Qingdao Hainiu FC – Tianjin Jinmen Tiger FC – 0:2

Qingdao Hainiu FC – Tianjin Jinmen Tiger FC – 0:2

“DIE GÄSTE MAUERN SICH ZUM SIEG”

25.07.2026
Chinese Super League
Qingdao Youth Football Stadium
Zuschauer: 35.363 (offiziell)

QINGDAO – Der Sommerurlaub beim Redakteur (tp) startet. Die Reiserouten der letzten Jahre können sich sehen lassen: mit dem Auto zum Nordkap, im nächsten Jahr Skandinavien/Baltikum Tour mit Kollege (hd), darauffolgend eine Autotour mit (fj) auf den Balkan bis zum Endziel Griechenland und im letzten Jahr erneut mit Kollege (fj) nach Südamerika. Da ist es wirklich schade, dass ich erst seit so kurzer Zeit regelmäßig Berichte meiner Touren schreibe. Die erste Station außerhalb Europas ist dieser Bericht. Generell möchte ich mit dieser Aufzählung nur erwähnen, welches Glück wir und einige unserer Leser haben, uns oft solche großen und vor allem viele Reisen überhaupt leisten zu können. Das sollten wir alle nie vergessen.

Auf dem Hinweg baute ich via Gabelflug einen Tag Aufenthalt in Finnland ein. Für mich ein Stück Erde, das ich damals auf dem Weg zum Nordkap als Länderpunkt eingetütet habe. Immerhin fand dieses Spiel in Kemi statt, passte damals natürlich perfekt rein. Der fade Beigeschmack: Testspiel. Mit dem Besuch bei “LePa” in Helsinki hakte ich dieses Land nun endgültig ab. Es wird sicherlich noch einmal ein Besuch dazu kommen. Besonders zur finnischen Mittagszeit gibt es viele Restaurants, die auf Buffet setzen. Der Vorteil hierbei ist, dass der Preis von 13-16 Euro oft die Salatbar und/oder die Getränke beinhaltet.

Am Donnerstagabend ging es dann via “China Southern Airlines” von Helsinki direkt nach Beijing. Von kaum einem anderen Land hört man in der Groundhopper-Gemeinde unterschiedlichere Berichte von Horror- bis Liebhaberstorys. Ich war gespannt und ließ mich auf das Treiben ein. Die Maschine, die mich zu den Dumplings brachte, war nicht einmal mit 50% der Plätze belegt. So konnte ich mich quer legen und fast den ganzen Flug lang meine Augen schonen.

Da mein Aufenthalt in der Hauptstadt nicht allzu lang sein sollte, am Anreisetag aber nunmal kein Fußball anstand, schrieb ich mir die Mauer auf meine To-Do Liste. Bei der Landung zur Ortszeit um 09:40 am PKX Airport wird es schwierig eine organisierte Tour zu finden. Diese starten leider alle sehr früh. Der Nachteil dabei: Kostengünstiger sind diese definitiv.

Somit machte ich mich auf eigene Faust auf den Weg dorthin, ich suchte mir den Abschnitt in Badaling heraus. Von der Metro-Station “Future Science City North” sind es nur rund 45 Minuten Autofahrt bis zum kostenfreien Bus-Shuttle. Das Metro-Netz in Peking ist schon beeindruckend, den Fahrkartenautomaten kann man auf Englisch umstellen. Dennoch bewaffnete ich mich mit einem “alten” Kartenplan. Die Metrofahrt aus dem Süden der Stadt kostete knapp unter einem Euro. Gegen Nachmittag kam ich dann endlich an und war schlichtweg fasziniert.

In meinem Bekanntenkreis gelte ich oft als Kulturbanause, doch hier war ich echt baff. Das ist schon ganz hohe Klasse. Nebenbei laufen viele Besucher die Treppen auf und ab. Das Handy natürlich immer in der Hand. Nebenbei hoffte ich nur, dass keiner stürzt und mich oder andere mitreißt. Das ist schon der Wahnsinn, unsere Medienkultur dagegen ist gesittet. Also an alle Eltern: Gebt euren Kindern wieder mehr Handys. Den Rückweg trat ich spontan in einem Reisebus an, der mich für immerhin umgerechnet 6 Euro ins Stadtzentrum brachte.

Am Folgetag startete meine Reise quasi so richtig. Urlaub ohne Stress ist für mich kein Urlaub. Von daher, wie es der Reiseplan so ergibt, hatten die heimischen Vereine in Peking kein Heimspiel. Somit buchte ich mir über trip.com den Fernzug Richtung Qingdao. Meine erste Adresse im chinesischen Fußball. Von meiner Unterkunft lief ich keine 20 Minuten zur Beijing South Railway Station. Zunächst die Sicherheitskontrolle vor dem Betreten des Bahnhofsgebäude ähnlich wie an einem Flughafen. Ende vom Lied: Das besagte Einchecken und die Suche nach dem richtigen Gleis wusste mein Reiseanbieter schon bei Buchung und es änderte sich tatsächlich auch nicht. Zu viel Leid bin ich wohl aus Deutschland gewohnt. Mein Reisepass gilt hier als Ticket, ohne Buchung ist es unmöglich in den Bahnhof zu gelangen. Das System ist definitiv nicht verkehrt. Fünf Minuten dauerte das Prozedere grob gerechnet.

Nach den fast 4 Stunden Fahrzeit ging es fix in die Unterkunft, Rucksack wegbringen und auf in die wilde Schlacht um den Länderpunkt. Von der Metro-Station machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Stadion, durch den nächstgelegenen Olympiapark. Bei den Olympischen Spiele im Jahr 2008 war die Stadt Qingdao Gastgeber für die Segelwettbewerbe. Anschließend noch ein einheimisches Tsingtao-Bier auf Stühlen und Tischen die so hoch waren wie meine Knie. Ich kann es nur mögen hier.

Bei der Organisation der Tickets wurde mir von zwei bekannten Nasen aus der Heimat geholfen. Vielen Dank dafür. Über Wechat folgte ich dem Verein und behielt die Ticketinfos im Blick. Als es soweit war, konnte ich zunächst für 78 CNY mein Ticket in den Warenkorb legen. Das Problem aber war, dass ich meinen Reisepass in meinem Account nicht mit dem Ticket verknüpfen konnte. Somit half mir jemand, der über seinen Wechat-Account dasselbe tat und am Ende meinen Reisepass mit dem Ticket verknüpfte. Das funktionierte komischerweise im ersten Anlauf. Am Einlass dann lediglich den QR-Code über Wechat scannen, den Reisepass zur Kontrolle vorzeigen und freundlich in die Kamera gucken. Das Licht leuchtet grün und ich bekomme einen ausgedruckten Kassenbon mit Datum, Spiel, Block und meinem Namen ausgehändigt. Moderne Technik, immerhin funktioniert es!

Das erbaute Stadion ähnelt dem Leipziger Zentralstadion, zumindest habe ich es damit direkt verbunden. Das Kellerduell Vorletzter gegen den Drittletzten versprach von Anfang an nicht die große Spannung. Die Anzahl an Auswärtsfahrern überraschte mich dennoch ein wenig, denn der Gästeblock war gut gefüllt. Auch auf der Heimseite präsentierte sich die Tribüne in einer ansehnlichen Form. Teile der Gesänge sorgten schon für einen guten Wumms im weiten Rund. Für mich ein angenehmer Start ins Land der Mauer. Bei Temperaturen um die 32 Grad und leichten Wind war es ein schöner Sommerabend.

Zum Spiel: Dem Einheimischen neben mir fiel es schwer, die Augen offenzuhalten. In der ersten Halbzeit passiert nicht viel bis zum 0:1 der Gastmannschaft. Der laute Jubel der angereisten Fans weckte ihn aus seinem Schlaf. Zum Pausentee zog es die Massen unter die Tribüne zu den Verpflegungsständen. Alkoholfreies Bier und sonstige Getränke sind bei den Temperaturen eine sinnvolle Erfrischung. Unter einem Euro bekommt man alles, was das Herz begehrt. Vor dem Stadion stehen ausreichend Auswahlmöglichkeiten an Streetfood. Hungrig geht hier niemand ins Stadion. Mit Wiederanpfiff wurden die Gastgeber aktiver, dennoch vergaben sie teilweise sehr ansehnliche Chancen. Wie der Fußball es will: kurz vor der Nachspielzeit fällt das 0:2, der Stecker ist gezogen. Der Drei-Punkte Vorsprung wurde verspielt.

Mit dem kostenfreien Shuttle ging es nach Abpfiff zur nächstgelegenen Metro-Station. Die knappen 45 Minuten Fahrt zurück ins Zentrum standen an. In der schönen Innenstadt gab es noch ein paar Länderpunkt-Biere. Urlaub ist eben auch mal Urlaub. Danke an China für diese Erfahrung! (tp)

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