FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

„AUẞER SPESEN NICHTS GEWESEN“

23.01.2026
Bundesliga
Stadion Millerntor
Zuschauer: 29.083

HAMBURG – Keine Punktlasten auf dem Dach und das Schneelastenbegrenzungskonzept spielte zum Glück keine Rolle mehr, obwohl sich auf dem Heiligengeistfeld noch große Schneetürme befanden: Das 113. Stadtderby zwischen St. Pauli und dem HSV konnte ausgetragen werden, trotz eisiger Minustemperaturen. 14 Tage zuvor waren beide Heimspiele der Hamburger Vereine dem Winter zum Opfer gefallen. Im Nachhinein wäre eine Absage vielleicht sogar die Rettung für das Derby gewesen, denn irgendwie hatten die kräftigen Minustemperaturen schon Einfluss auf das Spiel. Eine Austragung im März und die ganze Geschichte hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen.

Dabei war alles angerichtet für einen schönen Fußball-Abend. Dank einiger „subunternehmerischer Tätigkeiten“ bei einem großen Hamburger Fußballmedium, das sich vor allem mit Marktwert-Analysen beschäftigt, durfte ich diesmal den „Ballsaal“ auf der Südtribüne betreten. Dort konnte man sich getrost die Jacke ausziehen und der Weg zum gepolsterten Sitzplatz war mit Delikatessen wie Pulled-Pork-Burgern und Königsberger Klopsen gepflastert. Die beiden Redaktionskollegen auf der Haupttribüne und im Gästeblock lieferten diesmal die besseren Fotos ab, froren sich aber den Arsch ab.

10 Minuten vor dem Anpiff auf den teuren Plätzen angekommen, war ich plötzlich Teil der Pauli-Choreo. Daher ging es schnell an den Rand, auch wenn die Heim-Choreo verborgen blieb, war der Blick ins Stadion wieder hergestellt. Der HSV erzeugte ein Kurvenbild mit blau-weißen Elementen. Bei Pauli gab’s ein übergroßes Wappen und ein bisschen Feuer. Solide, aber für ein Derby eher Magerkost. Dasselbe galt für das Spiel. Verletzungspausen und behäbiges Aufbauspiel prägten den ersten Abschnitt. Plötzlich war eine halbe Stunde rum – und die Rivalen hatten die „Abtastphase“ noch immer nicht beendet. Beide Teams befinden sich in einer Formkrise und keine Mannschaft war willens, diese Krise zu beenden. Böse Zungen behaupten: Der Winterschlaf im Hamburger Fußball sei noch immer nicht beendet.

In der zweiten Halbzeit wurde es aber tatsächlich besser. Die Choreos auf den beiden Hintertorseiten konnten überzeugen. Das schönere Bild gaben die Gäste ab, dafür krachte es bei St. Pauli im Block ein bisschen mehr. Auch auf dem Rasen schalteten die Akteure einen Gang höher. Es deutete sich ein Übergewicht vom HSV an, aber in der kurzen Druckphase erspielte sich die Polzin-Elf zu wenig zwingende Chancen. Daher ist es im Nachhinein wirklich kein Ruhmesblatt, dass die Rothosen mit ihrer ungefährlichen Dominanz die noch schwächere Kiezelf quasi aufbauten. Am Ende lag das Chancenplus bei St. Pauli. Aber alles nicht nennenswert. Das einzig gerechte Ergebnis lautete: 0:0. Die bittere Wahrheit, die vor dem Spiel schon herumgeisterte. Außer Spesen nichts gewesen. Nie traf dieser Spruch besser zu als an diesem Abend.

Mit dem Abpfiff blieb das Stadion mucksmäuschenstill. Nach diesem Gekicke waren beide Fanblöcke sprachlos und vermutlich komplett durchgefroren. Irgendwie haben die Vereine zur Zeit mit sich selbst zu kämpfen. Bei dem fantasielosen Fußball und der Tabellensituation kein Wunder. Sollte am Ende zumindest ein Hamburger Erstligist den Gang in die Zweite Liga antreten, dürfte es beim Wettanbieter des Vertrauens keinen allzu großen Erlös für diesen Tipp geben. Das ist auch ok. Jetzt heißt es erstmal wieder: Kraft tanken und dann trifft man sich irgendwann zum Derby wieder. Wenn die Formkurve nach oben zeigt. Und es wieder wärmer ist. (mm)

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