„DER SCHÖNSTE GROUND BAYERNS“
18.04.2026
Regionalliga Bayern
Rosenaustadion
Zuschauer: 367
AUGSBURG – Das Wochenende begann mit einem großen Loch. Und zwar im rechten Vorderreifen des vierrädrigen Gefährts, das uns zu den schönsten Grounds Bayerns bringen sollte.
Wochen zuvor wurde sich elegant in ein Hansa-PKW zum Rostocker Auswärtsspiel nach Schweinfurt eingebucht. Ob ich mir einen Revisit im Sachs-Stadion am Samstag gönnen wollte, ließ ich bis zum Schluss offen. Am Freitag der „Schönbusch“ in Aschaffenburg und am Sonntag das „Waldstadion Weismain“, das waren die Gründe für die Mitfahrt.
Kurz vor Kassel machte es dann „zisch!“ und ich fasse mich kurz: Wir hatten noch Glück im Unglück. Der Reifen verlor seinen Luftdruck gerade als ein Autohof an einer Ausfahrt auftauchte. Im Kofferraum entdeckten wir Dichtmittel und eine mobile Reifenpumpe. Zu guter Letzt gehen Props raus an „Heiko’s Reifenservice“ in Hann. Münden, der die passenden Pneus kurz vor seinem Feierabend nach telefonischer Absprache schon aus dem Lager rollte und auf uns wartete. Selten hat sich eine Werkstatt die positive Google-Bewertung so verdient!
Trotz anderhalb Stunden Puffer für die Partie in Aschaffenburg konnten wir das Regionalliga-Spiel gegen Aubstadt knicken. Ersatz war mit einem Kreisliga-Derby beim FV Bad Vilbel schnell beschafft. Das war zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber wie gesagt – es hätte uns auch schlimmer treffen können. Doch dank dieser Geschehnisse entschied ich mich am Abend beim Bier in Aschaffenburg für Plan C. Kein Revisit in Schweinfurt und auch das Helmut-Schön-Stadion in Wiesbaden war angesichts der Ereignisse auf der Autobahn am Freitag nicht „gut genug“. Mit dem Deutschland-Ticket ging es nächsten Morgen schließlich Richtung Rosenaustadion, während sich der Rest der Autobesatzung ein 0:0 in Schweinfurt abholte.
Die Deutsche Bahn war an diesem Samstag-Vormittag verlässlicher als unser tschechisches Automobil am Vortag und konnte selbst eine Umsteigezeit von 6 Minuten in Treuchtlingen einhalten. Bei T-Shirt-Wetter flanierte ich anschließend noch eine Stunde durch das schöne Augsburg, bis schließlich der Regionalliga-Spielort angesteuert wurde. So eine Zeitreise in die 1950er-Jahre hätte ich beim besten Willen nicht erwartet. Das Rosenaustadion spielt in Sachen „Nostalgie“ ganz sicher in der höchsten Liga mit. Einfach cool, diese Holzsitzschalen auf der Haupttribüne und das typische Design dieser Zeit, mit der geschwungenen Linie als Roter Faden. In den Fensterscheiben der Tribüne ist noch die „Erstverglasung“ verbaut und aus den Betonritzen wächst Löwenzahn. Wie schön ein Stadion aussehen kann, wenn man damit kein Geld damit verdienen muss, beweist die Heimat der Augsburger Regionalligisten und steht damit völlig zu Recht seit 2014 unter Denkmalschutz.
Unter Denkmalschutz würde wohl auch der TSV Schwaben Augsburg in der Regionalliga Bayern gerne stehen. Der Verein wurde 1847 gegründet und steckt mitten im Abstiegskampf. Die Gäste aus Burghausen hätten mit einem Sieg den Klassenverbleib offiziell einfahren können, sind aber praktisch sowieso gerettet. In einer ausgeglichenen Partie mit unkonzentrierten Abwehrreihen, nutzten die Augsburger Schwaben einen Abspielfehler des gegnerischen Teams nach einer halben Stunde zur Führung und schließlich zum Sieg.
Burghausen hätte nach der Pause ausgleichen können, zielte aber in Person von Ex-HSV-Spieler Tom Sanne jeweils um Zentimeter neben das Tor. Interessant in diesem Zusammenhang auch die Trainerpersonalie bei den Schwaben, wo mit Matthias Ostrzolek ebenfalls ein alter Hamburger auf der Trainerbank sitzt. Übungsleiter in Burghausen übrigens: Lars Bender, Ex-Nationalspieler. Begleitet wurde der ehemalige Zweitligist von einem kleinen, sangesfreudigen Wacker-Mob, bestehend aus vielleicht 40 Mann. Auch auf Seiten der Schwaben gab es etwas Support.
Wir drücken den Mietern des Rosenaustadions die Daumen. Denn sowohl die Schwaben als auch der FCA II stecken aktuell tief im Abstiegssumpf der Regionalliga fest. Der TSV springt durch den Sieg auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Das 1:0 war vielleicht nicht sehr graziös, aber lebensnotwendig. Fußball im Rosenaustadion ist nur in der Regionalliga Bayern vorgesehen, sollten beide Augsburger Vereine in die Bayernliga relegieren, droht dem Stadion der Status „Lost Ground“. Davon abgesehen, ist in der Sommerpause die Sanierung der Flutlichtmasten geplant und damit einhergehend vermutlich die Demontage der ikonischen Lichtspender.
Das Derby zwischen der FCA-Reserve und den „Schwabenrittern“ am heutigen Dienstag findet in der Bundesliga-Arena statt. Besser wird’s nicht werden, im Rosenaustadion – für mich seit Samstag der schönste Ground Bayerns. (mm)














