Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

„88 MAL UNBESIEGT UND DOCH SHANCENLOS“

04.12.2025
Shopee-Cup – ASEAN Club Championship
Thuwunna Stadium
Zuschauer: 201

YANGON – Reisen nach Asien verlangen dem gemeinen Hopper immer ein gewisses Maß an Geduld, Flexibilität und Leidensfähigkeit ab. Spontane Spielabsagen oder Verlegung in andere Spielorte, natürlich beides kurzfristig und häufig nicht kommuniziert, Flugverschiebungen oder auch ganze Stornierungen stehen häufig auf der Tagesordnung. Nachdem aus vorgenannten Gründen die Komplettierung der ersten Liga in Singapur scheiterte, musste man auch um den Länderpunkt Myanmar zittern, nachdem der gebuchte Flug von 4 Uhr morgens auf 13 Uhr verlegt wurde. Es blieben somit keine drei Stunden zwischen geplanter Landung und Anstoß. Um es vorwegzunehmen: Auf eines ist in Asien dann doch relativ Verlass, die Flieger heben zumeist pünktlich ab, und so war der Stempel bereits 20 Minuten vor avisierter Landung im Pass. Aber von vorn: Bereits im September fiel mir bei der Planung diese Partie im Shopee Cup ins Auge und so wurden die Flüge gebucht und das E-Visum beantragt. Hierbei empfiehlt sich rechtzeitiges Handeln, zwar wird eine Bearbeitungszeit von 7 Tagen angegeben, dies ist aber nur als Richtwert zu verstehen und hat den Einen oder Anderen schon den LP gekostet, da der Flug ohne Visum nicht angetreten werden konnte.

Der Shopee-Cup ist ein Wettbewerb mit Sponsornamen und wurde vor zwei Jahren reformiert wieder neu aufgelegt. Es ist eine internationale Meisterschaft nur für die 11 südostasiatischen Länder, es qualifizieren sich die Meister und Pokalsieger. Länder mit schwächeren Ligen, wie zum Beispiel Timor-Leste oder Brunei, durchlaufen vorher eine Qualifikation. Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils 6 Mannschaften. Die Termine sind sehr verlässlich und lassen auch eine längerfristige Planung zu. Mit Landung dauerte es dann keine 10 Minuten bis man den Grenzer von der vorhandenen Hotelbuchung und Rückflug überzeugen konnte und der Stempel geschwungen wurde. Am Airport gibt es dann die Möglichkeit eine eSim zu kaufen, welche mit ca. 8€ kein allzugroßes Loch im Reisebudget hinterlässt. Da im Land die gängigen Kartenaussteller keine Zahlungen zulassen, sollte man ausreichend Bargeld mitnehmen. Grab funktioniert mit Barzahlung einwandfrei. Der Umtauschkurs am Flughafen war deutlich besser, als vorher im Netz nachzulesen war. Es empfiehlt sich trotzdem vorerst nur kleinere Summen zu tauschen, da der Kurs in der Stadt dann doch nochmal besser ist. (1:4500 anstatt 1:3500). Es existiert zudem auch ein Schwarzmarkt mit Geldtausch aus dem Kofferraum, dieser wurde jedoch nicht genutzt; Kurse sollten hier aber nochmal besser sein. Das vorher auf Booking gebuchte Hotel konnte sogar in Euro bezahlt werden. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns vom Flughafen direkt zum Ground zu düsen. Das Gepäck gaben wir im Goal Hotel zur Verwahrung ab, wobei man hier nicht einmal unser Tipp annehmen wollte.
Das Thuwunna Stadium ist das Nationalstadion von Myanmar und neben den Länderspielen finden hier auch sämtliche internationale Clubspiele statt. Bei unserer Stadionrunde vor dem Spiel fiel uns auf, dass wir hier nicht nur eine traumhafte Gammelbude erwischt haben, sondern dass sich auch einige Menschen im Umlauf häuslich eingerichtet haben und wir gerade durch ihre Wohnzimmer spazierten.
Gastgeber am heutigen Tag war Shan United, ein professioneller Verein aus Taunggyi, im Shan-Staat von Myanmar. Der 2005 gegründete Club ist der aktuelle Ligakrösus mit 5 Meisterschaften in Folge. Auf der sehr aktuellen Instagramseite des Clubs verrät man auch mit Stolz, dass man bereits seit 88 Ligaspielen ungeschlagen ist. International reißt man jedoch keine großen Bäume aus und so gab es eine verdiente 0:3 Niederlage gegen den vietnamesischen Vertreter Nam Dinh FC, den ich bereits letztes Jahr besuchen durfte. Nam Dinh kann man getrost als Traditionsverein bezeichnen, der nicht zuletzt dank eines potenten Sponsors, der auch im offiziellen Namen wiederzufinden ist, zu alter Stärke zurückgefunden hat. So konnte man auch unter Mithilfe einiger überwiegend brasilianischer Legionäre zuletzt zwei Meistertitel in Folge feiern.

Nach dem Spiel ging es zum Hotel zum schnellen Check In und man verabredete sich mit einer Hopperlegende, die zufällig mit gleichem Ziel im Flieger saß zum Länderpunktbier. Zu Fuß ging es durch die Altstadt zur 19th Street, dem Hotspot für abendliche Aktivitäten in Yangon. Aber auch schon der Weg dorthin war ein Schmankerl: unzählige teils katzengroße Ratten, die sich zwischen schlafenden Obdachlosen und Müllbergen austobten säumten unser Weg. Auch das ist eben die Realität in einem der ärmsten Ländern der Welt und ließ einen mal wieder erden. Die andere Seite der Medaille wurde dann in der angesprochenen Partymeile vorgefunden, in der viele überwiegend junge Myanmaren die Nacht zum Tag machten. Wir schlossen uns an, genossen unser gezapftes LP Bier für umgerechnet 86 Cent und beobachteten das Treiben und die zunehmenden Alkoholleichen. 23 Uhr war dann aber in allen Läden Schluss und die Straßen waren auffallend leer auf unserem Nachhauseweg. In Myanmar hat die aktuell regierende Militärjunta eine Ausgangsperre von 0 bis 4 Uhr durchgesetzt, was auch zur Folge hat, dass die Grab App nicht funktioniert.
Der Folgetag wurde mit Sightseeing gut rumgebracht, wobei besonders die Pagoda auf jeden Fall zu empfehlen ist. Insgesamt ein sehr interessanter Aufenthalt, man ist vielen netten Menschen begegnet und die vom Auswärtigen Amt genannten Horrorszenarien können definitiv nicht bestätigt werden. Vom Landboten gibts daher eine Reiseempfehlung – natürlich ohne Haftung. (CvS)