FK Panevėžys – Telšių FK Džiugas – 1:1
FK Panevėžys – Telšių FK Džiugas – 1:1
„PLEITEN, PECH & PANEVĖŽYS“
03.08.2026
A Lyga
„Aukštaitijos“ Stadionas
Zuschauer: ca. 400
PANEVĖŽYS – Nach einer echten Ochsentour über mehrere Tage mit den Stationen Hannover, Berlin und Danzig ging es am Sonntag endlich in das Zielland der Reise – Litauen! Die Story von dem verpassten Flug nach Estland war gestern hier zu lesen. Eigentlich sollte der Weg einmal quer durch das Baltikum von Tallinn, über Riga nach Vilnius führen. Pustekuchen. Es kam anders. Doch der Alternativplan, mit dem Bus nach Danzig zu fahren und zwei Tage später einen Flug nach Vilnius zu buchen, rettete den litauischen Teil des Ausflugs.
Diese Anreise-Odyssee ist kein Vergleich zu 2018. Vor 8 Jahren hielt ich mich schon mal in Litauen auf. Dieser Trip war mit der längsten Busfahrt meines Lebens verbunden. 21h ging es von Sankt Petersburg nach Vilnius. Mit kleinen Stops in Tallinn und Pärnu. In Tallinn war damals von 15 Minuten Pause die Rede, doch der Bus fuhr bereits nach 5 Minuten weiter, als ich mir grad am Kiosk einen Kaffee kaufen wollte. Mein Reisegepäck war im Bus verblieben. Erfolglos sprintete ich dem Ecolines-Bomber hinterher. Als das Gefährt an einer Kreuzung verschwand, hielt ich mit wedelnden Armen einen Autofahrer an: „Follow the bus!“. Der arme Automobilist tat wie ihm befohlen, ich durfte einsteigen und er fuhr mit einem Affenzahn Richtung Riga. Fünf Minuten später hatten wir den Bus wirklich aufgegabelt. Des Rätsels Lösung war, dass zwei Bushaltestellen in Tallinn angefahren wurden und der Aufenthalt in der Stadt im Busplan zusammengezählt wurde.
Damit nicht genug. Als ich nach 21h abends endlich in Vilnius ankam – es war der Tag an dem Deutschland durch einen Freistoßtreffer von Toni Kroos bei der WM in Russland mit 2:1 gegen Schweden siegte – überprüfte ich nochmal meine Länderpunkt-Ansetzung für den nächsten Tag. Ein Spiel in der zweiten Liga sollte stattfinden und mir den LP bescheren. Doch dann der Schock: Auf der Verbandsseite stand bereits das Ergebnis der Partie. Das Spiel vom FK Trakai II wurde einfach um 24h vorgezogen – während ich im Bus durch das Baltikum rumpelte.
Da man mir in Russland zuvor das Handy geklaut hatte und ich nur noch mit einem Notfall-Smartphone vom französischen Hersteller „Alcatel“ durch die Weltgeschichte stolperte, waren meine Recherche-Möglichkeiten begrenzt. Nächsten Tag begab ich mich früh morgens zur Zentrale des litauischen Fußballverbands, die direkt an das „LFF Stadionas“ grenzt, in dem auch der FK Trakai II spielen sollte. Ich begegnete einem frisch gestylten Typen, der mich fragte was ich so früh morgens in der Verbandszentrale zu schaffen habe. Ich erzählte ihm von meinem Dilemma. Mit seiner Hilfe durchforsteten wir die Spielpläne der anstehenden Woche – und fanden keinen weiteren Kick. Es war der litauische Nationaltorwart Džiugas Bartkus, der aktuell immer noch im Bahrain aktiv ist.
Seit diesen Tagen vergingen 8 Jahre. Es war jetzt echt mal Zeit für den Länderpunkt Litauen. Und schon wieder ereigneten sich schicksalhafte Dinge. Nicht nur die Anreise ging in die Hose. Das Zielspiel am Sonntag in Vilnius wurde dank der Europapokal-Erfolge von Kaunas geskippt. Das Zalgiris-Derby fiel aus. Es blieb Panevėžys. Und auch hier war der Weg von einer kleinen Panne gepflastert. Die ging aber klar auf meine Kappe.
In Vilnius buchte ich mir zwei Nächte in einem Einzelzimmer, um dann zu merken, dass ich nach dem Abpfiff nicht mehr von Panevėžys in die Hauptstadt komme. In Litauen gehen die Uhren 1h vor. Während meine Ticker-App einen Anstoß nach dt. Zeit um 18:30 Uhr anzeigte, spuckte Google den letzten Bus nach Vilnius um 21.20 Uhr aus. Sollte ja passen, doch der Anpfiff war nach litauischer Zeit um 19:30 Uhr und Google zeigte die Bus-Abfahrt in der richtigen Zeitzone an. Pleiten, Pech & Panevėžys. Konsequenz: Am Spielort buchte ich mir ein Bett im Hostel für stolze 13€ dazu. Aber der Preis täuscht. Solltet ihr mal in der fünftgrößten Stadt Litauens stranden, gönnt euch ruhigen Gewissens ein Bettchen im Hostel gegenüber des Bus-Bahnhofs. Das war die beste Nacht der ganzen Reise.
Zu Fuß ging es schließlich quer durch die Stadt zum Stadion. Hierbei passiert man den Markt und marschiert am Wasser entlang durch die grüne Lunge der Stadt. Das städtische Konzept gefällt. Das gilt so weit auch für das Stadion und die Leute vor Ort. Während die Mitmenschen in Polen eher zu Boden schauen wenn man sich begegnet, wird man in Litauen immer mal von der Seite angeschnackt. Gerne auch auf Deutsch. Das war vor 8 Jahren schon so und auch diesmal gab es eine wirklich nette Begegnung mit einem Rentner-Ordner von Panevėžys, der „endlich mal wieder Deutsch sprechen konnte“. Ganz klar: Der Teppich war ausgerollt, dem Länderpunkt konnte an diesem Abend nichts mehr im Wege stehen.
Das Stadion ist eine kleine, runde Schüssel, wie sie früher oft jenseits der Oder stand. Eigentlich ganz gut in Schuss, doch nach vielen Jahrzehnten bröckelt der Beton. Daher wird aktuell die Sporthalle hinter dem Ground für viel Geld neugemacht. Die Bauarbeiten werden sich mindestens bis zur Haupttribüne ziehen, wo schon an der Fassade gewerkelt wird. Mal gucken wie die Bude in ein paar Jahren aussehen wird, in Litauen wird gerade viel investiert.
Hier und heute fand im „Aukštaitijos Stadionas“ jedenfalls wie eh und je ein Spiel der „A Lyga“ statt. Die 5€-Tickets wurden aus einem Auto heraus verkauft, der Andrang hielt sich in Grenzen. Dabei konnte Panevėžys vor 3 Jahren seine erste Meisterschaft feiern und holte in der vergangenen Saison den Cup. Aktuell belegt der Verein den vorletzten Rang, weist aber 7 Punkte Vorsprung auf den einzigen Abstiegsplatz auf. Džiugas auf Platz 6 hätte mit einem Sieg sogar an die Tabellenspitze springen könnne. Die „A Lyga“ endet in dieser Saison mit nur 9 Teams. Der FK Riteriai wurde wegen finanzieller Probleme und dem Fehlen einer zweiten Mannschaft im Juni mit sofortiger Wirkung aus der Liga gekickt. Der FK Riteriai entstand 2019 übrigens aus dem FK Trakai. Da wären wir wieder am Anfang.
Trotz dieser negativen Begleiterscheinungen, die der „A Lyga“ aktuell anhaften, konnten beide Teams eine ansehnliche Partie auf’s Parkett legen, die nie langweilig wurde und definitiv Profi-Niveau aufwies. Die Gäste waren mit klangvollen Spielernamen wie Bacary Sané und Andrézinho das bessere Team. Doch der FKP ging nach einer tollen Kombination in Führung und hielt diese sehr souverän bis zur Pause. Mit dem Seitenwechsel spielte nur noch eine Mannschaft: Džiugas. Drei Minuten vor Schluss gelang der Ausgleich und die etwa 30 Auswärtsfans, bei denen eine Frau das Megafon schwang, bejubelten den erkämpften Punktgewinn. Da waren die beiden Schwarzbier vom Ausschank schon lange verdaut und dem hart erkämpften Länderpunkt Litauen konnte nach dem dritten Anlauf ein gutes Zeugnis ausgestellt werden. (mm)




















