FC Kilia Kiel – TuS Rotenhof – 4:1

FC Kilia Kiel – TuS Rotenhof – 4:1

„VON DER GOLDMARK BIS ZUM EURO“

18.03.2026
Oberliga Schleswig-Holstein
Kilia-Platz
Zuschauer: 230

KIEL – Den horrenden Ölpreisen zum Dank, entschied ich mich letzte Woche am Mittwoch für einen Revisit mit der Bahn. Mit der RE83 sollte es von Schwechheim nach Kiel gehen. Die Fahrt quer durch die „Holsteinische Schweiz“ hätte im linearen Fernsehen der 90er-Jahre in der Sendung „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ sicher ihren Platz gefunden. Noch dazu liefert die DB meistens pünktlich ab, weil keine chronisch unzuverlässigen Fernzüge diese Nebenstrecke blockieren.

Aber weg vom Trainspotting, zurück zum Groundhopping. Beim letzten Besuch am Hasseldieksdammer Weg kickte Kilia noch in der Landesliga. Die ersten Begegnungen als Groundhopper mit dem Traditionsverein vom Südfriedhof fanden gar in der Kreisliga statt. Seitdem hat sich eine Menge getan am Kilia-Platz. Vor drei Jahren schafften die Kilianer den Sprung in die Regionalliga. Den ehrwürdigen Ground mit der Tribüne von 1919 hat man um 180 Grad umgekrempelt. Kunstrasen statt Naturgras. Alle Stufen hinter dem Tor weg. Einstufige Sitzreihen und – Überraschung: Die mobile Sitzplatztribüne ist verschwunden.

Da sich Kilia den Platz mit den Footballern der „Kiel Baltic Hurricanes“ teilt, ist hier leider besonders viel Dynamik am Spielort vorhanden. Dort, wo einst die mobile Tribüne stand, sind allerdings frisch gegossene Betonfundamente zu sehen, offenbar ist hier neuer Ausbau im Anmarsch, wie mir auf Nachfrage bestätigt wurde. Die alte Tribüne steht auf der Gegenseite wie eh und je und hätte auch mal wieder einen neuen Anstrich verdient. Das Goldstück wurde vor 107 Jahren für 25.000 Goldmark errichtet und noch immer wird am Ground gewerkelt – auch wenn das Zahlungsmittel mittlerweile auf kontinentale Einheitswährung umgestellt wurde.

Mit einem „KöPi“ für 3,50€ in der Hand ging es kurz vor dem Anpfiff schließlich auf die alte Tribüne. Kiel ist auch so eine richtige Pilstrinkerstadt. Kann man sich irgendwie nicht vorstellen, dass die Bewohner der Stadt zwischen den Klinkerbauten in Düsternbrook und Ellerbek an Bistrotischen hocken und Aperol Spritz schlürfen. Dann lieber Holsten Edel, ist schon recht. Kilia war aber schon immer eine KöPi-Destination, wie die persönlichen Aufzeichnungen belegen. 2020 kostete der Humpen allerdings noch glatte 2€. So viel zur kontinentalen Einheitswährung.

Mit dem Anpfiff übernahm die Heimelf als Favorit das Kommando, ging schnell in Führung und ließ gegen den Abstiegskandidaten aus dem Rendsburger Ortsteil wirklich gar nichts anbrennen. In dieser Form kommt Kilia grundsätzlich sicher auch wieder für einen Regionalliga-Aufstieg in Frage. Allerdings ist der SV Todesfelde mit einer Fabelsaison schon weit enteilt und der Vorsprung an der Tabellenspitze wäre noch größer, hätte der Verband den Anfahrtsstau letztes Jahr auf der A7 nach Satrup zum Auswärtsspiel nicht als „Nicht-Antritt“ gewertet. Aber das ist eine andere Sache. Kilia erledigte an diesem Abend seine Hausaufgaben, ging 3:0 in Führung und selbst als es eine Rote Karte für Kiel und einen Handelfmeter für die Gäste gab, konnte dies nicht mehr an dem verdienten Heimsieg rütteln.

Mal gucken wo die Reise in der nächsten Saison hingeht und wie der Ground dann ausschaut. (mm)

TuS Rotenhof – Osterrönfelder TSV – 5:0

23.08.2023: TuS Rotenhof – Osterrönfelder TSV – 5:0

„ZWISCHEN DERBY UND TRAGÖDIE“

Sportanlage Fockbeker Chaussee

Zuschauer: 350

Landesliga Schleswig

RENDSBURG – Dem „Rendsburger Herbst“ sei Dank fand dieses Derby in der Landesliga an einem Mittwoch statt. Denn die Osterrönfelder trumpften auf dem Volksfest mit einem eigenen Stand auf – ist ja klar, da ist ein Spieltermin am Wochenende ungünstig. Rund 400 Zuschauer betraten den herausgeputzten Ground bei solidem Sommerwetter an diesem Abend. Neu ist eine unüberdachte Sitzplatztribüne über den Stehstufen. Auch sonst macht der Ort mit vielen kleinen Details und guter Versorgung auf sich aufmerksam.

Es kommt schon nicht von ungefähr, dass der Verein seit einigen Jahren an das Tor zur Oberliga klopft. Das sieht man an jeder Ecke und nicht nur auf dem Rasen. Vor wenigen Wochen stand man bis in die Nachspielzeit als Aufsteiger fest, ehe der VfR Neumünster in den letzten Sekunden den Rendsburgern das Oberliga-Ticket entriss. Letztes Jahr nach einem Auswärtssieg beim TSV Kropp gab es großes Gezeter unter den mitgereisten Meckerrentnern – dabei hatte man das Spiel gewonnen. Die Ansprüche in Rotenhof sind also gewachsen.

Diesmal gab es wenig zu beanstanden: In einem zunächst ausgeglichenen Spiel übernahm Rotenhof nach und nach das Zepter und verewigte sich als aktivere Mannschaft völlig zu Recht fünf Mal in der Torschützenliste. Ein Elfmeter war der Türöffner und beim dritten Tor aus spitzem Winkel von der Torauslinie, hat sich Lothar Emmerich vermutlich im Grabe umgedreht. Die Gäste aus Osterrönfeld gaben sich nicht auf und hatten eine gute Portion Mitleid spätestens verdient, als der Referee einen berechtigten Elfmeter beim Stand von 0:4 oder 0:5 nicht geben wollte.

Es gibt so Tage, an denen einfach nichts klappen will. So ähnlich und noch viel schlimmer konnte man wohl auch das Heimspiel von Rotenhof 11 Tage zuvor gegen den Husumer SV beschreiben. In der 28. Minute fiel der Husumer Valentin Sinzel ohne gegnerische Fremdeinwirkung auf den Rasen. Der Nordfriese musste notoperiert werden – Hirnblutung und Schlaganfall. Mit 25. Aus diesem Grund präsentierten Spieler beider Teams vor dem Anpfiff ein Banner mit der Aufschrift: „Kämpfen Valle, du schaffst das!“.

Der Pöbelfaktor an diesem Abend hielt sich bei den Meckerrentnern danach ausnahmsweise mal in Grenzen, hatte man das Gefühl. (mm)