Sporting Charleroi – Standard de Liège 2:0

Sporting Charleroi – Standard de Liège 2:0

„BELGIEN WIR LIEBEN DICH”

18.01.26
Pro League
Stade du Pays de Charleroi
Zuschauer: 13.623

CHARLEROI – Nachdem Kollege (mm) bereits am Freitag nach Belgien fuhr, zog ich am Samstag nach und kreuzte mit Waregem den nächsten Ground in der “Pro League”. Am Abend trafen sich in Mouscron unsere Wege, wo sich mit Stade Mouscronnois der faktische Nachfolgerverein von Royal Excel in den bezahlten Fußball zurückkämpft.

Am Sonntagmorgen wurde die Reisegruppe um drei Redakteure erweitert, die über Nacht aus Schwechheim mit dem “grünen Hotel” nach Brüssel kamen. Das passte super, denn bereits um 09.30 Uhr rollte in der Randgemeinde Saint-Josse-ten-Noode im “Stade Communal Georges Pètre” (sehr zu empfehlen!) der Ball.

Das war jedoch nur der Auftakt für einen Sahnetag im Königreich. Anschließend fuhren wir in den Norden in die Kleinstadt Boom, die neben dem weltweit bekannten Festival “Tomorrowland” mit dem “Gemeentelijk Parkstadion” eine echte Groundperle bietet. Die Dichte an alten Stadien bei unseren Nachbarn und die hopperfreundlichen Ansetzungen sind einfach geweldig/magnifique/wunderbar, je nachdem wo man sich gerade im Land befindet. Die kleine Frituur mit nur einem Vierertisch als Sitzgelegenheit lieferte ebenso ab und im Prinzip war die Gruppe schon da hochzufrieden.

Allerdings stand mit dem “Choc Wallon” das Highlight des Wochenendes noch bevor. Charleroi ist wahrlich keine Schönheit, doch auch hier gilt: je hässlicher die Stadt, desto mehr halten die Bewohner zu ihrem Fußballverein. Sportlich standen die “Zebras” eigentlich immer im Schatten der “Rouches”, die jedoch in den letzten Jahren nachgelassen haben. Charleroi zog unter der Woche ins Pokalhalbfinale ein und ging hoch motiviert in den wallonischen Kracher.

Unterstützung von den Rängen gab es zunächst durch eine Choreo, womit die Ultras zum Gefecht riefen. Auf Seiten der 1.200 Gäste durften wir eine opulente Pyroshow mit Bengalos und jeder Menge Raketen bewundern, die auf jeden Fall derbywürdig war. Was für ein Start!

Die Gastgeber spielten vom Anpfiff weg konzentriert nach vorne und nach gerade einmal sechs Minuten der erste “Choc”: Scheidler köpfte eine Flanke vom Deutschen Pflücke ins Netz und drehte an der Lautstärke. Wir waren auf der Gegengerade und besonders gefiel uns, dass im Anschluss die Normalos gerne in die Gesänge mit einstiegen. Insbesondere das “Aux Armes” schepperte ordentlich.

Die “Zebras” blieben dynamisch und attackierten weiter. Das 2:0 leitete erneut Pflücke ein, dessen Pass Bernier mit einer tollen Einzelleistung veredelte. Schon da war klar, dass der gebürtige Dresdner “Man of the Match” sein wird. Von Standard kam auf dem Rasen so gut wie nichts. Deutlich mehr lief im Gästeblock: der Support ebbte nie ab und in der zweiten Halbzeit ploppten durchgängig Fackeln. Ebenso konnte sich das Kurvenbild sehen lassen, da gab es nichts zu mäkeln.

Charleroi verpasste es trotz bester Chancen, die Partie endgültig zu entscheiden. Aber eigentlich wusste jeder im Stadion, dass da nichts mehr anbrennen konnte. In den letzten zehn Minuten stand die gesamte Gegengerade und in der Nachspielzeit machten die Ultras mit einer Pyroshow den Derbysieg quasi offiziell.

Wirklich beseelt vom bisher besten Hoppertag in Belgien spulten wir die fast 650 Kilometer Rückfahrt nach Schwechheim wie auf Schienen ab. Dieses Land macht einfach immer wieder Spaß und natürlich kommen wir wieder! (hr)