Ungarn – Ukraine – 0:1

Ungarn – Ukraine – 0:1

„HUNGRY IN HUNGARY?“

25.09.2026
UEFA Nations League – Division B
Puskás Aréna, Budapest
Zuschauer: 56.799

BUDAPEST – Nach Zwischenstopps in den Nachbarländern Slowakei, Österreich und Tschechien führte uns unser Länderspiel-Roadtrip schließlich nach Ungarn. Gemeinsam mit meiner malaysischen Begleitung ging es mit dem Auto weiter in Richtung Budapest. Unsere Unterkunft hatten wir logistisch und finanziell sinnvoll in Győr gebucht, da die rund 120 Kilometer lange Fahrt nach Budapest für einen autobahngeübten Reporter eigentlich ein Katzensprung sind.

Irgendjemand aus dem ungarischen Straßenbauamt hat es allerdings für sinnvoll erachtet, eine 45 km lange Baustelle auf dieser Strecke zu planen.
Nach gerade einmal 10 km erwähnte meine Mitfahrerin, sie müsste auf Toilette, nicht ahnend, dass es in den nächsten 1,5 h Stop-and-go-Verkehr nicht eine einzige Möglichkeit zum Austreten geben wird. Selbst ich habe den Schmerz gefühlt.

Ebenso ärgerlich, dass unsere eigentlich umfangreich geplante Sightseeingtour dadurch nun deutlich schmaler ausfiel. Das Leben, das wir wählten.

Die ungarische Hauptstadt ist für mich natürlich kein unbekanntes Terrain und gehört zu den Städten, in die man immer wieder gerne zurückkehrt. Die Donau, die historischen Gebäude und die Mischung verschiedener Architekturstile machen Budapest auch unabhängig von einem Fußballspiel zu einem äußerst lohnenswerten Reiseziel.

Nach dem Rundgang light führte uns der Weg zur Puskás Aréna. Ungarns neues Nationalstadion wurde 2019 eröffnet und ersetzte das alte Népstadion, das seit 1953 an gleicher Stelle gestanden hatte. Der Vorgänger war eng mit der goldenen Ära des ungarischen Fußballs verbunden und Schauplatz einiger der berühmtesten Spiele des Landes. So wurden 1954 unter anderem England mit 7:1 geschlagen, vor sagenhaften 92.000 Zuschauern.
Architektonisch ist die Verbindung zum alten Népstadion noch deutlich zu erkennen. Der gewaltige Ring aus Betonpfeilern rund um das Stadion wurde bewusst als Anlehnung an den Vorgänger gestaltet. Auch der ehemalige Turm blieb erhalten und beherbergt heute das Puskás-Museum. So verbindet das neue Stadion eine moderne Fußballarena mit einigen sichtbaren Erinnerungen an das Bauwerk, das hier zuvor stand.
Die Puskás Aréna bietet Platz für rund 67.000 Zuschauer. Die steilen, dreirangigen Tribünen sorgen dafür, dass man selbst in der letzten Reihe noch einen perfekten Blick auf das Geschehen hat. Auch das riesige Dach ist eine technische Besonderheit. Für den Bau wurde einer der größten Kräne der Welt eingesetzt.

Die Recherche ergab zudem ein weiteres interessantes Detail: Das Spielfeldzentrum des neuen Stadions befindet sich exakt an der Stelle, an der bereits der Mittelkreis des alten Népstadions lag. Mit diesem Wissen werden sich wohl einige Groundhopper mit fragwürdigen Prinzipien hinterfragen müssen, ob hier wirklich ein neues Kreuz gesetzt wurde. Spaß beiseite.

Im Nations-League-Spiel gegen die Ukraine wurde zwar kein neuer Zuschauerrekord gebrochen, immerhin fast 57.000 Zuschauer wollten diesen Kick nicht verpassen, darunter auch 3000 Ukrainer.
Die Nationalmannschaft Ungarns ist eine der wenigen Auswahlmannschaften, die aktiven Support aus den heimischen Fanszenen erhalten. Hier tut sich vor allem die 2009 gegründete Carpathian Brigade hervor. In ihr finden sich Anhänger verschiedener großer ungarischer Vereine wie Ferencváros, Újpest, Honvéd, Fehérvár, Debrecen und Diósgyőr. Obwohl sich einige dieser Fangruppen auf Vereinsebene erbittert rivalisieren, legen sie ihre Konflikte bei Spielen der Nationalmannschaft weitgehend beiseite und unterstützen Ungarn gemeinsam. Probleme gibt es eher im Zusammenhang mit gegnerischen Fans, der Polizei oder einzelnen Vorfällen mit verbotenen bzw. extremistischen Symbolen. Die gemeinsame Unterstützung der Nationalmannschaft ist damit eine Besonderheit der ungarischen Fußballkultur. Im Stadion präsentierten die Ultras vor dem Anpfiff ein riesiges „Magyarország“-Banner, das von hinten beleuchtet wurde. Alles in allem war der Auftritt aber durchwachsen, vielleicht lag es auch daran, dass die Messlatte nach früheren Spielen bei Ferencváros, Újpest oder auch Debrecen schon ziemlich hoch gelegt wurde.
Für meine Begleiterin bot sich natürlich ein Vergleich mit der Atmosphäre rund um Ultras Malaya, die Supporter der malaysischen Nationalmannschaft, an, die zu ihren besten Zeiten mit bis zu 10.000 Mann ebenfalls ein riesiges Potenzial entfachen konnten. Auch hier fiel das Fazit, wenn auch durch eine gesunde Portion Patriotismus geprägt, pro Malaysia aus, auch wenn es hier aktuell einen Boykott gibt (der Schwechheimer berichtete bereits).

Die lange Anreise und der schnelle Stadtrundgang hinterließen Spuren und so rückte der Anpfiff zwar immer näher, trotzdem hatten wir seit Stunden nichts gegessen. Rund um das Stadiongelände gibt es einige Möglichkeiten, um sich mit schmierigem Fraß einzudecken, unsere Wahl fiel auf Langos, für mich ein Must-eat auf jeder Ungarnreise.
Weniger hungrig waren dann die Spieler auf dem Platz. Ungarn begann zwar engagiert, bis auf ein, zwei gefährliche Situationen konnte man den ukrainischen Abwehrriegel aber nicht knacken. Die Ukrainer fanden anschließend immer besser ins Spiel und schlugen kurz vor der Halbzeit durch Danylo Sikan zu, der auch schon ein Jahr bei Hansa Rostock seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellte, wie Zweitligainsider sicher noch wissen. Die zweite Halbzeit lief weitestgehend ereignislos, bis zur 92. Minute, als ein grobes Foul zu einer hitzigen Auseinandersetzung auf dem Platz führte, die wiederum auch einige Pöbler auf den Rängen am Zaun Richtung Ukraine motivierte.
Nach dem Spiel wurde die bereits erwähnte Baustelle deutlich erfolgreicher absolviert und wir erreichten gegen Mitternacht unsere Unterkunft. (CvS)

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