FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

„JA, IST DENN HEUTE SCHON WEIHNACHTEN?“

28.11.2025
Regionalliga Nordost
Steigerwaldstadion
Zuschauer: 15.040

ERFURT – Es ist schon sinnvoll, sich so manches Stadion für ein besonderes Spiel aufzuheben. Nach Erfurt verschlug es mich schon einige Male, aber bisher wurde nur in der Stadt flaniert und genächtigt. Das Thüringen-Derby an einem Freitag um 20:20 Uhr und vor Ort noch über den berühmten Weihnachtsmarkt spazieren? Diesmal war das Eis gebrochen! Doch keiner wollte mitreisen. Alle waren schon mal da gewesen. Ganz klarer Plan also: Rein in den Zug und mit dem Deutschland-Ticket einmal quer durch das Land! Genächtigt wurde witzigerweise nicht in der Stadt. Während in Erfurt zur Vor-Weihnachtszeit keine Bude für unter 200€ zu kriegen war, reichten in Weimar 15 Münzen aus um ein warmes Bett zu bekommen.

Dank der gesperrten Strecke nach Berlin, beträgt die Reisezeit per Bahn von Schwechheim nach Erfurt aktuell schlanke 7 Stunden. Doch die Städte, in denen man Station macht und Umstiegszeiten von immer etwas mehr als 20 Minuten, machen die Reise erträglich. Da die Bahn sich diesmal an ihre Ankunftszeiten hielt, blieb vor dem Spiel noch genug Zeit für den Weihnachtsmarktbesuch. Erfurt wird hier seinem Ruf mehr als gerecht: Eine tolle Stadt zur Adventszeit! In der ausgedehnten Innenstadt ist genug Platz für alle, überall duftet und weihnachtet es und vor dem Dom baut sich schließlich ein Markt auf, der mit einer historischen Kulisse punktet und keine Wünsche offenlässt.

Positiv auch die Straßenbahnverbindung, die den Glühwein- und Lebkuchenkonsument in nur etwa 15 Minuten zum Stadion kutschiert. Obwohl das Steigerwaldstadion in dieser Saison eine Rekordkulisse erwartete, konnten 25 Minuten vor dem Anpfiff keine Einlassschlangen ausgemacht werden. Hinein ging es mit der „sichtbehinderten“ Karte, mit der man in der ersten Reihe wirklich gegen eine Betonwand und einen engmaschigen Zaun starrt. Irgendwo ist immer ein Plätzchen frei und so war es auch diesmal, so dass von weiter oben perfekte Sicht auf das Geschehen genossen wurde.

Die ersten 12 Minuten hätte man auch gegen die Betonwand starren können. Die Fußballer taten sich schwer und die Fans schwiegen im Steigerwaldstadion, dank der nahenden „Innenministerkonferenz“. (Bei dem Begriff sträuben sich die Nackenhaare). Nach 12 Minuten und 12 Sekunden ging das Derby langsam los. Zuerst startete Erfurt – und zwar auf den Rängen. Hinter dem Banner mit der Aufforderung an den thüringischen Innenminister, den Populismus in der Fußball-Frage zu stoppen, lugte schon sowas wie eine Choreo hervor. Und die Choreo kam. Was für eine! „Ausnahmezustand“ stand auf einer Stoffbahn. Nachdem rote Rauchtöpfe den Ausnahmezustand farblich untermalten, wurde kurze Zeit später das Silvesterfest um 33 Tage vorverlegt und es knallte minutenlang über dem dunklen Steigerwald. Ein ganz starkes Kurvenbild!

Und es sah so aus, als wenn der Auftritt die Mannschaft beflügelte. Nachdem Jena zu immer mehr Spielanteilen kam, konterte sich Erfurt nach einer halben Stunde zum 1:0. Oder besser gesagt: Der Spieler mit der Nummer 11 besorgte im Alleingang das 1:0. Drei Mann ließ Stanislav Fehler aussteigen und schob am Ende lässig zur Führung ein. Ganz klar: Diesen Abend in Erfurt zu verbringen, war gewiss kein Fehler! Nur Minuten später folgte das 2:0, ebenfalls nach einer schnellen Umschaltaktion. Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Das Derby war endlich durchgestartet und wenig später ging es auch schon wieder in die Kabine. Die Erfurter Szene feierte Silvester und Weihnachten an einem Tag – und das am 46. Geburtstag von Coach Fabian Gerber.

In der Halbzeit wurde ordentlich Bewegung im Gästeblock registriert. Mit Flatterband markierte Jena verschiedene Sektoren und ließ eine Blockfahne von oben herab. Mit dem Wiederanpfiff raschelte es minutenlang im Block, bis das Bildnis zur Seite gezogen wurde und sich die Szene in blau-gelb-weißen Ponchos präsentierte. Auch hier wieder ein starkes Motiv, unterstrichen von dem Spruch: „Diese Schlacht gewinnen wir“. Der Zeitpunkt der Choreo war allerdings denkbar ungünstig gewählt. Denn mit der Vollendung des Auftritts fiel das 3:0. Romarjo Hajrulla, der nach dem Schlusspfiff einen Platzverweis kassierte, weil er den Torwart-Trainer von Jena umnietete, drosch einen weiteren Vorstoß trocken zur vermeintlichen Vorentscheidung in die Maschen. Schweigen im Gästeblock.

Spätestens zu dem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass „der RWE“ das Derby zieht und zwar in allen Belangen. 10 Minuten später klingelte es im Erfurter Kasten nach einem sehenswerten Freistoß. Immerhin konnte man nochmal Jubel aus dem Auswärtsblock vernehmen. Erfurt spielte den Vorsprung danach ziemlich souverän runter und beschenkte sich selbst damit, dass der große Rivale im Aufstiegskampf nicht davonzog. Bei all dem Derby-Ausnahmezustand durfte man nämlich nicht vergessen, dass der Tabellendritte den Zweiten empfing und Erfurt den Vorsprung Jenas auf nun 4 Punkte verkürzen konnte. Ein echtes 6-Punktespiel also, aber ein Sieg im Thüringen-Derby lässt die Tabelle für einen Moment vergessen. (mm)

BSG Chemie Leipzig – FC Rot-Weiß Erfurt – 0:3

BSG Chemie Leipzig – FC Rot-Weiß Erfurt – 0:3

“LEUTZSCHER LICHTER AM FREITAGABEND“

14.03.2025
Regionalliga Nordost
Alfred-Kunze-Sportpark
Zuschauer: 4.999

LEIPZIG – Bei der Terminierung für dieses Wochenende zeigte sich die DFL besonders kreativ und legte eine der weitesten Auswärtsfahrten der Saison auf Sonntag um 17.30 Uhr. Und dann noch Heidenheim…aber wie heißt es im Schwechheimer Land in solchen Momenten: „nützt ja nichts.“ Mit norddeutschem Pragmatismus ging es an die Tourplanung, um das Ganze aufzupeppen. Schnell fand sich mit dem Flutlichtspiel in Leipzig ein guter Auftakt plus drei Spiele am Samstag im tschechisch-bayerischen Grenzgebiet. Top!

Am Freitagmorgen wachte ich zwar nicht wie in einem bekannten Fangesang der Chemiker mit Kopfweh auf, dafür aber mit einer fetten Erkältung. Da half nur das bekannte Rezept von Redakteurskollege hd in Form einer Dose Bihunsuppe, die mit Chili ordentlich nachgewürzt wird. „So scharf, dass du es kaum essen kannst. Das zieht dir alles raus!“ Danach ging es mir schon besser und es konnte losgehen. Schnell noch Kollege nh eingesammelt und ab auf die Bahn. Ohne Probleme erreichten wir pünktlich Leipzig und es blieb noch Zeit für einen Schmierdöner, bevor es in den altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark ging.

Dort angekommen wichen wir galant der Hopperkasse aus und nahmen auf den Holzbänken der Tribüne Platz. Das gesamte Stadion atmet Geschichte und das ist in diesem Fall nicht einfach daher gesagt. Ich könnte viel zur Historie schreiben, aber ehrlicherweise wären das zusammengeklaubte Textbausteine. Für mich war allein schon die unaufgeregte Präsentation ohne dröhnende Chartmucke und Sponsorenansagen eine wohltuende Alternative zum Einerlei in vielen Stadien.

In der Zwischenzeit wurde sich auf dem Norddamm unter den Fahnen fleißig umgezogen und damit war klar, dass es ein geiler Abend werden würde. Kurz nach Anpfiff gingen die ersten grünen Lichter in Leutzsch an. Nachdem sich der Nebel verzogen hatte, sorgten die Diablos für ordentlich Betrieb im ausverkauften AKS. Die Kreativität beim Liedgut ist außergewöhnlich und teilweise zogen auch die anderen Fans gut mit. Auch in der zweiten Halbzeit wurden immer wieder Fackeln angerissen. Dazu gab es ein Spruchband in Solidarität mit den französischen Ultragruppen, denen ein Verbot droht.

Auf der Gegenseite verzichteten die Erfordia Ultras auf Pyrotechnik, aber der Gästeblock blieb 90 Minuten in Bewegung und hielt im Rahmen der Möglichkeiten dagegen. Spätestens nach dem zweiten Treffer und dem Platzverweis gegen Kaymaz gelang das natürlich besser und mit dem 0:3 durch Wolf war der Deckel drauf. Unterm Strich ein runder Fußballabend und gerne komme ich für ein Spiel unter Flutlicht noch einmal nach Leutzsch! (hr)

FC Carl Zeiss Jena – FC Rot-Weiß Erfurt – 1:0

FC Carl Zeiss Jena – FC Rot-Weiß Erfurt – 1:0

12.09.2024
Landespokal Thüringen
Achtelfinale
Ernst-Abbe-Sportfeld
Zuschauer: 12.430

„DERBYZEIT IN THÜRINGEN – SCHON WIEDER!“

JENA – Bereits im vergangenen Monat berichtete der Schwechheimer Landbote über das Derby in Jena. Dank des Losglücks trafen die Rivalen nun im Achtelfinale des Thüringer Landespokals erneut aufeinander.

Im Gegensatz zum letzten Spiel wurde die Anreise diesmal mit der Deutschen Bahn organisiert. Pünktlich wie ein Uhrwerk erreichten wir das Paradies in Jena. Kaum aus dem Zug ausgestiegen, hörte man schon den Fanmarsch der Jenaer Anhänger. „ALLE IN BLAU“ lautete der Aufruf aus der Südkurve. Überall, von den Kiosk-Bereichen über Stromkästen bis hin zu Laternenpfählen, war der Slogan zu lesen.

Schließlich begaben wir uns auf den Weg zum modernen Ernst-Abbe-Sportfeld. Zuletzt hatte ich das Stadion 2015 in seinem alten Zustand besucht, als der Hamburger SV sich blamierte und mit 3:2 (n.V.) aus dem DFB-Pokal ausschied.

Wie bereits im letzten Bericht vom Schwechheimer Landboten aus Jena erwähnt, hat das Stadion einiges an Charme verloren und hebt sich kaum von anderen aktuellen Arenen ab. Dennoch war das Thüringen-Derby Grund genug die Reise anzutreten.

Bereits vor dem Anpfiff sorgte die kreative Abteilung der Erfurter Ultras für eine optische Aufwertung des Gästebereichs. Neben einem übergemalten FCC-Bild im Mundloch wurde auch im Bereich über dem Gästeblock gearbeitet. Die fünf Initialen: F, C, R, W, E wurden abwechselnd in Rot und Weiß an die Wand tapeziert. In nur 30 Minuten wurde das Kunstwerk vollendet.

Ähnlich beeindruckend war das Intro der Gästefans. Im italienischen Stil wurden zahlreiche Fahnen geschwenkt und RWE-Doppelhalter präsentiert. Zudem zündete man mehrere rote Fackeln, was für ein eindrucksvolles Gesamtbild sorgte, während der Gesang der Fans eher brachial klang.
Ein großes Highlight war der Gesang: „Erfurt – Halle – nur Kaputte“.

Auch die Südkurve bot ein ansprechendes Bild. Zum Intro präsentierte man die Ziffern „FUSSBALLCLUB CARL ZEISS“ im Block. Jeder Fan zeigte seinen Schal, und viele blaue Fahnen wurden geschwenkt. Auch während des Spiels war das Bild in der Kurve ein Genuss: Zahlreiche Fahnen und Doppelhalter, dazu melodische Lieder, die italienische Gefühle hervorriefen.

Zum Auftakt der zweiten Halbzeit zündeten auch die Jenaer Fans zum Ärger ihres nervigen Stadionsprechers Pyrotechnik in Form von gelbem Rauch und hellen Fackeln. Während des Spiels wurden im gesamten Stadion, vor allem aus dem Gästeblock, lautstark Böller gezündet. Immer wieder kletterten motivierte Erfurter Fans auf den Zaun, um die benachbarten Jenaer Anhänger zu provozieren. Doch diese blieben unbeeindruckt und ignorierten die Provokationen.

So war es schließlich Carl-Zeiss-Spieler Muqaj, der für den lautesten Auftritt des Tages sorgte, als er in der 72. Spielminute das 1:0 erzielte. Zwar blieb den Erfurtern ein weiteres Debakel erspart und sie begegneten sich im ersten Durchgang auf Augenhöhe. Dennoch konnte die erneute Niederlage im Derby nicht verhindert werden.

Die FCC-Fans feierten ihren Sieg erneut mit dem Banner: „DIE NUMMER 1 IM LAND SIND WIR – IHR TRÄUMER.“ Die nächste Gelegenheit zur Revanche bietet sich Erfurt dann im Februar im eigenen Stadion. (fj)

FC Carl Zeiss Jena – FC Rot-Weiß Erfurt – 5:1

FC Carl Zeiss Jena – FC Rot-Weiß Erfurt – 5:1

04.09.2024
Regionalliga Nordost
FC Carl Zeiss Jena – FC Rot-Weiß Erfurt – 5:1
Zuschauer: 12.432

“DERBYZEIT IN THÜRINGEN”

JENA – Nachdem meine Tour über’n Balkan nach 3 Wochen sein Ende fand, ging es am Mittwochmittag ins schöne Bundesland Thüringen. Es stand das Derby von Carl Zeiss gegen den Konkurrenten aus Erfurt an. Die Anreise beinhaltete 4 ½ Stunden Autofahrt, es gab schon deutlich schlimmeres auf einem Mittwoch. Über die meiner Meinung nach wenig attraktivste Autobahn Deutschlands (A24) über Berlin und Leipzig bis nach Jena. Die Situation um das Stadion herum als überschaubar eingestuft und fix wurde das Auto gegen eine kleine Parkgebühr abgestellt. Positiv hervorzuheben ist das Print@home Ticket wurde erfolgreich gegen ein “echtes” Ticket getauscht, für Sammler eben dieser heiß begehrten Tickets ein voller Erfolg.

Das Stadion in Jena wurde im Juli 2024 nach einem Umbau neu eröffnet. Die Fanszene von Carl Zeiss möchte unbedingt ihren ehemaligen Standort in der Südkurve behalten und steht im neuen Stadion direkt neben dem Gästeblock in der Südkurve. Somit ist es der gleiche Standort wie im alten Stadion, Traditionen sollte man pflegen. Das Stadion an sich hat sowieso schon viel zu viel Charme verloren durch den Ersatz von einem 0815-Neubau.

Das Derby warf seine Schatten weit vorher voraus, zuerst die unglückliche Umplanung des Verbandes von Sonntagnachmittag auf Mittwoch 17:00 Uhr, um es dann später nochmal auf Mittwoch 19:00 Uhr anzusetzen. Verwirrung und Unverständnis wahrscheinlich bei vielen Interessenten des Fußballs, für unsere Reisetruppe wahrscheinlich dennoch das Beste. Zudem wechselten in der letzten Transferperiode zwei Spieler vom Gegner FC Rot-Weiß Erfurt nach Jena. Der Spieler Erik Weinhauer hat heute seinen 11. Saisontreffer erzielt. Erik Seidemann traf heute ebenso gegen seinen ehemaligen Verein zum 5:1 Endstand. Die beiden Spieler jubelten verhältnismäßig ruhig, ob das wirklich echt ist, dürfen andere bewerten. Vereinswechsel zwischen Derbygegnern habe ich persönlich noch nie verstanden. Nach dem Sieg ist der FC Carl Zeiss Jena mit 18 Punkten aus 6 Spielen aktueller Tabellenführer in der Regionalliga.

Auf den Rängen gaben beide Fanszenen ein solides Bild ab, die Gäste aus Erfurt mit dem absoluten Gassenhauer “Vorwärts Vorwärts FC Rot-Weiß Erfurt” auf die Melodie von Abba “Super Trouper“ – Potential für den Ohrwurm der Woche ist hier definitiv vorhanden. Die Heimseite ging auf unserer Seite ein wenig unter, Schuld war hier eher die Entfernung, in der zweiten Halbzeit gab es eine sehenswerte Pyroshow und danach immer wieder vereinzelte Fackeln im Heimbereich. Der deutliche Derbysieg wurde mit dem Banner “Die Nummer 1 im Land sind wir – Ihr Träumer” gefeiert.

Sollte Jena es über die komplette Saison schaffen, oben mitzuspielen, geht es in die Aufstiegsrelegation gegen ein Team aus der Regionalliga Nord. Die Spannung bleibt bestehen, ein Besuch der beiden Vereine aus Jena oder Erfurt lohnt sich akustisch allemal. Ein Gewinn für die dritte Liga wäre ein Aufstieg von Jena sicherlich, besser als jegliche Zweitvertretungen. (tp)