Eintracht Braunschweig – Hannover 96 – 2:0
Eintracht Braunschweig – Hannover 96 – 2:0
„DEN NOTAUSGANG IMMER IM VISIER“
25.10.2026
2. Bundesliga
Eintracht-Stadion
Zuschauer: 22.173
BRAUNSCHWEIG – Schnappatmung bei Daniela Behrens, denn das größte Derby des Bundeslandes stand am Wochenende an. Die Schnappatmung begann bei meinem Kollegen (fj) und mir bereits am frühen Sonntagmorgen. Die geplante Reiseroute änderte sich, da die Verbindung nach Uelzen ausfiel. Doch wer sich nur auf die Deutsche Bahn verlässt und keine Alternative in der Hinterhand hat, ist meines Erachtens selbst schuld. Somit ging es mit dem Redaktions-Mobil nach Uelzen, um dort anschließend in die geplante Bahn einzusteigen.
Die Medien liefen in den Tagen vor der 185. Auflage des Duells heiß: Ein Angriff auf die Braunschweiger Millennium-Halle durch Hannover. Die erste Präsentation der erbeuteten Choreografie erfolgte bereits am vergangenen Wochenende im Spiel gegen die „Freibeuter der Liga“. Für die gleiche Reisegruppe war das ein perfekter Doppler nach dem Last-Minute-Sieg der Rothosen im Volksparkstadion. Tage vor dem Spiel hingen in der Stadt Hildesheim zahlreiche Hassplakate gegen den Erzfeind der Hannoveraner. In Braunschweig hingegen wurde am Sicherheitswahn geschraubt. Das geplante Spiel zwischen der blau-gelben Zweitvertretung und Hildesheim wurde am Freitagabend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Dank meiner Arbeit schaffte ich es nicht, rechtzeitig zur Abfahrt aufzubrechen. Erst später las ich vom Zuschauerausschluss. Somit blieb mir der wenig attraktive B-Platz vorerst erspart. Für die Komplettierung der Oberliga Niedersachsen muss dieser aber noch einmal besucht werden.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Rivalität zwischen beiden Vereinen und Städten hat, bedingt durch historische Ereignisse, eine lange Geschichte. Herzog Georg von Calenberg wählte im Jahr 1636 Hannover als neue Residenz. Dies bedeutete einen herben Verlust für die Stadt Braunschweig und einen großen Attraktivitäts-Gewinn für Hannover. 1946 folgte ein weiterer Schicksalsschlag: Das Bundesland Niedersachsen entstand und Hannover wurde zur Landeshauptstadt gekürt.
Im Jahr 1973 spielten sich unglaubliche Szenen im Abstiegskampf der Bundesliga ab. Beide Vereine kämpften gegen den Abstieg. Am letzten Spieltag verlor Braunschweig mit 1:2 gegen Fortuna Düsseldorf, während die Roten gleichzeitig mit 0:4 in Wuppertal gewannen. Somit besiegelte Hannover den Abstieg des Erzfeindes – sechs Jahre nach der bisher einzigen deutschen Meisterschaft der Löwen. Im Vergleich zum Verein von der Leine zählt der BTSV zu den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga.
Ein aktuelles Thema ist der mögliche Umzug der Braunschweiger Brauerei Wolters. Aktuell wird noch geklärt, wo die nächsten Brauerzeugnisse hergestellt werden. Durch den Einstieg der Brauereigruppe TCB wird das Originalrezept fortgeführt, doch der ehemalige Standort verändert sich. Wo tatsächlich künftig gebraut wird, bleibt abzuwarten. Das wäre der nächste große Verlust für die Stadt Braunschweig.
Zwischen den Fanlagern beider Vereine gab es ebenfalls die eine oder andere provokante Aktion. Im Jahr 2013 lief ein lebendiges Schwein durch die Landeshauptstadt. Auf der einen Seite war eine 96, auf der anderen eine 1 aufgemalt. Zudem trug das Tier einen um den Hals gebundenen 96-Schal. Im Jahr 2014 kursierte in den sozialen Medien ein Foto von sechs offensichtlich vermummten Braunschweigern im Gleisbett. „Follow your Keeper“ – eine sehr brisante Anspielung auf den Tod von Robert Enke im Jahr 2009. Jahre später folgte eine Reaktion aus Hannover. Dieses Mal wurde eine 96 in den Mittelkreis des Städtischen Stadions an der Hamburger Straße eingearbeitet. Der bereits erwähnte Angriff auf die Bastelgruppe reiht sich nun ebenfalls in die lange Liste ein.
Die Brisanz entlud sich dann bereits vor dem Spiel. Der Anhang lief in den Block ein und zeigte direkt weitere Teile der Choreographie. Einen kleinen Beigeschmack hatte in meinen Augen eine Aktion auf Braunschweiger Seite, die sich als Eigentor erwies: Über die Stadionboxen erklang kurzzeitig das Lied „Seven Nation Army“. Daraufhin kam der Gästeblock in Wallung und es tönte „Alle Braunschweiger töten“ durch das Rund. Stadion-DJs, die manchmal ungewollt beliebte Lieder oder Melodien des Gastvereins spielen, sorgten bei mir für Erinnerungen an den 0:4-Derbysieg am Millerntor. Aus Nettigkeit spielten die Kiezkicker damals den legendären Song „Wer wird deutscher Meister? H-H-H-HSV!“. Ähnlich wie an diesem Tag freute sich auch damals der Gästeblock.
Einige Worte noch zu den Gegebenheiten im Stadion: Die Platzsuche gestaltete sich recht schwierig. Für perfekte Fotos ohne Sichtbehinderungen stehen nicht viele Plätze zur Verfügung. Zudem agieren die Ordner sehr kleinlich und nerven herum. In solchen Momenten liebe ich Stadien, in denen man sehr viel Bewegungsfreiheit genießen darf und nicht ständig das Notausgangsschild im Motiv hat, umso mehr. Vor allem aber kann man sich in der letzten Sitzreihe einfach hinstellen und keiner meckert, so ist es leider nicht in Braunschweig.
Auf die nächste Präsentation im Gästeblock folgte schnell das erste Tor des Tages. Max Marie traf in der 17. Minute, woraufhin der Heimblock kollektiv ausrastete. Das Derby war eröffnet, und die kämpferische Leistung der Löwen stimmte an diesem Tag. In der Südkurve erhellten Fackeln den freudigen Torjubel. Bis zum Pausentee passierte auf dem Platz jedoch nichts mehr. Die zweite Halbzeit begann mit Solidaritätsbekundungen auf der Heimseite. Auf der anderen Seite hetzte man gegen „Bullenschweine und Choreoverbote“. Anschließend wurde daraus „Choreoverluste“.
Die Hausherren schalteten in den Verwaltungsmodus und ließen die Roten immer besser ins Spiel kommen. Wirklich gefährlich wurde es allerdings nicht. Für ein Derby war das definitiv zu wenig von den Spielern der Gäste.
In der Nachspielzeit zog der Braunschweiger Sturm noch einmal an. Yann Sturm traf zum alles entscheidenden 2:0. Der Derbysieg war somit in trockenen Tüchern – der erste Erfolg der Braunschweiger seit 2024, und das immer wieder im Oktober.
Die Emotionen zwischen Block 16 und dem Auswärtsmob kochten hoch. Leuchtraketen flogen in den benachbarten Block, während der Feuerwehrmann den Wasserschlauch einfach in die Menge hielt. Nach ungefähr zehn Minuten heftiger Eskalation beruhigte sich das Schauspiel. Damit sind wir wieder beim Thema Schnappatmung angekommen. Daniela Behrens, bleib ruhig, alles im Lot! Nach der Unterbrechung dauerte es nicht mehr lange, bis der Schiedsrichter die Partie abpfiff. Somit stand fest: Der neue Trainer Sandro Wagner ist weiterhin sieglos. Mit einer derart schlechten Leistung auf dem Platz wird er in Hannover einen schweren Start haben.
Für uns ging es zurück nach Uelzen. Die Bahn sorgte für keine weitere Schnappatmung mehr, aber Yorma’s für ein gelungenes Abendessen. Ein spektakuläres Derby geht zu Ende – in der Hoffnung, dass das Rückspiel genauso ohne Beschränkungen über die Bühne geht. (tp)










