1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV – 1:1

1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV – 1:1

        „HARDCORE-FREITAG IN MAINZ“

        20.02.2026
        Bundesliga
        Stadion am Europakreisel
        Zuschauer: 33.305

        MAINZ – Der glorreiche HSV gastierte erstmals nach 8,5 Jahren mal wieder in Mainz. Grund genug für eine kleine Reise nach Rheinhessen. Mitfahrgelegenheiten ab Schwechheim sollte es genug geben und so quetschte man sich am Freitag-Nachmittag in ein HSV-Taxi Richtung Süddeutschland.

        Ohne größere Zwischenfälle rollte der Kleinwagen vom Kollegen (mb) am frühen Abend in der Landeshauptstadt ein. Das galt aber längst nicht für alle Gäste aus dem Norden – denn die Partie fand dank einer Stau-Problematik seitens der HSV-Belegeschaft mit zehnminütiger Verspätung statt. Zuvor war die Reisegruppe über Feld- und Wiesenwege bis zum Europakreisel vorgedrungen. Das gleichnamige Stadion liegt im Nirgendwo, wird aber immerhin von der Straßenbahn bedient. Vor Ort kommt mit vielen Schwarzmarkt- und Bierdosenhändlern allerdings durchaus Bundesliga-Feeling auf. Das Stadion selbst ist eigentlich auch ganz in Ordnung und wirklich nah ans Spielfeld getackert. Die rote Bestrahlung erleuchtet den Mainzer Abendhimmel, was noch bis weit hinter die Stadtgrenze zu sehen ist. Das hat man schon liebloser in dieser Liga gesehen.

        Lieblos wie gehabt aber die Polizei. Um weiterhin negative Schlagzeilen mit Bezug zu Fußballfans zu produzieren, fahren die sogenannten Ordnungshüter eine neue „Hardcore-Linie“. Die aktuellen Zahlen der „Zentralen Informationstelle Sporteinsätze“ (ZIS) und das Debakel rund um die „Innenministerkonferenz“, schmecken den Beamten scheinbar gar nicht. Bad News müssen her. Diesmal erwischte es die HSV-Choreo, die laut Augenzeugenberichten von der Nordtribüne im Matsch vor dem Stadion ausgebreitet werden sollte, was an mehreren Faktoren scheiterte. Also gab es nur eine Huldigung per Spruchband für „Kult-Masseur“ Hermann Rieger, der unter der Woche seinen 12. Todestag verzeichnete. Davon ab konnte der HSV trotzdem 90 Minuten gut am Quirl drehen und nahm insgesamt nicht nur die ganze Hintertorseite, sondern fast ein Drittel des Stadions ein.

        An den Fans lag es also nicht, dass Hamburg in Rückstand geriet. Eher an Nadiem Amiri, dem Unterschiedsspieler beim Karnevalsverein. Auch die Fanszene der 05er ließ sich in der Fassnachtswoche nicht lumpen und zündete permanent Pyro. Los ging es mit einem Intro aus gelben und roten Fackeln, später brannten immer wieder einzelne Bengalos. Das Publikum in Mainz mag eher „gutbürgerlich“ rüberkommen, die Kurve aber konnte an diesem Abend vortrefflich abliefern.

        Abliefern konnte schließlich auch der HSV. Spielerisch ist da zwar nach wie vor viel Luft nach oben, physisch und mental ist die Truppe aber mehr als präsent und dazu jetzt 6 Spiele hintereinander ungeschlagen. Da kann auch mal ein abgefälschter Freistoß über die Linie trudeln. Nicht mal Dominik Kohr kann diese Mannschaft aktuell aufhalten. Der „Hardkohr“-Vorstopper bekam seine 105. Verwarnung im Oberhaus verpasst und löst damit Stefan Effenberg als Spitzenreiter der ewigen Sünderkartei in der Bundesliga ab. Ohne seine sofortige Auswechslung nach einem neuerlichen Foul, wäre für Hamburg eventuell sogar mehr drin gewesen. (mm)

        Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

        Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

        „DIE LEDERHOSEN HÄNGEN AUF HALBMAST“

        31.01.2026
        Bundesliga
        Volksparkstadion
        Zuschauer: 57.000

        HAMBURG — Die Bundesliga hat sieben Jahre auf den Nord-Süd-Klassiker gewartet und im September war es in München wieder soweit. Vor dem Abstieg des Hamburger Sportvereins gab es in der Allianz Arena regelmäßig sehr eindeutige Ergebnisse, so auch im September. Mit dem 5:0 waren die Gäste noch sehr gut bedient. Wenn man sich die Statistik genauer anguckt, waren die Ergebnisse in Hamburg deutlich enger als in München. Dies war eigentlich auch die einzige Hoffnung der Hamburger, gegen die Übermacht aus München standzuhalten.

        Bei eisigen Minusgraden ging es ins ausverkaufte Volksparkstadion. Die Mannschaften wurden zum Warmmachen von ihren Lagern gefeiert und die Schickeria baute währenddessen ihre Choreographie auf. Auf Hamburger Seite gab es „nur“ ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Verantwortung bleibt“. Ein Hinweis auf die Gedenkaktion für die Opfer des Nationalsozialismus. Als neutraler Beobachter ist dies für das erste Samstag 18:30 Uhr Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga ein bisschen dürftig. Aber beschweren will ich mich hier ausdrücklich nicht, denn die Ultras der Heimseite hatten letzte Woche ihr Derby auf St. Pauli und zauberten gleich zwei Choreographien hervor. Dazu muss man auch noch sagen, die Jungs machen dies in ihrer Freizeit und opfern viele Stunden, damit der Rest ein Foto knipsen kann.

        Somit sahen die Zuschauer ein großes FC Bayern Logo und dazu ein paar farblich passende Zettel. Leider verpassten ein paar Leute ihren Einsatz, wodurch die Choreographie ein bisschen unsauber aussah.

        Gepeitscht vom lautstarken Publikum kämpfte sich der Gastgeber in die Partie. Die Devise war, den Gegner mit vielen kleinen Nicklichkeiten zur Weißglut zu bringen und die Bayern nicht ins Spiel kommen zu lassen. Während auf der Nordtribüne quasi durchgehend ein paar Fackeln angezündet wurden, spielten die Hamburger stark auf. Nach 34 Minuten explodierte das Volksparkstadion das erste Mal. Remberg fädelte bei Kimmich sehr geschickt ein und Fabio Vieira traf vom Punkt. Die Freude hielt aber nicht lange, denn Harry Kane konnte acht Minuten später den Ausgleich erzielen.

        Die Fans im Gästeblock sahen das 1:2 direkt nach der Pause nicht, da die Schickeria eine gut organisierte Pyroshow aufs Parkett legte. Es gibt viele Hater gegenüber dieser Gruppierung, aber trotz der Probleme mit der Vereinsführung lieferten sie diese Saison optisch ab.

        Wer sich einige Spiele der Bayern anguckt, weiß, dass dieser Spielverlauf immer gleich abläuft. Bayern dreht das Spiel und gewinnt am Ende klar und deutlich. Nicht aber heute, denn der HSV hat ein Juwel in der Innenverteidigung. Luka Vuskovic räumt nicht nur hinten alles ab, sondern erzielt auch regelmäßig Tore. In Minute 53 köpfte er das Leder in typischer Stürmermanier in die Maschen. Extase im Volksparkstadion. Als „Kind der Bundesliga“ muss man eigentlich traurig sein, dass so ein guter junger Spieler nächste Saison zu 99,9 Prozent in der Premier League spielt.

        Mit der Euphorie des Tores erspielten sich die Hamburger noch ein bis zwei riesige Torchancen, aber Davies verhinderte das sichere 3:2 für die Gastgeber. In den letzten 20 Minuten spielten nur noch die Bayern, aber die HSVer warfen sich in jeden Ball und verteidigten das Remis mit Mann und Maus. Ein bisschen Glück war auch dabei, denn wenn der Schiedsrichter einen anderen Blickwinkel auf zwei Aktionen gehabt hätte, dann wäre für die Bayern auch ein Elfmeter in der Schlussphase drin gewesen.

        Unterm Strich ging das Remis aber in Ordnung. Der Sieger waren die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen, denn sie haben einen packenden Klassiker gesehen. So macht die Bundesliga Spaß.

        Nach dem Spiel gab es in den Katakomben noch ein paar völlig unnötige Aufreger von den Bayern Spezis aufgrund der „schlechten“ Schiedsrichterleistung. Die Kimmichs und Kanes sollten vielleicht mal lernen, mit einem Dämpfer umzugehen. Immer wenn sie nicht ihren Willen durchkriegen, wird geweint. Das verbessert den Eindruck auf die Bayern auch nicht. Seht es sportlich, die Lederhosen wurden nicht ausgezogen, sondern hängen nur auf Halbmast. (mb)

        FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

        FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

        „AUẞER SPESEN NICHTS GEWESEN“

        23.01.2026
        Bundesliga
        Stadion Millerntor
        Zuschauer: 29.083

        HAMBURG – Keine Punktlasten auf dem Dach und das Schneelastenbegrenzungskonzept spielte zum Glück keine Rolle mehr, obwohl sich auf dem Heiligengeistfeld noch große Schneetürme befanden: Das 113. Stadtderby zwischen St. Pauli und dem HSV konnte ausgetragen werden, trotz eisiger Minustemperaturen. 14 Tage zuvor waren beide Heimspiele der Hamburger Vereine dem Winter zum Opfer gefallen. Im Nachhinein wäre eine Absage vielleicht sogar die Rettung für das Derby gewesen, denn irgendwie hatten die kräftigen Minustemperaturen schon Einfluss auf das Spiel. Eine Austragung im März und die ganze Geschichte hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen.

        Dabei war alles angerichtet für einen schönen Fußball-Abend. Dank einiger „subunternehmerischer Tätigkeiten“ bei einem großen Hamburger Fußballmedium, das sich vor allem mit Marktwert-Analysen beschäftigt, durfte ich diesmal den „Ballsaal“ auf der Südtribüne betreten. Dort konnte man sich getrost die Jacke ausziehen und der Weg zum gepolsterten Sitzplatz war mit Delikatessen wie Pulled-Pork-Burgern und Königsberger Klopsen gepflastert. Die beiden Redaktionskollegen auf der Haupttribüne und im Gästeblock lieferten diesmal die besseren Fotos ab, froren sich aber den Arsch ab.

        10 Minuten vor dem Anpiff auf den teuren Plätzen angekommen, war ich plötzlich Teil der Pauli-Choreo. Daher ging es schnell an den Rand, auch wenn die Heim-Choreo verborgen blieb, war der Blick ins Stadion wieder hergestellt. Der HSV erzeugte ein Kurvenbild mit blau-weißen Elementen. Bei Pauli gab’s ein übergroßes Wappen und ein bisschen Feuer. Solide, aber für ein Derby eher Magerkost. Dasselbe galt für das Spiel. Verletzungspausen und behäbiges Aufbauspiel prägten den ersten Abschnitt. Plötzlich war eine halbe Stunde rum – und die Rivalen hatten die „Abtastphase“ noch immer nicht beendet. Beide Teams befinden sich in einer Formkrise und keine Mannschaft war willens, diese Krise zu beenden. Böse Zungen behaupten: Der Winterschlaf im Hamburger Fußball sei noch immer nicht beendet.

        In der zweiten Halbzeit wurde es aber tatsächlich besser. Die Choreos auf den beiden Hintertorseiten konnten überzeugen. Das schönere Bild gaben die Gäste ab, dafür krachte es bei St. Pauli im Block ein bisschen mehr. Auch auf dem Rasen schalteten die Akteure einen Gang höher. Es deutete sich ein Übergewicht vom HSV an, aber in der kurzen Druckphase erspielte sich die Polzin-Elf zu wenig zwingende Chancen. Daher ist es im Nachhinein wirklich kein Ruhmesblatt, dass die Rothosen mit ihrer ungefährlichen Dominanz die noch schwächere Kiezelf quasi aufbauten. Am Ende lag das Chancenplus bei St. Pauli. Aber alles nicht nennenswert. Das einzig gerechte Ergebnis lautete: 0:0. Die bittere Wahrheit, die vor dem Spiel schon herumgeisterte. Außer Spesen nichts gewesen. Nie traf dieser Spruch besser zu als an diesem Abend.

        Mit dem Abpfiff blieb das Stadion mucksmäuschenstill. Nach diesem Gekicke waren beide Fanblöcke sprachlos und vermutlich komplett durchgefroren. Irgendwie haben die Vereine zur Zeit mit sich selbst zu kämpfen. Bei dem fantasielosen Fußball und der Tabellensituation kein Wunder. Sollte am Ende zumindest ein Hamburger Erstligist den Gang in die Zweite Liga antreten, dürfte es beim Wettanbieter des Vertrauens keinen allzu großen Erlös für diesen Tipp geben. Das ist auch ok. Jetzt heißt es erstmal wieder: Kraft tanken und dann trifft man sich irgendwann zum Derby wieder. Wenn die Formkurve nach oben zeigt. Und es wieder wärmer ist. (mm)

        Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

        Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

        „FOTOREIHE NORDDERBY“

        07.12.2025
        Bundesliga
        Volksparkstadion
        Zuschauer: 56.100 (Ausverkauft)

        HAMBURG – Anmerkung der Redaktion:
        Aufgrund fehlender Neutralität seitens der Berichterstatter kommt von uns zum Nordderby kein vollständiger Bericht, dafür aber überpünktlich eine Fotoreihe (hd)

        FC Augsburg – Hamburger SV – 1:0

        FC Augsburg – Hamburger SV – 1:0

        “IN DEN FARBEN GETRENNT – IN DER SACHE VEREINT”

        22.11.2025
        Bundesliga
        WWK Arena
        Zuschauer: 30.660

        AUGSBURG – Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr führte mich der Weg in die Fuggerstadt am Lech. Nachdem im Mai das schöne Rosenaustadion, die alte Heimat des FC Augsburg, besucht worden war, ging es nun zum fünften Mal in den „Baumarkt“ des FCA. Jedes Mal handelte es sich um das Spiel FC Augsburg – HSV, und nur einmal gelang dem Gast ein Auswärtssieg. Der letzte Besuch lag fast acht Jahre zurück, als der FCA mit 1:0 gewann. Besonders im Fokus stand damals die Fahne der HSV-Ultras „Clique du Nord“, die von Augsburger Fans entwendet, aber wieder zurückerobert werden konnte.

        Heute jedoch galt – wie bereits bei der Fandemo in Leipzig, bei der Fanvertreter aus dem ganzen Land auf die Straße gegangen waren – das Motto:
        Getrennt in den Farben – der Sache vereint.
        Denn auf der Innenministerkonferenz sollen womöglich schwerwiegende Veränderungen beschlossen werden. Dazu zählen unter anderem personalisierte Tickets oder Stadionverbote auf Verdacht – Maßnahmen, die das Ende der deutschen Fankultur bedeuten würden. Mehr Informationen gibt es unter: derfußballistsicher.de

        Aus diesem Grund wurden erneut diverse Aktionen durchgeführt. Rund um die WWK-Arena waren Spruchbänder wie „POPULISMUS STOPPEN“ zu sehen. Im Stadion gab es weitere Spruchbanner. Außerdem schwiegen die Fans in den ersten zwölf Minuten des Spiels und verzichteten auf den Einsatz von Fahnen. Nach Ablauf der zwölf Minuten wurde losgelegt – Fankultur, wie sie sein sollte: laut, bunt und voller Tifo.

        Dannach folgte ein gemeinsamer Wechselgesang: „SCHEISS IMK“ schallte durch das Rund. Kurze Zeit später brannte der Gästeblock, und es wurden rote Fackeln sowie blauer Rauch gezündet.

        Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Der FC Augsburg ist immer noch der freundliche Verein aus Bayern, der die Gäste in seiner Hymne willkommen heißt. „Rot, Grün, Weiß“ ist in meinen Augen eine der schönsten Hymnen des deutschen Fußballs.
        Auch beim Endergebnis gab es keine Überraschung: Am Ende stand – wie schon im Januar 2018 – ein 1:0 auf der Anzeigetafel. Ein insgesamt verdienter Heimsieg in einem sehr schwachen Fußballspiel. Besonders der Gast aus Hamburg präsentierte sich äußerst harmlos.

        Der Sieg der Augsburger sichert dem wackelnden Trainer Sandro Wagner vorerst den Job. Man darf gespannt sein, ob sich der FCA nun stabilisieren kann.
        (fj)

        FC Bayern München – Hamburger SV – 5:0

        FC Bayern München – Hamburger SV – 5:0

        „DER GRILL BLEIBT KALT“

        13.09.2025
        Bundesliga
        Allianz Arena
        Zuschauer: 75.000

        MÜNCHEN — Nach sieben Jahren gab es am Samstag wieder den Nord-Süd-Klassiker zwischen dem Rekordmeister und dem Aufsteiger aus Hamburg. Unterschiedlicher konnten die Verhältnisse beim 120. Aufeinandertreffen nicht sein. Die einen haben einen Kaderwert von über einer Milliarde Euro, die anderen vergeigten sechs Jahre in Folge den Aufstieg ins Oberhaus. Umso größer war die Vorfreude aller auf das Duell. Unsere Redakteure aus Schwechheim reisten mit den unterschiedlichsten Verbindungen nach München. Die einen kreuzten vorab noch eine schöne Bilderbuchbude in Ingolstadt, die anderen setzten ihr Kreuz in Heimstetten, und der Schreiberling buchte die volle Experience beim FC Bayern und hörte siebenmal Freed from Desire im Bayern-Campus.

        Danach brachte uns ein Redakteursvater in sieben Minuten zur Allianz Arena. Beide Fanlager wurden am Einlass getrennt, um sich dann direkt im Umlauf wiederzutreffen. Den Sinn habe ich noch nicht ganz kapiert. Aber es wurde noch verwirrender. Wer sich als Gästefan ein Bier mit Alkohol kaufen möchte, muss dies im Unterrang holen; oben im Gästebereich wird nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt – und dazu ist der Pfand oben noch teurer. Zwar nur zehn Cent, aber wer bekanntlich den Cent nicht ehrt, ist des Euro nicht wert. Egal, ob man ein Bier mit Alkohol oder ein Wasser in der Hand hat. Mit diesem Getränk oder auch mit jeglicher anderer Nahrung bleibt es den Gästen verwehrt, dies auf ihrem gebuchten Platz zu konsumieren. Das i-Tüpfelchen passierte dann rund 15 Minuten vor Spielbeginn. Ein kleiner Junge bekam von seinem Papa eine Tüte Popcorn und wollte diese mit auf seinen Platz nehmen. Dies war natürlich nicht erlaubt, und der Ordner drückte auch kein Auge zu. Also sollte dieser ca. fünfjährige Junge, der wahrscheinlich zum allerersten Mal ein Auswärtsspiel besuchte, die große Tüte Popcorn in wenigen Minuten vor dem Einlass verspeisen – zehn Meter weiter gingen jedoch zwei ältere Herren im Heimbereich mit ihrem Bier ungehindert zu ihrem Platz und tranken dort in der ersten Hälfte genüsslich. Genau das ist Diskriminierung, FC Bayern! Die DFL wirbt mit „Gib Rassismus keine Chance“ und positioniert sich klar gegen Diskriminierung, aber zehn Prozent der Zuschauer im Stadion wird verboten, Wasser zu trinken, während sie das Spiel verfolgen.

        In der Zwischenzeit schlang der kleine Junge traurig sein Popcorn in den Magen, während beide Kurven ihre Choreografien aufbauten. Die Südkurve feierte sich und ihr Gründungsjahr, zugleich präsentierte der HSV stolz seine drei Buchstaben, untermalt von ein paar Rauchtöpfen und jeder Menge Fahnen.

        Als beide Seiten ihre Materialien noch abbauten, durften die 75.000 Zuschauer in der restlos ausverkauften Allianz Arena schon zweimal das berühmte „Yabba Dabba Doo“ hören. Der Gast aus Hamburg wurde, wie in den Jahren vor dem Abstieg, hergespielt und teilweise lächerlich gemacht. Die Bayern verzauberten 29 Minuten lang das elitäre Publikum auf den Längsseiten und gingen mit 4:0 in Führung. Danach muss der ehemalige HSVer Vincent Kompany seinen Spielern wohl gesagt haben, dass sie aufhören sollen, Fußball zu spielen, weil sonst der Grill am Volksparkstadion wieder glühen würde. Trotz des einseitigen Ergebnisses wurde besonders im Gästebereich weiter lautstark supportet. Man kann allen Fans des HSV nur für diese Leistung gratulieren, denn der Support war trotz der miserablen Leistung auf’m Platz einfach nur bärenstark. Auch die Schickeria war optisch gut aufgelegt und zündete mehrmals im Verlauf des Spiels. Über die Lautstärke kann man sich in München immer streiten.

        Nach dem Spiel kam ich in ein nettes Gespräch mit einem Bayern-Fan, der mir offen und ehrlich die Situation erklärte. „Wir haben 5–10.000 Fans, die die Mannschaft supporten wollen, und dann ist man im eigenen Stadion natürlich gegen die Gästefans nicht in Überzahl und sieht somit immer schlecht aus. Die restlichen 57.000 Zuschauer kommen wegen der Stars und der guten Ergebnisse.“ Um es noch einmal mit den Worten von Uli Hoeneß zu sagen. „Wollt ihr Ribéry und Robben?“ Der Großteil der Besucher will die Stars, und daher gibt es in der Allianz Arena eine viel zu große Anzahl an Hochbetagten und zu wenig echte Fans! (mb)

        Hamburger SV – FC St. Pauli – 0:2

        Hamburger SV – FC St. Pauli – 0:2

        „GEMEINSAM GEGEN SICH SELBST?“

        29.08.2025
        Bundesliga
        Volksparkstadion
        Zuschauer: 57.000

        HAMBURG – Nach dem Derby ist vor dem Derby. Nur fünf Tage nach dem Spektakel in Danzig stieg das 112. Stadtduell quasi vor der Haustür. Bei der Arbeit fiel der Stift bzw. diesmal der Karton pünktlich. Als neutraler Zuschauer reiste ich tiefenentspannt per Fahrrad an und traf in Stellingen die ersten Redaktionskollegen.

        Entspannt wirkten dort auch die HSVer. So ein richtiges Derbyflimmern konnte ich noch nicht wahrnehmen und zwei Gästefans in Trikot/Shirt gingen sogar unbehelligt ihren Weg durch den Tunnel. Auch der Fanmarsch verlief ohne besondere Vorkommnisse. Gab es hier etwa Abnutzungserscheinungen? Immerhin war es das 13. Aufeinandertreffen seit 2018.

        Über eine Stunde vor Anpfiff und somit vor dem Warmmachen wackelte ich in den Volkspark. Der nächste Stimmungstest. Die Nordtribüne zündete die ersten Fackeln und Rauchtöpfe, aber ganz so euphorisch wie in den Jahren zuvor kam es mir nicht vor. Allerdings fuhr es einem beim Einklatschen und der Vereinshymne durch Mark und Bein.

        Der Gästeblock erwiderte mit durchaus krachenden Schlachtrufen und war früh mit der Ausrichtung der Choreoelemente beschäftigt. So richtig konnte ich das letztendlich nicht entschlüsseln. Die Figuren waren im Comic-Stil gehalten und das trojanische Pferd wahrscheinlich eine Anspielung auf die “Festung Volkspark” vom letzten Derby. Vielleicht können unsere Leser Licht ins Dunkeln bringen. Riss mich nicht vom Hocker, aber immerhin besser als das Zwei-Worte-Intro vom letzten Auftritt in Bahrenfeld.

        Auf der Nordtribüne entschied man sich für die Losung “Gemeinsam gegen alle” und diesmal sprangen mir quasi zwei Löwen entgegen. Fahnen in blau bzw. den Vereinsfarben rundeten die Choreo ab. Gut, aber aus meiner Sicht nicht außergewöhnlich für das Stadtderby.

        Damit konnte es auch auf dem Platz losgehen. Die Rothosen begannen schwungvoll und zogen das Publikum mit, was aber nur von kurzer Dauer war. St. Pauli kam nach und nach besser rein und überrumpelte die Abwehr durch eine einstudierte Eckballvariante Marke Bauerntrick. 0:1 und im Eckbereich ploppte die erste Serie an Fackeln.

        Das Tor entpuppte sich schon ein bisschen als Stimmungskiller bei den Sitzern. Während die Kiezkicker konzentriert ihren Plan verfolgten und zu weiteren Chancen kamen, blieb der HSV erschreckend harmlos. Erste Parallelen zum Grottenauftritt in Pirmasens taten sich auf.

        Im Gegensatz zur mageren Darbietung der eigenen Mannschaft haute die Nordtribüne mit Wiederanpfiff einen raus und nebelte den Volkspark mit blauem Rauch komplett ein. Für den Schiedsrichter übrigens kein Grund, zu unterbrechen. Gut so! Auf der Gegenseite gab es Blinker über Blinker, auch gelungen. Drei Zeigerumdrehungen später vollendete Königsdörffer einen langen Pass und sorgte für eine Komplettekstase. Dieser Moment zeigte, was an Stimmung hätte gehen können. Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Wegen Abseits annullierte der VAR den Ausgleich.

        Von all dem ließen sich die Gäste nicht beeindrucken. Mit einem langen Ball war die HSV-Abwehr erneut düpiert und Hountondji traf nach einer Stunde aus sehr spitzem Winkel. Den machen nicht viele Bundesliga-Spieler rein. Während die Nordtribüne weiter volle Pulle supportete, zog der Rest immer weniger mit.

        Dafür drangen die Gesänge der Braun-Weißen besser und besser durch. Kein Wunder bei dem Spielstand und der Leistung, denn Sankt Pauli spielte sich noch weitere Chancen heraus und zog einfach seinen Stiefel durch.

        Der HSV blieb kopflos und dezimierte sich obendrein in der 77. Minute nach einer gelb-roten Karte gegen Gocholeishvili. Offenbar der Startschuss für einige, den Heimweg anzutreten. Es hätte gut und gerne 0:3 oder 0:4 stehen können und mit jeder Minute verließen mehr Zuschauer das Stadion. Fand ich schockierend, wenn ich nach sieben Jahren zum Bundesliga-Heimauftakt das Stadtderby habe. Spielstand hin oder her.

        Nach zehn Minuten Nachspielzeit wurden auch die HSV-Spieler durch den Abpfiff erlöst. Ein wirklich katastrophaler Auftritt mit einigen Totalausfällen auf dem Rasen. Der Fanszene will ich keinen Vorwurf machen. Beim Rest des Publikums und auch der Mannschaft muss sich aber in den nächsten Wochen zeigen, ob man gemeinsam gegen alle oder sich selbst agiert. (hr)

        Hamburger SV – SSV Ulm 1846 – 6:1

        Hamburger SV – SSV Ulm 1846 – 6:1

        „IM HERZEN DER MILLIONENSTADT“

        10.05.2025

        2. Bundesliga
        Volksparkstadion
        Zuschauer: 57.000

          HAMBURG – Der HSV ist wieder da! Einen Spielbericht zu diesem 33. Spieltag könnte man sich beinahe sparen, dieser furiose HSV-Sieg ist sicher an niemandem spurlos vorbeigegangen. Nach 7 passiven Minuten und dem folgerichtigen Tor für Ulm, sollte sich der Spieß schnell umdrehen. Die „Spatzen“ reisten ja auch nicht grundlos als Tabellensiebzehnter in die Hansestadt. Knackpunkt jedoch erst der gehaltene Elfmeter nach rund 35 Minuten. Ein Aufschrei ging durch das Rund – und das ist noch fast untertrieben. Mit den beiden Toren kurz vor der Pause war der Aufstieg praktisch eingetütet.

          Aber fangen wir von vorne an. Bereits 2023 hätte die Redaktion gerne von einem Aufstieg aus dem Volksparkstadion berichtet. Im Vorfeld eine Karte für das Spiel gegen die SpVgg Fürth zu organisieren, war vor 2 Jahren kein Problem. Dann stand bereits vor dem letzten Spiel fest, der HSV läuft auf dem Relegationsplatz ein. Die Stimmung damals? Na, lassen wir das. Diesmal war sowohl die Euphorie als auch die Karten-Nachfrage wesentlich größer. Als klar war wer auf HSV-Seite alles noch nach Tickets für das Spiel sucht, wurden die Ambitionen auf Heimwege an Karten für diesen 33. Spieltag zu kommen rasch verworfen. Auch wenn diese Zeilen freundschaftlich-grün-weiß gegenüber dem HSV gefärbt sind – bei der Ticketvergabe für so ein Spiel sollten soweit nur Schwarz-Weiß-Blaue an der virtuellen Kassenschlange stehen.

          Da in diesem Land unverständlicherweise bei der Berichterstattung über solche Ereignisse Medien mit vier Buchstaben im Titel bevorzugt werden, gab es nur eine Möglichkeit regulär das Volksparkstadion zu betreten. Und die hieß: Ulm. Eine zaghafte Anfrage wurde über die sozialen Medien in die weite Welt des Internets verschickt und tatsächlich meldete sich ein Ulmer. Alles nicht so, naja, vertrauenswürdig. Aber selbst bei einem möglichen Scam kann man schon mal 39€ riskieren, wenn so ein Spiel ins Haus steht.

          Und nach dem Spiel in Darmstadt war klar: Es steht so ein Spiel ins Haus! Da weiter jeder eingefleischte HSVer auch Tickets für seine Oma und seinen Opa suchte, schien der Weg über Ulm und um Ulm herum der beste gewesen zu sein. Und schließlich blätterte man das Kalenderblatt auf Samstag um. In der S-Bahn zwei Stunden vor dem Anpfiff erstaunlich wenig Menschen und auch der Weg in Eidelstedt an den Ballerbuden vorbei, glich fast einer Flaniermeile. Ganz klar, der Mob war schon lange im Stadion. Und als der Scanner am Gästeblock grün blinkte, wusste man: Das kann nur gut werden!

          Aber Pustekuchen. Nach einer Choreo auf der Nordtribüne und überbordender Stimmung bereits weit vor dem Anpfiff, kommen die Ulmer ihrem Selbsterhaltungstrieb nach und schießen in einer kurzen Drangphase das frühe 0:1. Für Ulm zählt nur ein Sieg für den Klassenerhalt. Was für eine Konstellation! Zu dem Zeitpunkt war man schon längst aus dem Gästeblock ausgebüchst. Im Oberrang gibt es keine Zäune und die Ordnerkette war mit „porös“ noch schmeichelhaft umschrieben. Obwohl sich der HSV stabilisiert und postwendend zum Ausgleich trifft, bleiben auch die Gäste im Spiel und als nach 35 Minuten ein Pfiff zu einem Elfmeter für die Ulmer führt, stockt jedem im Stadion der Atem. Der anschließende Jubel im weiten Rund wird am Ende des Tages von allen Jubelarien am intensivsten im Gedächtnis bleiben. Der Elfer wurde bekanntlich gehalten und zur Pause steht es bereits 3:1.

          Spätestens mit einem ganz bitteren Eigentor von Philipp Strompf ist der Ausgang der Partie besiegelt. Das große Ulmer Engagment war umsonst, der Unterschied zwischen den beiden Teams definitiv in vorderster Front auszumachen. Während Ulm den Elfmeter vergeigte, nutzte der HSV all seine Chancen. Zunächst aus der Spannung heraus und im zweiten Abschnitt den Triumph vor Augen, vibriert das Stadion 90 Minuten lang. Trotz Roland Kaiser nebenan in der „Color-Line-Arena“ und dem allseits beliebten Hafengeburtstag in der Stadt – das Herz der Millionenstadt schlägt im Volksparkstadion. Und es schlägt hoch: Über die Mitmachquote an diesem Abend müssen wir nicht sprechen, erwähnenswert aber auch eine „Stehquote“, die ebenfalls an die 100% herankommt und Grundlage eines jeden unvergesslichen Fußballspiels ist.

          Mit dem Abpfiff weiß man dann zunächst gar nicht wie einem geschieht. Zu schnell geht alles und ein Platzsturm von ganz besonderer Güte erfasst die Arena. Dass später bis zu 20 Schwerverletzte beklagt werden, ist ein bisschen zu ahnen. Aber was willste machen, wenn 7 verfickt-lange Jahre in der Zweiten Liga für so einen großen Verein enden? Bevor es zu den weiteren Feierlichkeiten geht, möchte man auch die Ulmer nicht vergessen. Daher gibt es um Minute 80 herum eine Durchsage vom Stadionsprecher, der den „Spatzen“ Respekt und Anerkennung ausspricht, was zur Folge hat, dass das ganze Stadion applaudiert. Das haben sich die tapferen Gäste verdient. Einer von vielen Gänsehautmomenten an diesem Abend.

          Wer sich über die doch relativ hohen Werbebanden auf den Rasen begibt, wird die Szenen, die sich dort abspielen, so schnell nicht vergessen. Sogar das Tor wird auseinandergebaut und als Aufstiegssouvenir mitgenommen. Es herrscht eine Art positive Anarchie vor Ort, weshalb sich der Freund und Helfer auch schnell aus dem Geschehen zurückzieht. Ein Abend voller Höhepunkte, der nicht zu Ende gehen will. Selbst als man das Stadion verlässt und den Weg über die VIP-Logen anpeilt, stehen die Türen offen und schließlich findet man sich in einem Spalier wieder, durch den die Aufstiegsspieler laufen. Von dort ist es nicht mehr weit zu Tim Mälzers Kreationen für die Erstliga-Menschen in unserer Gesellschaft.

          Der Abend wurde wirklich immer besser, nicht nur der HSV legte einen sagenhaften Aufstieg auf’s Parkett, die persönliche Bilanz fiel mit dem Durchmarsch aus dem Gästeblock in die VIP-Zone ebenfalls mehr als satt und zufrieden aus. (mm)

          Hamburger SV – 1. FC Kaiserslautern – 3:0

          Hamburger SV – 1. FC Kaiserslautern – 3:0

          “TRADITIONSDUELL IM VOLKSPARKSTADION”

          21.02.2025

          2. Bundesliga
          Volksparkstadion
          Zuschauer: 57.000

            HAMBURG – Freitagabend, Flutlicht und zwei gut aufgelegte Fanszenen. Fußballherz, was willst du mehr? Das Duell zwischen den Clubs sorgt bei mir schon weit im Voraus für Vorfreude. Die Terminierungen am Freitagabend stimmte mich persönlich besonders glücklich, da es mit meinen weiteren Reiseplänen perfekt passte. Dennoch müssen wir diese Terminierungen kritisieren, wieso wird nicht am Sonnabend oder Sonntag gespielt. In der zweiten Bundesliga spielt zeitgleich Nürnberg bei der Hertha. Beides ewig weite Anreisen für zwei Fanlager, die oft mit einer hohen Anzahl an Gästen kommen. Aber wer interessiert sich aus der höheren Etage für Auswärtsfahrer?

            Das Hinspiel in Kaiserslautern ging mit einem späten Ausgleich der Hamburger mit 2:2 zu Ende. Damals ein ausgeglichenes Spiel auf dem traditionellen Betzenberg. Die Vorzeichen des Spiels waren faszinierend, ich würde wetten, kaum jemand hätte gedacht, dass dieses Spiel im Februar ein Spitzenspiel zwischen dem Tabellenzweiten und Tabellendritten wird. Ob ich damit jetzt das Heimteam meine oder das Auswärtsteam, ist den Lesern überlassen.

            Fakt ist, beide Mannschaften spielen aktuell einen sehr guten und effektiven Fußball. Der HSV ist weiterhin unter Trainer Polzin ungeschlagen, eine derartige Serie beim HSV ist auch sehr ungewöhnlich. Stehen die Zeichen dieses Jahr wirklich auf Aufstieg in die erste Liga? Der Frühling wird kommen, es bleibt spannend, ob der HSV diesen Trend fortsetzt.

            Der Gästeblock ist heute ausverkauft, ob sich viele Gäste wirklich die Tagestour Hamburg gönnen oder ein schönes Wochenende in Hamburg machen. Beides definitiv die richtige Entscheidung, ein beliebtes Reiseziel für Auswärtsfans. Respekt an jeden Fan, der die Tour auf sich nimmt. Deutschland ist eben einfach ein geiles Fußballland und die Fans aus Kaiserslautern bekannt für ihre bedingungslose Unterstützung. Ich erinnere mich an das Pokalfinale im Mai 2024, mein erstes Pokalfinale und bestaunen durfte ich einen phänomenalen Auftritt der Fans aus Kaiserslautern. Weiterhin viel Glück für die Saison!

            Zum Start der Partie wurde das Motto vorgegeben: “DIE MISSION GEHT WEITER, DAS ZIEL IST KLAR”. Punkt genau den Nagel auf dem Kopf getroffen. Das wunderschöne Stilmittel der Fackeln und Blinker wurde eingesetzt und die Partie konnte starten.

            Der HSV dominierte das Spiel, erspielte sich zahlreiche Chancen, Ecken und eine Menge Ballbesitz. Der Neuzugang Adedire Mebude mit einem sehr soliden Auftritt, macht definitiv Hoffnung auf mehr. Den gerechten Applaus gab es zur Auswechslung. Der Stürmer Davie Selke machte erneut 2 Tore, seinen Saisontreffer 15 und 16. Den Deckel machte heute Fabio Baldé drauf, ein schönes Tor für den Spieler vom HSV.

            Nach dem Spiel sollte es schnell ins eigene Bett gehen, entgegen den meisten Zuschauern nach einem Freitagabend Kick im Volksparkstadion. Statt Kiez, Party und Vollsuff ging es ins eigene Bett. Disziplin! Am Samstagmorgen stand der Flug Hamburg-Belgrad an. Das zweite Belgrad-Derby für mich und die erste Tour für den Schwechheimer Landbote mit vier aktiven Berichte Schreiberlingen. Das Leben ist schön! (tp)

            Hertha BSC – Hamburger SV – 2:3

            Hertha BSC – Hamburger SV – 2:3

            “DOPPLER AN DER SPREE – TEIL 2”

            25.01.2025

            2. Bundesliga
            Olympiastadion Berlin
            Zuschauer: 71.500

              BERLIN – Im vorherigen Bericht wurde dieses Highlight angeteasert. Endlich mal wieder ins Olympiastadion, ich mag dieses Stadion sehr. Die Weitläufigkeit, das offene Marathontor, die für mich meist positive An- und Abreise Situation und meine persönlichen Highlights hier. Es ist einfach eines meiner Lieblings-Stadien in Deutschland. Im Mai letzten Jahres bei meinem ersten eigenen Pokalfinale habe ich spätestens dieses Stadion lieben gelernt. Erfahrungen, die man so schnell nicht vergisst. Der FCK auswärts im Pokalfinale mit einem besonderen Auftritt, wer hätte die sportliche Lage damals als so spannend eingeschätzt?

              In dem am Abend kalten Berlin reisen etwa 20.000 Gäste aus Hamburg an, einfach nur stark in was für einen Zahlenbereich jedes Wochenende Fans von unterschiedlichen Vereinen in Deutschland unterwegs sind. Die Hamburger vor dem Spiel als Tabellenerster und die Herthaner auf dem 12. Tabellenplatz. Das verrückte, die beiden Teams trennten gerade einmal 6 Punkte. In den letzten Wochen wollte sich kein Team so richtig oben festsetzen.

              Die Berliner Ostkurve erinnerte an den verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein mit einer Choreo. Der Todestag jährte sich wenige Tage vor dem Spiel zum ersten Mal. Ein absoluter Gänsehaut-Moment, höchsten Respekt vor diesem Menschen und seinen Lebensweg. Ruhe weiter in Frieden. Die Mannschaft lief zu Ehren von Kay Bernstein in Sondertrikots auf.

              Das Spiel startete mit Angriffen der Berliner auf das Tor der Gäste. Die Hamburger überstanden die Anfangsphase und ausgerechnet Davie Selke erzielte seinen elften Treffer in der laufenden Saison gegen die Alte Dame. Nach der Pause musste der Stürmer verletzt ausgewechselt werden, gute Besserung auch von uns an dieser Stelle. Ersetzt wurde Selke von Königsdörffer. Mit seinem zweiten Ballkontakt erzielte der frische Stürmer per Traumtor das 0:2 für die Gäste.

              Der Schreck des Hamburger Anhangs Fabian Reese kam in der 65’ Minute ins Spiel. Es ist verrückt, wir sehr ein Spieler das Geschehen auf dem Platz ändern kann. Von nun an war es ein komplett anderer Auftritt und Hertha fand schnell in das Spiel zurück. Durch Treffer von Cuisance und Winkler stand es 2:2. Ein blitzsauberer Konter der Rothosen fand den goldenen Schuss und markierte das 2:3 durch Emir Sahiti. Ekstase im Gästeblock und im angrenzenden Bereich. Ein geiles Fußballspiel in der zweiten Halbzeit. Dank zahlreicher Glanztaten von Daniel Heuer Fernandes verteidigte der HSV die Tabellenspitze. Der HSV bleibt unter dem neuen Trainer weiter ungeschlagen und darf vom Aufstieg träumen.

              Nach dem Spiel ging es für mich zum Fernbahnhof “Zoologischer Garten”, der Döner zur Stärkung und mit einem Bier aus Berlin stieg ich in den ICE über Nacht Richtung Nordrhein-Westfalen. Abfahrt 00:22 Uhr und Ankunft gegen 06:00 Uhr. Ein absoluter Traum und ein wenig Aufwand. Der Sonntag stand im Zeichen eines absolut schönen Stadions. Das Ischelandstadion in Hagen wird aktuell von Türkspor Dortmund genutzt. Jeder Kilometer hat sich gelohnt. Der Abschluss eines absolut geilem Wochenende! Deutschland ist einfach ein verdammtes Brett. (tp)

              Hamburger SV – FC Schalke 04 – 2:2

              Hamburger SV – FC Schalke 04 – 2:2

              “BAUM(GART) FÄLLT – UND VORHER SCHNEE“

              23.11.2024
              2.Bundesliga
              Volksparkstadion
              Zuschauer: 57.000

              HAMBURG – Das Freitagabendspiel in Bergedorf läutete das vermeintlich große Hamburger Sport-Wochenende für die Redaktion ein. Allerdings lief der verheißungsvolle Samstag dann komplett anders als gedacht, aber der Reihe nach.

              Als Vorprogramm für das Abendspiel im Volkspark hatten Teile der Redaktion die Zweitvertretung vom HSV im Stadion Hoheluft sowie Altona 93 in der Adolf-Jäger-Kampfbahn auf dem Zettel. Selbstverständlich Revisits, aber diese zwei Perlen lohnen sich immer wieder. Sicherlich dürften auch einige Gäste aus Gelsenkirchen auf die beiden Spiele geschielt haben.

              Leider fiel über Nacht ein bisschen Schnee in Hamburg und das sorgt traditionell für schrillende Alarmglocken bei Verantwortlichen auf der einen Seite und Zähneklappern bei Fußballfans auf der anderen Seite. Erschwerend kam der Regen der letzten Tage hinzu. Für die Partien auf Rasen flatterte Absage um Absage auf fussball.de rein, die überdies mit verheerenden Software-Problemen an diesem Wochenende zu kämpfen hatten. Für die Kunstrasenplätze verbietet der strenge HFV offiziell das Räumen.

              Die Alternativen schmolzen wie Schnee in der Alpensonne zusammen und es entwickelte sich eine morgendliche Schnitzeljagd durch die Hansestadt. Schlussendlich spekulierten wir auf die Plastikwiese an der Marckmannstraße und hatten Glück: Die Linien und die Strafräume waren freigeräumt, was dem Schiedsrichter reichte. Die Jungs vom ambitionierten HafenCity FC in „skyblue“ (gerne auch das Vereinswappen googeln) setzten sich souverän mit 10:0 durch.

              Im Anschluss nahmen wir den Bus Richtung Heiligengeistfeld. Wie bei „1, 2 oder 3“ hieß es: „Ob du wirklich richtig stehst, siehst du wenn das Licht angeht.“ Und tatsächlich: Das Flutlicht an der Feldstraße leuchtete und die Mannschaften machten sich warm. Zusätzlich herrschte nebenan auf dem Dom Hochbetrieb. Zusammen mit dem Bunker im Hintergrund ist das ein Top-Fotomotiv im Hamburger Amateurbereich.

              Schon etwas durchgefroren stand danach das Traditionsduell im Volkspark an. Eigentlich hatte ich als „Neutraler“ im Vorfeld kein Interesse, ließ mich dann aber doch mitschnacken und bekam noch kurzfristig ein Ticket vermittelt. Irgendwie klappt’s ja immer.

              Der Kern der Nordtribüne sang sich weit vor Anpfiff im Umlauf ein und enterte etwa um 19.40 mit Fackeln die Stehränge. Der Mob war definitiv motiviert und hatte nach gut einer halben Stunde Grund zum Jubeln: Erst erzielte Richter mit einem Freistoß die Führung und nur eine Minute später legte Schallenberg im eigenen Strafraum quer in die Füße von Königsdörffer, der zum 2:0 einschob.

              Bis dahin war es auf dem Platz eine katastrophale Vorstellung von Schalke und die etwa 7.000 Gästefans wurden von ihrer Mannschaft wie so oft in dieser Saison seelisch gequält. Die Stimmung im Gästeblock war trotzdem in Ordnung, wobei sich die „Ultras GE“ für große Szenen unüblich im Unterrang platzierten.

              In der Halbzeit muss es dann wohl eine richtige Ansage gegeben haben. Die Gelsenkirchener kamen deutlich besser aus der Kabine und hatten etwas Glück beim Anschlusstreffer, als Schonlau den Ball mit seinem Schienbein vorlegte. Der HSV baute immer weiter ab und ließ das 2:2 irgendwie einfach auf sich zukommen. Zudem schmorten die einzigen Techniker lange auf der Bank.

              In der Schlussphase hatten beide Teams noch gute Chancen, aber es blieb beim Unentschieden. Es folgte ein Pfeifkonzert und am nächsten Tag der Rauswurf von Trainer Baumgart, was für die Kollegen von der Boulevardpresse natürlich ein gefundenes Fressen war. Wir als Landbote halten uns bei Trainerentlassungen immer hanseatisch zurück und waren stattdessen froh darüber, trotz aller Widrigkeiten noch einen guten Fußballtag erlebt zu haben. (hr)

              1.FC Kaiserslautern – Hamburger SV – 2:2

              1.FC Kaiserslautern – Hamburger SV – 2:2

              „SPÄTER AUSGLEICH BEI RAAB-RÜCKKEHR“

              21.09.2024
              2.Bundesliga
              Fritz-Walter-Stadion
              Zuschauer: 49.327

              KAISERSLAUTERN – Fritz Walter, Otto Rehhagel, Andreas Brehme, Horst Eckel auf der einen Seite und Horst Hrubesch, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer auf der anderen. Die Liste der Legenden, die einst beim FC Kaiserslautern oder dem Hamburger SV spielten, ist lang und könnte endlos fortgesetzt werden.

              Heute stehen Spieler wie Marlon Ritter, Ragnar Ache und Aaron Opoku den Hamburger Akteuren Robert Glatzel, Sebastian Schonlau und dem ehemaligen FCK-Torwart Matteo Raab gegenüber, der bei jedem Ballkontakt lauthals ausgepfiffen wurde.

              Die Zeiten haben sich gewandelt. Beide Vereine begegnen sich in der zweiten Liga, dennoch bleibt die Größe und Tradition beider Clubs Champions-League-reif.

              Das spürt man bereits, wenn man vom Hauptbahnhof Kaiserslautern den Weg zum Betzenberg einschlägt und am 11-Freunde-Kreisel (offiziell: Löwenburgkreisel) vorbeikommt. Dieser wurde 2004 im Hinblick auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 installiert und soll „11 Freunde“ sowie eine Mannschaft des FCK symbolisieren.

              Eine kulinarische Empfehlung vor dem Anpfiff ist die „Betzebud“, wo man in entspannter Atmosphäre mit anderen heimischen und auswärtigen Fans ins Gespräch kommen kann, eine Weinschorle genießen oder sich mit einem Frikadellenbrötchen stärken kann.

              Diese Stärkung benötigten wir, um die 285 Meter des Betzenbergs zu erklimmen und das traditionsreiche Fritz-Walter-Stadion zu erreichen. Für mich zählt dieses Stadion zu den besten Spielstätten des Landes. Welch denkwürdigen Duelle haben hier stattgefunden!

              Auch heute sollte mit dem traditionsreichen Duell zwischen Kaiserslautern und dem Hamburger SV ein Fußballfest gefeiert werden. Nachdem wir von unseren regulären Plätzen neben dem Gästeblock auf die Haupttribüne gewechselt waren, hatten wir optimalen Überblick, um die Geschehnisse aus beiden Fanlagern zu beobachten. Vor etwa drei Jahren hatte ich das Stadion unter Pandemiebedingungen beim Spiel gegen Waldhof Mannheim vor ein paar tausend Zuschauern besucht. Heute Abend war das Haus ausverkauft, und die Flutlichtstimmung war unvergleichlich. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Endlich erstrahlte das Stadion im Rahmen, den es verdient hat. Wenn das gesamte Stadion aufsteht, seine Schals hebt und lautstark die Hymne singt – Gänsehaut pur! Wenn die Westkurve dann auch noch in ein rot-weißes Fahnenmeer eintaucht, rote Fackeln gezündet werden und Luftschlangen durch die Luft fliegen, weiß man wieder, warum man die Zweite Liga so liebt. Als zusätzliches Element wurde auch eine Blockfahne gehisst: „Der Betzenberg als Gesamtkunstwerk“ war darauf zu lesen.

              Auch die mitgereisten Fans aus der Hansestadt hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen. Während im unteren Block blaue Fahnen geschwenkt wurden, waren im oberen Bereich schwarze Fahnen zu sehen. Zwischen den beiden Blöcken erstrahlte die große Raute des Vereins. Am Rand der Raute wurden mehrere helle Fackeln entzündet. „Der Gigant aus dem Norden“ war als Spruch auf dem Zaun zu lesen.

              Im Spiel waren die Gäste überwiegend überlegen, es mangelte in der ersten Halbzeit jedoch an Ideen und der Entschlossenheit, klare Torchancen herauszuspielen. Den ersten Treffer des Tages erzielte in der 33. Minute der FCK, als Ache nach einem Freistoß den Ball durch die Beine von Raab ins Netz beförderte. Nur fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff war es Tachie, der nach Zuspiel von Opoku nur noch seinen rechten Fuß hinhalten musste und zum 2:0 traf. Lange Zeit sah es so aus, als würden die Lauterer ihren ersten Heimsieg der Saison einfahren. Die Stimmung im Gästeblock war zeitweise unterbrochen aufgrund eines Rettungseinsatzes. Der Schwechheimer Landbote wünscht an dieser Stelle gute Besserung! Direkt nachdem die Stimmung im Gästeblock wieder aufgenommen wurde, meldete sich das Team vom HSV zurück und konnte nach einer Ecke in der 58. Minute durch Glatzel verkürzen. Der HSV zeigte nun mehr Druck nach vorne und vor allem in der Crunch-Time gab es viele Angriffe auf das Tor. In der 90. Minute gelang den Hamburgern tatsächlich noch der Ausgleich. Der eingewechselte Selke traf per Kopf zum hochverdienten 2:2 und erzielte seinen zweiten Saisontreffer.

              Auch nach dem Ausgleich drängte der HSV weiter in Richtung FCK-Tor. Kurz vor dem Abpfiff gab es noch eine strittige Situation im Lauterer Strafraum, als Elvedi mit der Hand am Ball war. Der VAR überprüfte die Situation jedoch nicht mehr, sodass das Spiel mit einem 2:2-Unentschieden endete. Kaiserslautern bleibt zu Hause in der zweiten Liga gegen den HSV weiterhin ungeschlagen. (fj)

              Hamburger SV – FC St. Pauli – 1:0

              Hamburger SV – FC St. Pauli – 1:0

              „DIE STADT GEHÖRT UNS!“

              03.05.2024

              2. Bundesliga

              Volksparkstadion

              Zuschauer: 57.000

              Hamburg – „Die Stadt gehört uns!“. Gleich 6 von 7 Schwechheimer Redaktionsmitgliedern konnten dem mit Spannung erwarteten Hamburger Derby am Freitag beiwohnen. Nach dem Spiel brannte die Nordtribüne – doch auch die Redaktionsköpfe rauchten. Was war das für ein Kick? Ein Spiel mit einer Jahrhundertkonstellation? Ein Spiel auf Landesliga-Niveau? Beides trifft zu. Eine ultimative Wahrheit herauszufiltern, stellte sich aber als schwer heraus.

              Mein Vorschlag, das Spiel in der Kopfzeile als „TSV Stellingen“ gegen „VfL Hammonia Hamburg Zwote“ einzuleiten, wurde abgeschmettert. Die Überschrift hätte das Derby gut beschreiben können, ohne in die Tiefe zu gehen. Wobei man sich bei der Zwoten vom VfL Hammonia eventuell entschuldigen müsste. Um auf eine sachliche Ebene zurückzukommen: Dieses Spiel, in dem St. Pauli im Volksparkstadion mit einem Sieg hätte aufsteigen können, war einfach „to much“, zu spannungsgeladen. Bei solchen Konstellation gibt es oft nicht viel Spielraum zwischen „Jahrhundertspiel“ und „Landesliga-Kick“. Nichts Weltbewegendes, das passiert jedes Wochenende in irgendeiner Liga. Und das traf auch an diesem Freitag zu.

              Fast, denn Derbysieger und Stadtmeister wurde zu Recht der HSV, das sollte bei allen historischen Pauli-Chancen nicht unter den Tisch fallen. Von zwei nervösen Teams war man die Mannschaft, die nicht locker ließ und – vorsichtig formuliert – schlichtweg weniger „Einscheißpotential“ besaß. So ist es. Über eine schöne, aber austauschbare HSV-Choreo lässt sich streiten. Aber am Ende einer mäßigen Saison lief das Ding im vermutlich letzten Aufeinandertreffen mit Pauli in die richtige Richtung.

              Die Kiezkicker wiederum zogen in allen Belangen den Kürzeren. Auf den Rängen startete man mit einer satten Pyroshow. Und dann? Nichts mehr, wie auf dem Rasen. Vermutlich hatte man sich den Rest für eine große Aufstiegsause nach dem Abpfiff aufgehoben. Mit einem stinknormalen Sieg zu Hause gegen abgeschlagene Osnabrücker nächstes Wochenende kann der Stadtteilverein nun ganz unspektakulär aufsteigen. Also: Nicht viel los, am Freitag in Hamburg. (mm)