SV Bergisch Gladbach 09 – SpVg Porz 1919 – 10:0

„DIE ROSINE IM BERGISCHEN LAND“

07.06.2026
Mittelrheinliga
Stadion an der Paffrather Straße
Zuschauer: 900

BERGISCH GLADBACH – Kollektiver letzter Spieltag in NRW und frei nach dem Motto: „Das Beste kommt zum Schluss“ wurde sich für den Sonntag-Nachmittag eine Rosine im Bergischen Land herausgepickt. Mit dem „Stadion an der Paffrather Straße“ wartete nicht nur ein Zehntausender darauf besucht zu werden, die Heimelf von Bergisch Gladbach 09 schickte sich an mit einem Sieg den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Ein neues RL-Kreuz kann man immer gebrauchen und so ging es am Sonntag tief in den Westen.

Fünf Spiele standen für mich an diesem Wochenende an. In vier Spielen waren Aufstiegsentscheidungen möglich. Für den Sonntag-Vormittag war noch ein Slot frei und zur Abwechslung ging es um 11 Uhr in Essen nicht nur auf einen Ascheplatz, sondern mit der DJK Eintracht Borbeck zum Letzten der letzten Liga. Satte 318 (!) Gegentore in 25 Spielen hatte sich die DJK („Deutsche Jugendkraft“) gefangen. Rund 13 Gegentore pro Spiel. Vor Ort wurde ein wunderbar-heruntergekommener Hartplatz eingeheimst. Außerdem bekamen die Anwesenden schnell mit, dass Borbeck am Vortag zum Mannschaftsabend geladen hatte. Nach nicht mal 10 Minuten stand das Spiel schon auf der Kippe. 0:1 und im Borbecker Team krachte es. Rote Karte nach Handgreiflichkeiten innerhalb der eigenen Mannschaft. Ein Mitspieler zog zudem sein Trikot aus, warf es auf den Boden und verließ das Spielfeld wutschnaubend. Die Gemüter beruhigten sich wieder und vielleicht war es ganz gut, dass die DJK „nur“ mit 0:7 verlor. Die Krönung im Spiel: Der vergebene Elfmeter für die Heimelf in der Schlussminute.

Nach dem Kick in Borbeck ging es flugs weiter ins Bergische Land. Irgendwie würde 09 das Spiel schon gewinnen, mit einem Spektakel rechnete ich nicht. Das gab’s bereits in Essen. Ein Sieg würde bei 2 Punkten Vorsprung auf den Siegburger SV definitiv für den Aufstieg reichen. Eventuell ginge auch bei einem Remis was, da der SSV zeitgleich in Merten unterwegs war. Zunächst war ich aber froh, dass ich ein Fahrrad im Kofferraum hatte. Parkplätze am Stadion waren rar, so dass ich einfach ins Stadtzentrum durchfuhr und den Weg zurück mit dem „Klappi“ antrat. Die Stadt macht ihrem Namen durchaus alle Ehre: Es geht hoch und runter. Eine Schlange am Kassenhäuschen gab es nicht. Eintritt frei. Dafür wurde offensiv um eine Registrierung in der „DKMS“ geworben – der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Deal! Fahrrad angekettet und 9€ gespart.

Hinein ging es ins Rund, das gut gefüllt war. Keine Ahnung wie der Verein vor Ort die Zuschauer gezählt hat, denn es gab keine Tickets mit Laufnummer oder sonstige Registrierungen. Ich hätte die Zahl locker auf über 1000 Zuschauer geschätzt. Wie dem auch sei, die Kulisse stimmte. Vielleicht haben sich ja 900 Personen bei der DKMS angemeldet. Das wäre ein Erfolg. Auf der Haupttribüne ein kleiner Stimmungsblock, der natürlich ziemlich weit davon entfernt ist als „Szene“ bezeichnet zu werden. Aber immerhin. Los ging das Spiel, eine „knisternde Stimmung“ lag nicht über dem Feld. Die 09er gaben den Takt vor, konnten den Gegner aber (noch) nicht an die Wand spielen. Dennoch fiel das 1:0 im Nachsetzen und auch das 2:0 um Minute 40 herum ließ den Gegner aus Köln nicht völlig demoralisiert zurück. Mit dem 3:0 zur Halbzeit war die Messe dann wohl gelesen.

Nach dem Wiederanpfiff war der Gegner augenscheinlich nicht darauf aus, das Schlimmste zu verhindern. Porz wollte den Ehrentreffer erzwingen und die Defensive war so offen wie das berühmte Scheunentor. Bereits 5 Minuten nach dem Seitenwechsel prangte ein 5:0 auf der Anzeigetafel. Am Ende gelang das zweistellige Ergebnis, auf das man am Vormittag noch am Don-Bosco-Gymnasium in Essen-Borbeck gehofft hatte. Regionalliga-Aufstieg mit einem Kreisklasse-C-Resultat. Unglaublich.

Anschließend waren alle Zuschauer auf der Rasenfläche „welcome“ und es wurde zusammen mit den Beteiligten der Titel in der Mittelrheinliga auf dem Feld gefeiert. Eine erstaunliche Veranstaltung, die ohne viel Organisation auskam. Dass kein Eintritt erhoben wurde, okay, aber nicht mal ein einziger Ordner konnte im Stadion erspäht werden. Selbst bei der DJK Eintracht Borbeck hatte sich ein biertrinkender Mann eine Ordnerweste um die Schultern geworfen. Vielleicht sind sie in Bergisch Gladbach ja naiv, doch bis dahin kann sich die Regionalliga West auf einen entspannten Verein und einen schönen Ground freuen. (mm)

VfB Zittau – VfB Weißwasser (0:1)

Die 102. Ausgabe unserer BILDERBUCHBUDE DER WOCHE führt uns heute an den Rand der Republik. Vorhang auf für das Weinauparkstadion in Zittau! Zwei Dinge sind hier besonders erwähnenswert: Keine 100m hinter der Kurve fließt die Lausitzer Neiße entlang und am anderen Ufer beginnt Polen. Und dann müssen wir über die Holztribüne sprechen: Auch wir kennen die Floskeln von den „ältesten Tribünen“. Doch was hier in Zittau steht, schlägt die Konstruktionen in Kiel, Northeim & co um Längen. Für das Weinauparkstadion ist der Bau der Tribüne für das Jahr 1894 (!) belegt. Seit über 130 Jahren steht der Fachwerkbau an der Lausitzer Neiße – die Grenze zu Polen lag im 19. Jahrhundert noch viele hundert Kilometer weiter östlich.

Wie historische Fotos zeigen, hat sich der Bau in den vielen Jahrzehnten nicht sehr groß verändert. Die Tribüne hat das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Faschismus, zwei Weltkriege und die DDR überlebt. Erstliga-Fußball bot der Standort nur vor dem Zweiten Weltkrieg. In den 1970er- und 80er-Jahren konnten mit Hilfe der Trägerschaft des LKW-Herstellers „Robur“ einige Erfolge in der DDR-Liga gefeiert werden.

Um das Jahr 2000 war der VfB fester Bestandteil der NOFV-Oberliga. Doch seit etwa 20 Jahren findet sich der Verein in den Niederungen des Lausitzer Amateurfußballs wieder. Einen Nackenschlag gab es im Jahr 2010, als der Weinaupark von einem Hochwasser geflutet wurde. Daraufhin musste ein Großteil der Sportfläche saniert werden. Neben der Tribüne ist auch ein Sprecherturm und die kultige Anzeigetafel geblieben. Die Stufen, die sich rund um das Spielfeld ziehen, schrauben die Kapazität auf eine fünfstellige Zahl. Zusammen mit dem Gästeblock dürfte das Stadion höheren Ansprüchen genügen.

Vergangene Woche feierte der VfB „Vereinsfestwoche“. Das Kreisoberliga-Spiel war daher bereits für den Vormittag terminiert. Neben üppiger Verpflegung und Bespaßung für die Kleinen, wartete am Nachmittag die Traditionsmannschaft der SG Dynamo Dresden auf die Zittauer Altherren. Der Andrang war groß, jedoch nicht am Vormittag. Zu den gewöhnlichen Ligaspielen verirren sich keine 100 Zuschauer in den Weinaupark, nicht mal wenn Feierlichkeiten anstehen. Wir hoffen, dass wir ab heute ein paar weitere Zuschauer für den VfB Zittau begeistern konnten.


30.05.2026
Weinauparkstadion, Zittau
VfB Zittau – VfB Weißwasser (0:1)

NK Čelik Zenica – FK Igman Konjic 4:0

„YOU CAN EXPECT CRAZY ATMOSPHERE”

31.05.26
Prva liga Federacije Bosne i Hercegovine
Stadion Bilino Polje
Zuschauer: 9.500

ZENICA – Wie schon im Priboj-Bericht angesprochen, wirbelte die Verschiebung der ersten Liga die Pläne kräftig durcheinander. Ansetzungen und Termine sind in Ex-Jugoslawien quasi so fragil wie die politischen Zustände. Doch ein anderes Highlight zeichnete sich schon bei der Buchung ab: zur Hinserie hatte der Traditionsverein Čelik Zenica einen komfortablen Vorsprung in der 2. Liga und stand vor der Rückkehr ins Oberhaus. Bereits damals sagte ich meinen Mitfahrern, dass wir deren Heimspiel gegen Konjic im Auge behalten sollten.

Eigenlob stinkt, aber ich sollte Recht behalten. Die Schwarz-Roten machten bereits vor zwei Wochen auswärts bei Tuzla City den Aufstieg klar. Über sechs Jahre nach der Insolvenz und dem schmerzvollen Gang in die 4. Liga kündigte der Verein eine Riesenparty im Anschluss an das letzte Heimspiel gegen Igman Konjic an.

Wir trafen gegen Nachmittag in der Stahlstadt ein und gönnten uns die letzte Fleischplatte des Wochenendes. Gefühlt war halb Zenica auf den Beinen. Die Kneipen und Cafés voller gut gelaunter Fans und im Park ließ man die ersten Böller detonieren. Die Eintrittskarten kauften wir durch den Zaun hinter der Tribüne, eben typisch Balkan.

Im Vorfeld hatten die Ultras von “Robijaši” eine Choreo angekündigt. Was dann folgte, ließ uns alle sprachlos zurück: auf der Haupttribüne stieg unter dem Motto “Čelik ist Zenica” das Vereinswappen aus einem Stahlkessel empor. Dazu gab es drei Blockfahnen, Luftballons, kleine Fahnen und ein riesiges Spruchband auf der Gegengerade. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hingucken sollte.

Dazu knallte und brannte es an allen Ecken. Egal ob Blinker, Rauchtöpfe, Bengalos oder Böller: alles wurde an diesem Nachmittag aufgeboten. Wie selbstverständlich verteilten die Ultras die Fackeln auf der Tribüne. Auch Kinder und der Stadionsprecher rissen die Teile an, ein Wahnsinn! Den Schiedsrichter ließ das alles unbeeindruckt und er pfiff trotz großer Rauchschwaden an. Eben typisch Balkan.

Als wäre das nicht genug, zündelten einige Anhänger auch auf dem Hochhaus hinter dem Tor. Es war wie im Rausch und nahm kein Ende. Auf dem Platz zeigte “Stahl” einmal mehr, wie verdient der Aufstieg ist und schickte die Gäste mit 4:0 nach Hause.

In der zweiten Halbzeit bekamen wir von einem Verantwortlichen noch jede Menge Infos zur Vereinshistorie und der gute Mann lud uns ein, nächste Saison noch einmal vorbei zu schauen. Darauf kommen wir gerne zurück, denn wie auf einem Spruchband angekündigt dürften die “Robijaši” auch in der 1. Liga für eine “crazy atmosphere” sorgen. (hr)

Mosbacher SV – SG EFC Ruhla 08 – 5:0

„BRASILIEN-VIBES IM THÜRINGER WALD“

29.05.2026
Kreisoberliga Westthüringen
Sportplatz Mosbach
Zuschauer: 351

MOSBACH – Vor gut zwei Jahren sollte im „Schwechheimer Landboten“ ein Bericht über den FC Eisenach erscheinen. Im frühsommerlichen Mai wartete der perfekte Eisenach-Tag in Westthüringen. Morgens wurde dem FSV Eintracht Eisenach im „Stadion der Freundschaft“ ein Besuch abgestattet. Ein besserer Sportplatz, aber direkt neben dem Wartburg-Stadion gelegen. Bei bestem Sonnenschein ging es anschließend rauf auf die Wartburg und wieder runter zum FC Eisenach. Der Gegner damals: Mosbacher SV. Vor zwei Jahren bereits Spitzenteam der Liga und die Konstellation im Wartburg-Stadion lautete: Letzter gegen Zweiter. Oder irgendwie so. Der perfekte Eisenach-Tag erhielt mit einem elendigen 0:0 vor einer Handvoll Zuschauer einen ordentlichen Dämpfer. Das Wartburg-Stadion ist bei jedem Grottenkick noch fotogen, aber zu schreiben gab es nix.

Die Recherche ergab wenig später nicht nur die Tatsache, beim ersten torlosen Unentschieden im Wartburg-Stadion seit 11 Jahren (!) vor Ort gewesen zu sein, sondern auch den Umstand, dass die hochfavorisierten Mosbacher nur zwei Tage zuvor im Derby gegen den EFC Ruhla auf dem Platz standen. Vor rund 500 Zuschauern feierte der MSV einen Derbysieg und die Bilder vom Feuerwerk vor der legendären Holzhütte im Langetal machten nach dem Spiel die Runde und elektrisierten auch mich. Seit diesem verhängnisvollen Tag hatte ich das Derby im Wartburgkreis auf dem Zettel, der ja auch ohne Fußballspiel immer eine Reise wert ist.

Nun war es so weit und der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können. Das Quecksilber kratzte an der 30-Grad-Marke und Mosbach auf dem Platz an der Sonne, hatte die Möglichkeit mit Schützenhilfe aufzusteigen. Den ersten 200 Zuschauern wurden „Derbykekse“ gereicht und der Sportplatz im Langetal rechnete mit einem Zuschaueransturm. Vor Ort sind kaum Parkplätze vorhanden, bereits eine knappe Stunde vor dem Anpfiff musste der Rückwärtsgang eingelegt werden. Nachdem eine Eintrittskarte für 4€ über den Tisch wanderte, genoss ich die Aussicht über den Thüringer Wald. Beim Blick in den Spielort wurde aber schnell klar, dass die kühnen Träume von Rekordkulisse und Tifo nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Die „Mosbacher Jungs“ scheinen gar nicht mehr aktiv zu sein. Der Parkplatz zwar zum Bersten gefüllt, aber bei 351 Zuschauern und dem möglichen Aufstiegsticket wäre sicher noch Luft nach oben gewesen. Ich nehme es vorweg: Das war alles gar nicht wichtig. Wichtig war auf dem Platz.

Die Kulisse sorgte dennoch für gute Laune und vor allem der Mosbacher SV tat alles dafür, dass seine Gäste zufrieden waren. 5:0 stand es nach 20 Minuten gegen den Nachbarort, der ebenfalls zu Wutha-Farnroda gehört. Ein herausgespieltes Tor war schöner als das andere und vor allem der Torjubel nach dem 3:0, mit einem Ordner, der auf das Spielfeld tanzte, bescherte uns unvergessliche Bilder. Seit der WM 2014 und dem deutschen 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien, habe ich nicht mehr so einen surrealen Spielverlauf gesehen. Zwischendurch war Mosbach in die Landesklasse aufgestiegen, doch der Konkurrent aus Vacha konnte sein Spiel am Ende mit 4:0 gewinnen. In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, diesmal wurden die guten Chancen versiebt und die Zuschauer konnten sich auf das frischgezapfte „Stupps“-Bier, die Thüringer Bratwurst und das tolle Panorama rund um den Sportplatz konzentrieren. Für den Groundhopper wurde nach dem Abpfiff immerhin noch eine Feuerwerksrakete in den dämmernden Abendhimmel geschossen.

Wie vor zwei Jahren, gab es bereits zwei Tage nach dem Derby wieder ein Spiel für Mosbach in der Kreisoberliga. In Hötzelsroda konnten die Wuthaer mit 4:0 triumphieren und den Aufstieg nun auch formell eintüten. Diesmal war die Motivation eine andere – Glückwünsche nach Mosbach! Eine persönliche Fußnote machte das Derby für uns noch unvergesslich: Nach dem Spiel fertigte ich ein Foto mit dem Kapitän der Mosbacher und meinem Sohn an und ließ die Nummer 7 in einem Tagebuch unterschreiben. Mein Sohn – Schüler der 1. Klasse – hatte morgens in der Schule „Pinguin Piet“ zugelost bekommen und musste sein Wochenende in Schrift und Bild per Reisetagebuch dokumentieren. Ausgerechnet dieser Tage stand eine Tschechien-Tour via Thüringen im Terminkalender. Mal gucken, ob seine Klassenlehrerin den Beitrag liken wird. (mm)

FSV Tostedt – SG Estetal II – 1:2

“EINE PERLE DER NATUR”

16.04.2026
1.Kreisklasse Harburg
Sportanlage Düvelshöpen
Zuschauer: 63

TOSTEDT – Es ist soweit, die unteren Ligen kicken auch wieder unter der Woche an Wochentagen. Die milderen Temperaturen erreichen den Norden der Republik. Zeit für Amateurfußball! Der Spielort liegt ziemlich mittig zwischen den beiden Hansestädten Hamburg und Bremen. Ideal, um unter der Woche nach der Arbeit dort aufzuschlagen. Passend die Lage unweit des Bahnhofs, bietet sich der Metronom dafür natürlich an.

Ehrlicherweise hatte ich diese Spielstätte nicht unbedingt auf meinem Zettel. Immerhin verfügt dieser über eine nette Tribüne hinter dem Tor. Die Umgebung wird durch das angrenzende Waldstück ergänzt. Ein schöner Anblick. Auf dem Rasen kratzt der Ball an der Grasnarbe, das Krombacher wird im herzlichen Vereinshaus verkauft. Was in meinen Augen leider als typisches “Sportplatzbier” in Norddeutschland gilt.

Das Zuschaueraufkommen ist für einen Donnerstagabend vollkommen in Ordnung. In der ersten Halbzeit sah man für die zwei Euro Eintritt ein zähes Fußballspiel. Den Führungstreffer für die Gäste hätte in der Show von “Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs” eventuell einen Platz in der Kategorie ”Kacktor” erhalten.

In der zweiten Halbzeit erhielt das Spiel neuen Schwung, die Gastgeber glichen aus und die Zuschauer erwachten. Einige Situationen zeigten den Ehrgeiz der Akteure. Das 1:2 und somit der Endstand im Spiel, die Gemüter erhitzen kurz. Erinnerungen an den Kopfstoß von Zinedine Zidane wurden wach, nach dem Pfiff des Schiedsrichters war alles aber halb so wild. Nur der Zuschauer an der Seitenlinie konnte sich nicht so wirklich beruhigen, “TÄTLICHKEIT” und: “SCHON WIEDER DIE 27”.. Den Schiedsrichter beeindruckte es natürlich wenig. Schön ist es hier in Tostedt…

Ein herrlicher Frühlingstag geht zu Ende, der Metronom liefert und das Deutschlandticket ist Gold für Groundhopper. Donnerstag, Amateurfußball und der Geruch nach dem grünen Rasen. Herrlich, falls jemand diesen Sportplatz noch nicht auf dem Radar hatte, fahrt alle nach Tostedt. (tp)

FK FAP Priboj – RFK Graficar – 3:1

“BALKAN AUF DIE 1”

29.05.2026
Prva Liga Srbije
Gradski Stadion Priboj
Zuschauer: 197

PRIBOJ – In den weiten Teilen Europas sind die Saison und die Pokalspiele bereits abgeschlossen. Die Sommerpause nähert sich langsam und auch der geneigte Groundhopper wird in seiner Routenwahl eingeschränkter. Die neu eingeführte Route aus der bekannten Kreisstadt Schwechheim nach Tuzla weckt Begierde. Grund für die Buchung war bis April ebenso die “Terminierung” des Derbys in Sarajevo und des Derbys in Mostar. Zeitgleich an einem Wochenende, das viele Fußball-Touristen aus ihren Nestern bringt. Durch die Teilnahme Bosniens an der WM setzte man lieber nochmal ein Testspiel in Sarajevo an, zu Gast die Nationalelf aus Mazedonien. Der Spieltag der ersten Liga wurde somit vorgezogen. Balkan eben, damit darf gerechnet werden. Den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für mich nicht infrage, dafür mag ich diese Region viel zu sehr. Zeitgleich wird das Bewusstsein gestärkt, was für gesicherte Verhältnisse wir in unserem oft so kritisierten Deutschland haben. DFL & CO leisten hinsichtlich Terminvergabe gute und verlässliche Arbeit. Als Beispiel: Der angesetzte Verlegungs-Spieltag wurde am Sonntag, 24.05.2026 über die Verbandsseite angesetzt und einen Tag später rollte der Ball im Sarajevo Derby und bei Široki Brijeg.

Somit hieß es 2-3 Tage vor unserem geplanten Abflug zu entscheiden, was möglich ist. Der serbische Verband setzte unsere Alternative perfekt Freitag, um 17:00 Uhr an. 11:00 Uhr war die geplante Landung, dank freundlichen Leuten wurde ich am Mietwagen-Schalter vorgelassen und hatte somit schnell die Schlüssel in der Hand. Was unser Vorhaben spannend gestaltet, war natürlich die Ungewissheit an der bosnisch-serbischen Grenze. Der Grenzübergang in Karakaj lief innerhalb von 35 Minuten für Ein- und Ausreise fast schon zu schnell. Perfekt, die restlichen 3 ½ Stunden Fahrt entlang durch wunderbare serbische Landschaften bereitete dem Fahrer eine Menge Spaß. Auf der Rückbank sprach der Mitfahrer von dem Gefühl einer Achterbahnfahrt. Ich werte dies als Lob an die Redaktion.

In dem kleinen Ort an der Lim bietet das Gradski Stadion Priboj laut Europlan eine Kapazität für 10.000 Zuschauern. Ein riesiger Klotz für diese Stadt. Mittlerweile wurden die Haupttribüne und die Gegengerade bestuhlt und erneuert. Ein Dach gab es für die Haupttribüne. Das Geld fließt in dieser kleinen Stadt. Das Panorama bleibt 1A mit Sternchen. Hinter der Anzeigetafel fließt der Fluss, die modernen Toilettenhäuschen gleichen Skandinavien und zählen für mich wohl zu den besten Stadiontoiletten ich Osteuropas. Die Zuschauerzahl ist fast schon überdurchschnittlich gut für einen Kick in Serbien. Bei den Temperaturen um 25 Grad durfte natürlich keiner Wasser mit ins Stadion bringen. Einen Verkaufsstand bot der Verein selbstverständlich auch nicht an. Liebe für den Balkan!

Die einheimischen Spieler verabschiedeten sich würdevoll von ihrem Heimpublikum. Auf dem schwierigen Geläuf war es ein ansehnlicher Kick. Der Sieg brachte dennoch nicht die Wende und der Abstieg aus der zweiten Liga Serbiens war eine beschlossene Sache. FAP stimmte unsere Gemüter dennoch zufrieden und die Anreise über die bosnisch/serbischen Landstraßen war es wert. Nach Abpfiff ging es noch in Ћевабџиница Реле in Priboj. Besonders das “Komplet Lepinja” blieb in Erinnerung. Brot gefüllt mit Ei und dazu wird eine leckere Bratensauce serviert, spektakulär und richtig lecker.

Zurück nach Bosnien ging es erneut über die Landesgrenze, unseren knapp 7-stündigen Aufenthalt fanden die Grenzbeamten so spannend, dass diese unser Gepäck und Auto einmal komplett kontrollieren wollten. Vier gutaussehende junge Männer, kurze Einreise und schnelle Ausreise. Die perfekten Bedingungen, um uns mal eben kurz zu nerven. Verschenkte Arbeitszeit für die Kontrolleure am Ende. Unsere Route durfte fortgeführt werden. Auch das ist eben der Balkan und lief ja relativ entspannt ab. Zur Hauptreisezeit im Sommer habe ich das schon anders erlebt. Den Balkan auf die EINS! (sl)