Arka Gdynia – Legia Warszawa – 2:2

Arka Gdynia – Legia Warszawa – 2:2

„100 JAHRE FENSTER ZUR WELT – DOCH LEGIA CRASHT DIE PARTY“

07.02.2026
Ekstraklasa
Stadion Miejski w Gdyni
Zuschauer: 12.497

GDYNIA – Am Freitagabend ging es direkt von der Arbeit zum Hamburger Flughafen. Mit circa 40 Minuten Verspätung brachte uns eine Wizz-Air-Maschine nach Danzig. Schnell ein Bolt gebucht und wenig später befanden wir uns bereits in der „Bernstein Arena“ von Lechia Gdánsk. Bei einem tristen Kick war das einzige Highlight eine Pyroshow der Gästefans aus Krakau. Symbolisiert wurde die Freundschaft zu Arka Gdynia.

Der Samstag wurde mit ein wenig Sightseeing in Danzig gestaltet. Eine Stadt, die ich zwar bereits vor einigen Jahren im Sommer besucht hatte, doch da mein Reisekollege noch nicht vor Ort war, war ich gerne bereit mir die Stadt auch im Winter noch einmal anzuschauen. Und egal, ob die Mottlau strömt oder vereist ist – die Stadt lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

Nach einigen Kilometern Fußweg und Żabka-Hotdogs ging es per Bahn in die Nachbarstadt Gdynia. Da wir bereits zwei Stunden vor Anpfiff in der Stadt ankamen, war der Plan klar: Im Einkaufszentrum aufwärmen und danach für 90 Minuten in den „Gefrierschrank“. Nach wenigen Metern erreichten wir allerdings den Nebenplatz, auf dem bereits Spieler zu sehen waren. Kurz nach einem Anwesenden gefragt, erklärte man uns, dass dort gerade die U17 spielt. Zwar war von Anfang an klar, dass das für uns niemals zählbar sein würde, gefreut haben wir uns über einen rollenden Ball dennoch.

Als in der 40. Minute zur Halbzeit gepfiffen wurde, ging es für uns wieder raus aus dem Stadion und ab in den nächsten Żabka. „One Hot Dog and one Cider“ lautete die Bestellung, die am Tisch verzehrt wurde. Zwischenzeitlich schaute ein Polizist in den Laden und wenig später meinte ein Verkäufer, dass ich möglicherweise eine Strafe zahlen müsse, da der Markt ein öffentlicher Ort sei und dort Alkoholkonsum verboten ist. Glücklicherweise kam ich ohne Strafe davon. Stattdessen gab es vor dem Stadiontor gratis Tee.

Mindestens genauso heiß wurde es beim Einlauf der Mannschaften. Zum 100. Geburtstag der Stadt wurde auf der Gegengerade eine Choreo präsentiert und zahlreiche Fackeln gezündet.

Unglücklicherweise befanden sich unsere Plätze genau auf dieser Tribüne, so dass die Choreo und Pyroshow nur von der Seite betrachtet werden konnten. Die Zuschauer auf den anderen Tribünen konnten ein langes Spruchband mit dem Text: „1926 – 100 LAT POLSKIEGO OKNA NA ŚWIAT – 2026“ erkennen. Übersetzt bedeutet das so viel wie „100 Jahre polnisches Fenster zur Welt“. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde in Gdynia ein Hafen gebaut, der für den polnischen Außenhandel und internationale Beziehungen von großer Bedeutung war. Auf der riesigen Blockfahne wurde die Entstehung und Bedeutung der Hafenstadt dargestellt.

Einen besseren Blick gab es dann auf die zweite Choreo, die während des Spiels auf der Fantribüne ausgerollt wurde. Auf der Blockfahne waren die typischen Berufsgruppen der Stadt zu sehen: Werftarbeiter (Gdynia ist bekannt für Schiffbau und Werften), Seeleute (stehen für Handelsschifffahrt, Marine und Hafen), Fischer (als Erinnerung daran, dass Gdynia ursprünglich ein Fischerdorf war) sowie Arbeiter allgemein, die die Stadt industriell aufgebaut haben. Die dargestellten Personen waren größtenteils vermummt. Außerdem zu sehen war das Stadtwappen von Gdynia mit zwei Fischen und einem Kreuz, das für maritime Tradition, Stadtidentität und lokalen Stolz steht.

Links und rechts von der Blockfahne wurden goldene Elemente hochgehalten, die Wohlstand, Entwicklung und Erfolg der Stadt symbolisieren. Zudem wurden auch hier mehrere Fackeln gezündet.
Auf einem weiteren Spruchband stand:
„STOCZNIOWCY, MARYNARZE, RYBACY, ROBOTNICY“ – übersetzt: „Werftarbeiter, Seeleute, Fischer, Arbeiter“.

Auch sportlich sollte es interessant werden. Legia war vor dem Spieltag Tabellenletzter und gastierte beim Tabellen Dreizehnten. Es entwickelte sich also ein echter Abstiegskracher.

Bis kurz vor Schluss sah es so aus, als würde Gdynia die Gäste aus der Hauptstadt noch tiefer in die Krise schicken. Nach 89 Minuten stand es 2:0. Die Mannschaft von Legia zeigte jedoch Moral und kam in der 90. Minute zum Anschlusstreffer. Euphorie im Gästeblock? Fehlanzeige – es gab kaum eine Reaktion.

Eine Reaktion zeigte jedoch die Mannschaft, denn in der fünfminütigen Nachspielzeit gelang Legia tatsächlich noch der Ausgleich. Zumindest jetzt wurde im Gästeblock etwas gejubelt. Zufrieden waren die Legia-Fans dennoch nicht. Der Verein läuft aktuell seinen eigenen Erwartungen hinterher, weshalb die Anhänger nach dem Spiel deutliche Worte an ihre Mannschaft richteten.

Für meinen Reisekollegen und mich ging es anschließend zurück nach Danzig, um die polnische Küche zu testen und das ein oder andere Kaltgetränk zu vernichten. Ein besonderer Tipp ist das Café Szafa, wo man zentrumsnah und für wenig Geld einen geselligen Abend verbringen kann. (fj)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert