FC Dinamo Minsk – FC Belshina Bobruisk – 2:0

FC Dinamo Minsk – FC Belshina Bobruisk – 2:0

“DAWAI, DAWAI”

04.04.2026
Vysshaya Liga
Stadyen Dynama-Juni
Zuschauer: 650

MINSK – Seit dem letzten Jahr kann man als EU-Bürger visumfrei nach Belarus reisen. Das reizte mich sehr, im vergangenen Jahr passte es bei mir aber einfach nicht in den Kalender. Zudem fixten mich natürlich die anderen beiden Berichte beim Landboten zusätzlich an. Aktuell ist bis Ende 2026 eine visumsfreie Einreise möglich, wird aber bestimmt erneut verlängert. Einen Trip ins Ungewisse, was klappt vor Ort, was nicht? Ein bisschen Ungewissheit reizt mich ja gut und gerne mal. Da der Spielplan für die Ligen in Belarus leider erst Mitte Februar rauskam, waren die billigeren Optionen für Ostern natürlich ausgeschöpft. Mit dem Flieger ging es also vom BER nach Vilnius hin und zurück. Vilnius passt gut, das Unternehmen “Ecolines” verbindet die Stadt mit der Metropole Minsk im Nachbarland. Die Busfahrt gibt es mehrmals am Tag. Ich entschied mich, über Nacht die Situation an der Grenze zu überstehen.

Das Wort “überstehen” ist dramatischer, als es am Ende wirklich war. Zuerst kam die Ausreise und dann die Einreise, unser Bus war nicht komplett gefüllt und nach 4 Stunden mit allem drum und dran rollten wir die Straßen weiter Richtung Hauptstadt. Keine nervigen Fragen, lediglich Pass-, Hotel- und Gepäckkontrolle. Diese Zustände hat man im Sommer an den Grenzübergängen auf dem Balkan ähnlich zeitintensiv.

Zwei volle Tage in der Stadt standen an, früh morgens spuckte mich der Bus an der Busstation heraus, direkt neben dem Hauptbahnhof. Erster Eindruck der Stadt: Wahnsinnig sauber! Kein Müll auf den Straßen, da kann sich so manche deutsche Stadt definitiv eine Scheibe abschneiden. Das Hotel konnte ich über den bekannten Anbieter “trip” buchen, somit ging die erste Reise per Fußbus erstmal dahin. Die Taxi-App “Yandex” läuft in dem Land einwandfrei, lediglich Barzahlung klappte bei mir. Das Tauschen von Bargeld ist das kleinste Problem im Land, jede Bankfiliale hat eine Wechselstube und am Hauptbahnhof gibt es ein 24/7-Stübchen. Die Zahlungsmethode Kreditkarte funktionierte in zahlreichen Restaurants, Bars oder Supermärkten.

Neben den sauberen Straßen gefiel mir die Stadt richtig gut, der Fluss “Swislatsch” lieferte schöne Wege durch das Stadtzentrum. Als Restaurant-Tipp kann ich das “Kamyanitsa Restaurant” empfehlen, leckere einheimische Küche und Bier für umgerechnet 2€/0,5 Liter. Falls jemand mal nach Minsk fahren will, besucht gerne diesen Laden.

Am Freitagabend stand der erste Termin an, leider wurde das Spiel von Arsenal Dzerzhinsk von Baryssau nach Minsk verlegt. Der Länderpunkt fiel dann eben hier. Die Polizisten vor dem Einlass durchstöberten meinen Reisepass, um den Stempel zu finden. Die einzige “unangenehme” Situation in diesem Land. In der Nacht zuvor am Grenzposten bekommt man nämlich hinter dem Glas nicht mit, welche Seite am Ende den Stempel erhält. Naja, hat ja geklappt. Zuerst stolperten die Tellermützen-Träger über den Stempel aus Bangladesch. Ganz viel Liebe für dieses Land, da lass ich nichts rankommen! Am Ende entschärfte sich die Situation, die Kommunikation war auch eher schwierig. Stempel gefunden und rein ins Stadion. Circa 250 Zuschauer fanden sich im Stadion ein. Die Busnacht zerrte am Gemüt und somit verschlug es die Reisegruppe ins Restaurant und danach ins Hotel. Die Partyszene der Stadt müssen andere Landboten-Redakteure ausfindig machen.

Am Sonnabend stand erneut ein bisschen Touri-Programm auf dem Zettel. Nach knappen 10 Stunden Schlaf stärkten wir uns im Supermarkt mit einem reichhaltigen Frühstück. Eine heiße Theke und große Auswahl an Backwaren ließen die Herzen höher schlagen.

Am Abend sollte dann das nächste Spiel starten. Der mutmaßlich größte und bekannteste Verein des Landes, der sich die Spitze mit BATE Baryssau teilt. Die meisten Titel holte der Verein aus der nördlich gelegenen Stadt Baryssau. Dinamo hingegen steht an zweiter Stelle der meisten Meisterschaften der Liga. Das Spiel wurde leider im kleinen Stadion in Minsk ausgetragen, das “Stadyen Dynama-Juni” verfügt über einen Kunstrasen im Gegensatz zum großen Stadion, welches unmittelbar im Stadtzentrum liegt. Tickets für das Spiel gibt es an der Tageskasse für 10 weißrussische Rubel (2,70€) bekommt man das schöne Stück Papier.

Im Stadion gab es einen kleinen organisierten Haufen des Gastgebers. Die üblichen Schlachtrufe wie DI-NA-MO animierten die restlichen Anhänger mit einzusteigen. Ein kleiner Gästeblock mit 15-20 Leuten war ebenfalls anwesend, eine knapp zweistündige Autofahrt beinhaltete die Anreise der Gäste.

Zum Spiel benötige ich nicht viele Zeilen, der kalte Wind gepaart mit Regen peitschte durch das Stadion. Nach dem Kick ging es zum Hotel, um die Sachen abzuholen, um 00:30 Uhr sollte der Bus zurück nach Vilnius fahren. Nach ein paar Kaltgetränken in einer Kneipe war es soweit, der Rückweg dauerte insgesamt nur fast 5 Stunden inklusive Grenzkontrollen. Die Ausreise war somit sehr entspannt. Ein spannender Trip ins Ungewisse fand sein Ende und am Sonntag verbrachte die Reisekombination Zeit in Litauen, ehe es am Ostermontag mit Onkel Rainer von Vilnius zurück nach Berlin ging. Ein Länderpunkt ohne Urlaub, das ist schön! (tp)

FK Molodechno – FC Naftan Novopolotsk – 0:2

FK Molodechno – FC Naftan Novopolotsk – 0:2

„REIZÜBERFLUTUNG IN BELARUS“

02.05.2025
Vysshaya Liha
Stadyen Haradski
Zuschauer: 750 (offiziell)

MOLODECHNO – Für mich und Kollege „cvs“ stand das Land der Tellermützen seit Einführung der visafreien Einreise auf dem Landweg auf dem Zettel und für die Komplettierung der UEFA führt eben kein Weg an der letzten Diktatur Europas vorbei. Als pragmatischste Lösung für die Anreise stellten sich Flüge von Schwechheim nach Vilnius und von dort ein Bus nach Minsk heraus.

Pünktlich um 01:45 Uhr in der Nacht auf Freitag fuhren wir los und standen nach einer halben Stunde am ersten Schlagbaum. Ausreise Litauen, Einreise Belarus. Im Vorfeld hatten wir allerlei Horrorgeschichten von Einzelverhören bis hin zur Preisgabe von Smartphone-Inhalten gelesen. Letztendlich stellte die Grenzbeamtin nur ein paar Fragen zum Aufenthalt und wir waren durch. Das gesamte Prozedere dauerte etwa zwei Stunden und morgens um 6.00 Uhr erreichten wir den Busbahnhof in Minsk. Gleiches galt übrigens auch ein paar Tage später für die Rückreise.

Ziemlich gerädert kippten wir zwei große Kaffee im Schnellrestaurant „Mak.by“ runter. Das Konstrukt ist natürlich ein Resultat der allgegenwärtigen politischen Lage und Ähnlichkeiten mit dem vorherigen goldenen „M“ sind natürlich reiner Zufall. Schnell noch eine SIM-Karte besorgt und Geld getauscht, dann liefen wir in die Bahnhofshalle rüber. Dort orderten wir trotz Anlaufschwierigkeiten zwei Bahntickets nach Molodechno, was etwa eine Stunde nördlich der Hauptstadt liegt.

Wie auch in Minsk fielen uns auf dem Weg zum Ground die außerordentlich sauberen Straßen und Parks auf. Ferner waren die Gebäude für die anstehenden Feierlichkeiten zu 80 Jahren Weltkriegsende aufpoliert worden und die Hauptstraßen mit Fahnen geschmückt. Das Stadyen Haradski liegt gute 20 Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt.

Vor Ort war doch einiges los und die Zuschauerzahl sahen wir eher um die Tausend, wobei auch ein paar Gäste aus Novopolotsk kamen. Die zahlreich vertretenen Sicherheitskräfte tasteten beim Einlass alle Zuschauer gründlich ab, blieben im Stadion aber entspannt. Eine Fotorunde direkt hinter der Bande entlang war kein Problem.

Besonders stachen natürlich die klassischen Flutlichter auf den Stahlskeletten heraus. Die Tribüne auf der Gegengerade hat ihre besten Tage hinter sich und besteht auch aus einer simplen Stahlkonstruktion. Auf der Haupttribüne inklusive Funktionsgebäude durften ein paar Offizielle Platz nehmen. Links davon waren die Gäste untergebracht.

Bei bestem Fußballwetter um die 24 Grad sahen die bis dahin punktlosen Gastgeber erneut kein Land und mussten sich am Ende mit 0:2 geschlagen geben. Spielerisch war das alles überwiegend schwere Kost. Dafür lässt sich kaum einer fallen und Theatralik sucht man in der „Vysshaya Liha“ vergebens. Ein kurzes „Dawei“ vom Schiedsrichter und weiter geht es. Die Nachspielzeit beträgt oft höchstens vier Minuten und Doppler lassen sich gut planen.

Nach dem Spiel gönnten wir uns noch eine Schmierpizza und bestiegen anschließend einen uralten Zug zurück nach Minsk. Die Fahrgäste auf den klappbaren Pritschen wurden auf der Fahrt ordentlich durchgerüttelt.

Ziemlich müde nach dem langen Tag wollten wir nur noch ins Bett und orderten mit Yandex ein Taxi. Allerdings musste der Fahrer nach ein paar Kilometern stoppen: „all Roads closed“. Na gut, dann halt den Rest zu Fuß. Dabei stolperten wir kurz vorm Hotel in die vermeintliche Generalprobe für die Parade am 9. Mai. Hunderte bewaffnete Soldaten säumten die Straße, darunter auch eine Abordnung aus China. Deren Landsleute schwirrten mit ihren Handys umher und machten fleißig Fotos. Irre und für uns der Abschluss vieler Eindrücke gleich am ersten Tag in diesem speziellen Land. (hr)