Kickers Offenbach – SV Stuttgarter Kickers – 0:0

Kickers Offenbach – SV Stuttgarter Kickers – 0:0

„TRISTESSE SCHLÄGT TRADITION“

28.02.2026
Regionalliga Südwest
Stadion am Bieberer Berg
Zuschauer: 7.414

OFFENBACH AM MAIN – Ende letzten Jahres tauchten Gerüchte rund um die Kickers Offenbach auf. In der Viertklassigkeit ist es einfach bescheiden um den DFB-Pokalsieger von 1970 bestellt und eine Stadionanfrage für den Schönbusch in Aschaffenburg machte die Runde. Dass solche Anfragen in Sachen Alternativ-Spielort durchaus legitim sind, interessiert den Boulevard nicht. Auf die Traditionsvereine wird zu gerne raufgekloppt, wenn es mal nicht so läuft. Die Kickers jedenfalls werden auch in der nächsten Saison am Bieberer Berg spielen. Hoffentlich in der Regionalliga, wenn man denn unbedingt ein Schreckensszenario malen will.

Nichts desto weniger war es mal Zeit dem ehemaligen Bundesligisten einen Besuch abzustatten. Der Neubau am Bieberer Berg feiert bald seinen 15. Geburtstag. Das erste Heimspiel des Jahres gegen die Stuttgarter Kickers war ein würdiger Anlass dafür und weil das alles so schön ist und das Wetter nun endlich in die richtige Richtung geht, wurde gleich die halbe Familie eingepackt. Per Fernzug ging es zusammen mit Schwechheims jüngsten Groundhoppern nach Südhessen.

Mit massig Zeit im Gepäck wurde vor dem Spiel noch der „Aussichtsturm“ hinter dem Stadion angesteuert, der allerdings erst ab April seine Pforten öffnet. Oft stand der OFC in den letzten 20 Jahren nicht im Fokus überregionaler Medien. 2012 schaute jedoch „ganz Deutschland“ nach Offenbach, als im Zuge eines Heimspiels rund um den Aussichtsturm der OFC-Fan Mark Herbert zusammengeschlagen wurde und nach dem Täter im ZDF-Format „Aktenzeichen XY“ gefahndet wurde. 2016 wurde Sven R. für diese Tat zu 11 Jahren Haft verurteilt. Wenn er nicht schon auf freiem Fuß ist, kommt er nächstes Jahr wieder aus dem Knast. Mark Herbert ist nach wie vor halsabwärts gelähmt.

Warum schreibe ich das alles? Tja. Tristesse schlägt Tradition in Offenbach. Die beiden Teams mit dem höchsten Zuschauerschnitt trafen an diesem Sonnabend aufeinander. Die Kickers feierten vor der Partie den 106. Geburtstag ihres geliebten Ex-Präsidenten Waldemar Klein und auch die Schwaben füllten mindestens den halben Gästeblock. Viel mehr gibt es von diesem Regionalliga-Spiel nicht zu berichten. Im ersten Abschnitt war es noch ein recht seriöser Kick mit aufmüpfigen Gästen. Offenbach hätte nach 10 Minuten sogar zwingend in Führung gehen müssen. Doch Jelle Goselink vergab frei vor dem Gästekeeper. Recht zuversichtlich ging es in die Pause. Spätestens nach einer Roten Karte in der 55. Minute gegen Daniel Dejanovic war der Ofen aber aus.

Offenbach mauerte nun mit 10 Mann den Strafraum zu. Stuttgart als ausgewiesene Pressing- und Kontermannschaft kam bis zur 90. Minute zu keiner Chance mehr, die Heimelf formierte sich ganzheitlich in der eigenen Hälfte. In Sachen Unterhaltung der absolute Zonk. Die Gäste vergaben in einer letzten Druckphase Sekunden vor Schluss dann doch den Sieg. Das Publikum der Hessen zeigte sich mit dem torlosen Unentschieden nach dem Aussetzer von Dejanovic durchaus zufrieden und der OFC kauert nun ein Pünktchen vor dem ersten theoretischen Abstiegsplatz über dem Strich. Tristesse schlägt Tradition.

Irgendwie müssen die Offenbacher von der Sackgasse auf die Überholspur kommen. Wie der Turnaround mit diesen bescheidenen fußballerischen Mitteln gelingen soll, ist ungewiss. Mit dem besten Zuschauerschnitt in der Regionalliga Südwest ist Potential definitiv vorhanden, auch wenn die Perspektive auf Rang 13 aktuell dahinplätschert. Wenn die wenigen Dummköpfe fernbleiben, die den Gästespieler Melkamu Frauendorf nach dem Spielende rassistisch beleidigten, tut das der Kulisse allerdings auch nicht weh. Das ist wirklich bitter, zumal, wenn man mit Kindern im Stadion ist. Vielleicht sollte man bei „Aktenzeichen XY“ nach diesen Leuten suchen. (mm)

FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

„REVISIT FOR NOTHING – DANKE, DEUTSCHE BAHN!“

13.02.2026
Hessenpokal
Stadion am Bornheimer Hang
Zuschauer: 6.414

FRANKFURT – Am Donnerstag-Abend entschied sich für mich das Freitagsprogramm. Die dt. Rennrodler räumten in Milano/Cortina im Teamwettbewerb die Goldmedaille ab und mit der „BahnCard 25 Probe Gold“, die man im Vorfeld für läppische 19€ erworben hatte, gab es am Folgetag beliebig viele freie Fernfahrten mit der DB! Danke Deutsche Bahn, danke Team Deutschland!

Ein Flug von Berlin um 10 Uhr am Samstag in den UK, war schon lange gebucht. Normalerweise wäre man gemütlich am Vortag mit der Regionalbahn von Schwechheim nach Berlin gefahren: Amateurkick und günstiges Hotelzimmerchen, nächsten Tag ausgeschlafen nach Manchester. Aber was ist schon normal in diesem Winter? In Berlin wurde bereits in der Vorwoche eine Generalabsage ausgesprochen. Dank der Goldmedaille gab es aber sehr gute Alternativen for nothing.

Bedingung war natürlich auch eine nächtliche ICE-Rückfahrt nach Berlin. Möglichst vor Mitternacht, damit man den Zug nicht bezahlen musste. Ab Köln und Frankfurt fuhr jeweils ein ICE um 23:30 Uhr mit passender Ankunftszeit Richtung Hauptstadt. In NRW hätte man in Velbert einen neuen Ground besuchen können. Aber die kalten Temperaturen und der Neubau irgendwo im Nirgendwo schreckten ab. Es wurde der Bornheimer Hang, der in „glorreichen Corona-Zeiten“ vor 5 Jahren mal als Geisterspiel gegen den Bahlinger SC besucht wurde. Da man damals auch sehr edel vom FSV behandelt wurde und dem Verein die letzten Bierreserven aus dem Kühlschrank abluchste, stand ein weiterer Höflichkeits-Besuch bei dem Regionalligisten noch aus.

Trotz Schneefall gingen alle Fahrten pünktlich über die Bühne und in Bornheim angekommen, wurde dieser interessante Stadtteil bei rund 10 Grad Außentemperatur einmal mehr unter die Lupe genommen. Zu Fuß ging es dann pünktlich zum FSV. Aus der Löwengasse kommend, genießt man einen hervorragenden Blick von oben auf die Bude. Das Stadion wurde ja vor etwa 15 Jahren rundum modernisiert, gefällt aber trotzdem mit seinen unüberdachten Kurven. Offenbach war zahlreich angereist, konnte den Block aber nicht komplett füllen. Von der FSV-Szene nahm ich ehrlicherweise das erste Mal richtig Notiz. Ein ganz kleiner Haufen, der aber permanent Lärm erzeugte und in Bewegung war.

Das Spiel konnte mit beiden Kurven nicht wirklich mithalten – bezeichnend. Schon früh war absehbar: Das wird hier heute kein Spektakel. Zwei Teams außer Form und auf dem Rasen stand mit dem Halbfinaleinzug eine Menge auf dem Spiel. Aufregung gab es vor allem an der Seitenlinie, wo es zu Rudelbildungen kam. Der FSV mag das talentiertere Team zusammenhaben, was sich aktuell in der Tabelle widerspiegelt. Offenbach stellte die guten Ansätze aus dem ersten Abschnitt nach der Pause ein und übte sich in planlosem Offensivspiel mit katastrophalen Abschlüssen. Die Frankfurter waren näher am Duselsieg, die Gäste mussten einen Ball auf der Linie retten. In der Nachspielzeit kam der OFC jedoch zwei Mal gefährlich nah vor das Tor.

Wie dem auch sei: Entscheidung im Elfmeterschießen nach 90 torlosen Minuten. Die Gastgeber vergeigten gleich den ersten Versuch, Offenbach traf mit jedem Schuss. Besonderheiten gab es sonst keine. Immerhin klappte die Nachtfahrt zum BER reibungslos. Der Zug kam sogar 14 Minuten zu früh in der Hauptstadt an. Das ist fast mehr wert als ein gutes Fußballspiel. (mm)