KF Teuta Durrës – FK Vllaznia Shkodër – 0:1

KF Teuta Durrës – FK Vllaznia Shkodër – 0:1

„HALBZEITSHOW – KATEGORIA SUPERIORE!“

01.02.2026
Kategoria Superiore
Niko-Dovana-Stadium
Zuschauer: 1.108

DURRËS – Mit etwas Glück hätte es für die Reisegruppe „Papa & Söhne“ auch mit drei Erstliga-Spielen an diesem Wochenende in Albanien geklappt. Doch die 21-minütige Nachspielzeit und der Brechreiz des kleinsten Groundhoppers beim Partizani-Kick am Tag zuvor, taten ihr Übriges. Das war auch besser so. Ein torloses Unentschieden von Dinamo City im neuen Nationalstadion vor einer Handvoll Zuschauer, wäre wohl höchstens was für die Statistik gewesen. Umso mehr freuten wir uns auf den zweiten Kick dieser Reise in der Hafenstadt Durrës am nächstenTag.

Mit dem Nahverkehr ging es für umgerechnet 40ct am Vormittag an den Stadtrand von Tirana. Ziel dort: Der Fernbahnhof „Terminal D“, der gerade umgebaut wird und ohnehin nicht sehr einladend wirkt. Aber egal, denn für 400 Lek fährt man von dort preisgünstig nach Durrës und in alle anderen größeren Städte im Land. Die Busfahrt verlief an und für sich ereignislos. Doch als wir das Ortseingangsschild von Durrës passierten, bekam ich ein Déjà-vu zum Vortag: „Papa, mir ist schlecht!“. Bevor ich irgendwie handeln konnte, war es auch schon geschehen. Die albanischen Schlaglöcher leisteten große Arbeit. Diesmal erwischte es den großen Jungen und mir rutschte natürlich das Herz in die Hose.

Doch auch hier: Raus aus dem Bus, Sauerstoff in die Lungen, paar Minuten chillen – und der Motor lief wieder rund. Gott sei Dank. Unglaublich. Die 3-4 Stunden bis zum Anpfiff verbummelten wir bei trockenem Wetter und zweistelligen Temperaturen in der Stadt – zum Glück ohne weitere Zwischenfälle und später auch mit großem Appetit. Spazierengehen kann man gut in Durrës, mit dem Amphitheater oder der Promenade gibt es einige Fotomotive. Doch der albanische Kommunismus unter Enver Hoxha hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

Wie am Vortag gönnten wir uns für 5-6€ ein Taxi zum Ground. Das Niko-Dovana-Stadion wurde 40 Minuten vor dem Anpfiff großzügig von außen inspiziert, ehe es zum Kartenkauf ging. Hier bildete sich etwa 30 Minuten vor dem Beginn eine große Traube am Häuschen. Da viele Autos an der Kasse vorbeifuhren und nur wenig Platz zum Warten blieb, durfte ich mit den Kindern nach vorne und bekam sogleich den Grund für das Gewusel mitgeteilt: Kein Wechselgeld mehr im Häuschen. Da ich immer wieder auf die Kids einreden musste, konnte ich meine Muttersprache nicht verbergen und so fragte mich der Kassierer, wo ich herkomme. Nach der Antwort war nun plötzlich doch etwas Wechselgeld in der Kasse und mit einem Ticket für umgerechnet 3€ zogen wir zufrieden davon.

Auch in Albanien macht der Fortschritt keinen Halt. Einige neue Arenen entstanden in den letzten Jahren und in der höchsten Klasse spielen die Teams teilweise auf Kunstrasen. Durrës ist da eine Ausnahme. Dort sieht alles noch aus wie in den 90ern, obwohl man ja erst letztes Jahr die U17-EM ausrichtete. Schöne Schüssel und es wurde noch besser. Vllaznia – mit Trainer Thomas Brdaric – war zahlreich angereist, doch die ersten Akzente setzten die Heimfans, die das Spiel mit Raketen-Kaskaden starteten. Shkodër konnte mit einem Sieg die Tabellenführung verteidigen und traf nach stürmischem Beginn auch früh zum 1:0.

Es wurde bald ersichtlich, dass der Kampf von Teuta den Ausgleich zu erzielen zäh werden würde. Trotzdem warf sich der Meister von 2021 in jeden Ball und erspielte sich einige Chancen. Vllaznia blieb mit Kontern im Spiel. Doch richtig gefährlich wurde es hüben wie drüben nicht mehr. Abgesehen von einem Teil-Ausfall des Flutlichts kurz vor dem Ende, blieb der Notizblock leer. Und so kam es, dass sich das unumstößliche Highlight dieser Begegnung in der Halbzeitpause abspielte. Die Situation zwischen Shkodër- und Durrës-Fans schaukelte sich minütlich auf, bis zwischen Haupttribüne und Gästeblock Gegenstände durch die Luft flogen. Vllaznia griff schließlich zu rigiden Mitteln und bewarf den Heimanhang mit Fackeln, der die Bengalos postwendend wieder über den Zaun warf. Eine Halbzeitshow der „Kategoria Superiore“.

Das Spektakel dauerte 2-3 Minuten, bis sich die Polizei dazwischenstellte. Die Aktion schien kein Novum gewesen zu sein, alle Beteiligten blieben nach der Nummer entspannt. Vllaznia hatte nach rund einer Stunde noch einen ganz guten Auftritt mit Blinkern und Fahnen im Repertoire und bereits weit vor dem Abpfiff packten beide Lager vorsichtshalber ihre Fahnen ein. Zuerst die „Djemt e Detit“ (Jungs vom Meer). Scheinbar wollten die Heimfans nochmal auf Konfrontation mit dem Gästeblock gehen. Ein Schlupfloch zur Haupttribüne wurde jedoch rechtzeitig von der „Policia“ versperrt.

Und so blieben den Teuta-Jungs nur noch Pöbeleien aus der Ferne, während bei uns auf der Gegengerade das Tor versperrt wurde, um Vllaznia den sicheren Abzug aus der Stadt zu gewährleisten. Was freilich nicht ohne Beleidigungen und entsprechende Gesten über die Bühne ging. In Albanien heizt sich auch das normale Publikum schnell auf. Und obwohl das mit Sicherheit nicht ganz jugendfreie Szenen waren, die sich an diesem Abend in Durrës abspielten – langweilig wurde es nie. (mm)