T&T Club Motijheel – Bangladesh Boys Club – 1:0

T&T Club Motijheel – Bangladesh Boys Club – 1:0

„AUCH EIN MOLOCH HAT EINE MENSCHLICHE SEITE“

03.01.2026
Dhaka Senior Division League
Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium
Zuschauer: 50

DHAKA – Die Hauptstadt von Bangladesch dürfte nicht nur bei Groundhoppern eher weiter unten auf der Wunschliste stehen, gilt sie doch als dreckigste Stadt der Welt. Doch günstige Flugverbindungen mit Stopp in Bahrain führten mich und (tp) in Versuchung und so drückten wir Ende November den Buchungsknopf.

Nach der Landung wurden für die Einreise 50 USD fällig. Das ganze Prozedere war schon recht chaotisch und nur ein Vorgeschmack auf das, was uns vor der Ankunftshalle erwartete.

Dort drängten sich Menschenmassen und die bewaffnete Polizei bildete ein Spalier, damit die Fluggäste überhaupt rauskommen konnten. Draußen steigt einem sofort ein beißender Geruch aus Abgasen in die Nase. Es kratzt im Hals und man muss husten. Dazu ein Höllenlärm durch die hupenden Autos, abgeranzten Busse und Auto-Rikschas in den verstopften Straßen. An vielen Stellen liegt Müll herum.

Wir liefen erst einmal weg vom Airport, fanden aber nach kurzer Zeit eine Auto-Rikscha zum Hotel. Unter Mithilfe der Einheimischen wurde dem Fahrer der Weg gezeigt und mit den Worten „It’s OK, not too much“ sein Fahrpreis bestätigt. Hier zeigte sich zum ersten Mal die menschliche Seite dieser Megacity. Komplett erschlagen von den Eindrücken fielen wir drei Stunden nach der Landung ins Bett.

Am nächsten Morgen lief alles zunächst entspannt. Uber funktionierte und brachte uns mit relativ wenig Stau zum „Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. Der Fluss neben der Straße glich einer Kloake und die Sichtweite betrug durch den Smog vielleicht 100 Meter. Ich hatte mit Manila erst neulich eine sehr dreckige Stadt gesehen und auch bei meinen ersten China-Reisen vor über 10 Jahren einiges erlebt, aber Dhaka toppt leider alles.

Trotz der schwierigen Lebensumstände waren auch hier die Menschen freundlich und neugierig. Der Trainer vom T&T Club erzählte, dass der Kunstrasen erst vor zwei Monaten verlegt wurde. Seitdem werden hier alle Spiele der „Dhaka Senior Division League“ ausgetragen.

Das Stadion mit seinen zwei großen Stehkurven mitten im Großstadtchaos wirkte surreal. Zudem wohnten einige Familien in der Haupttribüne und Kinder nutzten das Areal als Spielplatz. Sportlich wertvoll war die Partie eher weniger. Der Star war hier ganz klar der Ground. Und wie sollte es auch anders sein trafen wir noch einen weiteren Hopper aus Schwechheim, Grüße gehen raus!

Tatsächlich absolvierten wir an diesem Tag sogar noch einen Doppler. Etwa zwei Stunden nördlich von Dhaka in Gazipur traf in der „Premier League“ die Polizeimannschaft auf Rahmatganj. Es gab sogar eine Eintrittskarte und die Ränge in dem Cricketground füllten sich mit zunehmender Dauer immer weiter.

Nach dem Spiel bahnten wir uns mit Auto-Rikschas in Etappen den Rückweg in den Moloch, da kein Uber-Fahrer annehmen wollte. Auch hier vermittelten die Einheimischen. Der letzte Fahrer sorgte mit seiner spektakulären Fahrweise abermals für einen erhöhten Puls. Beim Anfahren machte sein Gefährt wie ein bengalischer Tiger einen Satz nach vorne und landete immer beinahe im Heck des Vordermanns, aber nur fast. Dhaka eben.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich schon wieder im klimatisierten Airport auf dem Rückweg nach Deutschland. Bei aller Kritik an den Zuständen bei uns hat mir der Ausflug nach Dhaka erneut gezeigt, wie gut wir es immer noch haben. (hr)