Málaga CF – Cultural Leonesa – 2:1

Málaga CF – Cultural Leonesa – 2:1

„KATASTROPHEN-HOPPER GEBEN NIE AUF”

08.02.26
Segunda División
Estadio La Rosaleda
Zuschauer: 24.211

MÁLAGA – Den Verein verbinde ich schon lange mit einem sehr prägenden Spiel in meiner Jugend vor dem Fernseher. Viele Leser werden wissen, welchen Kick ich meine. Felipe Santana schoss in der 92. Minute im Gewusel von Dortmund das 3:2. Grenzenloser Jubel von den Fans der Schwarz-Gelben. Was ist mit diesem Verein aus Andalusien passiert? Fußball und Investoren, da ist der Klub ein perfektes Beispiel, warum diese beiden Dinge in meinen Augen nicht zusammenpassen. Im Jahr 2010 kaufte sich ein Geldgeber den Klub, der Verein gönnte sich viele Spieler mit bekannten Namen. Unter anderem Roque Santa Cruz, Ruud van Nistelrooy, den damals jungen Isco oder Santi Cazorla. Sportlich lief es dadurch rund und mündete im Einzug in die Königsklasse. Das Aus folgte erst im Viertelfinale in der oben beschriebenen Partie im Dortmunder Westfalenstadion. Und heute? Der Scheich war längst weg vom Fenster. Nach dem Abzug kam die Wende. Die Spieler wurden verkauft und durch Nachwuchs und Leihspieler ersetzt. Der Verein stieg in die zweite Liga ab und kurzzeitig auch in die dritte Liga. Wahnsinn, so schnell kann es im Fußballgeschäft gehen. Den Wiederaufstieg in die Segunda División erreichte der Klub fix. Eins, was bleibt, sind wie so oft die Fans: Durch sportlichen Erfolg füllt sich (logischerweise) auch oft das Estadio von allein. Wichtig ist es aber, dass diese Fans auch zu ihrem Klub gehen, wenn dieser eben wie aktuell in der Zweiten Liga antritt. Getreu dem Motto: Die einzige Konstante im Verein, sind die Fans.

Zunächst gab es eine Hiobsbotschaft für mich vor der Tour. In den sozialen Medien erfuhr ich von schweren Unwettern in der Region. Cádiz, Málaga und andere Städte in der Provinz waren betroffen von Sturm, Erdrutschen und teilweise Überschwemmungen. Mitbekommen habe ich das durch die Veröffentlichung eines Statements des andalusischen Fußballverbands. Es folgte die Absage der Amateurspiele, die ich vor meinem Besuch am Sonntagabend in Málaga geplant hatte. Der Blick auf die Wettervorhersage brachte nicht unbedingt die Vorfreude zurück. Ich sortierte kurz die Gedanken und trat die Reise am Ende dennoch unverändert an.. Vor Ort war es auch nicht so schlimm, wie es in den Medien stand. Klassiker, dennoch viel Kraft den Betroffenen!

Somit wurde der Sonntag nach der Landung am Airport umgeplant. Das einzige Spiel, das vorher möglich war, lag in Estepona. Eine Stadt, abseits des typischen Tourismus vom “Deutschen Heinz und Gisela” in Malaga, Marbella oder Sotogrande. Ein herrlicher Start in den Tag. Als Präsent gab es die dritte Nullnummer in diesem Jahr und ein Spiel mit zwei aktiven Fangruppen. Für zehn Euro Eintritt stand man auf der Hintertorseite bei 15 Grad und leichtem Sonnenschein. Von Unwetter und Überschwemmungen blieb zum Glück nur der Wind.

Zurück nach Málaga ging es mit dem Bus der Firma Avenza. Ein großes Busunternehmen, das in der Region Andalusien viele Strecken anbietet. Der Blick auf die Website lohnt sich, da die Spiele ohnehin abgesagt wurden, lohnte sich in diesem Fall kein Mietwagen. Preislich war es identisch, da setze ich mich auch mal gerne in den Bus für die Augenpflege. Tickets für ein Spiel in Málaga werden nach dynamischen Preisen verkauft. Ein spannendes System: Ungefähr vier Tage vor dem Kick, besorgte ich mir eine Karte hinter dem Tor für 25 Euro. Als kleiner Tipp: Im Oberrang konnte man sich komplett frei bewegen und somit auch auf die Haupttribüne gehen. So sollte es immer und überall sein. Die Sparfüchse des Landboten würde es freuen.

Die Lage des Estadio La Rosaleda gefiel mir auf Anhieb, dafür ist das Land Spanien aber auch oft bekannt. Zentrumsnah und doch mitten in einem Wohngebiet. Nebenan verläuft ein Fluss und auf der Brücke startet der Trubel. Fliegende Verkäufer bieten Schals, Hamburguesa und Magneten. Es lohnt sich definitiv, die Stimmung vor dem Spiel so gut es geht aufzusaugen. Stimmung in Spanien? Nach meinem Besuch in Bilbao war es eines meiner besseren Spiele in diesem Land. So unterschiedlich die Erfahrungen auch sind, bin ich mit dem Spielbesuch in Malaga definitiv zufrieden.

Der mit ungefähr 100 Mann gefüllte Gästeblock hatte zuerst Grund zur Freude: Der Führungstreffer gelang dem Team in der ersten Halbzeit. Dem Aufsteiger gelang somit die kurzzeitige Überraschung. Nach der Führung begann Malaga richtig attraktiven Fußball zu spielen, schnelle Seitenverlagerungen, fließende Abläufe und eine Menge Chancen. Der Ausgleich erfolgte in der zweiten Hälfte und den Siegtreffer gab es in der Nachspielzeit. Ein herzlicher Mittelfinger an die Leute, die das Stadion schon vorher verlassen haben. Es wird leider immer irgendwelche “Fans” geben, die lieber drei Minuten vorher das Stadion verlassen, um drei Minuten eher im Stau zu stehen. Selbst schuld, die verpasste Stimmung und das kollektive Ausrasten haben mir richtig gefallen! Fußball gehört den Fans und nicht den Investoren, Málaga ist dafür eben ein perfektes Beispiel. Der Fußball ist und bleibt kein Spielzeug. (sl)

Málaga CF – Cádiz CF – 0:2

Málaga CF – Cádiz CF – 0:2

„ALLE 11 MINUTEN VERLIEBT SICH EIN GROUNDHOPPER IN EINEN DERBYHELDEN“

09.03.2025
Segunda División de España
Estadio La Rosaleda
Zuschauer: 20.857

MÁLAGA – Das Andalusien-Derby im „Estadio La Rosaleda“ sollte der schöne Abschluss einer ereignisreichen Spanien-Woche werden. Das Spielchen rutschte nur auf die Speisekarte, weil Betis Sevilla am Donnerstag ein Heimspiel im Europapokal zugelost wurde. Bis dahin hatte man ein wirklich gutes Fußball-Line-up und nur gute Spiele gesehen. Das Mittelfeld-Duell Dreizehnter gegen Vierzehnter versprach zwar keine Partie für Feinschmecker zu werden, aber in Spanien wurde man eigentlich noch nie enttäuscht. Und sollte das Spiel halten, was es nicht versprach, bliebe ein wunderbarer Ground, der eigentlich so aussieht wie der in Sevilla, aber in den nur halb so viele Leute passen.

Am Vorabend nochmal kurz ins Ticketing geklickt – viele tausend Plätze waren noch frei. Und so schlenderte man frohen Mutes nachmittags zum Rosaleda. Von weitem sah man schon die geöffneten „Taquillo“-Schalter, aus denen die Tickets verkauft werden. Das Tickethäuschen war vollbesetzt – trotzdem wurde die Schocknachricht überbracht, dass am Spieltag keine Karten mehr verkauft werden. Weder on- noch offline. Grund dafür die Einstufung als „Hochrisikospiel“. Ob man das in Spanien nötig hat? Wo es kaum Auswärtsfahrerei gibt? Und überhaupt, was soll das bringen, wenn man sich bis zum Vortag beliebig eindecken kann? Auch wenn hier eine „linke“ Fanszene auf eine „rechte“ traf, entschied man sich, diese Maßnahme als völligen Quatsch einzustufen.

Aber diese Einschätzung spülte kein Ticket an Land. Es wimmelte jedoch sofort von Schwarzmarktverkäufern auf dem Vorplatz. So richtig unseriöse Typen im Jogger, mit Bauchtasche und „Nike Air Max“ an den stinkenden Füßen. Zu allem Überfluss verhökerten sie auch noch ausgedruckte E-Tickets. Ein Opa schaltete sich sofort in die „Verhandlungen“ ein. Leider sprach der Mann nur Spanisch. Vermutlich ging es darum, dass ein Ticket nicht reicht und auch die beiden Kinder eine Zutrittsberechtigung benötigen. Offensichtlich hätte er auf seiner Dauerkarte ein Kind mit reinnehmen können. Aber was bringt das? Das Ticket für den Papa-Groundhopper fehlte. Zudem waren gerade mal 47€ Bargeld geblieben. Das sollte aber wenig später für ein Papierticket reichen. 45 Peseten wechselten den Besitzer. Der Opa schlug sich an die Stirn, schüttelte mit dem Kopf und ging weiter. Nicht gerade ermunternd.

Auf ging es zum Eingang und das mit den Kindern machte Sorge. Der Plan war die ganze Zeit, die Jungs mit reinzuschmuggeln. Wenn es Probleme gibt, dann holt man eben noch schnell zwei (ermäßigte) Tickets. Doch das war bei diesem Spiel ja nicht möglich. Also postierte man sich vor dem Eingang und… wartete die Zeit ab. Nach 10 Minuten kam eine ganze Jugendmannschaft. Alle Jungs hatten Tickets in der Hand, nur wir nicht. Aber dieser Umstand sollte reichen, um mit reinzuhuschen. Das 45€-Ticket galt natürlich für den unüberdachten Bereich. Da es unentwegt tröpfelte, ging es pauschal Richtung Tribüne – und siehe da, keinerlei Kontrollen. Irgendwie hatte sich die heikle Situation binnen Minuten in eine komfortable Situation gemausert.

Und ein Fußballspiel gab es ja auch noch. Málaga, der gefallene Riese, bei dem man irgendwie immer an Borussia Dortmund denken muss, startete die Partie mit viel Schwung. Sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Die „Ultras“ hinter dem Tor gaben den Takt an und das ganze Stadion hatte Bock mitzumachen. Von Cádiz und den vielleicht 250 oder 300 Auswärtsfahrern war man quantitativ zunächst enttäuscht. So ein Bohei um zwei Handvoll Gästefans. Ihre Zeit sollte aber noch kommen.

Die Partie war das typische Spiel zweier formschwacher Teams in der zweiten Liga. Mittelfeld-Duelle mit offenem Visier, viel zu hoher Einsatz, auf jeden Ball am Mittelkreis wurde eingeprügelt und fast jeder Pass nach einem Ballgewinn ging in die Füße des Gegners. Es fehlte an Präzision und Konzentration, die Körner wurden zuvor in belanglosen Zweikämpfen verschossen. Cádiz war das smartere Team, aber wie Málaga weit von einem Tor entfernt. Während einer der Junior-Groundhopper während des Spiels einschlief, pendelte sich alles auf ein 0:0 ein. Das sagt wohl alles.

Schade wär’s gewesen, so ein hoher Einsatz für das Spiel und dann eine Nullnummer, zumal es für Cádiz nach einem Torwartfehler in der 1. Minute (!) fast geklingelt hätte. Es hätte auch nicht zu den unterhaltsamen Spielen in dieser Woche gepasst. Und so hatte Málaga ein Einsehen, vertändelte kurz vor Schluss einen hohen Ball und die Gäste schoben zum nicht mehr für möglich gehaltenen 0:1 ein. Nur Sekunden später gelang sogar noch der Endstand zum 0:2. Besonders pikant: Torschütze José Matos wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert bei seiner Einwechslung begrüßt. Ein Blick in seine Vita verriet den Wechsel von Málaga nach Cádiz vor der Saison. Er war es auch, der zuvor das 0:1 auflegte. Unglaublich was für ein Drehbuch dieses langweilige Spiel am Ende noch parat hatte. Und auch die Auswärtsfans, die 83 Minuten nichts weiter als ein schöner gelber Fleck im Stadion waren, tanzten nach den Toren im Regen und übernahmen mit ihrer kleinen Delegation akustisch die Oberhand im Rosaleda.

In so einem Derby in Spanien steckt jede Menge Potential – wenn es denn mal wachgeküsst wird. José Matos, die Nummer 18, betrat als torloser Einwechselspieler in der 79. Minute den Rasen und verwandelte sich vom Judas zum Prinzen. Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Oder simpel zusammengefasst: Alle 11 Minuten verliebt sich irgendwo auf der Welt ein Groundhopper in einen Derbyhelden. (mm)