vorab Spiel inklusive der damaligen Nachspielzeit zögerte sich heraus. Die Marathon artigen Sporteinlagen nach Abpfiff blieben erfolglos, der gebuchte Zug wurde verpasst. Wir wurden die Tickets auch nicht mehr los und die Zusatzkosten explodierten. Es musste ein neuer Zug gebucht werden, aber immerhin hat ein Spiel des US Alessandria in der Serie C stattgefunden. Die Alternative war noch zu erreichen, um später wieder in Milano bei der Unterkunft aufzukreuzen. Zu den Jahren Anfang der Zwanziger ein teures Vergnügen und nicht unbedingt in jedem Budget enthalten. Mittlerweile wurde die Lücke und der absolut schwarze Tag von beiden Redakteuren abgehakt und das Stadion besucht.

Drei Jahre später ergab sich mir die Chance, die gleiche Paarung in diesem Stadion zu sehen. Mein innerer Monk findet sowas immer gut. Unsere heutige Reisegruppe startete früh aus Pisa, wozu dies später gut sein sollte, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst sollte der Magen mit einem Frühstück gefüllt werden. Apfelkuchen statt Cornetto und dazu natürlich einen Cappuccino. Diese süße Mentalität am Morgen kann man nur mögen. Danach startete die Fahrt und bis Cremona ohne Vorkommnisse. Kurz vor der Abfahrt zeigte Google Maps rot. Die Mautstelle nach der Ausfahrt Cremona wurde von der Staatsmacht kontrolliert, dies sorgte natürlich für einen längeren Stau. Alle Gäste aus Napoli mussten sich mit ihren Autos hinter der Mautstelle sammeln. Eine ganze Stunde kostete uns die Sperrung der Polizei. Wenn man es positiv sieht: Die Gäste waren anwesend.

Letzterer Satz war auch die Quintessenz, rund 2.500 Tifosi nahmen den weiten Weg auf sich. Eine stattliche Zahl. Die Neapolitaner sind in der Tabelle dicht dran an den Topklubs aus Mailand. Das Spiel ist in der Serie A, wie eigentlich immer. Vieles spielt sich im Mittelfeld und in der Abwehr ab, irgendwann fällt dann ein Tor für den Favoriten oder es fällt keins. Die großen Sensationen bleiben oft aus, so auch an diesem Tag. Für Sensationen in den letzten Jahren sorgte dieser Spieler: Im Sturm bei den Gastgebern probierte sich Jamie Vardy. Als Teil des Sensations-Teams von Leicester City in der Saison 2015/2016. 81 Punkte holte das Team um Jamie Vardy in dieser Spielzeit. Nur die Torjägerkrone erhielt er mit seinen 24 Toren nicht. Mit seiner Statistik bei Leicester City von 183 Toren in 440 Spielen bleibt er wahrscheinlich der beste Torschütze. Seit September/2025 schnürt er seine Schuhe für Cremonese, vier Tore gelangen ihm bisher in der laufenden Saison.

Das eigentliche Highlight befand sich aber definitiv im Gästeblock. Für die erste Liga in Italien, wo ich persönlich Stimmung beispielsweise in der Serie B oder C besser finde, war das am heutigen Tag großes Kino. Das bekannte Knie wippte mit. Glückselig wurde nach dem Abpfiff das Stadion verlassen. Der Weg ging in die Unterkunft und zum Füttern der dritten Pizza am dritten Tag des Aufenthalts in Italien. Italien ist einfach jede Reise wert. (tp)

Eccleshill United – Campion AFC 0:1

Happy New Year!
Und somit herzlich willkommen zur ersten BILDERBUCHBUDE der Woche im neuen Jahr (80). Wir befinden uns im Cougar Park in Keighley, einem wunderschönen Rugby-Ground, in dem Eccleshill United aktuell seine Heimspiele in der Northern Counties East Premier Division (neunte Liga) austrägt. Im Sommer des vergangenen Jahres absolvierte zudem der PSV Braunschweig hier ein internationales Testspiel.
Besonderes Highlight dieses Stadions ist der Danny Jones Stand, der bereits seit 1947 existiert. Leider gibt es jedoch Pläne, die rund 500 Plätze fassende Tribüne umfangreich zu modernisieren. Ein konkreter Baubeginn ist bislang allerdings nicht bekannt.
Dennoch solltet ihr die Chance nutzen, diese Groundperle zu kreuzen, bevor es womöglich zu spät ist.

27.12.2025
Cougar Park
Eccleshill United – Campion AFC 0:1

Manchester United – Wolverhampton Wanderers – 1:1

Manchester United – Wolverhampton Wanderers – 1:1

„THE THEATRE OF NIGHTMARES“

30.12.2025
Premier League
Old Trafford
Zuschauer: 74.000

MANCHESTER — Die Ticketbeschaffung bei Manchester United für ein Spiel in der Premier League war über Jahre hinweg nahezu unmöglich. Manchester meldete bereits vor Saisonbeginn stets „Sold Out“ für alle Spiele. Mittlerweile spielen die Reds jedoch seit Jahren einen absolut bescheidenen Ball auf gepflegtem Rasen, und auch die Touristen werden dadurch weniger.

Mit diesem Hintergrundwissen klickte ich mich am 30.09.2025 durch die Ticketseite von Manchester United und entdeckte für dieses Spiel tatsächlich einen freien Verkauf. Die Flüge waren noch nicht gebucht und eine grobe Planung existierte ebenfalls noch nicht, aber die ersten Tickets landeten sofort im Warenkorb. Old Trafford war gebucht, egal wann dieses Spiel angesetzt werden würde. Erst Anfang November wurde die Partie terminiert, und ab diesem Zeitpunkt begann die Feinplanung für diese letztlich erfolgreiche Tour.

In den Tagen zuvor verweilten wir an der Nordseeküste, da Sunderland und Middlesbrough ihren Weg in den virtuellen Informer gefunden hatten. Pünktlich wurde dort ausgecheckt, anschließend ging es mit dem Flixbus nach Manchester. Dort checkten wir im Ibis ein und verprassten gegen 17:30 Uhr unser letztes Restaurantguthaben auf der Amex im „The Ivy“.

Per Straßenbahn fuhren wir anschließend zum Old Trafford und steuerten zunächst den Mega Store an, um zu prüfen, ob es dort vielleicht ein geniales Schnäppchen zu ergattern gibt. Fünf Minuten später hielten wir jeweils ein Trikot aus der Vorsaison für unschlagbare 24 £ in den Händen. Mit den neuen Utensilien stellten wir uns in die Schlange am Eingang und wurden von oben bis unten komplett gefilzt. So etwas hatte ich in England noch nie erlebt. Sekunden später zeigte der Ticketscanner die gelbe Ampel, das Drehkreuz öffnete sich, und wir befanden uns in dieser altehrwürdigen Stätte.

Im Stadion wurden wir von einem Ordner direkt auf unsere Plätze geschickt, denn im Gang stehen und noch schnell ein Foto machen ist hier „nicht erlaubt“. Wenig später begann das Spiel ohne großes Einlaufprozedere.

Auf dem Rasen waren sich alle sicher, dass es heute einen Heimsieg geben würde, denn die Gäste hatten seit Anfang Oktober keinen Punkt mehr geholt und davor insgesamt nur zwei Zähler gesammelt. Doch wie sollte es anders kommen: United bekam überhaupt nichts auf die Kette, der Trainer wechselte zur Halbzeit den einzigen fähigen Spieler und Torschützen aus, und Wolverhampton spielte wie in den Jahren zuvor. In der 89. Minute erzielten die Red Devils zwar den vermeintlichen Siegtreffer, doch der Torschütze stand im Abseits. Unterm Strich geht das Remis in Ordnung, da auch die Wolves einige Chancen liegen ließen.
In der zweiten Hälfte gab es zudem noch ein paar lustige Anekdoten, die ich mit euch teilen möchte. Der Schiedsrichter pfiff gleich zwei falsche Einwürfe zurück, und Manchester erhielt eine Ecke, weil der Torwart den Ball zu lange in den Händen hielt. Ein „gellendes Pfeifkonzert“ begleitete die Spieler in die Kabine und uns aus dem Stadion.

Auf der Pressekonferenz behauptete der Trainer, dass die Reservespieler nicht die Qualität für die erste Elf hätten. Wenn sich Ruud van Nistelrooy, Paul Scholes und Ryan Giggs über die aktuelle United Elf unterhalten würden, könnten sie vermutlich ganze Seen mit Tränen füllen, denn diese Truppe ist schlichtweg schlecht. Das hat nichts mehr mit dem unbesiegbaren Manchester von früher zu tun. Mittlerweile ist es nur noch eine mittelmäßige Premier League Mannschaft. Man kann nur hoffen, dass Sir Alex Ferguson bei diesem Team auf der Tribüne niemals einen Herzinfarkt erleidet.

Für uns war es trotz der bodenlosen Performance der Reds ein schöner Abend in einem genialen Stadion. Old Trafford gehört definitiv auf die Bucketlist aller Groundhopper, und man kann nur hoffen, dass die neuen Stadionpläne niemals realisiert werden und im „Litter“ verschwinden. (mb)

Tranmere Rovers – Fleetwood Town 1:0

Tranmere Rovers – Fleetwood Town 1:0

“BOXING DAY IN BIRKENHEAD”

26.12.2025
League Two
Prenton Park
Zuschauer: 7.933

BIRKENHEAD – Schon seit mehreren Jahren führt mich der Fußball zur Weihnachtszeit auf die Insel. Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Tour geplant, deren Auftakt in Birkenhead stattfinden sollte.

So landete die vierköpfige Gruppe in Liverpool, stärkte sich bei Wetherspoon und machte sich schließlich auf den Weg zum Prenton Park, der Heimat der Tranmere Rovers.

Schon bei der Ankunft wurde uns warm ums Herz: ein herrliches englisches Stadion, das 1912 eröffnet wurde, mitten in einem Wohngebiet liegt, über vier unterschiedliche Tribünen verfügt und mit erstklassigen Flutlichtmasten ausgestattet ist.

Wir verfolgten das Spiel von der Fantribüne „The Kop“, wo es unter dem Dach zeitweise Support mit Trommelbegleitung gab.

Die Partie endete mit einem 1:0-Erfolg. Whitaker erzielte in der 23. Minute den einzigen Treffer des Spiels.
Für mich war es bereits das zweite Spiel der Tranmere Rovers. Das erste sah ich Anfang 2020 im FA Cup, als der Underdog Tranmere Rovers einen 0:3-Rückstand noch in ein 3:3 umwandeln konnte. Im Rückspiel, das es damals bei einem Unentschieden noch gab und inzwischen durch eine Verlängerung ersetzt wurde, gelang den Rovers sogar ein 2:1-Erfolg.

Der Abend wurde bei Wetherspoon verbracht.
(fj)

Spezia Calcio – Delfino Pescara – 2:1

Spezia Calcio – Delfino Pescara – 2:1

„ICH HAB‘ NEN DELFINO IN MEINER BAUCHTASCHE“

27.12.2025
Serie B
Stadio Alberto Picco
Zuschauer: 9.251

LA SPEZIA – Nach dem Lesen der Überschrift sollte bei einigen die Aufmerksamkeit da und der Ohrwurm zurück sein, gern geschehen!

Dieser Bericht knüpft an den Ostermontag an, an dem ich eigentlich mit Kollege (tp) Spezia und Parma kreuzen wollte. Leider machte uns das Ableben des Heiligen Vaters einen Strich durch die Rechnung und die Grounds mussten vertagt werden.

Doch vor Jahresende ergab die Terminierung eine neue Chance und wir entschieden uns für Spezia. Bei herrlichem Sonnenschein und über 15 Grad trafen wir uns in der ligurischen Hafenstadt. In puncto Wetter greift man bei Bella Italia eben selten daneben.

Im Abstiegsduell empfingen die „Aquilotti“ die Delfine von der Adria. Das „Stadio Alberto Picco“ war gut gefüllt und die Ticketpreise ab neun Euro wirklich fair für die Serie B. Allerdings nicht im Gästeblock, dazu später mehr.

Die „Curva Ferrovia“ legte auch gleich ordentlich los mit vertrauten Melodien und den italienischen „Bodenbengalos“. Manchmal wünsche ich mir eine kontrollierte Zündung für einen besseren Effekt, aber so ist es hier eben. Auch so setzte sich häufiger einiges an Rauch unter dem Dach fest.

Aus Pescara waren etwa 400 Tifosi angereist, von denen die Szene erst mit Verspätung im Gästeblock ankam. Der Mob machte zunächst seinem Ärger über die teuren Gästekarten Luft (25 Euro) und peitschte anschließend den Tabellenletzten nach vorne. Ein wirklich guter Auftritt. Mir fiel auch wieder eine sehr alte Zaunfahne von 1976 auf. Teilweise sind die Jungs in Italien ja selbst noch auf dem Zaun und das kann man gar nicht hoch genug anrechnen.

Auf dem Rasen machten die Adler von Ex-Milanstar Donadoni die bessere Figur und gingen schon nach acht Minuten durch einen satten Schuss von di Serio in Führung. Doch Pescara antwortete mit einem Knaller unter die Latte, wobei die Nachspielzeit der ersten Hälfte schon abgelaufen war. Das Schiedsrichtergespann lief unter nicht so weihnachtlich-harmonischen Rufen in die Kabine.

Im zweiten Durchgang trafen beide Aluminium und später sah es nach der typischen Punkteteilung im Keller aus. Doch nach etwas Pingpong im Strafraum in der 92. Minute schaltete Artistico (ja, der Name ist korrekt) am schnellsten und spitzelte die Kugel zum 2:1 ins Netz. Kollektive Ekstase bei den „Bianconeri“ und ein extrem wichtiger Sieg im Abstiegskampf.

Nach dem Spiel vertraten wir uns an der mit Palmen gesäumten Promenade noch ein wenig die Beine. Ohne die Weihnachtsdeko hätte man denken können, es sei Frühling. Übrigens ist La Spezia der ideale Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den malerischen „Cinque Terre“. Allerdings rief in unserem Fall erneut der Calcio und wir steuerten Pisa für das Abendspiel an. (hr)

Sunderland AFC – Leeds United – 1:1

Sunderland AFC – Leeds United – 1:1

„SUNDERLAND – MEHR ALS NUR EINE NETFLIX DOKU“

28.12.2025
Premier League
Stadium of Light
Zuschauer: 46.675

SUNDERLAND — Zum ersten Mal in meinem Leben gönne ich mir über die Feiertage die volle Portion England. Zehn Tage im Land der Erfinder der Wetherspoon-App. In den letzten Jahren war ich über den Jahreswechsel immer mal wieder für ein paar Tage vor Ort, allerdings nie vom Boxing Day bis ins neue Jahr. Dieses Jahr sollte es – dank fairer Flug- und Hotelpreise – das „All-in-Paket“ werden.
In den ersten beiden Tagen lief in Bradford und Burnley alles reibungslos, und auch heute lieferte Flixbus auf ganzer Linie. Da am Sonntag in England fast gar nicht gespielt wird, war schnell klar: Es kann nur nach Sunderland gehen. Der heutige Gegner war kein Geringerer als die Farke-Truppe, die ich zuletzt am 29.12.2024 gesehen hatte.

Da wir hier mittlerweile über ein Premier-League-Spiel sprechen, ist die Ticketbeschaffung natürlich wieder ein Knackpunkt. Kein General Sale, und die Karten gingen im Mitgliederverkauf weg wie warme Semmeln. Zum Glück konnten uns ein England-Experte aus unserem Redaktionsumfeld sowie ein weiterer Deutscher helfen. Beide verfügten über eine Booking History aus der letzten Saison und hatten damit Zugang zu den Tickets. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an die beiden Top Lads!

Nach der Ankunft in Newcastle brachten wir unser Gepäck ins Hotel und fuhren anschließend mit der Metro zum Stadium of Light. Wer die Netflix-Dokumentation „Sunderland ’Til I Die“ in voller Länge durchgesuchtet hat, erkennt hier sofort die ein oder andere Wandbemalung sowie den Weg zum Stadion wieder. Besonders prägend in Erinnerung geblieben sind mir auch die Ticketdrucker im Ticket Office. Wir gingen direkt dorthin, um unsere QR-Codes gegen Hardtickets zu tauschen, wurden jedoch enttäuscht: Es gibt nur noch digitale Tickets. Willkommen in der Premier League!

So gelangten wir ohne weitere Kontrolle ins Stadion und gönnten uns vor dem Anpfiff noch ein paar Chicken Tenders mit Pommes. Der Preis an der Kasse war zwar ein anderer als auf dem Preisschild, aber über einen „Rabatt“ regt man sich bekanntlich nicht auf. Geschmacklich war das Essen für englische Stadionverhältnisse absolut in Ordnung – ein Foto war es dennoch nicht wert.

Im Stadion trennten sich dann unsere Wege, da unsere Plätze in den Bereichen P6 und P16 lagen. Ein Platzwechsel während des Spiels war nicht möglich, da wirklich kein einziger Platz frei war.
Beim Einlaufen der Teams wurden beide Mannschaften mit einem kleinen Feuer begrüßt. Leeds und Sunderland spielten in der ersten Halbzeit mutig nach vorne, und zur Freude der meisten Fans gingen die „Black Cats“ nach 28 Minuten in Führung. Kurz nach dem Pausentee erzielte Leeds den Ausgleich und ließ den Gästeblock eskalieren. Die Mannschaft von Daniel Farke drängte anschließend sehr dominant auf das 2:1, brachte den Ball trotz eines Expected-Goals-Werts von 2,03 jedoch kein zweites Mal über die Linie.
Trotz Aufstieg und veränderter Favoritenrolle ziehen sie ihren ansehnlichen Fußball weiterhin konsequent durch und haben nun sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Für einen Aufsteiger ist das nach 18 Spielen ein Top-Ergebnis. Der ein oder andere Sunderland-Fan war nach dem Spiel etwas enttäuscht, da die Jungs das letzte Heimspiel des Jahres nicht gewinnen konnten. Dennoch sollte man nicht vergessen, wo Sunderland herkommt: 2022 stieg man in die Championship auf, und dreieinhalb Jahre später steht man mit 28 Punkten auf Platz sieben – nur vier Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Das ist schlichtweg sensationell.

Sensationell war die Stimmung vor Ort zwar nicht, für Premier-League-Verhältnisse jedoch sehr gut und leidenschaftlich. Sie hat uns definitiv abgeholt, und wir verließen das Stadium of Light rundum zufrieden.

Allen Netflix-Abonnenten kann ich nur empfehlen, nach der Dokumentation selbst nach Sunderland zu reisen und das „Matchday“-Erlebnis mitzunehmen. Das hat richtig Bock gemacht und rundet für mich die Sunderland-Story perfekt ab. (mb)

FC Lahti – Tampereen Ilves – 1:0

Das Redaktionsteam vom Schwechheimer Landoten wünscht allen Lesern eine gute Verdauung nach den zwei Speisereichen Tagen bei Muttern und Vatern. Nachdem der ganze Weihnachtstrubel vorbei ist, hat der Groundhopper noch zwei Ziele in den letzten Tagen im Kopf. Entweder der Boxing Day oder die Vierschanzentournee. Passend dazu wollen wir euch mit der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (79) auf die Festtage in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen einstimmen. Nichts passt da besser, als die einzige Skisprungschanze Europas, die auch für Profifußball genutzt wird. Auf der Salpausselkä-Schanze flogen einst Janne Happonen & Matti Hautamäki tausenden frenetischen Fans entgegen und ließen die Massen im Winter eskalieren. Im Sommer geht es eher ruhiger zu, wenn der FC Lahti an Ort und Stelle gegen den Ball tritt. Nach einem schwierigen Jahr in der zweiten Liga durfte im Oktober 2025 wieder gefeiert werden, denn nächstes Jahr spielen ihre schwarzen Drohnen wieder erstklassig.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für die Fotografen in der Runde: Wer vorm Spiel ein Foto vom Absprungbalken machen möchte, sollte vor dem Mannschaftsbus da sein, denn ab 90 Minuten vor Anpfiff wird der Aufgang gesperrt.

14.07.2019
Lahden Stadion
FC Lahti – Tampereen Ilves – 1:0

Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

“ADVENT ADVENT – DAS STADION BRENNT”

20.12.2025
2.Bundesliga
Holstein Stadion
Zuschauer: 15.034

KIEL – Das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres stand an, und kurz vor Weihnachten bescherte uns die DFL einen wunderbaren Doppler. Um 15:30 Uhr sollte der eigene Verein, der HSV, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen, und um 20:30 Uhr folgte das Topspiel des Tages: Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden. Zwei der besten Fankurven zu Gast im hohen Norden – und das an einem Tag. Was will man mehr?

Der Spieltag begann im Hamburger Volkspark, wo die Hamburger Gruppe Sektion Schleswig-Holstein ihr 15-jähriges Jubiläum feierte und dabei eine Choreografie zeigte.

Die Gäste vom Main zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik, während auch der Förderkreis Nordtribüne sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Spiel endete vor dem ausverkauften Haus mit 1:1.

Nach dem Abpfiff ging es zum Auto, das in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen abgestellt war. Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten wir die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und parkten in der Nähe eines Edeka-Marktes. Schnell noch im genannten Supermarkt mit einem nicht allzu leckeren Frikadellenbrötchen gestärkt, stand man kurze Zeit später im alten Gästeblock des Holstein-Stadions: Block L. Die knapp 17 Euro Eintritt sollten sich definitiv lohnen. Bereits vor dem Anpfiff zeigten die Cheerleader, was sie draufhaben. Eine einstudierte Aufführung direkt vor dem Gästeblock wurde zunächst mit Applaus begleitet. Als am Ende jedoch die Holstein-Fahne zum Vorschein kam, wurden die Damen und der Herr mit „Fotzen“-Sprechchören verabschiedet. Mindestens genauso sehenswert wie der Auftritt der cheerleader war das, was in den Fanblöcken abging. Dynamo zeigte zum Intro ein Schachbrettmuster in den Vereinsfarben. In der Mitte des Blocks war eine Blockfahne angebracht, auf der das Wappen der SG Dynamo zu sehen war.

Auf der anderen Seite wünschte die Kieler Ultra-Gruppe New Connection allen Kasselern und Kielern frohe Weihnachten, da die Gruppe eine Fanfreundschaft mit Kassel pflegt. Bei ihrer Choreografie wurden drei Weihnachtselemente gezeigt: ein Weihnachtsbaum, ein Kaminofen mit KSV-Socken sowie ein weiterer Weihnachtsbaum in der Mitte des Blocks. Aus dem Kaminofen brannten mehrere Fackeln, und auch neben den genannten Basteleien funkelte, blinkte und qualmte es lichterloh.

Das Spielgeschehen war von Beginn an zweitrangig, da das Drumherum deutlich interessanter war. Dynamo sang mehrere Gassenhauer, wie zum Beispiel: “Von Dresden bis zum Kosovo, immer wieder Dynamo“. Beeindruckend, wie es die Fans aus Dresden immer wieder schaffen, ein geschlossenes Bild abzugeben. Nahezu jeder – inklusive der Spieler beim Aufwärmen – trug einen Schlauchschal, der für einen Zehner als Mottoartikel verkauft wurde. Zudem folgte fast jeder dem Aufruf: „Alle in Bomberjacke“. Die Mitmachquote beim Support dürfte im hohen Neunzigerbereich gelegen haben. Besonders laut wurde es, als Vermeij die Gäste in Führung brachte. Auch wenn es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, waren alle Dresdner im Block bereit für die zweiten 45 Minuten. Knapp fünf Minuten nach Wiederanpfiff brannten bereits vereinzelte Lichter im Gästeblock. Schließlich sauste eine Rakete in die Luft – doch noch bevor diese explodierte, explodierte das Stadion. Kiel traf zum 2:1, und Millisekunden später brannte der Dynamo-Block. Neben Raketen wurden auch gelbe Farbfontänen in die Luft geschossen. Es rauchte gelb und blinkte hell – ein absolut eindrucksvolles Bild.
Auch als der gesamte Block der SG Dynamo „Walzer tanzte“, zeigte sich die geballte Qualität der Dynamo-Anhänger: Champions League! Lichtjahre davon entfernt ist allerdings die Mannschaft der Gäste. Dresden überwintert nach drei Niederlagen in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Wie von einem Aufsteiger erwartet, wird es sehr schwer, die Liga zu halten. Der Absteiger aus Kiel hingegen verschaffte sich etwas Luft von den unteren Rängen und konnte entspannter in die Festtage gehen.

Einen großen Weihnachtswunsch äußerte noch der Holstein-Fan (hr): Er hoffe, dass Kollege (tp) sich eine Rückrunden-Dauerkarte holt, da er aus 13 KSV-Spielen nur eine Niederlage der Kieler miterlebte. Ich persönlich hoffe, dass (tp) in Zukunft mehr dem HSV Glück bringt und man in der kommenden Saison nicht auf Holstein Kiel treffen wird.

Der Schwechheimer Landbote wünscht allen frohe Weihnachten! (fj)

Go Ahead Eagles – FC Groningen – 1:1

Go Ahead Eagles – FC Groningen – 1:1

“FUTTERN, EAGLES UND TECHNO”

21.12.2025
Eredivisie
De Adelaarshorst
Zuschauer: 9.997

DEVENTER – Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Bevor es wieder auf große Tour zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem neuen Jahr gehen soll, wurde das letzte Wochenende im eigenen Bett verbracht. Nach dem Sonnabend in heimischen Gefilden bot sich am vierten Advent ein Tagesausflug in das direkte Nachbarland an. Die Eagles waren zuletzt negativ in vielen Deutschen Mündern. Das europäische Auswärtsspiel der Schwaben schlug Wellen: übertriebene Polizeigewalt oder ein Spieler mit einer obszönen Geste gegenüber Angelo Stiller. Absurd und zum Fremdschämen. Das Stadion zählt zu den schwierig zu besuchenden Stadien der höchsten Spielklasse des Landes. Eine Hand wäscht die andere und so versorgt mich ein Kontaktmann über den Zweitmarkt des Vereins in der Woche vor dem Spiel.

Die kleine Stadt liegt in einem Radius: “Tagestour-möglich”. Nach knapp vier Stunden parkten wir das Gefährt des Tages in unmittelbarer Nähe der Spielstätte. In der “Cafeteria Johnny’s” gab es heiße Waren aus dem schwimmenden Fett. Nicht der beste Schuppen, aber mit wenig Zeit zwischen Ankunft und Anpfiff kann man diesen Laden mal ansteuern. Für Kipcorn, Fritten und Krokett muss einfach Zeit sein. Die Häuser rund um das Stadion wurden schick hergerichtet. Überall wehen kleine Fahnen des Vereins. Besonders auffällig ist die gestrickte Ware in Vereinsfarben um jede Regenrinne herum. Die Stadt lebt ihren Verein und ihren diesjährigen Pokalsieger. Der erste Titel nach 92 Jahren ohne Feier. Der Klub startet in die vierte Saison als Erstligist in Folge.

Die Gäste aus Groningen füllten ihren Auswärtsblock und starteten mit einer Pyroshow in das Spiel. (Achtung, aufmerksame Leser: Ja, schon wieder ein Bericht mit Beteiligung aus dem hohen Norden) Meine Sicht hinter dem Tor auf den Gästebereich im Stadion war suboptimal, aber hier will man nicht meckern. Das Foto im Bericht stammt von meinem Mitfahrer, danke dafür! Das Spiel ist schnell erzählt, Endstand 1:1 und irgendwie war es die typische Marke eines Spiels im Tulpenland. Alles wie immer und so trat man zufrieden die Heimreise an. Ein Kreuz mehr in der Liga und Sonntagabend pünktlich zum Tatort wieder in Schwechheim. Gelungener Tagesausflug! (tp)

Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

„FINLAND’S GREATEST HITS“

18.12.2025
UEFA Conference League
Selhurst Park
Zuschauer: 21.302

LONDON – Stell dir vor der Fünfte aus der Premier League bestreitet ein Heimspiel und du kannst eine Stunde vor dem Anpfiff im Ticketshop vor Ort einfach so drei Eintrittskarten auswählen. Der wunderbaren „Conference League“ sei Dank spielte es keine Rolle, dass es wegen eines angeblichen Geoblockers online vorab mit der Ticketbeschaffung nicht klappte. General Sale bei Crystal Palace und Tickets für Jedermann – und das obwohl für beide Teams noch einiges auf dem Spiel stand an diesem Abend.

Während bei Palace mit einem Sieg die Play-Offs hätten vermieden werden können, benötigten die Gäste aus Finnland jeden Punkt für das erstmalige Bestehen einer Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb. Dementsprechend traten einige hundert Fans aus der Region Savo die lange Reise nach London an und lieferten über 90 Minuten grundehrlichen Support ab. Die meisten Anhänger von KuPs sahen zwar aus wie erlebnisorientierte Fußballmenschen halt aussehen, aber wirklich organisiert traten die Finnen nicht auf und auch der Altersschnitt hinterließ einen munter durchgemischten Eindruck. Aber gerade dieser authentische Auftritt erzeugte letztlich Sympathien.

Hinter dem Eintritt in den Selhurst Park standen aber – wie gesagt – noch einige Fragezeichen. Tickets für das Match waren online einfach nicht zu kriegen. Egal mit welchem Endgerät, in welchem Land und mit oder ohne VPN – der Zugriff auf den Warenkorb wurde immer wieder geblockt. Karten im Shop gab es immerhin reichlich und das ohne Auflagen. Die Hoffnungen ruhten auf der guten, alten Tageskasse und da Onkel Rainer neuerdings eine frühe Verbindung am Donnerstag vom Flughafen Schwechheim nach London anbietet, gab es auch keinerlei Zeitprobleme am Spieltag. Nachdem man am Bahnhof „Norwood Junction“ in einem immer voller werdenden Pub versank, ging es dann zu Fuß eine gute Stunde vor dem Anpfiff zum Stadion. Am Ticket Office gab es nicht mal eine Schlange.

Vor rund 6 Jahren wurde der Erstbesuch im Selhurst Park absolviert. Mit zwei Praktikanten im Schlepptau war das Spiel trotzdem die richtige Wahl an diesem Abend, obwohl auch ein ungekreuzter Ground zur Verfügung stand. Das Stadion und die Lage waren Überzeugung genug für einen Revisit. Auf dem alten Main Stand wurde sich diesmal direkt gegenüber der Gästefans platziert. Und das war ein guter Ort, denn die Nummer 17 von Palace – Christantus Uche – erzielte per Außenrist direkt nach fünf Minuten auf dieser Seite das traumhafte 1:0. Nach diesem Tor gab es noch ein paar gute Aktionen von den Briten und keine einzige Torchance für die Finnen. Bei Palace standen ein 16- und 17-Jähriger in der Startelf und vor allem der jüngste Akteur auf dem Platz – Joel Drakes-Thomas – überzeugte durch gepflegte Ballbehandlung.

So hätte der Europapokal-Abend auch zu Ende gehen können. Irgendwann wäre vielleicht das 2:0 gefallen. Doch die B-Elf von Palace hatte dann doch nicht genug Substanz und Kuopio griff nach dem letzten Strohhalm. Keine Stunde war gespielt, da stand es nach einem Doppelschlag plötzlich 1:2, wobei der letzte Treffer nach einem Eckball etwas glücklich zu Stande kam. Aber egal – jetzt hatten wir ein Fußballspiel und wer hätte ernsthaft gedacht, dass dieser Abend noch in eine Europapokal-Schlacht mündet? Das Heimpublikum war nur kurz konsterniert und gab der Mannschaft akustisch bald wieder Auftrieb. Dabei muss gesagt werden, dass die „Fanatics“ auf der Hintertortribüne trotz der jahrelangen Beständigkeit immer noch wie die Karikatur einer Ultragruppe wirken. Am Anfang waren die Jungs gesanglich noch motiviert, aber auch weil der harte Kern nur aus ein paar Dutzend Leuten besteht, hatte der Auftritt rasch keine Wirkung mehr.

Trotzdem war das Publikum spätestens nach einer Roten Karte für die Finnen ab Minute 73 wieder da und als kurz darauf per Kopfball der Ausgleich fiel, stand das Spiel auf Messers Schneide. KuPs warf sich in jeden Ball und nachdem einige brenzlige Situationen überstanden waren, rissen die Gäste mit dem Schlusspfiff die Arme in die Höhe. Der aktuelle Meister der Veikkausliiga übersteht erstmals in seiner Geschichte eine Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb! Finland’s greatest Hits at Selhurst Park – die Jungs aus Kuopio feierten eine wahre Abrissparty auf dem „Arthur Wait Stand“.

Und Palace? Die müssen am Samstag (!) schon wieder bei Leeds United ran, weswegen Coach Oliver Glasner die Ehrenrunde in den Play-Offs dank der Startelf-Rotation „ein wenig in Kauf nahm“. Den Finnen dürfte dieser Umstand egal gewesen sein. Allein der Torschütze zum 1:0 für die Engländer weist einen doppelt so hohen Marktwert auf wie der gesamte Kader von KuPs. (mm)

FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

Es ist Freitag, und für viele ist es heute der letzte Arbeitstag im Jahr 2025. Wir haben euch in diesem Jahr viele schöne Stadionperlen präsentiert und möchten euch nun auch zur Weihnachtszeit euer Herz erwärmen. Für die 78. Ausgabe befinden wir uns in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Im Stadion Romprim bekommt der Satz „Fußball live“ eine eigene Bedeutung. Wir hoffen, dass das letzte Bundesliga-Wochenende genauso schön wird wie die Sprecherkabine!


29.11.2025
Stadion Romprim
FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

FC Groningen – FC Volendam – 3:0

FC Groningen – FC Volendam – 3:0

“ALS DER OOSTERPARK NOCH EINMAL LEBTE”

13.12.2025
Eredivisie
Euroborg
Zuschauer: 22.525

GRONINGEN – Am 13.12. erreichte ich Groningen sicher und pünktlich mit dem FlixBus. Nur wenige Minuten später saß ich bereits im Zug nach Assen. Nach einem kurzen Stopp in einer Frituur stand der erste Ground des Tages auf dem Programm. Meine Wahl war auf ein Spiel im CATAWIKI Sportpark gefallen, da der Ground laut Bildern auf Europlan und Futbology über eine ansprechende Tribüne verfügen sollte.

Die Ernüchterung folgte jedoch prompt: Seit September dieses Jahres ist die Tribüne bereits Geschichte. Immerhin wurden einige Sitzschalen auf den Stufen des Stadions platziert. Sportlich bot die Partie dennoch einiges. In einem intensiven Spiel gelang es den Gästen von IJsselmeervogels, einen 0:2-Rückstand noch in ein 2:2 umzuwandeln. Kurz vor Spielende vergaben sie sogar die große Chance auf den Sieg per Elfmeter.

Das eigentliche Highlight der Tour sollte jedoch am Abend folgen. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem letzten Spiel im legendären Stadion Oosterpark wurde diese Partie nun im Neubau ausgetragen. Ein würdiger Anlass, um die alte Spielstätte mit zahlreichen Aktionen zu ehren.

Rund um das Stadion erinnerten Fotos und Texte an die frühere Heimat des Vereins. Die Mannschaft lief in eigens gestalteten Sondertrikots auf, während auch die Anzeigetafel optisch an vergangene Zeiten angelehnt war. Die aktive Fanszene beteiligte sich mit großem Engagement: Vor dem Spiel wurde zu einem Fanmarsch vom Oosterpark zum Stadion aufgerufen. Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten die Fans auf nahezu allen Tribünen – Gästeblock und VIP-Bereich ausgenommen – eine beeindruckende Choreografie. Dargestellt war das berüchtigte alte Stadion, mittig das bekannte Eingangstor, unter dem sinnbildlich ein Vater mit seinem Sohn stand. Ergänzt wurde das Bild durch einen der markanten alten Flutlichtmasten. Der gezündete grüne Rauch kam dabei leider nicht ganz zur gewünschten Geltung.

Auf der Piet-Fransen-Tribüne formten hochgehaltene Pappen den Schriftzug „Oosterpark“. Auch auf der Koeman-Tribüne wurde mit Pappen gearbeitet. Unterhalb der VIP-Boxen rundeten schwenkende Fahnen in den Vereinsfarben Grün und Weiß das stimmungsvolle Gesamtbild ab.

Für einen kurzen Moment schien es, als sei der Oosterpark wieder zum Leben erwacht. Und als wollte es der Zufall so, endete auch dieses Spiel mit dem gleichen Ergebnis wie vor 20 Jahren. Groningen dominierte die Partie über weite Strecken und nutzte eine lange Überzahl konsequent, um am Ende einen souveränen 3:0-Erfolg einzufahren.

Während die Fans den Sieg noch ausgiebig feierten, verließ ich zügig das Stadion und machte mich auf den Weg zum FlixBus, der mich zurück nach Hamburg bringen sollte. (fj)

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

„62.278 FREUNDE AUF DEM BERGER FELD”

14.12.25

2. Bundesliga
Veltins Arena
Zuschauer: 62.278

GELSENKIRCHEN – Erst neulich berichtete Kollege tp begeistert vom Nebenplatz des Südstadions Haidekamp. Wenn man schon bei Nebenplätzen ins Schwärmen gerät, kann es sich fast nur um Gelsenkirchen handeln. Die “Stadt der 1000 Feuer” ist ein Paradies für alle Groundhopper, die auf der Suche nach morbidem Charme alter Sportanlagen sind. Auch mich zog es am vergangenen Sonntag in den Pott, allerdings war der Tag (mal wieder) anders geplant.

Eigentlich standen Sparta Rotterdam und AZ in den Niederlanden auf der Agenda, aber das Spiel von Alkmaar wurde verlegt. Ein vernünftiger Doppler ließ sich nicht mehr finden und so steuerte ich das Ruhrgebiet an. Kurzfristig organisierte mir Hopperkollege fw eine Karte für das “Freundschaftsspiel” zwischen Schalke und Nürnberg, danke nochmal! Vorher trafen wir uns an der Plutostraße, wo bei Kaffee die Partie verquatscht wurde. Selbstredend ist die dortige Sportanlage Tossehof mit Ascheplatz und Stufenausbau empfehlenswert.

Mit Abpfiff musste ich mich sputen, konnte aber mein Auto rechtzeitig im Stadtteil Beckhausen abstellen und lief den Rest durch das Naturschutzgebiet zur Arena auf dem Berger Feld. Nach dem Spiel kommt man von dort auch deutlich besser weg als von der östlichen Seite. Wie erwartet meldete Schalke ausverkauft und mit einem Sieg gegen die Clubberer winkte die Herbstmeisterschaft.

Auf den Rängen erwartete ich nicht unbedingt eine Riesenvorstellung, denn die Nordkurve hatte erst im Heimspiel zuvor eine fette Choreo zum 150. Stadtgeburtstag abgeliefert. Doch die Schalker belehrten mich eines Besseren: gekleidet in blauen und weißen Ponchos formte die Tribüne das Vereinswappen. Zum Einlaufen der Mannschaften hielten die Fans schwarze und rote Folien hoch und zeigten das Wappen der Nürnberger Freunde. Das Ganze lief dann ein paar Mal im Wechsel. Absolut synchron und eine starke Präsentation, Hut ab!

Die Ponchos blieben die ganze erste Halbzeit an und insbesondere bei den Hüpfeinlagen ergab das ein top Bild, wenngleich akustisch schon mehr hätte gehen können. Im Gästeblock spulten die Glubb-Fans ein solides Programm ab. Das Geschehen auf dem Rasen war dürftig, aber wen der 62.728 Freunde juckt das an so einem Tag?

Schalke gewann letztlich 1:0 und ich gönnte mir im Anschluss noch den obligatorischen Taxiteller. Mit etwas Wehmut fuhr ich zurück nach Schwechheim, denn in der “Active City” erwarten mich die zumeist trostlosen Plastikwiesen ohne Seele. Doch Gelsenkirchen sieht mich im neuen Jahr bestimmt wieder, denn die To-Do-Liste an urigen Sportplätzen ist noch lang. (hr)

SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

„VIELE FRAGEZEICHEN STATT VIER ZIFFERN“

12.12.2025
Landespokal Hamburg
Stadion Hoheluft
Zuschauer: 1.512

HAMBURG – Was wurde nicht schon alles über diese Begegnung und diese Vereine geschrieben. Das älteste Derby Deutschlands soll es sein, seit 1898. Erwin Seeler lief im Trikot der Victoria als Verräter der Arbeiterklasse auf. Altona als erster Austragungsort um die Deutsche Meisterschaft, sorgte schon 1903 für Furore. Sogar ein Spiel auf Helgoland zwischen den beiden Vereinen wurde einst ausgetragen. Aus Promo-Zwecken fand vor 101 Jahren eine Begegnung der Traditonsklubs auf der Hochseeinsel statt. Spiele auf Helgoland, die viel Aufsehen erregen, sind im Groundhopper-Kosmos ja noch gut bekannt.

Der Hamburger Klassiker – also ein Duell, das die neutralen Fußball-Fans und Atmo-Hopper anlockt wie die Motten das Licht. So war es die letzten Jahre und auch diesmal durfte „Vicky“ sich über rund 2000 Zuschauer freuen. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nämlich vom Stadionsprecher mit dem Zusatz garniert: „…und bestimmt 1000 Kindern und Jugendlichen, die freien Eintritt erhielten“. Wie dem auch sei, am Ende einigte man sich auf 1512 Personen vor Ort. Aber das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Die Holztribüne und der Gästeblock waren jedenfalls rappelvoll und das ist ja die Voraussetzung für ein stimmungsvolles Derby.

Ein stimmungsvolles Derby – so sah es vor dem Anpfiff auch aus. Beim Betreten des ehrwürdigen Grounds wurde schon eine große Zaunfahne vor dem Gästeblock mit der Aufschrift: „Die Macht von der Griegstraße“ gesichtet. Daneben versammelte sich eine Handvoll Heimfans hinter einer neuen Gruppenfahne mit der erwartungsfrohen Kunde: „Tresensport Victoria“. Während im Auswärtsblock lediglich eine Konfettikanone gezündet wurde, gab es bei „Vicky“ Rauch in den Vereinsfarben und Blinker zu sehen. 1:0 für Victoria und das nicht nur auf den Rängen, denn der Oberligist ging gegen den Regionalligisten früh in Führung und keiner konnte ahnen, dass es mit der Durchsage des Torschützen schon vorbei war mit den Highlights an diesem Abend. „Sönke Otto Karl-Heinz Meyer“ traf per Direktabnahme zum 1:0, wie der Stadionsprecher brühwarm und voller Stolz verkündete, was die Tribüne sehr erheiterte.

Victoria blieb nach der Führung gefährlicher und erstickte die lahmen Versuche der Gäste den Ausgleich zu erzielen im Keim. Da die Heimelf komfortabel in Führung lag, passierte nicht mehr viel. Die Darbietungen der Schwarz-Weiß-Roten fanden zu Beginn der zweiten Hälfte ihr Echo im Gästeblock, wo eine Choreo gestartet wurde, die auf vier Doppelhaltern das Gründungsjahr „1893“ zeigen sollte und vollkommen verhunzt wurde. Viele Fragezeichen statt vier Ziffern: Alles durcheinander, schief und krumm, dass man sich ernsthaft die Frage stellte, ob der AFC dieses „Choreo-Ding“ mit der Aktion persiflieren wollte. Auch sonst stinkte der gut besetzte Gästeblock mit mindestens 500 Fans gegen die Suff-Elite vom Lokstedter Steindamm ab, die mit einem Dutzend Leuten hinter dem Wellenbrecher mehr Eindruck hinterließ als die erprobte AFC-Szene.

Es läuft einfach aktuell nicht gut bei Altona. Dazu passt die erste Derby-Niederlage seit über 7 Jahren und das Aus im Pokal-Achtelfinale, das man nicht mehr abwenden konnte, obwohl in der Schlussphase die Zügel auf dem Kunstrasen angezogen wurden. Auch das letzte Stadtderby im April auf der AJK mit dem goldenen Tor in der Nachspielzeit war nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht sollten es die beiden Vereine mal wieder auf Helgoland versuchen… (mm)

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

„88 MAL UNBESIEGT UND DOCH SHANCENLOS“

04.12.2025
Shopee-Cup – ASEAN Club Championship
Thuwunna Stadium
Zuschauer: 201

YANGON – Reisen nach Asien verlangen dem gemeinen Hopper immer ein gewisses Maß an Geduld, Flexibilität und Leidensfähigkeit ab. Spontane Spielabsagen oder Verlegung in andere Spielorte, natürlich beides kurzfristig und häufig nicht kommuniziert, Flugverschiebungen oder auch ganze Stornierungen stehen häufig auf der Tagesordnung. Nachdem aus vorgenannten Gründen die Komplettierung der ersten Liga in Singapur scheiterte, musste man auch um den Länderpunkt Myanmar zittern, nachdem der gebuchte Flug von 4 Uhr morgens auf 13 Uhr verlegt wurde. Es blieben somit keine drei Stunden zwischen geplanter Landung und Anstoß. Um es vorwegzunehmen: Auf eines ist in Asien dann doch relativ Verlass, die Flieger heben zumeist pünktlich ab, und so war der Stempel bereits 20 Minuten vor avisierter Landung im Pass. Aber von vorn: Bereits im September fiel mir bei der Planung diese Partie im Shopee Cup ins Auge und so wurden die Flüge gebucht und das E-Visum beantragt. Hierbei empfiehlt sich rechtzeitiges Handeln, zwar wird eine Bearbeitungszeit von 7 Tagen angegeben, dies ist aber nur als Richtwert zu verstehen und hat den Einen oder Anderen schon den LP gekostet, da der Flug ohne Visum nicht angetreten werden konnte.

Der Shopee-Cup ist ein Wettbewerb mit Sponsornamen und wurde vor zwei Jahren reformiert wieder neu aufgelegt. Es ist eine internationale Meisterschaft nur für die 11 südostasiatischen Länder, es qualifizieren sich die Meister und Pokalsieger. Länder mit schwächeren Ligen, wie zum Beispiel Timor-Leste oder Brunei, durchlaufen vorher eine Qualifikation. Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils 6 Mannschaften. Die Termine sind sehr verlässlich und lassen auch eine längerfristige Planung zu. Mit Landung dauerte es dann keine 10 Minuten bis man den Grenzer von der vorhandenen Hotelbuchung und Rückflug überzeugen konnte und der Stempel geschwungen wurde. Am Airport gibt es dann die Möglichkeit eine eSim zu kaufen, welche mit ca. 8€ kein allzugroßes Loch im Reisebudget hinterlässt. Da im Land die gängigen Kartenaussteller keine Zahlungen zulassen, sollte man ausreichend Bargeld mitnehmen. Grab funktioniert mit Barzahlung einwandfrei. Der Umtauschkurs am Flughafen war deutlich besser, als vorher im Netz nachzulesen war. Es empfiehlt sich trotzdem vorerst nur kleinere Summen zu tauschen, da der Kurs in der Stadt dann doch nochmal besser ist. (1:4500 anstatt 1:3500). Es existiert zudem auch ein Schwarzmarkt mit Geldtausch aus dem Kofferraum, dieser wurde jedoch nicht genutzt; Kurse sollten hier aber nochmal besser sein. Das vorher auf Booking gebuchte Hotel konnte sogar in Euro bezahlt werden. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns vom Flughafen direkt zum Ground zu düsen. Das Gepäck gaben wir im Goal Hotel zur Verwahrung ab, wobei man hier nicht einmal unser Tipp annehmen wollte.
Das Thuwunna Stadium ist das Nationalstadion von Myanmar und neben den Länderspielen finden hier auch sämtliche internationale Clubspiele statt. Bei unserer Stadionrunde vor dem Spiel fiel uns auf, dass wir hier nicht nur eine traumhafte Gammelbude erwischt haben, sondern dass sich auch einige Menschen im Umlauf häuslich eingerichtet haben und wir gerade durch ihre Wohnzimmer spazierten.
Gastgeber am heutigen Tag war Shan United, ein professioneller Verein aus Taunggyi, im Shan-Staat von Myanmar. Der 2005 gegründete Club ist der aktuelle Ligakrösus mit 5 Meisterschaften in Folge. Auf der sehr aktuellen Instagramseite des Clubs verrät man auch mit Stolz, dass man bereits seit 88 Ligaspielen ungeschlagen ist. International reißt man jedoch keine großen Bäume aus und so gab es eine verdiente 0:3 Niederlage gegen den vietnamesischen Vertreter Nam Dinh FC, den ich bereits letztes Jahr besuchen durfte. Nam Dinh kann man getrost als Traditionsverein bezeichnen, der nicht zuletzt dank eines potenten Sponsors, der auch im offiziellen Namen wiederzufinden ist, zu alter Stärke zurückgefunden hat. So konnte man auch unter Mithilfe einiger überwiegend brasilianischer Legionäre zuletzt zwei Meistertitel in Folge feiern.

Nach dem Spiel ging es zum Hotel zum schnellen Check In und man verabredete sich mit einer Hopperlegende, die zufällig mit gleichem Ziel im Flieger saß zum Länderpunktbier. Zu Fuß ging es durch die Altstadt zur 19th Street, dem Hotspot für abendliche Aktivitäten in Yangon. Aber auch schon der Weg dorthin war ein Schmankerl: unzählige teils katzengroße Ratten, die sich zwischen schlafenden Obdachlosen und Müllbergen austobten säumten unser Weg. Auch das ist eben die Realität in einem der ärmsten Ländern der Welt und ließ einen mal wieder erden. Die andere Seite der Medaille wurde dann in der angesprochenen Partymeile vorgefunden, in der viele überwiegend junge Myanmaren die Nacht zum Tag machten. Wir schlossen uns an, genossen unser gezapftes LP Bier für umgerechnet 86 Cent und beobachteten das Treiben und die zunehmenden Alkoholleichen. 23 Uhr war dann aber in allen Läden Schluss und die Straßen waren auffallend leer auf unserem Nachhauseweg. In Myanmar hat die aktuell regierende Militärjunta eine Ausgangsperre von 0 bis 4 Uhr durchgesetzt, was auch zur Folge hat, dass die Grab App nicht funktioniert.
Der Folgetag wurde mit Sightseeing gut rumgebracht, wobei besonders die Pagoda auf jeden Fall zu empfehlen ist. Insgesamt ein sehr interessanter Aufenthalt, man ist vielen netten Menschen begegnet und die vom Auswärtigen Amt genannten Horrorszenarien können definitiv nicht bestätigt werden. Vom Landboten gibts daher eine Reiseempfehlung – natürlich ohne Haftung. (CvS)

Borussia Dortmund II – SV Elversberg

Es ist wieder soweit:
Der Freitag ist da und somit auch eine neue Ausgabe von der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (77).
Heute stellen wir die Kampfbahn Rote Erde vor, besser bekannt als Stadion Rote Erde, das sich direkt hinter der Osttribüne des Westfalenstadions befindet.
Der Begriff Rote Erde ist eine historische Bezeichnung für das Westliche Westfalen zwischen Niederrhein und Weser.
Das Stadion wurde von 1924 bis 1926 von Arbeitslosen im Rahmen von Notstandsarbeiten erbaut, und ist für mehrere Veranstaltungen erbaut wurden (Fussbal, Boxen, Leichtathletik).
1929 fand hier das Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft 1928/29 statt, zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC, das die Alte Dame mit 4:1 für sich entschied.
Die Rekordkulisse stammt vom 19.01.1948 und beträgt 46.000 Zuschauer im Oberligaspiel zwischen dem BVB und dem S04.
Die heutige Kapazität beträgt nur noch 25.000.


29.04.2023
Stadion Rote Erde
Borussia Dortmund II – SV Elversberg

Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

„CHANCENLOS IN DER HEIMISCHEN GOSEBURG“

06.12.2025
Oberliga Niedersachsen
Nachwuchs-Trainings-Zentrum Goseburg
Zuschauer: 280

LÜNEBURG – Am vergangenen Samstag fand um 14 Uhr auf dem Sportplatz in der Goseburg das Oberliga-Spiel zwischen dem Lüneburger SK und dem MTV Wolfenbüttel statt. Und das im Dezember bei 12 Grad und leichtem Regen – unfassbar, dass man bei diesen Temperaturen doch noch die Chance hat, in Norddeutschland ein Fußballspiel zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern bei den „Meckis“ – da hat man noch Eier, schrieb mal ein Redaktionskollege. Aber in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sollte man sich schon glücklich schätzen, wenn man bei diesen Außentemperaturen auf einem Rasenplatz ein Fußballspiel sehen kann. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden sich 280 Zuschauer auf der Anlage ein, davon rund 30 aus Wolfenbüttel. Auch die frisch gegründete Lüneburger Fangruppe „Salzstadt Legion“ war mit fünf Leuten vor Ort. Zu ihnen gesellten sich noch weitere 25 Fans, sodass in der „LSK-Fanecke“ ungefähr 30 Personen lauerten und sich am akustischen Support beteiligten. Schlachtrufe im englischen Stil kamen gut an, da wurde es unter der Beteiligung einiger Fans richtig laut. Bei melodischen Liedern hörte man einzig und allein den Vorsänger. Das war aber nicht nur dem Aspekt geschuldet, dass die Mitmachquote der anderen Fans bei nahezu 0% lag, sondern vielmehr an dem Aspekt, dass eben genannter Einpeitscher ein Megafon im Anschlag hatte. Ich persönlich feiere es sehr, wenn sich ein paar Jugendliche zusammentun und den örtlichen Verein supporten. Mir erschließt es aber bis heute nicht, warum man für einen Fanblock, der aus keinen zwanzig Leuten besteht, ein Megafon nutzt. Letzten Endes hört man dann nur den Menschen am Megafon – wie sollen da auch 4-5 andere Supporter dagegen anschreien? Kleine Randnotiz: Nur 400 km Luftlinie östlich von uns hat fast jeder Amateurverein eine kleine Fanszene von 20-80 Leuten. Und selbst bei 80 Leuten nutzt da keiner ein Megafon. In Polen kann man sich also noch was abgucken, ähnlich wie sich Ende der 90er die großen deutschen Ultragruppen ihre Inspirationen in Italien oder (Ex-)Jugoslawien abholten.
Sei es drum, die Jungs und Mädels geben alles, und sie sind ja auch gerade erst am Anfang ihrer hoffentlich noch langen Fankarriere.

Ein paar schwarz-weiße Fahnen haben sie auch schon am Start, und so ergab sich ein schönes Bild zum Einlaufen der Mannschaften. Die Fans waren ab diesem Moment hellwach und heiß wie Frittenfett. Ganz im Gegensatz zu der Defensivabteilung der Hausherren. Nach nur drei gespielten Minuten lag der LSK bereits zurück. „Die Abwehr pennt doch noch, da geh ich mir lieber ein Bier holen“, hörte ich von Weitem. Das muss Günther gewesen sein, LSK-Fan seit eh und je. Bereits in der 9. Minute klingelte es erneut! Günther, bewaffnet mit Bier und Wurst, hat davon wahrscheinlich nichts gesehen, gefreut hat er sich aber wie ein kleines Kind an Weihnachten. So soll’s sein, beim Amateurfußball. Davon lebt dieser geile Sport. Den Rest des Spiels umschreiben die Worte „Der eine kann nicht, der andere will nicht“ wohl am besten. Da wäre für beide Seiten mehr drin gewesen.
Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich, ins Tor wollte das runde Leder dennoch nicht.

Apropos Tor: Zur 85. Minute entfernten sich die Salzstadtlegionäre aus der Fanecke und platzierten sich hinterm Heimkeeper. Ein Spruchband mit Weihnachtsgrüßen an Fans und Mannschaft wurde ausgerollt und so wurde sich auch von den aktiven Fans gebührend in die Winterpause verabschiedet. Auf den Einsatz von Pyro wurde heute leider verzichtet, auch wenn die Gerüchteküche diesbezüglich vorm Spiel ordentlich am Brodeln war. Aber nächstes Jahr wird es sicherlich wieder heiß hergehen, ist die Salzstadt doch immer für eine Überraschung bekannt. Hier an der Ilmenau, im wunderschönen Lüneburg. (hd)

FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2

FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2

„AUF DIE SCHWEIZ IST VERLASS“

06.12.2025
Super League
Kybunpark
Zuschauer: 18.854

SANKT GALLEN – Die Anreise nach St. Gallen lief wie folgt ab: Autofahrt von Schwechheim nach Potsdam, Zugpendel via Leipzig, paar Stunden Schlaf in Berlin, Flug nach Basel, Tingelfahrt mit der Bahn über Deutschland nach Gottmadingen, Weihnachtsmarkt-Besuch in Konstanz und schließlich eine 30-minütige Zugfahrt mit der SBB nach St. Gallen, die fast so teuer war, wie alle anderen Fahrten und Flüge zusammen. Dabei hätte man noch locker im Hotel am Bahnhof in St. Gallen einchecken können. Doch die Schweizer Bundesbahn hat – wie erwähnt – ihren Preis und wartete in Konstanz nicht wenige Minuten auf die Anschlussreisenden.

Das Spiel war dadurch zum Glück nie in Gefahr, doch natürlich galt es das Gepäck vorher noch wegzubringen und das kann immer knifflig werden, wenn man es vorher nicht mehr ins Hotel schafft. Durch die spätere Bahn ging es sofort zum Stadion. Der „kybunpark“ liegt außerhalb, aber sowohl Bus- als auch Zugverbindungen bringen den Fußballkonsumenten in 5-10 Minuten zur Arena, die ein klassischer Neubau aus den 2000ern ist. Recherchen und Nachfragen hatten ergeben, dass es keine Taschenaufbewahrung gibt. Da aber eh der Umtausch von E- in Hardticket anstand, wurde an der Kasse auf doof gestellt – und siehe da: Es gibt Schließfächer. Kostenlos. Perso gegen Schlüssel. Auf die Schweiz ist eben Verlass – im Stadion wie auf der Schiene.

Nun lief die Zeit wieder gemächlich, wie den ganzen Tag über eigentlich schon. Durch die frühe Landung um 7.30 Uhr am EuroAirport in Basel gönnte man sich den Luxus bei der Anreise die „Banane“ über Deutschland zu fahren, was im Besitz des Deutschland-Tickets sehr viel Geld spart und zur Folge hatte, im südbadischen Gottmadingen auf einer alten Holztribüne noch kostenneutral Landesliga schauen zu können. Über die Schweiz wird ja immer viel gemeckert, das ist altbekannt, aber die hohen Kosten für Zugfahrten sind seit dem letzten Besuch bei den Eidgenossen irgendwie explodiert. Gut 60€ für etwas über 1h Fahrt mit der Regionalbahn an 2 Tagen oder umgerechnet gut 100 Straßenkilometer, das ist schon eine Ansage. Wenn man die moderaten Spritpreise sieht, die sich simultan zu Deutschland ziemlich genau zwischen 1 und 2 Euro bewegen, kann man das doch auch als Schweizer nicht gutheißen, für ein Massentransportmittel den zigfachen Preis wie für den Individualverkehr zu berappen.

Zum Glück wurde nicht viel Strecke auf Schweizer Gebiet zurückgelegt. Und abgesehen vom letzten verpassten Zug verlief der Tag ohne Ärgernisse. Hinein ging es in den „kybunpark“ zum Top-Spiel in der „Super League“. 25 CHF für ein Sitzplatz war hier ein mehr als fairer Kurs, doch der gebuchte Platz hinter dem Tor hatte zur Folge, dass man die Auswärtsfans nur im Seitenprofil sah und sowohl Gitterstäbe als auch Netze die Sicht auf’s Spielfeld trübten. Tickets auf den Geraden für 80 CHF waren nicht vermittelbar. Immerhin genoss man an der Ecke vom Block perfekte Sicht auf die Choreo des „Espenblocks“. Hier wurde eine Blockfahne mit „grünen Weihnachtsmännern“ passend zum Nikolaustag hochgezogen und mit Blinkern und „Schneekonfetti“ komplettiert. Sah knuffig aus und unter dem Strich überrascht die Heimkurve schon auch durch ihre Größe. Die Hintertorseite war voll, die Mitmachquote stabil und mit ihren olivgrünen Einheitsjacken gab der Espenblock ein gutes Bild ab. Auf die Schweiz ist Verlass.

Ab der Halbzeit wurden die Eingänge nicht mehr überwacht. So ging sich der zweite Abschnitt mit Frontalsicht von der Haupttribüne auf den Gästeblock aus. Über Zürich müssen wir da eigentlich nicht reden. Auch der Auswärtsblock pickepackevoll, mit viel Chaos, Lautstärke und Pyro. Dazu kam das Spiel, in dem Zürich mit gezielten, schnellen Angriffen zwei Mal in Führung ging. St. Gallen als Tabellenzweiter zunächst mit viel Mut am Ball und dem schnellen Ausgleich, doch im zweiten Abschnitt ging den Hausherren die Puste aus, das galt auch ein wenig für die Kurve. Zürich machte seine Sache nämlich wirklich gut, beschäftigte die „Espen“ in der eigenen Hälfte und hätte noch höher gewinnen können. Durch den Auswärtssieg mischt der FCZ wieder im Meisterschaftsrennen mit. Seit dem Trainerwechsel im Oktober befindet sich „Züri“ im Aufwind.

An der Spitze der Liga thront weiterhin – sensationell – der Aufsteiger aus Thun mit nun 6 Punkten Vorsprung. Doch nun, wo es Richtung Meisterschaftsrunde geht, scharren auch die großen Vereine mit den Hufen. Mittendrin liegt der FC St. Gallen weiterhin auf Rang zwei. Wenn es mit dem Titel klappen sollte, wäre es die dritte Meisterschaft in der Vereinsgeschichte und die erste seit dem Jahr 2000. Wenn es nicht klappt, wäre es auch nicht so schlimm: Auf den zweiten Titel wartete der älteste Fußballverein Kontinentaleuropas (Gründungsjahr: 1879) satte 96 Jahre. Wie gesagt: In der Schweiz sollte man viel Zeit mitbringen. (mm)

Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

„FOTOREIHE NORDDERBY“

07.12.2025
Bundesliga
Volksparkstadion
Zuschauer: 56.100 (Ausverkauft)

HAMBURG – Anmerkung der Redaktion:
Aufgrund fehlender Neutralität seitens der Berichterstatter kommt von uns zum Nordderby kein vollständiger Bericht, dafür aber überpünktlich eine Fotoreihe (hd)

SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

„BAU DIR DEINEN TAG IN DESSAU!“

29.11.2025
Verbandsliga Sachsen-Anhalt
Stadion am Schillerpark
Zuschauer: 80

DESSAU – Ein schöner Tach in… der Mitte Deutschlands sollte es am Samstag werden und der Ausgangspunkt nach dem Thüringen-Derby lautete: Weimar. Immer gab es irgendwo einen Haken. Für einen Kick in Bernau bei Berlin oder in Lauchhammer hätte man vor 6 Uhr aufstehen müssen, überall lauerte die Nebenplatzfalle und es waren kaum zwei Spiele an einem Tag aufzutreiben. Außerdem sollte der Ort ein bisschen was bieten, um in der Zeit vor und nach dem Fußball durch ’ne Altstadt zu bummeln.

Kaum hatte man sich für Dessau entschieden, verspätete sich der Zug. Informationen wurden von der DB nur tröpfchenweise herausgegeben und für den Fall der Fälle sollte es Fortuna Leipzig werden, sah Plan B vor. Doch die Bahn kam und holte sogar noch ein paar Minuten heraus. Also tingelte man über den weihnachtlichen Leipziger Hauptbahnhof und fuhr weiter nach Dessau. Irgendwie eine graue Maus, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Irgendwie mit zwei UNESCO-Weltkulturstätten aber auch interessant und eine gute Größe zum Bummeln.

Zwei Fußballspiele warteten ebenfalls in der Stadt. Das erste Spiel der Reserveteams von Dessau 97 und Empor Waldersee führte einmal quer durch das Bauhausviertel zum Sportplatz „Kienfichten“. Bau dir deinen Tag in Dessau: Damit waren schon mal zwei „Module“ eingesackt! Die Bauhaus-Geschichte ist ganz interessant und hier wimmelt es auch von gutbürgerlichen Touristen. Der fast schon kubische Gropius-Bau in der Stadt, gilt als erstes Bauwerk dieser Epoche und wurde in dieser Machart sicher zigtausende Male kopiert. Der Sportplatz von Dessau 97 hat mit Bauhaus nicht viel zu tun. Das Vereinsheim ist ein Mix aus DDR-Chic und 90er-Jahre-Interieur, konnte in Sachen Gemütlichkeit und Kaffeetafel dafür aber überzeugen. Das Spiel fand auf dem Nebenplatz statt und als wirklich nennenswerten Fakt möchte man anführen, dass die Sonne den Ground 90 Minuten in voller Montur beleuchtete.

Schön war’s an den Kienfichten. Der Schiri pfiff die Partie sogar 7 Minuten zu früh an, so dass für den knappen Fußmarsch in den Schillerpark etwas mehr Zeit blieb. Als wären die 7 Minuten ein Fingerzeig gewesen, wurde der Verbandsliga-Ground um exakt 13:53 Uhr betreten. Wie viele Minuten noch zum Anpfiff blieben, dafür ist kein abgeschlossenes Mathematik-Studium nötig. Der Fußweg betrug gute 3,5 Kilometer. Vor Ort war nicht besonders viel los und am Verkaufswagen fielen die durchaus hohen Preise auf. Bier und Bratwurst für je 4€ wurden dankend abgelehnt, doch ein Glühwein für 2€ war ein willkommener Trunk in dieser Jahreszeit.

Auf ganzer Linie überzeugen konnte aber letztlich der Ground, der mit einer pfiffigen Tribüne punktet und rundherum Stufenausbau präsentiert. Hier und da fallen Aufkleber und Schriftzüge ins Auge, die von einer Dessauer Fanszene künden und auch eine Zaunfahne hing hinter dem Tor. Von Support aber keine Spur. Ohne den gut aufgelegten Stadionsprecher („…und hier eine Durchsage für die Vertreter der Medien, Rundfunkanstalten und Zeitungen“) hätte es vor den Augen der 80 Zuschauer eine trostlose Veranstaltung werden können. Doch da war einerseits auch die Heimelf, die dem Aufsteiger aus Emseloh körperlich und technisch überlegen war, schöne Tore erzielte und höher hätte gewinnen können. Und anderseits war da „Ecki“. Ein 05-Edelfan, der nach dem Spielende auf die Tribüne gebeten und von der ganzen Mannschaft mit einem Trikot geehrt wurde, weil er im September bei einer MDR-Reportage über den SV Dessau 05 die Hauptrolle spielte. Der Clip ist in der Mediathek verfügbar und dauert nur 3 Minuten, strotzt aber vor Liebensgewürzigkeit. Eine kleine Sequenz für den Kameramann, eine große Bühne für Ecki.

Eine größere Bühne könnte es bei dem lockeren Heimsieg ja vielleicht irgendwann auch wieder für Dessau geben. Das hätte der Verein als erster FDGB-Pokalsieger und Gründungsmitglied der DDR-Oberliga sicher verdient. Zurück ging es schließlich wieder zu Fuß in das Zentrum, wo ein angenehmer Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Hier wurde sich am russischen Stand mit einer heißen Portion Borschtsch wieder Leben in den kalten Körper eingehaucht und so bestieg man am frühen Abend die Bahn nach Schwechheim.

Ein schönes Wochenende, das man sich da in Mitteldeutschland zusammengebaut hatte ging langsam zu Ende. Dessau lieferte ab und die Bahn ausnahmsweise mal auch. (mm)

NEC Nijmegen – Sparta Rotterdam – 3:1

NEC Nijmegen – Sparta Rotterdam – 3:1

„EINE MALERISCHE REISE“

29.11.2025
Eredivisie
Goffertstadion
Zuschauer: 12.650

NIJMEGEN — Vor neun Jahren und einem Monat begann die Reise mit dem ersten Länderpunkt bei Vitesse Arnheim. Am heutigen Samstag sollte es dann endlich soweit sein. Der Spielplan bot für mich die perfekte Kombination: Um 16.30 Uhr wurde bei Excelsior angepfiffen und um 21 Uhr in Nijmegen. Die beiden letzten Mosaiksteine fehlten noch für das „Big Picture“ Eredivisie. Die Kartenbeschaffung für die beiden „immer ausverkauften“ Stadien verlief problemlos. Ich kontaktierte beide Vereine, und sie hinterlegten beziehungsweise schickten mir die Tickets.

Am Nachmittag bei Excelsior lief alles reibungslos, und rund 75 Minuten vor Anpfiff kamen wir am Goffertstadion an. Dort durften wir jedoch nicht auf dem Parkplatz direkt vor dem Stadion parken, da wir natürlich kein Parkticket besaßen. Keine 15 Meter weiter fanden wir allerdings einen öffentlichen Parkplatz und zahlten für 3½ Stunden gerade einmal 40 Cent.

Glücklich und entspannt liefen wir zum Stadion, tauschten das digitale Ticket gegen ein Hardticket, holten uns ein Heineken und setzten uns genüsslich auf unsere Plätze. Auf der gegenüberliegenden Seite bemerkten wir bereits einige Vorbereitungen – dort würde es heute wohl eine Choreografie geben.

Und genauso kam es. Auf der „All Day, All Night“-Choreografie sahen wir mehrere Spraydosen, was direkt zur nächsten Aktion überleitete. Zum 20-jährigen Jubiläum der Legio Noviomagum präsentierten die Ultras zunächst einen Bilderrahmen. Etwa 20 Minuten später begannen sie, das Bild mithilfe farbiger Rauchtöpfe zu gestalten. Am Ende trat ein Fan hervor, der das Banner für die nächste Choreo hochhielt. In Absprache mit dem Verein wurde in der Halbzeit ein großes Banner über ein Tor gezogen. Es folgte die Choreografie des zuvor „gemalten“ Bildes – inklusive Pyrotechnik, die gekonnt und sicher abgebrannt wurde. Hut ab für diese Leistung der Ultras! Besonders das Sprayen während des laufenden Spiels war für mich neu und äußerst beeindruckend.

Ebenso beeindruckend war die Leistung beider Teams im ausverkauften Goffertstadion. Beide Mannschaften pressten über 90 Minuten jeden ballführenden Spieler und versuchten, alles spielerisch zu lösen. Der Tabellendritte setzte sich am Ende mit 3:1 durch, auch weil Gonzalo Crettaz mehrere sensationelle Paraden zeigte. Wäre das Spiel 6:4 ausgegangen, hätte sich wohl niemand beschwert. Es war definitiv eines der besten Eredivisie-Spiele auf meiner Reise zur Komplettierung.

Diese endet nun im schönen Goffertstadion, das zwei Besonderheiten aufweist: Es gibt 150 sogenannte „Fieldseats“, bei denen die Zuschauer direkt hinter der Bande sitzen. Außerdem konnten wir die Gästefans kaum sehen, weil die Glasscheibe nahezu undurchsichtig ist.

Nach dem Spiel ging es die 420 Kilometer zurück in die Zentrale nach Schwechheim. Passenderweise fuhren wir kurz nach der Abfahrt am GelreDome vorbei – dort, wo die Reise einst ohne Clubcard begann. Insgesamt besuchte ich 19 Spiele in der Eredivisie und habe diese ominöse Clubcard nie benötigt. Wenn man die Vereine freundlich anschreibt und ihnen sein Anliegen schildert, helfen sie in der Regel gerne. Denn unsere niederländischen Nachbarn sind keine schlechten Leute: Sie geben einem gerne mal ein Bier aus, und jeder spricht „ein bisschen Deutsch“. (mb)

Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

“BERLIN HAT BOCK AUF DIE HERTHA”

02.12.2025
DFB Pokal
Olympiastadion Berlin
Zuschauer: 51.193

BERLIN – DFB-Pokal in Deutschland. Grund genug, auch unter der Woche mal den Weg in die Hauptstadt auf sich zu nehmen. Den Arbeitstag hinter sich gebracht und rechtzeitig die Segel gestrichen. Ein Auto mit voller Besatzung aus Schwechheim nahm den kurzen Weg auf sich. Es fühlt sich schon fast wie Zuhause an, zählt es mittlerweile auch als mein zweitmeist besuchtes Stadion im deutschen-Profifußball. Das Auto wurde souverän in einer Nebenstraße abgestellt. Routiniert und zielorientiert den Weg in die blau-weiße Welt gestartet. Zuerst ging es zu den Traditions-Tickets der Herthaner. Was eine geile Aktion, für fünfzig Cent gibt es das Papierticket als Alternative für dieses trostlose print@home-Ticket des Vereins. Macht bitte weiter damit und danke für das kurze aber nette Gespräch!

Die roten Teufel aus der Pfalz mal wieder in der geschichtsträchtigen Spielstätte. Da werden wahrscheinlich nicht nur meine Erinnerungen wach, im Jahr 2024 spielten die Lautrer im Finale des Pokals gegen das Bayerkreuz. Mein erstes besuchtes Finalspiel in Deutschland, ein phänomenaler Auftritt der Jungs und Mädels vom Betzenberg. Für viele ein Highlight ihrer aktiven Fan-Karriere. Und heute? Circa 5.000 Fans nahmen den Weg unter der Woche auf sich, die ersten zwölf Minuten wurden auf beiden Seiten wie im Ligaalltag geschwiegen.

Während des Boykotts klingelte es das erste Mal im Kasten, die Alte Dame traf zum 1:0. Bitterer hätte die Partie für die Gäste kaum starten können. Nach dem wirklichen Anpfiff zum Spiel zeigte die Ostkurve die heutige Choreo: “Sehet die Fahne der alten Dame, fliehet ihr feindlichen Dämonen“. Der Startschuss war gesetzt. Ein solides Bild und ein brachialer Support der Herthaner. Wie so oft, kam es darauf an, lieferten die Fans ab. Oftmals gab es an diesem Ort Fan-Invasionen anderer großer Vereine. Die Ostkurve ist bei jedem dieser besuchten Spiele meinerseits mindestens mal konkurrenzfähig oder sogar besser. Die aktuelle Leistung stimmt, ein Lauf in der Liga und heute auf dem Platz sah es richtig gut aus. Die Angriffe und Abläufe stimmten, die Abwehr der Gäste wurde fast schon überrollt. Die Zuschauer wirkten fasziniert vom Auftritt ihrer Dame. Kurz vor dem Pausentee stand es 3:0, Marlon Ritter gelang noch der Anschluss. Ein kurzes Gefühl von erneuter Spannung bis zur 60. Minute. Hertha drehte wieder auf, die nächsten drei Tore und die Stimmung im Stadion erreichte erneut Höhepunkte. “Einer geht noch, einer geht noch rein” schallte es durch das weite und kalte Rund.

Der Mythos des Pokals lebt weiterhin, schafft es Hertha dieses Jahr bis ins Finale? Ein Traum vieler Herthaner, der sich vielleicht mal ergeben sollte. Der heutige Gast hat es vorgemacht, auch ein aktueller Zweitligist und schlafender Riese kann es verwirklichen. Mit Spannung warten wir auf die Auslosung. Für uns ging es mehr als zufrieden zurück ins Bett. 2 1/2 Stunden später erreichten wir die Heimat, hätte man ein Bezirksliga-Spiel in Lüneburg mit Anpfiff um 20:00 Uhr vor der Haustür gesehen, wären wir allesamt später zu Hause gewesen. DFB-Pokal um 18:00 Uhr, in meinen Augen eine top Anstoßzeit! (tp)

Seoul E-Land FC – Seongnam FC – 0:1

Seoul E-Land FC – Seongnam FC – 0:1

„DANKE FUSSBALLGOTT, KEIN E-LEND IN LIGA 1“

27.11.2025
K League 2 – HF Aufstiegsrelegation
Mok-Dong Stadium
Zuschauer: 2.394

SEOUL – Erst am Vortag erspähte ich im Schnellzug von Seoul nach Ulsan diese offensichtlich sehr kurzfristig angesetzte Partie zwischen dem Dritt- und Viertplatzierten der bereits beendeten Zweitligasaison. So wurde der ursprüngliche Plan, donnerstags weiter nach Pohang zu reisen, um dort die AFC CL 2-Begegnung der Steelers zu sehen, über den Haufen geworfen. Wir buchten spontan den letzten Zug aus Ulsan nach Seoul. Die Entscheidung hatte gleich aus zweierlei Gesichtspunkten Vorteile: Zwar hatten wir in Ulsan bereits eine Unterkunft gebucht, die nicht stornierbar war, jedoch hielt sich der Verlust in Grenzen, da Unterkünfte in Südkorea zumindest in unserem Reisezeitraum generell sehr günstig sind. Selbst in guten Lagen oder auch in Airportnähe findet man brauchbare Zimmer für unter 15 € p.P./Nacht. Außerdem war die Busfahrt nach dem Spiel aus Pohang zum Incheon Airport nicht online buchbar, was zu weiterem Nervenkitzel geführt hätte, ob wir unseren Abflug am Freitagmorgen überhaupt erreichen würden.

Ein weiterer Vorteil war zudem, dass wir so noch einen Tagesausflug in die DMZ machen konnten. Dieser 4 km breite Grenzstreifen zwischen den offiziell noch im Krieg befindlichen Ländern Nord- und Südkorea ist mit 25 € nicht nur bezahlbar, sondern auch absolut empfehlenswert.

Der Seoul E-Land FC wurde erst 2014 von einem liquiden Unternehmerverbund gegründet und bereits im Folgejahr in Liga zwei eingegliedert, ohne eine sportliche Qualifikation durchlaufen zu müssen. Tatsächlich hat sich in den 10 Jahren seit der Gründung eine kleine Fanbase entwickelt, und so fanden sich hinter einem der Tore ca. 150 Menschen ein, die einen sehr südamerikanisch geprägten Supportstil pflegten. Generell ist nach sechs gesehenen Kurven mein Eindruck, dass Lateinamerika als Vorbild dient, was sich sowohl in der Beflagung, den typischen Handbewegungen als auch im durchaus melodischen Liedgut, begleitet durch entsprechende Trommeln, widerspiegelt. Ansonsten war der Heimbereich eher mau besucht, was den Plastikverein aber nicht davon abhielt, einen absolut nervigen Animateur inklusive vier leicht bekleideter Damen mit Mikrophonanlage auf der Gegengerade zu platzieren, um das Publikum durch ununterbrochene Beschallung zum Klatschen zu motivieren. Fußball, wie ihn wirklich niemand braucht.

Den Seongnam FC kann man getrost als das komplette Gegenteil zum Heimverein bezeichnen. Bereits auf dem Briefkopf findet man sechs Meisterschaften, und auch in der Gästekurve war das Bild ein komplett anderes. Ca. 1.500 Schlachtenbummler versammelten sich hier und machten das Spiel über 90 Minuten mit einem grandiosen Support für uns sehr unterhaltsam und die Temperaturen um den Gefrierpunkt aushaltbar. In der 83. Minute gab es dann die komplette Eskalation, als ein Gästespieler nach einer perfekt getimten Flanke zum 0:1 einnicken konnte und wir den Torpogo des Jahres bestaunen durften.

Die Relegation wird in Korea in vier Spielen ausgetragen. Das Halbfinale spielt Platz 3 gegen Platz 4 der Abschlusstabelle, wobei dem Heimverein ein Unentschieden gereicht hätte, um das Finale zu erreichen. So darf nun Seongnam weiter hoffen, ist aber am Sonntag beim Bucheon FC zum Siegen verdammt. Auch dann ist man jedoch noch nicht aufgestiegen, das eigentliche Finale steigt dann gegen den Vorletzten der ersten Liga mit Hin- und Rückspiel. Unsere Daumen sind gedrückt.
Ergänzend ist noch zu erwähnen, dass auch der Zweitplatzierte in die Relegation muss und gegen den Drittletzten ais Liga 1 antritt.

Generell haben wir die Stadionbesuche in Südkorea als entspannt empfunden. Keine großen Sicherheitskontrollen, wobei man sogar Rucksäcke problemlos mit ins Stadion nehmen kann. Bei allen Spielen gibt es eine Tageskasse, und der Romantiker erhält ein Hardticket. Auch die Fraktion Untappd kommt auf ihre Kosten. Einzig und allein die Zuschauerzahlen waren etwas enttäuschend. Bei der Begegnung in Ulsan gegen Buriram fanden sich lediglich 2.500 Zuschauer im WM-Stadion ein, der übliche Schnitt liegt bei 18.000. Hintergrund ist, dass die AFC Champions League einen nicht ganz so großen Stellenwert besitzt, die Gegner aus Ostasien häufig uninteressant sind und der Südkoreaner seinen Fußball lieber an Samstag- oder Sonntagnachmittagen gegen den bekannten Rivalen bei Sonnenschein konsumiert.

Da es auch uns langsam zu kalt wird, freuen wir uns jetzt auf einen Temperaturunterschied von 30 Grad: Next Stop, Südostasien. (CvS)

FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

„JA, IST DENN HEUTE SCHON WEIHNACHTEN?“

28.11.2025
Regionalliga Nordost
Steigerwaldstadion
Zuschauer: 15.040

ERFURT – Es ist schon sinnvoll, sich so manches Stadion für ein besonderes Spiel aufzuheben. Nach Erfurt verschlug es mich schon einige Male, aber bisher wurde nur in der Stadt flaniert und genächtigt. Das Thüringen-Derby an einem Freitag um 20:20 Uhr und vor Ort noch über den berühmten Weihnachtsmarkt spazieren? Diesmal war das Eis gebrochen! Doch keiner wollte mitreisen. Alle waren schon mal da gewesen. Ganz klarer Plan also: Rein in den Zug und mit dem Deutschland-Ticket einmal quer durch das Land! Genächtigt wurde witzigerweise nicht in der Stadt. Während in Erfurt zur Vor-Weihnachtszeit keine Bude für unter 200€ zu kriegen war, reichten in Weimar 15 Münzen aus um ein warmes Bett zu bekommen.

Dank der gesperrten Strecke nach Berlin, beträgt die Reisezeit per Bahn von Schwechheim nach Erfurt aktuell schlanke 7 Stunden. Doch die Städte, in denen man Station macht und Umstiegszeiten von immer etwas mehr als 20 Minuten, machen die Reise erträglich. Da die Bahn sich diesmal an ihre Ankunftszeiten hielt, blieb vor dem Spiel noch genug Zeit für den Weihnachtsmarktbesuch. Erfurt wird hier seinem Ruf mehr als gerecht: Eine tolle Stadt zur Adventszeit! In der ausgedehnten Innenstadt ist genug Platz für alle, überall duftet und weihnachtet es und vor dem Dom baut sich schließlich ein Markt auf, der mit einer historischen Kulisse punktet und keine Wünsche offenlässt.

Positiv auch die Straßenbahnverbindung, die den Glühwein- und Lebkuchenkonsument in nur etwa 15 Minuten zum Stadion kutschiert. Obwohl das Steigerwaldstadion in dieser Saison eine Rekordkulisse erwartete, konnten 25 Minuten vor dem Anpfiff keine Einlassschlangen ausgemacht werden. Hinein ging es mit der „sichtbehinderten“ Karte, mit der man in der ersten Reihe wirklich gegen eine Betonwand und einen engmaschigen Zaun starrt. Irgendwo ist immer ein Plätzchen frei und so war es auch diesmal, so dass von weiter oben perfekte Sicht auf das Geschehen genossen wurde.

Die ersten 12 Minuten hätte man auch gegen die Betonwand starren können. Die Fußballer taten sich schwer und die Fans schwiegen im Steigerwaldstadion, dank der nahenden „Innenministerkonferenz“. (Bei dem Begriff sträuben sich die Nackenhaare). Nach 12 Minuten und 12 Sekunden ging das Derby langsam los. Zuerst startete Erfurt – und zwar auf den Rängen. Hinter dem Banner mit der Aufforderung an den thüringischen Innenminister, den Populismus in der Fußball-Frage zu stoppen, lugte schon sowas wie eine Choreo hervor. Und die Choreo kam. Was für eine! „Ausnahmezustand“ stand auf einer Stoffbahn. Nachdem rote Rauchtöpfe den Ausnahmezustand farblich untermalten, wurde kurze Zeit später das Silvesterfest um 33 Tage vorverlegt und es knallte minutenlang über dem dunklen Steigerwald. Ein ganz starkes Kurvenbild!

Und es sah so aus, als wenn der Auftritt die Mannschaft beflügelte. Nachdem Jena zu immer mehr Spielanteilen kam, konterte sich Erfurt nach einer halben Stunde zum 1:0. Oder besser gesagt: Der Spieler mit der Nummer 11 besorgte im Alleingang das 1:0. Drei Mann ließ Stanislav Fehler aussteigen und schob am Ende lässig zur Führung ein. Ganz klar: Diesen Abend in Erfurt zu verbringen, war gewiss kein Fehler! Nur Minuten später folgte das 2:0, ebenfalls nach einer schnellen Umschaltaktion. Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Das Derby war endlich durchgestartet und wenig später ging es auch schon wieder in die Kabine. Die Erfurter Szene feierte Silvester und Weihnachten an einem Tag – und das am 46. Geburtstag von Coach Fabian Gerber.

In der Halbzeit wurde ordentlich Bewegung im Gästeblock registriert. Mit Flatterband markierte Jena verschiedene Sektoren und ließ eine Blockfahne von oben herab. Mit dem Wiederanpfiff raschelte es minutenlang im Block, bis das Bildnis zur Seite gezogen wurde und sich die Szene in blau-gelb-weißen Ponchos präsentierte. Auch hier wieder ein starkes Motiv, unterstrichen von dem Spruch: „Diese Schlacht gewinnen wir“. Der Zeitpunkt der Choreo war allerdings denkbar ungünstig gewählt. Denn mit der Vollendung des Auftritts fiel das 3:0. Romarjo Hajrulla, der nach dem Schlusspfiff einen Platzverweis kassierte, weil er den Torwart-Trainer von Jena umnietete, drosch einen weiteren Vorstoß trocken zur vermeintlichen Vorentscheidung in die Maschen. Schweigen im Gästeblock.

Spätestens zu dem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass „der RWE“ das Derby zieht und zwar in allen Belangen. 10 Minuten später klingelte es im Erfurter Kasten nach einem sehenswerten Freistoß. Immerhin konnte man nochmal Jubel aus dem Auswärtsblock vernehmen. Erfurt spielte den Vorsprung danach ziemlich souverän runter und beschenkte sich selbst damit, dass der große Rivale im Aufstiegskampf nicht davonzog. Bei all dem Derby-Ausnahmezustand durfte man nämlich nicht vergessen, dass der Tabellendritte den Zweiten empfing und Erfurt den Vorsprung Jenas auf nun 4 Punkte verkürzen konnte. Ein echtes 6-Punktespiel also, aber ein Sieg im Thüringen-Derby lässt die Tabelle für einen Moment vergessen. (mm)

Ümraniyespor – Bodrum Belediyesi Bodrumspor – 1:0

„BILETINIAL PROBLEME ÜBER DEN DÄCHERN VON ISTANBUL“

23.11.2025
Ümraniye Belediyesi Şehir Stadyumu

1. Lig
Zuschauer: 500

    ISTANBUL — Der letzte Tag der Istanbul Tour begann mit einer kleinen Weltreise durch Istanbul. Mit der Fähre und mehreren Bussen brauchten wir knapp zwei Stunden von unserer Unterkunft am Galata Kulesi bis nach Ümraniye, und wir waren bei weitem noch nicht am Ende von Istanbul.
    Am Stadion angekommen trafen wir auf zwei weitere Deutsche, die versuchten, Karten für das Spiel zu bekommen. Normalerweise würde man mit der Passo App ganz entspannt Tickets für ein Spiel in der zweiten Liga bekommen, aber nicht bei Ümraniyespor. Denn seit kurzer Zeit müssen die Zweitligisten ihre Karten nicht mehr über Passo verkaufen, sondern können dies auch auf anderen Wegen tun. Die Karten müssen jedoch über ein Portal verkauft werden, bei dem man sich mit seinem Pass registrieren und den Account per SMS aktivieren muss. Nur kommt bei Biletinial eben nicht immer eine SMS an. Der eine Deutsche bekam einfach keine SMS zur Aktivierung und durfte deswegen tatsächlich nicht ins Stadion. Von den Ordnern und Verkäufern gibt es auch kein Mitleid. Entweder man hat bei Biletinial einen gültigen Account, oder man muss draußen bleiben. Für die Groundhopper heißt das scheußliche Duo in der Türkei also seit neuestem Passo und Biletinial.
    Wir hatten glücklicherweise gute Kontakte zum Verein und ersparten uns diesen Mist.

    Wir kamen wie alle Nicht VIPs auf die Hintertortribüne, wo sich die Ultras rechts neben uns formierten. Der Support ging rund 20 Minuten vor Anpfiff los und wurde nur für die Hymne unterbrochen. Viele jüngere Türken standen im Block und machten mit. Wer nicht ordentlich mitmachte, wurde vom Capo höchstpersönlich entfernt. Zucht und Ordnung bei Ümraniyespor!
    Auf dem Rasen wurde in den ersten 24 Minuten ebenfalls ordentlich aufgeräumt, denn sowohl bei Ümraniyespor als auch bei Bodrum musste einer duschen gehen. Zwei rote Karten nach 24 Minuten hatte ich auch noch nie. Auf ein Tor mussten wir bis zur 69. Minute warten. Der Gastgeber konnte quasi aus dem Nichts treffen und brachte dieses eine Tor über die Zeit. Warum Bodrum vor dem Spieltag Zweiter war, ist mir schleierhaft. Von denen kam gar nichts. Für Ümraniyespor waren die Punkte im Kampf um den Klassenerhalt Gold wert. Nach dem Spiel wurde noch ein Foto mit der Mannschaft und den Fans gemacht. Möglicherweise sieht man mich als Fotograf von oben.

    Das Highlight vor Ort ist natürlich die Lage des Stadions. Von der Hintertortribüne kann man die Skyline von Istanbul sehen und die anatolische Seite in ihrer vollen Pracht bestaunen. Viel mehr Panorama geht beim Fußball in Istanbul wahrscheinlich nicht.

    Der ursprüngliche Plan war, nach dem Spiel eigentlich noch zu Besiktas zu fahren, aber dort ist es nicht möglich, seinen Rucksack abzugeben. Ohne Rucksack hätten wir jedoch nicht zum Stadion fahren können, da unser Flieger um 21:55 Uhr Ortszeit abhob. Bei einem Anstoß um 17 Uhr und einem Ende kurz nach 19 Uhr ist die Zeit für einen Umweg leider nicht drin.
    Deswegen fuhren wir nicht zu Besiktas, sondern stiegen ins Taxi, um noch etwas Leckeres zu essen. Unser Taxifahrer war tatsächlich bis vor dieser Saison noch Stadionsprecher bei Ümraniyespor und zeigte uns stolz seine Fotos aus der Zeit in der Super Lig. Zufälle gibt es!
    Er lieferte uns in Kadiköy ab und dort fanden wir schnell einen Laden mit viel Fleisch. Die Grillteller wurden serviert und es war einfach nur köstlich! Ein gelungener Abschluss einer schönen Tour am Bosporus.
    Trotzdem muss man sagen, dass die Ticketbeschaffung einem die Nerven raubt. So gerne ich auch in der Türkei bin und zum Fußball gehe, aber diese Umstände sind einfach bescheiden. (mb)

    Galatasaray SK – Gençlerbirliği SK – 3:2

    Galatasaray SK – Gençlerbirliği SK – 3:2

    „PASSO-WAHNSINN AM BOSPORUS“

    22.11.2025
    RAMS Park
    Süper Lig
    Zuschauer: 44.556

    ISTANBUL — Mein Vater und ich machen jedes Jahr eine Vater- und Sohn-Tour mit Fußball, Sightseeing und ein paar leckeren Kaltgetränken. Dieses Jahr lockte uns Pegasus mit super Flugzeiten und einem fantastischen Preis von 85 Euro für Hin und Rückflug in die Türkei. Freitagmorgen landeten wir pünktlich um 05:55 Uhr in Istanbul, fuhren in die Stadt und gönnten uns erst einmal mit einem anderen Redakteur ein leckeres türkisches Frühstück. Im weiteren Verlauf des Tages besuchten wir noch ein paar Arbeitskollegen und inhalierten den einen oder anderen Raki sowie ein paar Efes auf einer Bootstour.

    Am Samstagabend sollte dann das Hauptspiel unserer Tour stattfinden: das Heimspiel von Galatasaray mit den Stars um Icardi, Sané und Gündoğan. Um Zutritt zu einem Süper-Lig-Spiel zu haben, muss man die Hürde „Passo“ meistern. Und hier wurde es dann tatsächlich mal wieder anstrengend. Drei Tage vorher kamen die Tickets in den Verkauf und natürlich konnten nur Personen mit dem Galatasaray-Logo auf ihrer Passo-Tickets kaufen. Mein Vater und ich hatten aber nur eine neutrale Passo, damit wir auch weitere Spiele besuchen können. Daher bin ich beim ersten Versuch der Beschaffung gescheitert, denn auch eine neutrale Karte kann man nicht umwandeln. Somit hieß es, schnellstmöglich zwei neue Passo-Karten mit dem Galatasaray-Logo zu besorgen. Über zwei Handys kaufte ich zeitgleich die Karten und kehrte in den Ticketshop zurück.

    Nächste Hürde: Pro Account kann nur eine Karte gekauft werden. Also blätterte ich auf beiden Handys hin und her und suchte einen Block, in dem ich zwei Plätze nebeneinander beziehungsweise übereinander fand. In Kategorie 7 von 11 wurde ich fündig und wählte parallel jeweils eine Karte aus. Eine kaufte ich mit meiner Mastercard, die andere mit der Visacard. Ein paar Minuten später waren die Karten im Warenkorb und wir waren pro Karte 102 Euro ärmer. Mir schlotterten nach dem Kauf die Knie und ich brauchte erst einmal etwas zu trinken.

    Mit der Bestellbestätigung und unseren Reisepässen ging es dann zur Kasse, und dort erhielten wir problemlos unsere Zugangsberechtigung. Da wir uns bei den hohen Kosten die volle Gala-Experience gönnen wollten, holten wir uns vorher für einen Zehner noch ein Trikot auf dem Basar und wurden auch im offiziellen GS-Shop fündig. Für uns gab es je ein T-Shirt für 11,50 Euro und für einen geschätzten Kollegen besorgte ich noch das neue Legendentrikot. Dieses ist so beliebt, dass Gala in den ersten vier Tagen schon mehr als drei Millionen Euro damit eingenommen hat!

    Mit den hohen Ticketpreisen und der ganzen Euphorie der fanatischen Fans kann man das Star-Ensemble gut bezahlen. Im Stadion liefen wir dann natürlich auch einem weiteren Deutschen in die Arme, der uns bestätigte, dass die Tickets bei Gala immer so teuer sind. Für Champions-League-Spiele gegen St. Gilloise oder Bødo Glimt muss man hier für ein normales Ticket auch mal umgerechnet 300 Tacken auf den Tisch legen.

    Nun fragt man sich natürlich, ob es sich lohnt, für 100 Euro ein Fußballspiel in der Türkei zu sehen. Ich kann dies definitiv mit „Ja“ beantworten, denn was hier auf den Rängen abging, war absolut krass.
    Zum Anpfiff erhob sich das komplette Stadion und blieb stehen. Über 90 Minuten stand das gesamte Stadion und feuerte ihre Elf lautstark an. Wenn der Gegner am Ball war, gab es jedes Mal ein Pfeifkonzert, das immer lauter wurde, je länger der Gegner am Ball blieb. Nach 22 Minuten waren jedoch alle Heimfans schockiert, denn Gençlerbirliği konnte in Führung gehen. Das Stadion war aber nur gut drei Minuten leise, denn kurz nachdem die ersten Spieler des Gastes den sterbenden Schwan spielten, war die Stimmung wieder voll da. Insgesamt acht verschiedene Spieler von Gençlerbirliği lagen in der ersten Hälfte am Boden. Was für eine Heuchlertruppe! Zur Pause musste sich jedoch etwas ändern. Ilkay Gündoğan kam rein und Gala wirkte wie ausgewechselt. Direkt zu Beginn der zweiten Hälfte drehte Gala das Spiel in wenigen Minuten und das Dach flog weg. Alter Falter, war das laut! Das Stadion bebte und nachdem ein Schauspieler der Gäste frühzeitig vom Platz musste, war eigentlich alles klar.

    Trotz Überzahl mussten alle Gala-Fans noch zittern, da Gençlerbirliği noch einmal rankam und bei Sané und co die Knie schlotterten. Der Kollege neben uns musste frühzeitig raus, da er es nicht mehr aushielt. Er war nervlich völlig am Ende. 124 Minuten nach Anpfiff konnten alle Heimfans durchatmen: Die drei Punkte blieben im RAMS Park!

    Wir gingen entspannt aus dem Stadion, bekamen sofort die erste Metro und waren keine 40 Minuten später schon in einer Bar am Hotel, wo wir uns noch zwei leckere Efes auf den gelungenen Abend gönnten.

    Es war unglaublich anzuschauen, wie spielbezogen der Support der Fans ist. Hier leidet jeder bei jedem Fehlpass mit und jeder Ballgewinn wird frenetisch gefeiert. Das 3:2 war für alle Fans eine Achterbahn der Gefühle. Vom totalen Tiefpunkt bis zum tollsten Tag ihres Lebens war in 90 Minuten alles dabei. Mega!

    Nach diesem tollen Abend waren auch alle Passo-Probleme bei uns vergessen. Wahrscheinlich gehört dieses Leiden um die Zugangsberechtigung in der Türkei für uns Ausländer einfach dazu. Die Fans leiden mit ihrer Mannschaft und wir Ausländer leiden am Handy an der Passo-App. (mb)

    Calcio Lecco – AS Cittadella – 0:1

    Calcio Lecco – AS Cittadella – 0:1

    “JEDE FEHLENDE STUNDE SCHLAF ZAHLT SICH AUS”

    23.11.2025
    Stadio Rigamonti Ceppi
    Serie C Girone A
    Zuschauer: 2.383

    LECCO – Wieder einmal wurde eine Reise zum Auswärtsspiel des eigenen Vereins inklusive Tour geplant. Das Programm drumherum wurde nochmal überdacht und am Ende des Tages zahlte es sich vollkommen aus. Ein Spiel in der Bundesliga im südlichen Raum ist perfekt für einen Sonntag in Italien. Das fahrende grüne Hotel brachte mich von München nach Mailand binnen sieben Stunden. Die Auswahl an Spielen ist in diesem Land so gut wie immer enorm hoch. Zufälligerweise stand der Besuch beim Mailänder Stadtderby zur Debatte, bei Ticketpreisen um die 180€ strich ich diese Option schnell von meiner Agenda. Hinterher mit dem Drama um das Banner der “Sodalizio” die richtige Entscheidung. Dann folgte die Terminierung der Serie C und diese Liga beschenkte mich mit einem Heimspiel am Abend vor den Toren Mailands. Perfekt, dieser Verein stand sowieso schon lange auf meiner Liste, sei es wegen des Schwärmen meines Redaktionskollegiums oder aufgrund der tollen Lage der Stadt.

    Mit meinem Vorspiel in Novara, einem weiteren Drittligisten und ehemaligen großen Club aus Italien traf ich die richtige Wahl. Wer Näheres über diesen Verein erfahren möchte, empfehle ich den Bericht vom Kollegen (hr) aus Novara. Mega Geschichte, um einen am Boden liegenden Traditionsverein. Zu früher Nachmittagsstunde trat ich also den Weg von Novara nach Lecco an, vorm Spiel wollte ich noch dem Tipp meines Kollegen nachgehen. “Pizzeria del Corso”. Herrlich, für den Norden Italiens eine hervorragende Pizza mit dünnem Teig. Die Empfehlung gebe ich gerne und mit ruhigem Gewissen weiter. Die Stadt Lecco glänzte mit einer phänomenalen Aussicht auf Wasser und Berge, selbst in der Dunkelheit versprach ich mir nicht zu viel. In den Lokalen um das Stadion herum tummeln sich die Ultras der Stadt. 45 Ospitis aus Cittadella nahmen die rund 2 1/2H Fahrt auf sich und folgten ihrem Verein. Eine herrliche Atmosphäre!

    Zum Start des Spiels zeigte eine kleine Gruppe auf der Gegengerade ein Banner, dieses kritisierte die Anstoßzeit um 20:30 Uhr an einem Sonntag. Aus meiner Sicht finde ich gerade diese Spiele geil, aber klar aus Fansicht ist es nunmal der größte Schrott. Der aktuelle Zweitplatzierte dominierte das Spiel, es gelang aber nicht ein Tor zu erzielen. Der Einsatz stimmte auf dem Platz und die Kurve brachte mein Knie zum mitschwingen. Ein herrlicher sympathischer Auftritt italienischer Ultras. So muss es sein, da vergisst der Mensch schnell, dass er bei Temperaturen um die 2 Grad eigentlich frieren müsste. Nein, die Begeisterung siegt. Wieder einmal jeder Kilometer, Verzicht auf Schlaf oder aufs eigene Bett wurde nicht bereut. “Lecco Mio” – Die Sympathie ist gesichert.

    Über das ganze Spiel vergaben die Gastgeber Chancen, kurz vorm Ende des Spiels passierte das, was in solchen Spielen immer geschieht. Heutzutage VAR-Einsatz und die Überprüfung eines möglichen Elfmeters für die Gäste. Ein paar Minuten später läuft der Schütze an und trifft ins Eck. Die Gäste führten und wussten wahrscheinlich genauso wenig wie ich, was hier gerade abgeht. Führung! In den letzten Minuten sollte der Ausgleich auch nicht mehr fallen, die Gäste gewannen drei Punkte und sicherten sich somit den Anschluss an die obere Tabellenregion. Für mich kam der Startschuss in die Unterkunft, der beliebte Rückflug aus Italien in die heimischen Gefilde stand an. Zum Glück, vergeht nicht so viel Zeit bis zum nächsten Aufenthalt im Stiefel. (tp)