1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV – 1:1

1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV – 1:1

        „HARDCORE-FREITAG IN MAINZ“

        20.02.2026
        Bundesliga
        Stadion am Europakreisel
        Zuschauer: 33.305

        MAINZ – Der glorreiche HSV gastierte erstmals nach 8,5 Jahren mal wieder in Mainz. Grund genug für eine kleine Reise nach Rheinhessen. Mitfahrgelegenheiten ab Schwechheim sollte es genug geben und so quetschte man sich am Freitag-Nachmittag in ein HSV-Taxi Richtung Süddeutschland.

        Ohne größere Zwischenfälle rollte der Kleinwagen vom Kollegen (mb) am frühen Abend in der Landeshauptstadt ein. Das galt aber längst nicht für alle Gäste aus dem Norden – denn die Partie fand dank einer Stau-Problematik seitens der HSV-Belegeschaft mit zehnminütiger Verspätung statt. Zuvor war die Reisegruppe über Feld- und Wiesenwege bis zum Europakreisel vorgedrungen. Das gleichnamige Stadion liegt im Nirgendwo, wird aber immerhin von der Straßenbahn bedient. Vor Ort kommt mit vielen Schwarzmarkt- und Bierdosenhändlern allerdings durchaus Bundesliga-Feeling auf. Das Stadion selbst ist eigentlich auch ganz in Ordnung und wirklich nah ans Spielfeld getackert. Die rote Bestrahlung erleuchtet den Mainzer Abendhimmel, was noch bis weit hinter die Stadtgrenze zu sehen ist. Das hat man schon liebloser in dieser Liga gesehen.

        Lieblos wie gehabt aber die Polizei. Um weiterhin negative Schlagzeilen mit Bezug zu Fußballfans zu produzieren, fahren die sogenannten Ordnungshüter eine neue „Hardcore-Linie“. Die aktuellen Zahlen der „Zentralen Informationstelle Sporteinsätze“ (ZIS) und das Debakel rund um die „Innenministerkonferenz“, schmecken den Beamten scheinbar gar nicht. Bad News müssen her. Diesmal erwischte es die HSV-Choreo, die laut Augenzeugenberichten von der Nordtribüne im Matsch vor dem Stadion ausgebreitet werden sollte, was an mehreren Faktoren scheiterte. Also gab es nur eine Huldigung per Spruchband für „Kult-Masseur“ Hermann Rieger, der unter der Woche seinen 12. Todestag verzeichnete. Davon ab konnte der HSV trotzdem 90 Minuten gut am Quirl drehen und nahm insgesamt nicht nur die ganze Hintertorseite, sondern fast ein Drittel des Stadions ein.

        An den Fans lag es also nicht, dass Hamburg in Rückstand geriet. Eher an Nadiem Amiri, dem Unterschiedsspieler beim Karnevalsverein. Auch die Fanszene der 05er ließ sich in der Fassnachtswoche nicht lumpen und zündete permanent Pyro. Los ging es mit einem Intro aus gelben und roten Fackeln, später brannten immer wieder einzelne Bengalos. Das Publikum in Mainz mag eher „gutbürgerlich“ rüberkommen, die Kurve aber konnte an diesem Abend vortrefflich abliefern.

        Abliefern konnte schließlich auch der HSV. Spielerisch ist da zwar nach wie vor viel Luft nach oben, physisch und mental ist die Truppe aber mehr als präsent und dazu jetzt 6 Spiele hintereinander ungeschlagen. Da kann auch mal ein abgefälschter Freistoß über die Linie trudeln. Nicht mal Dominik Kohr kann diese Mannschaft aktuell aufhalten. Der „Hardkohr“-Vorstopper bekam seine 105. Verwarnung im Oberhaus verpasst und löst damit Stefan Effenberg als Spitzenreiter der ewigen Sünderkartei in der Bundesliga ab. Ohne seine sofortige Auswechslung nach einem neuerlichen Foul, wäre für Hamburg eventuell sogar mehr drin gewesen. (mm)

        FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

        FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

        „REVISIT FOR NOTHING – DANKE, DEUTSCHE BAHN!“

        13.02.2026
        Hessenpokal
        Stadion am Bornheimer Hang
        Zuschauer: 6.414

        FRANKFURT – Am Donnerstag-Abend entschied sich für mich das Freitagsprogramm. Die dt. Rennrodler räumten in Milano/Cortina im Teamwettbewerb die Goldmedaille ab und mit der „BahnCard 25 Probe Gold“, die man im Vorfeld für läppische 19€ erworben hatte, gab es am Folgetag beliebig viele freie Fernfahrten mit der DB! Danke Deutsche Bahn, danke Team Deutschland!

        Ein Flug von Berlin um 10 Uhr am Samstag in den UK, war schon lange gebucht. Normalerweise wäre man gemütlich am Vortag mit der Regionalbahn von Schwechheim nach Berlin gefahren: Amateurkick und günstiges Hotelzimmerchen, nächsten Tag ausgeschlafen nach Manchester. Aber was ist schon normal in diesem Winter? In Berlin wurde bereits in der Vorwoche eine Generalabsage ausgesprochen. Dank der Goldmedaille gab es aber sehr gute Alternativen for nothing.

        Bedingung war natürlich auch eine nächtliche ICE-Rückfahrt nach Berlin. Möglichst vor Mitternacht, damit man den Zug nicht bezahlen musste. Ab Köln und Frankfurt fuhr jeweils ein ICE um 23:30 Uhr mit passender Ankunftszeit Richtung Hauptstadt. In NRW hätte man in Velbert einen neuen Ground besuchen können. Aber die kalten Temperaturen und der Neubau irgendwo im Nirgendwo schreckten ab. Es wurde der Bornheimer Hang, der in „glorreichen Corona-Zeiten“ vor 5 Jahren mal als Geisterspiel gegen den Bahlinger SC besucht wurde. Da man damals auch sehr edel vom FSV behandelt wurde und dem Verein die letzten Bierreserven aus dem Kühlschrank abluchste, stand ein weiterer Höflichkeits-Besuch bei dem Regionalligisten noch aus.

        Trotz Schneefall gingen alle Fahrten pünktlich über die Bühne und in Bornheim angekommen, wurde dieser interessante Stadtteil bei rund 10 Grad Außentemperatur einmal mehr unter die Lupe genommen. Zu Fuß ging es dann pünktlich zum FSV. Aus der Löwengasse kommend, genießt man einen hervorragenden Blick von oben auf die Bude. Das Stadion wurde ja vor etwa 15 Jahren rundum modernisiert, gefällt aber trotzdem mit seinen unüberdachten Kurven. Offenbach war zahlreich angereist, konnte den Block aber nicht komplett füllen. Von der FSV-Szene nahm ich ehrlicherweise das erste Mal richtig Notiz. Ein ganz kleiner Haufen, der aber permanent Lärm erzeugte und in Bewegung war.

        Das Spiel konnte mit beiden Kurven nicht wirklich mithalten – bezeichnend. Schon früh war absehbar: Das wird hier heute kein Spektakel. Zwei Teams außer Form und auf dem Rasen stand mit dem Halbfinaleinzug eine Menge auf dem Spiel. Aufregung gab es vor allem an der Seitenlinie, wo es zu Rudelbildungen kam. Der FSV mag das talentiertere Team zusammenhaben, was sich aktuell in der Tabelle widerspiegelt. Offenbach stellte die guten Ansätze aus dem ersten Abschnitt nach der Pause ein und übte sich in planlosem Offensivspiel mit katastrophalen Abschlüssen. Die Frankfurter waren näher am Duselsieg, die Gäste mussten einen Ball auf der Linie retten. In der Nachspielzeit kam der OFC jedoch zwei Mal gefährlich nah vor das Tor.

        Wie dem auch sei: Entscheidung im Elfmeterschießen nach 90 torlosen Minuten. Die Gastgeber vergeigten gleich den ersten Versuch, Offenbach traf mit jedem Schuss. Besonderheiten gab es sonst keine. Immerhin klappte die Nachtfahrt zum BER reibungslos. Der Zug kam sogar 14 Minuten zu früh in der Hauptstadt an. Das ist fast mehr wert als ein gutes Fußballspiel. (mm)

        VfL Bochum ‐ SC Paderborn 07 – 0:0

        VfL Bochum ‐ SC Paderborn 07 – 0:0

        „FRUST UND FROST IM REVIER“

        15.02.2026

        2. Bundesliga
        Ruhrstadion
        Zuschauer: 25.646

          BOCHUM – Über Düsseldorf ging es von einer kurzen Dienstreise heute wieder ganz allmählich Richtung Schwechheim. Winterfeeling mittlerweile auch in NRW. Amateurspiele waren rar gesät und wurden meist auf Kunstrasen ausgetragen – seit dem Wochenende regiert im Westen der Frost. Also gab es mal wieder einen Revisit in Bochum. Mein 8. Besuch im wunderbaren Ruhrstadion. Bei den sechs VfL-Spielen zuvor konnte bisher kein Heimsieg verbucht werden. 2011 stand zudem das Kracherspiel der Frauen-WM im Ruhrstadion auf dem Programm: Äquatorial-Guinea gegen Australien.

          Bei strahlend blauem Himmel sahen die Vorzeichen gar nicht schlecht aus. Der VfL bis zu diesem Zeitpunkt seit 8 Spielen in Serie in Liga 2 ohne Niederlage, brauchte einen Sieg, um sich aus dem Verfolgerfeld zu lösen und wieder im Aufstiegskampf anzuklopfen. In jenen Regionen spielt der SCP schon die ganze Saison mit. Dementsprechend konnte mit einem flotten Spiel gerechnet werden. Und so kam es auch.

          Nur leider ist ein flottes Spiel auch nicht immer ein Garant für volle Notizbücher. Bereits in der Straßenbahn konnte ein Gespräch belauscht werden, in dem ein „Jungsche“ die Heimfahrt der Ultras verriet. Aktueller Stand aus dem Buschfunk der Straßenbahn: Die Pader-Szene wurde aus der S-Bahn herausgefischt, weil sie vermummt zum Spiel fuhr. Und wieder ein paar Negativzahlen in der Statistik mehr. Offenbar war sogar eine Choreo in Bochum geplant. All Christians Are Brothers, aber niemals Freund und niemals Helfer. Ich sag euch das!

          Paderborn konnte den Block dennoch gut füllen und supportete bisweilen auch. Ich weiß zwar immer noch nicht, was ich mit dem Verein anfangen soll, aber meine Solidarität sei euch gewiss. Die nächste, hässliche Fratze des Fußballs: VAR. Nach einer halben Stunde wurde ein klarer Handelfmeter für den VfL gepfiffen. Schütze und Torwart standen sich schon Auge in Auge gegenüber. Da mischte sich der VAR ein. Anschließend war Referee Tom Bauer über das Funkmikrofon zu hören und verkündete ein vorheriges Foulspiel über die Stadionlautsprecher. Elfmeter annulliert. Einfach nur total spooky. Zumal der Schiri sich die Situation nicht nochmal vor dem Monitor zu Gemüte führte und diese Entscheidung ihren Ursprung wohl ganz alleine im Keller hatte.

          Endstand dieser Partie? Genau: 0:0. Das lag einerseits an dem starken SCP-Schlussmann Dennis Seimen, der einige Bälle aus dem Winkel kratzte. Und andererseits an dem Präsenzstürmer von Bochum: Philipp Hofmann. Der hatte zwar auch gute Szenen, ist in der Rolle als zentraler Spieler einer Mannschaft in jedem Bewegungsablauf aber einfach viel zu langsam. Seit der U21 und wahrscheinlich auch schon davor. Uwe Rösler: Vielleicht mal die kurze Hose wechseln und ’ne Brille aufsetzen – dann klappt’s beim nächsten Mal auch mit dem Sieg.

          Ansonsten hätte der VfL die 3 Punkte in allen Belangen verdient gehabt. Der Gegner wurde mehr und mehr überrollt, Paderborn wackelte am Schluss ganz gewaltig. Es war ein gutes 0:0. Soll ja auch mal vorkommen. Was bleibt sonst von diesem Nachmittag? Neben Frost und Frust nach wie vor eine richtig gute Dosis Ruhrpottfußball an der Castroper Straße. Wenn Herbert Grönemeyer seine Stadthymne vor dem Spiel zum Besten gibt, fühlt man sich den 80er-Jahren einfach ganz nah. 4630 Bochum, du Blume im Revier! Wir hoffen, dass unsere Bildergalerie euch dieses besondere Feeling im besten Falle bis nach Hause transportiert. Schönen Sonntag noch und bis zum nächsten Mal – dann auch wieder mit Gästefans, Toren und ohne VAR. (mm)

          SpVgg Sterkrade 06/07 – DJK Arminia Klosterhardt – 2:2

          SpVgg Sterkrade 06/07 – DJK Arminia Klosterhardt – 2:2

          „ACH, DU DICKER STEIN!“

          08.02.2026
          Bezirksliga Niederrhein 6
          Stadion „Am Dicken Stein“
          Zuschauer: 530

          OBERHAUSEN – Um 7 Uhr landete der Flieger aus Rumänien am Flughafen Dortmund. Was für eine unchristliche Zeit! Auf der anderen Seite war der Tag gerade erst 7h alt und wollte befüllt werden. Später warteten noch 3 Spiele in Oberhausen und Mülheim auf mich. Der Puffer zwischen der Landung und dem ersten Spiel wurde mit einem ausgiebigen Frühstück und einem Schwimmbadbesuch in Oberhausen bespielt. Praktischerweise lag der „AQUApark“ nur ein paar Minuten von dem ersten Ground des Tages entfernt. Fast neben dem Schwimmbad erfreut der „Zauberlehrling“ das Auge – ein tanzender Strommast, der als Skulptur von der Künstlergruppe „inges idee“ entworfen wurde.

          Damit war der Kulturteil abgehakt und frisch gefönt ging es zu den ersten beiden Begegnungen des Tages. 8 Wochen ohne Amateurspiel sollten zu Ende gehen. Doch die ersten beiden Partien in der letzten Liga bei SuS 21 Oberhausen III und Fatihspor Mülheim II waren harte Kost. Das wusste man vorher und so gab es trotzdem ein paar nette Dinge zu notieren: Bei SuS an der „Schleuse“ stimmte die Verpflegung. Da sowohl die II. als auch die I. Herren am Nachmittag antrat, wurde bereits bei der III. Mannschaft der Kiosk geöffnet und die Fritteuse leistete ganze Arbeit. In Mülheim konnte der Ground vom Dümptener TV durchaus überzeugen – viel wichtiger aber, dass sich nach einer halben Stunde die Sonne aus ihrem Wolkennest schälte und für leichte Frühlingsgefühle sorgte.

          Vom dritten Spiel des Tages versprach ich mir etwas mehr. Mit über einer halben Stunde Vorlaufzeit ging es nach Oberhausen-Sterkrade. Den Wagen etwas rechtswidrig auf einer Grünfläche abgestellt, wurde zügig der Eingang angesteuert. Dort angekommen, lautete der erste Gedanke: „Ach, du dicker Stein!“. Was war denn hier los? Lange Schlangen an der Kasse. Dass Platz 2 auf Platz 1 traf und der Sieger der Partie die Tabellenführung übernehmen würde, konnte zuvor dem DFB-Net entnommen werden. Auch wenn beide Vereine Oberhausener Ursprungs sind, hielt man das Spiel für eine wahllose Bezirksliga-Partie. Dass die jeweiligen Sportplätze keine anderthalb Kilometer auseinander liegen, wurde vorher jedoch nicht gecheckt. Lokalderby in der Bezirksliga!

          Eigentlich wollte vor der Partie noch der Magen befüllt werden. Doch dank des Andrangs reichte es gerade noch für eine entleerte Blase, da marschierten die Akteure schon ein. Auch in Sterkrade rundete ein azurblauer Himmel die Szenerie ab. Nicht zuletzt dank einer Kulisse von rund 600 Zuschauern strahlte der Groundhopper an diesem Sonntag-Nachmittag mit der Sonne um die Wette. Außerdem ließ das „Stadion Am Dicken Stein“ das Herz höherschlagen. Ein großer Wall mit alten Baumbeständen, die unüberdachte Tribüne mit den blauen Sitzen und viele kleine Details sorgen für einen Bezirksliga-Ground aus dem Bilderbuch. Die Verpflegung wurde natürlich sukzessive nachgeholt. Und Sterkrade tischte richtig auf: Neben einer sehr guten Bratwurst im Brötchen, gab es Currywurst mit lecker Soße und nach dem Spiel noch ein Stück Käsekuchen, sowie eine Frikadelle als Reiseproviant für die Rückfahrt. Auf die Erbsensuppe verzichtete ich, bekam aber auf meine Nachfrage in Sachen Tickets gleich drei verschiedene Sammler-Exemplare in die Hand gedrückt. Sensationell!

          Genau so muss Amateurfußball sein! Das galt nicht nur für die Beköstigung, sondern auch für den sportlichen Teil. In einer intensiven Bezirksliga-Partie ging es von der ersten Sekunde an voll zur Sache. Klosterhardt hatte die besseren Ansätze, Sterkrade kämpfte sich in die Partie zurück und erzielte nach einer halben Stunde den ersten Treffer des Tages. Im Ruhrgebiet gehören die Meckerrentner einfach dazu. Natürlich auch in Oberhausen. Wäre es nach ihnen gegangen, so wäre spätestens jetzt Schluss gewesen, „…weil hier heute eh nichts passiert“. Doch das Gegenteil war der Fall, die Partie wurde immer besser.

          Der Halbzeitführung für Sterkrade folgte der verdiente Ausgleich für die Arminia. Dann wurde es bunt. Ein Gästespieler sah die Rote Karte und fortan beherrschten die Emotionen dieses Spiel. Denn Klosterhardt war nicht zufrieden mit dem Platzverweis und die SpVgg legte schnell das 2:1 nach. Die nächste strittige Situation ließ nicht lange auf sich warten: Elfmeter für die Gäste. Das war die Rettung für Klosterhardt, aber den Elfer konnte man geben – 2:2! In einer wilden Schlussphase stand die Abwehr auf beiden Seiten schließlich offen wie ein Scheunentor, aber es blieb bei dem gerechten Remis. Oder wie die Meckerrentner sagen würden: „Hier wollte heute ja eh kein Team gewinnen“. (mm)

          Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

          Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

          „DIE LEDERHOSEN HÄNGEN AUF HALBMAST“

          31.01.2026
          Bundesliga
          Volksparkstadion
          Zuschauer: 57.000

          HAMBURG — Die Bundesliga hat sieben Jahre auf den Nord-Süd-Klassiker gewartet und im September war es in München wieder soweit. Vor dem Abstieg des Hamburger Sportvereins gab es in der Allianz Arena regelmäßig sehr eindeutige Ergebnisse, so auch im September. Mit dem 5:0 waren die Gäste noch sehr gut bedient. Wenn man sich die Statistik genauer anguckt, waren die Ergebnisse in Hamburg deutlich enger als in München. Dies war eigentlich auch die einzige Hoffnung der Hamburger, gegen die Übermacht aus München standzuhalten.

          Bei eisigen Minusgraden ging es ins ausverkaufte Volksparkstadion. Die Mannschaften wurden zum Warmmachen von ihren Lagern gefeiert und die Schickeria baute währenddessen ihre Choreographie auf. Auf Hamburger Seite gab es „nur“ ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Verantwortung bleibt“. Ein Hinweis auf die Gedenkaktion für die Opfer des Nationalsozialismus. Als neutraler Beobachter ist dies für das erste Samstag 18:30 Uhr Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga ein bisschen dürftig. Aber beschweren will ich mich hier ausdrücklich nicht, denn die Ultras der Heimseite hatten letzte Woche ihr Derby auf St. Pauli und zauberten gleich zwei Choreographien hervor. Dazu muss man auch noch sagen, die Jungs machen dies in ihrer Freizeit und opfern viele Stunden, damit der Rest ein Foto knipsen kann.

          Somit sahen die Zuschauer ein großes FC Bayern Logo und dazu ein paar farblich passende Zettel. Leider verpassten ein paar Leute ihren Einsatz, wodurch die Choreographie ein bisschen unsauber aussah.

          Gepeitscht vom lautstarken Publikum kämpfte sich der Gastgeber in die Partie. Die Devise war, den Gegner mit vielen kleinen Nicklichkeiten zur Weißglut zu bringen und die Bayern nicht ins Spiel kommen zu lassen. Während auf der Nordtribüne quasi durchgehend ein paar Fackeln angezündet wurden, spielten die Hamburger stark auf. Nach 34 Minuten explodierte das Volksparkstadion das erste Mal. Remberg fädelte bei Kimmich sehr geschickt ein und Fabio Vieira traf vom Punkt. Die Freude hielt aber nicht lange, denn Harry Kane konnte acht Minuten später den Ausgleich erzielen.

          Die Fans im Gästeblock sahen das 1:2 direkt nach der Pause nicht, da die Schickeria eine gut organisierte Pyroshow aufs Parkett legte. Es gibt viele Hater gegenüber dieser Gruppierung, aber trotz der Probleme mit der Vereinsführung lieferten sie diese Saison optisch ab.

          Wer sich einige Spiele der Bayern anguckt, weiß, dass dieser Spielverlauf immer gleich abläuft. Bayern dreht das Spiel und gewinnt am Ende klar und deutlich. Nicht aber heute, denn der HSV hat ein Juwel in der Innenverteidigung. Luka Vuskovic räumt nicht nur hinten alles ab, sondern erzielt auch regelmäßig Tore. In Minute 53 köpfte er das Leder in typischer Stürmermanier in die Maschen. Extase im Volksparkstadion. Als „Kind der Bundesliga“ muss man eigentlich traurig sein, dass so ein guter junger Spieler nächste Saison zu 99,9 Prozent in der Premier League spielt.

          Mit der Euphorie des Tores erspielten sich die Hamburger noch ein bis zwei riesige Torchancen, aber Davies verhinderte das sichere 3:2 für die Gastgeber. In den letzten 20 Minuten spielten nur noch die Bayern, aber die HSVer warfen sich in jeden Ball und verteidigten das Remis mit Mann und Maus. Ein bisschen Glück war auch dabei, denn wenn der Schiedsrichter einen anderen Blickwinkel auf zwei Aktionen gehabt hätte, dann wäre für die Bayern auch ein Elfmeter in der Schlussphase drin gewesen.

          Unterm Strich ging das Remis aber in Ordnung. Der Sieger waren die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen, denn sie haben einen packenden Klassiker gesehen. So macht die Bundesliga Spaß.

          Nach dem Spiel gab es in den Katakomben noch ein paar völlig unnötige Aufreger von den Bayern Spezis aufgrund der „schlechten“ Schiedsrichterleistung. Die Kimmichs und Kanes sollten vielleicht mal lernen, mit einem Dämpfer umzugehen. Immer wenn sie nicht ihren Willen durchkriegen, wird geweint. Das verbessert den Eindruck auf die Bayern auch nicht. Seht es sportlich, die Lederhosen wurden nicht ausgezogen, sondern hängen nur auf Halbmast. (mb)

          VfL 08 Resse – DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen (3:5)

          Moin und „Tach auch“ – wieder mal eine Winter-Woche fast geschafft. Am Sonntag ist der Januar Geschichte und auch wenn man das im Moment kaum glauben mag: Der Frühling kommt jeden Tag etwas näher! Aktuell ist an Amateurfußball kaum zu denken. Aber wenn es wieder so weit ist: Macht euch auf nach NRW!

          Am besten nach Gelsenkirchen. Aus der „Stadt der 1000 Feuer“ hatten wir schon einige Perlen im Portrait. Heute folgt eine weitere: Die „Bezirkssportanlage im Emscherbruch“ ist unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (84)!

          Der Ground befindet sich im Nordosten der Stadt und wird gleich von zwei Teams genutzt: Viktoria Resse 75 und VfL 08 Resse tragen im Emscherbruch ihre Heimspiele aus. Die BZA wird also jedes Wochenende bespielt. Lange dauert es nicht mehr und die Sonntage im Ruhrgebiet ergeben endlich wieder einen Sinn!


          08.08.2024
          BZA im Emscherbruch
          VfL 08 Resse – DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen (3:5)

          Union Brescia – AC Renate – 1:2

          Union Brescia – AC Renate – 1:2

          „FOOTBALL VIDEO SUPPORT – DIE HÄSSLICHE FRATZE ITALIENS“

          24.01.2026
          Serie C – Girone A
          Stadio Mario Rigamonti
          Zuschauer: 8.269

          BRESCIA — Am Freitag fror sich der Redakteur dieser Zeilen den Arsch im Millerntorstadion ab. Zehn Stunden später stieg ich als einer der letzten Passagiere in den easyJet Flieger, da es an der Sicherheitskontrolle etwas länger als erwartet dauerte. Pünktlich brachte uns das orangene Lieblingsobjekt nach Malpensa. Dort stand bereits der sehr kostengünstige Opel Crossland bereit, um die Reisegruppe nach Brescia zu bringen. Direkt am Stadion steuerten wir den Parkplatz am VIP Bereich an und fragten, ob wir unser Auto hier abstellen können.
          „Haben Sie einen Parkausweis für dieses Spiel?“
          Natürlich waren wir nicht im Besitz eines solchen. Nach einer kurzen Fragerunde sagte die nette Dame zu uns: „Heute könnt ihr ausnahmsweise hier parken, beim nächsten Mal benötigen wir aber ein Ticket.“
          Natürlich machen wir das, danke. Sie wird nie erfahren, dass wir wahrscheinlich nie wieder das Stadio Mario Rigamonti besuchen werden.

          Vor dem Stadion gönnten wir uns ein Panini mit Fleisch, gebratenen Paprika und Zwiebeln. Ein absoluter Hochgenuss. Gesättigt betraten wir das Stadion und begaben uns auf unsere Plätze. Positiv gestimmt freuten wir uns über den guten Support der Curva Nord. Dies ist nicht selbstverständlich, denn Union Brescia wurde erst am 17.07.2025 gegründet. Der ursprüngliche Klub Brescia Calcio konnte zum Saisonende die Gehälter nicht bezahlen, wodurch ihm vier Punkte abgezogen wurden, was gleichbedeutend mit dem Abstieg war. Aufgrund ausstehender Verbindlichkeiten und der anstehenden finanziellen Herausforderungen in der Serie C meldete Brescia Calcio Insolvenz an. Dies führte zur Auflösung des Vereins.

          Neugeboren als Union Brescia läuft es in der jetzigen Situation gut. Auch heute fingen die Boys in Blue stark an, bis Renate in der 25. Minute die Zuschauer mit dem 0:1 schockierte.

          Der wahre Schocker der Partie kam für uns in Minute 34. Der Trainer übergab dem vierten Offiziellen einen Brief und das Spiel wurde unterbrochen. Der Schiedsrichter kam vier Minuten später zurück, zeigte Gelb und gab Einwurf. Wir waren maximal verwirrt und auch die Zuschauer um uns herum schüttelten den Kopf. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: In der italienischen Serie C wird seit der Saison 2025/26 der sogenannte Football Video Support getestet. Dieses Challenge System erlaubt den Trainern der jeweiligen Teams, zweimal pro Halbzeit eine strittige Situation anzufechten. Tore, Elfmeter, direkte Rote Karten und Spielerverwechslungen dürfen überprüft werden. Hat der Trainer Recht, behält er seinen Brief. Dies führt zu absurd langen Nachspielzeiten und zu Hass bei Fußballromantikern wie mir. Für mich ist dieses System ein absolutes No Go. Sind wir hier beim Tennis oder beim American Football? Dieser Schrott verbessert den Fußball nicht, er macht ihn unattraktiv und nervig. Fußball sollte Fußball bleiben und keine Telenovela vor einem 24 Zoll Fernseher werden. Wer gebannt auf einen Bildschirm starren will, soll sich die Highlights vom Dschungelcamp auf RTL reinziehen und nicht ein Spiel pfeifen und mit einem Brief zum Fernseher laufen, um eine Challenge zu überprüfen.

          Die Challenge, das Spiel zu drehen, klappte trotz Brief und Roter Karte gegen Renate nicht. Am Ende müssen sich die Gastgeber mit einer unglücklichen 2:1 Niederlage zufriedengeben.

          Trotzdem waren wir zufrieden, den Traum aus Stahlrohr besucht zu haben. Wenn man genau hinsieht, erkennt man das Rund hinter den Stahlträgern in der Ecke. Warum die Italiener so auf Stahlrohrtribünen stehen, weiß wahrscheinlich noch nicht einmal der Challenger. Aus Fansicht kann man nur hoffen, dass Brescia wieder zu alten Höhen zurückfindet und die Curva Nord ihre Jungs zukünftig wieder gegen Monza, Cesena oder Palermo anfeuern kann, denn die Serie C ist ein Haifischbecken für gestrandete Existenzen. (mb)

          1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden – 1:2

          1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden – 1:2

            „DYNAMO GEWINNT ELB-CLÁSICO“

            24.01.2026

            2. Bundesliga
            Heinz-Krügel-Stadion
            Zuschauer: 27.875

              MAGDEBURG – Das Derby zwischen den ehemaligen DDR-Größen 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden stand unter besonderen Vorzeichen. Beide Teams befanden sich mitten im Abstiegskampf. Zwischen dem Tabellen­vorletzten SG Dynamo Dresden und dem vierzehnten aus Magdeburg lagen vor dem Spiel lediglich vier Punkte. Zudem handelte es sich um das Samstagabend-Topspiel der 2. Bundesliga.

              Bevor es jedoch zum Klassiker an die Elbe ging, wurde sich der Abstiegs­konkurrent Fortuna Düsseldorf bei seinem Gastspiel an der Leine angeschaut. Nach einem versuchten Blocksturm der Gästefans kam es zu Stauungen am Eingangstor der Südkurve. Das Stadion konnte jedoch gerade noch rechtzeitig vor Anpfiff betreten werden. Die Fans vom Rhein fielen – wie schon oft in dieser Saison – mit einem ansprechenden Szenebild auf und zündelten nahezu durchgehend rote Fackeln und Rauch.
              Auf dem Rasen zitterte sich Hannover am Ende zu einem 2:1-Sieg.

              Nach dem Spiel wurde ich netterweise von einem Austria-Salzburg-Fan mitgenommen, der zum Hoppen in Deutschland unterwegs war. Nach einer Stärkung in einem italienischen Restaurant in Braunschweig kamen wir schließlich rund eine Stunde vor Anpfiff am Stadion des 1. FC Magdeburg an.

              Vor einigen Jahren hatte ich hier bereits meinen HSV im Gästeblock gesehen. Nun sollte der Ground allerdings noch einmal mit neutraler Brille gekreuzt werden. Und genau wie damals zeigte der Block U auch dieses Mal wieder eine sehenswerte Choreografie.

              Die Bereiche der Tribüne wurden aufgeteilt und bildeten durch eingesetzte Regenponchos ein blau-weißes Schachmuster. Der Spruch „FCM – unser Leben, so haben wir es gewollt“ rundete die Choreo ab. Wenig später leuchtete die gesamte Tribüne quasi auf Knopfdruck rot auf.

              Auch im Gästeblock gab es etwas fürs Auge. Unter dem Motto „Sachsen regiert“ zeigten die Dynamo-Fans eine riesige Blockfahne. Zu sehen war ein Dynamo-Krieger, der einen am Boden liegenden Magdeburg-Fan mit einem langen Schwert bedrohte. Die Mitmachquote war auf beiden Seiten überragend. Besonders deutlich wurde dies beim Einsatz der Schals sowie bei der zwischenzeitlich unfassbaren Lautstärke.

              Zwischendurch kam es zu diversen Provokationen: Leuchtraketen wurden in Richtung der benachbarten Magdeburger geschossen, außerdem wurden Gesänge wie „Wollt ihr mit uns spielen?“ oder „Schwuler FCM“ angestimmt.

              Einig war man sich allerdings in der Meinung zur Polizei. „ACAB“ („All Cops Are Bastards“) wurde im Wechselgesang skandiert. Grund dafür war offenbar ein als fragwürdig empfundener Polizeieinsatz.

              Salz in die Wunde streute schließlich das 1:2 durch Keller in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, wodurch es mit einer knappen Gästeführung in die Kabinen ging.

              Kurz nach dem Seitenwechsel zündete auch Dynamo „auf Knopfdruck“ ordentlich Pyrotechnik in Form von Rauch und Stroboskopen, sodass das Spiel aufgrund der Nebelbildung kurzzeitig unterbrochen werden musste. Nach Wiederaufnahme der Partie gab es zwar noch weitere Torchancen auf beiden Seiten, ein weiteres Tor fiel jedoch nicht mehr. Somit konnte sich Dynamo für die 1:2-Heimniederlage im August des vergangenen Jahres revanchieren.

              Für mich war es nach den Spielen Chemie – Lok und Jena – Erfurt bereits das dritte Ost-Derby, und auch dieses Mal hatte es sich wieder gelohnt.
              Mal sehen, welches Derby als Nächstes besucht wird. (fj)

              FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

              FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

              „AUẞER SPESEN NICHTS GEWESEN“

              23.01.2026
              Bundesliga
              Stadion Millerntor
              Zuschauer: 29.083

              HAMBURG – Keine Punktlasten auf dem Dach und das Schneelastenbegrenzungskonzept spielte zum Glück keine Rolle mehr, obwohl sich auf dem Heiligengeistfeld noch große Schneetürme befanden: Das 113. Stadtderby zwischen St. Pauli und dem HSV konnte ausgetragen werden, trotz eisiger Minustemperaturen. 14 Tage zuvor waren beide Heimspiele der Hamburger Vereine dem Winter zum Opfer gefallen. Im Nachhinein wäre eine Absage vielleicht sogar die Rettung für das Derby gewesen, denn irgendwie hatten die kräftigen Minustemperaturen schon Einfluss auf das Spiel. Eine Austragung im März und die ganze Geschichte hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen.

              Dabei war alles angerichtet für einen schönen Fußball-Abend. Dank einiger „subunternehmerischer Tätigkeiten“ bei einem großen Hamburger Fußballmedium, das sich vor allem mit Marktwert-Analysen beschäftigt, durfte ich diesmal den „Ballsaal“ auf der Südtribüne betreten. Dort konnte man sich getrost die Jacke ausziehen und der Weg zum gepolsterten Sitzplatz war mit Delikatessen wie Pulled-Pork-Burgern und Königsberger Klopsen gepflastert. Die beiden Redaktionskollegen auf der Haupttribüne und im Gästeblock lieferten diesmal die besseren Fotos ab, froren sich aber den Arsch ab.

              10 Minuten vor dem Anpiff auf den teuren Plätzen angekommen, war ich plötzlich Teil der Pauli-Choreo. Daher ging es schnell an den Rand, auch wenn die Heim-Choreo verborgen blieb, war der Blick ins Stadion wieder hergestellt. Der HSV erzeugte ein Kurvenbild mit blau-weißen Elementen. Bei Pauli gab’s ein übergroßes Wappen und ein bisschen Feuer. Solide, aber für ein Derby eher Magerkost. Dasselbe galt für das Spiel. Verletzungspausen und behäbiges Aufbauspiel prägten den ersten Abschnitt. Plötzlich war eine halbe Stunde rum – und die Rivalen hatten die „Abtastphase“ noch immer nicht beendet. Beide Teams befinden sich in einer Formkrise und keine Mannschaft war willens, diese Krise zu beenden. Böse Zungen behaupten: Der Winterschlaf im Hamburger Fußball sei noch immer nicht beendet.

              In der zweiten Halbzeit wurde es aber tatsächlich besser. Die Choreos auf den beiden Hintertorseiten konnten überzeugen. Das schönere Bild gaben die Gäste ab, dafür krachte es bei St. Pauli im Block ein bisschen mehr. Auch auf dem Rasen schalteten die Akteure einen Gang höher. Es deutete sich ein Übergewicht vom HSV an, aber in der kurzen Druckphase erspielte sich die Polzin-Elf zu wenig zwingende Chancen. Daher ist es im Nachhinein wirklich kein Ruhmesblatt, dass die Rothosen mit ihrer ungefährlichen Dominanz die noch schwächere Kiezelf quasi aufbauten. Am Ende lag das Chancenplus bei St. Pauli. Aber alles nicht nennenswert. Das einzig gerechte Ergebnis lautete: 0:0. Die bittere Wahrheit, die vor dem Spiel schon herumgeisterte. Außer Spesen nichts gewesen. Nie traf dieser Spruch besser zu als an diesem Abend.

              Mit dem Abpfiff blieb das Stadion mucksmäuschenstill. Nach diesem Gekicke waren beide Fanblöcke sprachlos und vermutlich komplett durchgefroren. Irgendwie haben die Vereine zur Zeit mit sich selbst zu kämpfen. Bei dem fantasielosen Fußball und der Tabellensituation kein Wunder. Sollte am Ende zumindest ein Hamburger Erstligist den Gang in die Zweite Liga antreten, dürfte es beim Wettanbieter des Vertrauens keinen allzu großen Erlös für diesen Tipp geben. Das ist auch ok. Jetzt heißt es erstmal wieder: Kraft tanken und dann trifft man sich irgendwann zum Derby wieder. Wenn die Formkurve nach oben zeigt. Und es wieder wärmer ist. (mm)

              Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)

              Herzlichen willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! In der 82. Ausgabe unserer beliebten Kategorie melden wir uns aus Deutschland zurück! Bevor der hiesige Amateurfußball unter der aktuellen Schneedecke völlig in Vergessenheit gerät, gibt es einen Schwenk in die Landesliga Westfalen. Hereinspaziert in die ehrwürdigen „Kampfbahn Schwansbell“, wo der Lüner SV seine Heimspiele austrägt.

              Der Spielort wurde im Jahre 1952 errichtet und erlebte in den 1960er- und 70er-Jahren legendäre Spiele. In der zweitklassigen Regionalliga West empfing der LSV unter anderem Borussia Dortmund zum Punktspiel. Viel verändert hat sich in der Kampfbahn seitdem nicht. Vor etwa 15 Jahren gab es eine kleine Frischzellenkur für das Stadion, aber die schiefen Stufen und die Tribüne aus jener Zeit sind geblieben.

              Ein echter Geheimtipp im dichtbesiedelten NRW, der viel zu selten genannt wird, wenn es um die Groundperlen im Ruhrgebiet geht.


              06.10.2024
              Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)
              Kampfbahn Schwansbell

              Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

              Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

              “ADVENT ADVENT – DAS STADION BRENNT”

              20.12.2025
              2.Bundesliga
              Holstein Stadion
              Zuschauer: 15.034

              KIEL – Das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres stand an, und kurz vor Weihnachten bescherte uns die DFL einen wunderbaren Doppler. Um 15:30 Uhr sollte der eigene Verein, der HSV, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen, und um 20:30 Uhr folgte das Topspiel des Tages: Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden. Zwei der besten Fankurven zu Gast im hohen Norden – und das an einem Tag. Was will man mehr?

              Der Spieltag begann im Hamburger Volkspark, wo die Hamburger Gruppe Sektion Schleswig-Holstein ihr 15-jähriges Jubiläum feierte und dabei eine Choreografie zeigte.

              Die Gäste vom Main zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik, während auch der Förderkreis Nordtribüne sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Spiel endete vor dem ausverkauften Haus mit 1:1.

              Nach dem Abpfiff ging es zum Auto, das in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen abgestellt war. Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten wir die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und parkten in der Nähe eines Edeka-Marktes. Schnell noch im genannten Supermarkt mit einem nicht allzu leckeren Frikadellenbrötchen gestärkt, stand man kurze Zeit später im alten Gästeblock des Holstein-Stadions: Block L. Die knapp 17 Euro Eintritt sollten sich definitiv lohnen. Bereits vor dem Anpfiff zeigten die Cheerleader, was sie draufhaben. Eine einstudierte Aufführung direkt vor dem Gästeblock wurde zunächst mit Applaus begleitet. Als am Ende jedoch die Holstein-Fahne zum Vorschein kam, wurden die Damen und der Herr mit „Fotzen“-Sprechchören verabschiedet. Mindestens genauso sehenswert wie der Auftritt der cheerleader war das, was in den Fanblöcken abging. Dynamo zeigte zum Intro ein Schachbrettmuster in den Vereinsfarben. In der Mitte des Blocks war eine Blockfahne angebracht, auf der das Wappen der SG Dynamo zu sehen war.

              Auf der anderen Seite wünschte die Kieler Ultra-Gruppe New Connection allen Kasselern und Kielern frohe Weihnachten, da die Gruppe eine Fanfreundschaft mit Kassel pflegt. Bei ihrer Choreografie wurden drei Weihnachtselemente gezeigt: ein Weihnachtsbaum, ein Kaminofen mit KSV-Socken sowie ein weiterer Weihnachtsbaum in der Mitte des Blocks. Aus dem Kaminofen brannten mehrere Fackeln, und auch neben den genannten Basteleien funkelte, blinkte und qualmte es lichterloh.

              Das Spielgeschehen war von Beginn an zweitrangig, da das Drumherum deutlich interessanter war. Dynamo sang mehrere Gassenhauer, wie zum Beispiel: “Von Dresden bis zum Kosovo, immer wieder Dynamo“. Beeindruckend, wie es die Fans aus Dresden immer wieder schaffen, ein geschlossenes Bild abzugeben. Nahezu jeder – inklusive der Spieler beim Aufwärmen – trug einen Schlauchschal, der für einen Zehner als Mottoartikel verkauft wurde. Zudem folgte fast jeder dem Aufruf: „Alle in Bomberjacke“. Die Mitmachquote beim Support dürfte im hohen Neunzigerbereich gelegen haben. Besonders laut wurde es, als Vermeij die Gäste in Führung brachte. Auch wenn es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, waren alle Dresdner im Block bereit für die zweiten 45 Minuten. Knapp fünf Minuten nach Wiederanpfiff brannten bereits vereinzelte Lichter im Gästeblock. Schließlich sauste eine Rakete in die Luft – doch noch bevor diese explodierte, explodierte das Stadion. Kiel traf zum 2:1, und Millisekunden später brannte der Dynamo-Block. Neben Raketen wurden auch gelbe Farbfontänen in die Luft geschossen. Es rauchte gelb und blinkte hell – ein absolut eindrucksvolles Bild.
              Auch als der gesamte Block der SG Dynamo „Walzer tanzte“, zeigte sich die geballte Qualität der Dynamo-Anhänger: Champions League! Lichtjahre davon entfernt ist allerdings die Mannschaft der Gäste. Dresden überwintert nach drei Niederlagen in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Wie von einem Aufsteiger erwartet, wird es sehr schwer, die Liga zu halten. Der Absteiger aus Kiel hingegen verschaffte sich etwas Luft von den unteren Rängen und konnte entspannter in die Festtage gehen.

              Einen großen Weihnachtswunsch äußerte noch der Holstein-Fan (hr): Er hoffe, dass Kollege (tp) sich eine Rückrunden-Dauerkarte holt, da er aus 13 KSV-Spielen nur eine Niederlage der Kieler miterlebte. Ich persönlich hoffe, dass (tp) in Zukunft mehr dem HSV Glück bringt und man in der kommenden Saison nicht auf Holstein Kiel treffen wird.

              Der Schwechheimer Landbote wünscht allen frohe Weihnachten! (fj)

              FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

              FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

              „62.278 FREUNDE AUF DEM BERGER FELD”

              14.12.25

              2. Bundesliga
              Veltins Arena
              Zuschauer: 62.278

              GELSENKIRCHEN – Erst neulich berichtete Kollege tp begeistert vom Nebenplatz des Südstadions Haidekamp. Wenn man schon bei Nebenplätzen ins Schwärmen gerät, kann es sich fast nur um Gelsenkirchen handeln. Die “Stadt der 1000 Feuer” ist ein Paradies für alle Groundhopper, die auf der Suche nach morbidem Charme alter Sportanlagen sind. Auch mich zog es am vergangenen Sonntag in den Pott, allerdings war der Tag (mal wieder) anders geplant.

              Eigentlich standen Sparta Rotterdam und AZ in den Niederlanden auf der Agenda, aber das Spiel von Alkmaar wurde verlegt. Ein vernünftiger Doppler ließ sich nicht mehr finden und so steuerte ich das Ruhrgebiet an. Kurzfristig organisierte mir Hopperkollege fw eine Karte für das “Freundschaftsspiel” zwischen Schalke und Nürnberg, danke nochmal! Vorher trafen wir uns an der Plutostraße, wo bei Kaffee die Partie verquatscht wurde. Selbstredend ist die dortige Sportanlage Tossehof mit Ascheplatz und Stufenausbau empfehlenswert.

              Mit Abpfiff musste ich mich sputen, konnte aber mein Auto rechtzeitig im Stadtteil Beckhausen abstellen und lief den Rest durch das Naturschutzgebiet zur Arena auf dem Berger Feld. Nach dem Spiel kommt man von dort auch deutlich besser weg als von der östlichen Seite. Wie erwartet meldete Schalke ausverkauft und mit einem Sieg gegen die Clubberer winkte die Herbstmeisterschaft.

              Auf den Rängen erwartete ich nicht unbedingt eine Riesenvorstellung, denn die Nordkurve hatte erst im Heimspiel zuvor eine fette Choreo zum 150. Stadtgeburtstag abgeliefert. Doch die Schalker belehrten mich eines Besseren: gekleidet in blauen und weißen Ponchos formte die Tribüne das Vereinswappen. Zum Einlaufen der Mannschaften hielten die Fans schwarze und rote Folien hoch und zeigten das Wappen der Nürnberger Freunde. Das Ganze lief dann ein paar Mal im Wechsel. Absolut synchron und eine starke Präsentation, Hut ab!

              Die Ponchos blieben die ganze erste Halbzeit an und insbesondere bei den Hüpfeinlagen ergab das ein top Bild, wenngleich akustisch schon mehr hätte gehen können. Im Gästeblock spulten die Glubb-Fans ein solides Programm ab. Das Geschehen auf dem Rasen war dürftig, aber wen der 62.728 Freunde juckt das an so einem Tag?

              Schalke gewann letztlich 1:0 und ich gönnte mir im Anschluss noch den obligatorischen Taxiteller. Mit etwas Wehmut fuhr ich zurück nach Schwechheim, denn in der “Active City” erwarten mich die zumeist trostlosen Plastikwiesen ohne Seele. Doch Gelsenkirchen sieht mich im neuen Jahr bestimmt wieder, denn die To-Do-Liste an urigen Sportplätzen ist noch lang. (hr)

              SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

              SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

              „VIELE FRAGEZEICHEN STATT VIER ZIFFERN“

              12.12.2025
              Landespokal Hamburg
              Stadion Hoheluft
              Zuschauer: 1.512

              HAMBURG – Was wurde nicht schon alles über diese Begegnung und diese Vereine geschrieben. Das älteste Derby Deutschlands soll es sein, seit 1898. Erwin Seeler lief im Trikot der Victoria als Verräter der Arbeiterklasse auf. Altona als erster Austragungsort um die Deutsche Meisterschaft, sorgte schon 1903 für Furore. Sogar ein Spiel auf Helgoland zwischen den beiden Vereinen wurde einst ausgetragen. Aus Promo-Zwecken fand vor 101 Jahren eine Begegnung der Traditonsklubs auf der Hochseeinsel statt. Spiele auf Helgoland, die viel Aufsehen erregen, sind im Groundhopper-Kosmos ja noch gut bekannt.

              Der Hamburger Klassiker – also ein Duell, das die neutralen Fußball-Fans und Atmo-Hopper anlockt wie die Motten das Licht. So war es die letzten Jahre und auch diesmal durfte „Vicky“ sich über rund 2000 Zuschauer freuen. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nämlich vom Stadionsprecher mit dem Zusatz garniert: „…und bestimmt 1000 Kindern und Jugendlichen, die freien Eintritt erhielten“. Wie dem auch sei, am Ende einigte man sich auf 1512 Personen vor Ort. Aber das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Die Holztribüne und der Gästeblock waren jedenfalls rappelvoll und das ist ja die Voraussetzung für ein stimmungsvolles Derby.

              Ein stimmungsvolles Derby – so sah es vor dem Anpfiff auch aus. Beim Betreten des ehrwürdigen Grounds wurde schon eine große Zaunfahne vor dem Gästeblock mit der Aufschrift: „Die Macht von der Griegstraße“ gesichtet. Daneben versammelte sich eine Handvoll Heimfans hinter einer neuen Gruppenfahne mit der erwartungsfrohen Kunde: „Tresensport Victoria“. Während im Auswärtsblock lediglich eine Konfettikanone gezündet wurde, gab es bei „Vicky“ Rauch in den Vereinsfarben und Blinker zu sehen. 1:0 für Victoria und das nicht nur auf den Rängen, denn der Oberligist ging gegen den Regionalligisten früh in Führung und keiner konnte ahnen, dass es mit der Durchsage des Torschützen schon vorbei war mit den Highlights an diesem Abend. „Sönke Otto Karl-Heinz Meyer“ traf per Direktabnahme zum 1:0, wie der Stadionsprecher brühwarm und voller Stolz verkündete, was die Tribüne sehr erheiterte.

              Victoria blieb nach der Führung gefährlicher und erstickte die lahmen Versuche der Gäste den Ausgleich zu erzielen im Keim. Da die Heimelf komfortabel in Führung lag, passierte nicht mehr viel. Die Darbietungen der Schwarz-Weiß-Roten fanden zu Beginn der zweiten Hälfte ihr Echo im Gästeblock, wo eine Choreo gestartet wurde, die auf vier Doppelhaltern das Gründungsjahr „1893“ zeigen sollte und vollkommen verhunzt wurde. Viele Fragezeichen statt vier Ziffern: Alles durcheinander, schief und krumm, dass man sich ernsthaft die Frage stellte, ob der AFC dieses „Choreo-Ding“ mit der Aktion persiflieren wollte. Auch sonst stinkte der gut besetzte Gästeblock mit mindestens 500 Fans gegen die Suff-Elite vom Lokstedter Steindamm ab, die mit einem Dutzend Leuten hinter dem Wellenbrecher mehr Eindruck hinterließ als die erprobte AFC-Szene.

              Es läuft einfach aktuell nicht gut bei Altona. Dazu passt die erste Derby-Niederlage seit über 7 Jahren und das Aus im Pokal-Achtelfinale, das man nicht mehr abwenden konnte, obwohl in der Schlussphase die Zügel auf dem Kunstrasen angezogen wurden. Auch das letzte Stadtderby im April auf der AJK mit dem goldenen Tor in der Nachspielzeit war nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht sollten es die beiden Vereine mal wieder auf Helgoland versuchen… (mm)

              Borussia Dortmund II – SV Elversberg

              Es ist wieder soweit:
              Der Freitag ist da und somit auch eine neue Ausgabe von der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (77).
              Heute stellen wir die Kampfbahn Rote Erde vor, besser bekannt als Stadion Rote Erde, das sich direkt hinter der Osttribüne des Westfalenstadions befindet.
              Der Begriff Rote Erde ist eine historische Bezeichnung für das Westliche Westfalen zwischen Niederrhein und Weser.
              Das Stadion wurde von 1924 bis 1926 von Arbeitslosen im Rahmen von Notstandsarbeiten erbaut, und ist für mehrere Veranstaltungen erbaut wurden (Fussbal, Boxen, Leichtathletik).
              1929 fand hier das Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft 1928/29 statt, zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC, das die Alte Dame mit 4:1 für sich entschied.
              Die Rekordkulisse stammt vom 19.01.1948 und beträgt 46.000 Zuschauer im Oberligaspiel zwischen dem BVB und dem S04.
              Die heutige Kapazität beträgt nur noch 25.000.


              29.04.2023
              Stadion Rote Erde
              Borussia Dortmund II – SV Elversberg

              Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

              Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

              „CHANCENLOS IN DER HEIMISCHEN GOSEBURG“

              06.12.2025
              Oberliga Niedersachsen
              Nachwuchs-Trainings-Zentrum Goseburg
              Zuschauer: 280

              LÜNEBURG – Am vergangenen Samstag fand um 14 Uhr auf dem Sportplatz in der Goseburg das Oberliga-Spiel zwischen dem Lüneburger SK und dem MTV Wolfenbüttel statt. Und das im Dezember bei 12 Grad und leichtem Regen – unfassbar, dass man bei diesen Temperaturen doch noch die Chance hat, in Norddeutschland ein Fußballspiel zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern bei den „Meckis“ – da hat man noch Eier, schrieb mal ein Redaktionskollege. Aber in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sollte man sich schon glücklich schätzen, wenn man bei diesen Außentemperaturen auf einem Rasenplatz ein Fußballspiel sehen kann. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden sich 280 Zuschauer auf der Anlage ein, davon rund 30 aus Wolfenbüttel. Auch die frisch gegründete Lüneburger Fangruppe „Salzstadt Legion“ war mit fünf Leuten vor Ort. Zu ihnen gesellten sich noch weitere 25 Fans, sodass in der „LSK-Fanecke“ ungefähr 30 Personen lauerten und sich am akustischen Support beteiligten. Schlachtrufe im englischen Stil kamen gut an, da wurde es unter der Beteiligung einiger Fans richtig laut. Bei melodischen Liedern hörte man einzig und allein den Vorsänger. Das war aber nicht nur dem Aspekt geschuldet, dass die Mitmachquote der anderen Fans bei nahezu 0% lag, sondern vielmehr an dem Aspekt, dass eben genannter Einpeitscher ein Megafon im Anschlag hatte. Ich persönlich feiere es sehr, wenn sich ein paar Jugendliche zusammentun und den örtlichen Verein supporten. Mir erschließt es aber bis heute nicht, warum man für einen Fanblock, der aus keinen zwanzig Leuten besteht, ein Megafon nutzt. Letzten Endes hört man dann nur den Menschen am Megafon – wie sollen da auch 4-5 andere Supporter dagegen anschreien? Kleine Randnotiz: Nur 400 km Luftlinie östlich von uns hat fast jeder Amateurverein eine kleine Fanszene von 20-80 Leuten. Und selbst bei 80 Leuten nutzt da keiner ein Megafon. In Polen kann man sich also noch was abgucken, ähnlich wie sich Ende der 90er die großen deutschen Ultragruppen ihre Inspirationen in Italien oder (Ex-)Jugoslawien abholten.
              Sei es drum, die Jungs und Mädels geben alles, und sie sind ja auch gerade erst am Anfang ihrer hoffentlich noch langen Fankarriere.

              Ein paar schwarz-weiße Fahnen haben sie auch schon am Start, und so ergab sich ein schönes Bild zum Einlaufen der Mannschaften. Die Fans waren ab diesem Moment hellwach und heiß wie Frittenfett. Ganz im Gegensatz zu der Defensivabteilung der Hausherren. Nach nur drei gespielten Minuten lag der LSK bereits zurück. „Die Abwehr pennt doch noch, da geh ich mir lieber ein Bier holen“, hörte ich von Weitem. Das muss Günther gewesen sein, LSK-Fan seit eh und je. Bereits in der 9. Minute klingelte es erneut! Günther, bewaffnet mit Bier und Wurst, hat davon wahrscheinlich nichts gesehen, gefreut hat er sich aber wie ein kleines Kind an Weihnachten. So soll’s sein, beim Amateurfußball. Davon lebt dieser geile Sport. Den Rest des Spiels umschreiben die Worte „Der eine kann nicht, der andere will nicht“ wohl am besten. Da wäre für beide Seiten mehr drin gewesen.
              Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich, ins Tor wollte das runde Leder dennoch nicht.

              Apropos Tor: Zur 85. Minute entfernten sich die Salzstadtlegionäre aus der Fanecke und platzierten sich hinterm Heimkeeper. Ein Spruchband mit Weihnachtsgrüßen an Fans und Mannschaft wurde ausgerollt und so wurde sich auch von den aktiven Fans gebührend in die Winterpause verabschiedet. Auf den Einsatz von Pyro wurde heute leider verzichtet, auch wenn die Gerüchteküche diesbezüglich vorm Spiel ordentlich am Brodeln war. Aber nächstes Jahr wird es sicherlich wieder heiß hergehen, ist die Salzstadt doch immer für eine Überraschung bekannt. Hier an der Ilmenau, im wunderschönen Lüneburg. (hd)

              1.FC Lokomotive Leipzig – FSV Zwickau – 0:2

              1.FC Lokomotive Leipzig – FSV Zwickau – 0:2

              „DER ZUG HAT EINE BREMSE!“

              05.12.2025

              Regionalliga Nordost

              Bruno-Plache-Stadion

              Zuschauer: 6.112

              LEIPZIG – Am Wochenende wartete die Schweiz. Doch über den Anreiseweg und die Freitagabend-Beschäftigung wurde lange Zeit gegrübelt. Schließlich stach ein 6-Uhr-Flug von EasyJet ab Berlin ins Auge, der am Samstag nach Basel abheben sollte. Preislich lagen wir hier bei 3-4 Schachteln Zigaretten, hinzu kam ein Ersparnis in Sachen Übernachtungskosten: Die paar Stunden bis zum Boarding nickerte man am BER ab. Um so richtig müde am Flughafen anzukommen, sollte es kein neuer Ground in der Hauptstadt werden, stattdessen wurde ein Revisit im Bruno-Plache-Stadion vorgezogen. Beim „Bruno“ lag nach einem torlosen Erstbesuch noch eine offene Rechnung vor.

              Die Fahrt mit der einzig dafür in Frage kommenden Bahnverbindung klappte hervorragend und in Leipzig angekommen, fuhr die Straßenbahn ebenso zügig Richtung Probtsheida. Erstes Erschrecken an der Kasse. Die „Loksche“ nimmt aktuell Kurs auf die 3. Liga und die Tageskarten-Preise wurden schon mal angepasst: 20€ für den Stehplatz auf dem „Dammsitz“. In der Bundesliga gäbe es Proteste gegen so eine Preisgestaltung. Für 4€ oben drauf ging es auf die „Zusatztribüne“ zwischen Heimkurve und Haupttribüne, die vor 5 Jahren noch nicht im Rund stand.

              Die Zusatztribüne passt nicht gut ins „Bruno“. Aber als Groundhopper hat man dort alles im Blick und wird höchstens von ein paar Rentnern flankiert. Alles im Blick zu haben, sollte sich durchaus lohnen. Denn in den ersten 12 Minuten wurde nicht mehr geschwiegen, stattdessen startete Zwickau mit einem Intro, in dem gegen Polizeiwillkür protestiert wurde. Der Block war dabei oben und unten mit einer Stoffbahn eingerahmt. Blinker ergänzten das Kurvenbild optisch ansprechend. Gute Aktion und auch in der Folge präsentierten sich die etwa 800 Auswärtsfahrer aus Westsachsen von ihrer besten Seite. Der FSV hatte in der zweiten Halbzeit dann sogar ein „Double Feature“ am Start: „25 Jahre Ultras Dynamo“ feierte Zwickau mit der Dresdner Zaunfahne vor’m Block, dazu eine Pyroshow und durchgehender Support. „Red Kaos“ wird selten genannt, wenn es um die Top-Acts im Osten geht. Im „Bruno“ lieferten die Gäste aber einmal mehr ab, während die Heimkurve übersichtlich blieb.

              Wie dem auch sei, der Kommentar von den Leipzigern ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten: „Zwickau f*ickt Dynaaamoooo in den A*rsch!“ schallte es aus der düsteren Kurve. Die Szenerie in Probstheida so kernig wie eh und je – nach dem Eindruck von vor 5 Jahren hatte man zwar mit einer größeren Freakshow gerechnet, aber das mag an der Dunkelheit gelegen haben. Über 6000 Zuschauer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zeugen jedenfalls von überdurchschnittlichem Interesse an dem Traditionsverein, der übrigens nie eine DDR-Meisterschaft einheimsen konnte. Bis zu diesem Spieltag thronte die „Loksche“ an der Spitze der Liga und verlor kein einziges Heimspiel. Doch der Zug hat eine Bremse und die heißt Zwickau! Spielerisch kam Lok von Beginn an gut in die Partie, kassierte nach einer torlosen Vorstellung in der ersten Halbzeit jedoch einen Platzverweis – im Gegenzug traf Zwickau per Ecke zur Führung.

              Leipzig mühte sich wieder Zug in die Partie zu bringen. Doch nun sah man dem FSV das Formhoch an – seit Oktober ist die Elf von Rico Schmitt ungeschlagen. Und eben jener Trainerfuchs sorgte mit einer perfekt eingestellten Mannschaft dafür, dass sich sein Team in keiner Situation die Butter vom Brot nehmen ließ. Im Gegenteil: Defensiv mussten die Gäste keine brenzlige Situation mehr überstehen und vorne trafen die Zwickauer ein weiteres Mal. Aus einer Chance machte der FSV zwei Tore, denn der Endstand entsprang einem Handelfmeter. Kurz vor Schluss gab es dennoch Aufregung auf der Gästebank, als der Busfahrer der Zwickauer von einem Becher getroffen wurde und sich eine Platzwunde zuzog. Mit dem Sieg schleichen sich die Gäste in die Spitzengruppe, doch Lok bleibt aktuell noch Tabellenerster. Ob das herrlich abgerockte Bruno-Plache-Stadion auch so bleibt, sollten die Leipziger den Aufstieg in die 3. Liga packen, steht in den Sternen. Bereits in der Sommerpause wurde eine Rasenheizung installiert und zuvor schon um Spenden für das Stadion gebeten.

              Zwar gab es beim zweiten Besuch erneut kein Heimtor zu bestaunen, aber die Nullnummer von einst ist damit getilgt. Die Zeitenwende in Leipzig kann kommen. Viel Glück in der Rückrunde! (mm)

              Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

              Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

              „FOTOREIHE NORDDERBY“

              07.12.2025
              Bundesliga
              Volksparkstadion
              Zuschauer: 56.100 (Ausverkauft)

              HAMBURG – Anmerkung der Redaktion:
              Aufgrund fehlender Neutralität seitens der Berichterstatter kommt von uns zum Nordderby kein vollständiger Bericht, dafür aber überpünktlich eine Fotoreihe (hd)

              SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

              SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

              „BAU DIR DEINEN TAG IN DESSAU!“

              29.11.2025
              Verbandsliga Sachsen-Anhalt
              Stadion am Schillerpark
              Zuschauer: 80

              DESSAU – Ein schöner Tach in… der Mitte Deutschlands sollte es am Samstag werden und der Ausgangspunkt nach dem Thüringen-Derby lautete: Weimar. Immer gab es irgendwo einen Haken. Für einen Kick in Bernau bei Berlin oder in Lauchhammer hätte man vor 6 Uhr aufstehen müssen, überall lauerte die Nebenplatzfalle und es waren kaum zwei Spiele an einem Tag aufzutreiben. Außerdem sollte der Ort ein bisschen was bieten, um in der Zeit vor und nach dem Fußball durch ’ne Altstadt zu bummeln.

              Kaum hatte man sich für Dessau entschieden, verspätete sich der Zug. Informationen wurden von der DB nur tröpfchenweise herausgegeben und für den Fall der Fälle sollte es Fortuna Leipzig werden, sah Plan B vor. Doch die Bahn kam und holte sogar noch ein paar Minuten heraus. Also tingelte man über den weihnachtlichen Leipziger Hauptbahnhof und fuhr weiter nach Dessau. Irgendwie eine graue Maus, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Irgendwie mit zwei UNESCO-Weltkulturstätten aber auch interessant und eine gute Größe zum Bummeln.

              Zwei Fußballspiele warteten ebenfalls in der Stadt. Das erste Spiel der Reserveteams von Dessau 97 und Empor Waldersee führte einmal quer durch das Bauhausviertel zum Sportplatz „Kienfichten“. Bau dir deinen Tag in Dessau: Damit waren schon mal zwei „Module“ eingesackt! Die Bauhaus-Geschichte ist ganz interessant und hier wimmelt es auch von gutbürgerlichen Touristen. Der fast schon kubische Gropius-Bau in der Stadt, gilt als erstes Bauwerk dieser Epoche und wurde in dieser Machart sicher zigtausende Male kopiert. Der Sportplatz von Dessau 97 hat mit Bauhaus nicht viel zu tun. Das Vereinsheim ist ein Mix aus DDR-Chic und 90er-Jahre-Interieur, konnte in Sachen Gemütlichkeit und Kaffeetafel dafür aber überzeugen. Das Spiel fand auf dem Nebenplatz statt und als wirklich nennenswerten Fakt möchte man anführen, dass die Sonne den Ground 90 Minuten in voller Montur beleuchtete.

              Schön war’s an den Kienfichten. Der Schiri pfiff die Partie sogar 7 Minuten zu früh an, so dass für den knappen Fußmarsch in den Schillerpark etwas mehr Zeit blieb. Als wären die 7 Minuten ein Fingerzeig gewesen, wurde der Verbandsliga-Ground um exakt 13:53 Uhr betreten. Wie viele Minuten noch zum Anpfiff blieben, dafür ist kein abgeschlossenes Mathematik-Studium nötig. Der Fußweg betrug gute 3,5 Kilometer. Vor Ort war nicht besonders viel los und am Verkaufswagen fielen die durchaus hohen Preise auf. Bier und Bratwurst für je 4€ wurden dankend abgelehnt, doch ein Glühwein für 2€ war ein willkommener Trunk in dieser Jahreszeit.

              Auf ganzer Linie überzeugen konnte aber letztlich der Ground, der mit einer pfiffigen Tribüne punktet und rundherum Stufenausbau präsentiert. Hier und da fallen Aufkleber und Schriftzüge ins Auge, die von einer Dessauer Fanszene künden und auch eine Zaunfahne hing hinter dem Tor. Von Support aber keine Spur. Ohne den gut aufgelegten Stadionsprecher („…und hier eine Durchsage für die Vertreter der Medien, Rundfunkanstalten und Zeitungen“) hätte es vor den Augen der 80 Zuschauer eine trostlose Veranstaltung werden können. Doch da war einerseits auch die Heimelf, die dem Aufsteiger aus Emseloh körperlich und technisch überlegen war, schöne Tore erzielte und höher hätte gewinnen können. Und anderseits war da „Ecki“. Ein 05-Edelfan, der nach dem Spielende auf die Tribüne gebeten und von der ganzen Mannschaft mit einem Trikot geehrt wurde, weil er im September bei einer MDR-Reportage über den SV Dessau 05 die Hauptrolle spielte. Der Clip ist in der Mediathek verfügbar und dauert nur 3 Minuten, strotzt aber vor Liebensgewürzigkeit. Eine kleine Sequenz für den Kameramann, eine große Bühne für Ecki.

              Eine größere Bühne könnte es bei dem lockeren Heimsieg ja vielleicht irgendwann auch wieder für Dessau geben. Das hätte der Verein als erster FDGB-Pokalsieger und Gründungsmitglied der DDR-Oberliga sicher verdient. Zurück ging es schließlich wieder zu Fuß in das Zentrum, wo ein angenehmer Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Hier wurde sich am russischen Stand mit einer heißen Portion Borschtsch wieder Leben in den kalten Körper eingehaucht und so bestieg man am frühen Abend die Bahn nach Schwechheim.

              Ein schönes Wochenende, das man sich da in Mitteldeutschland zusammengebaut hatte ging langsam zu Ende. Dessau lieferte ab und die Bahn ausnahmsweise mal auch. (mm)

              Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

              Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

              “BERLIN HAT BOCK AUF DIE HERTHA”

              02.12.2025
              DFB Pokal
              Olympiastadion Berlin
              Zuschauer: 51.193

              BERLIN – DFB-Pokal in Deutschland. Grund genug, auch unter der Woche mal den Weg in die Hauptstadt auf sich zu nehmen. Den Arbeitstag hinter sich gebracht und rechtzeitig die Segel gestrichen. Ein Auto mit voller Besatzung aus Schwechheim nahm den kurzen Weg auf sich. Es fühlt sich schon fast wie Zuhause an, zählt es mittlerweile auch als mein zweitmeist besuchtes Stadion im deutschen-Profifußball. Das Auto wurde souverän in einer Nebenstraße abgestellt. Routiniert und zielorientiert den Weg in die blau-weiße Welt gestartet. Zuerst ging es zu den Traditions-Tickets der Herthaner. Was eine geile Aktion, für fünfzig Cent gibt es das Papierticket als Alternative für dieses trostlose print@home-Ticket des Vereins. Macht bitte weiter damit und danke für das kurze aber nette Gespräch!

              Die roten Teufel aus der Pfalz mal wieder in der geschichtsträchtigen Spielstätte. Da werden wahrscheinlich nicht nur meine Erinnerungen wach, im Jahr 2024 spielten die Lautrer im Finale des Pokals gegen das Bayerkreuz. Mein erstes besuchtes Finalspiel in Deutschland, ein phänomenaler Auftritt der Jungs und Mädels vom Betzenberg. Für viele ein Highlight ihrer aktiven Fan-Karriere. Und heute? Circa 5.000 Fans nahmen den Weg unter der Woche auf sich, die ersten zwölf Minuten wurden auf beiden Seiten wie im Ligaalltag geschwiegen.

              Während des Boykotts klingelte es das erste Mal im Kasten, die Alte Dame traf zum 1:0. Bitterer hätte die Partie für die Gäste kaum starten können. Nach dem wirklichen Anpfiff zum Spiel zeigte die Ostkurve die heutige Choreo: “Sehet die Fahne der alten Dame, fliehet ihr feindlichen Dämonen“. Der Startschuss war gesetzt. Ein solides Bild und ein brachialer Support der Herthaner. Wie so oft, kam es darauf an, lieferten die Fans ab. Oftmals gab es an diesem Ort Fan-Invasionen anderer großer Vereine. Die Ostkurve ist bei jedem dieser besuchten Spiele meinerseits mindestens mal konkurrenzfähig oder sogar besser. Die aktuelle Leistung stimmt, ein Lauf in der Liga und heute auf dem Platz sah es richtig gut aus. Die Angriffe und Abläufe stimmten, die Abwehr der Gäste wurde fast schon überrollt. Die Zuschauer wirkten fasziniert vom Auftritt ihrer Dame. Kurz vor dem Pausentee stand es 3:0, Marlon Ritter gelang noch der Anschluss. Ein kurzes Gefühl von erneuter Spannung bis zur 60. Minute. Hertha drehte wieder auf, die nächsten drei Tore und die Stimmung im Stadion erreichte erneut Höhepunkte. “Einer geht noch, einer geht noch rein” schallte es durch das weite und kalte Rund.

              Der Mythos des Pokals lebt weiterhin, schafft es Hertha dieses Jahr bis ins Finale? Ein Traum vieler Herthaner, der sich vielleicht mal ergeben sollte. Der heutige Gast hat es vorgemacht, auch ein aktueller Zweitligist und schlafender Riese kann es verwirklichen. Mit Spannung warten wir auf die Auslosung. Für uns ging es mehr als zufrieden zurück ins Bett. 2 1/2 Stunden später erreichten wir die Heimat, hätte man ein Bezirksliga-Spiel in Lüneburg mit Anpfiff um 20:00 Uhr vor der Haustür gesehen, wären wir allesamt später zu Hause gewesen. DFB-Pokal um 18:00 Uhr, in meinen Augen eine top Anstoßzeit! (tp)

              FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

              FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

              „JA, IST DENN HEUTE SCHON WEIHNACHTEN?“

              28.11.2025
              Regionalliga Nordost
              Steigerwaldstadion
              Zuschauer: 15.040

              ERFURT – Es ist schon sinnvoll, sich so manches Stadion für ein besonderes Spiel aufzuheben. Nach Erfurt verschlug es mich schon einige Male, aber bisher wurde nur in der Stadt flaniert und genächtigt. Das Thüringen-Derby an einem Freitag um 20:20 Uhr und vor Ort noch über den berühmten Weihnachtsmarkt spazieren? Diesmal war das Eis gebrochen! Doch keiner wollte mitreisen. Alle waren schon mal da gewesen. Ganz klarer Plan also: Rein in den Zug und mit dem Deutschland-Ticket einmal quer durch das Land! Genächtigt wurde witzigerweise nicht in der Stadt. Während in Erfurt zur Vor-Weihnachtszeit keine Bude für unter 200€ zu kriegen war, reichten in Weimar 15 Münzen aus um ein warmes Bett zu bekommen.

              Dank der gesperrten Strecke nach Berlin, beträgt die Reisezeit per Bahn von Schwechheim nach Erfurt aktuell schlanke 7 Stunden. Doch die Städte, in denen man Station macht und Umstiegszeiten von immer etwas mehr als 20 Minuten, machen die Reise erträglich. Da die Bahn sich diesmal an ihre Ankunftszeiten hielt, blieb vor dem Spiel noch genug Zeit für den Weihnachtsmarktbesuch. Erfurt wird hier seinem Ruf mehr als gerecht: Eine tolle Stadt zur Adventszeit! In der ausgedehnten Innenstadt ist genug Platz für alle, überall duftet und weihnachtet es und vor dem Dom baut sich schließlich ein Markt auf, der mit einer historischen Kulisse punktet und keine Wünsche offenlässt.

              Positiv auch die Straßenbahnverbindung, die den Glühwein- und Lebkuchenkonsument in nur etwa 15 Minuten zum Stadion kutschiert. Obwohl das Steigerwaldstadion in dieser Saison eine Rekordkulisse erwartete, konnten 25 Minuten vor dem Anpfiff keine Einlassschlangen ausgemacht werden. Hinein ging es mit der „sichtbehinderten“ Karte, mit der man in der ersten Reihe wirklich gegen eine Betonwand und einen engmaschigen Zaun starrt. Irgendwo ist immer ein Plätzchen frei und so war es auch diesmal, so dass von weiter oben perfekte Sicht auf das Geschehen genossen wurde.

              Die ersten 12 Minuten hätte man auch gegen die Betonwand starren können. Die Fußballer taten sich schwer und die Fans schwiegen im Steigerwaldstadion, dank der nahenden „Innenministerkonferenz“. (Bei dem Begriff sträuben sich die Nackenhaare). Nach 12 Minuten und 12 Sekunden ging das Derby langsam los. Zuerst startete Erfurt – und zwar auf den Rängen. Hinter dem Banner mit der Aufforderung an den thüringischen Innenminister, den Populismus in der Fußball-Frage zu stoppen, lugte schon sowas wie eine Choreo hervor. Und die Choreo kam. Was für eine! „Ausnahmezustand“ stand auf einer Stoffbahn. Nachdem rote Rauchtöpfe den Ausnahmezustand farblich untermalten, wurde kurze Zeit später das Silvesterfest um 33 Tage vorverlegt und es knallte minutenlang über dem dunklen Steigerwald. Ein ganz starkes Kurvenbild!

              Und es sah so aus, als wenn der Auftritt die Mannschaft beflügelte. Nachdem Jena zu immer mehr Spielanteilen kam, konterte sich Erfurt nach einer halben Stunde zum 1:0. Oder besser gesagt: Der Spieler mit der Nummer 11 besorgte im Alleingang das 1:0. Drei Mann ließ Stanislav Fehler aussteigen und schob am Ende lässig zur Führung ein. Ganz klar: Diesen Abend in Erfurt zu verbringen, war gewiss kein Fehler! Nur Minuten später folgte das 2:0, ebenfalls nach einer schnellen Umschaltaktion. Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Das Derby war endlich durchgestartet und wenig später ging es auch schon wieder in die Kabine. Die Erfurter Szene feierte Silvester und Weihnachten an einem Tag – und das am 46. Geburtstag von Coach Fabian Gerber.

              In der Halbzeit wurde ordentlich Bewegung im Gästeblock registriert. Mit Flatterband markierte Jena verschiedene Sektoren und ließ eine Blockfahne von oben herab. Mit dem Wiederanpfiff raschelte es minutenlang im Block, bis das Bildnis zur Seite gezogen wurde und sich die Szene in blau-gelb-weißen Ponchos präsentierte. Auch hier wieder ein starkes Motiv, unterstrichen von dem Spruch: „Diese Schlacht gewinnen wir“. Der Zeitpunkt der Choreo war allerdings denkbar ungünstig gewählt. Denn mit der Vollendung des Auftritts fiel das 3:0. Romarjo Hajrulla, der nach dem Schlusspfiff einen Platzverweis kassierte, weil er den Torwart-Trainer von Jena umnietete, drosch einen weiteren Vorstoß trocken zur vermeintlichen Vorentscheidung in die Maschen. Schweigen im Gästeblock.

              Spätestens zu dem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass „der RWE“ das Derby zieht und zwar in allen Belangen. 10 Minuten später klingelte es im Erfurter Kasten nach einem sehenswerten Freistoß. Immerhin konnte man nochmal Jubel aus dem Auswärtsblock vernehmen. Erfurt spielte den Vorsprung danach ziemlich souverän runter und beschenkte sich selbst damit, dass der große Rivale im Aufstiegskampf nicht davonzog. Bei all dem Derby-Ausnahmezustand durfte man nämlich nicht vergessen, dass der Tabellendritte den Zweiten empfing und Erfurt den Vorsprung Jenas auf nun 4 Punkte verkürzen konnte. Ein echtes 6-Punktespiel also, aber ein Sieg im Thüringen-Derby lässt die Tabelle für einen Moment vergessen. (mm)

              VfB Lohberg – Sportfreunde Walsum 09 III – 0:4

              Glück auf! Kleine Jubiläumsausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (75) zum Start der Weihnachtszeit. Erster Advent, der Winter in Deutschland zieht seine Bahnen. Am heutigen Freitag steht eine Perle auf dem Programm. Die Dorotheen-Kampfbahn in Dinslaken gleicht einer Pralinenschachtel. In den Niederungen des Amateurfußball kickt das Team vor ungefähr 40 Zuschauern. Der Zuschauerschnitt gleicht einer grauen Maus, die Kampfbahn ist definitiv jeden Besuch wert. Obacht, der künstliche Rasen hat mittlerweile auch hier Einzug gefunden, wie so oft wird dieser des Öfteren der wahren Perle vorgezogen. Viel Glück bei eurem Besuch!

              26.10.2025
              Dorotheen-Kampfbahn
              VfB Lohberg – Sportfreunde Walsum 09 III – 0:4

              FC Augsburg – Hamburger SV – 1:0

              FC Augsburg – Hamburger SV – 1:0

              “IN DEN FARBEN GETRENNT – IN DER SACHE VEREINT”

              22.11.2025
              Bundesliga
              WWK Arena
              Zuschauer: 30.660

              AUGSBURG – Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr führte mich der Weg in die Fuggerstadt am Lech. Nachdem im Mai das schöne Rosenaustadion, die alte Heimat des FC Augsburg, besucht worden war, ging es nun zum fünften Mal in den „Baumarkt“ des FCA. Jedes Mal handelte es sich um das Spiel FC Augsburg – HSV, und nur einmal gelang dem Gast ein Auswärtssieg. Der letzte Besuch lag fast acht Jahre zurück, als der FCA mit 1:0 gewann. Besonders im Fokus stand damals die Fahne der HSV-Ultras „Clique du Nord“, die von Augsburger Fans entwendet, aber wieder zurückerobert werden konnte.

              Heute jedoch galt – wie bereits bei der Fandemo in Leipzig, bei der Fanvertreter aus dem ganzen Land auf die Straße gegangen waren – das Motto:
              Getrennt in den Farben – der Sache vereint.
              Denn auf der Innenministerkonferenz sollen womöglich schwerwiegende Veränderungen beschlossen werden. Dazu zählen unter anderem personalisierte Tickets oder Stadionverbote auf Verdacht – Maßnahmen, die das Ende der deutschen Fankultur bedeuten würden. Mehr Informationen gibt es unter: derfußballistsicher.de

              Aus diesem Grund wurden erneut diverse Aktionen durchgeführt. Rund um die WWK-Arena waren Spruchbänder wie „POPULISMUS STOPPEN“ zu sehen. Im Stadion gab es weitere Spruchbanner. Außerdem schwiegen die Fans in den ersten zwölf Minuten des Spiels und verzichteten auf den Einsatz von Fahnen. Nach Ablauf der zwölf Minuten wurde losgelegt – Fankultur, wie sie sein sollte: laut, bunt und voller Tifo.

              Dannach folgte ein gemeinsamer Wechselgesang: „SCHEISS IMK“ schallte durch das Rund. Kurze Zeit später brannte der Gästeblock, und es wurden rote Fackeln sowie blauer Rauch gezündet.

              Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Der FC Augsburg ist immer noch der freundliche Verein aus Bayern, der die Gäste in seiner Hymne willkommen heißt. „Rot, Grün, Weiß“ ist in meinen Augen eine der schönsten Hymnen des deutschen Fußballs.
              Auch beim Endergebnis gab es keine Überraschung: Am Ende stand – wie schon im Januar 2018 – ein 1:0 auf der Anzeigetafel. Ein insgesamt verdienter Heimsieg in einem sehr schwachen Fußballspiel. Besonders der Gast aus Hamburg präsentierte sich äußerst harmlos.

              Der Sieg der Augsburger sichert dem wackelnden Trainer Sandro Wagner vorerst den Job. Man darf gespannt sein, ob sich der FCA nun stabilisieren kann.
              (fj)

              SV Hohenlimburg – FC Borussia Dröschede – 3:2

              SV Hohenlimburg – FC Borussia Dröschede – 3:2

              „IM RUHRGEBIET SCHELLT DAS TELEFON“

              16.11.2025
              Landesliga Westfalen 2
              Erich-Berlet-Stadion
              Zuschauer: ca. 160

              HAGEN – In einem Hotel in Essen aufgewacht, rief ich beim Verein VfB Lohberg an, um nachzufragen, ob wirklich in der Dorotheen-Kampfbahn gespielt wird. Die Antwort „könnte sein, dass es nicht im Stadion stattfindet“ überzeugte mich jedoch nicht, weshalb ein Alternativprogramm hermusste.

              Somit entdeckte ich über die Matchkalender-App ein Spiel im Erich-Berlet-Stadion in Hohenlimburg. Im Gegensatz zum Heimverein hatte der Gast einen soliden Social-Media-Auftritt und den Rasenplatz als Spielort angekündigt. Da sich das Spiel zudem mit dem Nebenplatz kombinieren ließ, stand der Plan fest.

              Nach einer Bahnfahrt durch das Ruhrgebiet erreichte ich Hohenlimburg frühzeitig. Ich spazierte durch die Innenstadt und am Wildwasserpark vorbei zum Stadion. Dort fragte ich sicherheitshalber noch einmal den Trainer der zweiten Herrenmannschaft, ob das Spiel der Ersten wirklich im Stadion stattfinden würde. Er bestätigte, dass trotz Regens auf dem Rasenplatz gespielt wird.

              Die 90 Minuten vergingen wie im Flug, und pünktlich nach Abpfiff ging es hinüber zum Hauptplatz, wo kurz darauf der nächste Anpfiff ertönte.

              Das Stadion, das 1976 eröffnet wurde, sorgte damals für Schlagzeilen, da es rund 16 Millionen Mark gekostet haben soll. Vieles verlief anders als geplant: Ursprünglich sollten hier 15.000 Personen Platz finden, tatsächlich fasst das Stadion aber lediglich 7.500 Zuschauer. Dennoch gehört es mit seiner überdachten Haupttribüne zu einer echten Stadion-Perle, in der sich bereits internationale Größen wie Slavia Prag oder Celtic Glasgow vorgestellt haben.

              Heute trafen die Kontrahenten SV Hohenlimburg und FC Borussia Dröschede aufeinander. In diesem kleinen Derby ging es hin und her. Zwischenzeitlich erzielte Lennart Merz in der 76. Minute das „Tor des Jahres“ zum 2:2-Ausgleich. Die Antwort folgte jedoch prompt: In der 79. Minute war es Anri Jaiani, der nach schönem Zusammenspiel traf. Das Spiel blieb bis in die lange Nachspielzeit spannend. Dann war es so weit – die „Derbysieger“-Rufe schallten von der Tribüne.

              Großes Lob gilt dem tollen Catering des SV Hohenlimburg: Sucuk im Brötchen ist einfach ein Genuss! (fj)

              SV Hamborn 90 – FSV Duisburg – 1:4

              SV Hamborn 90 – FSV Duisburg – 1:4

              „DUISBURG – DAS HAT BOCK GEMACHT!“

              09.11.2025
              Kreisliga A Duisburg-Mülheim-Dinslaken
              Sportpark Iltisstraße Nordplatz
              Zuschauer: ca. 100

              DUISBURG – Der Vortag wurde unter denkwürdigen Umständen in Bulgarien verbracht. Nach Airportsleeping und Flügen jeweils um 6 Uhr, stand für den Sonntag ein bisschen Erholung auf dem Plan. Und wo könnte man sich besser einer Frischzellenkur unterziehen als in Duisburg? Ehrlich: Ein gemütlicher Hartplatz-Doppler lockte in die Großstadt am Rhein. Davor, danach und zwischendrin gab es ein nettes Rahmenprogramm und einen kleinen Schwenk in die Vergangenheit.

              Vom spartanischen „Terminal 1“ des Flughafens in Sofia ging es in aller Früh nach Dortmund. Kein großer Unterschied zwischen den beiden Städten auf den ersten Blick. Die mobile Situation am DTM ist wirklich unterirdisch und der graue, regnerische Morgen um kurz vor 8 ließ die Perspektive nicht besser werden. Der Shuttle-Bus zum Hbf in Dortmund kostet mittlerweile einen Zehner pro Nase. Kein Wunder, dass an der Bushaltestelle in Dortmund die „Taxi-Mafia“ herumgeistert und Leute mitschnacken will. Kaum zu glauben, aber als ich der Buslenkerin mein D-Ticket unter die Nase hielt und sie tatsächlich 10€ kassieren wollte, fühlte sich das wie im falschen Film an. Also hieß es: Kehrtmachen und im Stechschritt die gut 15 Minuten zu Fuß in die Nachbarstadt Holzwickede, wo die Züge Richtung Hbf fahren. Doch das Ziel hieß eigentlich Duisburg und dort kam ich schließlich auch ohne weitere Zwischenfälle an.

              In der Duisburger Innenstadt musste dringend mal eine Nahrungsmittelaufnahme stattfinden. In der Königstraße öffnete gerade ein Lokal und das kam mir bekannt vor: Im „Café Dobbelstein“ wurde bei der allerersten NRW-Tour vor rund 18 Jahren gefrühstückt und nichts an der Fassade hatte sich geändert. Also rein in den guten Laden, schick war es innen. Was das Frühstück angeht, bin ich eigentlich nicht mehr bereit 15€ für ein Brötchen und ’nen Kaffee zu bezahlen. Aber gut, damals hat man sich was gegönnt und diesmal ebenso. Weiter ging der Tag in Duisburg im „Landschaftspark Nord“, strategisch sowieso gut Richtung Ground gelegen, aber auch für sich genommen eine wirklich gelungene Sehenswürdigkeit. Für alle, die auch nicht für 15€ frühstücken wollen hier die wichtige Info: Der Park kostet keinen Eintritt. Highlight ist definitiv der alte Hochofen im Zentrum der Anlage, auf dem man hochklettern kann und einen ganz wunderbaren Blick auf Duisburg und das Rhein-Ruhrgebiet genießt.

              Das Novembergrau war mittlerweile einem leichten Azurblau gewichen. Wie in einem Roadmovie wurde per E-Scooter endlich das erste Spiel des Tages beim 1.FC Hagenshof in der Kreisliga angesteuert. Eine richtige Grandperle inmitten feinster Nachkriegszeit-Architektur, mit kleiner Tribüne und eigentlich Teil einer 80er-Jahre-Waschbeton-Schule, die allein schon den Besuch wert ist. Das ganze Ensemble dort wirkt wie die Filmszene einer Ruhrpottkomödie mit Ralf Richter und Hilmi Sözer. Aber genau deswegen war man ja nach Duisburg gekommen. Das Spiel bot überdies Spannung, denn die Heimelf holte ein 0:2 auf und verlor in letzter Sekunde doch mit 2:3. Film ab!

              Nun hätte es nach dem Abpfiff auch stur zum nächsten Kick gehen können. Doch irgendwann vor Jahren googlete ich mal die Straßenbaufirma von Nottingham-Jahrhundertfan und DSF-Legende „Ebby“ Kleinrensing und schrieb mir die Adresse in die Handynotizen. Mit fünfminütigem Umweg und ohne große Erwartungen summte der Leihscooter also erstmal nach Alt-Walsum in ein Industriegebiet. Und vor Ort schlabberte die Kinnlade doch gefährlich nah am Boden: Alles war noch fast genauso wie vor etwa 25 Jahren in der legendären Reportage von Peter Trimborn! Damit nicht genug, auf der Mauer saß ein Mann und wartete auf eine Mitfahrgelegenheit. Natürlich blieben ihm meine Fotos nicht verborgen und als wir kurz ins Gespräch kamen, antwortete er sofort: „Ebby, klar, der Fußballfan, kenn ich!“. Klingelschilder und Messingtafeln tragen den Namen der Kleinrensings. Entweder leben seine Eltern dort noch oder es befindet sich zumindest in Familienbesitz.

              Coole Geschichte, dabei folgte das eigentliche Highlight des Tages noch: Der Hartplatz vom SV Hamborn. Und ja: Der Platz ist ein Kleinod! Alleine der Eingangsbereich mit den Graffitis und natürlich der zweiseitige Ausbau, sind schon was Besonderes. Auch in Duisburg ist die Spezies der Ascheplätze mittlerweile eine Rarität. Der Platz nebenan wurde jüngst zum Kunstrasen umgebaut und auch bei Hamborn 90 sammelt man bereits Gelder für eine geplante Umrüstung auf Plastik. An diesem Sonntag war aber alles nochmal ganz klassisch und die Akteure jagten auf dem „roten Rasen“ dem Ball hinterher.

              In derselben Kreisliga wie beim Spiel zuvor empfingen die Hamborner mit dem FSV Duisburg einen „gefallenen Riesen“. Noch vor 2,5 Jahren ging der Gast in der Oberliga Niederhein auf Punktejagd, doch dann legte der Verein aus Marxloh eine endlose Negativserie hin, belegte drei Jahre hintereinander einen Abstiegsplatz und findet sich mittlerweile in der Kreisliga wieder. In dieser Saison sieht es besser aus. Mit vielen bekannten Lokalspielern soll es nun erneut nach vorne gehen. Das bestätigt aktuell auch der erste Platz im Klassement. Bestes Beispiel ist Haluk Türkeri, einst Zweitliga-Kicker beim VfL Bochum und nun auf dem Ascheplatz in der Iltisstraße unterwegs. In Hamborn lag der FSV zunächst zurück, konnte den Spieß in einem flotten Spiel aber wie ganz selbstverständlich umdrehen. Respekt, wie es auf dem sprichwörtlichen Hartplatz zur Sache ging. Bis auf das ein oder andere Lamento blieb das Spiel in einem fairen Rahmen und technisch durfte man bisweilen sogar mit der Zunge schnalzen.

              Was für’n schöner Tach im Pott! Alles was nach dem Spiel noch auf dem Programm stand, war die Hauptmahlzeit des Tages. Da beim SVH neben frittierten Kartoffelstäbchen nur Sesamkringel angeboten wurden, fiel die Wahl auf einen schmackhaften „Taxiteller“ in Bahnhofsnähe. Heute ein König! Fehlte nur noch das „KöPi“, mit dem die deutsch-griechische Mahlzeit heruntergespült wurde. Duisburg – das hat Bock gemacht! (mm)

              VfB Homberg – Rot-Weiß Oberhausen – 1:2

              VfB Homberg – Rot-Weiß Oberhausen – 1:2

              “WER HAT AN DER UHR GEDREHT”

              15.11.2025
              Niederrheinpokal
              PCC-Stadion
              Zuschauer: 2.000

              DUISBURG – Länderspielpausen sind einfach nervig. Das hat sich damals vermutlich auch Ebby Kleinrensing aus Duisburg gedacht, als er nicht auf die Insel reisen konnte, um sein geliebtes Nottingham Forest in der Premier League zu sehen. Ob er sich dann die Länderspiele vor dem TV angeschaut hat oder stattdessen den Amateurfußball vor der eigenen Haustür verfolgte, bleibt offen.

              Ich persönlich habe mich spontan für eine Reise ins Ruhrgebiet entschieden.
              Eigentlich sollte es zum Pokalspiel FC Büderich – Wuppertaler SV (1:0) gehen. Doch leider wurde der Wecker nicht gehört, und es ging erst gegen 07:00 Uhr mit dem Deutschland-Ticket aus Schwechheim los.
              Da eine pünktliche Ankunft dadurch nicht mehr möglich gewesen wäre, entschied ich mich alternativ für das Pokalspiel zwischen dem VfB Homberg und Rot-Weiß Oberhausen.

              Nachdem auch noch mein Anschlusszug ausgefallen war, musste ich mir zusätzlich ein Ticket für den FlixTrain kaufen.

              Duisburg wurde dann jedoch pünktlich erreicht, und es folgte ein Besuch bei einem Schnellimbiss, um einen Taxi-Teller zu testen.
              Gut gestärkt ging es anschließend in den Ground und auf die gut gefüllte Haupttribüne. Offensichtlich waren viele Anhänger des MSV Duisburg vor Ort, um sich den Auftritt des Reviernachbarn nicht entgehen zu lassen.

              Aber auch die Fans aus Oberhausen waren zahlreich vertreten, der Gästeblock war komplett ausverkauft. Die Fanszene trat hinter einer breit gezogenen rot-weißen Fahne auf und verzichtete vollständig auf Gruppenmaterial. Die Lautstärke war zeitweise durchaus ordentlich.

              Spielerisch hielt Homberg gut dagegen und forderte den Gast heraus. Somit brauchte es den Ex-Bundesliga-Profi Moritz Stoppelkamp, der den Unterschied machte. Binnen zwei Minuten (38./40.) schnürte er einen Doppelpack und sorgte für eine 0:2-Halbzeitführung. In den zweiten 45 Minuten fiel zwar noch der späte Anschlusstreffer (81.) durch Luca Thissen, doch der Ausgleich wollte nicht mehr gelingen, sodass der Favorit ins Viertelfinale einzog.

              Für mich ging es im Anschluss weiter ins Ruhrstadion nach Mülheim, um den Tag mit einem Doppler abzuschließen. (fj)

              SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 – VfL Resse 08 – 3:1

              SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 – VfL Resse 08 – 3:1

              “DER BALL KULLERT IN GELSENKIRCHEN”

              09.11.2025
              Kreisliga B Gelsenkirchen
              Südstadion am Haidekamp Nebenplatz
              Zuschauer: 66

              GELSENKIRCHEN – An diesem Wochenende dreht sich wieder einmal alles um Nordrhein-Westfalen. Am Sonnabend in der Heimat empfing man das Spitzenteam Borussia Dortmund im Hamburger Volksparkstadion. Wie schon so oft vorgekommen, bekleckerten sich die Borussen nicht mit Ruhm, sondern ließen Punkte in der Hafenstadt. Für mich war es eines der Wochenenden im Monat mit dem Motto “Zuhause bleiben”. Am Sonntag allerdings stand eine Tagestour in das beliebte Bundesland an. Der Plan war Oskarreif und gespickt mit tollen Ansetzungen im deutschen Amateurfußball.

              Der Tag fing bescheiden an: Die Fahrt wurde selbstverständlich über die App “BlaBlaCar” angeboten, zwei Personen buchten sich für die Abfahrt am Sonntag um 07:00 Uhr ein. Eine halbe Stunde vor Abfahrt kam dann die Absage. Vielleicht war es ein Zeichen für den weiteren Verlauf des Tages. Im Glück-Auf Stadion Am Holzplatz in Sodingen sollte um 11:00 Uhr der Ball rollen. Am Stadion angekommen, wurden wir schon komisch von den Spielern des Heimteams erwartet. Die Frage kam: Seid ihr die Gäste? Nein! Schnell war klar, die Kicker aus Röhlinghausen haben wahrscheinlich alle ihren Wecker nicht gehört. Vielen Dank auch, flexibel umgeplant und dank wenig Zeit konnte leider nur noch der Revisit im Stadion am Schloss Strünkede eingetütet werden.

              Ein absoluter Graus, mein Kick noch im (alten) Zustand, mit Tribüne aber leider schon mit Kunstrasen im Jahr 2021 gegen die SG Wattenscheid 09 bleibt mir wahrscheinlich für immer im Kopf. Sobald man dieses Stadion betritt, bricht jedem Fußballfan das Herz. Die Stadt Herne sorgte dafür, dass das Dach der Tribüne abgetragen wurde und das Herzstück dieses Grounds einfach gestrichen wurde. Eine verantwortliche Person erzählte von Plänen einer neuen Tribüne in Zusammenarbeit mit einer Firma für erneuerbare Energien, diese sollten die durch Asbest nicht mehr benutzbare Tribüne neu bauen. Nichts da, die Stadt entschied anders. Ein Stück Fußballgeschichte im Ruhrpott einfach mal weg. So wirklich zufrieden wirkte keiner der heutigen Zuschauer mit dieser Entscheidung, absolut zurecht!

              Nach dem obligatorischen Besuch zum Komafressen ging es nach Gelsenkirchen. In Deutschland genießt die Stadt besonders bei Groundhoppern großes Ansehen. Die nächste Geschichte bahnt sich an. Das Südstadion am Haidekamp ist sicher einigen Lesern ein Begriff. Die Gerüchte um den Umbau sorgten für Sorgenfalten bei einigen Menschen. Da ich das Kreuz hier schon gesetzt habe und der Ascheplatz neben dem Stadion auch richtig was her gibt. Dank der Stadt Gelsenkirchen und der Nachricht vom Verein war ich mir sicher: das Stadion wurde gesperrt, obwohl es gutes Wetter war. Bahn frei für Fußball auf dem roten Rasen. Ich bin natürlich gespannt, wann hier wirklich die Bauarbeiten starten. Dieses Stadion ist eine absolute Perle, die Treppenstufen sind weiterhin gesperrt und dürfen nicht betreten werden. Kurzzeitig fühlt es sich so an, als wäre man wieder in Rumänien gelandet, nur mit Hinweisschildern.

              Nebenan zocken die Kicker der Eintracht souverän gegen den Gast aus Resse, ebenso ein Stadtteil dieser schönen Stadt. Die Hausherren setzten sich souverän durch und gewannen ihr Spiel. Im Verkaufsladen gibt es Stauder, Malzbier von der gleichen Marke und andere Getränke für 2€. Die Currywurst mit Pommes bekommt man für 5€, einfach ein Traum. Preise, von denen wir in Norddeutschland träumen, sind hier noch an der Tagesordnung. Den Besuch auf dem Nebenplatz und natürlich im Stadion kann man jedem nur ans Herz legen. Der Ball kullert hoffentlich noch Ewigkeiten in diesem schönen Schmuckkasten! (tp)

              MTV Egestorf – TSV „Deutsche Eiche“ Bardowick – 9:10 n.E.

              MTV Egestorf – TSV „Deutsche Eiche“ Bardowick – 9:10 n.E.

              „DAS DORF BRENNT, DIE EICHE WACKELT!“

              30.10.2025
              Bezirkspokal Lüneburg
              Sportplatz am Ahornweg
              Zuschauer: ca. 300

              EGESTORF – Feierabendkick im Bezirkspokal Lüneburg. Kennt ihr diese Tage? Alles ist angerichtet, der Stift fällt pünktlich auf der Arbeit, das Navi zeigt 15 Minuten Puffer an. Und dann geht’s los – Moloch Schwechheim, Unfall auf der Autobahn, Straßensperre am Zielort. Der gemütliche Kick im Herzen der Lüneburger Heide avancierte zum Stresstest. Fünf Minuten vor dem Kick-off wurde das Vehikel auf einem Feldweg neben der Gegengerade abgestellt und der Ground inoffiziell betreten.

              Der unerwartete Stress sollte aber schnell abfallen. Nachdem man das eher unscheinbare Areal des MTV endlich erreicht hatte, musste zwei Mal geguckt werden, was hier am Ahornweg los war. Über 300 Zuschauer versammelten sich an der Bande und am Vereinsheim zog eine Support-Gruppe mit Doppelhaltern und Plakaten die Blicke an. Schon Minuten vor dem Einlauf konnten allerlei pyrotechnische Erzeugnisse in den Händen der Männer und Frauen erblickt werden und für den Anpfiff war natürlich klar, wo die beste Sicht auf das Geschehen herrschte. Bei so viel Klimbim steuerte man auch gerne nochmal den Schatzmeister am offiziellen Eingang an und ließ 4€ Eintritt in die Kasse springen.

              Für den MTV Egestorf stand das Spiel des Jahres auf dem Programm. Bezirkspokal-Viertelfinale gegen den Landesliga-Absteiger aus Bardowick. Oder wie es die Egestorfer ausdrückten: Noch 7 Siege bis zu den Bayern, bis zum DFB-Pokal. Zum Einlauf der Teams gab es dann tatsächlich eine Pyromanie! Das wiederholte sich zur zweiten Halbzeit und auch am Ende der Partie. Wassereimer standen bereit und die Feuerwerksaktion störte niemanden auf dem Dorf. Ganz ehrlich – warum auch? Der Rahmen und schlussendlich der Mehrwert, der durch die Aktionen erzeugt wurde, ist sicher hoch einzuschätzen. Nach dem Anpfiff probierten es die „Äsdörper“ auch mit Gesängen, doch die Lichteffekte hinterließen den besseren Eindruck.

              Reden wir über das Spiel, das intensiv begann, weil zwei gute Teams aus der Bezirksliga aufeinandertrafen. Nach kurzer Zeit war zu erkennen, dass Bardowick an diesem Abend das etwas bessere Handling besaß, besonders die Angreifer der Gäste wirbelten den heimischen Abwehrverbund durcheinander und kurz vor der Pause war es so weit: Der Gästespieler mit dem schönen Namen Don-Vaios Dovas traf per Direktabnahme ins lange Eck zur Führung. Alles deutete nun auf einen Auswärtssieg hin, doch Bardowick kassierte nur zwei Minuten später einen umstrittenen Platzverweis und die Uhren waren wieder auf 0 gedreht, als der Schiedsrichter in die Kabine bat. In der Pause wurde mit dem ersten Glühwein der Saison das Winterhalbjahr eingeläutet und im Vereinsheim wanderte ein Leberkässemmel mit süßem Senf über die Theke. Da auf dem brachliegenden Feld nebenan Karotten wuchsen, gab es mit der kostenneutralen Nachspeise sogar noch einen Schub für den Vitamin-C-Haushalt. Verpflegung in der Lüneburger Heide immer top!

              Egestorf arbeitete am Ausgleich, doch die Angelegenheit gestaltete sich zäh. Ein Strafstoß musste zum Ausgleich herhalten, ehe es ins Elfmeterschießen ging. 16 Schützen verwandelten ohne große Mühen vom Punkt. Mittlerweile war das Zeiteisen auf halb 11 geklettert. Die Deutsche Eiche wackelte. Und dann ging es ganz schnell: Fehlversuch Egestorf, Matchball Bardowick. Dass auch auf der Heimseite fast ausschließlich zufriedene Gesichter und Kommentare zu sehen und hören waren, zeigt einmal mehr, dass nicht immer nur das Ergebnis zählt, sondern vor allem auch der Sportsgeist und das Wir-Gefühl – gerade auf dem Dorf.

              Vielen Dank an den MTV Egestorf für diese gelungene Veranstaltung und Gratulation an die Gäste aus Bardowick zum Einzug in die nächste Runde! (mm)

              SVG Göttingen 07 – 1. SC Göttingen 05 – 1:1

              SVG Göttingen 07 – 1. SC Göttingen 05 – 1:1

              „KRUDE MIXTUR IM ANTI-AGGRESSIVEN DERBY“

              31.10.2025
              Landesliga Braunschweig
              Stadion am Sandweg
              Zuschauer: 2.185

              GÖTTINGEN – Während die Arbeitnehmer in Süddeutschland an diesem Freitag fleißig an einer gerechten Verteilung des Länderfinanzausgleichs werkelten, wurde der Feiertag im Norden genutzt um endlich mal eine Bestandsaufnahme in Göttingen zu machen! Die Regionalzüge fahren die rund vierstündige Strecke von Schwechheim bis an die südliche Grenze Norddeutschlands mit kleinen Stops in Uelzen und Hannover durch. Es musste nur mal der richtige Tag und die richtige Paarung kommen. Spitzenspiel in der Landesliga, 07 traf auf 05 und das alles um 14 Uhr an einem Freitag – na, wenn das mal nicht die Voraussetzungen waren, nach denen man jahrelang die Augen offen gehalten hatte!

              Mit einer kleinen Verspätung trudelte die zweiköpfige Reisegruppe in Göttingen ein und ein beherzter Sprint zum Busbahnhof sorgte dafür, dass die Linie 61 zum Jahnstadion gerade noch so erreicht wurde. Jahnstadion? Genau! Neben dem größten Spielort der Stadt befindet sich das „Stadion am Sandweg“. Auch ein besonderer Ground, mit Tribüne, Fachwerkhaus und Radrennbahn. Seit gut 100 Jahren Herberge der Spielvereinigung 07, die nach dem Niedergang des großen Konkurrenten vor über 20 Jahren die Führungsposition in der Studentenstadt in Sachen Fußball einnahm und seitdem etliche Jahre in der Oberliga Niedersachsen verbrachte.

              Die 05er wurden 2003 nach missglücktem Insolvenzverfahren offiziell aus dem Vereinsregister gelöscht und gründeten mit den verbliebenen Jugendmannschaften einen neuen Verein (1.FC Göttingen 05), der wiederum mit dem RSV Geismar fusionierte (RSV Göttingen 05). Aus diesem neuen Verein wurde die I. Herren 2012 ausgegliedert und läuft seitdem wieder unter altem Namen und Logo auf. Sportlich war bisher in der Landesliga Schluss. Dieses Jahr sieht es aber für beide Teams gut aus, bis zum Ende oben mitzumischen. Platz 4 empfing Platz 3 in der Tabelle. Mit drei Punkten würde sich die siegreiche Mannschaft oben festsetzen.

              Gott sei Dank klappte die Sache mit dem Bus. Eine dreiviertel Stunde vor dem Anpfiff bildeten sich schon lange Schlangen an der Kasse. Noch weit vor 14 Uhr wurde beschlossen den Anpfiff um 15 Minuten nach hinten zu verlegen. Nach dem Ticketkauf im Stadion selbst aber keine Spur von Chaos. Ein sehr gut aufgestellter Gastgeber begrüßte an diesem Fußball-Feiertag über 2000 Zuschauer in der Landesliga, kein Wunder wenn das bei diesen Zahlen anfangs etwas länger dauert. Bei der Verpflegung jedenfalls waren die Hausherren gut aufgestellt, es kam kaum zu längeren Wartezeiten und die Fleischprodukte vom Schwenkgrill mundeten vorzüglich. So bringt Amateurfußball Spaß und das galt für die ganze Veranstaltung! Zwar war ein Zug Bullen präsent, doch Ordner und Sicherheitspersonal konnte man an einer Hand abzählen, jeder Bereich im Stadion war zugänglich und es herrschte eine wahrlich anti-aggressive Atmosphäre, in der keinerlei Zwischenfälle registriert wurden. Geht doch!

              Die Gästefans breiteten sich links neben der Tribüne aus und nichts war hier abgesperrt. Die 05er wurden aus Bremen und Linden unterstützt und der harte Kern besteht vielleicht aus gut hundert Personen, wobei natürlich viel mehr Leute im Rund dem ehemaligen Bundesliga-Aufstiegsrunden-Teilnehmer die Daumen drückten. Die 07er verfügen über keine Fanszene. Wenn man von den 2200 Zuschauern 200 Groundhopper abzieht, dürfte sich das Zuschauerverhältnis zwischen beiden Teams aber ziemlich gerecht aufteilen.

              Die Gäste starteten mit einem Element auf dem das Gründungsjahr „1905“ zu sehen war und untermalten die Choreo mittels Feuerwerk. Kurz darauf wurde gelber Rauch gezündet und Pyro-Aktionen zogen sich durch das ganze Spiel. Außerdem unterstützten die Anhänger ihre Elf mit durchgehendem Support, wobei einige sehr melodiöse Lieder im Ohr hängenblieben. Hausbesetzer-Szene trifft bei 05ern Kutten-Kultur. Der Support verdient sich trotz dieser kruden Mixtur eine Spitzennote. Zumal, wenn man bedenkt, dass es keinen Widerpart in der Stadt gibt und das Verhältnis mit der sogenannten „Führungsriege“ zuletzt über Kreuz lag, was an diesem Tag aber keine Rolle spielte.

              Die friedliche Atmosphäre übertrug sich zunächst auf das Spielfeld, wo keine Mannschaft Oberwasser errang, aber beide Teams immer mal wieder vor dem Tor auftauchten. Die Gäste trafen schließlich in der 43. Minute nach einem Standard per Kopf und jubelten eindrucksvoll vor der Kurve. Im Laufe der zweiten Halbzeit fiel der verdiente Treffer zum Ausgleich, ehe es in den Schlussminuten nochmal ordentlich zur Sache ging: Sowohl 07 als auch 05 vergaben hundertprozentige Siegchancen und schrammten knapp am Derbysieg vorbei. Nach dem Schlusspfiff waren wohl alle Beteiligten mit der Punkteteilung auf dem tiefen Rasen zufrieden, auch wenn sich kein Team in der Tabelle oben absetzen konnte.

              Doch selbst wenn es nächstes Jahr keinen Oberligisten aus Göttingen gibt – unter diesen Voraussetzungen hat der Fußball in der Stadt eine Zukunft. (mm)

              SSV Hagen – Hiddinghauser FV 6:0

              Es ist Halloween, und wir bringen euch mit der aktuellen Ausgabe der BILDERBUCH BUDE DER WOCHE (71) eine ordentliche Portion Ekel. Denn bei unserem Besuch im letzten Monat haben sich zahlreiche Kreuzspinnen breitgemacht, um das schöne Ischelandstadion zu „kreuzen“. In der Saison 2024/25 kamen noch über 3.000 Zuschauer zum Spiel von Türkspor Dortmund gegen den MSV Duisburg. Aktuell trägt der Traditionsverein SSV Hagen seine Heimspiele im altehrwürdigen Stadion aus, und die Zuschauerzahl lag beim Ligaspiel gegen den Hiddinghauser FV nicht einmal im dreistelligen Bereich. Schade eigentlich, denn das Stadion wirkt im leeren Zustand fast schöner, als wenn es voll ist – und man kann sich frei im gesamten Rund bewegen.
              Eine wunderbare Ground-Perle in NRW, die auf jeder Liste stehen sollte.


              28.09.2025
              Ischelandstadion
              SSV Hagen – Hiddinghauser FV 6:0

              MSV Duisburg – Rot-Weiss Essen – 1:1

              MSV Duisburg – Rot-Weiss Essen – 1:1

              “HIMMEL & HÖLLE IN NRW”

              26.10.2025
              Wedaustadion

              3. Liga
              Zuschauer: 27.719

                DUISBURG – Ein Spiel, welches viele Gesprächsthemen mit sich bringt. Ein Derby in Deutschland, welches ich dieses Jahr zum zweiten Mal besuchen wollte, gibt es auch nicht alle Tage. Grund hierfür waren allerdings die so traurigen Umstände nach dem Landespokal-Finale im Mai. Verständlicherweise wurde das damalige Spiel überschattet von den tragischen Ereignissen rund um einen Duisburger Anhänger. Die Atmosphäre kochte enorm hoch, besonders nach dem Spiel wurde das Thema und der damals wieder aufgenommene Support nach der Halbzeit der Essener Fans als sehr kritisch beschrieben. Die Geschichte brachte die Rivalität zwischen den beiden Anhängerschaften wieder weiter nach oben.

                Aus dem Schwechheimer Wohnviertel war es mir wert, dafür eine Tagestour zu starten. Somit klingelte der Wecker schon um 06:00 Uhr. Um das Maximum an Spielen herauszuholen, muss man eben mal früh aufstehen. Die entspannte dreieinhalb Stunden Fahrt über die deutsche Rennstrecke A1 wurde souverän abgespult. Besonders erwähnenswert ist hier mein Nachmittags-Spiel in Dinslaken. Der VfB Lohberg kickte in der Dorotheen-Kampfbahn – Bei herrlichem Herbstwetter, wie es in heimischen Gefilden wohl sehr unwahrscheinlich gewesen wäre, auf einem nassen und matschigen Rasenplatz zu spielen. Der Besuch lohnt sich und lässt sich mit dem Wedaustadion in Duisburg wunderbar kombinieren.

                Vor dem Kick gab es noch den obligatorischen Taxi-Teller. Gibt es eigentlich noch einen Besuch im besten Fußball-Bundesland Deutschlands ohne dieses fabelhafte Gericht? Die Schlangen am Einlass 30 Minuten vor Anpfiff sind ganz schön lang gewesen. Souverän an ein bis neunzig Leuten vorbei gedrängelt, um ja pünktlich auf dem zugewiesenen Platz zu sitzen. Zum Start gab es eine zweiteilige Choreo der Zebras. Bevor diese losging, startete der Support fulminant. Brachiale Lautstärke zum Klassiker auf die Melodie vom “Wackelkontakt”. Wow! Die ganze Woche darauf gefreut, das Lied habe ich seit Tagen im Ohr. Auf der anderen Seite agierten die Rot-Weissen ebenso mit fast 100% Mitmach-Quote im Gästeblock.

                Anders als im Mai wurde der Pufferblock des Gästeblocks leider in den Oberrang der Hintertortribüne verschoben, das sorgt natürlich nicht für das optimale Bild der Gästefans. Im Gästeblock gab es zum Einlaufen der Akteure Rauch in Verbindung mit einzelnen Blinkern zu bewundern. Beide Seiten gaben diesem Spiel einen würdigen Rahmen und machten Laune auf mehr.

                Die Führung der Duisburger nach 23 Minuten brachte das Publikum zu einer enormen Lautstärke. Es schien so, dass der aktuelle Tabellenzweite seinen starken Lauf weiterführen sollte. Nach dem Führungstreffer kam ein riesen Fehler des Duisburger Keepers Braune, ein Querpass durch den eigenen Strafraum brachte RWE wieder ins Spiel. Ein Aussetzer der Nummer Eins der Zebras brachte den Gästeblock mit einer schönen Zündung wieder ins obere Lautstärke-Regal. Das Spiel nahm daraufhin leider an Spannung ab. In der zweiten Halbzeit vergab Duisburg noch ein paar Chancen, so richtig gefährlich wurde es allerdings nicht mehr. Mit der Punkteteilung sind die Gäste aus Essen wohl zufriedener als die Zebras.

                Für mich und meine Reisegruppe ging es zurück in die Heimat. Die immer noch nasse Rennstrecke A1 kann man nur lieben. Zumindest nachts bringt es in Deutschland eben einfach Spaß mit seinem Auto zu fahren. Gegen 01:00 Uhr fiel man ins eigene Bett. Der Ohrwurm der Woche passt hier natürlich perfekt:
                “Wenn ich nachts schlafen geh, träum ich von den Zebras im Europacup…” (tp)